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Der Tätowierer von AuschwitzDer Tätowierer von Auschwitz

Der Tätowierer von Auschwitz

Die wahre Geschichte des Lale Sokolov

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Der Tätowierer von Auschwitz — Inhalt

Eine Geschichte von Menschlichkeit, Mut, Liebe und Hoffnung

1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben.
Dann, eines Tages, tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens – und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Eindringlich erzählt Heather Morris die bewegende, wahre Geschichte von Lale und Gita, die den Glauben an Mut, Liebe und Menschlichkeit nie verloren.

  • Die wahre Geschichte eines Holocaust-Überlebenden
  • »Ein Buch, das nicht nur von den Schrecken des Holocaust erzählt, sondern auch von tiefer Liebe.« STERN ONLINE
  • Für Leser von „Schindlers Liste“ und „Der Junge mit dem gestreiften Pyjama“
€ 16,00 [D], € 16,50 [A]
Erschienen am 01.08.2018
Übersetzt von: Elsbeth Ranke
304 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06137-7
€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erschienen am 01.08.2018
Übersetzt von: Elsbeth Ranke
304 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99264-0

Leseprobe zu »Der Tätowierer von Auschwitz«

Prolog

Lale versucht, nicht aufzublicken. Er greift nach dem Zettel, der ihm gereicht wird. Die fünf Ziffern darauf muss er auf das Mädchen übertragen, das ihn in der Hand hält. Da ist schon eine Nummer, aber die ist verblasst. Er drückt die Nadel in ihren linken Arm, formt eine 3, wobei er versucht, möglichst vorsichtig zu sein. Blut quillt hervor. Aber die Nadel war noch nicht tief genug eingedrungen, er muss die Nummer noch einmal zeichnen. Lale weiß, wie weh er ihr tut, aber sie zuckt nicht einmal. Sie haben sie gewarnt – sagt nichts, tut nichts. [...]

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Prolog

Lale versucht, nicht aufzublicken. Er greift nach dem Zettel, der ihm gereicht wird. Die fünf Ziffern darauf muss er auf das Mädchen übertragen, das ihn in der Hand hält. Da ist schon eine Nummer, aber die ist verblasst. Er drückt die Nadel in ihren linken Arm, formt eine 3, wobei er versucht, möglichst vorsichtig zu sein. Blut quillt hervor. Aber die Nadel war noch nicht tief genug eingedrungen, er muss die Nummer noch einmal zeichnen. Lale weiß, wie weh er ihr tut, aber sie zuckt nicht einmal. Sie haben sie gewarnt – sagt nichts, tut nichts. Er wischt das Blut ab und reibt grüne Tinte in die Wunde.

»Beeil dich!«, flüstert Pepan.

Lale braucht zu lange. Männerarme zu tätowieren, ist eine Sache; aber die Körper von jungen Mädchen zu verunstalten, ist einfach furchtbar. Im Aufblicken sieht Lale einen Mann im weißen Kittel langsam an der Reihe Mädchen entlanggehen. Hin und wieder bleibt er stehen und inspiziert Gesicht und Körper einer verängstigten jungen Frau. Schließlich ist er bei Lale. Während Lale dem Mädchen so sanft wie möglich den Arm hält, nimmt der Mann ihr Gesicht und dreht es grob nach rechts und links. Lale sieht zu ihren angstvollen Augen auf. Ihre Lippen zucken, als wollte sie etwas sagen. Lale drückt ihr sachte den Arm, um sie davon abzuhalten. Sie schaut zu ihm, mit den Lippen formt er ein Schsch. Der Mann im weißen Kittel lässt ihr Gesicht los und geht weiter.

»Gut so«, flüstert er, als er sich ans Tätowieren der übrigen vier Ziffern macht – 4 9 0 2. Als er fertig ist, behält er ihren Arm einen Augenblick länger in der Hand als nötig und sieht ihr wieder in die Augen. Er zwingt sich zu einem kleinen Lächeln. Sie erwidert ein noch kleineres. Trotzdem tanzen ihre Augen vor ihm. Als er in sie hineinblickt, ist es, als würde sein Herz gleichzeitig stehen bleiben und zum ersten Mal schlagen, hämmern, fast als würde es ihm gleich die Brust sprengen. Er blickt auf den Boden, der unter ihm schwankt. Der nächste Zettel wird ihm gereicht.

