Piper Schicksalsvoll
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Piper Schicksalsvoll ist das Label von Piper Digital, in dem Reisen möglich sind: In ferne Zeiten und Länder, zu bekannten Persönlichkeiten und starken Frauen. Auch Familiengeheimnisse, erwachsene Liebesgeschichten und Nahrung für die Seele sind hier zu finden, ebenso Neuausgaben von Klassikern. Lass dich von unseren Titeln inspirieren und mitreißen!

Monatlich erscheinen neue Titel, wie gewohnt als E-Book und Print.

Piper Schicksalsvoll macht Bücher für alle, die sich auf eine Reise wagen möchten. 

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Berggeflüster und falscher HaseBerggeflüster und falscher Hase

Ein moderner Heimatroman

Über Steine auf dem Weg kann man stolpern – oder sie überwinden. Ein moderner Heimatroman als Liebeserklärung an die Berge„Weder du noch andere aus dem Dorf werden mich daran hindern, Dinge ans Licht zu bringen, die nicht in euer selbstgefälliges Bild passen.“Ein plötzlicher Karrierestopp erschüttert die beruflich erfolgreiche Ida genauso wie das unerwartete Erbe eines Bergbauernhofes. Kurz entschlossen kehrt sie nach zwanzig Jahren in ihre Heimat in den bayerischen Alpen zurück. Sie hofft, während der Renovierung des Hofes Licht ins Dunkel ihrer familiären Herkunft zu bringen – doch sie muss schnell erkennen, dass die Idylle der Bergwelt heute wie damals nur ein äußerer Schein ist, hinter dem das intrigante Verhalten der Dorfbewohner brodelt. Und es bleibt nicht bei verbalen Attacken...
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Sylter RosenSylter Rosen

Ein Nordsee-Inselroman

Sylt im Sommer und ein familiengeführter Pferdehof - Ein Inselroman zum Träumen und Schwelgen für alle Fans von Sontje Beermann und Julia Rogasch»Ich antwortete nicht auf seine Frage. Sein linker Arm lag auf der Banklehne. Er könnte mich erreichen mit seiner Hand, meine Schulter berühren, wenn da nicht ein Geschirrtuch zwischen uns wäre. Würde er dann den Arm um mich legen? Ein Geschirrtuch, das uns trennte  – verflucht.«Liebeskummer, Geldsorgen und Schreibblockade: Es könnte besser laufen für die junge Autorin Lisa. Traummann Markus hat sich als Betrüger entpuppt und Lisa ohne einen Cent und mit einer üppigen Hotelrechnung auf Sylt sitzengelassen. Außerdem ruft ihr Verlag täglich an und möchte endlich eine Idee für ihren neuen Roman sehen. Da kommt der Job auf dem Insel-Pferdehof gerade recht. Hier trifft Lisa den wortkargen, aber attraktiven Kristian, der zwar ihr Herz bewegt, den sie aber nicht recht einschätzen kann ...
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Paracelsus - Die Fragen der Toten

Historischer Roman

Paracelsus’ Suche nach der menschlichen Seele fordert ihren Tribut – der große Roman um den berühmten Arzt für alle Leser*innen von Noah Gordon und Ken FollettDer junge Paracelsus ist endlich Arzt beider Arzneien. Eines aber lässt ihm keine Ruhe: Er will die menschliche Seele finden. Verfolgt vom uralten Zauberorden des roten Gürtels begibt er sich auf Wanderschaft – quer durch Europa. Immer mit dem Ziel, das Geheimnis doch noch zu lüften. Währenddessen wütet in Basel die Pest. Paracelsus’ Freund Caspar muss als Stadtarzt hilflos mitansehen, wie die Seuche Hunderte seiner Patienten dahinrafft. Als sich der nunmehr berühmte Paracelsus zurück in seine Heimat wagt, kommt es im allgemeinen Chaos plötzlich zu einer Reihe von mysteriösen Todesfällen. Verzweifelt sucht Caspar nach dem Mörder. Die ungleiche Freundschaft wird auf ihre größte Zerreißprobe gestellt.Dies ist Teil 2 der Paracelsus-Reihe
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Schatten über Malbury HallSchatten über Malbury Hall

