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Ärztin einer neuen Ära (Bedeutende Frauen, die die Welt verändern 8)

Yvonne Winkler
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Hermine Heusler-Edenhuizen – Sie kämpfte für das Wohl werdender Mütter und für ihre große Liebe

„Ein fesselnder Roman, der zeigt wie es noch vor etwa hundert Jahren war und dass man auch als einzelne Person Dinge verändern kann.“ - Honey

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Ärztin einer neuen Ära (Bedeutende Frauen, die die Welt verändern 8) — Inhalt

Vordenkerin, Medizinerin, Wegbereiterin
Berlin, 1898: Nach dem Abitur kann es Hermine Edenhuizen kaum erwarten zu studieren. Sie möchte Ärztin werden und in die Fußstapfen ihres jüngst verstorbenen Vaters treten. Frauen dürfen aber noch nicht studieren, weswegen Hermine für jede Vorlesung eine Sondergenehmigung braucht. Sie gibt nicht auf und tut alles für ihren Traum! Deshalb will sie auch niemals heiraten, ein Ehemann könnte ihr nämlich das Arbeiten verbieten.

Da lernt sie den Arzt Otto Heusler kennen. Er behandelt sie respektvoll, diskutiert medizinische Fälle mit ihr. Doch Otto ist bereits verheiratet! Hat ihre Liebe ein Chance?

Bedeutende Frauen, die die Welt verändern 
Mit den historischen Romanen unsere Reihe »Bedeutende Frauen, die die Welt verändern" entführen wir Sie in das Leben inspirierender und außergewöhnlicher Persönlichkeiten!

Auf wahren Begebenheiten beruhend erschaffen unsere Autorinnen ein fulminantes Panormana aufregender Zeiten und erzählen von den großen Momenten und den kleinen Zufällen, von den schönsten Begegnungen und den tragischen Augenblicken, von den Träumen und der Liebe dieser starken Frauen.

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 24.02.2022
448 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06309-8
Download Cover
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 24.02.2022
400 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-60111-5
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Leseprobe zu „Ärztin einer neuen Ära (Bedeutende Frauen, die die Welt verändern 8)“

Teil 1

Wegweiser

1896

Berlin, Pewsum in Ostfriesland


Kapitel 1

Die Schulbank war alt und morsch und eigentlich für Kinder der Volksschule gezimmert. Aber Hermine Edenhuizen war kein Kind mehr. Sie war fast vierundzwanzig und damit längst aus dem üblichen Schulalter heraus. Es lag an den neuen Gymnasialkursen, dass sie sich trotzdem noch jeden Tag hinter das Pult zwängte.

Als hochgewachsene Ostfriesin überragte sie die anderen drei Kursteilnehmerinnen deutlich und musste sich ordentlich abplagen, bis sie endlich in der Bank saß. Schmerzhaft drückten ihre Knie [...]

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Teil 1

Wegweiser

1896

Berlin, Pewsum in Ostfriesland


Kapitel 1

Die Schulbank war alt und morsch und eigentlich für Kinder der Volksschule gezimmert. Aber Hermine Edenhuizen war kein Kind mehr. Sie war fast vierundzwanzig und damit längst aus dem üblichen Schulalter heraus. Es lag an den neuen Gymnasialkursen, dass sie sich trotzdem noch jeden Tag hinter das Pult zwängte.

Als hochgewachsene Ostfriesin überragte sie die anderen drei Kursteilnehmerinnen deutlich und musste sich ordentlich abplagen, bis sie endlich in der Bank saß. Schmerzhaft drückten ihre Knie gegen das Holz, und bei jeder Bewegung rechnete sie damit, dass das wackelige Gestühl auseinanderfiel. Wenn sie aufstand, um die Frage eines Lehrers zu beantworten, musste sie sich erst wieder mühsam hinausschieben. Am Ende eines langen Unterrichtstages fühlten sich ihre Knie- und Hüftgelenke an wie die rostigen Angeln der alten Gartenpforte daheim in Pewsum. Manchmal bildete sie sich sogar ein, sie auf dem Weg zurück in die Pension genauso quietschen zu hören.

Und nicht allein die Bänke waren alt. Der Raum, in dem Hermine und ihre drei Mitschülerinnen unterrichtet wurden, war vermutlich der schäbigste, den die Charlottenschule zu bieten hatte. Eine Abstellkammer, in die alles hineingestopft wurde, was überflüssig oder mit Mängeln behaftet war: Abgestoßene Schränke, wurmstichige Schulbänke oder vier junge Frauen, die sich in den Kopf gesetzt hatten, die Abiturprüfung abzulegen.

