Mamma Carlotta und die Malerei
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Montag, 14. April 2014 von Gisa Pauly


Mamma Carlotta und die Malerei

Mamma Carlotta macht mal wieder Urlaub auf Sylt und wie es der Zufall will, erinnern sie die Begebenheiten im Krimi »Strandläufer« an eine Geschichte, die sich einmal in ihrem Heimatort Pandomino zugetragen hat

>> Eine Frage des Geschmacks

In meinem Dorf in Umbrien gibt es un pittore. Einen Maler, Sie verstehen? No, kein Anstreicher! Den haben wir natürlich auch. Allora … ich meine einen Maler, der schöne Bilder pro-duziert. Viel schöner als die von Boy Lindegard, von dem im Buch »Strandläufer« die Rede ist. Der malte nämlich abstrakt, das hat mir meine Enkelin genau erklärt, und das gefällt mir nicht besonders gut. Tachismus, hat Carolina gesagt, heißt es, wenn der Maler nicht malt, was er sieht, sondern das, was er fühlt. Terribile! Wenn er wütend ist, knallt er die Farben auf die Leinwand, ist er gut gelaunt, streicht er sanft mit dem Pinsel hin und her, und das in fröhlichen Farben, wenn er sich verliebt hat. Aber sobald die Liebe vorbei ist, kleckst er graue Farbe darüber oder krakelt alles mit roten Blitzen und schwarzen Kreisen voll. Das soll Kunst sein? Non. Mai! Ricardo, der Maler in meinem Dorf, arbeitet ganz anders. Er malt Vasen mit blühenden Blumen, Obstschalen mit Weintrauben und Pfirsichen und viele Bilder von unserer schönen Landschaft.


Alle Bewohner unseres Dorfes lieben Ricardos Bilder, es gibt kein Haus, in dem nicht mindestens ein Gemälde von Ri-cardo hängt. Leonarda war die Einzige, die Ricardos Bilder nicht mochte. Vielleicht lag das daran, dass sie nicht in Panidomino geboren und aufgewachsen war. Sie hat am Comer See gewohnt, ehe sie Sandro kennenlernte, der damals gerade die Wäscherei seines Vaters übernommen hatte. Seinetwegen war sie nach Panidomino gekommen, und zunächst dachte man, sie wären verlobt, doch das erwies sich schnell als Gerücht. Verliebt waren sie aber ganz sicher, das fiel sogar Signora Fantonello auf, die von Liebe nichts mehr wissen wollte, seit sie von ihrem Mann verlassen worden war.
Ach, es war schön zu sehen, wie Sandro alles tat, um Leonarda eine Freude zu machen. Er schenkte ihr Blumen, führte sie zum Essen aus und half ihr sogar bei der Wäsche. Als sie Geburtstag hatte, rechneten alle damit, dass er ihr einen Ring schenken würde. Aber Sandro sagte, er habe sich etwas viel Besseres ausgedacht. Madonna, das hatte er wirklich! Ein wunderbares Geschenk! Fantastico!

Er bat Ricardo, ein Bild zu malen. Extra für Leonarda! Man stelle sich das vor! An dem Tag vor ihrem Geburtstag traf ich Sandro zufällig. Er kam aus Ricardos Atelier und trug etwas Großes, Viereckiges bei sich. Zweifelsohne ein Gemälde! Aber natürlich unter einer Decke verborgen, damit niemand das Bild sah und Leonarda etwas verriet. Mir hat er es aber doch gezeigt. Sandro weiß ja, wie verschwiegen ich bin. Veramente! Vor allem, wenn es um Amore geht, sind meine Lippen versiegelt.
Das Bild war … meraviglioso! Viele rote Herzen vor einem wolkenlosen Himmel, dazwischen ein paar weiße Tauben, eine davon mit einem Brief im Schnabel. Ein Firmament der Liebe! Darunter der Berg, auf dem Panidomino liegt, und in der Ecke rechts unten ein paar Weinflaschen von Signor Rometti, dem Besitzer des größten Weinbergs in der Gegend. Er verwendet auffällige blaue Etiketten, an denen der Wein aus seiner Produktion sofort zu erkennen ist. Gelegentlich schenkt er Ricardo eine Leinwand oder ein paar Eimer Farbe, damit seine Schaffenskraft nicht versiegt, und Ricardo sorgt als Gegenleistung dafür, dass Signor Romettis Wein überall bekannt wird. Aber wenn man das vergisst, stören die blauen Etiketten nicht weiter. Das Bild war ein Meisterwerk, so viel war klar.