»Beeil dich!«, flüstert Pepan drängend.

Als er wieder aufblickt, ist sie weg.


Kapitel 1

April 1942

Lale rattert durch die Landschaft, er hält den Kopf hoch und bleibt für sich. Er weiß nicht, warum er Bekanntschaft machen sollte mit dem Mann neben sich, der gelegentlich an seiner Schulter einnickt; Lale schiebt ihn nicht weg. Mit seinen 25 Jahren ist er nur einer von unzähligen jungen Männern, die gemeinsam in Viehwaggons gestopft worden sind. Da keiner ihm gesagt hat, wohin es gehen soll, ist er angezogen wie immer: gebügelter Anzug, sauberes weißes Hemd, Krawatte. Kleider machen Leute.

Er versucht auszumachen, wie groß der Raum ist, in dem sie eingeschlossen sind. Der Waggon ist ungefähr zweieinhalb Meter breit. Aber die Rückwand kann er nicht sehen, die Länge also nicht abschätzen. Er versucht zu zählen, wie viele Männer mit ihm unterwegs sind. Aber da wippen so viele Köpfe auf und ab, dass er irgendwann aufgibt. Er weiß nicht, wie viele Waggons der Zug hat. Rücken und Beine tun ihm weh. Sein Gesicht juckt. Die Bartstoppeln erinnern ihn daran, dass er sich weder gewaschen noch rasiert hat, seit er vor zwei Tagen in den Zug gestiegen ist. Er fühlt sich immer weniger wie er selbst.

Wenn die Männer versuchen, ihn ins Gespräch zu ziehen, antwortet er mit Aufmunterungen, versucht ihre Ängste in Hoffnung zu kehren. Wir stehen in der Scheiße, aber lasst uns nicht darin untergehen. Er muss sich abfällige Bemerkungen über sein Äußeres und sein Benehmen anhören. Vorwürfe, er halte sich wohl für etwas Besseres. »Und jetzt schau doch, wohin dich das gebracht hat.« Er versucht die Beleidigungen achselzuckend abzuschütteln und den bösen Blicken mit einem Lächeln zu begegnen. Wem versuche ich da etwas vorzumachen? Ich habe genauso viel Angst wie alle anderen.

Ein junger Mann fixiert Lales Blick und schiebt sich durch die vielen Körper auf ihn zu. Ein paar Männer drängen ihn zur Seite. Dein Platz ist es nur, wenn du ihn dir nimmst.

»Wie können Sie so ruhig sein?«, fragt der junge Mann. »Sie hatten Gewehre. Die Schweine haben uns mit angelegten Gewehren in diesen … Viehtransport gezwungen.«

Lale lächelt ihm zu. »Meinen Erwartungen hat es auch nicht entsprochen.«

»Was meinen Sie, wohin fahren wir?«

»Das ist doch ganz gleichgültig. Vergessen wir nicht, wir sind hier, damit unsere Familien zu Hause in Sicherheit sind.«

»Aber was, wenn …?«

»Sagen Sie nicht ›was, wenn‹. Ich weiß es nicht, Sie wissen es nicht, keiner von uns weiß es. Tun wir einfach, was uns gesagt wird.«

»Sollten wir nicht versuchen, sie bei einem Halt zu überwältigen? Schließlich sind wir in der Überzahl!« Das Gesicht des jungen Mannes verzerrt sich in wirrer Angriffslust. Er ballt die Hände zu Fäusten und boxt kläglich vor sich in der Luft herum.

»Wir haben Fäuste, sie haben Gewehre – was meinen Sie, wer da gewinnt?«

Der junge Mann verstummt wieder. Seine Schulter drückt in Lales Brust, und Lale riecht Öl und Schweiß in seinen Haaren. Seine Hände fallen herunter und hängen schlaff nach unten. »Ich bin Aron«, sagt er.

