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Sieh mich an

Roman

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Sieh mich an — Inhalt

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt. – Die Heldin in Mareike Krügels rasantem, klugem Roman gehört ganz sicher zu den einnehmendsten Frauengestalten in der deutschen Gegenwartsliteratur.

€ 20,00 [D], € 20,60 [A]
Erschienen am 01.08.2017
256 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-492-05855-1
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erscheint am 02.10.2018
256 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31416-9
€ 16,99 [D], € 16,99 [A]
Erschienen am 01.08.2017
256 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97764-7
»Das NDR Buch des Monats August.«
NDR

Leseprobe zu »Sieh mich an«

Ich will nicht sterben, und ich will auch nicht durch diese Tür gehen. Schultüren sind der Eingang zur Hölle. Aber es hilft nichts, meine Tochter braucht mich.

Die Tür ist schwer und öffnet sich nach außen. Sofort schlägt mir der Geruch entgegen, den diese Schule wie alle anderen hat, die ich kenne, abgesehen von der Musikschule, in der ich arbeite, dort riecht es nach Staub und Kolophonium. Von Schulgeruch wird mir übel. Das ist eine psychosomatische Reaktion, die sich mit den Jahren einfach nicht abnutzt. Ich habe Helli bereits unzählige Male [...]

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Ich will nicht sterben, und ich will auch nicht durch diese Tür gehen. Schultüren sind der Eingang zur Hölle. Aber es hilft nichts, meine Tochter braucht mich.

Die Tür ist schwer und öffnet sich nach außen. Sofort schlägt mir der Geruch entgegen, den diese Schule wie alle anderen hat, die ich kenne, abgesehen von der Musikschule, in der ich arbeite, dort riecht es nach Staub und Kolophonium. Von Schulgeruch wird mir übel. Das ist eine psychosomatische Reaktion, die sich mit den Jahren einfach nicht abnutzt. Ich habe Helli bereits unzählige Male abgeholt, und immer noch rebelliert mein Magen.

Der Gang, dekoriert mit den Werken eines Kunstkurses, geht geradeaus, dann um eine Ecke und um noch eine, schon steht man vor der Glastür, die den Teil mit Schulgeruch und Linoleumboden vom behaglichen Teil mit Kaffeeduft und Teppich trennt. Ich sehe Helli sofort. Sie sitzt auf einem Stuhl vor dem Sekretariat und hat eigenartige Hörnchen in der Nase. Sie still sitzen zu sehen ist ungewohnt. Ich beschleunige meine Schritte.

In der Zeit meiner Vorpubertät, als ich etwa so alt war wie Helli jetzt, litt ich an einem Syndrom, für das niemand eine Ursache finden konnte, es gab nur vage Vermutungen wie Hormonumstellungen und Wachstum: Alle paar Wochen, ohne Vorankündigung und erkennbare Regelmäßigkeit, wurde ich in der Schule von einem Kotzanfall heimgesucht. Nach ein paar schlimmen Szenen während des Unterrichts und in der Pause lernte ich, so intensiv in mich hineinzuhorchen, dass ich die subtilen Vorzeichen, die mein Körper sandte, zu lesen verstand und es fortan immer rechtzeitig zum Klo schaffte. Dort übergab ich mich geräuschlos in mehreren Schwallen, wie ich es in meinem späteren Leben erst wieder während der Schwangerschaften erlebt habe. Trotzdem fühlte es sich in diesen Momenten so an, als würde ich sterben. Auch wenn der Verstand mir sagte, dass das nicht sein konnte, war das Gefühl eindeutig und verlor niemals seinen Schrecken. Noch Stunden oder auch Tage danach war ich zittrig und schwach, meine Sinne waren überfordert von den einfachsten Eindrücken – das Licht zu hell, die Stimmen zu laut. In dieser Zeit fühlte ich mich wie ein Zombie, nicht zu Ende gestorben, und das Leben, das weiterging, erschien mir unmöglich zu bewältigen. Als wäre mit jedem Anfall ein Versprechen nicht eingelöst worden, als hätte ich nur überlebt zu einem Preis, den ich eigentlich nicht zu zahlen bereit war.

Beim Näherkommen entpuppen sich die Hörnchen in Hellis Nase als zusammengedrehte Taschentuchfetzen, die als Tampons in den Nasenlöchern stecken. Sie sind bereits durch und durch hellrot und fallen heraus, als sie aufspringt, um mich zu begrüßen.

»Na endlich«, sagt sie.

»Ich war gerade einkaufen. Schneller ging nicht.«

Hellis Nase tropft, sie beugt sich vor und trifft zielsicher den Teppich.

Sie ist anders als ich, sie hat nichts dagegen zu kotzen, zu bluten oder auf andere Art Dreck und Unannehmlichkeiten zu verursachen.

Ich reiche ihr eine Packung Taschentücher, die ich aus dem Auto mitgenommen habe, sie reißt daran herum und drückt sich schließlich einige zerknüllte Tücher unter die Nase. Langsam richte ich den Blick nach unten, um die Bescherung abzuschätzen. Hellis Schuhe haben etwas abbekommen, auf dem Teppich führt eine regelrechte Blutspur von der Glastür zum Sekretariat. Ich folge ihr, klopfe und stecke den Kopf in das Büro, um Bescheid zu sagen, dass ich nun da bin und meine Tochter entferne.

»Frau Theodoroulakis«, ruft mir die Sekretärin zu, deren Name so banal ist, dass ich ihn jedes Mal sofort wieder vergesse: Lehmann? Kaufmann? Neumann?

»Ja?«

»Kommen Sie bitte mal hier rein, und schauen Sie sich das an.«

Das habe ich befürchtet. Während Helli auf dem Flur wartet, betrete ich das Sekretariat, in dem Frau Neumann am Boden hockt und wischt.

»Das geht so nicht, Frau Theodoroulakis, dass Ihre Tochter hier alles vollblutet. Ich habe für so was keine Zeit. Jetzt muss ich den ganzen Vormittag schrubben, und das Zeug geht einfach nicht raus. Ich sehe nicht ein, dass ich das machen muss. Ich bin doch keine Putzfrau.«

Helli muss eine längere Zeit vor Frau Neumanns Schreibtisch gestanden haben, dort ist ein dekoratives Tropfenmuster auf dem Teppich zu sehen. Ich kann mir bildhaft vorstellen, wie Helli vorgebeugt dastand und schadenfroh tropfte, während Frau Neumann fieberhaft meine Nummer wählte und gleichzeitig mit der anderen Hand in ihren Schubladen nach Taschentüchern wühlte. An einer Stelle auf dem Boden entdecke ich ein weißes Häufchen. Offenbar hat Frau Neumann es mit Salz versucht, so wie man es bei Rotwein macht.

»Blut geht nur mit kaltem Wasser raus«, sage ich.

Ich bin Expertin für Flecken, seit Helli auf der Welt ist. Frau Neumann richtet sich auf und hält mir den Lappen hin.

