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Zugvögel

Ein Sylt-Krimi

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Zugvögel — Inhalt

Umherziehende Artisten, ein Häkelclub und ein Charity-Event, das tödlich endet

Erst machen die Zugvögel Rast auf Sylt, dann folgen in Scharen die Touristen – und schließlich kommen die Zirkusleute. Für Mamma Carlotta ein willkommenes Vergnügen, bis sie einen Artisten der Truppe sieht: Er hat ihrer Cousine Violetta vor vielen Jahren das Herz gebrochen. Das ist ja noch aufregender als der Häkelclub, den Charity-Lady Flora Engelbeck organisiert! Und Violetta kommt sogar höchstpersönlich auf die Insel, um sich den Verflossenen vorzuknöpfen. Was für ein Abenteuer! Das toppt sogar den Mord an einem Filmproduzenten und den Fund einer Leiche in den Dünen. Amore ist ja immer spannender als Mord. Dann aber hat der Mörder es auf ihre Familie abgesehen, und das ändert alles ...

Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und widmete sich ganz dem Schreiben. Seitdem lebt sie als Autorin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit der Goldenen Kamera des SWR. Die Leser der Fernsehzeitschrift rtv wählten sie zur beliebtesten Autorin des Jahres 2018. Ihre Krimireihe um Mamma Carlotta stürmt Jahr um Jahr die Bestsellerliste.

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 04.05.2020
464 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31447-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 04.05.2020
480 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99584-9
„Dieser Krimi steckt voller Sonne, Sand und Meer. Und voller Situationskomik, auch wenn sich hinter dem Kriminalfall eine Tragödie verbirgt. (…) Da steckt Spannung drin und jede Menge Lebensweisheit. ›Zugvögel‹ von Gisa Pauly ist die perfekte Urlaubslektüre.“
SR3 „Krimitipp“

Leseprobe zu „Zugvögel“

Die Sache war immer gefährlich. Von hinten ein Drängler, von vorne ein Kompromissloser, aus dem Hinterhalt ein Egoist und von links und rechts mehrere Chaoten! Wer bei Feinkost Meyer in Wenningstedt nur schnell eine kleine Besorgung machen wollte, durfte eben nicht ausgerechnet zu dieser Zeit dort erscheinen. Nicht an einem sonnigen, aber kühlen Vorfrühlingstag, wenn die Osterferien begannen, wenn der Wind auffrischte, der Strand sich leerte, die Einkäufe fürs Mittagessen gemacht und die Weinvorräte in den Ferienwohnungen aufgefüllt wurden. Dann tobte [...]

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Die Sache war immer gefährlich. Von hinten ein Drängler, von vorne ein Kompromissloser, aus dem Hinterhalt ein Egoist und von links und rechts mehrere Chaoten! Wer bei Feinkost Meyer in Wenningstedt nur schnell eine kleine Besorgung machen wollte, durfte eben nicht ausgerechnet zu dieser Zeit dort erscheinen. Nicht an einem sonnigen, aber kühlen Vorfrühlingstag, wenn die Osterferien begannen, wenn der Wind auffrischte, der Strand sich leerte, die Einkäufe fürs Mittagessen gemacht und die Weinvorräte in den Ferienwohnungen aufgefüllt wurden. Dann tobte dort der Krieg zwischen den Fahrern der Einkaufswagen – Ehemännern, die es nicht gewohnt waren, vor einer Kasse Schlange zu stehen, Frauen, die sich in Luxushotels wohler gefühlt hätten, und denjenigen, denen es im Urlaub genauso ging wie zu Hause.