»Lale.«

Andere um sie herum horchen auf, heben den Kopf in Richtung der beiden, bevor sie zurückfallen in ihr dumpfes Träumen, wieder versinken in ihre eigenen Gedanken. Ihre Gemeinsamkeit ist die Angst. Und ihre Jugend. Und ihre Religion. Lale versucht sich nicht in Spekulationen zu verlieren, was vor ihnen liegen könnte. Man hat ihm gesagt, sie nähmen ihn mit, damit er für die Deutschen arbeitet, und genau das hat er vor. Er denkt an seine Familie zu Hause. In Sicherheit. Er hat sich geopfert, und er bereut es nicht. Er würde es wieder und wieder tun, damit seine Lieben zu Hause bleiben können, alle zusammen.

Ungefähr stündlich, so kommt es ihm vor, stellen die Leute ihm die immer gleichen Fragen. Langsam ermüdet es ihn, und er beginnt zu antworten: »Warten wir’s ab.« Er wundert sich, warum sie ausgerechnet ihn fragen. Er weiß es doch auch nicht besser. Ja, er trägt Anzug und Krawatte, aber das ist der einzige ersichtliche Unterschied zwischen ihm und seinem Nebenmann. Wir sitzen alle im selben dreckigen Boot.

In dem überfüllten Waggon können sie gar nicht sitzen, geschweige denn liegen. Zwei Kübel dienen als Toilette. Als diese allmählich voller werden, kommt es zu einem Handgemenge, weil einige Männer versuchen, dem Gestank zu entgehen. Die Kübel werden umgestoßen, der Inhalt ergießt sich auf den Boden. Lale klammert seinen Koffer fest, hofft, sich mit seinem Geld und seinen Kleidern freikaufen zu können von da, wo sie hingebracht werden, oder sich zumindest eine sichere Arbeit erkaufen zu können. Vielleicht gibt es Arbeit, bei der mir meine Sprachen von Nutzen sind.

Er ist froh, dass er es an den Rand des Waggons geschafft hat. Durch schmale Ritzen zwischen den Latten kann er einen Blick auf die vorbeiziehende Landschaft erhaschen. Und weil er hin und wieder frische Luft schnappen kann, kann er die aufkommende Übelkeit in Schach halten. Es könnte längst Frühling sein, aber die Tage sind verregnet und wolkenverhangen. Manchmal kommen sie an Feldern vorbei, die von Frühlingsblumen leuchten, und Lale lächelt in sich hinein. Blumen. Von Kindheit an hat er von seiner Mutter gelernt: Frauen lieben sie. Wann wird er zum nächsten Mal einem Mädchen Blumen schenken können? Er nimmt sie in sich auf, ihre leuchtenden Farben blitzen vor seinen Augen, ganze Felder von Mohnblüten tanzen im Wind, eine hellrote Masse. Er schwört, die nächsten Blumen, die er verschenkt, wird er selbst pflücken. Er hätte nie gedacht, dass sie wild in solchen Massen gedeihen. Seine Mutter hatte ein paar in ihrem Garten, aber die pflückte sie nie oder brachte sie ins Haus. Er beginnt im Kopf eine Liste mit Dingen für »Wenn ich nach Hause komme …«.

Neue Handgreiflichkeiten. Geraufe. Schreie. Lale kann nicht sehen, was da vor sich geht, aber er spürt das Stoßen und Drängen von Körpern. Dann plötzlich Ruhe. Und aus dem Dunkel heraus: »Du hast ihn umgebracht.«

»Verdammter Glückspilz«, murmelt einer.

Arme Sau.

Mein Leben ist zu gut, um in diesem Drecksloch zu enden.

 

Es gibt viele Halte auf der Fahrt, manche dauern ein paar Minuten, manche Stunden, immer außerhalb einer Stadt oder eines Dorfs. Gelegentlich kann Lale die Schilder entziffern, wenn sie durch einen Bahnhof fahren: Ostrau, eine Stadt nahe der tschechisch-polnischen Grenze, wie er weiß; Pleß, sie sind also tatsächlich in Polen. Die Frage ist: Wohin fahren sie? Während der Fahrt denkt Lale die meiste Zeit über sein Leben in Pressburg nach: seine Arbeitsstelle, seine Wohnung, seine Freunde – vor allem seine Freundinnen.

