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Buchempfehlungen

Persönliche Buchtipps unserer Kolleginnen und Kolleginnen aus dem Verlag

Dienstag, 22. März 2022 von Piper Verlag


Buchtipps 2022

Der neue Roman nach DER BUCHSPAZIERER

„CARSTEN HENN legt nach dem großen Erfolg seines „Buchspazierers“ einen neuen Roman vor: „Der Geschichtenbäcker“ erzählt von der ehemaligen Ballerina Sophie, die nach dem Ende ihrer Karriere eine neue Beschäftigung braucht. Auf gut Glück wird sie Aushilfe beim Dorfbäcker. Giacomo, ehemaliger Gastarbeiter aus der Lombardei, ist wortkarg und untersetzt. Aber sein Brot schmeckt so gut, dass die Menschen Schlange stehen. Sophie, die Kohlenhydrate jahrelang gemieden hat, beginnt allmählich, sich auf die körperlich fordernde Arbeit des Backens einzulassen – ebenso wie auf die Bekanntschaft mit Giacomo." Felicitas von Lovenberg

Blick ins Buch
Der GeschichtenbäckerDer Geschichtenbäcker

Roman

Vom Autor des SPIEGEL-Bestsellers „Der Buchspazierer“: ein warmherziger Roman mit ganz viel Gefühl und in wunderbarer Sprache

Bestseller-Autor Carsten Henn erzählt in „Der Geschichtenbäcker“ davon, sich selbst anzunehmen, wie man ist, von den Zutaten für ein gutes Leben – und von der Kunst des Brotbackens.

Brot backen ist fast wie ein Tanz. Teig wird rhythmisch geknetet, die Drehung der Hände, der Schwung der Hüfte geben ihm Geschmeidigkeit. Fasziniert beobachtet die ehemalige Tänzerin Sofie den italienischen Bäcker Giacomo bei seiner Arbeit. Eigentlich wollte sie den Aushilfsjob in der Dorfbackstube gleich wieder kündigen. Zu sehr hat das Ende ihrer Karriere ihr Leben aus der Bahn geworfen. Wer ist sie, wenn sie nicht tanzt? Wer wird sie lieben, wenn sie nicht mehr auf der Bühne strahlt? Doch überraschend findet Sofie in der kleinen Bäckerei viel mehr als nur eine Beschäftigung: die Weisheit eines einfachen Mannes, das Glück der kleinen Dinge und den Mut zur Veränderung.

„Der Geschichtenbäcker“ – ein Roman wie eine warme Decke, der berührt, unterhält, aber auch inspiriert und nachwirkt.

„Ein Buch zum Einkuscheln, ein Buch, das wärmt und Zuversicht spendet.“ Brigitte über „Der Buchspazierer“

„Ein Umarmungsbuch. Eine zarte, fast märchenhafte Lektüre. Ein Wohlfühlbuch, ach was, ein Umarmungsbuch – und wer braucht so eines nicht in dieser Zeit?“ Neue Westfälische Zeitung über „Der Buchspazierer“

 

Kapitel 1

Kruste


Wie lange kann man weitertanzen, wenn die Musik zu Ende ist?

Das fragte sich genau ein Mensch im Konzerthaus der Stadt. Der Saal war eine Schmuckschachtel, voller Gold und Schnörkel, voller Stuck und Bordüren. Alles schien zu sagen, dass Zeit hier keine Rolle spielte, es egal war, welches Jahr man gerade zählte, welchen Monat, welchen Tag.

Aber Zeit verging, und das war Teil des Problems.

Sofie Eichner saß in Reihe 5, Sitz 34. Obwohl es ein gepolsterter Sitz war, schien es ihr, als fiele sie ins Bodenlose. In Filmen sah man manchmal Menschen rücklings – und immer in Zeitlupe – in ein weiches Daunenbett sinken. So fühlte es sich gerade auch bei ihr an: rücklings, Zeitlupe, nur das Daunenbett fehlte.

Die Musik hatte für sie eigentlich schon vor über drei Monaten aufgehört zu spielen, als eine Verletzung die Nadel vom Vinyl gerissen hatte und der Intendant die Gelegenheit nutzte, sich ihrer schnell zu entledigen. Schließlich hatte er schon lange eine Nachfolgerin ins Auge gefasst und diese im letzten Jahr, so oft es ging, für Gastrollen ins Konzerthaus geholt. Einen aufsteigenden Stern. Noch dazu genau sein Typ Frau. Irina Nijinsky. Schon ihr Name klang wie Tanz: zwei entschlossene Schritte mit durchgedrücktem Rücken, dann ein sanftes Ausgleiten. Gefolgt von sprachlosem Staunen. Die neue Primaballerina des Konzerthauses schien nur aus Luft zu bestehen, so wehte sie über die Bühne.

Vielleicht war Irina in ihrem früheren Leben ein Blatt gewesen, dachte Sofie. Ein unschuldiges Ahornblatt, das sich im Herbst erst gelb und dann rot verfärbte, das keinerlei Schuld auf sich geladen und als Belohnung dieses Leben hier erhalten hatte. Den Hauptgewinn im Karma-Lotto.

Nach Sofies Verletzung hatte Irina sich kein bisschen dafür starkgemacht, dass sie noch eine Chance erhielt.

Ganz im Gegenteil.

Irina hatte ihre eigene mit aller Kraft genutzt.

Deshalb stand sie jetzt oben auf der Bühne, wohingegen Sofie mit ihrem Mann Florian auf den besten Plätzen – den Ehrenplätzen! – saß und hören musste, wie die wunderschöne Musik für jemand anderen spielte. Von hier konnte Sofie das Bühnengeschehen perfekt auf Augenhöhe bewundern, und die Klänge des im Graben spielenden Orchesters trafen sie mit Wucht und Transparenz. Es war unerträglich.

Und wie um sie zu verspotten, gaben sie auch noch La Belle au bois dormant, besser bekannt als Dornröschen, zur berühmten Ballettmusik von Tschaikowski. Es war Sofies Stück. Kein anderes hatte sie so oft getanzt, keine ihrer Rollen war so gelobt worden. Sie habe dieses Ballett zu ihrem gemacht, hieß es in der Presse.

Irina setzte jetzt zu einem Grand jeté an, dem Spagatsprung, bei dem man mit einem Fuß abhob und sanft auf dem anderen landete. Das Grand jeté war Sofies besondere Spezialität gewesen. Niemand hatte die Beine eleganter, schwungvoller, exakter als sie gehoben, niemand sich länger in der Luft gehalten. Immer noch schmückte ein zwei mal drei Meter großes Foto von ihr bei diesem Sprung das Foyer.

Das Publikum hielt den Atem an.

Sofie spürte, dass sie nicht mehr atmen konnte, die Luft sich in ihr zusammenpresste. Ihre Lungen verhärtet, wie aus Stein.

Sie stand auf.

Im selben Moment hafteten alle Blicke an ihr, als wäre sie ein Fliegenfänger. Sofie wandte sich schnell nach links und ging in Trippelschritten seitlich an den Sitzenden vorbei, den kleinen Spalt zwischen Knien und der Rückseite der Stuhlreihe nutzend. Frau Malewski, Herr Stromer samt Frau Adelheid, Frau Schneiderling und Herr Barberi saßen dort. Die Macht im Förderverein. Sie hatten diese Plätze seit jeher inne und würden sie unter Androhung des Todes nicht hergeben, sondern irgendwann huldvoll vererben.

Zwei von ihnen drehten die Knie pikiert zur Seite (Adelheid Stromer und Frau Schneiderling), zwei rückten extra nach vorne, um Sofie den Durchgang zu erschweren und damit gegen ihre Störung zu protestieren (Herr Stromer und Frau Malewski). Herr Barberi rührte sich überhaupt nicht, als käme Sofie nicht vorbei, er weigerte sich, gestört zu werden, blickte einfach durch sie hindurch, innerlich hoffend, dass ihn der Rest des Publikums für seine stoische Haltung bewunderte.

Sofie lächelte entschuldigend, obwohl ihr gar nicht danach zumute war. Aber wer professionell tanzte, konnte lächeln, selbst wenn der Körper schrie. Lächeln bedeutete, bestimmte Muskeln anzuspannen. Es war kein Gefühl.

Immer wieder flüsterte sie: „Entschuldigung“, bis es zu einem Mantra wurde, das sie nicht mehr zu den anderen Besuchern, sondern zu sich selbst sagte. Entschuldigung, Sofie, dass ich dich enttäuscht habe. Und alle da oben auf der Bühne. Sie wusste, wie schrecklich es für Tänzerinnen und Tänzer war, wenn jemand im Publikum aufstand. Es riss einen aus der Konzentration, und unwillkürlich tauchte die Frage auf, was man falsch gemacht hatte. Wenn es wie heute bei einer Premiere geschah, gesellte sich die Angst dazu, ob die Choreografie misslungen war und gleich weitere Personen den Saal verlassen würden.