Eine geheimnisvolle Familiensaga in Cornwall

Ein geheimnisvoller Koffer, ein tragisches Geheimnis und zwei junge Frauen, die ihren Weg finden müssen – in ganz unterschiedlichen Zeiten. Eine spannende, romantische Familiengeschichte in Cornwall„Auf den ersten Blick wirkt der Koffer nicht gerade vielversprechend. Doch er beinhaltet mehr von mir, als ich dir zu sagen vermag.“Stella Morrison arbeitet auf einer Farm in Texas, als ein dringender Anruf ihrer Mutter sie zurück nach Hause ruft. Von ihrer geliebten Großmutter erbt sie einen Koffer, der Erinnerungen und persönliche Gegenstände einer ihr fremden Frau – Charlotte Malbury – enthält. Von einem großen Unrecht, das ihrer Familie widerfahren sei, ist die Rede. Das Geheimnis lässt Stella nicht mehr los, und so reist sie nach Malbury an die raue Küste Cornwalls, um die Wahrheit herauszufinden.
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Rosa - Ein Sommer in CornwallRosa - Ein Sommer in Cornwall

Ein Rosamunde-Pilcher-Roman

Ein stimmungsvoller Generationenroman um eine ehrgeizige Journalistin und eine lebenskluge Bestsellerautorin vor der Kulisse Cornwalls„Keine Zeit für Vorwürfe. Lieber durchatmen und von den Gedanken ablenken, die ungefragt auf sie einstürmen. Weitermachen, bevor sie sich selbst in Frage stellen kann.“ Obwohl Leona sich geschworen hatte, nie wieder einen Fuß nach Cornwall zu setzen, lässt ihr Job ihr keine andere Wahl: Sie soll Rosa Chiprel interviewen, eine 90 Jahre alte Bestsellerautorin, die mit ihren Werken Millionen von Lesern erreicht hat. In der idyllischen Umgebung taucht Leona immer tiefer in die Geschichte der alten Dame ein. Doch dabei wird sie auch mit ihrer eigenen schmerzhaften Vergangenheit konfrontiert und trifft ihre große Liebe Fil wieder. Eine folgenschwere Entscheidung steht ihr bevor.
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Pariser VermächtnisPariser Vermächtnis

Roman

Zwei mysteriöse Todesfälle, ein undurchsichtiger Kommissar, ein obskurer Orden und das Geheimnis des 4. Pariser Arrondissements – für alle Leser*innen von Guillaume Musso, Nicolas Barreau und Dan Brown„Wiedermal hatte der Verfasser nur in Rätseln gesprochen. Instaurare omnia in Christo; unaufhaltsam wiederholte Susan diese Zeile, die sie, da war sie sich ganz sicher, schon irgendwo gelesen hatte. Nur wo? Eine Inschrift?“Für den englischen Schriftsteller David Smith läuft eigentlich alles bestens: Drei Bestseller, ein Filmangebot und nun noch das Antiquariat in Paris, das ihm Monsieur Moreau unverhofft vermacht hat. Doch wer war dieser Monsieur Moreau? Welches Geheimnis trug er mit sich? Und warum hatte er gerade David als Erbe auserwählt? Als David versucht, das Geheimnis zu lüften, wird er in zwei Mordfälle verwickelt. Er ermittelt auf eigene Faust, gerät in die Verstrickungen eines geheimen Ordens und steht bald selbst im Fadenkreuz des ermittelnden Kommissars.„Pariser Vermächtnis“ – ein Frankreichroman um eine wahre Begebenheit.
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Die Stimmen über dem MeerDie Stimmen über dem MeerDie Stimmen über dem Meer

Roman

Eigentlich wollte die Halbfranzösin und Übersetzerin Morgane ihr geerbtes Häuschen nur rasch verkaufen und zurück nach Deutschland. Doch mit dem Haus hat sie auch Schulden geerbt - und die alte Paulette, der Morganes Tante angeblich ein lebenslanges Wohnrecht zugesichert hat. Außerdem bemerkt Morgane gleich am ersten Tag: Diese raue, wunderschöne Landschaft löst etwas in ihr aus und die bretonische Sagenwelt scheint auch ihre Geschichte zu erzählen. Kein Wunder: Hier ganz in der Nähe ist ihre Mutter aufgewachsen und bei einem mysteriösen Badeunfall ums Leben gekommen. Morgane bleibt und beschließt zu kämpfen: um ihr Haus, ihre Unabhängigkeit und um die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter zu erfahren. Sie findet Freunde und verliert eine Liebe. Sie findet Antworten und droht den Glauben an ihren Traum zu verlieren. Aber Morgane hat auch die bretonische Sturheit geerbt...