 

Sandro kehrte am nächsten Tag mit stolzgeschwellter Brust von Leonardas Geburtstagsfeier zurück. »Hat sie sich gefreut?«, habe ich ihn gefragt, obwohl diese Frage natürlich überflüssig war. Welche Frau freut sich nicht über ein solches Geschenk, über ein Bild, das nur für sie gemalt worden war!
Aber dann wurde ich zufällig Zeuge eines Telefongesprächs. Leonarda lief mit ihrem Telefonino durch den Weinberg von Signor Rometti, während ich ein paar Rebstöcke weiter den Weg zum Olivenbauern einschlug. Was konnte ich dafür, dass ich jedes Wort verstand? Keiner kann mir vorwerfen, ich hätte gelauscht. Mio Dio, sie hätte ja auch leiser reden können … Aber laut und vernehmlich hat sie von Kitsch gesprochen und davon, dass sie ein derart hässliches Bild in ihrem Leben noch nicht gesehen hätte. Sie müsse sich sogar überlegen, ob sie mit einem Mann, der einen derart schlechten Geschmack bewiesen habe, überhaupt zusammen sein wolle. Madonna, wie kann man nur so undankbar sein! Ich konnte Leonarda wirklich nicht verstehen!

Lange habe ich überlegt, ob ich Sandro die Wahrheit sagen sollte. Aber ich entschloss mich dann doch zu schweigen, obwohl mich jedes Mal, wenn ich ihn traf, Zweifel überkamen, ob ich richtig handelte. Dann aber vergaß ich die Angelegenheit, weil eine andere Sensation unser Dorf aufrüttelte: Bei Leonarda war eingebrochen worden! Jemand war über ihren Balkon in die Wohnung eingedrungen und hatte das schöne Bild gestohlen, das Ricardo extra für sie gemalt hatte. Sonst war noch alles an seinem Platz, der Dieb hatte es augenscheinlich auf dieses Bild abgesehen. 
Ricardo erhöhte daraufhin die Preise für seine Gemälde, weil er fand, dass dieser Diebstahl ein Beweis dafür war, wie hoch seine Kunst geschätzt wurde. »Wenn ich tot bin, Carlotta«, sagte er zu mir, »wird das Stillleben über deinem Sofa Tausende wert sein. Vielleicht sogar Millionen.«
Ich liebe das Bild mit den roten Tulpen in der goldenen Vase, aber … Millionen? Das konnte ich nicht recht glauben.


Von allen Seiten wurde Leonarda tiefes Mitgefühl entgegengebracht. Sogar die Polizei kam zu ihr und sicherte ihr zu, alles zu tun, um den Dieb zu fangen. Aber es gab keine Spuren und keine Verdächtigen, und so musste Leonarda sich damit abfinden, dass Sandros wunderbares Geschenk verloren war. Sie beteuerte überall, dass der Verlust ihr das Herz zerriss, dass sie aber stark sein müsse und sich damit abfinden wolle. Doch dass Leonarda von Kitsch gesprochen hatte, konnte ich noch nicht vergessen, obwohl ich mir große Mühe gab.

Ein Jahr verging, und noch immer waren Leonarda und Sandro nicht verheiratet. Es hieß, er habe schon einige Anträge gemacht, aber Leonarda bisher nur mit »vielleicht« geantwortet. Warum sie zögerte, konnte niemand verstehen. 
Dann stand wieder ihr Geburtstag vor der Tür. Was würde sich Sandro diesmal einfallen lassen, um Leonardas Herz zu erobern? Zum Glück waren auch alle Nachbarinnen eingeladen worden und eine wie die andere besonders pünktlich erschienen. Jede wollte dabei sein, wenn Sandro kam und sein Geschenk überreichte. Würde es diesmal ein Verlobungsring sein? 
Ich blickte zufällig aus dem Fenster, als er aufs Haus zukam. In den Händen hielt er ein großes, in Geschenkpapier gewickeltes Viereck. Mich beschlich ein banges Gefühl, und Leonarda schien es ähnlich zu gehen. Sie wurde blass, als sie Sandro die Tür öffnete, und fragte, kaum dass er sie umarmt, geküsst und ihr gratuliert hatte: »Was ist das für ein Geschenk?«
Sandro lächelte geheimnisvoll. »Darauf kommst du nie.«
Leonarda allerdings sah so aus, als käme ihr durchaus eine Ahnung. Und ich bin sicher, dass ich außer ihr die Einzige war, der ebenfalls etwas schwante. 
Als Leonarda das Geschenkpapier entfernt hatte, sank sie blass und zitternd in einen Sessel. Sandro glaubte natürlich, dass sie von Freude überwältigt worden war, und behandelte sie wie eine Schwerkranke. Vorsichtig nahm er ihr das Bild ab und hängte es auf den Haken, den er vor einem Jahr für eben dieses Bild in die Wand geschlagen hatte. Die roten Herzchen, die weißen Tauben, unser Dorf auf dem Berg und Signor Romettis Weinflaschen – alles wie vor einem Jahr. 
»Anscheinend hat der Dieb es gleich an den nächsten Kunsthändler verkauft«, klärte Sandro seine Liebste auf, die immer noch fassungslos dasaß. »In Città di Castello habe ich es zufällig bei einem Antiquitätenhändler entdeckt und zurückgekauft. Der Inhaber des Ladens wollte mir nicht verraten, woher er es hatte, aber das muss man wohl verstehen. Er will natürlich nicht zugeben, dass er Diebesgut verkauft.« 
»Du hast es zweimal bezahlt?«, flüsterte Leonarda.
Sandro griff nach ihrer Hand. »Du weißt ja, dass mir für dich nichts zu teuer ist.« Und dann sank er vor ihr auf die Knie und machte ihr einen weiteren Heiratsantrag, diesmal in der sicheren Erwartung, dass sie ihn annehmen würde. 
Alle Nachbarinnen suchten schon nach ihren Taschentüchern, Leonardas Mutter kam aus der Küche und begann zu weinen, ihr Vater suchte bereits nach einer gut gekühlten Flasche Sekt … da sagte Leonarda: »Nein!« Es gäbe unüberbrückbare Differenzen, erklärte sie zum Entsetzen aller, sie hätten in wichtigen Dingen einen unterschiedlichen Geschmack. Ich glaube, ich war die Einzige, die verstand, was sie damit meinte.

