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Das Buchcover zeigt einen gelben Hintergrund. Im Vordergrund sind zwei Frauen in roten Kleidern abgebildet, die fröhlich zusammenlaufen. Ihre Schatten sind auf dem Boden sichtbar. Der Titel „Ich freue mich, dass ich geboren bin“ steht in einer geschwungenen, schwarzen Schrift in der oberen Hälfte des Covers, während der Autorenname „Birgit Vanderbeke“ in größeren Buchstaben darüber platziert ist. Unten links befindet sich das Wort „Roman“ in kleiner, einfacher Schrift.

Ich freue mich, dass ich geboren bin

Roman
12,00 €
01.09.2017
160 Seiten, Broschur
12cm x 18,7cm
978-3-492-31112-0

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info@piper.de
Piper Verlag GmbH
Georgenstraße 4
80799 München

Beschreibung

Es sind die Sechzigerjahre, die Flucht aus dem Osten liegt hinter ihnen. Angekommen sind sie im elterlichen Land der Verheißung, in Westdeutschland. Für das Kind aber ist es ein übler Ort – und an einem 5. Juli beschließt es, aus seiner gewalttätigen Gegenwart zu fliehen in eine selbstgemachte, magische Kindheit. Birgit Vanderbekes raffinierter, federleichter Roman ist die autobiografische Geschichte einer langen Flucht aus dem Osten zu sich selbst.

Über Birgit Vanderbeke

Foto von Birgit Vanderbeke

Biografie

Birgit Vanderbeke, geboren 1956 im brandenburgischen Dahme, lebte bis zu ihrem Tod Ende 2021 im Süden Frankreichs. Ihr umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis. 2007 erhielt sie die...

Mehr über Birgit Vanderbeke

Aus „Ich freue mich, dass ich geboren bin“

Die besten Ideen hat man zwischen fünf und zehn. Danach haben manche Leute noch ein paar Ideen, vielleicht so bis fünfundzwanzig oder dreißig, je nachdem, ob sie in der Zeit noch mit jemandem reden oder nicht, aber nach dreißig haben die meisten von ihnen keine Lust mehr, mit jemandem zu reden, dann haben sie aufgegeben, und natürlich ist dann auch Schluss mit den Ideen.
Meine beste Idee hatte ich mit sieben, weil ich um die Zeit unbedingt mit jemandem reden musste, und als mir einfiel, wie ich das hinkriegen könnte, hatte ich gleich das Gefühl, dass es eine richtig [...]

Buchcover müssen unverändert und vollständig wiedergegeben werden (inklusive Verlagslogo). Die Bearbeitung sowie die Verwendung einzelner Bildelemente ist ohne gesonderte Genehmigung nicht zulässig. Wir weisen darauf hin, dass eine Zuwiderhandlung rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Pressestimmen

„Ein eindringliches Porträt einer Kindheit, in einer Sprache geschrieben, die die Schrecknisse zunächst abfedert, sie jedoch umso stärker nachwirken lässt. Die 150 Seiten sind schnell gelesen, aber lange nicht verdaut...“

literaturleuchtet.wordpress.com

„Schmerzlich und pointiert, stellenweise trotz allem komisch und am Ende wahrhaft hoffnungsvoll.“

WDR 5 „Scala - Bücher“

„›Ich freue mich, dass ich geboren bin‹ ist ein anmutiger, federleichter Roman, dessen wahres Gewicht sich erst allmählich und im Nachklang offenbart.“

MDR Kultur

„Ein Roman, der von der Sehnsucht nach Liebe und der Einsamkeit und der radikalen Hilflosigkeit eines Kindes erzählt (...) indem er eine prächtige, schön getünchte Fassade beschreibt. Und sie im gleichen Atemzug zum Einsturz bringt.“

Frankfurter Neue Presse

„Sehr beeindruckend, imponierend, raffiniert.“

Deutschlandfunk

„Der oft genug scheiternden Gratwanderung, gerade Gewalterfahrungen aus der Perspektive eines Kindes zu erzählen, stellt sich Vanderbeke mit einer souveränen Kunstsprache und Bildern aus dem Arsenal der Märchen und Mythen.“

Der Tagesspiegel

„›Ich freue mich, dass ich geboren bin‹ ist heftige Lektüre (...) und ist dennoch ein hoffnungsvoller Roman.“

