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Die Schuld der anderenDie Schuld der anderenDie Schuld der anderen

Die Schuld der anderen

Roman

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Die Schuld der anderen — Inhalt

Zehn Zeilen – mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.

 

€ 22,99 [D], € 23,70 [A]
Erschienen am 19.01.2015
496 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-8270-1227-2
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 01.09.2016
496 Seiten, Broschur
EAN 978-3-8333-1043-0
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 19.01.2015
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-8270-7766-0
»Ein ungeheuer intelligentes und spannendes Buch, das die französischen Verhältnisse der jüngeren Vergangenheit offenlegt. […]. Ein echter Literaturdiamant, der durch seine vielen Facetten unglaublich viele Perspektiven des französischen Lebens und vieles, was in Frankreich vor sich geht, verständlich macht und zudem echte Spannung erzeugt.«
Eschborner Zeitung
»In diesem gelungenen Kriminalroman stellt Autorin Lustiger mehr Fragen als Antworten. Es ist ein außergewöhnlich gutes Puzzle, das fast alle Seiten der gesellschaftlich kranken Grande Nation beleuchtet. Spannend geschrieben, voller Überraschungen ist dieser Kriminalroman, der auf die problematische Entwicklung dieses Landes aufmerksam macht und damit eines der wirklich wichtigen Bücher über das heutige Frankreich ist.«
Jüdisches Europa
»Lustiger schreibt in ihrem Krimi auch über die antisemitische Haltung muslimischer Jugendlicher in Paris. Und definiert ein Täter-Profil von sich ausgegrenzt fühlenden Kleinkriminellen, anfällig für Radikalisierung und Verurteilung dessen, was Europa Freiheit nennt, als 'Dekadenz'.«
Allgemeine Zeitung
»Ein faszinierender Gesellschaftsroman, der ein sehr authentisches und ungeschminktes Porträt der 'Grande Nation' entwirft und den Leser bis zur letzten Seite in seinen Bann zieht.«
Rundschau Süd
»'Die Schuld der anderen' wirft einen so unbestechlichen wie entlarvenden Blick auf die Verfilzungen der Grande Nation, wie dies derzeit vielleicht nur noch Michel Houellebecq wagt.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Was als Kriminalgeschichte beginnt, wird zum Polit-Thriller und detaillierten und faszinierenden Tableau einer Gesellschaft und eine Landes - ohne beide zu verurteilen.«
Die Rheinpfalz
»'Die Schuld der Anderen' räumt erbarmungslos auf mit der Illusion, dass das Gute irgendwann siegt und ein Menschen zugleich moralisch und mächtig sein kann. Gila Lustiger hat mit Engagement, literarischem Können und präzise recherchierten Fakten einen großen Gesellschaftsroman geschrieben, in dem Frankreich das Modell abgibt für den Zustand europäischer Demokratien in wirtschaftsliberalen Zeiten. 'Die Schuld der Anderen' postuliert engagiert eine gerechte Welt - und verhandelt literarisch überzeugend die brennenden Fragen unserer Zeit.«
Deutschlandradio Kultur "Frühkritik"
»Was ist Gerechtigkeit? Was ist Schuld? Und Strafe? Gila Lustiger erzählt uns von einen Mann, der sich in der Verfolgung seines Ideals immer tiefer verstrickt und am Ende von denen geschont wird, den er ans Leder wollte.«
Bayerisches Fernsehen "LeseZeichen"
»Für die Erzählung der haarsträubenden Geschichte hat sie zuvor eine geschickte Balance zwischen Dokumentation und Reißer gefunden, mit plausiblen Charakteren und atmosphärisch starken Momenten. […]. Die Handlung, zu der natürlich auch ein Schuss Erotik und Beziehungsstress gehört, bleibt jederzeit transparent für Lustigers eigentliches Anliegen: ein Porträt der französischen Gegenwartsgesellschaft zu zeichnen, in der die Verflechtungen von Geld und Macht, der Primat der Ökonomie vor der Politik und die wachsende Kluft zwischen Herrschenden und Randständigen wiederum globale Konstellationen abbilden.«
Süddeutsche Zeitung