Die Kälte des Wassers peitschte über ihre Haut bis in die Knochen. Sie schmeckte ein Gemisch von Blut und Algen, das Salz des Meeres.Angst durchdrang jede Faser ihres Körpers. Eine Welle spuckte sie aus. Regen klatschte auf ihren Kopf, das Wasser ringsum. Sie schnappte nach Luft, strauchelte, paddelte mit Armen und Beinen, warf den Kopf zurück und öff nete den Mund zu einem Schrei, den die Wellen sofort verschlangen. Aus der Ferne menschliche Laute und ein Orchester, unerreichbar. Cello, Posaunen, Trommeln und quietschende Geigen. Ein fl ackerndes Licht kreiste über dem Wasser, wandte sich ab, kehrte zurück, sprang über das aufgescheuchte Meer. Ein schwarzer Horizont mit vorbeieilenden Wolkenfetzen. Der Mond prall gefüllt. Meeresboden. Sie hielt die Luft an. Das Wasser quetschte jede ihrer Zellen und der Druck auf ihre Lungen zerriss ihren Körper. Ein Sog wirbelte sie hinab. Dunkelheit und Stille. Ruhe besänftigte die Sinne. Gesichter trieben an ihr vorbei. Erinnerungsfetzen. Eine Nabelschnur. Der Duft von Blumen. Eine Musik. Eine Landschaft. In der Ferne Stimmen. Schmerz. Angst. Kälte. Unwiderstehlich ist der Schlaf.

Dann wich die Furcht. Das Licht wurde schwächer, die Stimmen verschmolzen zu einem Chor. Man sorgte sich um sie. Aber das war nicht nötig. Sie gab sich hin, atmete das Wasser ein. Von allen Seiten schmiegte sich sanfte Wärme um ihre Seele, schaukelte und trug sie schwerelos. Das Orchester spielte ein ihr vertrautes Lied. Ihre Haut, Augen, Ohren, Mund und Hände vernahmen den Ruf. Der Wind schob die Wolken zur Seite und der Mond tauchte die Landschaft in ein mildes Licht. Selbst das Meer beruhigte sich und die Wellen schwappten leise ans Ufer.

 

Kapitel 1

Morgane warf einen Blick zum Himmel über Le Conquet, steckte die Hände in die Jackentasche und ging hinunter zum Steg. Sie wollte dorthin, wo man das Meer riechen und bei passender Windrichtung sogar ein paar Tropfen abbekommen konnte, obwohl die Wellen bereits in einiger Entfernung an den Felsen zerschellten. Hier an der Bootsanlage des kleinen Fischerortes schwappte das Wasser nur hin und wieder gegen die Steinmauer. Die Hauptsaison war lange vorbei. Im November verirrte sich kein Tourist mehr ins Finistère, schon gar nicht bei solchem Wetter. Der Wind spielte mit den eingezogenen Segeln und ließ die Boote hin- und herschaukeln. Wenn sie dabei gegen die Brüstung stießen, krächzten sie. Wie hypnotisiert betrachtete Morgane den blinkenden Leuchtturm von St.-Mathieu auf der anderen Seite der Bucht. Es kam ihr vor, als taumelte er um die eigene Achse. Seit ihrer Ankunft vor einer halben Stunde hatte sie zusehen können, wie das Blau des Himmels von den Wolken gefressen worden war. Einige von ihnen hingen mit geblähten Bäuchen so tief über dem Meer, als wollten sie jeden Moment hineinstürzen. Der klaren Luft war ein grauer Schleier gefolgt, der nun den Fischerhafen überzog. „ Es wäre besser, hier zu verschwinden ! “, rief ihr ein Mann in langem Regenmantel zu. Er trug einen gelben Schlapphut und Gummistiefel, die ihm bis weit über die Knie reichten. Morgane zuckte zusammen. So sehr war sie in Gedanken versunken gewesen, dass sie ihn gar nicht bemerkt hatte. Mit Schwung warf der Fischer eine Plane über sein Boot und befestigte es mit einem Seil am Poller. „ Beeilen Sie sich besser, wenn Sie noch trocken zu Hause ankommen wollen, Madame ! Ich habe kein gutes Gefühl bei diesem Himmel. “ Vergeblich versuchte Morgane, sich die wehenden Haare aus dem Gesicht zu streichen. Gegen den Wind hier kam man nicht an. „ In Ordnung. Vielen Dank für die Warnung “, gab sie zurück, obwohl sie diese Küste mit all ihren Tücken, ihrer Unberechenbarkeit und ihren plötzlichen Wetterumschwüngen gut genug zu kennen meinte. Wie lange war sie nicht mehr hier gewesen ? Zehn Jahre ? Fünfzehn Jahre ? Genug Zeit, um manches zu vergessen, aber diese Natur hatte sie sich eingeprägt. Die wechselnden Farben des Meeres von Türkisgrün bis Königsblau, der unaufhörliche Wind, der Geschmack von Salz und der Geruch von Algen. Jetzt wälzten sich die Wassermassen, von ihrer Fracht aus Steinen, Sand und Muschelresten anthrazitfarben, fast schwarz gefärbt, ans Ufer. Morgane schien es, als schwappten mit den Wellen auch Erlebnisse ihrer Kindheit zurück in ihr Gedächtnis und dockten dort an. All die Jahre, die sie nicht hier gewesen war, erschienen ihr plötzlich wie ein Treuebruch, den sie begangen hatte, immer und immer wieder, während jener Fischerort auf das kleine Mädchen von damals gewartet haben musste, geduldig wie ein anhänglicher, alter Freund. Als erkenne er Morganes mädchenhafte Seele wieder, obwohl sie inzwischen eine erwachsene Frau von bald vierzig Jahren war.