»Dann machen Sie mal, wenn Sie wissen, wie das geht. Solche Leute habe ich ja gefressen. Gute Ratschläge, aber immer nur danebenstehen.«

Etwas überrumpelt nehme ich den Putzlappen entgegen, der warm ist und damit nutzlos. Frau Neumann hat die Arme verschränkt und guckt streng. Obwohl sie klein und rund ist, wirkt sie bedrohlich.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, dass draußen auf dem Flur Helli wartet und ungeduldig weitertropft. Ich weiß, dass es eine ganze Spur wegzureiben gilt, die nicht an der Glastür endet, sondern bis in einen der Klassenräume tief in den Schuleingeweiden führt, wo es nach Kotzanfällen riecht. Ich weiß, dass es gleich klingelt und die Lehrer von allen Seiten herbeiströmen werden, und auf keinen Fall möchte ich vor ihren Füßen herumwischen müssen. Etwas Schlimmeres kann ich mir gerade kaum vorstellen.

Vor mir steht Frau Neumann und schnalzt gereizt mit der Zunge, weil ich noch immer nicht angefangen habe. Sie hat natürlich recht. Sie ist keine Putzfrau, und möglicherweise gibt es auch für sie wenig Schlimmeres, als vor den versammelten Lehrkräften auf dem Boden herumzukriechen. Sie tut mir leid, aber es ist auch nicht meine Aufgabe, den Schulteppich zu reinigen. Meine Aufgabe ist, mich um mein Kind zu kümmern. Ich drücke ihr den Lappen zurück in die Hand und verlasse flink den Raum. Draußen greife ich Hellis Schultasche und Jacke, schnappe nach ihrem Arm und ziehe sie hinter mir her.

»Na, hören Sie mal«, ruft uns Frau Neumann nach. »Das glaub ich jetzt nicht. Bleiben Sie gefälligst hier. Machen Sie die Sauerei weg. Ich bin doch keine Putzfrau.«

Helli und ich beginnen zu rennen, um die Ecken, den langen Gang entlang und durch die schwere Tür, bis wir das Auto erreicht haben, das ich allen Verboten zum Trotz direkt vor dem Schulgebäude geparkt habe. Hastig steigen wir ein.

»Fahr los, schnell«, ruft Helli lachend. »Sonst bewirft uns die alte Hexe durchs Fenster mit Putzlappen.«

Sie hat sich auf den Beifahrersitz gesetzt, ich schaue sie mit hochgezogenen Brauen an. Ihre Nase hat aufgehört zu bluten, vermutlich in dem Moment, als wir das Schulgebäude verließen.

»Ab nach hinten«, sage ich.

»Nö.«

Ich bin nicht sicher, ob die Bewegung in meinem Augenwinkel tatsächlich von der Schulsekretariatshexe kommt, die gerade aus dem Fenster klettert, um mir noch einmal nachdrücklich zu versichern, dass sie keine Putzfrau sei, aber ich entscheide, keine Zeit für Diskussionen mit meiner Tochter zu haben, und gebe Gas.

Obwohl die Frontscheibe beschlägt und ich bald kaum noch etwas sehen kann, fahre ich zügig vom Schulgelände und fühle mich erst in Sicherheit, als wir die Dreißigerzone vor der Bushaltestelle erreicht haben. Ich steuere in die Haltebucht und lasse den Motor wegen der Heizung laufen. Das Gebläse steht auf volle Kraft, es sieht nach einem aussichtslosen Kampf aus, aber ich weiß, dass am Ende immer die heiße Luft gewinnt.

»Was war denn los, mit Frau Neumann eben?«, frage ich. »So ist die doch sonst nicht.«

»Ihr Mann ist weg, da ist die etwas neben der Spur«, sagt Helli.

»Was heißt ›weg‹?«

»Abgehauen oder gestorben, eins von beidem.«

»Das ist aber nicht ganz das Gleiche.«

»Jedenfalls ist er weg, und seitdem ist die komisch. Sie heißt übrigens Kaufmann.«

»Vermutlich macht es für die Psyche wenig Unterschied, ob gestorben oder abgehauen«, sage ich, doch im selben Moment denke ich, dass die Psyche sich irrt. Der Unterschied ist enorm, und leben ist meistens die bessere Variante.

Helli nickt, als verstünde sie, was ich sage. Womöglich tut sie das sogar.

Ich hole mein Mobiltelefon hervor und suche nach der Nummer des Kindergartens. Mein Musikkurs, der sowieso nur eine halbe Stunde dauert, soll in drei Minuten beginnen. Es lohnt sich nicht, überhaupt noch dort hinzufahren.

Kirsten nimmt ab.

»Hier ist Katharina«, sage ich. »Ich kann heute nicht kommen. Meine Tochter ist verletzt, ich muss sie aus der Schule abholen. Ein Notfall.«

»Ein bisschen kurzfristig, nicht?«

»Wir müssen vielleicht ins Krankenhaus. Ich hole die Stunde nach, wenn die Eltern das wollen. Aber erst nach Weihnachten.«

»Gebe ich so weiter«, sagt Kirsten und legt einfach auf. Sie ist nur freundlich zu Kindergarteneltern und Vorgesetzten.

Auf der Frontscheibe haben sich zwei durchsichtige Inseln gebildet, groß genug, dass ich die Straße sehen kann, wenn ich mich vorbeuge. Ich blinke und fahre los. Helli hat den Eiskratzer gefunden, den ich heute Morgen in den Beifahrerfußraum geworfen habe. Er steckt in einer Art Handschuh mit der Form eines Bibers, der die Hände beim Kratzen warm halten soll. Helli schiebt die Hand in den Biber, lässt ihn wie eine Puppe tanzen und mit näselnder Stimme sprechen: »Wir müssen leider total schnell ins Krankenhaus, Frau Kindergarten. Bei meiner Tochter blutet das Gehirn aus der Nase, und sie wird mit jeder Minute dümmer. Tut mir sehr leid. Ehrlich.«

Dabei sieht Helli aus wie einem billigen Horrorfilm entstiegen. Sie hat getrocknetes Blut an Kinn und Nase ihres blassen, runden Gesichts. Auf ihrem Oberteil, dessen genaue Bezeichnung ich nicht kenne, weil heute alles anders heißt als früher, sind münzgroße Blutflecken, genau dort, wo sich hügelige kleine Brüste abzeichnen, von denen ich nicht genau sagen kann, ob sie schon frühpubertär oder noch vom Babyspeck übrig sind. Blutspritzer sind auch auf ihrer Hose, die vermutlich ebenfalls einen eigenen Namen hat – Chino oder Cargo oder Wurstpelle. Ihr Haar ist strähnig und bedürfte dringend einer Wäsche, es wirkt noch farbloser als gewöhnlich.

Es wäre sicher leichter für Helli, unattraktiv zu sein, wenn wir sie nicht Helena genannt hätten. Aber wer konnte das ahnen. Costas ist ein olivhäutiger, schwarzhaariger Grieche. Alex kommt immerhin nach ihm, auch charakterlich. Er jedenfalls wäre viel zu stolz, so einen Blutsturz zu veranstalten, nur um ein paar Stunden früher nach Hause zu kommen.