Carlotta Capella kaufte eigentlich gern bei Feinkost Meyer ein. Aber dies war einer der Augenblicke, in denen sie sich in den Alimentari ihres umbrischen Bergdorfes zurücksehnte. Da gab es zwar auch Stoßzeiten – wenn der Weinbauer mit der Lese fertig war und seine Frau nicht genug Eier im Vorrat hatte, damit er ein kräftigendes Rührei vorgesetzt bekam, oder ein Maurer Feierabend machte, der sich nichts sehnlicher wünschte als eine Panettone, für die nicht genug Mehl im Hause war. So eine eilige Hausfrau ließ man selbstverständlich vor und plauderte währenddessen mit einer Nachbarin, die genug Zeit hatte. So was war auf Sylt nicht denkbar. Obwohl hier Menschen einkauften, die Urlaub, also Zeit hatten, wurde gedrängelt und gestoßen und darüber debattiert, wer zuerst vor dem Käsestand angekommen war oder ein Recht darauf hatte, vor einem anderen zur Kasse zu kommen.

Mamma Carlotta wollte sich nicht drängen lassen, wollte sich auch nicht über Drängler ärgern und genügend Zeit haben, um die Kassiererin zu begrüßen, wenn sie endlich dran sein würde. Sie gehörte ja weder zu den Einheimischen noch zu den Touristen. Sie war die Schwiegermutter des Kriminalhauptkommissars und regelmäßig zu Gast auf der Insel. Das war etwas ganz anderes. Ein Gast wurde mit offenen Armen begrüßt und wehmütig wieder verabschiedet, während die Sylt-Touristen zwar durchaus freudig begrüßt, aber genauso freudig wieder entlassen wurden, wenn sie bezahlt hatten und Platz für andere zahlende Gäste machten. Carlotta Capella war kein zahlender Gast, sondern jemand, der die Familie besuchte, den Schwiegersohn und die beiden Enkelkinder, jemand, der zum Grab der Tochter ging, den Haushalt auf Vordermann brachte, der während ihrer Abwesenheit ohne ordnende Hand auskommen musste, und die Enkel mit Mutterliebe überschüttete, wenn sie auch schon zu groß waren, um das zu würdigen und zu genießen.

Sie hatte gerade eingesehen, dass aus dem gemütlichen Einkauf wohl nichts werden würde, dass sie nur hastig Zucchini, Lauch, Staudensellerie und Schalotten für die Suppe würde einkaufen können, Rindernacken und mageres Schweinefleisch für die Füllung der Ravioli und Mandarinen für das Soufflé, das es zum Nachtisch geben sollte. Alles andere war Gott sei Dank im Haus. Eigentlich betastete sie ja immer gerne ausgiebig das Gemüse, ließ sich von dem Filialleiter erklären, wie und wo es geerntet worden war, und diskutierte mit dem Metzger über die Garzeiten des Fleisches. Aber wenn der Laden so voll war, hatte niemand Zeit für ein Gespräch. Auch die Kassiererinnen hatten dann nur Augen für die Kasse und blickten kaum auf. Mamma Carlotta nahm es hin, dass sie nur flüchtig begrüßt werden konnte, dass niemand Zeit haben würde, sich die schwere Geburt einer Großnichte anzuhören und sich mit Mamma Carlotta gemeinsam darüber zu entrüsten, dass eine andere Großnichte mit vierzehn Jahren schwanger geworden war. Diese Neuigkeiten würde sie wohl für einen günstigeren Moment zurückhalten müssen.