Helene Lange – ihr gemeinsames Vorbild, ihre Mentorin und eine unermüdliche Streiterin für das Recht der Frauen auf Bildung – hatte allen Widerständen zum Trotz diesen Gymnasialkurs für junge Frauen ins Leben gerufen. Jahrelang hatte sie Briefe geschrieben, Petitionen eingereicht, war persönlich auf Ämtern erschienen, hatte mit Regierungsbeamten und Studienräten lange Gespräche geführt. Schließlich hatte sie gesiegt. Seit vier Jahren konnten sich junge Frauen aus dem ganzen Kaiserreich hier in Berlin an der Charlottenschule auf die Abiturprüfung vorbereiten.

Einige der Lehrer, die Fräulein Lange für diesen Kurs zusammengesucht hatte, waren bereits im Ruhestand. Sie schrieben auf einer Tafel, die aussah, als hätte ein hungriger Riese ein Stück davon abgebissen. Die Kreide blieb kaum darauf haften und kreischte bei jedem Strich. Die beiden kleinen Fenster ließen sich nicht öffnen. Es roch muffig – nach grüner Seife, Mottenkugeln, Staub, altem Papier und den ausgestopften Tieren, die auf den Schränken standen. Der Hauswart der Charlottenschule hasste den Kurs. Der Wunsch der Frauen, das Gleiche zu lernen, was die Knaben ganz selbstverständlich an den Gymnasien lernten, war ihm sichtlich zuwider. Außerdem stellte ihre Anwesenheit eine Unterbrechung seiner seit Jahrzehnten eingeschliffenen Gewohnheiten dar. Und so ließ er es sich nicht nehmen, wenigstens einmal am Tag während ihres Unterrichts unvermittelt die Tür aufzureißen und unter lautem Geklapper seine Eimer und Besen in den Raum zurückzustellen.

Doch entgegen aller Konventionen und Bräuche, gegen den Widerstand von ehrbaren Studienräten, betagten Regierungsbeamten und einem entrüsteten Hauswart im schmierigen Kittel saßen sie hier, vier junge Frauen zwischen sechzehn und achtundzwanzig, und bereiteten sich auf das Abitur vor. Und sie, Hermine Edenhuizen aus dem beschaulichen ostfriesischen Pewsum, war eine von ihnen. Dafür war sie dankbar.

Diese Dankbarkeit erstreckte sich sogar auf den Lateinunterricht bei Herrn Doktor Pflühe.

Der Lehrer wanderte vor der Tafel auf und ab, ein kleiner, steifer Mann mit einem grau melierten Backenbart und einer strengen Falte auf der lichten Stirn.

„Die höchste Tugend des Schülers ist das Lernen“, rezitierte er, ohne die vier jungen Frauen in den Bänken vor ihm eines Blickes zu würdigen. Das lange Lineal in seiner rechten Hand wippte zum Takt der Silben. „Non scholae, sed vitae discimus.“

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“, sprachen sie die korrekte Übersetzung im Chor.

Latein war nicht gerade Hermines Lieblingsfach, was allerdings weniger an den Inhalten, sondern vor allem am Lehrer lag. Herr Doktor Jacob Pflühe unterrichtete sie mit einem Grimm, als wäre der Unterricht Teil einer Strafe, die ihm ungerechterweise auferlegt worden war. Dabei wusste Hermine sehr wohl, dass Fräulein Lange ihm gutes Geld für diese Stunden zahlte. Geld, das man ihm nicht erst aufdrängen musste, sondern das er bereitwillig annahm. Er hätte den Lehrauftrag auch ablehnen können. Ob er mit jemandem eine Wette abgeschlossen hatte, dass die Frauen es nicht schaffen würden, ihre Abiturprüfung erfolgreich abzulegen? Falls sie mit dieser Vermutung richtiglag, konnte er sich schon darauf einstellen, dass er die Wette verlor. Dafür würde Hermine sorgen.

Herr Doktor Pflühe schrieb einen lateinischen Satz an die Tafel, das Quietschen der Kreide schnitt schmerzhaft ins Trommelfell.

„Übersetzen.“ Die Stimme des Lehrers donnerte über ihren Köpfen hinweg durch den kleinen Raum. Und um seinen Worten mehr Vehemenz zu verleihen, klopfte er mit seinem Lineal gegen die Tafel. „Sie.“

Das Lineal zeigte auf Hermine.

Sie schob sich mühsam aus der engen Bank und stand auf, so wie der Lehrer es von seinen Schülern gewohnt war. Natürlich war sie gut vorbereitet. Sie bereitete sich auf jedes Fach gut vor, doch in Latein gab sie sich immer besondere Mühe. Es war ihre Art, sich für die Ablehnung des Lehrers zu revanchieren.

Sie schaffte es, den Satz aus Tacitus’ Germania mit nur einmaligem kurzen Stocken und ohne jeden Fehler zu übersetzen.

„Konjugieren Sie ›esse‹ im Imperfekt und Plusquamperfekt.“

„Eram, eras, erat, eramus, eratis, erant. Fueram, fueras, fuerat, fueramus, fueratis, fuerant.“

Die Unmutsfalte zwischen den Augenbrauen des Lehrers wurde tiefer.