»Recht eigentlich ist 'Die Schuld der anderen' aber weit mehr als ein Thriller, nämlich ein Gesellschaftsroman über das heutige Frankreich.«.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»'Die Schuld der anderen' befasst sich mit dem Frankreich der Jetztzeit und analysiert schonungslos die Kluft die die Gesellschaft immer weiter spaltet.«
SR 2 BücherLese
»Rasant, spannend, informativ. [...] Ein Protagonist, der einem unter die Haut geht. Und was den Krimi angeht: alles drin, alles dran.«
WDR 5
»Für mich ist es das Buch des Frühjahrs. Also, wenn Sie nur eins kaufen, dann kaufen Sie von Gila Lustiger 'Die Schuld der anderen'!«
ARD Frühstücksbuffet
»Mit ihrem Roman legt Autorin Gila Lustiger eine komplexe aber stets souverän beherrschte Intrige an, die nicht in Schwarz-Weiß-Konturen stagniert, sondern spannende Zwischentöne in der französischen Gesellschaft darstellt.«
Deutschlandfunk "Büchermarkt"
»Gila Lustigers neuer Roman 'Die Schuld der Anderen' spielt virtuos mit Versatzstücken des Kriminalromans - und erweist sich dabei als großer analytischer Gesellschaftsroman französischer Verhältnisse.«
WDR 5 "Buch der Woche"
»In 'Die Schuld der anderen' thematisiert die deutsche Schriftstellerin Gila Lustiger zahlreiche gesellschaftliche Probleme Frankreichs. 'Ich hatte das Gefühl, dass ich das Land, in dem ich lebe, nicht mehr verstehe', beschreibt die Wahlpariserin ihre Motivation für das Buch. Trotzdem wolle sie damit die französische Gesellschaft nicht niedermachen.«
Deutschlandfunk "Büchermarkt"
»'Die Schuld der anderen' – ein Kriminalroman, der die Welt erklärt.«
ARD druckfrisch
»'Die Schuld der anderen' ist die Geschichte einer Recherche, auch eine Familiengeschichte, eine Wirtschafts- und Politstory. Gila Lustiger beschreibt sehr genau die sich verändernde französische Gesellschaft. Sie war in den Vorstädten, Vorstandsetagen, Rathäusern und Parlamenten. Ihre Figuren sind vielschichtig, voller Fehler und Widersprüche, einfach menschlich und Marc ist – trotz seiner Schwächen – ausgesprochen sympathisch. Dieses Buch ist faszinierend, sprachlich ein Genuss. Ein Frankreich-Roman, der genau in diese Zeit passt.«
rbb Inforadio
»Mit Lust am scharfen Denken inszeniert [Gila Lustiger] einen gesellschaftlichen Diskurs, lässt uns an Widersprüchen und Emotionen ihrer Figuren teilhaben. Das macht diese so lebendig und den Roman, der in vielen Details auf Fakten beruht, so überzeugend. 'Die Schuld der Anderen' postuliert Menschlichkeit, verhandelt die brennenden Fragen unserer Zeit und ist ein gelungenes Beispiel für die Relevanz des Romans.«
Deutschlandradio Kultur "Buchkritik"
»Die Schuld der anderen‘ ist ein sehr komplexer Polit- und Wirtschaftsthriller. Er hat mir deshalb auch so gut gefallen, weil Gila Lustiger abseits dieser wirklich hochinteressanten Story, die auf einem wahren Fall beruht, auch immer wieder einstreut das Verhältnis zwischen Mann und Frau, über das Leben in der französischen Provinz und auch immer wieder Seitenlichter wirft auf Rassismus, auf Toleranz und auf den Antisemitismus, den es in Frankreich gab und gibt. Und das macht dieses Buch für mich so ganz besonders und hebt es über einen normalen Thriller sehr hinaus.«
Deutschlandradio Kultur "Lesart"
»Gila Lustiger ist mit ihrem neuen, fast 500 Seiten langen Opus ein packender, spannender Roman gelungen. Die sonst eher ruhige Kammerspielautorin probiert mit 'Die Schuld der anderen' eine für sie neue Gattung aus: den Krimi. Mit großem Gespür taucht Gila Lustiger ein in die Abgründe der französischen Gesellschaft der 80er-Jahre und deckt schonungslos die bleibend brüchigen Seiten des Landes auf. Gelungen ist ihr das mit Stil, Eleganz und einer dichten Sprache.«
NDR Kultur "Lesezeit"
»Der in Paris lebenden Autorin gelingt ein faszinierend-komplexer Politthriller im Stil von Dominique Manotti.«
BÜCHERmagazin