Sofie wurde hektischer, spürte die unzähligen Blicke wie Nadelstiche auf der Haut. Dazu Kopfschütteln, Naserümpfen, Schnalzen. Immer noch konnte sie nicht durchatmen, war da dieses Brennen in den Lungen.

Sofie sah nicht mehr in die Gesichter, lächelte nicht mehr, senkte den Kopf, ihr in der Kindheit strohblondes, jetzt nussbraunes Haar wie ein Vorhang vor dem Gesicht, schaute nur auf Füße und Knie. Die schwere zweiflügelige Tür, die hinaus ins Foyer führte, erschien ihr viel zu weit entfernt. Fast fiel sie. Fast wollte sie fallen.

So schnell es ging zum Ausgang. Aber ohne zu rennen. So schnell es ging in ihrem eng und knöchellang geschnittenen, gold glitzernden Abendkleid.

Ein Blitz. Dann noch mal. Sie schossen Fotos von ihr. Es wurden mehr. Wo die Schranke des Anstands niedergerissen war, trampelte der Mob anstandslos darüber. Weitere Blitze, näher jetzt.

Dann ein Rumpeln. Das Publikum sog die Luft ruckartig ein.

Sofie blickte sich um und sah Irina auf der Bühne liegen, sie musste gefallen sein. Irina fiel nie.

Sofie presste die Lippen so fest aufeinander, dass sie gefühllos wurden.

Dann war sie durch die Tür. Hinaus aus der Dunkelheit des Saals in die strahlende Helligkeit des nahezu menschenleeren Foyers. Sie musste die Lider senken. Trotzdem schnell weiter über den glatten weißen Fliesenboden, zum Münsterplatz, der vom Nieselregen glänzte und dessen Pflastersteine rutschig waren, wie mit Seife eingeschmiert.

Erst als sie auf diesem unsicheren Grund stand, konnte Sofie endlich wieder atmen.

Sie blickte hinter sich.

Florian war ihr nicht gefolgt.

Sofie musste nur kurz überlegen, was sie nun tun sollte. Gehen. Nach Hause. Es war erleichternd, Meter um Meter zwischen sich und das Konzerthaus zu bringen. Die Stadt tat ihr gut. Menschen, die nicht tanzten, sondern an diesem kühlen Aprilabend durch den Regen huschten, oft leicht gebückt, als würden sie dann weniger Tropfen treffen. Dabei boten sie ihnen auf diese Weise sogar mehr Fläche.

Der kühle Regen wusch die Wärme des Konzerthauses von Sofies bloßen Schultern. Der feine Stoff des luxuriösen Kleides sog sich voll, der perfekte Faltenwurf erschlaffte.

Sie blickte auf die glänzenden Pflastersteine, um nicht zu stolpern. Jeder war anders, trotzdem fügten sie sich zu einem schlüssigen Ganzen. Und keiner fragte, ob er sich an der richtigen Stelle in dieser Welt befand.

Sie war so sehr in die Steine versunken, dass sie am westlichen Ende des Münsterplatzes mit einem alten Mann zusammenstieß.

„Das tut mir leid! Entschuldigen Sie bitte meine Unachtsamkeit. Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, fragte sie den auf den Pflastersteinen liegenden Herrn und reichte ihm schnell die Hand.

„Den Büchern ist nichts passiert“, antwortete er und wirkte ausgesprochen erleichtert, nachdem er seinen Rucksack sorgfältig befühlt hatte. Der Mann trug eine olivgrüne Latzhose, in derselben Farbe eine Jacke, die ihm viel zu groß war, und einen Schlapphut.

„Ich meinte eigentlich, wie es Ihnen geht“, sagte Sofie.

„In meinem Alter ist nicht das Fallen das Problem, sondern das Aufstehen“, erwiderte er mit einem schalkhaften Glitzern in seinen Augen.

Sofie half ihm auf die Beine und strich den Straßendreck von seiner Kleidung.

„Es tut mir wirklich leid, ich war ganz in Gedanken.“

„Das habe ich gesehen. Sie waren so vertieft, als würden Sie in einem Buch lesen.“

Sofie schüttelte den Kopf. „Ich habe über die Pflastersteine nachgedacht.“ Sie stockte. „Nein, eigentlich ging es um mein Leben.“

„Manchmal ist es gut, über das Leben so nachzudenken, als wäre es ein Buch. Und sich zu fragen, wie es weitergeschrieben werden sollte. Um dann zu begreifen, dass man selbst die Person ist, die den Federkiel in der Hand hält.“ Er blickte auf seine Uhr. „Ich muss los, mein erster Kunde wartet. Und er mag es gar nicht zu warten.“ Penibel rückte er seinen Rucksack zurecht und den Hut gerade.

„Noch mal Entschuldigung“, sagte Sofie. „Sonst bin ich nicht so.“

„Alles gut. Ich gehe jetzt etwas schneller, und die Welt ist dann wieder genau da, wo sie sein sollte.“ Er sah sie an und schenkte ihr ein Lächeln. „Sie scheinen eine sehr nette Frau zu sein. Deswegen wünsche ich Ihnen von Herzen viel Glück. Für Ihr Leben.“ Mit einem höflichen Nicken drehte er sich um und ging strammen Schrittes Richtung Münster.

Als Sofie sich umschaute, Orientierung suchend, blieb ihr Blick an einem kleinen, dunkellockigen Mädchen in einem der Fenster hängen. Es sah dem alten Mann nach, der gerade um die Ecke bog. Vor diesem Kind lag noch alles.

Vor dem tanzenden Kind in ihr lag dagegen nichts mehr, das wichtig war.

 

Die Straßenbahnlinie 18 führte aus der Stadt hinaus, an immer weniger Häusern und immer mehr Feldern vorbei, auf denen Getreide, Kartoffeln und Blumen angebaut wurden. Der launische April stellte den Regen ab und ließ die Sonne in Eidottergelb untergehen. Im warmen Licht sah alles friedlich und idyllisch aus – und damit ganz anders als in Sofie. Als die Bahngleise eine Kurve vollzogen, tauchte in der Ferne noch einmal die Stadt wie ein Scherenschnitt auf, der sich vom Abendhimmel abhob. In der Mitte davon, wie die dunkle Perle in einer Muschel, lag das Konzerthaus.

Sofie blickte schnell weg und zupfte an ihrem völlig durchnässten Kleid, das kalt an der Haut klebte. Dann presste sie die kleine Handtasche an sich, als wäre diese ein Schutzschild.

Als die Straßenbahn an ihrer Station hielt und sie allein in das Neonlicht der einzigen Laterne hinaustrat, wurde es ihr endgültig bewusst: Sie würde nie wieder tanzen.

In den Glasscheiben der fortfahrenden Bahn sah sie ihr Spiegelbild. Die Augen einen Hauch zu weit auseinander, die Wangenknochen nicht exponiert genug. Sie war keine klassische Schönheit. Nie gewesen. Als Kind war ihr Körper unregelmäßig und wenig elegant gewachsen. Mal wirkte der Hals zu kurz, mal die Arme zu lang, dann schien der Po zu breit und die Nase zu spitz. Aber als Sofie erwachsen war und der Körper fertig nach all dem Recken und Strecken, hatte sie Gliedmaßen, die prädestiniert waren fürs Tanzen. Und im Tanz hatte Sofie sich erstmals schön gefühlt, im Tanz war sie ganz sie selbst und am richtigen Platz gewesen.

Als die Bahn in der dunklen Ferne verschwunden war, lag das Dorf still vor ihr. Es war einer dieser Orte, bei denen niemand wirklich sagen konnte, warum sie sich an dieser Stelle befanden. Es gab keinen Fluss, keinen Hügelkamm, kein fruchtbares Tal. Der Fleck Land sah aus wie alles ringsum. Man hätte das Dorf zehn, ja sogar zwanzig Kilometer in die eine oder andere Himmelsrichtung verschieben können, ohne dass es einen Unterschied gemacht hätte.

In der Umgebung war es als der „Stiefmütterchen-Ort“ bekannt, denn von den Gärtnereien hier wurden seit jeher die Blumen für die Friedhöfe der Stadt herangezogen. Es gab drei große Betriebe, die alle auch einen Laden für Schnittblumen unterhielten und sich überhaupt nicht grün waren.

