Ein ausgezeichnetes Debüt
Anja Gmeinwiesers Roadnovel über zwei Frauen und eine Herde Kühe wurde bereits vor Erscheinen mit dem Literaturpreis Fulda ausgezeichnet.
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Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung: Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie,…
Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung: Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie, doch der Tod eines Rindes wirft Schatten voraus. An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.
„Dieser Roman ist eine rauschhafte Fahrt. Entlarvend, kraftvoll – und unwiderstehlich.“ Katharina Köller
„Diese beiden Frauen sind nicht nur Romanfiguren, sie sind Solidarität, Hoffnung, Rebellion. Wir Königinnen ist ein Feuerwerk an Ideen. So ein Buch hat gefehlt!“ Mareike Fallwickl

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Ich drücke fester gegen das kalte Glas, obwohl ich schon sehe: Das wird nichts. Von innen kleben Zeitungen an der Scheibe, anderthalb Jahre alt. Gelbe Buchstaben davor behaupten noch Öffnungszeiten. Ich blättere durch den Wanderführer zu einer Theke voller Wurst und Käse, dahinter eine lächelnde Frau mit Lippenstift und weißer Schürze. Ich lese noch mal nach: Der Name des Geschäfts im Buch ist derselbe wie auf dem Schild über der Tür.
Ich zähle im Kopf meine Vorräte. Denke darüber nach, andere Leute zu fragen. Welche anderen Leute? Seit ich losgegangen bin, habe [...]

Anja Gmeinwiesers Roadnovel über zwei Frauen und eine Herde Kühe wurde bereits vor Erscheinen mit dem Literaturpreis Fulda ausgezeichnet.
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Der Literaturpreis der Stadt Fulda 2026 geht an Anja Gmeinwieser für ihr Romandebüt „Wir Königinnen“. Wir gratulieren unserer Autorin!
weitere InfosWovon handelt die Geschichte Deines Romans?
Wir reisen mit zwei Frauen und 24 Kühen in einem Lkw durch den Süden Europas von den italienischen Alpen bis an die bulgarisch-türkische Grenze. Die beiden lernen sich kennen, wundern sich übereinander, streiten sich, kommen einander näher.
Wer sind die beiden Heldinnen?
Die Ich-Erzählerin ist ihrem Alltag entflohen und sucht auf einer Trekkingtour nach Ruhe, findet in den Bergen aber nicht das Erwartete. Da trifft sie auf die Fernfahrerin Anna und die Rinder, fährt spontan mit, wittert einen Ausweg aus Entscheidung und Verantwortung.
Anna steht dagegen mit beiden Füßen fest im Leben, kennt ihre Spielräume, geht pragmatisch damit um. Sie will einfach ihre Arbeit machen – unter den gegebenen Umständen ist das überhaupt nicht einfach.
Gibt es viele Frauen wie Anna in der Fernfahrerbranche?
Es gibt nicht viele Frauen, die diesen Job machen. Womit aber alle Fernfahrenden zu tun haben, ist die dürftige Struktur auf den Routen, die es ihnen schwer macht, gesetzliche Vorgaben einzuhalten.
Auch arbeiten viele Fernfahrende westlich des eigenen Landes, weil sie dort in der Regel besser bezahlt werden – allerdings immer noch schlecht. Vor ein, zwei Jahren haben Lkw-Fahrer auf einer deutschen Raststätte gestreikt und gegen ihren Spediteur demonstriert – ein rarer Moment, in dem die Arbeitsbedingungen in der Logistikbranche einer größeren Öffentlichkeit sichtbar wurden.
Wir haben eine Welt geschaffen, deren „Uhrwerk“ ein Teil der Gesellschaft nicht sieht – während der andere die Maschine am Laufen hält. Ich habe mit einer Fahrerin gesprochen, Aussagen wie: „Ich muss besser einparken können als die Männer“, sind von ihr.
Wie viel und welche Formen der Recherche hast Du dafür auf Dich genommen?
Als ich einmal im Piemont wandern war, bin ich auf einen Tiertransporter mit Piomenteser Rindern getroffen, mitten in den Bergen. Das fand ich schräg, und habe es als Geschichte weitergesponnen. Natürlich habe ich viel recherchiert: Da waren Tierärzt*innen und Tierrechtsaktivist*innen eine sehr große Hilfe.
Ich habe auch bei Transportunternehmen nachgefragt, dort blieben die Türen aber in der Regel zu. Ein Viehhändler hat sich bereit erklärt, mir seinen Lkw zu zeigen und aus dem Arbeitsalltag zu erzählen.
Das ist aber keine Selbstverständlichkeit. Und natürlich bin ich die Strecke zwischen Norditalien und Kapikule langgereist, also die Route meiner Protagonistinnen. Ich habe versucht, die Ästhetik der Autobahn aufzuschreiben: Raststätten, Greifvögel neben der Fahrbahn, der Blick durch die Frontscheibe.
Sind solche Tiertransporte quer durch Europa an der Tagesordnung?
Noch immer werden jedes Jahr Millionen von Säugetieren lebend durch Europa gefahren, z. T. auch übers Mittelmeer. Je länger die Tiere transportiert werden, desto kritischer ist das für sie. Es gibt EU-Versorgungsställe, aber natürlich ist es für die Tiere stressig, Stunden und Tage eng gedrängt im Stehen durch die Gegend gefahren zu werden.
Die rechtlichen Vorgaben sind zwar strikt und werden nach Möglichkeit kontrolliert, dennoch decken Tierrechtsorganisationen jedes Jahr schwere Verstöße auf und fordern, diese Transporte zu verbieten. Immer wieder schaffen es missglückte Tiertransporte in die Medien wie 2024, als 69 Holstein-Rinder wochenlang im Laster an der Grenze stehen mussten, oder 2021, als eine Fähre mit 900 Rindern übers Mittelmeer irrte, weil sie aus Seuchenschutzgründen am Zielort nicht abgeladen werden konnten.
Die beiden Frauen kommunizieren in knappem Englisch oder mithilfe eines Übersetzungsprogramms – wie kam es dazu?
Ich glaube, jede*r Reisende verwendet die Mittel, die man hat. Das sind oft knappes Englisch und ein Übersetzungsprogramm. Wie hätte ich die Kommunikation zwischen den beiden authentischer darstellen können? Es wäre eine Menge Missverständnis und Witz verloren gegangen.
Außerdem sind die Übersetzungen von Google & Co. zum Teil lustig und lesenswert, sie zeigen, welche Eigenheiten das Deutsche hat, wenn der Kontext fehlt. Leider sind die Programme im Laufe des Schreibens besser geworden.
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