Leseprobe zu »Die Schuld der anderen«

1.
Es hatte ununterbrochen geregnet, doch schon in den frühen Morgenstunden war sämtliche Feuchtigkeit wieder verdunstet. Paris, für Sonne geradezu erschaffen, strahlte unter einem makellos blauen Himmel. Das Licht tanzte auf dem Fluss, während ein Boot voller träger, selbstvergessener Touristen vorbeizog und unter einer Brücke hindurchglitt. Die Ufermauern waren wie weiß gewaschen. Überhaupt schien dieses Vormittagslicht alle Farben zu schlucken. Nur noch hell, dunkel, Weiß, Ocker, Blau. Und dort, bei den akkurat gepflanzten Bäumen neben der Mauer des [...]

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1.
Es hatte ununterbrochen geregnet, doch schon in den frühen Morgenstunden war sämtliche Feuchtigkeit wieder verdunstet. Paris, für Sonne geradezu erschaffen, strahlte unter einem makellos blauen Himmel. Das Licht tanzte auf dem Fluss, während ein Boot voller träger, selbstvergessener Touristen vorbeizog und unter einer Brücke hindurchglitt. Die Ufermauern waren wie weiß gewaschen. Überhaupt schien dieses Vormittagslicht alle Farben zu schlucken. Nur noch hell, dunkel, Weiß, Ocker, Blau. Und dort, bei den akkurat gepflanzten Bäumen neben der Mauer des Seineufers, ein paar Flecken Grün.
Marc ließ den Blick zum Quai weiterschweifen. Autos, Lieferwagen, Busse, Motorradfahrer: Ungeduld, wie immer. Noch war der Verkehr fast flüssig und dennoch war das Geräusch, das die Reifen auf dem Pflaster der Uferstraße machten, so ohrenbetäubend, dass Pierre, der neben ihm schritt, sein Telefongespräch mit Simone mehrmals unterbrechen musste, um auf das Rot für die Autofahrer zu warten. Er hörte, wie Pierre seine Sekretärin damit beauftragte, einen jungen Journalisten namens Stan zum Palais Bourbon, dem Sitz der Assemblée nationale, zu schicken, weil dort Landwirte demonstrierten. Natürlich hätte Pierre den zuständigen Redakteur auch direkt anrufen können, aber alles lief beharrlich über Simone, die, obwohl erst Ende zwanzig, eine Art Mutterrolle für ihn übernommen hatte.
Ein roter Touristenbus füllte aus ihrer Perspektive die ganze Spannweite der Arkade des Louvre aus und rollte, als die Ampel auf Grün umsprang, gemächlich an ihnen vorbei. Ein paar helle Gesichter mit überdimensionierten Sonnenbrillen wandten sich ihnen vom offenen Oberdeck aus zu, musterten sie, als seien sie beide eine weitere Attraktion dieser an Attraktionen so grenzenlosen Stadt. Ein Kind winkte, und er winkte zurück, während Pierre seiner Sekretärin auseinandersetzte, warum er den Landwirten, die nun schon zum vierten Mal in diesem Jahr demonstrierten und gerade Obst und Kuhmist vor dem Parlament auszuschütten gedachten, höchstens zehn Zeilen zukommen lassen wollte.
»In den Acht-Uhr-Nachrichten kriegen die so kurz vor den Sommerferien höchstens dreißig Sekunden«, sagte Pierre, und er, Marc, wusste, dass er sich nicht vor Simone, sondern wegen seines schlechten Gewissens zu rechtfertigen versuchte und dass die geduldige, die freundliche Simone, schon das Nötige erwidern würde, damit Pierre, sein Chefredakteur, wohlgelaunt den Nachmittag in Angriff nehmen konnte. Der Bus rumpelte über die Brücke und bog rechts ab zum Musée d’Orsay. Ein Inder oder Pakistani, der im Schatten der Arkaden sein Geschäft aufgebaut hatte, bestehend aus einem mit Eiswürfeln und Getränken gefüllten Kübel, streckte ihm eine Wasserflasche zu horrenden fünf Euro entgegen. Marc kannte ihn. Er war ihm schon mehrmals begegnet. Im Herbst verkaufte er vor dem Louvre Regenschirme Made in China, und abends streifte er durch die umliegenden Terrassen und versuchte, verliebt dreinblickenden Paaren Rosen aus Holland anzudrehen. Marc winkte ab, und der Mann mit den großen Zähnen und dem pechschwarzen Haar legte seine Wasserflasche wieder in den Kübel und hielt nach Touristen Ausschau.
Es war kurz vor halb eins. Ein jeder eilte seinem Ziel zu, nur er, Marc Rappaport, schlenderte über eine Brücke und nahm sich Zeit zu schauen. Es war kurz vor halb eins, und ihm gehörten die Brücke, die Bäume, das Ufer und dieses Trottoir, auf dem die Sonne jeden Schatten verdrängte und wo alles im gleißenden Mittagslicht miteinander verschmolz.
Eigentlich hatten sie wie jeden Dienstag bei Lipp essen wollen, aber die CRS hatten in Erwartung der Kuhmist-Demo den gesamten Boulevard St. Germain abgesperrt. Marc hatte vierzehn Einsatzfahrzeuge gezählt. Aus den Augenwinkeln hatte er verfolgt, wie die Polizisten vom Viertel Besitz nahmen, aus den Bussen stiegen, sich mit Helm, Polycarbonat-Schildern und Schlagstöcken bewehrt aufbauten, so die Straße verriegelten und auf den Einsatzbefehl warteten, alle mit dieser unverkennbaren Spannung im Gesicht. Beide hassten sie die Männer in Dunkelblau und hatten kurzweg beschlossen, in einen anderen Stadtteil auszuweichen. Sie hassten die Art, wie sie sich aufstellten, sich Kommandos zuriefen, miteinander redeten, dieses ganze militärische, durchtrainierte Gehabe. Sie sahen sie, wie nur ehemalige Sympathisanten der autonomen Szene sie sehen konnten, die sich in ihrer Jugend selbst kleine Scharmützel mit der Staatsgewalt geliefert hatten und die nun den Umstand, dass man sie einfach so passieren ließ, ohne auch nur nach ihren Ausweisen zu fragen, als besonders schmerzliche Beleidigung empfanden. Älter werden, das ließ sich nicht vermeiden, aber nun waren sie, gerade einmal knapp über vierzig, an einem Punkt angelangt, an dem sie in ihren dunkelgrauen Designerklamotten mindestens so harmlos wirkten wie ihre Väter früher in ihren Anzügen.
»Schick auch jemanden hin, der ein paar Fotos macht, zur Sicherheit, falls das doch irgendwie ausartet«, sagte Pierre zu Simone und warf ihm einen kurzen Blick zu. »Wohin gehen wir eigentlich?«
»In die Rue Sainte-Anne«, sagte Marc.
Noch vor ein paar Jahren hätte das bedeutet, einen der zahllosen Massagesalons aufsuchen zu wollen, die dort reihenweise ihre Dienste angeboten hatten. Aber eine Stadt verändert sich, wie schon Baudelaire bemerkt hatte, schneller als ein Menschenherz. Die Schwulenclubs hatten geschlossen, und aus irgendeinem unerklärbaren Grund hatten vor allem japanische Restaurants das Quartier übernommen.