Schon zwei Tage später zog Leonarda an den Comer See zu-rück. Was aus dem Bild geworden ist? Ich weiß es nicht. Wenn Leonarda es auch Kitsch genannt hat, ich wünsche dem Bild trotzdem nicht, dass es ihm so ergeht wie dem Gemälde von Boy Lindegard. »Strandläufer« hieß es – so wie das Buch – und es hat ein schreckliches Schicksal erleiden müssen.


Blick ins Buch
StrandläuferStrandläufer

Ein Sylt-Krimi

Als sie auf Sylt Paul kennenlernt, ist Mamma Carlotta sofort hingerissen von dem weltmännischen Charmeur, der ihr so ungeniert den Hof macht. Sogar als Maler versucht er sich, aber was Pauls künstlerisches Talent angeht, ist Carlotta eher skeptisch. Als sie ihrem Schwiegersohn Erik – seines Zeichens Kriminalhauptkommissar von Sylt – von ihrem neuen Schwarm berichtet, wittert der einen Zusammenhang zu einem Kunstraub. Ist Paul ein anderer, als er vorgibt, oder hat er gar mit dem Mord an einem bekannten Talkmaster zu tun? 
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Heiliger Wattwurm! Was ist denn da unten los? Da gehts ja noch lärmender zu als beim neuen Gosch. Ich hätte gleich hierhin fliegen sollen, bei Gosch ist die Konkurrenz einfach zu groß. Außerdem wird da dermaßen aufgepasst, dass man sich nicht mal in die Nähe der Tische­ trauen, geschweige denn darunter oder darauf zur Landung ansetzen kann. Im Nu wird man weggescheucht. Aber hier, auf dem Parkplatz, der heute keiner ist, wird vielleicht was zu holen sein. Also die Flügel ausbreiten und ein paar Runden treiben lassen, bei jeder Runde ein bisschen tiefer. Aha, auf ein paar Tischen wird Gebäck angeboten­! Und da! Dicke, fest verschlossene Miesmuscheln! Da läuft einem ja das Wasser hinterm Schnabel zusammen. Man sollte den Kerl, der sie bewacht, durch plötzliche Darmentleerung aus der Reserve locken und dann ... Aber stopp! Was für eine Enttäuschung! Ungenießbar sind sie, diese wunderbaren, schwarz glänzenden Miesmuscheln. Da steht einem ja das Gefieder zu Berge! Gemalte Miesmuscheln! Gut, dass ich darauf nicht reingefallen bin. Und sonst? Viel Krimskrams, leider alles ungenießbar. Ich bin zwar sicher, dass die Leute da unten was Essbares in ihren Taschen haben, aber da ist nicht ranzukommen. Jedenfalls zurzeit nicht. Besser abwarten und noch ein paar Runden kreisen. Irgendwann nimmt jemand ein belegtes Brötchen in die Hand, und dann kommt meine Chance. Heutzutage muss man sich seine Nahrung hart erkämpfen. Der einzige Punkt, in dem ich der Sylter Obrigkeit zustimme: Es gibt einfach zu viele Möwen auf Sylt. Das waren noch Zeiten, als die Leute Spaß daran hatten, uns zu füttern! Aha, da geht der Bewacher des Bildes mit einem Fischbrötchen zum Abfalleimer. Er beißt noch einmal ab, der Rest scheint ihm nicht zu schmecken. Jetzt achtgeben! Sturzflug, wieder die Flügel ausbreiten, schweben, zwei Meter über dem Opfer kurz wegtreiben lassen, es in Sicherheit wiegen, dann der Angriff von hinten ...

