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So rettet ihr das Klima nicht! So rettet ihr das Klima nicht! - eBook-Ausgabe

Morten Freidel
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Warum die Energiewende gescheitert ist und was wir jetzt tun müssen

Hardcover (22,00 €) E-Book (21,99 €)
€ 22,00 inkl. MwSt. Erscheint am: 27.06.2024 Bald verfügbar Das Buch kann 30 Tage vor dem Erscheinungstermin vorbestellt werden.
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So rettet ihr das Klima nicht! — Inhalt

Eine Streitschrift über die Irrwege unserer Energie- und Klimapolitik

Klimapolitik auf Abwegen

Viele sind überzeugt, dass echter Klimaschutz nur möglich ist, wenn wir auf wirtschaftliches Wachstum verzichten. Morten Freidel hat die Energiekrise seit dem Ukrainekrieg begleitet. Er hat mit zahlreichen Entscheidern gesprochen und ist überzeugt: Klimaschutz funktioniert nur mit Wachstum. Ein erzwungener Verzicht bedroht die Demokratie. Freidel wirbt leidenschaftlich für einen Klimaschutz, der Brückentechnologien als Chance sieht. Er verfällt dabei weder einem naiven Fortschrittsglauben noch Untergangsprophezeiungen. Sein Buch zeigt mit persönlichen Einblicken die Widersprüchlichkeit einer Moderne auf, die durch den Klimawandel in ihren Grundfesten erschüttert wird. Und es erklärt, was wir ändern müssen, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

€ 22,00 [D], € 22,70 [A]
Erscheint am 27.06.2024
208 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-07298-4
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€ 21,99 [D], € 21,99 [A]
Erscheint am 27.06.2024
256 Seiten
EAN 978-3-492-60859-6
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Leseprobe zu „So rettet ihr das Klima nicht!“

Kurz darauf planten wir eine Urlaubsreise. Noch durften wir ja fliegen, noch waren Flüge günstig. Ich schlug vor, einen Cluburlaub zu machen. Es wirkte so bequem, jemand kocht für die Familie, putzt die Zimmer, sorgt jeden Tag für ein Kinderprogramm. Doch Verwandte und Freunde rieten ab. Das macht man heute nicht mehr, sagte einer. Das ist nicht nachhaltig, sagte ein anderer, der vorschlug, wir sollten uns an der Ostsee ein Ferienhaus mieten. Cluburlaube würden in naher Zukunft aussterben, prophezeite er, man müsse schon jetzt damit rechnen, dass die [...]

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Kurz darauf planten wir eine Urlaubsreise. Noch durften wir ja fliegen, noch waren Flüge günstig. Ich schlug vor, einen Cluburlaub zu machen. Es wirkte so bequem, jemand kocht für die Familie, putzt die Zimmer, sorgt jeden Tag für ein Kinderprogramm. Doch Verwandte und Freunde rieten ab. Das macht man heute nicht mehr, sagte einer. Das ist nicht nachhaltig, sagte ein anderer, der vorschlug, wir sollten uns an der Ostsee ein Ferienhaus mieten. Cluburlaube würden in naher Zukunft aussterben, prophezeite er, man müsse schon jetzt damit rechnen, dass die Anlagen völlig runtergerockt seien und der Service schlecht. Wir fuhren trotzdem, nach Kos, „all-inclusive“. Zwei Dinge blieben mir in Erinnerung. Das erste war die Schlange vor dem Büfett. Von wegen Cluburlaube sind unbeliebt. Wir unterhielten uns mit Polen, Rumänen und Türken. Viele machten zum ersten Mal eine solche Reise. Sie waren stolz darauf. Wir schämten uns eher dafür. Das zweite, was mir in Erinnerung blieb, war die Schlange am Flughafen auf der Rückreise. Die Halle auf der griechischen Insel konnte nicht alle Urlauber auf einmal aufnehmen, sie war dafür nicht ausgelegt. Ein Bus nach dem anderen entlud seine Touristen, bis auf den Parkplatz staute sich die Masse. Ich stand mit meiner Familie in der Sonne, ein Gewirr verschiedenster Sprachen wehte über den Platz, und da ahnte ich, dass Verzicht für das Klima schwierig werden könnte. Jedenfalls, wenn man die Menschen vor die Wahl stellte. Was Deutschland tut, ist das eine, dachte ich. Mag sein, dass die Deutschen für ein höheres Ziel Energiemangel in Kauf nehmen und sich mit einer schrumpfenden Wirtschaft abfinden. Aber dass es unsere Nachbarn tun werden, das hielt ich in diesem Moment, in der Schlange am Flughafen von Kos- Hippokrates, für ausgeschlossen.