Helli dagegen hat irgendein magisches Blutgefäß in ihrer Nase, das auf kräftiges Anstupsen reagiert. Wenn sie sich in der Schule langweilt, drückt sie dort herum, bis das Blut strömt. Und es strömt tatsächlich, es quillt hervor, es tropft und läuft und verwandelt ihr Gesicht innerhalb von Minuten in etwas, dessen Anblick jeden in ihrer Nähe in Aktionismus verfallen lässt.

Es ist das vierte Mal, dass ich sie in den letzten zwei Wochen wegen Nasenbluten abholen musste. Schwindel und Kopfschmerz dichtet sie inzwischen dazu, um die Sekretärin so zu beunruhigen, dass die mich am Telefon zu mehr Eile antreibt. Ich könnte jetzt einfach umdrehen und Helli zur Schule zurückfahren, damit sie auch die letzten Schulstunden absitzt, aber vermutlich würde ihre Nase sofort wieder losbluten. Außerdem fürchte ich mich vor Frau Kaufmann und ihrer Psyche.

Vielleicht sollte ich mit Helli jetzt gleich in die Notaufnahme fahren, einfach um ihr das Szenario, mit dem sie spielt, einmal vorzuführen. Ich könnte Nägel mit Köpfen machen und das abgerichtete Blutgefäß veröden lassen, um dem Spuk ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Aber ich brauche mir nur Hellis Geschrei vorzustellen, wenn sich ihr ein Arzt mit Lötkolben nähert, um diesen Plan zu verwerfen. Helli und Ärzte sind eine Geschichte für sich und ein Grund, weshalb ich selber nie zum Arzt gehe; Helli hat meinen Bedarf an Arztbegegnungen seit elf Jahren mehr als gedeckt. Trotzdem kann ich es nicht lassen, mich für den blöden Kommentar des Eiskratz-Bibers ein bisschen zu rächen.

»Wir fahren wirklich ins Krankenhaus«, verkünde ich. »Wir sollten das mit deiner Nase endlich abklären lassen. Kann doch sein, dass da was ist mit deinen Adern oder den Nebenhöhlen.«

Sie fängt sofort an zu weinen. Das wollte ich natürlich nicht. Ich versuche, sie während der Fahrt zu streicheln, doch sie weicht aus, schluchzt dramatisch auf und schlägt nach mir.

»Schon gut, kein Krankenhaus«, murmele ich.

Sie schluchzt noch ein paarmal, dann ruft sie plötzlich: »Guck mal, was für eine blöde Mütze der Typ da aufhat«, und ich weiß, die Krise ist vorbei. Hellis Stimmungen sind wie das Wetter in Irland, sagt Costas immer. Wenn es dir gerade nicht passt, warte einfach ein paar Minuten.

Wir arbeiten uns durch die Vorstadt und den Streckenabschnitt, der über Land führt, vorbei an den Windrädern, den Höfen, durch Dörfer und Alleen. Ich nehme absichtlich den längeren Weg, weil dort weniger Verkehr ist, dann erreichen wir den Ortsrand, Einfamilienhäuser aus rotem Klinker, hier wie überall. Der Himmel, den ich durch die inzwischen freie Frontscheibe sehen kann, ist hell und weit. Ich weiß, dass da, wo er am Rand fahler wirkt, das Meer liegt. Dort endet das Land.

Mein Telefon klingelt. Es ist Costas, also spare ich mir das Anhalten und reiche das Telefon an Helli weiter. Sie freut sich. Sie mag Telefonieren.

»Hallo, Papa«, ruft sie. Dann lauscht sie eine Weile. Dann: »Nee, wir sitzen im Auto, sie hat mich gerade abgeholt. Nasenbluten.« Dann: »Ja, schon wieder. Ist aber jetzt vorbei.« Dann: »Ja klar, alles ganz normal. Und bei dir?« Dann: »Alles klar. Bis dann.«

Sie fängt an, auf den Tasten meines Telefons herumzudrücken, und scheint mich völlig vergessen zu haben.

»Helli?«, frage ich. »Was wollte er?«

»Er hat sich irgendwie Sorgen gemacht. Weil du dich nicht gemeldet hast oder was weiß ich. Jedenfalls habe ich ihm gesagt, dass hier alles ganz normal ist.«

Und es rührt mich beinahe, dass sie es normal findet, wenn ich meinen Musikkurs absage, weil ihre Nase einen Teppich ruiniert hat und wir vor einer aus Trauer irren Schulsekretärin fliehen müssen.

 

Wenn alles normal sein soll, ist es nicht gut, einen Ehemann zu haben, der für seine Familie fast nur noch telefonisch zur Verfügung steht. Seit Costas den Job in Berlin hat, streiten wir viel. Streitereien sind der Preis, den man für eine Wochenendbeziehung zahlt. Es macht die Abschiede leichter, und selbst nach einem einigermaßen harmonischen Wochenende kramen er und ich in letzter Minute ein paar Themen hervor, über die wir uns verlässlich in die Wolle kriegen. Dann verzeihen wir einander im Laufe der Woche per SMS, E-Mail, Skype oder Telefon, lassen die Sehnsucht wachsen und wirken, bis das Wiedersehen am Freitagabend unter Garantie eine Enttäuschung werden muss. Dann kracht es einmal heftig, beruhigt sich über Nacht und beschert uns einen friedlichen Samstag. Erst am Sonntagabend, bevor Costas wieder in den Zug steigt, geraten wir aneinander, damit wir für die kommenden Tage etwas haben, das wir uns gegenseitig verzeihen können.

Diesmal aber haben wir mehr Zeit als sonst, bis zum übernächsten Wochenende, und deshalb dauert auch das Versöhnen länger als gewöhnlich. Wir sind irgendwo in der Mitte des Prozesses, und das bedeutet, ich beantworte seine SMS nicht sofort und halte die Telefonate kurz und informativ. Dabei gäbe es viel zu besprechen bezüglich Hellis Testungen, außerdem habe ich ihm mehrere Listen durchgegeben mit Ideen für Weihnachtsgeschenke, von denen ich annehme, dass sie in Berlin leichter zu bekommen sind.

Immerhin fällt Costas meine Einsilbigkeit auf und bringt ihn zum Grübeln, sonst hätte er nicht mitten am Vormittag angerufen. Dabei möchte ich doch nur, dass er meinen Unmut spürt, nicht, dass er sich Sorgen macht. Um mich muss man sich keine Sorgen machen.

Das Telefon ist für Helli mittlerweile uninteressant geworden. Es landet in meinem Schoß und rutscht von da aus in den Fußraum. Ihre Finger sind unermüdlich. Sie verstellen die Temperatur der Heizung, ändern die Richtung des Gebläses, betätigen den Warnblinker, dabei schaut sie ihren Fingern beim Herumfummeln zu wie eine Mutter Kindern beim Wuseln im Sandkasten. Schließlich stellt sie die Musikanlage an. Die CD, die anspringt, ist eine Aufnahme der Dichterliebe von Schumann, in der Einspielung von Josef Protschka und Helmut Deutsch. Ich habe sie heute Morgen eingeschoben. Die Musik beginnt, und ich muss aufpassen, dass ich die Augen offen halte. Beim ersten Takt schließe ich sie sonst immer und ziehe hörbar zischend Luft ein. Protschka singt gerade das dritte Lied: »Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne …«

Der Bezug, den dieses Lied zu Dantes Göttlicher Komödie hat, war mir damals wie Schuppen von den Augen gefallen, als ich während des Studiums anfing, jedes Wort, jeden Akkord auf die Goldwaage zu legen. Anders als mir die gängige Sekundärliteratur weismachen wollte, erzählte dieses kleine Gedicht offenbar nicht von Blumen und Vögelchen, sondern von christlichen Symbolen und davon, dass es möglich ist, jemanden so sehr zu lieben, dass man bereit ist, sich von allem abzuwenden, was einem bis dahin Halt gegeben hat. Ich hatte Dante gelesen, weil ich seinerzeit ganz einfach die Muße hatte für schwierige Texte, während ich mich heute meist damit begnügen muss, die Tageszeitung zu überfliegen und abends über einem mittelmäßigen Buch einzuschlafen.