Stolz waren sie im Dorf auf die Gründung in der Römerzeit, von der noch ein winziger Mauerrest geblieben war, der vergittert mit einem Schutzdach an der einzigen Kreuzung mit Ampel stand. Ein pensionierter Oberstudiendirektor versuchte seit Jahren zu belegen, dass die Steinreste zur Villa eines reichen römischen Kaufmanns gehörten – obwohl alles dafürsprach, dass sie Teil eines Kuhstalls gewesen waren.

Sofie kam am Kirchturm vorbei, dem höchsten Bauwerk des Dorfes, wo manchmal Schleiereulen nisteten. Deren hübsches herzförmiges Gesicht mit den kleinen schwarzen Augen malten die Kinder im Kindergarten gern (eine Grundschule gab es nicht, die nächste befand sich im Nachbarort).

Die wenigen Geschäfte, die außer den Blumenläden existierten, lagen alle an der Hauptstraße.

Sofie kam an dunklen Fensterfronten vorbei. Da waren die Bäckerei Johannes Pape & Sohn und daneben der kleine Hofladen der Familie Nittels. In der viele Jahre leer stehenden Metzgerei hatte vor Kurzem ein Steakhaus namens Glut & Asche eröffnet. Der Besitzer stand häufig vor der Tür, rauchte und blickte die Straße entlang, als würden dadurch eher Gäste kommen. Die Zweigstelle der Bank und der Friseursalon waren geschlossen worden, in Ersterer standen jetzt nur noch ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker, und wer eine neue Frisur wünschte, musste in das Nachbardorf zum Salon Schnittpunkt. Dann war da nur noch Bauer Mattes, ein rotwangiger schwerer Mann, der aussah wie ein riesiges Baby und genauso gerne brüllte. Er hielt am Rand des Dorfes Hühner, Gänse und auch zwei Bienenvölker. Etwas außerhalb lag ein Supermarkt mit großen Neonbuchstaben über der Glasfront und kostenfreien Parkplätzen.

Das einzige Wirtshaus war der Ochsen (mit Bundeskegelbahn), direkt an der Bushaltestelle. Als Sofie daran vorbeiging, öffnete sich die Eingangstür, um einen Angetrunkenen auf die Straße zu spucken. Mit ihm drang scheppernde Musik heraus.

Sie spürte, dass ihre Beine den Rhythmus aufnahmen und ihre Schritte sich dem plumpen Takt anpassten. Fest presste sie die Hände an die Ohren, bis es schmerzte. Dann ging sie schnell daran vorbei, passierte den Friedhof mitsamt kleiner Kapelle und ließ die Hände erst wieder sinken, als sie um die Ecke in die Beller Straße bog, wo sich, von einer Straßenlaterne beschienen, das Haus befand, in dessen zweiter Etage sie wohnte.

Nachdem Sofie die Wohnungstür aufgeschlossen hatte, ging sie, ohne die Schuhe auszuziehen, ins Wohnzimmer, kniete sich vor die Kommode und zog die unterste Schublade heraus. Dort befand sich eine Schachtel mit rosa Schleife. Vorsichtig öffnete sie den Deckel und konnte beim Anblick ihrer ersten Spitzenschuhe nicht fassen, dass ihre Füße einmal klein genug gewesen waren, um dort hineinzupassen. Die Sohlen waren fast durchgetanzt, und an der Spitze des linken Schuhs war noch der verblichene Blutstropfen zu erkennen, von dem Tag als sie es mit dem Spitzentanz übertrieben hatte. Sie nahm die Schuhe heraus und drückte sie an ihre Brust, ganz fest. Warum konnten Dinge, die schön und richtig im Leben waren, nicht für immer bleiben? Warum musste die Welt sich immer weiterdrehen, wenn sie doch schon am richtigen Platz war? Sie hatte ihren Kleinmädchentraum gelebt. Wo aber fanden sich die Träume für große Mädchen? Sofie sank in sich zusammen und ließ die Tränen fließen, so lange sie wollten.

Und das wollten sie sehr, sehr lange.

***

Nachdem Sofie den Saal verlassen hatte, harrte Florian aus. Er saß auf Sitz 35 in Reihe 5 und schaute starr auf die Bühne, als nähme ihn das Geschehen dort völlig gefangen. Nicht nach links und rechts blicken, nicht entschuldigen. Alles war normal. Houston, wir haben kein Problem.

Er überstand auch die Pause, die unfassbar lange Pause, in der er mehrmals erfolglos versuchte, Sofie telefonisch zu erreichen, und dieselbe Frage immer neuen Menschen beantworten musste. Viele kannten ihn, da er seit Jahren im Konzerthaus der Stadt inszenierte.

Es war ein heftiger Migräneanfall. Das war seine Version. Er hatte zuerst daran gedacht, etwas von einem Kreislaufzusammenbruch zu erzählen, aber dann wäre Sofie nicht so schnell gegangen. Übelkeit? Dann hätte sie später zurückkehren können. Ihm war Migräne eingefallen, als ihn der Erste in der Pause fragte, und dann musste er dabei bleiben, obwohl Sofie nie zuvor einen Migräneanfall erlitten hatte.

Sie hatte ihm ja nichts gesagt, sondern war einfach aufgestanden und gegangen. Typisch für Sofie, die immer meinte, dass er wissen müsse, was sie beschäftigte. Dabei fühlte er sich wie ein Angler, der auch nach vielen Jahren nicht wusste, was im Meer passierte. Nur dass er manchmal Glück hatte und ein paar silberglänzende Fische fing. Aber in letzter Zeit hatte er kaum noch Glück, eigentlich gar keines mehr.

Die zweite Hälfte fühlte sich noch schlimmer an. Wegen Sofies Platz neben ihm, der nicht einfach nur leer war, sondern verlassen.

Nach dem letzten Vorhang machte sich Florian pflichtschuldig hinter die Bühne auf, um der Kompanie zu gratulieren und eine weinende Irina in die Arme zu nehmen. Sie schmiegte sich an ihn, ja presste sich fast an ihn, und er strich ihr über das feine Haar.

„Sofie wäre so gerne geblieben“, tröstete er sie. „Sie hatte sich so darauf gefreut, mit euch anzustoßen.“

Schwachsinn.

Florian hatte mit so etwas gerechnet. Sofie war seit dem Ende ihrer aktiven Zeit wie ein Gummiband gewesen, dessen eines Ende noch am Ballett befestigt war, während das andere immer stärker in ein neues Leben zog. Es hatte schon lange geknarzt, und es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es riss.

Sofies angebliche Migräne zwang ihn nun, die Festivitäten schnell zu verlassen. Gerne hätte er bis in den Morgen mitgefeiert, denn die Choreografie war innovativ gewesen, die Kompanie – bis auf den Zwischenfall – in großartiger Form, selbst das Orchester hatte einen guten Abend erwischt, was nicht immer der Fall war. Vor allem weil die Bratschen gerne tranken. Das war seine Welt, er war weiterhin ein Teil von ihr. Seine Musik spielte noch.

Da die nächste Straßenbahn erst in einer halben Stunde kommen würde, rief er sich ein Taxi. Der Fahrer redete die ganze Strecke über den Skandal bei der Ballett-Premiere, die beleidigte alte Primaballerina, die heulend den Saal verlassen hatte und auf dem Weg nach draußen etlichen Leuten brutal gegen die Knie gestoßen war. Schlechte Nachrichten reisten schnell. Und anscheinend nahmen sie dabei neues Gepäck auf. Florian riss sich zusammen und sagte erst etwas zu dem ganzen Unsinn, nachdem er bezahlt hatte. Dann aber umso lauter: „Wenn Sie nur ein einziges Mal gesehen hätten, wie wundervoll meine Frau tanzt, würden Sie Ihr beschissenes Maul halten! Sie hatte Migräne! Erzählen Sie das verdammt noch mal Ihren Kollegen und Fahrgästen!“ Heftig schlug er die Tür zu.

Dann blickte er zum Haus, in dem sich Sofie hoffentlich befand. Drei Etagen, erst vor wenigen Jahren errichtet. Mit seinen cremeweißen Außenwänden und dem Zinkdach wirkte der kantige Bau zwischen all den untersetzten Häusern so fremd wie ein Ufo, das hier versehentlich gelandet war. Im Erdgeschoss lebte Dr. Stephan Mettler, ein HNO-Arzt aus der Stadt, mit seiner Frau Sabine. Das Paar, beide Mitte fünfzig, hatte sich hier seinen Traum von einem Garten erfüllt, der eine einzige Hommage an Italien war, das sie wegen Sabines Angst vor Reisen niemals hatten besuchen können. In der ersten Etage lebte Marie Denka, die den Kindergarten Die sieben Zwerge leitete. Sie hatte immer ein Lächeln auf den Lippen, selbst wenn sie den Müll runtertrug. Florian fragte sich, was ihr Geheimnis war. Sie musste es Sofie verraten. Am besten jetzt sofort.