 

Au!« Tove Griess war zurückgewichen, sein misslauniges Gesicht nahm im Schreck für einen Moment einen geradezu kindlichen Ausdruck an. Verdutzt sah er der Silbermöwe hinterher, die den Rest seines Fischbrötchens zu dem unbebauten Grundstück trug, auf dem vor ein paar Jahren noch das Kurhaus von Wenningstedt gestanden hatte. Ein Schwarm von Artgenossen folgte ihr und balgte sich dort um die Beute.

»Das Füttern der Möwen ist verboten!«, rief Carlotta Capella empört, die hinter einem Tapeziertisch stand, auf dem die Ladenhüter ihres Flohmarktangebotes lagen, die bis jetzt keine Käufer gefunden hatten.

»Habe ich das Mistvieh etwa gefüttert?«, schrie Tove Griess wütend zurück. »Beklaut hat sie mich!« Aufgebracht machte er kehrt und ging zu seinem Flohmarktstand zurück, den er in Mamma Carlottas Nähe aufgebaut hatte.

»Die Möwen haben mittlerweile ihre Scheu vor den Menschen verloren«, bestätigte Carolin. »Das ist nicht gut. Sie müssen zu ihrem artgerechten Verhalten zurückfinden.« Mamma Carlottas Enkelin war ein ernsthaftes Mädchen, ruhig und bedächtig wie ihr Vater, das sich Probleme zu Herzen und das Leben­ niemals auf die leichte Schulter nahm.

Eine leise Stimme mischte sich ein, schleppend und unlustig aus reiner Gewohnheit, aber durch Hohn und Schadenfreude diesmal ein wenig verschärft. »Das ist wohl das erste Mal, dass Tove seine Fischbrötchen aus der Hand gerissen werden«, brummte Fietje Tiensch. Der Strandwärter von Wenningstedt hockte auf einem Klappstuhl hinter Toves Stand, wo er sich so klein gemacht hatte, als fürchtete er Kundschaft. Er fror, hatte die Ärmel seiner marineblauen Wolljacke so weit wie möglich über die Hände gezogen und den Reißverschluss seines Troyers, den er daruntertrug, bis zum Kinn geschlossen. Auch er hatte die Farbe, die alle Menschen, die an der Wasserkante leben, besonders mögen.

Tove Griess, der Wirt von Käptens Kajüte, einer Imbissstube am Hochkamp, die genau wie ihr Besitzer nicht den besten Ruf genoss, fuhr wütend herum. Sein grobes Gesicht, die vorgewölbte Stirn mit den buschigen Augenbrauen und seine kleinen Augen, die die Farbe von schwerer See und den Ausdruck eines Käptens hatten, der einer meuternden Mannschaft gegenübersteht, versetzte einen arglosen Mitmenschen schon in Angst und Schrecken, wenn er gut gelaunt war. Sobald die Wut ihn packte, nahm jeder Reißaus, der mit ihm zu tun bekam.

»Schnack kein dummes Zeug, Fietje Tiensch!«, fuhr er seinen einzigen Stammgast an. »Sieh lieber zu, dass du meine Sachen­ loswirst. Seit du an meinem Stand hockst, ist noch kein Euro in die Kasse gewandert.«

»Weil du nur Plunder anzubieten hast«, entgegnete Fietje un­­ge­rührt und zog sich die Bommelmütze über die Augenbrauen. Der Rest seines Gesichtes wurde von einem ungepflegten Bart überwuchert, als wollte er sich hinter ihm und unter seiner Mütze unsichtbar machen. »Und überhaupt ... besorg deinen Flohmarktstand allein, wenn du mit mir nicht zufrieden bist.«

»Schon vergessen, dass ich fürs Mittagsgeschäft in meinen Laden zurückmusste? Für eine Woche Freibier kannst du dich ruhig ein bisschen anstrengen.«

Aber der Standwärter blieb so gemütsarm, wie man ihn kannte. Toves chronisch schlechte Laune focht ihn genauso wenig­ an wie die Möwenplage oder eine heraufziehende Sturmflut. Unruhig wäre Fietje Tiensch nur geworden, wenn die Biervorräte in Käptens Kajüte zur Neige gingen oder die Jever-Brauerei in Lieferverzug gekommen wäre. Beides war jedoch gottlob noch nie vorgekommen.

»Ich muss übrigens gleich in mein Strandwärterhäuschen«, knurrte er. »Nach dem Rechten sehen. Nur, dass du’s weißt. Auch im März sind schon Leute am Strand!«

Mamma Carlotta witterte Unfrieden und wollte gerade mit ein paar versöhnlichen Worten für Eintracht sorgen, wurde aber durch einen Kaufinteressenten davon abgehalten. Ein Tourist in mittleren Jahren nahm einen Kerzenleuchter zur Hand. Carlottas Tochter hatte ihn von ihrer Cousine Marinella zur Hochzeit bekommen, aber nie gemocht. Zwar hatte Lucia ihn nach den Flitterwochen pflichtschuldigst in ihre neue Heimat Sylt überführt, ihn dort aber in einer Truhe versenkt, in der ihre Mutter ihn nun gefunden hatte.

