Bücher, die man gelesen haben muss
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Bücher, die man gelesen haben muss

Donnerstag, 17. Mai 2018 von Piper Verlag


Die wichtigsten Bücher aus unserem Verlag

Welche Bücher aus dem Piper Verlag sollte man kennen? Welche Titel standen monatelang auf der Bestsellerliste oder haben es in den Kanon der deutschen Literatur geschafft? Hier finden Sie Klassiker aus unserem Verlag und unsere meistverkauften Bücher. 
Unsere Kollegen stellen Ihnen unsere persönlichen Schätze vor: Belletristik und Sachbücher, spannende Romane und faszinierende Biografien – herausgekommen ist eine Mischung aus Klassikern, Gegenwartsliteratur und Geheimtipps.


Paul Völkl, Azubi, über Terry Pratchetts »Das Erbe des Zauberers«

Mit »Das Erbe des Zauberers« beweist Terry Pratchett einmal mehr, dass die Fantasy-Literatur weitaus mehr zu bieten hat, als die ständigen Schlachten zwischen Licht und Dunkel, die funkelnden Helden, die finsteren Schurken und die feuerspeienden Drachen. Im dritten Scheibenwelt-Roman geht es um die Gleichberechtigung in der Zauberei (man beachte den englischen Titel: »Equal Rites«). Der Zauberer Drum Billet weiß, dass er dem Tode nahe ist. Er reist also in einer stürmischen Nacht in das Dorf »Blödes Kaff«. Dort soll in ebendieser Nacht ein Kind zur Welt kommen, das als achtes Kind eines achten Kindes geboren wird und somit über große magische Kräfte verfügen wird. Mit seinem letzten Atemzug vermacht er dem Kind seinen Zauberstab und macht es somit zu seinem Nachfolger. Als er ins Jenseits eintritt, bemerkt er jedoch, dass er einen folgenreichen Fehler gemacht hat: Das Kind ist ein Mädchen. Auf der Scheibenwelt sind die Verhältnisse in der Zauberei bis dato klar gewesen, ein weiblicher Zauberer scheint genauso absurd wie eine männliche Hexe. Die Dorfhexe Oma Wetterwachs nimmt sich also der jungen Eskarina an, um sie im Hexenhandwerk auszubilden. Schnell muss sie jedoch feststellen, dass Esks Talente nicht die einer Hexe sind, sondern die eines Zauberers. Schließlich brechen die beiden auf, um in die Stadt Ankh-Morpork zu reisen und dort einen Platz für Esk an der Unsichtbaren Universität, der Schule für Zauberer, zu erkämpfen. Terry Pratchett erzählt die Geschichte der ersten Zauberin der Scheibenwelt in seiner gewohnten, absurd-komischen Weise und zeichnet meisterhaft Figuren, die im Laufe der Geschichte ihr eigenes Dasein als Fantasy-Klischee zunehmend hinterfragen. So hält er uns und unseren Vorstellungen, wie die Dinge in Geschichten zu sein haben, einen Spiegel vor und wir erkennen, wie stark dieses Denken in unserem täglichen Leben verwurzelt ist. Durch das Lesen seiner Bücher lernen wir, wie sehr unsere Wahrnehmung von den Geschichten geprägt ist, die wir uns täglich erzählen. Und wir erkennen, dass sowohl die Geschichte von der Hexe und dem Zauberer, als auch die von der Hausfrau und dem Manager, letztendlich nur Geschichten sind und die Dinge anders sein können. Gleichzeitig zeigt er allen seinen Figuren gegenüber, mit ihren Stärken und Schwächen, ein Verständnis, dass man sich im Umgang der Menschen miteinander wünschen würde. »Das Erbe des Zauberers« ist ein tolles Buch, das ich allen Leuten nur empfehlen kann, die sich bisher noch nicht an Terry Pratchett und die absurde Scheibenwelt herangetraut haben. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet auch die tolle Übersetzung von Andreas Brandhorst, der sich souverän Terry Pratchetts sehr eigenen Sprachstil angeeignet hat. Lest Terry Pratchett, von ihm kann man viel über das Menschsein lernen!

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, erfand in den Achtzigerjahren eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht, und hatte damit einen schier unglaublichen Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind Scheibenweltromane. Jeder achte Deutsche besitzt ein Pratchett-Buch. Bei Piper liegen der erste Scheibenweltroman »Die Farben der Magie« sowie die frühen Bände um Rincewind, Gevatter Tod, die Hexen und die Wachen vor – Meisterwerke, die unter den Fans einhellig als nach wie vor unerreicht gelten. Terry Pratchett erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den »World Fantasy Lifetime Achievement Award« 2010. Zuletzt lebte der Autor in einem Anwesen in Broad Chalke in der Grafschaft Wiltshire, wo er am 12. März 2015 verstarb.

Hannes Ulbrich, Lektor im Lektorat Literatur, über Birgit Vanderbekes »Das Muschelessen«

Durch Löcher in einer Oberfläche sprudeln manchmal Dinge ans Tageslicht, die sich zuvor im Verborgenen hielten. Ganz so geschieht es auch in Birgit Vanderbekes kanonischer Erzählung »Das Muschelessen«. Mutter, Tochter und Sohn sitzen am gedeckten Tisch und warten auf den Vater. Dessen Lieblingsgericht ist bereits serviert: Moules frites, Muscheln mit Pommes. Der Vater aber kommt nicht. Ganz unerwartet entsteht dadurch eine Leerstelle. Eine Leerstelle, die alle Anwesenden umso deutlicher auf den Abwesenden und dessen Rolle in der Familie aufmerksam macht. So entpuppt sich die scheinbare Familienidylle im Laufe des Abends als vom patriarchalischen Oberhaupt gewaltsam zusammengehaltene Vorstellung von einer Familie. Der Vater nämlich findet seine Frau zu kleinlich, seinen Sohn zu weich, seine Tochter zu verstockt, und er bringt seine Missstimmung nicht nur verbal zum Ausdruck. Doch je bewusster den Wartenden ihre Situation wird, desto wütender formulieren sie an diesem unerhörten Abend ihren bisher unterdrückten Ärger. Schon so früh in ihrem Werk hat Birgit Vanderbeke ihren wunderbaren, ganz eigenen Stil gefunden, der die Gedanken der erzählenden Tochter hüpfend und springend zu einer Erkenntnis kommen lässt. Ebenso früh entdeckt die Autorin ein Thema, das sie noch lange beschäftigen wird – zuletzt in ihrem tollen neuen Roman »Wer dann noch lachen kann«: erlebtes Unrecht muss ausgesprochen und darf auf keinen Fall einfach so hingenommen werden. An jenem Abend sitzen Mutter, Tochter und Sohn noch lange beisammen, sie reden sich in Rage und bemerken schließlich, der Abend hatte schon falsch begonnen, denn außer dem Vater mag in dieser Familie niemand Muscheln. Ein wirklich kluges und eindringliches Buch.

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebt im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die Brüder-Grimm-Professur an der Kasseler Universität.

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