Die Touristen, die dort mit uns standen, hatten sich ihren Urlaub hart erarbeitet. Ihre gute Laune ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie wiederkommen würden, wenn nicht auf diese Insel, dann auf irgendeine andere, wenn nicht in ihr altes Hotel, dann in irgendein anderes der Tausenden Resorts in der Ägäis oder der Adria. Welche demokratische Regierung sollte sie daran hindern? Sollte die polnische Regierung ihren Landsleuten erklären: Sorry, für solche Flüge ist die Energie zu knapp? Eher würden die Polen wieder Kommunisten an die Macht lassen, Hauptsache, sie versprachen, die Bürger mit dem Flieger verreisen zu lassen. Sollte die griechische Regierung ihrer Bevölkerung mitteilen: Entschuldigung, aber Hotelurlaube gefährden das Klima, wir müssen die Resorts und die Flughäfen per Erlass schließen, sucht euch im Sommer bitte alle eine andere Arbeit, ihr könntet doch wieder Schafe hüten? Es kam mir vollkommen weltfremd vor. Ich war mir sicher: Wenn man die Menschen in Europa vor die Wahl stellt, ob sie auf Flugreisen verzichten oder weiter Kerosin verbrennen wollen, dann werden sich die meisten dafür entscheiden, weiter Kerosin zu verbrennen. Dann werden sie Klimaschutz hintanstellen. Ich fürchtete sogar, dass viele sich gegen den Klimaschutz entscheiden, wenn man sie in aller Drastik fragt, ob sie ihren bisherigen Wohlstand erhalten wollen oder den Planeten. Jeder kann sich vorstellen, was es bedeutet, das eigene Auto und die eigene Wohnung zu verlieren. Das geht ohne viel Fantasie. Es braucht aber schon mehr Vorstellungsvermögen, um sich auszumalen, dass wir eines fernen Tages auf einem  unwirtlichen Planeten leben könnten. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen passiert schleichend, in manchen Regionen langsamer als anderswo, in einigen wird es sogar erst einmal angenehmer. Es ist einfacher, sich etwas Konkretes vorzustellen als so etwas Abstraktes wie den Klimawandel.

Ich dachte im Flugzeug länger über Verzicht nach. Wer wohlhabend ist, kann leicht verzichten. Es gibt dann ja genügend Alternativen. Es ist keine große Sache, dem All-inclusive-Urlaub am Mittelmeer zu entsagen, wenn die Eltern ein Ferienhaus in der französischen Riviera haben. Niemand braucht ein eigenes Auto, wenn er zur Not das von Freunden oder das der Großeltern nehmen kann. Verzicht ist also ein Privileg. Wer weniger privilegiert ist, dem fällt es schon schwerer, für das Klima zurückzustecken. In dem 1-Euro-Shop unter unserer alten Wohnung kauften häufig Menschen ein, denen man ansah, dass sie keine Spitzenverdiener waren. Vielleicht taten sie es ja aus genau jenem Grund: weil sie ansonsten nur schlechte Alternativen hatten. Sie hatten wahrscheinlich kein Geld übrig, um im Edelsupermarkt zwei Straßen weiter Shampoo und Spülung zu kaufen, sie brauchten das Billigshampoo zum Preis von einem Euro. Und wenn sie schon mal da waren, kauften sie für ihre Kinder eben noch eine Winkekatze für den gleichen Preis und eine Kinderschere für die Schule. Sie konnten froh sein, dass es in der Stadt wenigstens diesen einen Laden gab, in dem sie sich all diese Dinge ohne Probleme leisten konnten. Der Laden war für sie ein Geschenk, kein Übel.

Was der 1-Euro-Shop im Kleinen ist, ist der Flughafen im Großen. Der 1-Euro-Shop verkauft Dinge für den Alltag, der Flughafen Dienstleistungen für die Ferienzeit. Natürlich muss niemand in einen Flieger steigen, um in den Urlaub zu fliegen. Schon Urlaub selbst ist ein Privileg. Trotzdem gibt es Parallelen. Ein Europäer, der mit der Chartermaschine zum Urlaub in der Hotelanlage flog, hatte vielleicht keinen Campingwagen im Hof stehen, mit dem er an die Ostsee fahren konnte. Er hatte bestimmt auch niemanden in der Familie mit einem Ferienhaus an der Riviera. Er stand vor der Wahl, das Lastminute- Angebot anzunehmen und für ein paar Tage ins Dreisternehotel auf Kos zu fliegen oder zu Hause zu bleiben. Eine einfache Entscheidung.

Manchmal denke ich, dass in Deutschland zu selten getrennt wird zwischen der Moral und den Verhältnissen. Moralisch ist die Sache klar: Es ist schlecht, dass Flugreisen zulasten des Klimas so billig sind. Es ist schlecht, dass in China zulasten des Klimas jeden Tag Millionen Spielzeuge hergestellt werden, die in Europa nach ein paar Tagen im Müll landen. Aber es ist nun einmal so, dass daran viele Menschen verdienen, die Reiseveranstalter vor Ort, die Hoteliers in der Ferne, die Spielzeughersteller in China, die Ladenbesitzer in Europa. Selbst diejenigen, die dafür ihr Geld ausgeben, profitieren. Alle gewinnen. Nur die Umwelt verliert. Die Menschheit kann diese Verhältnisse nicht nur ändern, sie muss es sogar. Aber mit Moral allein kann man in einer Demokratie nichts erreichen. Dafür braucht man Mehrheiten. Ich war mir im Flieger nach Hause sicher, dass es für eine schrumpfende Wirtschaft und die daraus resultierende Kargheit in Europa keine Mehrheiten gab.

Morten Freidel

Über Morten Freidel

Biografie

Morten Freidel wurde 1983 in Hildesheim geboren und studierte Geschichte und Germanistik in Freiburg im Breisgau. Er veröffentlichte Beiträge für den
WDR, die Süddeutsche Zeitung und den Tagesspiegel. Von 2014 bis 2024 arbeitete er bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die meiste Zeit als...

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