„Setzen!“, bellte er, wandte sich ab und schrieb den nächsten Satz an die Tafel. Die Kreide quietschte, als wäre sie mindestens ebenso zornig wie der Lehrer.

Hermine lächelte still in sich hinein. Nach fast zwei Jahren Unterricht bei Herrn Doktor Pflühe konnte sie in seinem Gesicht gut lesen. Anfangs hatte sie sich vor dieser grimmigen Miene gefürchtet. Sie war dazu erzogen worden, gefallen zu wollen, und hatte nicht verstanden, warum dieser Mann so wütend auf sie alle war. Doch seitdem sie wusste, dass er es hasste, wenn sie sich durch Wissen und Können seiner vorgefassten Meinung über Frauen widersetzten, liebte sie diesen Gesichtsausdruck. Er machte sie stolz.

Als Nächste kam Frida Busch an die Reihe, doch auch sie hatte sich exzellent auf den Unterricht vorbereitet. Keine von ihnen gab sich an diesem Tag eine Blöße, die Laune des Herrn Doktors sank weiter. Am Ende der Stunde nahm er seinen Hut und stampfte grußlos hinaus. Seine Schritte, begleitet vom wütenden Pochen seines Spazierstocks auf dem Linoleum, waren den ganzen Korridor entlang zu hören, bis er das Schulgebäude verlassen hatte.

Thekla Freytag, eine zierliche Berlinerin und mit neunzehn die Zweitjüngste unter ihnen, sprang mit einer Leichtigkeit aus ihrer Bank, um die Hermine sie glühend beneidete. Sie lachte.

„Da haben wir den Herrn Doktor heute aber schwer enttäuscht! Hoffentlich kann er gut schlafen.“

Sie sammelten ihre Bücher, Hefte und Bleistifte zusammen und gingen hinaus.

Das Schulgebäude war bereits leer. Die Mädchen, die hier in der Elementarschule bis zum 14. Lebensjahr unterrichtet wurden, waren schon längst zu Hause. Auch das an die Charlottenschule angeschlossene Lehrerinnenseminar war um diese Uhrzeit verwaist. Oft dachte Hermine daran, dass sie beinahe ebenfalls Lehrerin geworden wäre. Schließlich war das bisher die einzige Möglichkeit für eine Frau, sich weiterzubilden, zu lernen. Zum Glück hatte ihr Vater ihr davon abgeraten. Und dann hatte sie eine Anzeige entdeckt, in der Fräulein Lange auf ihren Gymnasialkurs in Berlin aufmerksam machte – und vergessen war das Lehrerinnenseminar.

Da sie als Absolventinnen von Fräulein Langes Gymnasialkurs davon abhängig waren, dass die angeworbenen Lehrer sich die Zeit nahmen, hatten sie oft zu ungewöhnlichen Tageszeiten Unterricht, mal bis in den Abend hinein, gelegentlich sogar am Wochenende. Wie es die Lehrer eben einrichten konnten oder wollten. Manchmal drängte sich Hermine der Verdacht auf, dass die Herren ihren Unterricht absichtlich zu ungünstigen Zeiten abhielten, um den vier Schülerinnen auf ihrem Weg zum Abitur weitere Steine in den Weg zu legen.

Doch auch davon ließen sie sich nicht abschrecken. Sie hatten dafür gekämpft, hier lernen zu dürfen. Nicht Handarbeit, Hauswirtschaft und Kinderpflege, sondern Latein, Griechisch, Naturwissenschaften und Mathematik. Deshalb ließen sie sich auch von ungünstigen Unterrichtszeiten nicht abhalten. Tage waren lang. Und wenn der Tag nicht ausreichte, so gab es immer noch die Nacht.

In der Beständigkeit liegt das Geheimnis des Erfolgs. Diesen Satz hatte Fräulein Lange zu Beginn des Gymnasialkurses Hermine mit auf den Weg gegeben. Er war zu ihrem Wahlspruch geworden, der sie durch jede Schwierigkeit, über jede neue Hürde hinwegtrug. Und sogar durch den Lateinunterricht.

 

Auf dem Gehsteig vor dem Gebäude der Charlottenschule blieb Hermine stehen. Sie drückte den Stapel Schulbücher fest an sich, schloss die Augen, reckte ihr Gesicht nach oben – der Sonne und dem Wind entgegen – und atmete tief ein. Der Februar lag erst seit wenigen Tagen hinter ihnen. Es war kalt und feucht, und in manchen Winkeln und Hinterhöfen lagen noch immer Reste von Schnee. Die Luft roch nach Holz- und Kohlefeuern. Doch die Rauchsäulen aus den Schornsteinen der Wohnhäuser, Fabriken und Werkstätten stiegen in einen zartblauen Himmel empor. Die Sonne begann bereits, ihre wärmende Kraft zu entfalten, und in der leichten Brise lag die Ahnung von jungen Trieben und ersten Blüten.