 

2.
Die Prostituierte hieß Emilie Thevenin, das zu erfahren hatte ihn eine gute halbe Stunde Telefonrecherche gekostet. Es war eine von diesen Informationen, die er nicht unbedingt zu verwenden gedachte. Denn wen interessierte der wirkliche Name einer Hure, die vor dreißig Jahren erdrosselt worden war? Und dennoch gehörten für ihn zu jeder seiner Geschichten auch Namen. Andere hätten sich damit begnügt, Emilie »das Opfer« zu nennen, aber die anderen waren auch nicht so gut wie er.
Sie war nicht älter als neunzehn geworden. Und obwohl er eigentlich nur von ihr wusste, dass sie mit achtzehn aus einer Kleinstadt nach Paris gekommen war, um Geschichte an der Sorbonne zu studieren, hätte er nun bis ins Detail genau beschreiben können, wie das alles abgelaufen war. Wie sie sich neben dem Studium als Verkäuferin oder Kellnerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen versucht. Wie sie an irgendeinem Wochenende in irgendeiner Disco irgendeine alte Freundin wiedertrifft. Wie sie sich beschwatzen lässt, es wenigstens ein Mal zu probieren. Sie solle doch keine große Sache daraus machen und das Thema einmal nüchtern angehen. Ob sie sich denn wirklich von Montag bis Samstag herumkommandieren lassen wolle? Das sei doch völlig unlogisch, sich für ein kümmerliches Gehalt derart abzuschinden. Was denn schon dabei sei, ein paar gutsituierten Geschäftsmännern zum Orgasmus zu verhelfen und mit ihnen, sozusagen als Escort-Bonus, außerdem noch guten Wein und gute Küche zu genießen? Ob sie sich etwa für den Einzigen aufsparen wolle? Na also. Wie sie sich am Ende selbst davon überzeugt, sogar stolz darauf zu sein. Nein, sie ist nicht eine von diesen unglücklich hineingeschlitterten Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Sie nicht. Sie vögelt freiwillig, gegen eine finanzielle Zuwendung, die sich stattlich nennen kann. Denn sie ist jung, gebildet (zweites Semester Geschichte), Französin, hübsch. Und wer da etwas zu beanstanden hat, ist sowieso nur ein kleiner Spießer. Ein makelloser Frauenkörper, die unbestreitbare jugendliche Frische und Naivität, die ihr ein leicht verdientes Geld verschaffen, dazu die völlig selbstbestimmte Zeiteinteilung, ja, daran kann sie sich schnell gewöhnen. Und es hätte noch ein, zwei Jahre so weitergehen können, vielleicht sogar länger, hätte sie nicht an einem späten Nachmittag im Mai der Banklehrling Gilles Neuhart erdrosselt. Geschlagen, gefesselt, missbraucht, stranguliert.
Getötet.

 

3.
Sie hatten die Misosuppe ausgeschlürft und machten sich gerade an den mit einer schlappen Gurkenscheibe verzierten Krautsalat. Bis zum Sushi würde er Pierre, seinen Freund aus Jugendzeiten und heutigen Chefredakteur, überzeugt haben müssen, dass es sich lohnte, aus einer wenige Zeilen langen Meldung einen größeren Artikel zu machen. Die Meldung war unter einer furchtbar banalen Headline erschienen. Irgendwo auf Seite 4. Keine Autorenzeile.

 

Täter nach 27 Jahren gefasst
Nach Angaben der Kriminalpolizei ist es anhand einer DNA-Probe gelungen, einen 27 Jahre zurückliegenden Mordfall aufzuklären. 1984 war eine 19-jährige Prostituierte in einer sogenannten Modellwohnung auf dem Boulevard Edgar Quinet vergewaltigt und danach ermordet worden. Dank neuer kriminaltechnischer Untersuchungsmethoden führt die Spur nun zu einem 49-jährigen Bankangestellten. Der damals 21-Jährige soll die Prostituierte niedergeschlagen, vergewaltigt und mit einem Nylonstrumpf erdrosselt haben. »Nach umfangreichen DNA-Analysen gehen wir davon aus, dass es sich bei dem Beschuldigten um den Täter handelt«, bestätigte Kriminalkommissar Stefanaggi und fügte hinzu, dass die Polizei Hautschuppen auf dem Strumpf entdeckt habe, die dem mutmaßlichen Täter eindeutig zugeordnet werden können.

 

