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Die Krimis von Gisa Pauly

Mamma Carlotta ermittelt auf Sylt

Montag, 03. Mai 2021 von Piper Verlag


Sylt-Krimis

In den turbulenten Sylt-Krimis von Gisa Pauly prallt das Temperament von Mamma Carlotta auf die Mentalität der Inselbewohner, vor allem aber mischt sich die Italienerin immer wieder in die polizeilichen Ermittlungen ihres friesisch-wortkargen Schwiegersohns ein. Wer Rita Falk und den Eberhofer mag, wird auch von Mamma Carlotta begeistert sein.

Mamma Carlottas 15. Fall

15 Jahre Mamma Carlotta – ein Grund zum Feiern!

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Ein Sylt-Krimi

15 Jahre Mamma Carlotta – und kein bisschen ruhiger! Die italienischste Bewohnerin Sylts ist wieder im Einsatz. Nudeln kochen und auf die Nordsee starren? Doch nicht mit Mamma Carlotta! Auch in ihrem 15. Fall stolpert die Kult-Ermittlerin wieder mittenrein in die abgründigen Seiten der Sylt-Idylle. Bisher 1,8 Millionen Mal gingen die rasanten Bücher um Hobby-Detektivin Mamma Carlotta über den Ladentisch. Mit dem 15. Fall „Lachmöwe“ dürfte Bestseller-Autorin Gisa Pauly mit Leichtigkeit über die nächste Millionenhürde springen. Denn wenn „die italienische Miss Marple von Sylt“ (Brigitte) der Polizei unter die Arme greift, kann selbst der beste Kommissar einpacken! Dieses Mal wird es besonders turbulent: Tote Pflegerinnen, verdächtige Kindermädchen und rüstige Rentner halten Mamma Carlotta auf Trab. Und ein solch ausgefuchster Mörder ist selbst der Ikone des Sylt-Krimis noch nicht untergekommen. Wie gut, dass nun Rentner Richard an ihrer Seite ist. Denn die Jagd nach dem Täter verlangt dem rüstigen Power-Duo alles ab. Perfekte Cozy Crime für Ihre Strandlektüre – machen Sie Urlaub mit Mama Carlotta! Bücher für den Urlaub gibt es viele. Hervorragende Regionalkrimis ebenso. Doch kaum ein anderer Nordsee-Krimi bringt das Lebensgefühl auf Sylt mit so viel Charme und Situationskomik auf den Punkt wie die Mamma Carlotta-Reihe. Lassen Sie die Seele baumeln und schmökern Sie nach Herzenslust – „Lachmöwe“ ist ein pures Vergnügen und ein perfekter Tipp für Ihre Urlaubslektüre. Der SPIEGEL-Bestseller #1 – ein Grund zum Feiern! 15 Jahre Mamma Carlotta, 15 unglaubliche Fälle, zahllose begeisterte Fans und kein Ende in Sicht! Geht es nach Autorin Gisa Pauly, wird sie die Welt so lange mit humorvollen Regio-Krimis bereichern, bis ihr die Zutaten für den perfekten Nordsee-Roman ausgehen. Das wird sicher nie der Fall sein – denn Mamma Carlotta hat noch viel vor!
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Vor bald fünfzehn Jahren schickte Gisa Pauly ihre Hauptfigur Mamma Carlotta zum ersten Mal nach Sylt. Und anstatt sich dort lediglich um die Enkel zu kümmern und nach dem Rechten zu sehen, begann die patente Italienerin schnell, ihren Schwiegersohn Erik Wolf – seines Zeichens Hauptkommissar auf der Insel – bei seinen Ermittlungen zu unterstützen. Mal konnte sie tatsächlich hilfreiche Infos liefern, mal trieb sie den Kommissar mit ihrer Einmischung eher in den Wahnsinn. Doch am Ende war der Täter stets gefasst, da ist Verlass auf Mamma Carlotta! Die quirlige Italienerin eroberte die Bestsellerlisten im Sturm und mittlerweile ist Gisa Pauly eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen Deutschlands und ihre Figur nicht mehr aus Sylt wegzudenken.

Im Frühjahr 2021 legt Gisa Pauly nun den 15. Fall für Mamma Carlotta vor – ein Grund zum Feiern! 

Reihenfolge der Mamma-Carlotta-Serie von Gisa Pauly

Vom ersten Fall „Die Tote am Watt“ bis zum aktuellen Krimi „Lachmöwe“ – die Sylt-Krimis von Gisa Pauly in chronologischer Reihenfolge

  • Band 1: Die Tote am Watt
    In „Die Tote am Watt“ wird eine vermögende Witwe auf Sylt erdrosselt aufgefunden. Kann der Täter per DNA-Analyse überführt werden? Mamma Carlotta, die italienische Schwiegermutter von Hauptkommissar Erik Wolf, verlässt sich lieber auf ihre weibliche Intuition …
     
  • Band 2: Gestrandet
    Warum mussten Magdalena Feddersen und Donata Zöllner in „Gestrandet“ sterben? Wieder mischt sich Mamma Carlotta unverzüglich in die Ermittlungen ein, denn Donata ist ihre nette Reisebekanntschaft aus dem Flugzeug.
     
  • Band 3: Tod im Dünengras
    Ein Mafioso auf Sylt: Erik Wolfs Strandspaziergang mit Mamma Carlotta, seiner italienischen Schwiegermutter, ist richtig beschaulich – bis der Kriminalhauptkommissar in den Sylter Dünen einen Toten entdeckt, der offenbar erschlagen wurde.
     
  • Band 4: Flammen im Sand
    Als bei Bauarbeiten auf Sylt ein Skelett gefunden wird, tappt Hauptkommissar Erik Wolf im Dunkeln: Wer ist die Tote, die vor fünf Jahren ermordet wurde? Seine umtriebige italienische Schwiegermutter hat aber schnell einen Verdacht.
     
  • Band 5: Inselzirkus
    Eigentlich wollte sich Mamma Carlottas Enkelin Carolin als Komparsin für eine Telenovela bewerben, doch engagiert wird nicht sie, sondern die Oma. Schwiegersohn Erik Wolf hat derweil andere Sorgen: Die Leiche eines Klatschreporters wird aus dem Lister Hafen gefischt.
     
  • Band 6: Küstennebel
    Als ein Italiener als vermisst gemeldet wird, kommt das Kommissar Erik Wolf sehr gelegen – so muss er seine Schwiegermutter Carlotta nicht nach Umbrien auf eine Silberhochzeit begleiten.
     
  • Band 7: Kurschatten
    Tumult im Kurgebiet: Während Carlotta genüsslich dem Kurkonzert lauscht, stürzt sich nebenan eine Frau vom Balkon! Einmal mehr fühlt sich Carlotta berufen, sich in die Ermittlungsarbeit ihres Schwiegersohns Erik einzumischen.
     