Der Frühling ließ sich nicht aufhalten. Selbst hier in Berlin, in dieser viel zu großen, lärmenden und stinkenden Stadt mit ihren vielen Menschen, den Pferdekutschen und Fuhrwerken, bahnte sich die Natur ihren Weg.

„Hermine? Nun komm schon!“ Ihre Freundin Frida Busch zog scherzhaft an ihrem Ärmel. Klein, dunkelhaarig und lebhaft – so wie Frida stellte sich Hermine immer die Südländerinnen vor. Obwohl die Freundin vier Jahre älter war, schien sie das Leben viel leichter und heiterer zu nehmen als sie selbst. „Du wirst noch Wurzeln schlagen, wenn du dich nicht bald von der Stelle bewegst.“

„Sie träumt von den schönen Männern in Ostfriesland“, scherzte Thekla, und Clara kicherte, wobei sich ihre Wangen rosa färbten.

Thekla war die Einzige von ihnen, die aus Berlin stammte und deshalb immer noch im Elternhaus wohnte. Frida war Rheinländerin, ihre Mutter lebte in Bonn, wo der Vater, ein Arzt, bis zu seinem Tod praktiziert hatte. Und die sechzehnjährige Clara kam aus Breslau. Doch weder Frida noch Clara litt dermaßen unter Heimweh wie Hermine. Auch wenn es im Frühjahr bei Weitem nicht so stark war wie im Sommer, wenn die Luft drückend und schwer auf Berlin lastete und Mensch und Tier gleichermaßen nach jedem kühlenden Windhauch lechzten. Die Sehnsucht nach Ostfriesland – den Deichen, dem weiten Himmel, dem Blick, der ungehindert über endlose Wiesen schweifen konnte – blieb. Immer. Jeden Tag. Sie trug sie in sich, eingegossen wie eine Fliege in Bernstein. Hätte ihr jemand jetzt angeboten, sie könnte sich in den Zug setzen und einfach nach Hause fahren, sie wäre sofort zum Bahnhof gelaufen. Aber es galt noch bis Juni durchzuhalten. Dann erst begannen die Ferien, und sie durfte endlich wieder zurück nach Ostfriesland.

„Hermine! Guten Morgen!“ Fridas Ziehen am Ärmel wurde drängender. „Willst du denn gar nicht nach Hause?“

„Natürlich, sofort!“ Erst dann wurde Hermine bewusst, dass Frida nicht die Neue Burg in Pewsum meinte, in der sie geboren worden und aufgewachsen war. Die Freundin sprach von der kleinen Pension, in der sie beide wohnten. Sie war nicht daheim, sie war in Berlin. Ihr Enthusiasmus verpuffte, und sie seufzte. „Ich komme.“

Frida legte ihre Hand auf Hermines Arm. Offenbar verstand sie.

„Frau Krawuttke hat bestimmt schon das Essen fertig.“

Hermine nickte. Jetzt war sie wieder ganz in Berlin angekommen und hatte ihr Ziel vor Augen: Sie wollte das Abitur machen und Medizin studieren. Ihr Vater sollte stolz auf sie sein können.

Ach, Vater …

Ihr Vater, Dr. Martin Edenhuizen, war selbst Arzt mit eigener Praxis in Pewsum. Bisher war er eher skeptisch gewesen, ob der Weg, den seine Tochter eingeschlagen hatte, der richtige für sie war. Doch in den letzten Weihnachtsferien, die sie wie immer in ihrem Elternhaus verbracht hatte, hatte er ihr in einem sehr innigen und vertraulichen Gespräch erzählt, dass er im Laufe seines Berufslebens bei der Behandlung von Frauen und Kindern gelegentlich an Grenzen gestoßen sei, die seiner Meinung nach eine Frau viel leichter hätte überwinden können. Von diesen Worten angefeuert war sie nach Berlin zurückgekehrt und hatte sich mit noch größerem Eifer als zuvor in die Arbeit gestürzt.

„Du hast recht. Ich habe Hunger. Und außerdem müssen wir lernen. Ich muss noch die Übersetzung für den Griechisch-Unterricht morgen überprüfen, Vokabeln lernen …“

„Die pauken wir gemeinsam nach dem Essen.“

Frida hakte sich bei ihr unter. Clara und Thekla verabschiedeten sich und gingen in die andere Richtung davon. Und während sie und Frida lateinische Grammatik und geometrische Formeln wiederholten, um keine Minute unnütz zu vertrödeln, eilten sie die Straße entlang.