Damals, als ich anfing, wirklich zuzuhören, sodass ich die Verbindung zwischen Heine, Schumann und Dante entdeckte, konnte mich die simple Erkenntnis, dass Dinge zusammenhängen, die zuvor in meinem Gehirn ohne Beziehung zueinander umhergeschwebt waren, tagelang in Aufregung versetzen. Inzwischen kann ich nicht mehr unterscheiden, ob alles mit allem zusammenhängt oder im Gegenteil alle Verbindungen eine reine Illusion meines Bewusstseins sind, das sich sehnlichst wünscht, es möge so etwas wie Logik oder wenigstens Wahlverwandtschaften bei den Dingen und Ereignissen geben. Schumann jedenfalls hat immer versucht, Leben und Werk so miteinander zu verweben, dass das eine ohne das andere undenkbar wird. Es wird sich schwerlich um einen Zufall handeln, wenn die Motive sich ähneln. Mir hat das immer sehr imponiert, und ich hätte es gerne genauso gehalten, aber ich fürchte, es gibt bei mir nichts zu verknüpfen. Es gibt kein Werk, es gibt nur Leben. Schon beginnt das fünfte Lied, das mit dem Lilienkelch, es hat einen wunderbaren Anfang. Zart, dicht und intensiv. Costas findet, ich rede über Musik wie andere über Essen.

»Scheiße, Mama«, brüllt Helli.

Es gibt einen Knall und ein hässliches Knirschen auf ihrer Seite, ich bremse und öffne die Augen. Der Wagen steht halb auf dem Bürgersteig, und Helli schreit mich an:

»Was machst du denn? Wir hätten tot sein können.«

Sie zeigt vorwurfsvoll auf den Laternenpfahl, den wir mit dem Seitenspiegel gestreift haben müssen.

 

Ich habe immer gedacht, es wäre praktisch, wenn jeder seine eigene Todesursache kennen würde. Es wäre ein unschlagbares Mittel in der Therapie von Angstpatienten. Zum Beispiel weiß ich, dass ich in diesem Augenblick aufgebracht sein sollte und zugleich abgrundtief erleichtert, schließlich hätte sonst was passieren können, tatsächlich aber sitze ich einfach da und fühle ein inneres Achselzucken, denn ich weiß, wie mein eigenes Ende aussehen wird, und es hat nichts mit einem Autounfall zu tun. Seit zwei Wochen weiß ich es. Da habe ich das Etwas entdeckt. Seitdem ist die Sache klar. Das Etwas sitzt in meiner linken Brust und tut alles, was es nicht tun soll: Es wird nicht kleiner, ist nicht beweglich und schmerzt nicht. Es ist, was es ist. Aber es ist schließlich auch nicht seine Aufgabe, mir Hoffnung zu machen.

Die normale Frau Anfang vierzig hat eine Gynäkologin ihres Vertrauens, nehme ich an. Ich habe so etwas nicht, wie gesagt, ich gehe nicht zu Ärzten. Das wird sich nun ändern, und ich werde lernen müssen, wie Helli zu werden, denn ich werde Dreck machen und Unannehmlichkeiten bereiten. Ich werde nach und nach weniger werden, mich immer mehr von der Person entfernen, die ich jetzt bin. Und irgendwann werden auch die anderen einsehen und begreifen, was mir jetzt schon klar ist, weil es verborgen in meinem Inneren längst begonnen hat: dass es ans Sterben geht.

Ich weiß das alles. Aber Verdrängen hat seine Zeit, und Handeln hat seine Zeit, wie die Bibel so ungefähr sagt, und diese Zeit ist nicht jetzt. Vielleicht beginnt sie am Montag. Dann werde ich vernünftig sein und bei einer der Gynäkologinnen anrufen, deren Adresse ich mir vor ein paar Tagen aus dem Telefonbuch besorgt habe. Es gibt eine Gemeinschaftspraxis, in der zwei Ärztinnen arbeiten, die beide Birte mit Vornamen heißen, eine mit th und eine ohne. Ich stelle mir vor, dass die beiden sich im Studium kennengelernt haben und zufällig aus derselben Gegend kamen, dieser Gegend hier oben an der Ostsee, wo die Eltern ihre Kinder seit Ewigkeiten Birte nennen, ohne sich von irgendwelchen Moden beirren zu lassen, sodass sich eine Freundschaft entwickelt hat, die am Ende dazu führte, dass sie eine gemeinsame Praxis in ihrer Heimatstadt eröffneten. Zu so jemandem möchte ich, wenn es denn schon sein muss. Ich werde vermutlich die Birte ohne th auswählen, denn ich habe selber zu viel davon in meinem Namen.

Am Montag also werde ich die Maschinerie in Gang setzen, mich fügen und den vorgegebenen Weg gehen. Von Montag an darf alles anders werden. Montage sind Schwellentage. Jetzt ist Freitag, und die Aufgabe von Freitagen ist es, die Woche sanft ausklingen zu lassen. Man muss sie frei halten von allem Unbill. Man muss die Gedanken stoppen, bevor sie wie Flöhe zu hüpfen beginnen und von Untersuchungen zu Diagnosen springen, zu Operationen, Chemotherapien, Bestrahlungen und anderen Ideen, die wochenenduntauglich sind und die friedliche Stimmung verderben.

Immerhin kann Helli der Situation eine angemessene Dramatik abgewinnen. Sie steigt aus und brüllt auf dem Bürgersteig herum, dass wir hätten tot sein oder mindestens ein Schleudertrauma oder einen Totalschaden haben können, sodass sie heute Nachmittag nicht zum Reiten gekommen wäre, und dass ich verantwortungslos sei und nicht halb so gut führe wie Papa, dass wir womöglich den Laternenpfahl bezahlen müssten und dass sie nie wieder zu mir ins Auto steige, nie wieder. Ihr Mund stößt in der Kälte Wölkchen aus: ein kleiner, pummeliger, pfannkuchengesichtiger Feuerdrache.