Finistère – das Departement im äußersten Westen Frankreichs, für Morgane war es nie das Ende gewesen, auch wenn Touristen das Wortspiel vom Ende der Welt nur allzu gern bemühten. Ihre Großmutter Mémé hatte Morgane die keltische Übersetzung von Finistère gelehrt, Penn ar Bed – Land am Anfang, Land an der Spitze der Welt. „ Nach der Bucht von Le Conquet kommt nur noch Amerika “, hatte Mémé immer stolz gesagt und behauptet, dass für die Kelten mit dem Tod alles erst anfi ng. Der Fischer war verschwunden. Der Leuchtturm glomm nur noch matt durch die aufgezogene Nebelwand. Weit drau- ßen konnte man bereits einen Regenvorhang sehen, der sich ins schäumende Meer ergoss. Sturmböen peitschten durch das Hafengelände. Sie hätte auf den Mann hören sollen, zu ihrem Wagen würde sie es nun nicht mehr schaff en. Innerhalb weniger Sekunden durchdrang der Regen ihre Jacke und die Jeans bis auf die Haut. Auf der anderen Straßenseite gegenüber der Bootsanlegestelle blinkte in neongrüner Farbe der Schriftzug „ Bistro “, und sie rannte unter das gewölbte Vordach, schüttelte sich, öff nete die Tür und stolperte in die kleine, typisch französische Dorfkneipe. Quietschend schloss sich die Tür hinter ihr. Am Tresen saßen drei Männer nebeneinander. Einer von ihnen sah auf und nickte Morgane zu. Lächelnd erwiderte sie seinen Gruß und blickte in ein gebräuntes, wettergegerbtes Gesicht. Sie erinnerte sich gut daran, wie sehr ihre Mutter diese ganz besonderen Stimmungen an ihrer Heimat geschätzt hatte. „ Nirgendwo auf der Welt schweigt man schöner als in einer bretonischen Dorfkneipe “, hatte sie immer gesagt und dabei einen verträumten Blick bekommen.

Einfache Gläser, mit einem dunklen Rotwein gefüllt, standen vor den Männern. Niemand sonst saß an einem der wenigen Tische. Morgane zog ihre durchnässte Jacke aus, legte sie auf den warmen Heizkörper, wählte einen Platz direkt daneben und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht. Aus ihrem Rucksack holte sie einen Troyer, den sie sich rasch über den Kopf zog. Die Männer am Tresen starrten auf ihren Roten und sprachen miteinander ohne aufzusehen. Über der Bar in der Ecke lief ein Fernseher. Die Übertragung eines Fußballspiels. Sobald die Stimme des Moderators beschleunigte und lauter wurde, brachen die Männer ihre Rede ab und sahen synchron auf die Mattscheibe. Nacheinander winkten sie ab, als die off en sichtlich letzte Torchance vergeben war und der Schlusspfi ff ertönte. Morgane schnappte ein paar Fetzen auf : Stürmer. Champions League. Transfers. Fischmarkt. Delikatessen. Herbststürme. Die Gezeiten. Der Klimawandel. Das raue Lachen der Männer barg einen Hauch von Melancholie, ihr Schweigen Vertrautheit. „ Madame ? “ Der Wirt war an Morganes Tisch getreten. Sie schrak zusammen, fühlte sich beim Belauschen des Gesprächs ertappt. Verlegen bestellte sie Kaff ee und blickte dann zum Fenster. Der Regen prasselte gegen die beschlagenen Scheiben, und plötzlich fühlte sich Morgane auf seltsame Weise geborgen. Im Warmen zu sitzen, während draußen die Wellen an der Brüstung zerschellten, gab ihr Sicherheit. Sie glaubte, sich daran zu erinnern, dass das Haus, dessentwegen sie hierhergekommen war, wie die meisten Landhäuser in der Bretagne einen off enen Kamin besaß. „ Sie sind fremd hier. “