Wieder hält der Zug. Es ist stockdunkel; Wolken verdecken Mond und Sterne. Kündet die Dunkelheit von ihrer Zukunft? Die Dinge sind, wie sie sind. Was ich genau jetzt sehen, spüren, hören und riechen kann. Er sieht nur Männer wie ihn, jung und auf einer Fahrt ins Ungewisse. Er hört das Knurren leerer Mägen und das Pfeifen trockener Luftröhren. Er riecht Pisse und Scheiße und zu lange ungewaschene Körper. Dass die Männer so gedrängt stehen, dass sie gar nicht umfallen können, nutzen sie zum Schlafen, ohne sich einen Ruheplatz freikämpfen zu müssen. Jetzt ruht mehr als nur ein Kopf auf Lale.

Ein paar Waggons weiter hinten hört man Lärm, der allmählich näher kommt. Die Männer dort haben es satt und versuchen auszubrechen. Man hört, wie sich Körper gegen die hölzernen Wagenwände werfen, ein lautes Klappern, wahrscheinlich einer ihrer Kackeimer, alle sind jetzt hellwach. Kurz darauf herrscht der Tumult in allen Waggons.

»Hilf uns oder geh aus dem Weg«, schreit ein hochgewachsener Mann Lale zu, während er sich an die Wand wirft.

»Spar dir lieber deine Kraft«, erwidert Lale. »Wenn diese Wände nachgeben würden, meinst du nicht, eine Kuh hätte das längst erledigt?«

Ein paar Männer beenden ihre Anstrengungen, werfen ihm böse Blicke zu.

Sie verarbeiten seinen Kommentar. Der Zug kriecht weiter. Vielleicht sind die Verantwortlichen zu dem Schluss gekommen, dass Bewegung den Aufruhr schon beenden wird. Die Waggons beruhigen sich. Lale schließt die Augen.

 

Lale war zu seinen Eltern ins slowakische Krompach heimgekehrt, nachdem bekannt geworden war, dass Juden in Kleinstädten gemeinschaftlich zum Arbeitsdienst für die Deutschen abtransportiert werden sollten. Er wusste, dass Juden nicht mehr arbeiten durften und dass ihr Geschäft konfisziert worden war. Fast vier Wochen lang hatte er im Haus geholfen, hatte mit seinem Vater und seinem Bruder alles Mögliche repariert und neue Betten für seine kleinen Neffen gebaut, die aus ihren Gitterbettchen herausgewachsen waren. Seine Schwester war die Einzige in der Familie, die als Näherin ein Einkommen hatte. Sie musste den Weg zur und von der Arbeit heimlich zurücklegen, wenn es noch oder wieder dunkel war. Ihr Chef war bereit, für seine beste Angestellte das Risiko einzugehen.

Eines Abends kam sie mit einem Plakat nach Hause, das ihr Chef im Ladenfenster hatte aushängen müssen. Darauf wurde jede jüdische Familie aufgefordert, ein Kind von achtzehn Jahren oder älter zum Arbeitsdienst für die Deutschen auszuliefern. Das Raunen, die Gerüchte über das, was in anderen Städten geschehen war, erreichten schließlich auch Krompach. Offenbar fügte sich die slowakische Regierung immer mehr und gab Hitler, was immer er wollte. Das Plakat warnte in fett gedruckten Lettern: Wenn eine Familie ein entsprechendes Kind hatte und es nicht auslieferte, käme die ganze Familie ins KZ. Lales älterer Bruder Max erklärte sofort, er werde gehen, doch Lale wollte davon nichts wissen. Max hatte eine Frau und zwei kleine Kinder. Sie brauchten ihn zu Hause.

Lale meldete sich bei den lokalen Behörden in Krompach zum Abtransport. Die Beamten, mit denen er zu tun hatte, waren einmal seine Freunde gewesen – sie waren zusammen zur Schule gegangen und kannten ihre jeweiligen Familien. Sie sagten, Lale solle nach Prag fahren, sich bei den zuständigen Behörden melden und auf weitere Anweisungen warten.

 

Zwei Tage später hält der Zug wieder. Diesmal herrscht draußen große Geschäftigkeit. Hunde bellen, auf Deutsch werden Befehle gebrüllt, Riegel werden zurückgestoßen, Waggontüren aufgeschoben.