Er kannte Marie seit der gemeinsamen Schulzeit, danach hatten sie sich allerdings aus den Augen verloren. Aber als Florian und Sofie vor einem halben Jahr eine neue Wohnung suchten und sich im Freundeskreis umhörten, erfuhr Marie über drei Ecken davon und half ihnen, eine neue Bleibe zu bekommen.

In der Wohnung darüber waren die Rollläden hochgezogen, aber alles lag im Dunkeln. War Sofie gar nicht nach Hause gegangen? War ihr womöglich etwas passiert?

Was war er nur für ein absoluter Vollidiot! Wie hatte er im Konzerthaus bleiben können?

Schnell schloss Florian die Haustür auf und rannte die Stufen nach oben. Atemlos entriegelte er die Wohnungstür, schaltete fast zeitgleich mit dem Eintreten das Licht an und rief ebenfalls im selben Augenblick Sofies Namen.

Dann sah er ihre hochhackigen Schuhe vor der Garderobe.

Aber das war noch nicht alles.

Sämtliche Wände waren leer.

Dort, wo Bilder gehangen hatten, befanden sich nun dünne Linien rechteckiger Schmutzränder, die ihn wie kantige leere Augen anstarrten. Die gerahmten Fotos von Sofie, wie sie sich drehte, wie sie sprang, wie sie ihren Körper zur Musik formte, waren fort. Auch die Aufnahmen von Florians Choreografien, die magischen Szenen, wenn die Körper der Tänzerinnen und Tänzer ein Bild formten, das kein Maler kraftvoller mit dem Pinsel gestalten konnte. Eingefrorene Momente, oftmals in Schwarz-Weiß. Einige Zeichnungen hatte es ebenfalls gegeben, von Florian selbst auf Papier gebannt, da er stets in Bildern dachte, sobald er eine Choreografie entwarf. Man hörte förmlich die Musik, wenn man sie betrachtete. Wer entlang dieser Bilder durch die Wohnung flanierte, straffte den Körper unwillkürlich, setzte die Schritte bedachter, als balancierte er über einen schmalen Steg. Der Gang durch die Räume wurde zu einer Art Tanz.

Jetzt war nirgendwo mehr Tanz.

Florian fand die Bilder im Wohnzimmer, zu Türmen gestapelt, mit Laken zugedeckt. Unter solchen war auch Florians geliebte Plattensammlung verborgen, die er in zwei Jahrzehnten zusammengetragen hatte, sein musikalisches Tagebuch. Ebenfalls das kleine Küchenradio mit der langen ausziehbaren Antenne, der erste Gegenstand, den sie sich damals für die gemeinsame Wohnung gekauft hatten.

Auf dem schwarzen Ledersofa fand er Sofie, zusammengekrümmt wie ein Embryo, noch im glitzernden Abendkleid, nur der Reißverschluss am Rücken war heruntergezogen, der Stoff weit über die Arme gerutscht.

Er holte ein Plumeau aus dem Schlafzimmer, legte es sachte über sie und streichelte ihr beruhigend über die Schulter. Es war eine schwere Zeit für sie. Das Schicksal hatte ihr ein neues Leben zugeteilt, obwohl sie gar nicht danach gefragt hatte. Und es gab keine Möglichkeit, das alte wiederzubekommen. Das Schicksal kannte keine Retouren.

Auf dem Sofa war leider nicht genug Platz, um sich an Sofie zu schmiegen. Dabei brauchte er ihre Nähe nun genauso wie sie seine. Das hoffte er zumindest.

Sofie drehte sich um und wandte ihm den Rücken zu.

Er setzte sich in den Sessel ihr gegenüber.

***

Rund dreihundert Meter entfernt schlief Giacomo Botura und drehte sich auf seiner durchgelegenen Matratze um. Obwohl er der Bäcker des Dorfes war, träumte er nicht von Brötchen und Mehl, von Krumen und Teig. Er träumte vom Land seiner Jugend, von Kalabrien. Wie bei jeder Art von Traum schien es ihm unwirklich, und die Erinnerungen an die Bergzüge und Küstenstreifen wirkten, als wären sie aus Luft gewoben. Häufig träumte er dann von Kalabrien, wenn Familie Nittels vor ihrem kleinen Hofladen duftende Orangen neben der Eingangstür aufbaute, um Kunden hereinzulocken. Die Orangen erinnerten ihn an die Bergamottefrüchte, die er immer zusammen mit seiner Tante Rosarina geerntet hatte.

In dieser Nacht träumte Giacomo, wie er den staubigen steilen Weg vom Dorf zum Obstgarten nahm, der hoch oben über dem Meer thronte. Er musste Wasserflaschen schleppen und einen Korb mit Essen für die Mittagspause. Als er endlich den Schatten der alten Bäume erreichte, glänzte seine Haut vom Schweiß. Er träumte davon, wie er die sauren, leicht bitteren Früchte pflückte, während ein kühler Wind durch den Hain blies und ihm Geschichten vom nahen Ozean erzählte. In seinen Träumen war in Kalabrien immer Sommer, aber nie war es zu heiß, gab es penetrante Stechmücken oder bekam man einen Sonnenbrand. Es hänselte ihn auch niemand, weil er beim Pflücken trödelte. Alle lächelten bei der Arbeit, obwohl sie hart war.

Aus diesen Träumen wachte er gut erholt auf.

So auch heute, wo er nach dem Aufwachen noch für einen kurzen wundervollen Moment den Duft der Bergamotte in der Nase hatte. Als er für die Morgenwäsche in sein kleines Bad ging und die orangefarbene Bergamotteseife bedächtig durch die Finger gleiten ließ, ihre runde Form genießend, kam sie ihm vor wie seine Träume von Kalabrien. Immer frisch, makellos, eine perfekte Illusion.

Am Schluss der Morgentoilette widmete Giacomo sich seinen Haaren. Er strich sie mit einem Kamm so nach hinten, dass sie in Wellen über den Kopf liefen, absolut parallel. Solch eine Frisur hatte er bei seinem Vater immer bewundert. Es hatte leider nicht viel anderes an ihm zu bewundern gegeben. Sie hatten niemals Frieden schließen können.

Beim Gang zur Wohnungstür machte er nur wenig Licht, das Halbdunkel schien ihm für die alten Möbel angemessen, die stets so träge wirkten, als würden sie nur langsam erwachen. Sie waren bereits hier gewesen, als er einzog, und Giacomo war niemand, der gute Möbel wegwarf, weil sie ihm nicht gefielen, oder ein sorgsam gemaltes Bild abhängte, nur weil ein Hirsch darauf vor einem viel zu blauen Alpensee röhrte. Er hatte Respekt vor der Handwerkskunst. Mit der Zeit waren ein paar gerahmte Fotos aus der alten Heimat dazugekommen. Eines seines liebsten Fußballvereins, das in der Zeitung gewesen war, als dieser nach über vierzig Jahren wieder einmal die Meisterschaft gewonnen hatte, und eines, über das er jeden Morgen zärtlich strich und dabei ebenso zärtliche Worte sprach. In die Schrankwand waren ein paar Bücher eingezogen, vom oftmaligen Lesen mit stolzer Patina versehen. Ansonsten war nur ausgewechselt worden, was nicht mehr funktionierte. Der gerissene Lampenschirm in der kleinen Küche, die vergilbten Vorhänge im Wohnzimmer, das gesprungene Waschbecken im Bad. Alles hatte er günstig ersetzt. Giacomo hatte diese Wohnung geflickt, wie man eine alte, löchrige Hose flickt. Mit allem, was man schnell greifen kann. Genauso liebte er es, kein Geld zu verschwenden. Er verdiente ohnehin nicht viel und schickte jeden Monat den Großteil davon nach Kalabrien.

Die Bäckerei lag nur eine Etage tiefer im Erdgeschoss. Aber Giacomo musste außen ums Haus herumgehen, um sie zu betreten, gute zehn Meter. Er mochte diesen kurzen Weg, der Arbeit und Zuhause trennte, obwohl er manchmal durch Regen, Schnee und Sturm laufen musste. Oder: gerade weil er manchmal durch solch ein Wetter musste. Bräuchte er nur durch ein Treppenhaus zu gehen, würde er nicht spüren, was für ein Tag war. Und das musste er wissen, damit sein Brot gut wurde. Denn der Teig wusste immer, welches Wetter gerade herrschte, und verhielt sich entsprechend.