Hinter uns hält ein SUV mit Bamberger Kennzeichen, dem eine ganze Familie entsteigt. Urlauber vermutlich, die entweder die Ostsee im Winter besichtigen oder später mit einem der Riesendampfer weiter nach Skandinavien reisen wollen. Bald ist Helli umringt von einer fränkischen Kinderschar, ein zotteliger Hund bellt aufgebracht. Die junge Mutter dazu, mit einem überdimensionalen Schal um den Hals, ringt ihre Hände und versucht dann, Helli mit einem Taschentuch das blutige Gesicht sauber zu wischen. Es gelingt ihr nicht, denn meine Tochter ist mit dem Toben noch nicht fertig und hält nicht still. Der Vater, der viel zu jung aussieht, um so viele Kinder zu haben, schaut zu mir ins Auto und fragt:

»Alles in Ordnung bei Ihnen? Wie ist das denn passiert?«

»Schumann«, sage ich. »Und vielleicht ein bisschen Glatteis.«

»Jaja.« Er lacht. »Die Norddeutschen und das kalte Wetter.«

Endlich steige auch ich aus. Ich bahne mir einen Weg durch die Kindermenge, bis ich vor Helli stehe, die zappelt und einen puterroten Kopf hat. Ich nehme sie in den Arm. Sie windet sich und kämpft, dann wird sie ruhig. Die Bamberger Mutter hält ihr noch immer das Taschentuch hin, ich nehme es und lächle dankbar.

»Sie hatte Nasenbluten vorhin«, sage ich zur Erklärung, aber die Frau wirft mir nur einen skeptischen Blick zu.

Ihr Mann begutachtet inzwischen den Schaden. Er bückt sich und reicht mir den Seitenspiegel, den der Laternenpfahl weggehobelt hat.

»Bei den neueren Modellen klappen die Spiegel einfach zur Seite«, sagt er. »Sie fahren einen der letzten Jahrgänge, von denen noch Sachen abbrechen.«

Während seine Frau ihre Kinder und den Hund zurück in den SUV treibt, tritt er zu Helli und mir und umarmt uns beide. Vielleicht macht man das so in Bayern.

»Am besten gleich nach Hause fahren und erst mal entspannen«, sagt er in mein Haar hinein. »Autounfall ist wie Zahnarzt, das geht aufs Immunsystem. Nicht wundern, wenn Sie sich morgen erkältet fühlen.«

»Vielen Dank«, sage ich schwach. Umarmungen machen etwas mit meiner Stimme, sie entziehen ihr die Energie.

Die Kinder winken aus den Fenstern, als der SUV weiterfährt. Helli winkt ebenfalls fröhlich und lacht.

 

Zurück im Auto reiche ich ihr den abgebrochenen Spiegel. Sie runzelt die Stirn und dreht ihn herum, dann betrachtet sie sich ausgiebig darin, und halb erwarte ich, dass sie ihn gleich fragen wird, wer die Schönste im ganzen Land sei.

»Kann man mit nur einem Seitenspiegel überhaupt fahren?«, fragt sie.

»Ja klar«, sage ich, als ich wieder starte.

Man kann alles Mögliche, wenn man muss.

Als Helli genug von ihrem Spiegelbild hat, fällt ihr plötzlich die Musik auf.

»Was hörst du eigentlich für einen Schrott?«, sagt sie, drückt ein Knöpfchen und beendet gnadenlos das Stück. Mein Herz macht einen kleinen Satz, wie es das immer tut in diesen Fällen – es hat sich noch nicht daran gewöhnt, nach all diesen Jahren, dass Vorgänge unterbrochen werden, dass Situationen zu keinem Ende kommen, sondern immer nur in andere Situationen übergehen. Mein Herz liebt Schlussakkorde.

Hellis Finger finden den Radioregler, suchen einen Sender, dann einen anderen, erhöhen die Lautstärke. Ich starre auf die Straße und fahre, tue nichts als fahren, lasse mich nicht ablenken von diesen wuselnden Fingern und schon gar nicht von der Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt und die Helli offenbar für so gut befindet, dass ihre Finger zur Fensterkurbel wandern.

»Gebt uns ruhig die Schuld dafür, den ganzen Rest könnt ihr behalten«, singen Die Fantastischen Vier, die ich sogar kenne, und Hellis Körper ruckt dazu kaum merklich im Takt.

In meinem Notizbuch habe ich eine Liste, die ich jetzt gern ergänzen würde. Sie heißt Grammatikfehler in deutschen Liedtexten, die sich vermeiden ließen, wenn irgendjemand im Studio genug davon verstünde, um die Künstler darauf hinzuweisen.

Die Liste ist eine ganze Seite lang.

Die letzten Takte des Sprechgesangs gehen direkt über in »Last Christmas«. Ich bin froh, als kurz darauf unser Haus in Sicht kommt.

Helli rüttelt am Handschuhfach, dann beugt sie sich zu mir herüber und verstellt die digitalen Anzeigen hinter dem Lenkrad. Ich blicke auf die Uhr, als ich in unsere Einfahrt einbiege: zehn Uhr zweiunddreißig. Ich bekomme noch mit, wie die Zeitanzeige verschwindet und stattdessen eine Temperaturangabe erscheint, weil Helli den entsprechenden Knopf gefunden hat. Minus drei Grad. Danach werde ich darüber informiert, dass ich im Schnitt fünf Komma vier Liter verbrauche. Dann kann ich endlich den Motor ausstellen und die Stimme von George Michael zum Schweigen bringen. Ich klaube das Mobiltelefon unter dem Sitz hervor und stecke es in die Manteltasche. Helli steigt aus und hinterlässt auf dem Beifahrersitz einen Eiskratz-Biber, ein blutiges zerknülltes Taschentuch und einen Außenspiegel.

Mareike Krügel

Über Mareike Krügel

Biografie

Mareike Krügel, 1977 in Kiel geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seit 2003 hat sie vier Romane veröffentlicht. Sie lebt bei Schleswig. Mareike Krügel erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. in der Villa Decius in Krakau, und ist Mitglied im PEN Deutschland. Im Jahr 2003 bekam...

Unser Blog zu Mareike Krügel
Veranstaltung
Lesung und Gespräch
Dienstag, 07. August 2018 in Mönchengladbach
Zeit:19:30 Uhr
Ort:Zentralbibliothek, Carl-Brandts-Haus,
Blücherstraße 6
41061 Mönchengladbach
Die Lesung findet im Rahmen des deutsch-niederländischen Literaturfestivals „Literarischer Sommer[...]
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Lesung und Gespräch
Mittwoch, 08. August 2018 in Vaals
Zeit:19:00 Uhr
Ort:Bibliothek Vaals,
6291HH Vaals
Im Rahmen des Literarischen Sommer 2018.
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Lesung und Gespräch
Samstag, 01. September 2018 in Hamburg
Zeit:20:00 Uhr
Ort:Kulturforum Serrahn,
Serrahnstraße 1
21029 Hamburg
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Lesung und Gespräch
Sonntag, 02. September 2018 in Schleswig
Zeit:17:00 Uhr
Ort:Kulturzelt,
Königswiesen
24837 Schleswig
Lesung im Rahmen des NORDEN Festival
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Lesung und Gespräch
Freitag, 14. September 2018 in Halstenbek
Zeit:19:30 Uhr
Ort:Arche Noah,
25469 Halstenbek
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Pressestimmen

NDR

»Das NDR Buch des Monats August.«

Nürnberger Nachrichten

»Mareike Krügel sehr lesenswerter Roman ist feinsinnig und witzig zugleich.«

Heilbronner Stimme

»›Sieh mich an‹ ist eine mutig erzählte Geschichte über zerplatzte Träume und die erdrückende Realität.«