»Raus aus dem Zug, alles liegen lassen!«, rufen die Soldaten. »Los, bewegt euch! Die Sachen auf den Boden legen!« Weil er an der Rückwand des Waggons steht, steigt Lale als einer der Letzten aus. An der Tür sieht er die Leiche des Mannes liegen, der in dem Handgemenge getötet wurde. Kurz schließt er die Augen, bedenkt den Tod des Mannes mit einem schnellen Gebet. Dann verlässt er den Waggon, aber den Gestank nimmt er mit – er durchdringt seine Kleider, seine Haut, jede Faser seines Seins. Er landet auf den Knien, legt die Hände auf den Schotter und bleibt ein paar Augenblicke in dieser Haltung. Er keucht vor Erschöpfung, schmerzhaftem Durst. Langsam steht er auf, sieht auf die Hunderte erschrockenen Männer ringsum, die versuchen, die Szenerie zu begreifen, die vor ihnen liegt. Hunde schnappen und beißen alle, die sich zu langsam bewegen. Viele stolpern, ihre Beinmuskeln wollen nicht gehorchen nach der tagelangen Untätigkeit. Koffer, Bücherbündel, magere Besitztümer werden denen aus den Händen gerissen, die sie nicht hergeben wollen oder ganz einfach die Befehle nicht verstehen. Dann werden sie mit einem Gewehrkolben oder einer Faust geschlagen. Lale mustert die Uniformierten. Schwarz und bedrohlich. Die zwei Blitzzeichen auf ihren Jackenaufschlägen sagen Lale, mit wem er es zu tun hat. SS. Unter anderen Umständen hätte er vielleicht die Schneiderarbeit bewundert, den feinen Stoff, den schneidigen Schnitt.

Er stellt seinen Koffer auf den Boden. Woran wollen sie erkennen, dass das meiner ist? Mit einem Schauder wird ihm klar, dass er den Koffer und seinen Inhalt wohl kaum je wiedersehen wird. Er legt die Hand auf sein Herz, auf das Geld in seiner Jackentasche. Er sieht zum Himmel auf, saugt die frische, kühle Luft ein, und sagt sich, dass er wenigstens draußen ist.

Ein Gewehrschuss lässt Lale aufschrecken. Vor ihm steht ein SS-Mann, die Waffe in den Himmel gerichtet. »Bewegung!« Lale wirft einen Blick zurück auf den leeren Zug. Kleider bauschen sich im Wind, Buchdeckel klappen auf. Jetzt fahren mehrere Lkws vor, aus denen ein paar Jungen klettern. Sie sammeln die abgelegten Besitztümer auf und werfen sie auf die Ladeflächen. Eine Last drückt auf Lales Schulterblätter. Tut mir leid, Mama, sie haben deine Bücher.

Die Männer trotten auf triste dunkelrote Backsteingebäude mit großen Fenstern zu. Am Eingang stehen Baumreihen, üppig sprießt das Frühlingsgrün. Beim Passieren der offenstehenden Gittertore blickt Lale zu der schmiedeeisernen Inschrift auf.

ARBEIT MACHT FREI

Heather Morris

Über Heather Morris

Biografie

Heather Morris ist Drehbuchautorin und lebt in Australien. Als sie Lale Sokolov kennenlernte, entwickelte sich eine tiefe Freundschaft und er vertraute ihr seine Geschichte an, die sie in diesem Buch erzählt.

Pressestimmen

Stern Online

»Ein Buch, das nicht nur von den Schrecken des Holocaust erzählt, sondern auch von tiefer Liebe.«

elisbuecherecke.blogspot.com

»Dieses Buch hat mich bewegt, berührt und einfach nur fesseln können.«

leselustbuecher.blogspot.com

»Der Tätowierer von Auschwitz von Heather Morris ist eine sehr bewegende und emotionale Lektüre.«