Die zehn Meter bis zur Backstube waren als Kiesweg angelegt mit ein paar Gewächsen wie Süßholz, Silber-Fingerkraut und Peperoncini (sogar dreierlei Sorten) aus seiner Heimat, natürlich war auch ein Olivenbäumchen darunter und ein junges Clementinenbäumchen, für das er extra ein winziges Gewächshäuschen gebaut hatte. Die meisten Pflanzen hatte seine Nonna ihm aus Kalabrien geschickt, damit er diese nicht vergaß (was natürlich niemals passiert wäre). Sie waren wie ein Kuss seiner Nonna auf seine Stirn, ein Streicheln über seine Wange. Als er jetzt an ihnen vorbeiging, war Giacomo ein klein wenig neidisch auf sie. Die Erde, in der ihre Wurzeln steckten, war für sie Heimat. Er dagegen fühlte sich immer noch ein wenig zerrissen zwischen alter und neuer Heimat. Dreiundfünfzig Jahre lebte Giacomo jetzt, mehr als die Hälfte davon hatte er in diesem Land hier verbracht. Es war ihm längst zur Heimat geworden. Keine zweite Heimat, sondern eine weitere.

Lampen gab es auf dem kurzen Weg nicht. Das Licht von Mond und Sternen musste reichen.

Umso massiver erschien ihm die Helligkeit, als er wie immer um vier Uhr früh durch den Nebeneingang in die kleine Backstube trat, den Lichtschalter betätigte, die drei Neonröhren an der Decke flackernd lebendig wurden und er seine Familie sah: die zwei Rührmaschinen, die Mehlsäcke, die große Arbeitsplatte in der Mitte, die Gärkörbe, die Bäckerleinen, den Bräunwisch und natürlich den Holzbackofen mit Schamottsteinen. So etwas konnte heute kaum noch jemand bauen, und es fanden sich ebenso wenig Bäcker, die damit arbeiten wollten. Der alte Ofen machte viel Arbeit und blieb immer ein wenig unberechenbar.

„Na, du alter Drachen“, begrüßte Giacomo ihn und strich über die zwei schmalen Glasfenster, durch die er später seinen Backwaren beim Aufgehen zuschauen konnte. „Bereit für ein schönes Feuer?“

Giacomo wünschte auch den drei kleinen Schwarz-Weiß-Fotos einen Guten Morgen, die gerahmt an der Wand hingen und von denen er mit einem Tuch das Mehl wischte. Dann rieb er sich seine Hände warm, denn Teig mochte keine Kälte. Er wollte liebkost und umsorgt werden.

Giacomo verspürte einen Stich ins Herz, als er an die Arbeitsplatte trat und sie mit Mehl bestreute. Die Kosten für den Betrieb und die Zutaten waren in den letzten Jahren so viel teurer geworden, aber die Kunden wollten nicht mehr bezahlen. Selbst eine kleine Erhöhung des Brötchenpreises hatte zu vielen Beschwerden geführt. Giacomo würde das Bäckerhandwerk nur weiter ausführen können, wenn er mehr produzierte, um auch den Kindergarten oder den Fußballverein beliefern zu können. Die Nachfrage war da. Die kleine Bäckerei musste ein bisschen weniger klein sein, wollte sie stark genug werden, um in dieser Welt zu überleben. Dafür brauchte er eine zusätzliche Kraft in der Backstube. Aber bisher hatten sich nur wenige auf seine Stellenausschreibung gemeldet, und keiner war länger als einen Tag geblieben. Wenn er in sechs Wochen niemanden gefunden hätte, wären auch die letzten Reserven aufgebraucht. Anscheinend wollte heutzutage keiner mehr Bäcker werden. Obwohl es doch der schönste Beruf der Welt war! Welch größeres Glück konnte es geben, als frisch gebackenes, duftendes, goldbraunes Brot aus dem alten Drachen zu ziehen und sich ein noch heißes Stück abzubrechen, um es sofort in den Mund zu stecken?

Giacomo machte sich an die Arbeit. Solange es noch ging, würde er jeden Tag hier genießen. Und dem alten Drachen nichts davon sagen, dass sein Feuer bald für immer erlöschen könnte.

***

Nach einer kurzen Nacht stand Sofie vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete die Frau darin, als wäre sie eine Fremde.

Das teure glitzernde Abendkleid lag zu ihren Füßen wie die Hinterlassenschaft einer Schlange, die sich gehäutet hatte. Auch ihre Unterwäsche fand sich dort. Sie war völlig unbekleidet.

Dies war nicht mehr ihr Körper.

Ihrer war wie eine gespannte Sehne gewesen, jederzeit zum Schuss bereit. Dieser Körper hier wollte seit Wochen nur auf der Couch liegen. Fernsehen schauen, egal was.

Nach dem Aufstehen hatte sie Florian gesucht, aber er war nicht in der Wohnung gewesen. Nun trat er von hinten an sie heran. Seine Hände fuhren an ihren Hüften entlang und legten sich auf ihren Bauch, wie sie es schon Hunderte Male getan hatten. Eine Wange schmiegte sich an ihr Ohr, und er gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Hals, kaum mehr als ein Wimpernschlag, der sie oft hatte angenehm erschaudern lassen.

Sie liebte dieses Ritual. Eigentlich. Und sie wusste, dass Florian sie auf diese Weise berührte, weil sie es so mochte. Natürlich auch, weil er Lust hatte, ganz selbstlos war es nicht. Aber das war immer in Ordnung gewesen. Sie genoss, dass er Lust auf sie hatte.

Aber egal, wo Florian sie jetzt berührte, es war die falsche Stelle. Ihr ganzer Körper war eine falsche Stelle, an der sich Falsches befand. Sie versuchte, die neuen Polster zu vergessen, aber jede seiner Berührungen wies sie darauf hin.

„Guten Morgen, Sonnenschein“, flüsterte er und gab ihr noch einen Kuss auf den Hals, jetzt schon mit unverhohlenem Verlangen.

Dies war nicht ihr Körper.

Und wenn Florian diesen hier begehrte, dann stimmte etwas nicht mit ihm. Dann liebte er sie nicht, sondern diese andere, diese Fremde.

„Lass das“, sagte sie barsch.

„Entspann dich. Lass uns den blöden Abend einfach vergessen.“

Sie sah seine tiefbraunen Augen im Spiegel, die ihr früher immer das Gefühl gegeben hatten, sicher und geborgen zu sein. Sofie drehte sich um und schob ihn fort.

„Ich weiß gar nicht, ob du mich noch liebst.“

„Natürlich tue ich das!“

„Warum merke ich es dann nicht?“

„Was mache ich denn gerade?“

„Vorspiel, Florian. Und Sex ist was anderes als Liebe.“

Sofie griff nach einem Bademantel, denn in ihrer Nacktheit kam sie sich verletzlich vor. Und außerdem wollte sie nicht nackt gesehen werden. Nicht von Florian, der als Choreograf jeden Tag mit Körpern zu tun hatte, die so perfekt aussahen wie der, den sie verloren hatte. Und auch nicht von jemand anderem. Besonders nicht von sich selbst.

„Sex gehört zur Liebe dazu. Und ich zeig dir ständig auch auf andere Art, dass ich dich liebe. Aber du schaust nicht richtig hin.“ Er ging aus dem Badezimmer und kehrte mit einer Einkaufstasche zurück. „Ich bin extra früh aufgestanden, um Frühstück zu machen, weil ich wollte, dass du heute von Teeduft geweckt wirst. Aber als ich dich nackt vor dem Spiegel sah, hab ich meine Pläne spontan geändert …“ Er zog einen Bund Blumen aus der Tasche. „Hier, die Pfingstrosen habe ich für dich gekauft, weil du die so magst.“ Er legte sie auf dem Waschbecken ab und griff wieder in die Tasche. „Den sauteuren Orangensaft mit Fruchtfleisch und die Seife hier auch. Weil ich selbst im Supermarkt an dich denke und mir überlege, wie ich dein Leben ein kleines bisschen besser machen kann.“

Der Roman des Jahres

„Wer „Eine Frage der Chemie“ liest, wird den Namen Elizabeth Zott nicht mehr vergessen, davon sind wir überzeugt. Sie ist Vorbild, Anregung und beste Freundin zugleich, vor allem aber ein Charakter, der aus den Buchseiten mitten in die Gegenwart zu springen scheint. Und ebenso merken wird man sich den Namen ihrer Schöpferin BONNIE GARMUS, einer in London lebenden Amerikanerin, die alle Tugenden, die angelsächsische Erzählkunst ausmachen – ein Zusammenspiel von Tiefgründig- und Zugänglichkeit, von Humor und Eleganz –, in ihrem ersten Roman auf einzigartige Weise entfaltet." Felicitas von Lovenberg

Blick ins Buch
Eine Frage der ChemieEine Frage der Chemie

Roman

Elizabeth Zott wird Ihr Leben verändern!

Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Doch es ist 1961, und die Frauen tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden. Außer Calvin Evans, dem einsamen, brillanten Nobelpreiskandidaten, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber auch 1961 geht das Leben eigene Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show „Essen um sechs“ wieder. Doch für sie ist Kochen Chemie. Und Chemie bedeutet Veränderung der Zustände ...

So smart wie „Damengambit“, so amüsant wie „Mrs. Maisel“

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, dem Übersetzerduo von Delia Owens' "Der Gesang der Flusskrebse"

„In Elizabeth Zott verliebt man sich total. Sie ist so toll und natürlich dargestellt, dass ich sie sogar gegoogelt habe: Die muss es doch wirklich geben, habe ich gedacht! Lange habe ich nicht ein so unterhaltendes, witziges und kluges Buch gelesen wie dieses.“ Elke Heidenreich


Kapitel 1

November 1961

Damals, im Jahr 1961, als Frauen Hemdblusenkleider trugen und Gartenvereinen beitraten und zahllose Kinder bedenkenlos in Autos ohne Sicherheitsgurte herumkutschierten; damals, bevor überhaupt jemand ahnte, dass es eine 68er-Bewegung geben würde, und erst recht nicht eine, von der ihre Teilnehmer die folgenden sechzig Jahre erzählen würden; damals, als die großen Kriege vorbei waren und die geheimen Kriege gerade begonnen hatten und die Menschen allmählich anfingen, neu zu denken und zu glauben, alles wäre möglich, stand die dreißigjährige Mutter von Madeline Zott jeden Morgen vor Tagesanbruch auf und war sich nur einer Sache ganz sicher: Ihr Leben war vorbei.

Trotz dieser Gewissheit begab sie sich ins Labor, um den Lunch für ihre Tochter einzupacken.

Kraftstoff fürs Gehirn schrieb Elizabeth Zott auf einen kleinen Zettel, den sie in die Lunchbox ihrer Tochter steckte. Dann hielt sie inne, den Stift in der Luft, als würde sie neu überlegen. Treib in der Pause Sport, aber lass die Jungs nicht automatisch gewinnen, schrieb sie auf einen anderen Zettel. Dann hielt sie erneut inne, klopfte nachdenklich mit dem Stift auf den Tisch. Du bildest dir das nicht nur ein, schrieb sie auf einen dritten. Die meisten Menschen sind einfach scheußlich. Die letzten beiden legte sie obenauf.

Die meisten kleinen Kinder können nicht lesen, und falls doch, sind es meist Wörter wie „Hund“ und „Maus“. Aber Madeline las bereits, seit sie drei war, und jetzt, als Fünfjährige, hatte sie schon fast den gesamten Dickens durch.

Madeline gehörte zu der Sorte Kind, die ein Bach-Konzert summen, aber sich nicht selbst die Schuhe zubinden konnte, die die Drehung der Erde erklären konnte, aber bei Tic-Tac-Toe versagte. Und das war das Problem. Denn während musikalische Wunderkinder stets bejubelt werden, ist das bei frühen Lesern nicht der Fall. Weil frühe Leser nämlich bloß in etwas gut sind, in dem andere irgendwann auch gut sein werden. Deshalb ist es nichts Besonderes, darin die Erste zu sein – es ist bloß nervig.

Madeline war sich dessen bewusst. Deshalb nahm sie unweigerlich jeden Morgen – wenn ihre Mutter das Haus verlassen hatte und ihre Nachbarsbabysitterin, Harriet, abgelenkt war – die Zettel aus der Lunchbox, las sie und legte sie dann zu all den anderen Zetteln, die sie in einem Schuhkarton ganz hinten in ihrem Schrank aufbewahrte. Sobald sie in der Schule war, tat sie so, als wäre sie wie alle anderen Kinder: praktisch des Lesens unkundig. Für Madeline war Dazugehören wichtiger als alles andere. Und ihr Beweis war unwiderlegbar: Ihre Mutter hatte nie irgendwo dazugehört, und schau, wie es ihr ergangen war.

 

So lag sie in der südkalifornischen Kleinstadt Commons, wo das Wetter meistens warm war, aber nicht zu warm, und der Himmel meistens blau, aber nicht zu blau, und die Luft sauber, weil die Luft das damals einfach war, in ihrem Bett, die Augen geschlossen, und wartete. Sie wusste, bald würde ihr ein sanfter Kuss auf die Stirn gedrückt, die Bettdecke fürsorglich über die Schultern hochgezogen, „Nutze den Tag“ ins Ohr gemurmelt. Kurz darauf würde sie einen Automotor anspringen hören, das Knirschen von Reifen, wenn der Plymouth rückwärts aus der Einfahrt setzte, ein geräuschvolles Umschalten vom Rückwärtsgang in den ersten. Und dann würde ihre dauerhaft depressive Mutter zu dem Fernsehstudio fahren, wo sie sich eine Schürze umbinden und ihr Set betreten würde.

Die Sendung hieß Essen um sechs, und Elizabeth Zott war ihr unangefochtener Star.


Kapitel 2

Pine

Die ehemalige Forschungschemikerin Elizabeth Zott war eine Frau mit makelloser Haut und dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich war und es nie sein würde.

Sie war, wie alle guten Stars, entdeckt worden. Obwohl in Elizabeths Fall kein Eiscafé eine Rolle spielte, keine Parkbank, auf der sie zufällig gesichtet wurde, keine glückliche Fügung. Stattdessen führte Diebstahl – genauer gesagt Mundraub – zu ihrer Entdeckung.

Die Geschichte war einfach: Ein Mädchen namens Amanda Pine, die das Essen auf eine Weise genoss, die manche Therapeuten für bedenklich halten, aß Madelines Lunch. Und zwar, weil Madelines Lunch ungewöhnlich war. Während die anderen Kinder ihre Sandwiches mit Erdnussbutter und Marmelade mümmelten, öffnete Madeline ihre Lunchbox und fand darin eine dicke Scheibe Lasagne vom Vortag, eine Beilage aus butterigen Zucchini, eine exotische, in Viertel geschnittene Kiwi, fünf glänzende runde Kirschtomaten, einen winzigen Morton-Salzstreuer, zwei noch warme Kekse mit Schokostückchen und eine rot karierte Thermosflasche mit eiskalter Milch.

Dieser Inhalt war der Grund, warum alle es auf Madelines Lunch abgesehen hatten, Madeline eingeschlossen. Aber Madeline bot ihn Amanda an, weil Freundschaft Opfer erfordert, aber auch, weil Amanda die Einzige in der ganzen Schule war, die sich nicht über das seltsame Kind lustig machte, das Madeline war, wie sie selbst bereits wusste.

Erst als Elizabeth bemerkte, dass Madelines Kleidung anfing, an ihrem knochigen Körper herabzuhängen wie schlechte Vorhänge, wurde sie misstrauisch. Ihren Berechnungen nach entsprach Madelines tägliche Nahrungsaufnahme genau dem, was ihre Tochter für eine optimale Entwicklung benötigte, somit war Gewichtsverlust wissenschaftlich unerklärlich. Dann vielleicht ein Wachstumsschub? Nein. Wachstum hatte sie in ihre Berechnungen einkalkuliert. Frühzeitiges Auftreten einer Essstörung? Unwahrscheinlich. Beim Abendessen futterte Madeline wie ein Scheunendrescher. Leukämie? Bestimmt nicht. Elizabeth war keine Schwarzseherin – sie war nicht der Typ Mutter, der nachts wach lag und sich ausmalte, ihre Tochter litte an einer unheilbaren Krankheit. Als Wissenschaftlerin suchte sie stets nach einer vernünftigen Erklärung, und in dem Moment, als sie Amanda Pines tomatensoßenrot verfärbte Lippen sah, wusste sie, dass sie die Erklärung gefunden hatte.

 

„Mr Pine“, sagte Elizabeth, als sie an einem Mittwochnachmittag in das örtliche Fernsehstudio und an einer Sekretärin vorbeirauschte, „ich versuche seit drei Tagen, Sie telefonisch zu erreichen, und Sie bringen nicht mal die Höflichkeit auf, mich zurückzurufen. Mein Name ist Elizabeth Zott. Ich bin Madeline Zotts Mutter – unsere Kinder gehen gemeinsam auf die Woody Elementary –, und ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass Ihre Tochter meiner Tochter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Freundschaft vorgaukelt.“ Und weil er verwirrt wirkte, schob sie nach: „Ihre Tochter isst den Lunch meiner Tochter.“

„L…Lunch?“, brachte Walter Pine heraus, während er die Frau betrachtete, die eindrucksvoll vor ihm stand und deren weißer Laborkittel eine Aura überirdischen Lichts verbreitete, bis auf eine Kleinigkeit: die aufgestickten roten Initialen „E. Z.“ direkt über der Tasche.