Damit hatte sie sich gerade abgefunden und wollte ihren Einkaufswagen in Richtung Kasse schieben – da sah sie es. In dem Gewühl achtete niemand darauf, die Frau hatte sich wirklich den richtigen Moment ausgesucht. Und wäre Carlottas Blick nicht zufällig auf das Regal mit den Aperitivi gefallen, und wäre ihr dabei nicht die Frage in den Sinn gekommen, ob noch genug Limoncello im Hause war, hätte sie vermutlich nichts bemerkt. Aber sie kannte diesen Blick. In dem Alimentari von Signora Esposito war es ein paarmal vorgekommen und der Täter bald identifiziert worden, weil er sich genauso verhalten hatte wie diese Frau. Sie duckte sich jetzt hinter ein Regal und wollte den Eindruck erwecken, nach einem ganz bestimmten Sherry zu suchen, der wohl zu den nur selten verkauften gehörte und deshalb im unteren Fach stand. So hatte der Tourist es auch gemacht, der zwei Wochen in Panidomino verbracht und während dieser Zeit dafür gesorgt hatte, dass Signora Esposito um ihren ohnehin schmalen Gewinn gebracht wurde. Er hatte auch immer einen besonders harmlosen Gesichtsausdruck aufgesetzt und lange in den Regalen herumgesucht, bis er mit einem einzigen Artikel zur Kasse gegangen war und mit ausgebeulten Hosentaschen den Laden verlassen hatte. In der zweiten Woche seines Aufenthaltes in Panidomino hatten sämtliche Nachbarinnen Posten bezogen und ihn hinter der nächsten Hausecke gestellt, wo er gerade die Hosentaschen ausleerte, um seine Beute ganz bequem in den Packtaschen seines Trekkingrades zu befördern. Schon am nächsten Morgen war er weitergereist, obwohl er den Zeltplatz auf der Wiese des Weinbauern noch für eine Woche gebucht und im Voraus bezahlt hatte.

Diese Frau machte es ähnlich. Sie trug denselben harmlosen Gesichtsausdruck, was sogar trotz ihrer großen Sonnenbrille zu erkennen war, und tat sehr interessiert, während sie mit der Rechten eine kleine Flasche vor die Augen führte, um den Aufkleber zu studieren, und mit der Linken eine andere in ihrer großen Manteltasche verschwinden ließ. Möglicherweise vertraute sie auf ihr imponierendes Äußeres. Sie trug einen Pelzmantel, viel Schmuck klimperte an ihren Handgelenken, der breitkrempige Hut und die riesige Sonnenbrille gaben ihr etwas Mondänes. Alles Fassade, sagte sich Mamma Carlotta zornig. Vermutlich bestand der Mantel aus Webpelz, der Schmuck war nicht echt, der Hut aus dem Secondhand-Kaufhaus an der Keitumer Landstraße und die Sonnenbrille gestohlen. Sie, Carlotta Capella, ließ sich nicht von dieser Fassade beeindrucken. Sie selbst trug nur ein schlichtes, dunkles Kleid, das sie schon jahrelang besaß, darüber eine Jacke, die sie selbst gestrickt hatte, und Pantoletten, die in Umbrien von März bis November das am besten geeignete Schuhwerk waren. Aber alles, was sie besaß, war redlich erworben!

Unauffällig, doch mit festen Schritten ging sie auf die Frau zu und weidete sich an deren Erschrecken, als sie sich aufrichtete und in Carlottas zorniges Gesicht sah.

Mamma Carlotta sprach ganz leise: »Allora, Signora . . . Sie haben die Chance, die Sachen unverzüglich zurückzulegen. In diesem Fall will ich nichts gesehen haben. Andernfalls werde ich den Filialleiter verständigen.«

Aus der Nähe kam ihr der Pelzmantel nun doch echt vor, der Schmuck ebenfalls, und der Duft, den diese Dame verströmte, war teuer, davon war Mamma Carlotta überzeugt. Warum hatte es so eine Frau nötig zu stehlen?

„Ich werde schweigen. Aber nur, wenn Sie mir versprechen, so etwas nie wieder zu tun.“

Die Frau sagte kein Wort, sah sich nur um, vergewisserte sich, dass niemand sie beobachtete, dann griff sie in ihre Manteltasche, legte das Fläschchen zurück, griff in die andere Tasche, beförderte ein Matchboxauto und ein Nähnadelsortiment zutage und legte beides daneben.

„Gut, ich verspreche es“, murmelte sie.

Mamma Carlotta zögerte. „Va bene“, sagte sie dann. »Aber wenn ich das noch einmal sehe, dann . . .« Sie sprach den Satz nicht zu Ende. Was sie ausdrücken wollte, war sowieso klar.