  • Band 8: Strandläufer
    Als sie auf Sylt Paul kennenlernt, ist Mamma Carlotta sofort hingerissen von dem weltmännischen Charmeur, der ihr so ungeniert den Hof macht.. Aber ist Paul ein anderer, als er vorgibt, oder hat er gar mit dem Mord an einem bekannten Talkmaster zu tun?
     
  • Band 9: Sonnendeck
    Mamma Carlotta ist überglücklich, als sie einige Tage an Bord eines Kreuzfahrtschiffs gewinnt. Ihr Schwiegersohn, der Sylter Kriminalhauptkommissar Erik Wolf,  vermutet aber einen Dieb an Bord der „Arabella“. Wird Mamma Carlotta dem Täter an Bord näher kommen, als ihnen allen lieb ist?
     
  • Band 10: Gegenwind
    Mamma Carlotta ist eigentlich der Meinung, dass Sport eine ziemlich unsinnige Sache ist. Trotzdem hat sie sich als Helferin für den alljährlichen Wettlauf auf Sylt gemeldet. Prompt bricht einer der Teilnehmer zusammen – und stirbt in Carlottas Armen!
     
  • Band 11: Vogelkoje
    Mamma Carlotta gibt Gas! Schon lange ist Mamma Carlotta der Meinung, dass ihr Schwiegersohn, Kriminalhauptkommissar Erik Wolf, viel zu langsam Auto fährt. Sie selbst ist eher von der schnellen Sorte. Aber illegale Rennen auf Sylt? Das geht dann doch zu weit. 
     
  • Band 12: Wellenbrecher 
    Bitte nicht stören – Mamma Carlotta ermittelt im Hotel! Mamma Carlotta freut sich, als ihre Enkelin Carolin eine Ausbildung als Hotelkauffrau beginnt. Als ein Kellner des Hotel­restaurants spurlos verschwindet, entdeckt Mamma Carlotta eine Spur, die nach Italien führt. 
     
  • Band 13: Sturmflut
    Ein Lyrikfestival auf Sylt! Zwar interessiert sich Mamma Carlotta nicht sonderlich für die Dichtkunst, dennoch packt sie voller Tatendrang bei der Orga­nisation mit an. Dann geschieht das Unfassbare: Die Tochter der Festivalleiterin wird entführt! Ob es Carlotta gelingt, so eisern zu schweigen, wie ihr Schwiegersohn Hauptkommissar Erik Wolf es verlangt?
     
  • Band 14: Zugvögel
    Umherziehende Artisten, ein Häkelclub und ein Charity-Event, das tödlich endet
     
  • Band 15: Lachmöwe
    Tote Pflegerinnen, verdächtige Kindermädchen und rüstige Rentner
Gisa Pauly spricht über ihr Mamma-Carlotta-Jubiläum

Im Frühjahr 2021 erscheint der 15. Band Ihrer Sylt-Krimi-Reihe rund um die sympathisch-heitere Mamma Carlotta. Was hat sich seit Veröffentlichung des ersten Bandes verändert?
Für mich eigentlich gar nicht so viel. Natürlich sind die Kinder größer geworden, Erik hat sich ein paarmal  verliebt. Aber sonst? Allerdings höre ich von Freunden gelegentlich, dass sich meine Schreibe durchaus im Laufe dieser fünfzehn Jahre verändert hat. Zum Glück sind alle der Meinung, dass die Veränderung positiver Art ist.

Hätten Sie damals gedacht, dass es ganze 15 Bände rund um Mamma Carlotta geben würde?
Nie im Leben!

Und mit wie vielen Bänden dürfen wir noch rechnen?
Ich bin entschlossen, bis zum Ende meines Lebens weiterzumachen. Sollte es dann irgendwann so weit sein, dann hoffe ich, dass ich vor meinem Ableben noch eben den aktuellen Band zu Ende schreiben und termingerecht abliefern kann.

Wir freuen uns jedenfalls auf alle kommenden Bände! Haben Ihre Figuren denn reale  Vorbilder? Und woher kam die Idee zu Ihrer grandiosen italienischen Hauptfigur Mamma Carlotta?
Nein, reale Vorbilder gibt es nie. Und die Idee zu Mamma Carlotta ...? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur noch, dass sie plötzlich da war, dass sie mir gefiel und ich von ihr überzeugt war.

Würden Sie Mamma Carlotta für uns beschreiben? Wie viel von ihr steckt in Ihnen selbst oder wie viel von Ihnen in Mamma Carlotta?
Mamma Carlotta ist eine typische italienische Nonna. Die Familie ist ihr Ein und Alles, ihre Kinder stehen für sie immer im Mittelpunkt. Mamma Carlotta hatte kei-neswegs ein leichtes Leben. Schon mit sechzehn wurde sie schwanger und bekam in kurzer Folge sieben Kinder. Ihre Schwiegereltern wurden pflegebedürftig und spä-ter auch ihr Mann schon in jungen Jahren. Ihr Leben hat immer aus viel Arbeit, Schicksalsschlägen und Entbeh-rungen bestanden. Trotzdem hat sie es genossen und wollte nie ein anderes. Immer war sie mit dem zufrieden und glücklich, was sie hatte. Eine, wie ich finde, bemerkenswerte Eigenschaft. 

Mamma Carlotta und ich? Als mir das erste Mal diese Frage gestellt wurde, habe ich eine Ähnlichkeit rigoros bestritten. Mein Mann war damals anwesend, hat sich aber rausgehalten und später, als wir allein waren,behauptet, er sei anderer Meinung. Das mörderische Tempo, in dem Mamma Carlotta alles erledigt und das ihren Schwiegersohn schrecklich nervt, ginge ihm bei mir genauso auf die Nerven. Auch er hätte ständig Angst, dass mit dem Küchenmesser ein Unglück geschieht, so wie Erik. Und angeblich hält die ganze Familie den Atem an, wenn ich die Treppe herunterkomme, und schnauft erleichtert auf, wenn ich mal wieder ohne Unfall unten angekommen bin. Wahrscheinlich eine himmelschreiende Übertreibung …

Würden Sie sich mit Mamma Carlotta  verstehen? Was ist Ihre liebste Eigenart von Mamma Carlotta?
Ich würde mich mit ihr sicherlich gut verstehen. Aber garantiert würde sie mir auch ganz schön auf die Nerven gehen, so laut und lärmend, wie sie sein kann! Ihre liebste Eigenart ist für mich, dass sie so glücklich und zufrieden mit ihrem Leben ist, obwohl sie Grund genug hätte, sich zu beklagen. Über die lange Pflege ihres schwerkranken Mannes, über den frühen Tod ihrer Tochter Lucia ... Aber sie ist unerschütterlich optimistisch und schafft es, sich über Kleinigkeiten zu freuen und alles andere zur Seite zu schieben. 