Die Stimme des Kneipiers klang neutral, ohne jede Neugier. Eine schlichte Feststellung. Er wischte mit einem Geschirrtuch über den Tisch und stellte anschließend den Kaff ee ab. „ Nicht ganz “, erwiderte Morgane. „ Ich kenne die Gegend. “ Dass ihre Mutter von hier kam, verschwieg sie, ohne zu wissen, warum. „ Pariserin ? “ Er hob die Augenbrauen, und in seinem Gesicht glaubte sie ein verschmitztes Lächeln wahrzunehmen. Es war immer das Gleiche : Zunächst hielten sie die Franzosen für eine Landsmännin. Bis zum Tod ihrer Mutter hatte sie mit ihr Französisch gesprochen, danach half ihr die französische Literatur, die sie schließlich auch zu ihrem Beruf gemacht hatte. Aber daneben hatte es einen deutschen Vater gegeben, und Deutschland, wo sie aufgewachsen war. So kam es, dass nach und nach die Sprache ihrer Kindheit verwässerte und sie sich bei einer längeren Unterhaltung immer verriet : Kleine Fehler schlichen sich in ihre Sätze, hier und da benutzte sie schlichtweg ein falsches Wort für einen Sachverhalt oder vertat sich in der Zeit. Nicht, dass sie grammatikalisch falschlag, aber ihre Rede wirkte dann gekünstelt, aufgesetzt. Erst nach ein paar Wochen in Frankreich wurde sie sicherer ; je weniger sie ihren Kopf einsetzte, desto besser. Wenn sie ein Buch übertrug, handelte es sich um eine andere Welt, in die sie eintauchte. Nicht nur, dass ihre Arbeit in dem Sinne kein kommunikativer Akt war, vielmehr war es der Zeitfaktor, der bei einer Unterhaltung zum Tragen kam. Im Reden konnte sie nicht lange nachdenken, wohl aber beim Übersetzen auf dem Papier, wenn sie Synonyme in ihrem Kopf hin und her schob, verwarf, zurückholte. Manchmal ließ sie eine Lücke und suchte tagelang nach einem passenden Wort. Oft war es aber gar keine Frage des Vokabulars, sondern des richtigen Tons. Mit einer Pariserin war sie noch nie verglichen worden, denn von der Eleganz einer Dame aus der Hauptstadt war Morgane meilenweit entfernt. Sie jedenfalls kannte keine Einzige, die in einer Boyfriend-Jeans, Boots und einem weiten Sweatshirt auf die Straße gehen und sich in diesem Aufzug auch noch in ein Bistro wagen würde. Morganes Stilsicherheit beschränkte sich auf ihre Arbeit. „ Verwandtschaft “, gab sie dem Wirt fast fl üsternd zur Antwort und kramte in ihrem Rucksack nach einem Papiertaschentuch. „ Eine Tante, etwas außerhalb von Le Conquet. “ „ Oh “, erwiderte er auf dem Weg zurück hinter den Tresen, als habe Morganes Verwandtschaft eine gute Wahl getroff en. Mehr sagte er nicht und Morgane genoss seine Diskretion. Routiniert begann er mit dem Spülen der Gläser. „ Es muss in der Nähe der Landstraße nach St.-Mathieu sein “, fuhr sie fort und beschloss noch im selben Augenblick, dorthin zu fahren, sobald der Regen aufgehört haben würde. „ Ja, da gibt es ein paar Häuser “, bekam sie zur Antwort. „ Rue des Artichauts “, sagte sie und sah ihn direkt an. „ Genau “, bestätigte er. „ An den Klippen entlang. “ Er zeigte mit der fl achen Hand in die Richtung. „ Sie können es gar nicht verfehlen. Rechts die Klippen und links Artischockenfelder. Dazwischen die Straße nach St.-Mathieu. “ Schweigend trank Morgane ihren Kaff ee aus. Der Regen ließ allmählich nach. Als einer der Männer mit einem kurzen Gruß den Raum verließ, legte sie Geld auf den kleinen Teller mit dem Kassenbeleg und erhob sich. „ Danke für die Wegbeschreibung. Au revoir ! “ Mit dem Rucksack über der Schulter ging sie zur Tür.