Die Frau jedenfalls nickte, nahm den Einkaufskorb, der neben ihren Füßen stand und nichts als drei Orangen enthielt, und ging hoch aufgerichtet zur Kasse. Kein Wort des Dankes, kein freundlicher Blick. Dabei war sie doch soeben der peinlichen Situation entkommen, eine Ladendiebin genannt zu werden. Vielleicht sogar so laut, dass alle es gehört hätten.

„Inaudito“, murmelte Carlotta empört. „Incredibile!“

 

Erik Wolf, Kriminalhauptkommissar auf Sylt, sah sich in seinem Büro um wie ein Kapitän, dem eine lange Reise über die Weltmeere bevorstand und der sich fragte, wie das Haus, das er verließ, nach seiner Rückkehr aussehen würde. Dabei neigte er gar nicht zur Sentimentalität. In diesem Fall erst recht nicht, denn dass das Polizeirevier Westerland einer gründlichen Renovierung bedurfte, war offensichtlich. Bei dem Versuch, die Revierräume optisch auf Vordermann zu bringen, waren erhebliche Mängel am baulichen Zustand entdeckt worden, und das hatte niemanden verwundert. Doch das Provisorium in der Stephanstraße, in das er nun ziehen musste, behagte ihm gar nicht. Eine Polizeiwache, die in Containern untergebracht wurde! Keine angenehme Vorstellung. Aber das Polizeirevier am Kirchenweg gab es seit 1906, damals war es als Amtsgericht erbaut worden und stand unter Denkmalschutz. Ansonsten hätte wohl jeder für Abriss und einen Neubau plädiert.

Er hievte einen großen Pappkarton auf den Schreibtisch und fing an, die Akten zu den Fällen, die er derzeit bearbeitete, einzupacken, genau wie die Gesetzestexte, die er immer zur Hand haben wollte, eine Kartei, die ihn daran erinnerte, dass er sie seit Monaten aktualisieren wollte, und schließlich seine persönlichen Sachen, die sich in der Schreibtischschublade befanden. Seine Pfeife mit den dazugehörigen Utensilien, sein Vorrat an Trauben-Nuss-Schokolade, Auto- und Hausschlüssel, ein Mäppchen mit Kundenkarten, die er nie benutzte, Quittungen, die er statt in den Umzugskarton in den Papierkorb beförderte.

Zuletzt holte er das Familienfoto hervor, das seine verstorbene Frau und seine beiden Kinder zeigte. Lange hatte es auf seinem Schreibtisch gestanden, aber nach Lucias Tod hatte er nicht ertragen können, täglich in ihr lachendes Gesicht zu sehen. Sie war so glücklich gewesen an diesem Tag, an dem er das Foto gemacht hatte, hatte die Kinder in ihre Arme gezogen und in die Kamera gestrahlt. Wer hätte damals ahnen können, dass sie nur noch wenige Wochen leben würde! Hätte sie doch nur einen Autozug später genommen, wäre sie langsamer oder schneller nach Niebüll gefahren, dann wäre der Unfall nicht geschehen. Erik drückte das gerahmte Foto kurz an seine Brust, ehe er es in den Karton schob, an die Seite, sodass es nicht mehr zu sehen war.

Er strich lange seinen Schnauzer glatt, wie immer, wenn er in Gedanken war, dann hob er die Pappkiste an und warf einen letzten Blick in den Raum. Kahle Wände, leere Regale, schmutzige Fenster. Es war gut, dass die Zeit vom Beginn der Umzugsarbeiten bis jetzt, zur endgültigen Umsiedlung in das Provisorium, endlich vorbei war.

Sören Kretschmer kam herein, auf seinen Armen einen ähnlichen Karton, wie er auf Eriks Schreibtisch stand. „Endlich fertig, Chef?“ Er setzte seine Kiste neben Eriks ab und blickte ihn aufmunternd an. „Haben wir alles?“

„Sieht so aus.“

„Dann also los.“ Sören nahm seine Habseligkeiten wieder auf und ging voraus. Trotz des hinderlichen und schweren Kartons ging er dynamisch und leichtfüßig, während Erik am liebsten an jeder Fensterbank eine Pause eingelegt und seine Last abgestellt hätte. Sören war eben nicht nur jünger, sondern vor allem sportlicher als er. Hinzu kam auch, dass er vor ein paar Tagen zum Oberkommissar befördert worden war, was seiner Energie noch mal ordentlich Antrieb gegeben hatte. Sein rundes, rosiges Gesicht, das Erik immer an einen überreifen Apfel erinnerte, war seitdem noch rotbackiger. Sören sah aus, als wäre er tagelang von der Sonne beschienen worden.