Was würden Sie machen, wenn Sie einen Tag mit Mamma Carlotta verbringen könnten?
Natürlich würde ich darauf bestehen, dass sie für mich kocht. Ich würde ihr gerne helfen, würde die Schnippelarbeit übernehmen und mir von ihr erzählen lassen. Am liebsten die Geschichten aus ihrem Dorf, wenn ich auch immer den Verdacht habe, dass viel davon aus-gedacht oder zumindest stark übertrieben ist. Dann würde ich mit ihr einen Strandspaziergang unternehmen und ihr versichern, dass so eine Stunde Müßiggang total in Ordnung ist. Und natürlich ginge ich zusammen mit ihr in Käptens Kajüte. Ich möchte wissen, ob Toves Cappuccino wirklich so schlecht ist, wie sie behauptet. Dort würde ich dann mit ihr darauf warten, dass die Sonne untergeht, denn vorher trinkt sie ja keinen Alkohol. Aber dann wäre ein Glas Rotwein aus Montepulciano fällig. Fietje bekäme von mir ein Jever spendiert und Tove ein Glas Genever. Der Tag würde wie im Flug vergehen!

Autorin Gisa Pauly im Interview

Interview mit Hobbyermittlerin Mamma Carlotta

Guten Tag, Frau Capella. Wie schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch mit uns gefunden haben!
Buon giorno, Signori! Sehr gern, naturalmente! Ma … viel Zeit habe ich nicht. Ich muss noch fürs Abendessen einkaufen. Sie wissen ja ... la famiglia ist daran gewöhnt, dass ich koche. Mittags und abends, je drei Gänge. So was macht viel Arbeit. 

Sie besuchen regelmäßig Ihren Schwiegersohn, Kommissar Erik Wolf, und Ihre Enkel Felix und Carolin auf Sylt. Ist Ihnen die Insel denn  mittlerweile ans Herz gewachsen?
Ich gebe zu, als ich das erste Mal nach Sylt kam, war ich entsetzt. Es war April, in Bella Italia war es schon warm. Und auf Sylt? Eiskalt wie im Winter. Ich konnte nicht verstehen, dass meine Tochter Lucia sich auf dieser Insel wohlgefühlt hatte. Aber ich wusste, sie hat Sylt geliebt. Und mittlerweile ... ich gebe zu, dass ich selber die Insel auch liebe. Das raue Klima, den kalten Wind, das Donnern der Brandung. Manchmal vermisse ich das alles, wenn meine Abende in Panidomino wieder lau sind, die Luft bewegungslos über den Gassen steht und die Mittagshitze jeden ins Haus treibt.

Wo verbringen Sie am liebsten Zeit auf Sylt, wenn Sie einmal eine ruhige Minute haben?
Ruhige Minute? Madonna, sowas kenne ich nicht, und sowas will ich auch nicht. Allora ... eine kleine Siesta tut sehr gut, aber wenn mein Schwiegersohn einen Mordfall lösen muss, komme ich meist nicht dazu.  Er braucht ja immer ein wenig Unterstützung. Kein Wunder, wenn er alles so langsam angeht! Ich bin dem Täter meist schon auf der Spur, wenn er sich noch nicht mal über die Motivation im Klaren ist. Das liegt natürlich auch daran, dass er immer großen Wert auf Beweise legt, während ich der Ansicht bin, dass Intuition viel wichtiger ist.

Sie scheinen ein Händchen dafür zu haben, immer wieder in brenzlige Situationen zu  geraten. Gerade eben erst haben Sie der  Polizei zum 15. Mal dabei geholfen, einen Mordfall zu lösen!
Das ist eine sehr unangenehme Frage. Dio mio, ich weiß auch nicht, wie das immer kommt. Mein Dino, Gott hab‘ ihn selig, hat immer gesagt, dass ich die Reihenfolge des Denkens und Handels durcheinanderwerfe. Ich soll erst denken und dann handeln, allerdings muss ich zuge-ben, dass ich oft erst nachdenke, wenn ich schon in der Patsche sitze. Manchmal bin ich Signora Pauly auch ein wenig böse, dass sie mir immer so unangenehme Situ-ationen auf den Leib schreibt. Wer will schon stunden-lang unter dem Bett des Hauptverdächtigen zubringen? Mir wird das dummerweise passieren. In „Lachmöwe“! Sehr, sehr unangenehm.

Woher kommt Ihr Gespür für die Ermittlungsarbeit?
Gespür! Sie sagen es! Gespür braucht man, das halte ich Enrico ständig vor. Aber er will ja immer Beweise. Jemanden festnehmen, weil in seinen Augen zu lesen ist, dass er nichts Gutes im Schilde führt ... das will er einfach nicht. Dabei habe ich am Ende immer recht ... oder, sagen wir, meistens ... Dio mio! Aber gelegentlich wirklich.

Was hält ihr Schwiegersohn davon, dass Sie gerne mitermitteln?
Das darf er nicht wissen, verraten Sie es ihm bloß nicht. Er denkt doch immer, er hätte alle Fälle ganz allein gelöst. Das muss unbedingt so bleiben! Er braucht den Erfolg. Schon wegen der Staatsanwältin ... Madonna! Das Techtelmechtel zwischen den beiden ist auch der reinste Kriminalfall.

Denken Sie manchmal daran, dass Sie zu alt werden, um Mördern hinterherzujagen?
Vecchia? Io? Ich bin doch nicht alt. Gute sechzig, was ist das schon! No, no, Signori! Mörder fangen, das kann man auch noch mit siebzig. Di sicuro! 

Lesen Sie denn auch gerne Kriminalromane? Oder müssen Sie selbst hautnah dabei sein?
No, lesen, das ist nicht mein Ding. Da muss man stundenlang stillsitzen. Ich würde einschlafen vor Langeweile …

Welcher Fall ist Ihnen ganz besonders im Kopf geblieben?
Mein erster! Dio mio, dieser Fischhändler! Was hat er mir für eine Angst gemacht! Als der Fall gelöst war, musste ich mir wirklich überlegen, ob ich noch einmal nach Sylt kommen wollte. Aber schließlich musste ich doch bei Enrico und den Kindern nach dem Rechten sehen!