Brigitte "Bücher Spezial"

»Ein rasanter Roman mit furiosem Showdown, der den PR-Rummel verdient hat.«

Kölnische Rundschau

»Wie Katharina - die heimlich Listen schreibt, um das Leben zu strukturieren, aber auch um Pläne und Hoffnungen zu Papier zu bringen - sich schließlich all ihren Ängsten stellt, liest sich großartig.«

lizzynet.de

»Ein Roman wie eine ganze Schatztruhe!«

Siegener Zeitung

»›Sieh mich an‹ ist ein lebenskluger und warmherziger Roman (…).«

Freundin

»›Sieh mich an‹ ist ein tragisch-komisches Meisterwerk.«

Hamburger Abendblatt

»Lesens- und hörenswert!«

Die ZEIT Hamburg

»Ein intelligenter Roman, der leicht und humorvoll daherkommt, aber eine kämpferische Frage aufwirft: Was ist von der Forderung an moderne Frauen zu halten, Karriere und Kinder unter einen Hut zu kriegen und dabei stets glücklich und zufrieden zu sein?«

Hamburger Morgenpost

»Mareike Krügel hat eine kunstvolle Geschichte gesponnen, in der man sich als Leser schnell verfängt.«

Westfalenpost

»Mareike Krügels Roman ›Sieh mich an‹ besticht durch sein Tempo. Der Leser begleitet Katharina gerade mal einen Tag und erlebt jede Sekunde mit. Die Sympathie der starken Frau, die uns an ihren Gefühlen teilhaben lässt und der wir immer näher kommen, zieht uns in einen unbeschreiblichen Bann.«

schonhalbelf.de

»›Sieh mich an‹ ist für mich die perfekte Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang, Humor und Drama, Spaß und Ernsthaftigkeit – und ein Roman, den ich mit bestem Gewissen empfehlen kann.«

Frankfurter Neue Presse

»Krügel gelingt es mit dieser Alltags-und Finale-Fragen-Doppelstrategie, den Spagat zu halten zwischen Tiefsinn und Heiterkeit, zwischen Katastrophe und absurd überdrehter Stand-Up-Comedy. Beste Unterhaltungsliteratur, zum Innehalten und zum Lachen zugleich.«

Mittelbadische Presse

»Bei diesem Roman gibt es kein Entrinnen, von der ersten Seite an entwickelt das Buch eine Sogwirkung, klug, tiefgründig und dabei auch komisch nimmt Katharina mit durch die Strömungen und Wirbel auf dem Fluss ihres Lebens.«

Westdeutsche Allgemeine

»Mit aufgeweckter, einfühlsamer und zugleich witziger Sprache, ist ›Sieh mich an‹, ein absolutes Sommerlesevergnügen.«

Freie Presse

»Mareike Krügel ist ein großer Wurf gelungen mit diesem Buch, dessen eigentliche Handlung sich lediglich über 48 Stunden erstreckt. Und doch fängt dieses Buch ein ganzes Leben ein, von dem man hofft, dass es noch ganz lange dauern wird.«

Deutschlandfunk Kultur Lesart

»Mareike Krügel ist mit ›Sieh mich an‹ neu auf der Belletristik-Bestenliste des Spiegels vertreten. Zu Recht, denn der Roman beschreibt eine grundlegende Frage, die sich viele Menschen stellen. Und das, obwohl er von gerade einmal zwei Tagen im Leben einer Frau erzählt.«

Rheinische Post

»Mareike Krügel hat einen überaus kurzweiligen und trotz Brustkrebs-Themas auch witzigen Roman über das Leben, die Liebe und Familie geschrieben, der sich gut als Urlaubslektüre eignet.«

rp-online.de

»Mareike Krügel hat einen überaus kurzweiligen und trotz des Brustkrebs-Themas auch witzigen Roman über das Leben, die Liebe und Familie geschrieben, der sich gut als Urlaubslektüre eignet.«

Lübecker Nachrichten

»Die Autorin frönt dem Faible für die Theatralik des Alltags und einer Form der Überalltäglichkeit, die das Schicksal ins Surreale kippt. Das spitzt die Schriftstellerin so gnadenlos wie genüsslich zu, irgendwo zwischen sardonischer Belustigung und wachsender Verzweiflung.«

Sächsische Zeitung

»Nordisch kühl, sachlich und teils urkomisch ist nicht nur der Ton des Buchs, sondern auch der Blick aufs Leben –- alles davon fein abgestimmt und im rechten Maß dosiert.«

Kölner Stadt-Anzeiger

»›Sieh mich an‹ ist ein mutiges Buch. Hier spricht eine Frau aus, was viele Mütter nicht einmal zu denken wagen. Dass sie an ihrem Muttersein verzweifeln. Dass sie ihre Kinder am liebsten manchmal schlagen würden. Dass sie ein Leben leben, das so weit entfernt ist von ihren Jugendträumen wie die Erde vom Mond.«

Kieler Nachrichten

»Zwischen innerem Monolog und äußerem Erleben entwickelt Mareike Krügel über einen einzigen Tag ein sehr zeittypisches Frauenportrait.«

hr1.de

»Der Roman ist klug, bewegend und voller Liebe.«

Hamburger Abendblatt

»In Mareike Krügels erstaunlichem neuen Roman geht es um alles. Um den Tod, aber mehr noch um das Leben.«

NDR »Klassik à la carte«

»Ein Buch wie eine Achterbahnfahrt: schnell, erschütternd, lustig.«

Brigitte

»Ein rasanter Roman mit furiosem Showdown.«

Münchner Feuilleton

»(…) Eine Story voller Sprengkraft. (…) ›Sieh mich an‹ fasziniert durch seinen Erzählton.«

54° Nord

»Der vierte Roman der Kielerin Mareike Krügel bewegt von der ersten Seite an.«

NEON

»Die Hauptfigur Katharina ist genau im richtigen Maß normal und sympathisch verschroben, so wie jeder gerne wäre.«

myself

»Ein schlicht ehrliches Buch, das man nur so inhaliert – mit guttuender Ironie an den richtigen Stellen.«

BuchMarkt

»Ein schöner Gegenwartsroman, nicht ohne Humor.«

Emotion

»Krügel schreibt mit Gefühl, schwarzem Humor und Wucht.«

Flow

»Ein kluges Buch, rasant, gefühlvoll und mit einer erleichternden Portion Witz erzählt.«