Er klinkte mit dem rechten Ellbogen die Tür auf, die zum Parkplatz führte, öffnete sie mit der Schulter und hielt sie dann mit seinem Rücken auf, damit Erik ohne zu zögern hindurchtreten konnte.

Ein böiger Wind empfing sie, kalt und salzig. Erik bereute, dass er seine Jacke schon ins Auto gebracht hatte. Der Wind ging durch den dünnen Pullunder, den er übers Hemd gezogen hatte, er spürte seine kalten Finger auf der Haut. Vom Bahnhof kam das Kreischen einer bremsenden Lok, der Verkehr rauschte Richtung Keitum vorüber und kam vor der Ampel zum Erliegen. Ein ungeduldiger Autofahrer hupte, als sie wieder auf Grün wechselte. Erik blickte hoch, während er seinen Wagen aufschloss. Die Möwen kreisten am Himmel, lagen mit gespreizten Flügeln auf dem Wind, ließen sich treiben, verhielten sich aber ruhig. Nur gelegentlich ein schriller Schrei, in den alle anderen Möwen jedoch nicht einstimmten.

Sören öffnete den Kofferraum und wuchtete beide Kartons hinein. „Dann mal los, Chef!“

Er schwang sich auf den Beifahrersitz, während Erik das rechte Bein hineinsetzte, sich am Lenkrad über den Fahrersitz zog, sich dann fallen ließ und sein linkes Bein nachholte. Er musste endlich etwas für seine Fitness tun! Natürlich könnte er, genau wie Sören, jeden Morgen mit dem Fahrrad ins Polizeirevier fahren, die Strecke von Wenningstedt nach Westerland betrug nicht mehr als fünf Kilometer. Dann wäre er vermutlich bald sein leichtes Übergewicht los, geriete nicht so schnell aus der Puste, wenn sie eine Verfolgung aufnehmen mussten, und brächte vielleicht sogar seine grauen Zellen auf Trab. Gelegentlich machte er sich Sorgen, wenn es ihm so schien, als würde er immer langsamer, körperlich und geistig. Er war doch erst Mitte vierzig. Wenn er da an seine Schwiegermutter dachte, die bereits die sechzig überschritten hatte! Wie flott die auf den Beinen war und wie fix sie denken und kombinieren konnte! Erik seufzte.

Als wollte er den Gegenbeweis antreten, wendete er zügig, fuhr mit quietschenden Reifen an, stoppte vor der Einfahrt in den Kirchenweg so jäh, dass Sören nach vorn geworfen wurde, und bog rechts ab, als ginge es darum, einen Flüchtigen zu verfolgen.

„Was ist denn mit Ihnen los, Chef?“, fragte Sören. „Können Sie nicht früh genug im Container ankommen?“

„Wir ziehen in das Telekomgebäude“, brummte Erik. „Schon vergessen?“

Die Kriminalpolizei hatte dort ein paar Büroräume zur Verfügung gestellt bekommen, dennoch war sowohl bei den Mitarbeitern der Sylter Polizeiwache als auch bei den Kripobeamten nur vom Umzug in die Container die Rede. Schließlich gehörten sie alle irgendwie zusammen. Und wenn die Mehrheit in der nächsten Zeit die Arbeit in diesem Provisorium verrichten musste, gehörten sie demnächst doch alle zu den Bewohnern dieses Containerdorfes, auch wenn einige wenige ihre Büros nebenan in festen Behausungen hatten.