Werden Sie zur Feier des 15. gelösten Falls ein besonderes Gericht auftischen?
Ah, sì. Fünfzehn Jahre Ehe, das ist die Kristallhochzeit. In Panidomino schenkt man dann neue Kristallgläser, weil in fünfzehn Jahren natürlich einige zu Bruch gegangen sind. Aus unterschiedlichen Gründen, die meisten aber, weil sie von der Ehefrau an die Wand geworfen wurden, nachdem ihr Mann mal wieder die ganze Nacht in einer Bar zugebracht hat und dort mit Damen Kontakt hatte, die ihr Make-up an seinen Hemdkragen geschmiert haben. Sì, sì, natürlich haben Sie recht, eine Ehe ist was anderes als ein Mordfall. Obwohl ... no, darüber will ich nicht reden. In Panidomino ist mal ein Mann ausgerechnet an seinem fünfzehnten Hochzeitstag verstorben. Darüber wird heute noch geredet ...
Wie war noch die Frage? Ah, ein besonderes Essen zum fünfzehnten gelösten Fall! D’accordo, ich werde mir etwas Gutes ausdenken. Un pasto particolarmente buono! Vielleicht ... mal sehen, wie wäre es mit Artischockenherzen als Antipasto, Pappa al pomodoro als Primo, Involtini alla Toscana als Secondo und Soufflé gelato als Dolce. Ein gutes Festessen, non è vero? 

Gisa Pauly über ihr Sylt

Die Autorin erzählt, was ihr die Insel Sylt, auf der all ihre Krimis mit der temperamentvollen Hobbyermittlerin Mamma Carlotta spielen, bedeutet.

Welche Bedeutung hat Sylt für Sie?

Gisa Pauly: Meine Begeisterung für die Insel ist 1972 in einem Familienurlaub entstanden. Natürlich ist Sylt heute nicht mehr nur ein Ferienort, sondern auch Arbeitsplatz für mich: Seit ich die Sylt-Krimis verfasse, nimmt das Schreiben die meiste Zeit auf der Insel in Anspruch. Ich sorge aber dafür, dass das Genießen der Insel trotzdem nie zu kurz kommt.


Was unternehmen Sie eigentlich auf Sylt, wenn Sie nicht schreiben?

GP: Fahrrad fahren! Als Münsteranerin liebe ich es, über die Insel zu radeln. Mein Tipp für Sylt-Besucher: Strandspaziergänge, immer an der Wasserkante entlang, danach in einem Strandbistro einkehren und aufs Meer blicken. Abgesehen vom Fahrradfahren gibt es nichts Erholsameres!

Was macht Sylt für Sie so besonders?

GP: Seine Vielfältigkeit! Man kann dort Jubel und Trubel genauso wie Einsamkeit und absolute Ruhe finden. Sylt ist nie eintönig und immer in Bewegung. Deshalb empfinde ich die Insel als ein Kunstwerk, das stets neu geschaffen wird.


Was macht es so spannend, eine temperamentvolle Italienerin wie Mamma Carlotta auf Sylter Zurückhaltung treffen zu lassen?

GP: Mamma Carlottas laute Fröhlichkeit und ihre Fähigkeit, aus Kleinigkeiten ein Fest oder gar eine Tragödie zu machen, bilden einen tollen Kontrast zu Sylt. Das Reizvolle für mich daran: dass die beiden Mentalitäten, so verschieden sie sind, sich bereitwillig aufeinander zubewegen und sich bemühen einander anzupassen. Das kann rührend und sehr emotional sein!

Personenregister zu den Sylt Krimis

Mit diesen Personen bekommen Sie es zu tun

Carlotta Capella,
„Mamma Carlotta“, 60, Witwe, Mutter von sieben Kindern und Schwiegermutter des Hauptkommissars. Temperamentvoll, neugierig, kontaktfreudig, das krasse Gegenteil von Erik Wolf.

Erik Wolf,
Kriminalhauptkommissar auf Sylt, Mitte 40, verwitwet, ein ruhiger, bedächtiger Mann. Seine Schwiegermutter nennt ihn, wenn er es nicht hört, einen typischen Friesen, was nicht als Kompliment gedacht ist.

Carolin und Felix Wolf,
die Kinder des Hauptkommissars, die Tochter so ruhig und friesisch wie ihr Vater, der Sohn so laut und italienisch wie die Nonna.

Dr. Eva-Mathilda Speck,
Staatsanwältin, etwa 40 Jahre alt, so genau weiß das niemand. Ehrgeizig, kaltschnäuzig, knallhart. Nur in der Küche von Hauptkommissar Wolf, wenn dessen Schwiegermutter am Herd steht, taut sie auf

Sören Kretschmer,
Ende 20, soeben zum Oberkommissar befördert, ein echter Friese mit einem Gesicht wie ein reifer Boskop und Haaren wie der Flaum eines Gänsekükens. Eriks loyaler, stets freundlicher Assistent.

Buon appetito – jetzt kocht Mamma Carlotta!

Die besten Rezepte von Mamma Carlotta.

Von Amarettinikuchen bis Zuppa veloce - geheimsten Familienrezepte, gespickt mit den schönsten Anekdoten von der besten italienischen Köchin von ganz Sylt!

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Mamma Carlottas himmlische Rezepte

Mamma Carlotta hat mehrere Talente. Ihren Schwiegersohn in den Wahnsinn treiben, zum Beispiel. Oder reden, bis einem die Ohren abfallen. Und natürlich das Aufklären von Morden. Königin allerdings ist sie im Kochen! Von Amarettinikuchen bis Zuppa veloce – nur die feinsten Gerichte kommen bei der resoluten Italienerin auf den Tisch. In diesem Buch verrät sie uns endlich ihre geheimsten Familienrezepte, gespickt mit den schönsten Anekdoten. Ein großartiges Geschenkbuch für alle, die gerne genießen.
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Exklusiver Kurzkrimi von Gisa Pauly – Mama Carlotta ermittelt in „Pollo Marengo“

Mama Carlotta ist auf der Suche nach einem verschwundenen Rezept. Dieses gibt’s am Ende des Kurzkrimis zum Nachkochen.