Schon kurz nach Carlottas Ankunft auf Sylt hatten die Kinder von dem Flohmarkt gesprochen, der auf dem Parkplatz an der Dünenstraße, direkt neben dem Minigolfplatz, abgehalten werden sollte. Carolin und Felix hatten ihre Zimmer entrümpelt, was von ihrer Nonna mit viel Lob bedacht worden war, hatten Spielzeug, CDs, Bücher und Kleidung zusammengetragen, mit deren Verkauf sie ihr Taschengeld aufbessern wollten. Leider war der Erfolg nicht so groß, wie sie erhofft hatten. Felix stand immer noch hinter seiner alten Carrerabahn, und auch Carolin hatte vergeblich versucht, ihre Polly-Pocket-Sammlung loszuwerden. Im Laufe der nächsten Stunde musste der Flohmarkt abgebaut werden, und die beiden boten ihre Ladenhüter noch immer vergeblich an.

Die verborgenen Schätze ihres Vaters jedoch hatten sich als Verkaufsschlager erwiesen. Zum Glück war er bereit gewesen, seinen Werkstattkeller zu durchforsten und alles, was nicht mehr gebraucht wurde, in die Flohmarktkisten zu packen. Am Ende hatte er sogar die große Truhe geöffnet, die auf dem Speicher stand und noch immer alles enthielt, was Lucia zu Lebzeiten zum Wegwerfen zu schade gewesen war. Die ganze Familie, Erik Wolf, seine Schwiegermutter und die beiden Kinder, hatten eine Weile vor dem Trödel gestanden, der von Lucia aussortiert worden war, und jeder von ihnen war von Erinnerungen überwältigt worden, die er hinunterschlucken oder sich aus den Augen­ wischen musste. Jedes Teil, was dort in der Truhe lag, war zuletzt von Lucia betrachtet, berührt und dann dort verwahrt worden. Der Autounfall in der Nähe von Niebüll war mit einem Mal wieder herangerückt, das Entsetzen, der Schmerz, das Grauen waren noch einmal ganz nah gewesen.

Aber dann hatte Erik gesagt: »Sie wäre damit einverstanden, dass wir die Sachen verkaufen.«

Das hatte schließlich den Ausschlag gegeben. Niemand hätte auf etwas verzichten mögen, was Lucia lieb und wert gewesen war, aber nun war ihr Tod so weit verkraftet, dass sie sich von dem trennen konnten, was Lucia selbst schon aus ihrem Leben verbannt hatte. Noch vor wenigen Monaten hätte Erik die Hand auf den Deckel der Truhe gelegt und verboten, sie zu öffnen. Aber nun war er neu verliebt, Wiebke hatte ihn von seiner Trauer um Lucia erlöst, er konnte endlich loslassen. Mamma Carlotta hatte Verständnis für ihren Schwiegersohn. Sie wusste, wie schwer Erik unter Lucias Verlust gelitten hatte und immer noch litt, aber es war gut, dass die Zeit die schwersten Wunden geheilt hatte und er sich wieder dem Leben zuwenden konnte. Sie wusste, dass er Lucias Tod nie überwinden würde, so wie sie selbst ihn auch nicht würde überwinden können, aber dass das Leben weitergehen musste, wusste sie genauso gut. Und nun hatte es auch Erik eingesehen. Es würde nicht leicht sein, eine andere Frau an Lucias Platz zu sehen, aber Mamma Carlotta war entschlossen, damit zurechtzukommen. Auch die Kinder mussten einsehen, dass Eriks Liebe zu Lucia nicht geringer wurde, wenn er eine neue Frau in sein Leben ließ.

»Er ist aus Muranoglas«, erklärte sie nun und hielt den Leuchter gegen das spärlich durch die Wolken sickernde Sonnenlicht, damit der Kaufinteressant sah, wie wundervoll das blaue Glas leuchten konnte.