BR Bayern 2

„Ein Roman, der durch seinen Sprachstil beeindruckt – der naiv, kindlich und durchaus aufsässig, dann wieder glasklar beobachtend und verächtlich ist.“

neue-buchtipps.de

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Birgit Vanderbeke
Ich freue mich, dass ich geboren bin.
Über die Entstehung von „Ich freue mich, dass ich geboren bin"

Eine ganze Weile, bevor ich selbst gelegentlich danach gefragt wurde, worüber ich mein nächstes Buch schreiben würde, hat A.C. schon die Antwort darauf gehabt. A.C. ist eine meine Lieblingsfiguren in einem meiner Bücher, und er hatte es kapiert.

Nachdem er herausgefunden hatte, dass man es  mit seinem neugeborenen Kind machen konnte, wie man wollte – erst wickeln, dann stillen, oder erst stillen, dann wickeln, es schrie so oder so, bis es erst dunkelrot und dann blau im Gesicht wurde – als er das also herausgefunden hatte, sagte er, man müsste darüber schreiben, warum das so ist. Die Mutter des Babys sagte, zuerst müsste man es wissen. Aber A.C. sah sie entgeistert an und sagte, wie kommst du darauf. Natürlich nicht, sagte er dann. Wenn man es weiß, muss man nicht darüber schreiben.

Deshalb bekommt auch niemand eine vernünftige Antwort, wenn er mich fragt, worüber ich mein nächstes Buch schreibe.
Manches allerdings weiß ich nach neunzehn Büchern inzwischen darüber, wie das bei mir läuft mit dem Schreiben des nächsten.
Sehr oft ist der Anlass für ein Buch ein Satz, den ich irgendwo gehört oder gelesen habe und der einen Widerhaken hat.

Hier muss man unterscheiden zwischen blöden Sätzen mit Widerhaken und den nicht so blöden. Die blöden liebe ich sehr, es sind oft unbedachte Alltagsphrasen mit erheblichem kriminellen Potential oder  gedroschenes Politiker- und Medienstroh, und es macht großen Spaß, sie erzählerisch so durchzumangeln, bis jeder sieht, wie blöd sie sind. Das mache ich gern, aber eher mit der linken Hand, es fließt einfach so ins Schreiben rein, ohne ein Thema zu sein.

Die anderen hingegen, das sind natürlich nur wenige, setzen sich mit ihren Widerhaken eher dezent und unbemerkt fest und fangen ein Eigenleben in meinem Kopf an, manchmal verblassen sie nach einer Weile, weil ich denke, dass ich mit ihnen „durch“ bin, aber oft Jahre später kommen sie wieder und sind immer noch da, aber natürlich sind sie dann mit mir durch die Zeit gegangen und haben sich verändert, einen anderen Klang, eine andere Farbe bekommen, und wenn das ein paarmal passiert, wüsste ich – genau wie A.C. - gern, warum das so ist.

Und dann fange ich an, mit so einem Satz und durch ihn hindurch zu erzählen.
Zufällig liegt die Sache für mein nächstes Buch genau so, und der Satz, der mich nach achtzehn Jahren immer noch und immer wieder beschäftigt, ist von Frau Külz. Frau Külz ist eine der Hexen, von denen ich für die Walpurgisnacht des Jahres 2000 erzählt habe, zu der Gisela von Wysocki, Marlene Streeruwitz und ich nach Wolfenbüttel in die Herzog-August-Bibliothek eingeladen waren, und das war großartig, aber das erzähle ich ein andermal. Jedenfalls ist Frau Külz natürlich eine meiner Lieblingshexen. Sie war eine von den hageren grauhaarigen, und eines Tages stand sie vor mir, als ich gerade mal besonders ratlos war und nicht wusste, was ich tun sollte.

Sie tauchte also einfach auf, stand vor mir und sagte, es ist so wenig, was man tun muss. Es ist so wenig, dass ich lachen muss, wenn ich darüber nachdenke. Es ist ganz wenig und ganz gründlich.
Kurz darauf starb sie.

Und seitdem denke ich darüber nach.
Es wird Zeit, ein Buch darüber zu schreiben.

Birgit Vanderbeke