So führte ihr erster Weg auch in einen der Container, an dem sehr groß und unübersehbar das Schild Polizeirevier Sylt – Wache angebracht war. Erik und Sören wollten sehen, wie die Kollegen sich eingerichtet hatten, wollten sich anhören, wie sie stöhnten oder sich über die neuen Arbeitsbedingungen lustig machten.

Doch dort hatte niemand Zeit. Es summte und brummte wie in einem Bienenkorb, Kollegen kamen herein, rannten hinaus, durchquerten die Räume, suchten etwas, fluchten ausgiebig, wenn sie es nicht sofort fanden, und riefen sich Fragen zu, die nicht beantwortet wurden. Mehr als ein knappes „Moin!“ bekamen Erik und Sören nicht zu hören.

Sie zuckten mit den Achseln und nahmen ihre Kartons wieder auf, die sie auf der Theke des Revierzimmers abgestellt hatten. „Dann gucken wir uns erst mal unsere Büros an“, meinte Erik.

Sie verließen die Wache und gingen in das mehrstöckige Nachbargebäude, das der Telekom gehörte. Dort gab es zum Glück einen Aufzug, der sie in die dritte Etage brachte. Kriminalpolizeistelle, bitte klingeln stand auf dem Schild vor der Tür. Sie folgten der Anweisung, denn noch war ihnen kein Schlüssel ausgehändigt worden.

Gisa Pauly

Über Gisa Pauly

Biografie

Gisa Pauly hängte nach zwanzig Jahren den Lehrerberuf an den Nagel und veröffentlichte 1994 das Buch „Mir langt’s – eine Lehrerin steigt aus“. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin, Journalistin und Drehbuchautorin in Münster, ihre Ferien verbringt sie am liebsten auf Sylt oder in Italien....

Veranstaltung
Lesung
Mittwoch, 18. November 2020 in Menden
Zeit:19:30 Uhr
Ort:Alter Ratssaal,
Hauptstraße 48
58706 Menden
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Lesung und Gespräch
Sonntag, 06. Dezember 2020 in Dinslaken
Zeit:15:00 Uhr
Ort:Stadtbibliothek,
Friedrich-Ebert-Straße 84
46535 Dinslaken
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Lesung
Donnerstag, 08. Juli 2021 in Rastede
Zeit:19:00 Uhr
Ort:Beachclub Nethen,
Bekhauser Esch 170
26180 Rastede
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Lesung
Samstag, 23. Oktober 2021 in Bad Sassendorf
Zeit:19:30 Uhr
Ort:Kulturscheune Hof Haulle,
An der Rosenau 2
59505 Bad Sassendorf
Lesung im Rahmen von Mord am Hellweg
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Pressestimmen
SR3 „Krimitipp“

„Dieser Krimi steckt voller Sonne, Sand und Meer. Und voller Situationskomik, auch wenn sich hinter dem Kriminalfall eine Tragödie verbirgt. (…) Da steckt Spannung drin und jede Menge Lebensweisheit. ›Zugvögel‹ von Gisa Pauly ist die perfekte Urlaubslektüre.“

Sylt life

„Sehr spannender Krimi, den man nur schwer aus der Hand nimmt.“

quucy.com

„Ob jung oder alt - der Sylt-Krimi von Gisa Pauly zieht jeden Leser in seinem Bann. Man möchte das Buch gar nicht zur Seite legen. Er ist spannend und unterhaltsam zugleich geschrieben.“

Westfalenpost

„Alltagshumor mit Inselflair“

vielleserin.de

„Die Geschichte hat alles, was ich mir von einem Urlaubskrimi wünschen würde und vielleicht sogar noch das gewisse Etwas mehr.“

reise-magazin.de

„Auch der 14. Band um Mamma Carlotta macht wieder Lust auf eine Reise nach Sylt!“

vivanty.de

„Das macht Spaß und ist für viele genau die richtige Lektüre im Urlaub.“

vivanty.de

„Das macht Spaß und ist für viele genau die richtige Lektüre im Urlaub.“

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