Kommentare zum Buch

Es ist was es ist
ele am 28.09.2017

Ein ganz normales Wochenende im Leben von Katharina, das übliche Chaos nur etwas ist anders. Das „Etwas" sitzt in ihrer Brust und tut alles was es nicht tun soll. Es ist was es ist. Aber es ist nicht seine Aufgabe, Hoffnung zu machen. Katharina entdeckt einen Knoten in ihrer Brust. Ein letztes Wochenende soll es so sein wie immer. Bevor sie ihr Geheimnis bekundet. Doch an diesem Wochenende geht alles drunter und drüber. Ihre Tochter hat Nasenbluten und muss von der Schule abgeholt werden. Ein Verkehrsunfall bei spiegelglatter Fahrbahn. Im Nachbargarten mäht sich der Nachbar den eigenen Daumen ab und muss notärztlich versorgt werden, der Wäschetrockner brennt, Kilian ein Studienfreund hat sich angemeldet um das Wochenende bei ihr zu verbringen, außerdem ist in ihrer Ehe mit Costas nicht mehr alles in Ordnung. Dazu die alltäglichen Probleme mit ihrer Tochter Helli, die ein ADHS-Problem hat. Ihre Schwester Sissi verlangt ihre Aufmerksamkeit, ihr Sohn Alex hat eine Freundin und Pink und Floyd sind auch noch plötzlich verschwunden. Kann Katharina in diesem Chaos den Überblick bewahren? Und plötzlich stellt sie ihr ganzes Leben in Frage, ihre Mutter ist zudem viel zu früh an dieser schrecklichen Krankheit verstorben. Selbst meint die Protagonistin an einer Stelle: „Ich bin zu müde für Hoffen und Bangen. Die bestürzende Geschichte ist im personalen Erzählstil aus der Sicht Katharinas verfasst. Der Roman ist in einer wunderschönen Sprache geschrieben und hat mich zutiefst berührt. Große Themen, lustig und zugleich traurig werden angesprochen. Ich habe mich immer gefragt: „Wie kann diese Frau das alles schaffen, was würde ich an ihrer Stelle tun? Ich finde die Geschehnisse auch nicht übertrieben, denn aus eigener Erfahrung ist mir klar, dass es solche Tage gibt an denen man denkt: „ Die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen, was kommt denn noch alles?“ Ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hinein fühlen, wenn sie z.B. Gänsehaut und Tränen in den Augen bei bestimmten Liedtexten bekommt. Es sind viele Wahrheiten und Lebensweisheiten im Buch enthalten, wie z.B. „Die Geschichten meiner Mutter haben mich nie interessiert und jetzt, da ich sie hören will, ist sie nicht mehr da.“ Oder: „Eltern lieben blind drauflos aber Geschwister sehen einen wie man wirklich ist.“ Der Roman ist eigentlich nicht wirklich spannend, trotzdem fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Und habe es fast in einem Stück durchgelesen. Am Ende hätte ich mir gewünscht, zu erfahren wie es mit Katharina weitergeht und ob sie die Krankheit besiegen kann. Trotz des traurigen Hintergrunds – ein Wohlfühlbuch, Sprache und Stil tun der Seele unendlich gut. Ein toller Frauenroman! Absolute Leseempfehlung 

Temporeicher, tiefgründiger Roman über den alltäglichen Wahnsinn - trotz aller Übertreibungen sehr authentisch
Lena am 09.08.2017

Katharina ist ungefähr 40 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt an einem Ort an der Ostsee. Ihr Mann Costas hat nach seiner Arbeitslosigkeit eine Anstellung als Architekt in Berlin gefunden und ist deshalb nur am Wochenende zu Hause. Den Alltag mit all seinen Tücken muss Katha allein bewältigen. Eine besondere Herausforderung stellt ihre 11-jährige Tochter dar, die unter ADHS leidet und gerade in die Pubertät kommt. Katha schenkt Helli ihre gesamte Aufmerksamkeit, weshalb sie es kaum schafft, den Haushalt zu bewältigen, zumindest stundenweise ein Zubrot als Musikpädagogin zu verdienen, geschweige denn Zeit für sich selbst hat, um einfach nur hinzusitzen oder die Anrufe ihrer Schwester entgegen zunehmen.   "Sieh mich an" schildert einen einzigen Tag in Kathas Leben. Es ist ein Freitag im Winter und das erste Wochenende, an dem Costas nicht nach Hause kommt, da er sich verpflichtet fühlt, zu einer betriebsinternen Weihnachtsfeier zu gehen. Katha nutzt die Gelegenheit, ihren Studienfreund Kilian wiederzusehen, den sie seit Jahren nicht getroffen hat und der an diesem Wochenende in der Gegend ist.   Der Tag beginnt schon denkbar schlecht, als Katha von Hellis Schule gebeten wird, ihre Tochter - mal wieder - wegen Nasenbluten abzuholen. Es folgen ein abgefahrener Seitenspiegel am Auto, ein Trockner, der in Flammen aufgeht und der transsexuelle Nachbar, der sich bei der Reparatur seines Rasenmähers den Daumen abtrennt. In dem ganzen Chaos muss Katha zudem jederzeit mit dem nächsten Ausraster ihrer überdrehten Tochter rechnen.   Scheinbar unberührt - oder einfach schon daran gewöhnt - gehen die Stunden für Katha voran, bis sie am Abend endlich Kilian am Bahnhof abholen kann. Was Katha eigentlich belastet, ist "das Etwas", das sie Tage zuvor in ihrer Brust ertastet hat und dessen gynäkologische Abklärung sie aufgrund ihrer erblichen Vorbelastung vor sich herschiebt.   "Das Etwas sitzt in meiner linken Brust und tut alles, was es nicht tun soll: Es wird nicht kleiner, ist nicht beweglich und schmerzt nicht. Es ist, was es ist. Aber es ist schließlich auch nicht seine Aufgabe, mir Hoffnung zu machen."   Mit Katha möchte man wahrlich nicht tauschen und so ist es bewundernswert, dass sie diese Abfolge an unvorhergesehene Ereignissen mit scheinbar stoischer Gelassenheit erträgt, als gehörten diese zu einem normalen Familienalltag. Tatsächlich hegt sie allerdings Selbstmordgedanken, wobei nicht ganz klar ist, wie ernst es ihr mit einem Abgang, der möglichst schonend für die Hinterbliebenen sein soll, tatsächlich ist.   "Sieh mich an" ist ein tragikomischer Roman über eine Frau, die als Studentin noch so viel vorhatte, aber dann zu früh in die Mutterrolle rutschte und mit zwei Kindern keine Zeit mehr für ihre Dissertation und eine Anstellung als Musikwissenschaftlerin hatte. Die ADHS-Erkrankung ihrer Tochter wurde zu spät erkannt und ihr Ehemann glänzt durch permanente Abwesenheit, weshalb auch er im Alltag keine Hilfe ist. Für ihn ist Katha "nur" Hausfrau, die Stunden der musikalischen Früherziehung, die sie an der Musikschule gibt, erkennt sie ja selbst nicht als berufliche Tätigkeit an. Katha funktioniert nur noch und nur die Liebe zur klassischen Musik und der turbulente Alltag lenken sie ab, damit sie sich nicht mehr Sorgen um ihre Gesundheit machen muss.   Das Thema Brustkrebs bleibt bis zum Ende des Roman eher im Hintergrund, so dass die amüsanten, wenn auch zum Teil bestürzenden Szenen, überwiegen und der Roman insgesamt sehr temporeich und humorvoll zu lesen ist. Als Leser taucht man direkt in die Gedankenwelt von Katha und ihren To-do-Listen ein und nimmt kaum wahr, dass es sich tatsächlich nur um einen Tag im Leben von Katha gehandelt hat und ist geradezu froh, dass man selbst ein so vergleichsweise eintöniges Leben führt. Am Ende kann Katha ihre Emotionen aber nicht mehr kontrollieren, sie sieht derart pessimistisch in die Zukunft und da ist es plötzlich doch ihr Ehemann, bei dem sie Halt sucht. "Sieh mich an" ist ein außergewöhnlich geschriebener, tiefgründiger Roman, bei der die Handlung trotz aller Übertreibungen nichts an ihrer Authentizität verliert und der sich mit der Frage beschäftigt, wie viel von der eigenen Individualität im täglichen Wahnsinn noch übrig bleibt.

starke Frau, die trotz einer folgenschweren Entdeckung versucht, ihren alltäglichen Wahnsinn zu bewältigen
Christine am 04.08.2017

Mareike Krügel traut sich mit einer unglaublich klugen Mischung aus Humor, Leichtigkeit und Tiefgründigkeit an ein beklemmendes Thema.