Pollo Marengo
Erik Wolf strich lange über seinen Schnauzer, bis er wusste, was er sagen wollte: „Du lädst uns zum Essen ein? In ein Restaurant?“
„Sì, Enrico! Warum nicht?“ Mamma Carlotta tat so, als wäre es das Normalste der Welt, die Küche kalt zu lassen und auswärts zu essen. In Wirklichkeit waren ihre Restaurantbesuche an einer Hand abzuzählen, und ihre Witwenrente reichte gerade aus, um gelegentlich ein Flugticket von Umbrien nach Sylt zu kaufen.  
„Da steckt doch was anderes dahinter“, mutmaßte Erik, der als Sylter Kriminalhauptkommissar von Natur aus misstrauisch war. „Weißt du eigentlich, was ein Essen im ‚Pollo Marengo‘ kostet?“
Mamma Carlotta wurde nervös. Und wie immer, wenn sie sich durchschaut fühlte, redete sie so lange von etwas anderem, bis sie hoffen konnte, dass die Frage, die sie nicht beantworten wollte, vergessen worden war. Bei ihrem Dino, Gott hab ihn selig, hatte das immer funktioniert, bei Erik klappte es leider nicht.
„Hast du im Lotto gewonnen?“, setzte er nach, als sie weitschweifig auf die Verteuerungen im Allgemeinen und die Kostenexplosion in der Friedrichstraße ausgewichen war. Es half also nichts, sie musste mit der Wahrheit heraus. Das hatte ihre Schwägerin am Ende ihres langen Telefonats ohnehin vorgeschlagen. „Enrico ist un Commissario! Der kann uns helfen!“
Doch Carlotta wusste aus leidvoller Erfahrung, wie korrekt Erik mit Recht und Gesetz umging. Für eine Italienerin heiligte der Zweck jedes Mittel, aber für Erik reichte nicht einmal ein Indiz. Nein, für ihn mussten Beweise her. Dabei war Cesare praktisch überführt, da war Carlotta mit der Frau ihres Bruders sofort einer Meinung gewesen.
„Das Rezept ist weg! Gestohlen!“, hatte Rosamunda berichtet. „Das geheime Rezept der Cicalas, das immer am Tag der Hochzeit auf die Tochter übergeht. Kurz vor der Trauung hat der Brautvater gemerkt, dass es nicht mehr an seinem Platz lag. Die Mutter der Braut hat ‚Pollo Marengo‘ ja noch aus dem Gedächtnis gekocht, aber kurz vor der Hochzeit bekam sie einen Schlaganfall und kann sich nun an nichts mehr erinnern.“
„Madonna!“ Das konnte kein Zufall sein, dass Cesare, ein entfernter Verwandter der Cicalas, nach Sylt ging, um ein Restaurant zu eröffnen, und es ausgerechnet ‚Pollo Marengo‘ nannte. Dass er das gleichnamige Gericht dort anbot, wusste Mamma Carlotta inzwischen, nun musste sie nur noch herausfinden, ob es genauso schmeckte wie bei Signora Cicala. Damit wäre Cesare überführt.  
„Du willst da persönlich hin?“, erkundigte sich Erik.
„Cesare hat mich nie gesehen“, antwortete Mamma Carlotta. „Und ich kenne ihn auch nur vom Hörensagen.“
Am Abend bestellten Erik und die Kinder Spaghetti Carbonara, Mamma Carlotta ließ sich wie geplant ‚Pollo Marengo‘ vorsetzen. Schon nach dem ersten Bissen war sie sich sicher: „Das Rezept von Signora Cicala! Kein Zweifel! Cesare hat es gestohlen.“
„Das lässt sich nicht beweisen“, wehrte Erik ab. „Du erwartest hoffentlich nicht, dass das Kommissariat von Westerland sich darum kümmert.“
Mamma Carlotta hatte es ihrer Schwägerin ja gleich gesagt. Nur aufgrund einer Anschuldigung verhaftete Erik niemanden.
„Wegen eines Rezeptes?“ Erik tippte sich an die Stirn. Und das tat er noch einmal, als Carlotta ihm erzählt hatte, dass ‚Pollo Marengo‘ etwas ganz Besonderes war. „Für Napoleon erfunden.“
Nach der Schlacht in Piemont habe er sich hungrig in einen Gasthof begeben, wo die Wirtin, eine Vorfahrin von Signora Cicala, für den großen Feldherrn ein Huhn briet. Sie hatte alles herbeigeholt, was es noch in ihrem Hause gab: Tomaten, Hühnerbrühe, Brot und Eier. „So ist ‚Pollo Marengo‘ entstanden.“ Mamma Carlotta seufzte tief auf. „Nun ist das Rezept verloren! Dabei kommen viele Touristen extra deswegen in die Trattoria Cicala.“
„Vergiss es!“, sagte Erik. „Ich werde keine Hausdurchsuchung anordnen. Schon deswegen nicht, weil der Diebstahl in Italien geschehen ist. Die deutsche Polizei ist nicht zuständig.“
Carlotta machte gar nicht erst den Versuch, ihn umzustimmen, sie hatte nichts anderes erwartet. Es blieb ihr also nichts anderes übrig, als selbst zur Tat zu schreiten. Wenn Cesare das Rezept nicht in einem Tresor aufbewahrte, würde sie es bekommen! Rosamunda, die Cicalas, das ganze Dorf - alle bauten auf ihre Hilfe. Nein, sie durfte die Erwartungen nicht enttäuschen.
Die Kinder, auf deren Unterstützung sie gehofft hatte, winkten leider schon ab, ehe sie die beiden ins Gebet genommen hatte. „Ne, Nonna! Versuch’s gar nicht erst!“ Carolin und Felix wollten keinen Ärger mit ihrem Vater riskieren. „Wenn der rausbekommt, dass wir dir bei einem Einbruch geholfen haben …“
Sie war also allein. Ganz allein mit dem Versprechen, das sie Rosamunda gegeben hatte, allein mit dem Mitleid für die Familie Cicala und mit der Frage, wie man sie in ihrem Dorf ansehen würde, wenn sie mit leeren Händen zurückkam.
Blieben also nur ihre heimlichen Freunde auf Sylt! Tove Griess, der Wirt der schmuddeligen Imbiss-Stube, und sein einziger Stammgast, der Strandwärter Fietje Tiensch, der in Käptens Kajüte seine gesamte Freizeit verbrachte. Beide waren mit dem Gesetz schon so oft in Konflikt geraten, dass es auf ein weiteres Mal nicht ankam. Das behauptete Mamma Carlotta jedenfalls, als sie sich an die Theke setzte, um die beiden zur Komplizenschaft zu überreden.
Tove und Fietje wehrten sich mit Händen und Füßen, aber nachdem sie so lange auf die beiden eingeredet hatte, dass sie gar nicht mehr wussten, worum es eigentlich ging, nickten sie schließlich, nur damit Carlotta endlich stillschwieg. Einer italienischen Mamma, die doppelt so schnell redete wie sie und dabei so heftig gestikulierte, dass man Angst um das Inventar von Käptens Kajüte bekommen konnte, waren sie nicht gewachsen.