 

Die Pension, in der sie jede ein Zimmer gemietet hatten, lag zum Glück nur zwei Straßen von der Schule entfernt. Frau Krawuttke, ihre Wirtin, war eine freundliche, rundliche Frau, die das Herz auf der Zunge trug und mit der Miete ihre schmale Witwenpension aufbesserte. Dabei sorgte die gute Frau wie eine Mutter für ihre Mieterinnen. Sie stellte ihnen morgens ein ordentliches Frühstück auf den Tisch, und abends gab es an jedem Tag der Woche eine einfache, aber kräftige warme Mahlzeit. Gelegentlich fanden Hermine und Frida sogar ein Stück Gebäck auf dem Tisch in ihren Zimmern, wenn sie vom Unterricht nach Hause kamen. „Um euch das Hocken über den Büchern etwas zu versüßen“, sagte Frau Krawuttke dann immer.

Doch an diesem Tag begrüßte ihre Pensionswirtin sie nicht mit einem fröhlichen: „Da seid ihr ja endlich!“ Stattdessen erwartete sie die beiden bereits an der Tür – die Hände ineinander verschränkt, der Blick besorgt.

„Gut, dass ihr kommt.“

„Was ist geschehen?“, fragte Frida sofort.

Hermine brachte kein Wort heraus, sie begann zu frösteln, als bliese ihr ein eisiger Nordwind in den Nacken.

„Kommt in die Küche.“

Das freundliche Gesicht von Frau Krawuttke war beinahe erschreckend ernst. So ernst, dass Hermines Herz zu rasen anfing und sich ihre Beine auf dem kurzen Weg den Flur entlang anfühlten, als wären sie aus Wachs.

In der geräumigen Küche war es warm wie an jedem Tag. Es duftete nach Kernseife, nach ausgelassenem Speck, nach Erbsensuppe und dem Bohnenkaffee, den Hermine und Frida ihrer Wirtin gelegentlich zum Dank für ihre vielen kleinen Gefälligkeiten mitbrachten.

„Vorhin ist eine Depesche angekommen“, sagte Frau Krawuttke und deutete auf den weiß gescheuerten Tisch, auf dem ein Stück Papier mit dem roten Stempel der Reichspost lag. Und noch ehe ihre Hauswirtin weitersprach, wusste Hermine es bereits. „Das ist für Sie, Fräulein Hermine.“

Einen Moment stand Hermine starr. Das Herz schlug ihr im Hals, ihr Mund war trocken, ihre Kehle eng.

„Von wem …“

„Aus Pewsum. Von Ihrer Familie.“

Mechanisch reichte Hermine Frida ihre Bücher. Dann strich sie ihren Rock glatt, ihr zum Knoten hochgestecktes Haar. Alles, um das Unvermeidliche hinauszuzögern. Denn warum sollten sie ihr aus Pewsum ein Telegramm nach Berlin schicken, wenn nicht aus einem ernsten Grund? Einem sehr ernsten Grund?

„Danke.“ Sie konnte nur flüstern, als sie das Papier mit zitternden Händen entgegennahm.

„Setzen Sie sich, Kindchen.“ Frau Krawuttke zog einen der Stühle unter dem Tisch hervor und drückte Hermine sanft, aber bestimmt auf den Sitz. „Sie sind ja ganz bleich.“

Sie zitterte so stark, dass sie das Telegramm nicht ruhig in der Hand halten konnte und die Buchstaben vor ihren Augen verschwammen. Dann endlich gelang es ihr, die wenigen Worte zu entziffern:

Komm schnell, Vater liegt im Sterben. Jacob

Für einen kurzen Augenblick glaubte Hermine, sie träumte. Erschöpft und übernächtigt vom Lernen bis in die frühen Morgenstunden, musste sie hier am Küchentisch in einen kurzen Schlaf gefallen sein. Es war ein hässlicher Traum, aber sie träumte. Gleich würde sie aufwachen und wissen, dass es nicht wirklich geschehen war. Dass sie kein Telegramm erhalten hatte. Und ihr Vater daheim in Pewsum gesund und munter seine Patienten empfing.

Sie blinzelte, kniff sich schließlich in den Arm und hielt immer noch das Stück Papier in den Händen. Dieses gelbliche Rechteck mit seinen rechten Winkeln. Sie musste nur die Seitenlängen ausmessen, dann konnte sie die Fläche berechnen, auf der die Worte standen, geschrieben mit schwarzer Tinte in der sauberen, ordentlichen Handschrift eines Beamten der Reichspost. Sie sah den roten Eingangsstempel, das Datum, den vom Reichsadler geschmückten Formularkopf – und konnte nichts damit anfangen. In ihrem erschütterten, gelähmten Verstand ergab das alles keinen Sinn.

Es musste ein Traum sein. Einfach nur ein dummer, ein überaus abscheulicher Traum.

„Was ist denn, Hermine? Nun sag doch etwas!“ Frida rüttelte an ihrer Schulter.

Hermine hob ihren Blick. Es kam ihr vor, als sähe sie die Freundin zum ersten Mal in ihrem Leben.

„Bitte“, sagte sie leise und hielt Frida die Depesche hin. „Lies du mir vor. Ich kann die Buchstaben nicht erkennen. Sie ergeben keinen Sinn.“

Frida nahm ihr das Telegramm aus der Hand und las laut.