Berührend und komisch zugleich
liselotterie am 03.08.2017

Dieses Buch lockte mich zunächst mit dem Cover - »Oh, ein Fuchs!« Die Leseprobe gefiel mir, und das Buch »verschlang« ich an einem Tag. Ein Tag wie ein Jahr ... Denn auch die Handlung des Romans umfasst nur einen einzigen Tag im Leben von Katharina. Sie ist Anfang 40, Hausfrau, Mutter mit kleinem Nebenjob, der sie glücklich macht, aber weit entfernt ist, was sie sich als junge Frau mit abgeschlossenem Studium der Musikwissenschaften erträumte. Mit ihrem Mann führt sie seit gut einem Jahr eine Wochenendehe. Alles klingt ganz normal, banal, langweilig, solche Leben werden in unserem Land tausendfach gelebt. Doch seit zwei Wochen weiß nur Katharina, dass ein »Etwas« da ist, das sie in ihrer Brust ertastet hat und das da nicht hingehört. Gedanken um Sinn des Lebens und das, was nach dem Sterben bleibt, beschäftigen sie.   Rückblick, Bestandsaufnahme, Vorausschau und immer wieder ihre heimlich geführten Listen. Das alles beschäftigt Katharina und wird doch immer wieder unterbrochen von dem ganz alltäglichen Chaos und Wahnsinn, der ihr Leben bestimmt. Der Autorin ist eine wundervolle Gratwanderung gelungen zwischen ernsthaften, teilweise fast philosophischen Gedanken und schreiend komischen Situationen. Katharinas Leben ist alles andere als banal und langweilig. Ein pflegeleichter, angepasster Siebzehnjähriger mit Goldkehlchen und eine pummelige, chaotische Elfjährige mit ADHS - unterschiedlicher könnten Kinder nicht sein. Dazu die beiden Nachbarn, die einmal Nachbarinnen waren, ein alter WG-Freund, abenteuerlustige Ratten und Haushaltsgeräte mit Mord- bzw.- Selbstmordabsichten ... Und schließlich das Meer und tatsächlich der Fuchs vom Buchcover. Letzterer ist für mich eine Metapher, denn er lebt sein Leben, ohne dass Katharina sich für ihn verantwortlich fühlen muss. Andere loslassen, zu sich selbst finden, das gelingt ihr im Laufe des Tages immer besser. Dem Ende zu gewinnt die Geschichte an Tiefe, was wohl am Meer liegt, dem Katharina sich endlich wieder zuwendet, auch wenn sie es quasi vor der Haustür hat.   Mir gefällt die Figur der Katharina so gut, weil ich mich an ganz vielen Stellen mit ihr identifizieren kann. Ihr Wunsch nach Perfektion, der oft genug im Chaos endet, die alten, begrabenen Träume, die Wochenendehe, die Flirt-Resistenz. Aber auch die Spontanität, der Mut, aus- und aufzubrechen. Am Ende ist nicht alles gut, aber trotzdem macht mich die Geschichte glücklich. Denn »Glück ist das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.« (Jo Jansen)   Fazit: Leseempfehlung!

Krüger, Sieh mich an
Beate Heitmeyer am 01.08.2017

Diese Leseprobe ist faszinierend! Morgen kaufe ich das Buch. Ich bin Buchhändlerin und selbst vor 5 Jahren an Brustkrebs erkrankt . Ich verstehe jeden einzelnen von Katharinas Gedanken. Aber ich lebe und fühle mich gut, gelte als geheilt... Und ich liebe Schumann und Heine. Und die Ostsee. Freue mich auf morgen, dann lese ich das Buch zuende. Beate Heitmeyer

Manchmal ist ein Tag länger als ein Jahr
Katina Gremler am 01.08.2017

Püntklich zum VÖ-Datum habe ich das Buch heute ausgelesen und bin fast schon traurig, dass es zu Ende ist. Danke an vorablesen.de und den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar.     Zur Autorin:   Mareike Krügel überzeugt mich mit ihrer klugen Sprache, den Wortwitz und auch besonders der Dramatik, die diese Geschichte auch noch nach dem lesen hinterlässt. Wunderbar. Eines meiner liebsten Bücher in 2017! Ehrlich, ich habe von ihr vorher noch nie was gelesen, das hole ich jetzt nach.   Um was geht es:   Die Geschichte beginnt damit das Katharina Theodoroulakis, (sie ist mit dem Griechen Costa verheiratet), ihre Tochter Helli aus der Schule abholen muss. Und so begleiten wir Katharina und Helli durch einen Tag voller Chaos, Glück, guten Freunden und einer angstmachenden Entdeckung.   Das Buch ist so gegliedert, das es nur einen Tag aus dem Leben von Katharina und ihren Freunden und Verwandten erzählt. Sie gibt uns immer Rückblicke auf das frühere Leben von ihr. Das macht das ganze Buch würzig. Dazu das Chaos um sie herum und man genau weiß, sowas kann einem in 24 Stunden wirklich passieren. 24 Stunden sind lang, manchmal auch zu kurz. Manchmal der purer Wahnsinn, manche Stunden können einen Angst machen und manche sehr fröhlich. Manchmal geht was kaputt und manchmal kann man etwas reparieren oder operieren, ganz wie man es nimmt.   Ganz viel Situationskomik und viel klassische Musik, die mich dazu veranlasst meine alten CD´s mal wieder rauszukramen und beim Lesen leise Musik zu hören, machen für mich dieses Buch zu einem neuen Lieblingsbuch. Wie immer, ist ein Buch aus dem Piper Verlag wunderbar verarbeitet. Was ich hier ebenfalls sehr zu schätzen weiß, ist wie leicht dieses Buch an Gewicht ist. Fast als hätte man nur einen Reader in der Hand und dennoch die ganze Bandbreite von umblättern, Bücherduft und Lesebändchen. Ich liebe Lesebändchen, danke das ihr eines dabei war. :-)   Mein Fazit:   Empfehlenswert zum selber lesen und auch zum verschenken. Ein Buch das nachhaltig spürbar ist. Ein Buch, wo man sich denkt: Katharina entschleunige mal. Mach langsam. Und man das für sich selber auch möchte. Entschleunigen. Langsam lesen. Dieses Buch genießen, denn das ist es, ein wahrer Genuss unter den Sommerbüchern 2017. Danke dafür! 

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