So standen sie in der nächsten Nacht mit Mamma Carlotta hinter dem Restaurant ‚Pollo Merengo‘ und suchten nach Ausflüchten aus der leichtfertig gegebenen Zusage.
„Das ist nicht Ihr erster Bruch“, zischte Mamma Carlotta, die merkte, warum die beiden von einem Bein aufs andere traten. „Ich weiß das von meinem Schwiegersohn!“
Tove strich die Segel. „Also gut, drehen Sie sich um“, sagte er, damit die Schwiegermutter des Kriminalhauptkommissars später wenigstens reinen Herzens behaupten konnte, sie hätte nichts gesehen.
Carlotta tat, was er verlangte. Gemeinsam mit Fietje starrte sie in die finstere Nacht, lauschte auf das Rauschen des Meeres, hielt ihr Gesicht dem Wind hin und zuckte mit keiner Wimper, als in das Heulen einer Sturmbö das Geräusch von splitterndem Glas drang. Sie wandte sich erst um, als Tove sagte: „Alles klar.“
Das Fenster der Restaurantküche stand weit offen, Tove machte eine einladende Geste. „Wir wär’s mit Räuberleiter? Aber das Rezept klauen müssen Sie allein.“
Die Räuberleiter klappte erstaunlich gut, und kurz darauf huschte Mamma Carlotta mit einer Taschenlampe durch die Küche, während Tove und Fietje vor dem Fenster die Stellung hielten.
„Beeilung!“, hörte sie Tove leise rufen. „So ein Rezept muss doch in der Nähe des Herdes liegen!“
Er hatte recht. Direkt über dem Herd gab es ein Regalbrett mit Rezeptbüchern. Aus einem sah ein Blatt heraus, und als Mamma Carlotta es hervorzog, wusste sie, dass sie fündig geworden war. „Pollo Marengo!“  
Mit dem Blatt in der Hand huschte sie zum Fenster zurück, durch das der Wind hereinjaulte und mit den Gerätschaften klapperte. Hoffentlich holten diese Geräusche niemanden auf den Plan!
Sie kniete sich in die Fensteröffnung und starrte ängstlich auf die vier Hände, die sich ihr von unten entgegenstreckten.  
„Springen!“, forderte Tove Griess.
„Wir fangen Sie auf“, drängelte Fietje Tiensch.
Doch noch bevor sie ihren Mut zusammengenommen hatte, rief Tove plötzlich: „Polizei!“ So friesisch-bedächtig die beiden sonst reagierten - wenn sie eine Uniform sahen, verschwanden sie schneller als jeder italienische Mafioso.
Erschrocken ließ Mamma Carlotta sich zurückfallen und duckte sich unter die Fensterbrüstung. Vor dem Fenster waren Schritte zu hören, dann zwei Stimmen. „Ist jemand bei Cesare eingestiegen? Das Fenster steht offen!“
Mamma Carlotta presste sich in die Dunkelheit unter dem Fenster, als sie das Scharren von Fußspitzen an der Hauswand hörte und ein Schatten auf den Fußboden fiel. Ein Mann spähte über die Fensterbank!
Doch dann verschwand er wieder, und jemand sagte: „Ich sehe nichts. Wir müssen durch den vorderen Eingang.“
Anscheinend hatten die beiden noch nichts von einer Räuberleiter gehört, was Mamma Carlottas Herz mit Dankbarkeit erfüllte. Kaum hatten die Schritte sich entfernt, kletterte sie erneut auf die Fensterbank, das Rezept in ihren zitternden Händen, und ließ sich, diesmal ohne lange nachzudenken, zur Erde plumpsen. Sie landete auf allen vieren, richtete sich stöhnend auf, wollte das Rezept an ihr Herz drücken und ein Dankgebet an den Schutzheiligen ihres Dorfes richten … da wurde es ihr von einer Bö aus der Hand gerissen. Bis zum Gartenzaun hetzte sie ihm nach, aber der Wind war zu heftig und zu unberechenbar. Fassungslos sah sie dem Rezept nach, wie es an der Hausecke des Nachbarn aufgewirbelt wurde und kurz darauf in einer Baumkrone verschwand. „Madonna!“ Alles war umsonst gewesen! Nun war das Rezept ein für alle Mal verloren! Das Andenken an Napoleon! Die Attraktion der Trattoria Cicala!
Mutlos schlich sie davon. Ihre Mission war gescheitert. Ein dreister Diebstahl würde ungesühnt und ihr selbst der Dank und die Anerkennung ihres Dorfes verwehrt bleiben.  
Zwei Tage quälte sie sich mit der Niederlage herum, dann glaubte sie, dass ein Besuch in Käptens Kajüte sie aufheitern könnte. Schon vor der Tür merkte sie, dass etwas anders war. Der Geruch! Sonst drangen die Schwaden von mehrfach benutztem Frittierfett nach draußen, jetzt duftete es nach … Mamma Carlotta konnte den Gedanken nicht zu Ende denken und riss die Tür auf. Entgeistert starrte sie das Schild an, das über der Theke hing. ‚Heute Napoleons Leibgericht!‘
Tove Griess grinste breit. „Ich hätte nie gedacht, Signora, dass es Ihnen mal die Sprache verschlagen könnte.“
Er hatte auch noch nie erlebt, dass Mamma Carlotta stotterte: „Wie … kommen Sie … zu dem Rezept?“
„Es hing im Baum hinter dem Haus“, entgegnete Tove.
„Aber seine Gäste“, mischte Fietje sich ein, der an seinem Stammplatz hockte, „wollen nur Pommes und Currywurst. Dieses Pollodingsbums ist ein Ladenhüter.“
Mamma Carlotta hatte ihre Sprache noch immer nicht wiedergefunden. Ohne ein Wort streckte sie die Hand aus. Tove verstand, holte das reichlich ramponierte Rezept unter der Theke hervor und reichte es ihr. „Der Besitzer von diesem piekfeinen Restaurant war übrigens gerade hier.“
„Cesare?“, fragte Mamma Carlotta. „Hat er etwa gemerkt, dass Sie hier ‚Pollo Marengo‘ anbieten?“
Tove nickte, während er nach dem Rotwein suchte, den Mamma Carlotta gerne trank. „Der hatte tatsächlich die Stirn, mir mit Anzeige zu drohen!“
Mamma Carlotta starrte den Wirt entsetzt an. „Cesare glaubt, dass Sie ihm das Rezept gestohlen haben?“
„Habe ich aber nicht!“ Tove schien sich in seinem reinen Gewissen sehr wohlzufühlen, ein Genuss, in den er selten kam. „Und dann habe ich ihm von einer Signora erzählt, die aus einem Dorf stammt, in dem ebenfalls Napoleons Leibgericht angeboten wird. Komischerweise hat er von da an nicht mehr von Polizei geredet.“ Er goss ein Glas Rotwein für Mamma Carlotta ein und prostete ihr zu. „Geht aufs Haus!“