„Komm schnell, Vater liegt im Sterben. Jacob.“

Jedes Wort traf Hermine wie der kalte nasse Lappen, mit dem sie sich morgens wusch, um nach einer langen Nacht über den Büchern schneller wach zu werden.

Dann war es also wahr.

Sie erhob sich. Es fiel ihr so schwer, als hätte ihr der Kaufmann in Pewsum eines seiner Fässer mit eingelegten Gurken auf die Schultern geladen.

„Ich …“ Einen Moment schwankte sie und musste sich an der Tischkante festhalten. Wie durch einen Nebel sah sie Frau Krawuttke nach ihrem Arm greifen. „Ich werde jetzt packen.“

„Ich helfe dir“, bot Frida sofort an.

„Tun Sie das, Fräulein Frida“, sagte Frau Krawuttke. „Mein Paule hat mir einen Fahrplan dagelassen, der ist noch gültig. Ich werde gleich nachschlagen, wann der nächste Zug fährt.“

„Danke.“ Hermines Lippen bewegten sich. Es fühlte sich an, als würden sie nicht ihr gehören, sondern einer Fremden, die in ihren Körper geschlüpft war. „Das ist sehr freundlich von Ihnen.“

„Ist schon gut, Kindchen.“ Frau Krawuttke tätschelte ihren Arm. „Es ist ja nicht viel, was ich tun kann. Leider.“

 

Das Packen übernahm zum großen Teil Frida, und dafür war Hermine ihrer Freundin unendlich dankbar. Sie selbst war kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, und hätte wahrscheinlich Wichtiges vergessen und dafür Unwichtiges in ihrer Reisetasche verstaut. Sie konnte nur an ihren Vater denken. Sie hatte Angst um ihn und nagende Furcht, dass sie nicht rechtzeitig in Pewsum sein würde.

„Die Droschke wartet schon vor dem Haus“, sagte Frau Krawuttke und drückte Hermine ihren Hut in die Hand. „Beeilen Sie sich.“

„Droschke? Aber ich …“

„Keine Widerrede! Sie werden mir so nicht durch halb Berlin laufen. Da muss ich ja Angst haben, dass Sie unter die Räder kommen. Nein, der Kutscher wird Sie zum Bahnhof fahren.“

„Danke. Ich …“

„Schon gut, Fräulein Hermine. Schreiben Sie nur recht schnell, damit wir Bescheid wissen, wie es um Ihren Herrn Vater steht.“

„Ja, Frau Krawuttke. Ich werde schreiben, sobald es geht.“

Hermine verabschiedete sich. Ihre Knie waren weich, als sie die Treppe hinunterstieg, der Griff ihrer Reisetasche wie ein Eisklumpen in ihren Händen. Als sie durch die Haustür trat, sprang der Kutscher vom Kutschbock. Er war ein kleiner Mann mit einem vergnügten roten Gesicht, das eine Vorliebe für Bier verriet. Er kaute Tabak und grüßte mit einem Finger am Schirm seiner Mütze. Fröhlich pfeifend nahm er ihr die Tasche ab. Bevor Hermine die Stufen zur Kabine hochkletterte, drehte sie sich noch einmal um. Oben am Fenster standen Frau Krawuttke und Frida. Ihre Gesichter erschienen klein und weiß, wie die von Gespenstern. Sie winkten leicht. Und für einen kurzen Moment kam es Hermine vor, als würde sie einfach für die Sommerferien nach Hause fahren.

Was für ein Irrtum.

Sie stieg in die Droschke und ließ sich in den Sitz sinken.

„Wohin darf ick det Fräulein wohl fahren?“

„Zum Bahnhof, bitte“, sagte Hermine und schloss die Augen. „Ja, zum Bahnhof.“

So, wie ich es mir gewünscht habe, dachte sie bitter. Heute, nach dem Lateinunterricht.

Nicht einmal drei Stunden war es her, seit sie sich danach gesehnt hatte, gleich in den Zug steigen und nach Hause fahren zu können. Der Wunsch wurde ihr nun erfüllt. Nur dass ihr Vater im Sterben liegen könnte, das hatte sie dabei nicht im Sinn gehabt.


Kapitel 2

Eigentlich mochte Hermine die Zugstrecke zwischen Emden  und Berlin – vor allem natürlich die Fahrt in Richtung Emden. Wenn sie in den Ferien oder zu den Feiertagen nach Hause fuhr, schaute sie aus dem Fenster, ließ die Landschaft an sich vorüberziehen und suchte nach Anzeichen, dass sie sich Ostfriesland näherte. Dabei träumte sie von Pewsum – der Wiese im Garten mit blühendem Löwenzahn und den alten Apfelbäumen, dem Schotterweg, der zur Straße führte, ihren Geschwistern, die im Haus lärmten und ihren Beschäftigungen nachgingen. Und ihrem Vater, der mit seinem charakteristischen feinen Lächeln und sichtlichem Vergnügen das Treiben um sich herum betrachtete. An diesem Tag jedoch schenkte sie der Landschaft keine Beachtung. Steif und mit zusammengebissenen Zähnen saß sie auf der harten Bank in ihrem Abteil der dritten Klasse und hielt die Reisetasche mit kalten Händen fest umklammert auf den Knien. Statt Vorfreude empfand sie Furcht. Eine große, übermächtige Furcht, die alles in ihr gefrieren ließ. Die Mutter war gestorben, als sie neun Jahre alt war. Jetzt sollte auch ihr Vater gehen müssen? Nein. Das durfte nicht sein!