Natürlich wusste Marc, dass es zwecklos war, dennoch erzählte er Pierre, während dieser die geübten Handbewegungen des Kochs verfolgte und dabei zusah, wie auf einer Matte schwarz schimmernder Seetang ausgebreitet wurde, vom mutmaßlichen Mörder Gilles Neuhart.
Bis vor zwei Tagen hatte der Mann mit seiner Ehefrau und seiner neunzehnjährigen Tochter in einer Vierzimmerwohnung mit Balkon in Clamart ein stilles Leben geführt. Jeden Morgen war er mit dem Acht-Uhr-fünfunddreißig-Zug nach Paris gefahren, sieben Minuten später an der Gare Montparnasse ausgestiegen, nicht unweit übrigens von der Wohnung, in der er vor siebenundzwanzig Jahren die junge Emilie erdrosselt auf dem Bett zurückgelassen hatte. Hiernach hatte er die Metro Linie 4 nach Saint-Michel genommen, die ihn fast bis zu der Filiale der Bank brachte, in der er seit dreizehn Jahren ohne große Ambitionen seine Arbeit verrichtete. Fast täglich trank Neuhart, bevor er seinen Tag begann, an der Theke eines Cafés am Boulevard, einen Espresso und las dazu die Zeitung, kommentierte mit einem anderen Stammgast und dem Wirt das Weltgeschehen und schimpfte ein wenig auf die Regierung. Fast jeden Mittag aß er das Menü A beim Chinesen um die Ecke. Und trank fast jeden Abend, bevor er den Neunzehn-Uhr-eins- oder den Neunzehn-Uhr-sechzehn-Zug erwischte, ein Bier am Tresen eines der Bistros neben der Gare Montparnasse. Jeden Montag ging er mit einem Arbeitskollegen Tennis spielen. Jeden Dienstag mit seiner Tochter neben ihrer Uni zum Libanesen. Jeden Donnerstag mit seiner Frau nach der Arbeit ins Kino. Jeden ersten Freitag des Monats zum Friseur. So ging das nun dreizehn Jahre lang. Das gleiche Café, der gleiche Zug, die gleiche Zeitung, das gleiche Menü, der gleiche Friseur … Ein Leben erstarrt im Ritual. Und auch in der Bank hatte Neuhart seine kleinen Marotten gehabt. Die Zigarette um Punkt halb elf auf dem Bürgersteig zwischen Briefkasten und Blumenladen war eine davon gewesen. Überhaupt hatte Marc den Eindruck gewonnen, dass sich Neuharts Leben in viele kleine, sorgfältig geplante Augenblicke aufteilen ließ. Augenblicke, die man wiederum in Pflichten und schlichte Vergnügungen zergliedern konnte, die sich Neuhart mit der Akribie eines manischen Gewohnheitsmenschen gönnte.
Marc hatte ein wenig herumgeschnüffelt, viel telefoniert und herumgefragt, hatte Nachbarn und Arbeitskollegen abgeklappert. Er besaß einen guten Riecher für Geschichten, aus denen mehr herauszuholen war, und hier lag noch viel verborgen, er spürte so was. Er hatte sich den Schock zunutze gemacht – man erfuhr schließlich nicht alle Tage, dass man neben einem Mörder gelebt und gearbeitet hatte –, aber allseits war er auf das gleiche Unverständnis gestoßen. Neuhart galt als zuverlässiger Kollege. Als guter Nachbar. Führsorglicher Familienvater. Höflicher Kunde. Fairer Tennispartner. Einstimmig hätten sie alle schwören können, dass es sich in dem Fall um einen Justizirrtum handeln müsse. Nur dass eben eine DNA-Analyse nicht log.
Ein Langweiler. Ein Spießer. Ein freundlicher Familienmensch mit einem kleinen Geheimnis, einem kleinen Ausrutscher, einem kleinen Schnitzer in der Biographie: Mord. Ansonsten makellos.
Er hatte ein paar Schnappschüsse von Neuhart »organisiert«. Eine feinere Art zu sagen, dass er dessen digitalen Bilderrahmen vom Schreibtisch in der Bank entwendet hatte. Seit zwei Tagen schaute er nun schon in Gilles Neuharts Gesicht. Da stand er in seiner roten Badehose an einer Küste zwischen seiner Frau und seiner vier- oder fünfjährigen Tochter. Da saß er neben seiner Gattin einige Jahre später vor einem festlich gedeckten Tisch. Da streckte er den Arm aus und deutete stolz auf sein frisch erstandenes Auto. Da schmückte er einen Weihnachtsbaum. Und da hielt seine Tochter ein Meerschweinchen hoch, sang auf dem Klassenfest, lernte schwimmen mit seiner Hilfe. Und da schließlich das ganze Hochzeitsprogramm: Ankunft Bräutigam, Ankunft Braut, Ringübergabe, Hochzeitstorte.
Gilles Neuhart, ein Mann, der die letzten zwanzig Jahre das Objektiv so unschuldig angelächelt hatte, dass Marc es für seine professionelle Pflicht hielt, hinter das Geheimnis dieses Menschen zu kommen, der, hätte ihm einer noch vor drei Tagen ins Gesicht gesagt, sein Leben würde sich schon bald verändern, bestimmt nur ungläubig den Kopf geschüttelt hätte.

 