Rezept: Pollo Marengo (für 4 P.)

Zutaten:
1 Brathühnchen (etwa 1,2 kg), Olivenöl, Salz, Pfeffer, 2 Knoblauchzehen, 2 geschälte Tomaten oder 1 El Tomatenpüree, 100 ml herber Weißwein, 100 ml konzentrierte Hühnerbrühe, 150 g frische Zwiebeln, 12 Perlzwiebelchen, 3 El Butter, 2 Scheiben Toastbrot, 4 Eier, 1 Messerspitze Fleischextrakt, 1 El geh. Petersilie. Signora Cicala fügte noch 150 g frische Pilze und 4 Süßwasserkrebse bei.

Das Brathuhn in 4 Teile schneiden, Olivenöl erhitzen. Die Teile darin ringsum anbraten und mit Salz und Pfeffer bestreuen. Die Flügel und die Bruststücke aus der Kasserolle nehmen. Die Schenkel halb zugedeckt bei kleiner Hitze 5 Min. weiterbraten. Die Schenkel aus der Kasserolle nehmen, etwas Öl abgießen und die kleingeschnittenen Tomaten oder das Tomatenpüree und den zerdrückten Knoblauch hineingeben. Einige Minuten anziehen lassen. Mit Weißwein ablöschen, kurz einkochen, dann die Hühnerbrühe zufügen. (Signora Cicalas besonderer Kniff ist es, mit Madeira abzulöschen, was sie bis jetzt niemandem verraten hat.) Unterdessen die geputzten Pilze vierteln. Mit den geschälten Perlzwiebeln in einem zweiten Topf in 1 El Butter knapp weich dünsten. Das Fleisch wieder zu den Tomaten geben. Zugedeckt 15 Min. schmoren. Die Toastscheiben diagonal halbieren und in der verbliebenen Butter goldgelb rösten. Das restliche Olivenöl erhitzen.
Die Eier in einer Tasse aufschlagen, mit Salz und Pfeffer würzen und in das heiße Öl gießen. Mit einem Löffel rasch das Eiweiß auf das Eigelb zurückschlagen und mehrmals mit heißem Öl begießen. Sobald das Eiweiß fest wird, die Eier warm stellen. Die Fleischstücke aus der Kasserolle nehmen und ebenfalls warm stellen.
Die Sauce etwas einkochen lassen und mit Salz, viel Pfeffer aus der Mühle und Fleischextrakt abschmecken. Sauce, Perlzwiebeln und Pilze auf den Fleischstücken anrichten und das Gericht mit den frittierten Eiern, den Buttercroutons und Krebsen garnieren und mit gehackter Petersilie bestreuen.

Mamma Carlotta und die Malerei

Mamma Carlotta macht mal wieder Urlaub auf Sylt und wie es der Zufall will, erinnern sie die Begebenheiten im Krimi „Strandläufer“ an eine Geschichte, die sich einmal in ihrem Heimatort Pandomino zugetragen hat

>> Eine Frage des Geschmacks

In meinem Dorf in Umbrien gibt es un pittore. Einen Maler, Sie verstehen? No, kein Anstreicher! Den haben wir natürlich auch. Allora … ich meine einen Maler, der schöne Bilder pro-duziert. Viel schöner als die von Boy Lindegard, von dem im Buch „Strandläufer“ die Rede ist. Der malte nämlich abstrakt, das hat mir meine Enkelin genau erklärt, und das gefällt mir nicht besonders gut. Tachismus, hat Carolina gesagt, heißt es, wenn der Maler nicht malt, was er sieht, sondern das, was er fühlt. Terribile! Wenn er wütend ist, knallt er die Farben auf die Leinwand, ist er gut gelaunt, streicht er sanft mit dem Pinsel hin und her, und das in fröhlichen Farben, wenn er sich verliebt hat. Aber sobald die Liebe vorbei ist, kleckst er graue Farbe darüber oder krakelt alles mit roten Blitzen und schwarzen Kreisen voll. Das soll Kunst sein? Non. Mai! Ricardo, der Maler in meinem Dorf, arbeitet ganz anders. Er malt Vasen mit blühenden Blumen, Obstschalen mit Weintrauben und Pfirsichen und viele Bilder von unserer schönen Landschaft.


Alle Bewohner unseres Dorfes lieben Ricardos Bilder, es gibt kein Haus, in dem nicht mindestens ein Gemälde von Ri-cardo hängt. Leonarda war die Einzige, die Ricardos Bilder nicht mochte. Vielleicht lag das daran, dass sie nicht in Panidomino geboren und aufgewachsen war. Sie hat am Comer See gewohnt, ehe sie Sandro kennenlernte, der damals gerade die Wäscherei seines Vaters übernommen hatte. Seinetwegen war sie nach Panidomino gekommen, und zunächst dachte man, sie wären verlobt, doch das erwies sich schnell als Gerücht. Verliebt waren sie aber ganz sicher, das fiel sogar Signora Fantonello auf, die von Liebe nichts mehr wissen wollte, seit sie von ihrem Mann verlassen worden war.
Ach, es war schön zu sehen, wie Sandro alles tat, um Leonarda eine Freude zu machen. Er schenkte ihr Blumen, führte sie zum Essen aus und half ihr sogar bei der Wäsche. Als sie Geburtstag hatte, rechneten alle damit, dass er ihr einen Ring schenken würde. Aber Sandro sagte, er habe sich etwas viel Besseres ausgedacht. Madonna, das hatte er wirklich! Ein wunderbares Geschenk! Fantastico!

Er bat Ricardo, ein Bild zu malen. Extra für Leonarda! Man stelle sich das vor! An dem Tag vor ihrem Geburtstag traf ich Sandro zufällig. Er kam aus Ricardos Atelier und trug etwas Großes, Viereckiges bei sich. Zweifelsohne ein Gemälde! Aber natürlich unter einer Decke verborgen, damit niemand das Bild sah und Leonarda etwas verriet. Mir hat er es aber doch gezeigt. Sandro weiß ja, wie verschwiegen ich bin. Veramente! Vor allem, wenn es um Amore geht, sind meine Lippen versiegelt.
Das Bild war … meraviglioso! Viele rote Herzen vor einem wolkenlosen Himmel, dazwischen ein paar weiße Tauben, eine davon mit einem Brief im Schnabel. Ein Firmament der Liebe! Darunter der Berg, auf dem Panidomino liegt, und in der Ecke rechts unten ein paar Weinflaschen von Signor Rometti, dem Besitzer des größten Weinbergs in der Gegend. Er verwendet auffällige blaue Etiketten, an denen der Wein aus seiner Produktion sofort zu erkennen ist. Gelegentlich schenkt er Ricardo eine Leinwand oder ein paar Eimer Farbe, damit seine Schaffenskraft nicht versiegt, und Ricardo sorgt als Gegenleistung dafür, dass Signor Romettis Wein überall bekannt wird. Aber wenn man das vergisst, stören die blauen Etiketten nicht weiter. Das Bild war ein Meisterwerk, so viel war klar.