„Ihre Tochter Amanda“, klagte Elizabeth erneut an, „isst den Lunch meiner Tochter. Anscheinend geht das schon seit Monaten so.“

Walter konnte sie nur anstarren. Groß und schlank, die Haare in der Farbe von leicht angebranntem gebutterten Toast nach hinten gestrichen und mit einem Bleistift festgesteckt, stand sie da, Hände in den Hüften, der Mund selbstbewusst rot, die Haut leuchtend, die Nase gerade. Sie blickte zu ihm herab wie ein Sanitäter auf einem Schlachtfeld, als würde sie abschätzen, ob es sich lohnte, ihn zu retten.

„Und die Tatsache, dass sie vorgibt, Madelines Freundin zu sein, um an ihren Lunch zu kommen“, fuhr sie fort, „ist absolut verwerflich.“

„W…Wer sind Sie noch mal?“, stammelte Walter.

„Elizabeth Zott!“, blaffte sie zurück. „Madeline Zotts Mutter!“

Walter nickte, versuchte mitzukommen. Als langjähriger Produzent nachmittäglicher Fernsehsendungen war er vertraut mit dramatischen Szenen. Aber das hier? Er starrte sie weiter an. Sie war hinreißend. Er war tatsächlich hingerissen von ihr. Wollte sie für irgendwas vorsprechen?

„Tut mir leid“, sagte er schließlich. „Aber die Krankenschwesterrollen sind schon alle vergeben.“

„Wie bitte?“, fauchte sie.

Es entstand eine lange Pause.

„Amanda Pine“, wiederholte sie.

Er blinzelte. „Meine Tochter? Oh“, sagte er plötzlich nervös. „Was ist mit ihr? Sind Sie Ärztin? Sind Sie von Ihrer Schule?“ Er sprang auf.

„Du liebe Güte, nein“, antwortete Elizabeth. „Ich bin Chemikerin. Ich bin in meiner Mittagspause den ganzen Weg vom Hastings hergekommen, weil Sie mich nicht zurückgerufen haben.“ Und als er sie weiter ratlos ansah, stellte sie klar. „Forschungsinstitut Hastings? Wo sich bahnbrechende Forschung Bahn bricht?“ Der geistlose Slogan ließ sie einmal tief ausatmen. „Es geht darum, dass ich sehr viel Sorgfalt darauf verwende, Madeline einen nahrhaften Lunch zuzubereiten, etwas, worum Sie sich doch gewiss auch für Ihr Kind bemühen.“ Und als er sie weiter nur verständnislos anstarrte, schob sie nach: „Weil Ihnen Amandas kognitive und körperliche Entwicklung am Herzen liegt. Weil Sie wissen, dass diese Entwicklung davon abhängt, ihr ein ausgewogenes Gleichgewicht von Vitaminen und Mineralstoffen zu bieten.“

„Das Problem ist, dass Mrs Pine …“

„Ja, ich weiß. Sie steht nicht zur Verfügung. Ich habe versucht, sie zu erreichen, und man sagte mir, dass sie jetzt in New York lebt.“

„Wir sind geschieden.“

„Tut mir leid, das zu hören, aber Scheidung hat wenig mit Lunch zu tun.“

„Das könnte man meinen, aber …“

„Ein Mann kann seinem Kind Lunch machen, Mr Pine. Das ist keine biologische Unmöglichkeit.“

„Völlig richtig“, pflichtete er bei und schob einen Stuhl zurecht. „Bitte, Mrs Zott, bitte, nehmen Sie Platz.“

„Ich hab was im Zyklotron“, sagte sie gereizt mit Blick auf ihre Uhr. „Sind wir uns einig oder nicht?“

„Zyklo…“

„Subatomarer Teilchenbeschleuniger.“

Elizabeth ließ den Blick über die Wände gleiten. Sie waren mit gerahmten Plakaten tapeziert, die Werbung für melodramatische Seifenopern und reißerische Spielshows machten.

„Meine Arbeit“, sagte Walter, der sich plötzlich für die Geschmacklosigkeiten schämte. „Vielleicht haben Sie schon mal eine davon gesehen?“

Sie wandte sich wieder ihm zu. „Mr Pine“, sagte sie in versöhnlicherem Ton. „Ich bedauere, dass ich weder die Zeit noch die Mittel habe, für Ihre Tochter Lunch zu machen. Wir wissen beide, dass Nahrung der Katalysator ist, der unser Gehirn in Gang setzt, unsere Familien zusammenhält und unsere Zukunft bestimmt. Und dennoch …“ Sie verstummte, und ihre Augen verengten sich, als sie das Plakat für eine Seifenoper bemerkte, auf dem eine Krankenschwester einem Patienten eine ziemlich ungewöhnliche Pflege angedeihen ließ. „Wer hat denn schon die Zeit, der ganzen Nation beizubringen, wie man Mahlzeiten zubereitet, die wirklich Gehalt haben? Ich wünschte, ich hätte sie, aber ich habe sie nicht. Sie etwa?“

Als sie sich zur Tür wandte, sagte Pine, der sie nicht gehen lassen wollte und selbst nicht recht verstand, was da gerade in ihm vorging: „Warten Sie, bitte, Moment … bitte. Was … was haben Sie da gerade gesagt? Von wegen: der ganzen Nation beibringen, wie man Mahlzeiten zubereitet, die … die wirklich Gehalt haben?“

Essen um sechs ging vier Wochen später auf Sendung. Und obwohl Elizabeth die Idee nicht unbedingt begeisternd fand – sie war schließlich Forschungschemikerin –, nahm sie den Job aus den üblichen Gründen an: Er war besser bezahlt, und sie hatte ein Kind zu versorgen.

 

Vom ersten Tag an, als Elizabeth sich eine Schürze umband und das Set betrat, war offensichtlich, dass sie „es“ hatte, wobei „es“ diese schwer fassbare Qualität war, sehenswert zu sein. Aber sie war auch ein Mensch mit Substanz, so direkt, so nüchtern, dass die Menschen nicht wussten, was sie von ihr halten sollten. Während in anderen Kochsendungen gut gelaunte Köche fröhlich ihren Sherry in sich hineinkippten, war Elizabeth Zott ernst. Sie lächelte nie. Sie scherzte nie. Und ihre Gerichte waren ebenso ehrlich und bodenständig wie sie selbst.

Nach nur sechs Monaten war Elizabeths Sendung ein immer größerer Hit. Nach einem Jahr eine Institution. Und nach zwei Jahren war klar, dass sie die verblüffende Wirkung hatte, nicht nur Eltern mit ihren Kindern zu vereinen, sondern Bürger mit ihrem Land. Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass die gesamte Nation am Esstisch Platz nahm, wenn Elizabeth Zott mit dem Kochen fertig war.

Selbst Vizepräsident Johnson verfolgte ihre Sendung. „Sie wollen wissen, was ich denke?“, sagte er, als er einen hartnäckigen Reporter loswerden wollte. „Ich denke, Sie sollten weniger schreiben und mehr fernsehen. Fangen Sie mit Essen um sechs an – diese Zott, das ist eine patente Frau.“

Und das stimmte. Niemals hätte Elizabeth Zott erklärt, wie man winzige Gurkensandwiches oder fluffige Soufflés machte. Ihre Rezepte waren herzhaft: Eintöpfe, Aufläufe, Gerichte, die in großen Metallpfannen zubereitet wurden. Sie legte Wert auf die vier Lebensmittelgruppen. Sie glaubte an anständige Portionen. Und sie betonte, dass jedes Gericht, das die Mühe wert war, weniger als eine Stunde Mühe erfordern sollte. Sie beendete jede Sendung mit ihrem Standardspruch: „Kinder, deckt den Tisch. Eure Mutter braucht einen Moment für sich.“

Doch dann schrieb ein prominenter Reporter einen Artikel mit dem Titel: „Warum wir alles essen, was sie uns auftischt“, und bezeichnete sie beiläufig als „Leckere Lizzie“, ein Spitzname, der sowohl zutreffend als auch alliterativ war und deshalb ebenso schnell an ihr haften blieb wie an dem Papier, auf dem er gedruckt war. Von diesem Tag an nannten Fremde sie Leckere Lizzie, aber ihre Tochter Madeline nannte sie Mom, und obwohl Madeline noch ein Kind war, begriff sie, dass der Spitzname die Fähigkeiten ihrer Mutter schmälerte. Sie war Chemikerin, keine Fernsehköchin. Und Elizabeth, ihrem einzigen Kind gegenüber befangen, schämte sich.