4.
»Aber wieso haben sie den Fall denn überhaupt wieder aufgenommen?«, fragte Pierre, nachdem Marc ihm erzählt hatte, was er wusste.
»Weil er noch ungelöst war.«
»Und er hat sie wirklich vor dreißig Jahren ermordet?«
»Vor siebenundzwanzig.«
Pierre runzelte skeptisch die Stirn.
»Und warum nehmen die einen Fall von vor siebenundzwanzig Jahren wieder auf?«
»Neuhart hat Spuren am Tatort hinterlassen, nur hatten sie damals noch nicht die technischen Mittel, um das auszuwerten.«
»Und er hat davor und danach nie gemordet?«
»Jedenfalls soweit bekannt ist, nicht.«
»Aber Moment mal, woher haben die denn seine DNA?«
Hier war er wieder, der Journalist, der nachhakte, nichts für bare Münze nahm.
»Er hat vor ein paar Wochen einen Gentest machen lassen, weil er eine Vaterschaft widerlegen wollte. Eine alte Flamme hat sich bei ihm gemeldet und behauptet, ihr siebzehnjähriger Sohn sei sein Kind. Seine Frau hat geheult und gedroht, sich scheiden zu lassen, und er ist sofort in ein Labor gerannt und hat eine Speichelprobe abgegeben.«
Pierre sah ihn ungläubig an. Und Marc ahnte, was seinem Freund durch den Kopf ging. Wie unglaublich das Leben war. Welche Streiche es einem spielte. Des Mordes überführt zu werden, weil man sich gegen eine Lüge zur Wehr setzen wollte.
»Ich wusste gar nicht, dass die Polizei zu solchen Analyseergebnissen Zugang hat.«
»Wenn du wüsstest, wozu die alles Zugang haben.«
»Und das war ein Privatlabor, sagst du?«
Marc entgegnete nichts, denn er bemerkte, dass Pierre drauf und dran war, einen Beschluss zu fassen. Er fuhr sich durchs Haar, so wie er es immer tat, wenn er eine Entscheidung traf oder eine Mitteilung zu machen hatte.
Na los, komm schon. Gib mir grünes Licht. Er sah zum Koch, der eine dünne Lage Reis auf dem Tang glattstrich, sie mit Gurkenstreifen belegte, mit Sesam bestreute. Lage um Lage arbeitete der Mann sich vor, bis er alles aufrollte und in gleich große Stücke schnitt.
»Also was denkst du?«, fragte er und sah, wie Pierres Mund harte Züge annahm.
Wenn Pierre nachgab und sich im gleichen Augenblick vorwarf, wieder mal viel zu weich für seine neue Stellung zu sein, verschloss sich sein Gesicht. Doch noch kapitulierte er nicht, noch haderte er mit diesem Job, der die Unannehmlichkeit mit sich brachte, nicht einmal mittags beim Japaner in Ruhe gelassen zu werden. Das Hauptgericht wurde serviert, und er entschied, die Diskussion auch deshalb aufzuschieben, weil er Hunger hatte. Schweigend machten sie sich über das Essen her. Es war heiß und stickig im Lokal. Wie dumm, in ein Restaurant ohne Klimaanlage gegangen zu sein. Nur dass es eben in der ganzen Gegend kein einziges Lokal mit Klimaanlage gab. Und auf einer überfüllten Terrasse auf einen überforderten Kellner zu warten, der sich mit einem Tablett den Weg durch die Tischreihen zu bahnen versuchte, dazu hatten sie beide keine Zeit.
Den ganzen Tag über hatte Marc geschwitzt. Stehend, liegend, sitzend, in der Metro, im Büro, bei der Redaktionssitzung und nun hier. Normalerweise herrschte um diese Zeit in der Rue Sainte-Anne reges Treiben, aber heute waren selbst in ihrem Restaurant, das als gut galt, der Himmel wusste, warum, nur zwei Tische besetzt. Sobald es warm wurde, trieb es die Pariser aufs Land. Kaum ging es aufs Wochenende zu, stürmten sie aus ihren Wohnungen und überließen die Stadt den Tauben, dem Staub und den um diese Jahreszeit stetig wachsenden Touristenschwärmen.
Marc spähte zum Gastwirt hinüber, einem gedrungenen Asiaten mit alterslosem Gesicht, schaute ihm dabei zu, wie auch er die Menschen beobachtete, die an seiner Tür vorbeizogen. In regelmäßigen Abständen wechselte er besorgte Blicke mit seiner Frau, die an der Kasse stand. Nur der Koch arbeitete stetig, in ruhigem Fluss, mit gleichmäßigen, harmonischen Bewegungen, so als bereite er nicht Mahlzeiten für eine sich nun rar machende Klientel vor, sondern als gebe er sich einer Meditation hin.
»Kann ich?«, noch während er das Paar am Nachbartisch fragte, richtete Pierre sich leicht auf und griff nach der Sojasoße.
»Natürlich«, erwiderte die Frau und lächelte ihm zu, aber Pierre hatte das Interesse an ihr schon wieder verloren.
»Du willst also über ihn recherchieren?«
»Ja«, sagte Marc und studierte einem Instinkt gehorchend das Paar: ihre Gesten, die Haltung, das Gesicht. Wie die meisten arbeitenden Menschen waren beide mit unauffälliger Konfektionsware gekleidet. Nur die Handtasche der blonden Frau sah teuer aus. Gutes, gegerbtes dunkelgrünes Leder. Jede Wette, ein Weihnachtsgeschenk.
»Du hast doch bestimmt schon recherchiert und nichts gefunden, oder?«
Die Frau blätterte in einem Magazin, während ihr Freund sein Handy bediente. Vielleicht waren sie ja auch nur Arbeitskollegen. Das hoffte er zumindest.
»Wie kommst du überhaupt darauf, dass die Geschichte etwas wert ist?«
Offen gestanden, war er selbst vom journalistischen Wert solch einer Geschichte nicht überzeugt. Eine Zeitung hatte auf vierzig Seiten aus der Welt zu berichten. Für einen Gilles Neuhart, seine Motivationen, Bedenken und Skrupel, war angesichts der politischen und sozialen Turbulenzen eigentlich kein Platz. Schon die siebzehn Zeilen lange Meldung, die Marc in einem überheizten Großraumbüro voller verkniffener Gestalten vor flimmernden Monitoren geschrieben hatte, war der Ehre genug. Gewissenhaft hatte er die entscheidenden fünf Fragen abzuhaken versucht.
Wer? Gilles Neuhart.
Wo? In einer Modellwohnung an der Gare Montparnasse.
Wann? In den frühen Achtzigern.
Was? Mord.
Warum?
Warum, warum … Du immer mit deinem Warum, hätte sein Großvater ausgerufen. Mit warum kommt man nicht weiter. Mit warum kann man sich nichts kaufen. Damit kriegt man keine Frau, zeugt keine Nachkommen, erobert man nicht die Welt … Bloß dass Marc gar nicht vorhatte, die Welt zu erobern, jedenfalls nicht so wie sein Großvater mütterlicherseits sich das für ihn in allen Details ausgemalt hatte. Er hatte es auch gar nicht nötig. Denn ganz im Gegensatz zu seinem Aufsteiger von Ahnherr, hatte Marc seine Umgangsformen im gediegenen Neuilly gelernt. Er war fernab der sozialen Brennpunkte aufgewachsen, fernab von Lärm, Schmutz und Gewalt. Selbst die Sorgen hatten hier, kratzte man nicht weiter am Lack, ein stilvolles Erscheinungsbild.
Interessierte er sich deshalb für Neuhart, weil ihn das Leben, das sich dieser mit manischer Akribie zu erschaffen versucht hatte, an die Gleichförmigkeit seiner Kindheit erinnerte? Forschte er deshalb nach dem Motiv, einer Zäsur, der Bruchstelle, dem Warum?
Aus welchem Grund erdrosselt ein unbescholtener junger Mensch eine Prostituierte? Wie überhaupt trifft ein erfolgreiches Escort-Girl solch einen Mann? Woher hat er das Geld, sich so eine Frau zu leisten? Und warum, warum, warum erdrosselt er sie, statt sich mit ihr zu vergnügen? Hatte sie sich über ihn lustig gemacht? Nichts, was er über Neuhart in Erfahrung gebracht hatte, ließ darauf schließen, dass er einer von diesen aufbrausenden, unbeherrschten Typen war, der eine Frau im Affekt tötete. Aber wenn der Auslöser nicht Wut gewesen war, was dann? Genau das würde er herauszufinden versuchen.