Sandro kehrte am nächsten Tag mit stolzgeschwellter Brust von Leonardas Geburtstagsfeier zurück. „Hat sie sich gefreut?“, habe ich ihn gefragt, obwohl diese Frage natürlich überflüssig war. Welche Frau freut sich nicht über ein solches Geschenk, über ein Bild, das nur für sie gemalt worden war!
Aber dann wurde ich zufällig Zeuge eines Telefongesprächs. Leonarda lief mit ihrem Telefonino durch den Weinberg von Signor Rometti, während ich ein paar Rebstöcke weiter den Weg zum Olivenbauern einschlug. Was konnte ich dafür, dass ich jedes Wort verstand? Keiner kann mir vorwerfen, ich hätte gelauscht. Mio Dio, sie hätte ja auch leiser reden können … Aber laut und vernehmlich hat sie von Kitsch gesprochen und davon, dass sie ein derart hässliches Bild in ihrem Leben noch nicht gesehen hätte. Sie müsse sich sogar überlegen, ob sie mit einem Mann, der einen derart schlechten Geschmack bewiesen habe, überhaupt zusammen sein wolle. Madonna, wie kann man nur so undankbar sein! Ich konnte Leonarda wirklich nicht verstehen!

Lange habe ich überlegt, ob ich Sandro die Wahrheit sagen sollte. Aber ich entschloss mich dann doch zu schweigen, obwohl mich jedes Mal, wenn ich ihn traf, Zweifel überkamen, ob ich richtig handelte. Dann aber vergaß ich die Angelegenheit, weil eine andere Sensation unser Dorf aufrüttelte: Bei Leonarda war eingebrochen worden! Jemand war über ihren Balkon in die Wohnung eingedrungen und hatte das schöne Bild gestohlen, das Ricardo extra für sie gemalt hatte. Sonst war noch alles an seinem Platz, der Dieb hatte es augenscheinlich auf dieses Bild abgesehen. 
Ricardo erhöhte daraufhin die Preise für seine Gemälde, weil er fand, dass dieser Diebstahl ein Beweis dafür war, wie hoch seine Kunst geschätzt wurde. „Wenn ich tot bin, Carlotta“, sagte er zu mir, „wird das Stillleben über deinem Sofa Tausende wert sein. Vielleicht sogar Millionen.“
Ich liebe das Bild mit den roten Tulpen in der goldenen Vase, aber … Millionen? Das konnte ich nicht recht glauben.


Von allen Seiten wurde Leonarda tiefes Mitgefühl entgegengebracht. Sogar die Polizei kam zu ihr und sicherte ihr zu, alles zu tun, um den Dieb zu fangen. Aber es gab keine Spuren und keine Verdächtigen, und so musste Leonarda sich damit abfinden, dass Sandros wunderbares Geschenk verloren war. Sie beteuerte überall, dass der Verlust ihr das Herz zerriss, dass sie aber stark sein müsse und sich damit abfinden wolle. Doch dass Leonarda von Kitsch gesprochen hatte, konnte ich noch nicht vergessen, obwohl ich mir große Mühe gab.

Ein Jahr verging, und noch immer waren Leonarda und Sandro nicht verheiratet. Es hieß, er habe schon einige Anträge gemacht, aber Leonarda bisher nur mit „vielleicht“ geantwortet. Warum sie zögerte, konnte niemand verstehen. 
Dann stand wieder ihr Geburtstag vor der Tür. Was würde sich Sandro diesmal einfallen lassen, um Leonardas Herz zu erobern? Zum Glück waren auch alle Nachbarinnen eingeladen worden und eine wie die andere besonders pünktlich erschienen. Jede wollte dabei sein, wenn Sandro kam und sein Geschenk überreichte. Würde es diesmal ein Verlobungsring sein? 
Ich blickte zufällig aus dem Fenster, als er aufs Haus zukam. In den Händen hielt er ein großes, in Geschenkpapier gewickeltes Viereck. Mich beschlich ein banges Gefühl, und Leonarda schien es ähnlich zu gehen. Sie wurde blass, als sie Sandro die Tür öffnete, und fragte, kaum dass er sie umarmt, geküsst und ihr gratuliert hatte: „Was ist das für ein Geschenk?“
Sandro lächelte geheimnisvoll. „Darauf kommst du nie.“
Leonarda allerdings sah so aus, als käme ihr durchaus eine Ahnung. Und ich bin sicher, dass ich außer ihr die Einzige war, der ebenfalls etwas schwante. 
Als Leonarda das Geschenkpapier entfernt hatte, sank sie blass und zitternd in einen Sessel. Sandro glaubte natürlich, dass sie von Freude überwältigt worden war, und behandelte sie wie eine Schwerkranke. Vorsichtig nahm er ihr das Bild ab und hängte es auf den Haken, den er vor einem Jahr für eben dieses Bild in die Wand geschlagen hatte. Die roten Herzchen, die weißen Tauben, unser Dorf auf dem Berg und Signor Romettis Weinflaschen – alles wie vor einem Jahr. 
„Anscheinend hat der Dieb es gleich an den nächsten Kunsthändler verkauft“, klärte Sandro seine Liebste auf, die immer noch fassungslos dasaß. „In Città di Castello habe ich es zufällig bei einem Antiquitätenhändler entdeckt und zurückgekauft. Der Inhaber des Ladens wollte mir nicht verraten, woher er es hatte, aber das muss man wohl verstehen. Er will natürlich nicht zugeben, dass er Diebesgut verkauft.“ 
„Du hast es zweimal bezahlt?“, flüsterte Leonarda.
Sandro griff nach ihrer Hand. „Du weißt ja, dass mir für dich nichts zu teuer ist.“ Und dann sank er vor ihr auf die Knie und machte ihr einen weiteren Heiratsantrag, diesmal in der sicheren Erwartung, dass sie ihn annehmen würde. 
Alle Nachbarinnen suchten schon nach ihren Taschentüchern, Leonardas Mutter kam aus der Küche und begann zu weinen, ihr Vater suchte bereits nach einer gut gekühlten Flasche Sekt … da sagte Leonarda: „Nein!“ Es gäbe unüberbrückbare Differenzen, erklärte sie zum Entsetzen aller, sie hätten in wichtigen Dingen einen unterschiedlichen Geschmack. Ich glaube, ich war die Einzige, die verstand, was sie damit meinte.

Schon zwei Tage später zog Leonarda an den Comer See zu-rück. Was aus dem Bild geworden ist? Ich weiß es nicht. Wenn Leonarda es auch Kitsch genannt hat, ich wünsche dem Bild trotzdem nicht, dass es ihm so ergeht wie dem Gemälde von Boy Lindegard. „Strandläufer“ hieß es – so wie das Buch – und es hat ein schreckliches Schicksal erleiden müssen.

Kommentare

1. Strandläufer
Heike Rudewig am 08.05.2017

Ich bin begeistert. Spannung, Humor und die autentische Beschreibung der Orte, das ist ein perfektes Gesamtpaket und macht mich neugierig.

2. immer wieder gern gelesen
e. Krüger am 14.05.2018

Immer wieder eine kurzweilige Lektüre. Ideale Urlaubsbücher für den Nordsee-Fan. Live, bei einer Lesung erlebt. Einfahren gut.

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