›Kitsch‹ hatte Lucia gesagt, aber das verschwieg ihre Mutter. Mit vielen zu Herzen gehenden Worten schilderte sie das schwere Schicksal von Cousine Marinella, der der Leuchter zu verdanken war. Deren Mann war mit einer kleinen Trattoria ­pleitegegangen, woraufhin sie ihr Auskommen als Küchenhilfe in einer Pizzeria suchen musste, die früher zu ihrer Konkurrenz gezählt hatte. Aber trotz ihrer Bedürftigkeit hatte sie dieses großzü­gige Hochzeitsgeschenk gemacht! »In Italia geht eben die Familie­ über alles!«

Der Mann war so betroffen, wie sie erhofft hatte. Er gehörte zu den Norddeutschen, die sich von gefühlvollen Erzählungen beeindrucken ließen und jede Übertreibung für bare Münze nahmen. Einem Italiener wäre sofort klar geworden, dass hier für ein gutes Geschäft gelogen wurde, dass sich die Balken bogen, aber der norddeutsche Tourist bestaunte Mamma Carlottas große Gesten und die Worte, die in einem Tempo von ihrer Zunge rollten, dass der gute Mann kaum folgen konnte. Vorsichtig erkundigte er sich, ob sie aus Italien stamme, was er womög­lich schon kurz darauf bereute. Denn aus dem eifrigen Verkaufsgespräch wurde nun ein längerer Vortrag über das wunderschöne Italia und die Glaskunst aus Murano, ehe Mamma Carlotta das Gesprächsthema nach Umbrien verlegte, wo sie in einem kleinen Bergdorf geboren worden war, in dem sie heute noch lebte. Der Tourist, der zunächst über den Preis des Leuchters verhandeln wollte, zückte widerstandslos das Portemonnaie, als er zudem erfuhr, dass sie sieben Kinder zur Welt gebracht hatte, dass ihr Mann, Gott hab ihn selig, viele Jahre pflegebedürftig gewesen war und dass ihre Tochter Lucia erstaunlicherweise auf dieser kalten Nordseeinsel ihr Glück gefunden hatte, obwohl sie doch an Sonne und Wärme gewöhnt gewesen war. Während der Flohmarktkunde mehrmals vergeblich um Einwickelpapier bat, erzählte Mamma Carlotta noch schnell, dass sie nun, da ihr Dino sie nicht mehr brauchte, häufig nach Sylt käme, um der Familie ihrer verstorbenen Tochter beizustehen. Gerne hätte sie auch noch erklärt, wie sie zu ihren flotten Deutschkenntnissen gekommen war, aber da hatte der Kunde sich bereits einem hölzernen Bilderrahmen am nächsten Flohmarktstand zugewandt.

Sie fuhr sich mit den Fingerspitzen durch die dunklen Locken, die nur wenige graue Strähnen aufwiesen, zupfte die winddichte Jacke zurecht, die ihr Schwiegersohn ihr zur Verfügung stellte, wenn sie auf Sylt war, und sah an der langen Hose herunter, die sie trug. Ein Kleidungsstück, das sie in Wenning­stedt erworben hatte und niemals nach Umbrien exportieren würde. In ihrem Dorf trug eine Witwe in ihrem Alter keine Hose! Völlig undenkbar! Dort hatten die Frauen für den Alltag ein paar Kittelschürzen im Schrank und für Sonn- und Feiertage etwas Feines aus Wolle oder Seide. Solange sie jung waren, durfte die Kleidung farbig, geblümt oder kariert sein, später wurde sie dann der Tochter vermacht und gegen dunkelblaue und graue Kleider eingetauscht, sobald der Witwenstand und damit das Ende der modischen Skala erreicht war. Auch in Mamma Carlottas Schrank daheim hingen zwei schwarze Kittelschürzen, aber seit sie regelmäßig die Insel Sylt besuchte, widersetzte sie sich den Regeln, die die Witwen ihres Dorfes aufgestellt hatten, immer öfter.

Zum Glück war schon die nächste Kundin in Sicht, eine Frau in ihrem Alter, die genauso redefreudig war wie Mamma Carlotta selbst. Sie hörte sich gerne an, dass der Schnellkochtopf aus der neapolitanischen Fabrik eines Onkels stammte, der mit solchen Geräten ein Vermögen gemacht, sich, kaum dass er reich geworden war, von seiner Frau getrennt hatte und seitdem drei Ehen mit immer jüngeren Frauen eingegangen war, die alle­samt gescheitert waren.

»Das geschieht ihm ganz recht!«

Die beiden Frauen waren sich einig, was für Mamma Carlotta nicht nur zum Verkauf des Schnellkochtopfs, sondern auch eines­ Käsebretts aus Eriks Junggesellenzeit und einer Hutschachtel unbekannter Herkunft führte. Der Abschied fiel herzlich aus, und Mamma Carlotta war davon überzeugt, dass diese Kundin gern noch etwas länger an ihren Lebenserinnerungen Anteil genommen hätte, wenn sie nicht auf das Warenangebot von Tove Griess aufmerksam geworden wäre. Sie nahm einen der bunt bemalten Holzschuhe zur Hand, die Tove ausgelegt hatte. »Lieber Himmel, ist der scheußlich!«

Tove Griess, der noch nie versucht hatte, sein Geschäft durch Freundlichkeit anzukurbeln, weder in seiner Imbissstube noch hinter dem Flohmarktstand, hatte dennoch die Mundwinkel gehoben, als die Frau sein Angebot in Augenschein nahm. Prompt fielen sie wieder herab. »Sie brauchen ihn ja nicht zu kaufen, wenn er Ihnen nicht gefällt. Meine Mutter hat ihn im Frühling immer mit Primeln bepflanzt. Mir hat das gefallen! Aber wenn Sie was Besseres gewöhnt sind ...« Murmelnd fügte er etwas Unverständliches an, in dem die Wörter ›Schickimicki‹ und ›hochnäsig‹ vorkamen.