Gila Lustiger

Über Gila Lustiger

Biografie

Gila Lustiger wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Germanistik und Komparatistik an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1987 lebt sie als freie Autorin in Paris. Ihr erster Roman, »Die Bestandsaufnahme«, erschien 1995, dann 1997 »Aus einer schönen Welt«. Mit »So sind...

Pressestimmen

Eschborner Zeitung

»Ein ungeheuer intelligentes und spannendes Buch, das die französischen Verhältnisse der jüngeren Vergangenheit offenlegt. […]. Ein echter Literaturdiamant, der durch seine vielen Facetten unglaublich viele Perspektiven des französischen Lebens und vieles, was in Frankreich vor sich geht, verständlich macht und zudem echte Spannung erzeugt.«

Jüdisches Europa

»In diesem gelungenen Kriminalroman stellt Autorin Lustiger mehr Fragen als Antworten. Es ist ein außergewöhnlich gutes Puzzle, das fast alle Seiten der gesellschaftlich kranken Grande Nation beleuchtet. Spannend geschrieben, voller Überraschungen ist dieser Kriminalroman, der auf die problematische Entwicklung dieses Landes aufmerksam macht und damit eines der wirklich wichtigen Bücher über das heutige Frankreich ist.«

Allgemeine Zeitung

»Lustiger schreibt in ihrem Krimi auch über die antisemitische Haltung muslimischer Jugendlicher in Paris. Und definiert ein Täter-Profil von sich ausgegrenzt fühlenden Kleinkriminellen, anfällig für Radikalisierung und Verurteilung dessen, was Europa Freiheit nennt, als 'Dekadenz'.«

Rundschau Süd

»Ein faszinierender Gesellschaftsroman, der ein sehr authentisches und ungeschminktes Porträt der 'Grande Nation' entwirft und den Leser bis zur letzten Seite in seinen Bann zieht.«

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»'Die Schuld der anderen' wirft einen so unbestechlichen wie entlarvenden Blick auf die Verfilzungen der Grande Nation, wie dies derzeit vielleicht nur noch Michel Houellebecq wagt.«

Die Rheinpfalz

»Was als Kriminalgeschichte beginnt, wird zum Polit-Thriller und detaillierten und faszinierenden Tableau einer Gesellschaft und eine Landes - ohne beide zu verurteilen.«

Deutschlandradio Kultur "Frühkritik"

»'Die Schuld der Anderen' räumt erbarmungslos auf mit der Illusion, dass das Gute irgendwann siegt und ein Menschen zugleich moralisch und mächtig sein kann. Gila Lustiger hat mit Engagement, literarischem Können und präzise recherchierten Fakten einen großen Gesellschaftsroman geschrieben, in dem Frankreich das Modell abgibt für den Zustand europäischer Demokratien in wirtschaftsliberalen Zeiten. 'Die Schuld der Anderen' postuliert engagiert eine gerechte Welt - und verhandelt literarisch überzeugend die brennenden Fragen unserer Zeit.«

Bayerisches Fernsehen "LeseZeichen"

»Was ist Gerechtigkeit? Was ist Schuld? Und Strafe? Gila Lustiger erzählt uns von einen Mann, der sich in der Verfolgung seines Ideals immer tiefer verstrickt und am Ende von denen geschont wird, den er ans Leder wollte.«