Hermine gegenüber saß eine korpulente Dame. Sie hatte ihren Hut auf den Schoß gelegt, lehnte an der Holzverkleidung des Waggons und schlief. Ihr Kopf bewegte sich im Rhythmus des Zuges, ohne dass es ihre Ruhe zu stören schien. Sie schnarchte sogar ein bisschen durch den geöffneten Mund. Draußen huschten die Elbauen vorbei, es folgten Wälder. Dann wurde die Landschaft zunehmend flacher und eintöniger. Gelegentlich hielt der Zug an kleinen Bahnhöfen. Die einen stiegen aus, andere stiegen zu. Die korpulente Dame gegenüber von Hermine suchte ihre Habseligkeiten zusammen und verließ das Abteil in Bremen. Ihren Platz nahm ein grauhaariger Herr ein, der sich in seine Zeitung vertiefte, kaum dass er sich gesetzt hatte. Selbst wenn er der Kaiser in Person gewesen wäre, hätte er Hermine kaum gleichgültiger sein können. Sie war in Gedanken bereits zu Hause in Pewsum. In immer schrecklicheren Bildern malte sie sich aus, was sie dort erwartete. Sie sah ihren Vater als abgemagertes Gespenst in seinem Bett liegen, schreiend und sich vor Schmerzen windend. Sie sah ihn halb wahnsinnig und ausgemergelt auf nackten Füßen durch die Flure des Hauses streifen. Sie sah ihn auf blutbesudelten Laken mit entsetzlich verdrehten Gliedern, als wäre er unter eine Kutsche geraten. Oder mit bis zur Unkenntlichkeit geschwollenem Gesicht.

Komm schnell, Vater liegt im Sterben. Damit war nicht viel anzufangen, das konnte alles bedeuten – Unfall, Fieber, ein Schlaganfall, das Herz … Nur über eines ließen diese wenigen Worte keinen Zweifel: Ihr Vater würde nicht mehr lange auf dieser Erde weilen. Bald würden sie ihn verlieren, er würde fortgehen. Sterben.

Vielleicht war er das sogar bereits? Gestorben? Tot?

Hermine verbot sich, länger darüber nachzudenken. Es führte ja zu nichts, machte sie nur noch trauriger, noch ängstlicher, noch nervöser, sie streckte den Rücken noch weiter durch, presste die Kiefer noch fester zusammen. Doch ihre Fantasie und Vorstellungskraft waren zu lebhaft. Einmal losgelassen, ließen sie sich nicht mehr in die Schranken weisen. Und so wurden Kehle und Herz immer enger, je mehr sich der Zug Emden näherte.

Und dann war es schließlich so weit.

Der Zug hielt an dem kleinen Bahnhof. Hermines Knie waren so kraftlos, dass sie beim Aussteigen beinahe auf der letzten Eisenstufe des Waggons ausgeglitten und der Länge nach auf den Bahnsteig geschlagen wäre. Das hätte ihr noch gefehlt! Mit schmutzigem Kleid, aufgeschürften Knien und einer großen Beule auf der Stirn am Sterbebett des Vaters erscheinen.

Oder an seinem Totenbett, flüsterte eine Stimme und hinterließ das Gefühl von Eiskristallen auf ihrer Haut.

Bald werde ich es wissen, dachte sie und schaute sich um, ob sie jemanden erkannte. Ihren Bruder Jacob vielleicht, einen ihrer beiden Onkel oder den Knecht. Jemand, der mit dem Wagen gekommen war, um sie abzuholen und heimzubringen, nach Pewsum in die Neue Burg, wie sie das Haus nannten, in dem die Familie Edenhuizen lebte. Nicht etwa, weil es tatsächlich eine Burg war oder Ähnlichkeit mit einer hatte, sondern weil es vis-à-vis der echten Manningaburg lag. Doch zwischen den Männern und Frauen, die den Zug verließen, zur Bahnhofshalle eilten und von ihren Angehörigen begrüßt wurden, fand sich kein vertrautes Gesicht. Nicht eines. Das Herz pochte ihr in den Ohren, und wieder schlug ihre Fantasie Kapriolen.

Ich bin zu spät gekommen, dachte sie verzweifelt, und jetzt stahlen sich sogar Tränen in ihre Augen. Ich bin zu spät. Vater ist tot. Ich habe zu lange gebraucht!