Die Frau erschrak über seine Schlussfolgerung, versicherte hastig, dass sie nicht unhöflich sein wollte und dass die Geschmäcker nun mal verschieden seien. Dann zeigte sie auf das Gemälde, das Tove an einen alten Mayonnaisespender gelehnt hatte. Eine abstrakte Malerei in Grautönen, die von hellen Linien­ überdeckt wurden. Sie sahen aus wie rückwärtslaufende Wellen, die sich kurz vor dem Horizont überschlugen. Die schwarzen Miesmuscheln am unteren Rand des Bildes standen so klar und deutlich vor dem abstrakten grau verschleierten Motiv, dass sie aussahen, als sollten sie nicht dazugehören. Die Frau wollte augenscheinlich wiedergutmachen, was Tove gekränkt hatte, indem sie an diesem Teil seines Flohmarktangebotes etwas Positives fand. »Hat das Bild auch Ihrer Mutter gehört?« Da sie seiner Zustimmung sicher war, fügte sie schon an, ehe Tove antworten konnte: »Sie hatte Kunstverstand.«

Aber Tove glaubte ihr kein Wort und sah keinen Grund, ihr die Verlegenheit zu nehmen. »Keine Ahnung, woher das Gekleckse stammt. Über unserem Sofa hat es jedenfalls nicht gehangen.« Er wandte sich an Fietje, der eine Banane schälte, während­ er die Möwe im Auge behielt, die über ihnen kreiste. »Hat sich irgendjemand für dieses Bild interessiert?«

»Kein Schwein«, antwortete Fietje.

Tove drehte sich wieder zu der Frau um, die jedoch die Gunst des Augenblicks genutzt und sich davongemacht hatte.

»Ist ja auch potthässlich«, meinte Tove und betrachtete das Gemälde kopfschüttelnd, als sähe er es zum ersten Mal. »Ich möchte wissen, wo mein Alter das aufgetrieben hat. Es stand hinter den Weckgläsern im Keller.«

»Ich glaube, das ist Tachismus«, mischte Carolin sich ein und fuhr sich dabei mit den Fingerspitzen über die Lippen, so wie ihr Vater seinen Schnauzer glatt strich, wenn er nachdachte oder etwas formulieren wollte, was seine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Immer dann, wenn Carolin schulische Bildung an den Mann bringen wollte, war sie ihrem Vater noch ähnlicher als in der übrigen Zeit, in der sie schweigen konnte wie Erik und genauso wie er erstaunt zusah, wenn Felix sich vor Lachen die Seiten­ hielt oder so laut schimpfte wie seine Mutter.

»Hä?« Felix bedachte seine Schwester mit einem verächt­lichen Blick, den er immer aufsetzte, wenn Carolin ihm zeigte, dass sie nicht nur zwei Jahre älter war, sondern auch zwei Jahre Bildungsvorsprung hatte und überdies am Schulunterricht weitaus interessierter war als Felix, der es wie viele seiner italienischen Vorfahren hielt. Er ließ die Zukunft auf sich zukommen wie eine angenehme oder auch böse Überraschung und würde erst, wenn sie Gegenwart war, darüber entscheiden, ob er ihr mit Fleiß, Gleichgültigkeit oder krimineller Energie begegnen wollte.

Toves Blick war nicht minder abschätzig. Er reagierte, wenn er auf Bildung stieß, genauso wie Felix. Nur in Fietjes Gesicht, zwischen dem Rand seiner Bommelmütze und den oberen Flusen seines weichen Bartes, stieg etwas auf, was für Augenblicke den Schleier von der Betäubung wegzog, für die er seit Jahren mit regelmäßigem und ausschweifendem Biergenuss in Käptens Kajüte sorgte. »Tachismus ist eine Strömung der abstrakten Malerei«, erklärte er und sorgte auf diese Weise dafür, dass sich Toves Laune noch weiter verschlechterte. »Der Künstler stellt spontane Empfindungen auf der Leinwand dar. Er bannt das Unbewusste in Farbe und Form. Die Miesmuscheln sind für ihn die Verbindung des Unbewussten mit realen Erinne­rungen.«

»Klookschieter!« Tove sah aus, als wollte er Fietje für seine Besserwisserei eine Ohrfeige verpassen. Aber Mamma Carlotta, die sich für eine Meisterin im Schlichten und sogar Verhindern von Streitigkeiten hielt, konnte eine verbale Auseinandersetzung abwenden. Ohne sich nach der Bedeutung des Wortes ›Klookschieter‹ zu erkundigen und ohne das Gemälde eines Blickes­ zu würdigen, lenkte sie die Aufmerksamkeit auf das Werkzeug, das Tove auf seinem Tapeziertisch ausgebreitet hatte und von dem nur wenige Stücke verkauft worden waren. Vor allem­ deswegen, weil Tove Preise verlangte, die beinah jeden Interes­senten in die Flucht schlugen.