Oberösterreichische Nachrichten

»Ein lesenswertes und wichtiges Zeitdokument!«

Ruhr Nachrichten

»Heather Morris setzt KZ-Häftlingen ein beeindruckendes Denkmal. (…) ›Der Tätowierer von Auschwitz‹ zeigt, wie Menschen ihrem Schicksal mit Glauben an Mut, Liebe und ans Überleben trotzen.«

solairesstories.wordpress.com

»Alles an diesem Buch ist absolut gelungen und ich bin dankbar es gelesen zu haben.«

buchwinter.de

»Bewegend. Ehrlich. Mitreißend. Schockierend.«

mrspaperlove.blogspot.com

»Ein sehr erschütterndes, bewegendes Buch über das Schicksal eines Juden, das symbolhaft für so viele andere Leben steht. (…) Ein wichtiges Buch über den Holocaust, das ich absolut weiterempfehlen kann.«

bettebookshop.wordpress.com

»Morris verpackt die großen Grausamkeiten, kleinen Glücksmomente und alles dazwischen in klare, schlichte, aber umso eindrücklichere Worte. (…) Manchmal kann man sich nicht dagegen wehren, dass einem Tränen in die Augen steigen. Manchmal ist man im Angesicht der Grausamkeiten einfach fassungslos.«

lesefreude.at

»Heather Morris gibt Lale Sokolovs Geschichte derart fesselnd wieder, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen kann.«

Focus Online

»Gerade die Tatsache, dass diese Geschichte einer Liebe mitten in der Hölle auf Erden wirklich passiert ist, macht sie so unglaublich.«

eifel-buecherwurm.blogspot.com

»Ein berührendes und wichtiges Buch, das von einer großen Liebe erzählt.«

misshappyreading.blogspot.com

»Eine berührende Liebesgeschichte, die an einem Ort entspringt der schlimmer nicht sein könnte. Sehr, sehr lesenswert!«

Kommentare zum Buch

Ein berührendes Zeitdokument, das trotz grausamen Schilderungen fasziniert, berührt und im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Ein Buch gegen das Vergessen.
katikatharinenhof am 28.08.2018

Lale Sokolov wird 1942 nach Auschwitz deportiert und erhält dort eine Aufgabe, die noch lange nach dem sinnlosen Morden die Menschheit auf das Schicksal der Juden aufmerksam macht - er muss die Häftlingsnummer auf die Unterarme seiner Leidensgenossen tätowieren. Doch in all der Grausamkeit geschieht etwas Wundervolles - er verliebt sich beim Tätowieren in eine wunderschöne junge Frau. Was keiner geglaubt, ja noch nicht einmal zu hoffen gewagt hat - beide überleben den Holocaust.         Heather Morris erzählt mit eindringlichen Worten die unglaubliche Geschichte über einen Mann, der alles im Leben verloren und doch niemals den Glauben an Mut, Liebe und die Menschlichkeit aufgegeben hat.   Die grausame Fratze des Zweiten Weltkrieges, das sinnlose Morden und das Leid von hundertausenden Menschen in Auschwitz wird hier mit ungeschönten Worten dargestellt. Die Einblicke in Lales Leben sind schockierend, treiben mir die Tränen in die Augen, zerreißen mir das Herz und mehr als einmal frage ich mich, wie hat dieser Mann das alles nur ertragen ? Wie konnte in dieser sinnlosen Massenvernichtung ein zartes Pflänzchen mit Liebe aufkeimen und zwei Menschen glücklich machen ? Kann man hier von Glück sprechen ?   Oft halte ich die Luft an und wage nicht weiterzulesen, denn Lale hat sich mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute mehr als einmal in Gefahr gebracht. Hat alles riskiert und ...gewonnen. Die Liebe zwischen Lale und Gita gibt den Mithäftlingen Hoffnung, wirkt wie ein helles Licht in der dunklen Nazi-Tötungsmaschinerie und lässt manch einen den Lebensmut nicht verlieren.   Das Nachwort von Sohn Gary lässt noch einmal Liebe, Güte und viel Licht auf das Leben seiner Eltern scheinen und ich ziehe meinen Hut vor Lale und Gita, dass sie mit der Kraft ihrer Leibe die grausamsten und dunkelsten Jahre ihres Lebens gemeistert haben.   Ein berührendes Zeitdokument, das trotz grausamen Schilderungen fasziniert, berührt und im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Ein Buch gegen das Vergessen.  

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