Dann fiel ihr ein, dass ihre Familie nichts von ihrer Ankunft wissen konnte. In ihrem lähmenden Entsetzen und der anschließenden Eile hatte sie völlig vergessen, ihren Geschwistern eine Depesche zu schicken und ihr Kommen anzukündigen. Woher sollten sie denn wissen, dass sie gerade eben in Emden eingetroffen war?

Sie packte den Griff ihrer Reisetasche und ging zum Bahnhofsausgang. Auf dem Vorplatz des Emdener Bahnhofs warteten meistens ein paar Droschken auf die Reisenden. Da sie aber eine Weile sinnlos auf dem Bahnsteig zugebracht hatte, waren natürlich bereits alle fort – gemietet von Menschen, die wussten, wie man sich verhielt, wenn man mit dem Zug irgendwo ankam. Hermine ärgerte sich über ihre eigene Dummheit. Warum nur hatte sie nicht daran gedacht, ihren Geschwistern die Ankunftszeit zu telegrafieren?

Ruhelos ging sie vor dem Bahnhofsgebäude auf und ab, und die Zeit, bis die nächste Droschke kam, erschien ihr länger als die ganze Fahrt von Berlin bis Emden. Im Zug hatte sie wenigstens gesehen, wie es voranging, dass sie sich ihrem Ziel näherte. Aber hier? Hier konnte sie nur die Glücklichen beobachten, die abgeholt wurden und in eigenen Wagen davonfuhren.

Als sich endlich ein Gespann dem Bahnhof näherte, sprang Hermine auf die Straße und winkte – verzweifelt und sicherlich ganz undamenhaft. Ohne ihr Zutun kam ihr die Hausdame ins Gedächtnis, die ihr Vater damals eingestellt hatte, damit sie sich nach dem Tod der Mutter um die Kinder kümmerte. Diese Hausdame war eine strenge Person gewesen, die stets auf das gute, schickliche Benehmen von Hermine und ihren drei Schwestern geachtet hatte, während die drei Brüder beinahe tun und lassen konnten, was sie wollten. Was hätte die Frau wohl gesagt, wenn sie Hermine jetzt hier vor dem Emdener Bahnhof gesehen hätte, mit schief sitzendem Hut und wild rudernden Armen? Schicklich war das wohl kaum. Wohl aber sinnvoll. Denn dieser kleine Einspänner mit dem hübschen Braunen davor, das war ihrer. Und den würde sie sich von niemandem streitig machen lassen.

„Hier! Hallo! Droschke!“

„Moin.“ Der Kutscher hielt und tippte sich leicht an die Mütze. Ob er lächelte, war wegen seines struppigen Vollbarts kaum zu erkennen. Aber um die Augen zeichneten sich in seiner wettergegerbten Haut amüsierte Fältchen ab.

„Moin.“ Hermine wartete nicht, bis der Kutscher vom Kutschbock stieg, um ihr mit der Tasche zu helfen, sie hob sie selbst in den Wagen und kletterte schnell hinterher. „Nach Pewsum, bitte. Zur Neuen Burg.“

„Zum Doktor?“

„Ja. Und bitte beeilen Sie sich.“

Der Kutscher nickte, schnalzte mit der Zunge und ließ das Pferd antraben.

Hermine sank auf dem harten Sitz zurück und schloss für einen Moment die Augen.

Jetzt dauerte es nicht mehr lange. Eine halbe Stunde, höchstens. Dann war sie endlich zu Hause.

Hoffentlich bin ich noch rechtzeitig. Guter Gott, ich bitte dich. Lass es

Yvonne Winkler

Über Yvonne Winkler

Biografie

Yvonne Winkler wurde 1967 geboren. Im Gegensatz zu Hermine Heusler-Edenhuizen musste sie nicht darum kämpfen, Medizin zu studieren und in der Radiologie zu arbeiten. Stattdessen musste sie viele Widerstände überwinden, um den weißen Kittel an den Nagel hängen zu können, ihrer inneren Stimme zu...

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Honey

„Ein fesselnder Roman, der zeigt wie es noch vor etwa hundert Jahren war und dass man auch als einzelne Person Dinge verändern kann.“

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„Mit fiktionalen Elementen erzählt Yvonne Winkler lebhaft von Hermines Werdegang als Ärztin und ihrer Liebe zu Otto Heusler.“

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„Mitreißender Roman“

Kommentare zum Buch
Ärztin einer neuen Ära
S.Haupt am 11.09.2022

Gesehen, gekauft, binnen 2 Tagen gelesen.........   und dieses Buch hat mich begeistert. Leicht und flüssig geschrieben und zum Teil sehr erschreckend, was und vor allem wie Frauen damals und zum Teil ja auch noch heute Steine in den Weg gelegt werden. Sehr packend geschrieben, so dass man das Buch auch nicht weglegen mag, man muss einfach weiterlesen !

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