»Warum wollen Sie sich von dem Werkzeug trennen, Signor Griess?«, fragte sie und rieb sich heimlich die Hände, weil Tove sich prompt von Fietje abwandte und seinen Ärger über den Besserwisser vergaß. »Sie sind wohl kein Heim... wie sagt man?«

»Heimwerker?«, fragte Fietje. »Nö, das ist er wohl nicht. Aber auch kein Einbrecher mehr. Tove hat irgendwann gemerkt, dass er seinem Alten nicht das Wasser reichen kann, und hat es aufgegeben.«

Erschrocken über die vielen Sätze, die er ganz gegen seine Gewohn­heit an einem Stück von sich gegeben hatte, zog er seine Bommelmütze noch weiter ins Gesicht und vertiefte sich in die Betrachtung der Kartons, in denen Tove sein Flohmarktangebot transportiert hatte und die unverkäuflichen Reste nach Hause zurückbringen würde.

»Dösbattel!«, knurrte Tove. »Hör auf, dummes Zeug zu schnacken.«

Mamma Carlotta hatte noch mit der ihr unbekannten Vokabel ›Dösbattel‹ zu tun, als sich eine andere Stimme einmischte: »Das ist ja ein interessantes Angebot, Herr Griess! Stammt das alles von Ihrem Vater? Gehört davon nicht einiges in unsere Asser­vatenkammer?«

»Nix da, Herr Hauptkommissar!« Tove packte energisch seine Sachen zusammen und warf sie so hastig in einen Karton, dass Eriks Blick, der bis dahin noch freundlich gewesen war, nun misstrauisch wurde. Mit den Augen folgte er jedem Teil, das in Toves Kartons wanderte, ohne jedoch einzugreifen.

Mamma Carlotta verzog sich zu ihrem Stand, der gerade verwaist war, und tat so, als wolle sie dort eine marmorne Blumensäule vor unbefugtem Zugriff bewahren. Sie musste sich zwingen, in den schwelenden Konflikt zwischen ihrem Schwiegersohn und Tove Griess nicht schlichtend einzugreifen, indem sie Erik zum Beispiel darauf hinwies, wie lobenswert es doch sei, wenn Tove Griess sich das Einbruchswerkzeug seines kriminellen Vaters­ vom Halse schaffte. Aber Erik sollte nicht wissen, wie gut ihr Tove und Fietje bekannt waren, deswegen hielt sie es für klüger­, sich zurückzuhalten. Bis jetzt ahnte ihr Schwiegersohn nicht, wie häufig sie in Käptens Kajüte einkehrte und dass sie den Wirt und auch den Strandwärter heimlich zu ihren Sylter Freunden zählte. Sie hatte sogar Verständnis dafür, dass Erik die beiden, denen die Zelle im Polizeirevier Westerland bestens vertraut war, nicht zum Bekanntenkreis seiner Schwiegermutter zählen wollte. Nein, Erik sollte glauben, dass sie Tove Griess und Fietje Tiensch nicht besser kannte als alle anderen Sylter, die verächtlich auf die beiden herabsahen.

Sie beobachtete Erik, wie er breit und behäbig dastand, Tove schweigend beobachtete und sich nachdenklich über den Schnauzer strich. Alles an ihm war breit, der Körperbau, seine Hände, sein kantiges Gesicht, der Cord seiner Hose und der Pullunder mit den Querstreifen, den er am liebsten trug. Lucia hatte kurz vor ihrer Hochzeit sogar behauptet, Erik habe auch ein breites Herz, und dabei ein Lächeln gezeigt, das ihre Mutter noch nie gesehen hatte. Das war der Moment gewesen, in dem Mamma Carlotta einsah, dass ihre Tochter die Wärme ihrer Heimat­ verlassen musste, um auf einer Insel in der eiskalten Nordsee glücklich zu werden. Von da an hatte sie auch daran glauben können, dass Lucia es mit einem Mann aushalten würde, der schweigen konnte, wie in Italien nur der alte Teobaldo schwieg, seit er sich während einer Schlägerei die Zunge abgebissen hatte.

Sie zuckte zusammen, und ihr wurde klar, dass sie sich in Erinnerungen verloren hatte, als Erik mit einem Mal sehr energisch sagte: »Moment mal! Was ist denn das?«

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