Süddeutsche Zeitung

»Für die Erzählung der haarsträubenden Geschichte hat sie zuvor eine geschickte Balance zwischen Dokumentation und Reißer gefunden, mit plausiblen Charakteren und atmosphärisch starken Momenten. […]. Die Handlung, zu der natürlich auch ein Schuss Erotik und Beziehungsstress gehört, bleibt jederzeit transparent für Lustigers eigentliches Anliegen: ein Porträt der französischen Gegenwartsgesellschaft zu zeichnen, in der die Verflechtungen von Geld und Macht, der Primat der Ökonomie vor der Politik und die wachsende Kluft zwischen Herrschenden und Randständigen wiederum globale Konstellationen abbilden.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Recht eigentlich ist 'Die Schuld der anderen' aber weit mehr als ein Thriller, nämlich ein Gesellschaftsroman über das heutige Frankreich.«.

SR 2 BücherLese

»'Die Schuld der anderen' befasst sich mit dem Frankreich der Jetztzeit und analysiert schonungslos die Kluft die die Gesellschaft immer weiter spaltet.«

WDR 5

»Rasant, spannend, informativ. [...] Ein Protagonist, der einem unter die Haut geht. Und was den Krimi angeht: alles drin, alles dran.«

ARD Frühstücksbuffet

»Für mich ist es das Buch des Frühjahrs. Also, wenn Sie nur eins kaufen, dann kaufen Sie von Gila Lustiger 'Die Schuld der anderen'!«

Deutschlandfunk "Büchermarkt"

»Mit ihrem Roman legt Autorin Gila Lustiger eine komplexe aber stets souverän beherrschte Intrige an, die nicht in Schwarz-Weiß-Konturen stagniert, sondern spannende Zwischentöne in der französischen Gesellschaft darstellt.«

WDR 5 "Buch der Woche"

»Gila Lustigers neuer Roman 'Die Schuld der Anderen' spielt virtuos mit Versatzstücken des Kriminalromans - und erweist sich dabei als großer analytischer Gesellschaftsroman französischer Verhältnisse.«

Deutschlandfunk "Büchermarkt"

»In 'Die Schuld der anderen' thematisiert die deutsche Schriftstellerin Gila Lustiger zahlreiche gesellschaftliche Probleme Frankreichs. 'Ich hatte das Gefühl, dass ich das Land, in dem ich lebe, nicht mehr verstehe', beschreibt die Wahlpariserin ihre Motivation für das Buch. Trotzdem wolle sie damit die französische Gesellschaft nicht niedermachen.«

ARD druckfrisch

»'Die Schuld der anderen' – ein Kriminalroman, der die Welt erklärt.«

rbb Inforadio

»'Die Schuld der anderen' ist die Geschichte einer Recherche, auch eine Familiengeschichte, eine Wirtschafts- und Politstory. Gila Lustiger beschreibt sehr genau die sich verändernde französische Gesellschaft. Sie war in den Vorstädten, Vorstandsetagen, Rathäusern und Parlamenten. Ihre Figuren sind vielschichtig, voller Fehler und Widersprüche, einfach menschlich und Marc ist – trotz seiner Schwächen – ausgesprochen sympathisch. Dieses Buch ist faszinierend, sprachlich ein Genuss. Ein Frankreich-Roman, der genau in diese Zeit passt.«

Deutschlandradio Kultur "Buchkritik"

»Mit Lust am scharfen Denken inszeniert [Gila Lustiger] einen gesellschaftlichen Diskurs, lässt uns an Widersprüchen und Emotionen ihrer Figuren teilhaben. Das macht diese so lebendig und den Roman, der in vielen Details auf Fakten beruht, so überzeugend. 'Die Schuld der Anderen' postuliert Menschlichkeit, verhandelt die brennenden Fragen unserer Zeit und ist ein gelungenes Beispiel für die Relevanz des Romans.«

Deutschlandradio Kultur "Lesart"

»Die Schuld der anderen‘ ist ein sehr komplexer Polit- und Wirtschaftsthriller. Er hat mir deshalb auch so gut gefallen, weil Gila Lustiger abseits dieser wirklich hochinteressanten Story, die auf einem wahren Fall beruht, auch immer wieder einstreut das Verhältnis zwischen Mann und Frau, über das Leben in der französischen Provinz und auch immer wieder Seitenlichter wirft auf Rassismus, auf Toleranz und auf den Antisemitismus, den es in Frankreich gab und gibt. Und das macht dieses Buch für mich so ganz besonders und hebt es über einen normalen Thriller sehr hinaus.«

NDR Kultur "Lesezeit"

»Gila Lustiger ist mit ihrem neuen, fast 500 Seiten langen Opus ein packender, spannender Roman gelungen. Die sonst eher ruhige Kammerspielautorin probiert mit 'Die Schuld der anderen' eine für sie neue Gattung aus: den Krimi. Mit großem Gespür taucht Gila Lustiger ein in die Abgründe der französischen Gesellschaft der 80er-Jahre und deckt schonungslos die bleibend brüchigen Seiten des Landes auf. Gelungen ist ihr das mit Stil, Eleganz und einer dichten Sprache.«

BÜCHERmagazin

»Der in Paris lebenden Autorin gelingt ein faszinierend-komplexer Politthriller im Stil von Dominique Manotti.«

General-Anzeiger

»Raffiniert vielschichtig.«

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