„ Viel Glück. Immer an den Artischockenfeldern entlang “, wiederholte der Mann und zeigte in südliche Richtung „ À la prochaine – bis zum nächsten Mal. “ Es handelte sich um eine Mischung aus Neugier und schlechtem Gewissen, die Morgane noch in den späten Abendstunden in die Rue des Artichauts trieb, nur um einen ersten Blick auf das Häuschen zu werfen, wo Tante Fanny, die Schwester ihrer Mutter, ihr halbes Leben verbracht haben musste. In wenigen Stunden sollte Fannys Haus ihr gehören. So hatte es die Tante gewollt. Ihr Tod vor wenigen Wochen hatte Morgane in besonderer Weise beschämt. Über Jahre hatte sie keinen der Briefe ihrer Tante beantwortet, nur hin und wieder nach dem Telefonhörer gegriff en, aber ein richtiges Gespräch war dabei nicht zustande gekommen. Morgane hatte ihrer Tante nie verzeihen, dass sie das Versprechen, das sie ihr nach der Beerdigung ihrer Mutter in einer Dachkammer einst gegeben hatte, nicht gehalten hatte. „ Ich werde immer für dich da sein. “ Fannys Worte. Und doch hatte sie die kleine Morgane zurück in die deutsche Heimat reisen lassen, ein zehnjähriges Kind mit einem Teddybär im Arm, dessen viel beschäftigter Vater bereits nach Erledigung der Formalitäten zurück in die deutsche Heimat gefahren war, um sein neues Leben als Alleinerziehender zu regeln. Nach einem halben Jahr war Roberts übereilte Heirat gefolgt. Eine zweite Frau, die in Morganes ohnehin erschütterte Welt einbrach. Wo war Fanny gewesen, um Morgane vor einem derartigen Übergriff zu schützen ? War die Hinterlassenschaft eines bretonischen Steinhauses nichts anderes als der Versuch, Versäumtes wiedergutzumachen ?

Langsam fuhr Morgane durch den Ortskern und sah sich dabei um. Es war bereits fi nster, aber der Vollmond tauchte die Umgebung in ein mattes Licht. In einigen Häusern brannte Licht. Ein Teil von Le Conquet befand sich auf einem Plateau über dem Meer und in der Mitte lag, gleich neben dem Offi ce du Tourisme, ein Friedhof, der mit den typisch bretonischen Steinen ummauert war. Auf ihm eine kleine beleuchtete Kapelle, vor dem Portal, das aus einem gusseisernen Tor bestand, ein hochgewachsener Kastanienbaum. Hier war sie morgen um elf mit Madame Menez verabredet, eine ältere Dame, die ihr, wie mit dem Notar vereinbart, die Schlüssel aushändigen sollte. Wie viel würde ein Häuschen hier wohl bringen ? Kurz vor dem Ortsende entdeckte sie wieder das rhythmisch wandernde Licht des Leuchtturms von St. Mathieu. Die Straße schlängelte sich an den Klippen entlang, genau wie es der Wirt beschrieben hatte, und im Schimmern einer Straßenlaterne sah sie ein Hoftor mit einem Schild „ Au erge anny “. Rue des Artichauts. Bei Auberge fehlte das b ; von Fanny war im Laufe der Jahre nur noch ein „ anny “ übrig geblieben. Eine Cousine von Morganes Mutter hatte irgendwann von einer Auberge gesprochen und davon, dass Fanny den Gastbetrieb bereits vor vielen Jahren eingestellt hatte. Seitdem schien sich die Tante nicht mehr viel um das Aussehen ihrer ehemaligen Pension geschert zu haben. Morgane stoppte den Wagen, stieg aus und lehnte die Fahrertür an, um keinen unnötigen Lärm zu machen. Das Gewitter hatte sich verzogen, und eine kühle Luft lag über der Landschaft. Außer dem Rauschen des Meeres war es still. Sie sah sich um. Das Gefühl, beobachtet zu werden, streifte sie, obwohl es hier nur wenige Häuser diesseits und jenseits der Landstraße gab. Hinter einem Fenster bewegten sich Vorhänge. Oder hatte sie sich getäuscht ? Sie schritt zur Einfahrt hinüber, doch das Tor war verschlossen und das Gebäude lag hinter einer hohen Steinmauer.

(...)

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