Manchmal lag Elizabeth nachts im Bett und dachte darüber nach, wie ihr Leben diesen Verlauf hatte nehmen können. Doch das Nachdenken währte nie lange, denn in Wahrheit wusste sie es.

Sein Name war Calvin Evans.


Kapitel 3

Forschungsinstitut Hastings
Zehn Jahre zuvor, Januar 1952

Calvin Evans war ebenfalls am Forschungsinstitut Hastings angestellt, doch im Unterschied zu Elizabeth, die in beengten Verhältnissen arbeitete, hatte er ein großes Labor ganz für sich allein.

Aufgrund seiner Erfolgsbilanz stand ihm das vielleicht auch zu. Mit neunzehn hatte er bereits bedeutsame Forschungsarbeit geleistet, die dazu beitrug, dass der berühmte britische Chemiker Frederick Sanger den Nobelpreis bekam. Mit zweiundzwanzig entdeckte er ein schnelleres Verfahren, um einfache Proteine zu synthetisieren. Mit vierundzwanzig brachte ihn sein Durchbruch in Sachen Reaktivität von Dibenzoselenophen auf das Titelblatt von Chemistry Today. Außerdem hatte er sechzehn wissenschaftliche Aufsätze verfasst, Einladungen zu zehn internationalen Tagungen erhalten und eine Professur in Harvard angeboten bekommen. Die er ablehnte. Zweimal. Zum einen, weil Harvard Jahre zuvor seinen Antrag auf einen Studienplatz abschlägig beschieden hatte, und zum anderen, weil – tja, eigentlich gab es keinen anderen Grund. Calvin war ein Genie, aber wenn er einen Fehler hatte, dann war das seine Neigung, nachtragend zu sein.

Obendrein war er berüchtigt für seine Ungeduld. Wie so viele geniale Menschen konnte Calvin einfach nicht begreifen, warum niemand sonst es kapierte. Er war außerdem introvertiert, was durchaus kein Fehler ist, sich aber häufig als Unnahbarkeit manifestiert. Erschwerend hinzu kam, dass er Ruderer war.

Wie viele Nicht-Ruderer Ihnen versichern werden, sind Ruderer nicht besonders lustig. Das liegt daran, dass Ruderer immer nur übers Rudern reden wollen. Sobald zwei oder mehr Ruderer im selben Raum sind, schweift das Gespräch unweigerlich von so herkömmlichen Themen wie Arbeit oder Wetter ab und kreist nur noch um Boote, Blasen, Riemen, Griffe, Ergos, Blattabdrehen, Training, Setzen, Ausheben, Freilauf, Splits, Sitze, Schläge, Rollschienen, Starts, Schlagzahlen, Sprints und ob das Wasser wirklich „glatt“ war oder nicht. Dann geht es meistens damit weiter, was bei der letzten Fahrt falschgelaufen ist und was bei der nächsten falschlaufen könnte und wer daran Schuld hatte beziehungsweise haben wird. Irgendwann strecken die Ruderer ihre Hände aus und machen einen Schwielenvergleich. Und wenn man so richtig Pech hat, schließen sich etliche Minuten andächtiger Ehrfurcht an, in denen einer von ihnen das perfekte Rudererlebnis schildert, bei dem sich alles leicht anfühlte.

 

Neben der Chemie war Rudern das Einzige, wofür Calvin echte Leidenschaft empfand. Ja, Rudern war der Grund, warum sich Calvin in Harvard überhaupt beworben hatte: Für Harvard rudern hieß 1945, für die Besten rudern. Oder eigentlich die Zweitbesten. Die University of Washington war die beste, aber die University of Washington lag in Seattle, und Seattle war für seinen Regen berüchtigt. Calvin hasste Regen. Deshalb richtete er seinen Blick in die Ferne – auf das andere Cambridge, das in England – und widerlegte damit einen der größten Mythen über Wissenschaftler: dass sie gut recherchieren können.

Als Calvin das erste Mal auf dem Cam ruderte, regnete es. Am zweiten Tag regnete es. Am dritten Tag ebenso. „Regnet’s hier andauernd so?“, maulte Calvin, als er und seine Teamkameraden sich das schwere Holzboot auf die Schultern hievten und hinaus zum Steg schleppten. „Nein, nein, praktisch nie“, beruhigten sie ihn. „Cambridge ist normalerweise ziemlich sonnig.“ Und dann sahen sie einander an, als wollten sie sich gegenseitig etwas bestätigen, was sie schon lange vermutet hatten: Amerikaner waren dämlich.

 

Leider erstreckte sich Calvins Dämlichkeit auch auf seine Kontakte zur Damenwelt – ein großes Problem, weil er sich sehr gern verlieben wollte. In den ganzen sechs einsamen Jahren, die er in Cambridge verbrachte, schaffte er es, sich mit fünf Frauen zu verabreden, von diesen fünf war nur eine zu einem zweiten Rendezvous bereit, und das auch nur, weil sie jemand anders erwartet hatte, als sie ans Telefon ging. Das Hauptproblem war seine Unerfahrenheit. Er war wie ein Hund, der nach jahrelangen vergeblichen Versuchen endlich ein Eichhörnchen erwischt und dann keine Ahnung hat, was er damit anstellen soll.

„Hallo … äh“, hatte er gesagt, mit klopfendem Herzen und feuchten Händen und einem schlagartig leeren Kopf, als die junge Frau die Tür öffnete. „Debbie?“

„Ich heiße Deirdre“, seufzte sie und warf einen ersten Blick auf ihre Uhr, dem noch viele folgen sollten.

Beim Abendessen zog sich die Unterhaltung vom molekularen Abbau aromatischer Säuren (Calvin) hin zu den neusten Filmen (Deirdre), zu der Synthese nicht reaktiver Proteine (Calvin), zu der Frage, ob er gern tanzte oder nicht (Deirdre), zu einem Blick auf die Uhr, es war schon halb neun, und er musste am Morgen rudern, deshalb würde er sie gleich nach Hause bringen (Calvin).

Es versteht sich von selbst, dass es nach diesen Rendezvous zu sehr wenig Sex kam. Genauer gesagt, zu gar keinem.

 

„Ich versteh gar nicht, dass du da Schwierigkeiten hast“, sagten seine Kameraden im Ruderteam öfter zu ihm. „Mädchen lieben Ruderer.“ Was nicht stimmte. „Und du bist zwar Amerikaner, aber du siehst nicht schlecht aus.“ Was ebenfalls nicht stimmte.

Ein Teil des Problems war Calvins Körperhaltung. Er war gut einen Meter neunzig groß, schlaksig und hager, und er ließ sich etwas nach rechts hängen – wahrscheinlich, weil er immer auf der Backbordseite ruderte. Aber noch problematischer war sein Gesicht. Er hatte einen verlorenen Ausdruck an sich, wie ein Kind, das sich allein durchschlagen musste, mit großen grauen Augen und zotteligem blonden Haar und leicht violetten Lippen, die fast immer geschwollen waren, weil er die Neigung hatte, auf ihnen zu kauen. Es war die Art von Gesicht, die manche als leicht zu vergessen beschreiben würden, eine unterdurchschnittliche Komposition, die nichts von der dahinterliegenden Sehnsucht oder Intelligenz erahnen ließ, bis auf ein entscheidendes Kriterium – seine Zähne, die gerade und weiß waren und seine gesamte Gesichtslandschaft rehabilitierten, sobald er lächelte. Zum Glück und vor allem, nachdem er sich in Elizabeth Zott verliebt hatte, lächelte Calvin ständig.

 

Sie begegneten sich – oder besser gesagt, wechselten die ersten Worte – an einem Dienstagmorgen im Forschungsinstitut Hastings, dem privaten Forschungslabor im sonnigen Südkalifornien, in dem Calvin, nachdem er in Cambridge in Rekordzeit promoviert und dreiundvierzig Stellenangebote abgewogen hatte, eine Position teils wegen des guten Rufs, aber hauptsächlich wegen des Niederschlags annahm. In Commons regnete es selten. Elizabeth dagegen nahm das Angebot vom Hastings an, weil sie keine anderen bekommen hatte.

Als sie vor Calvin Evans’ Labor stand, bemerkte sie einige große Warnschilder:

NICHT EINTRETEN

LAUFENDES EXPERIMENT

KEIN EINLASS

DRAUSSEN BLEIBEN

 

Dann öffnete sie die Tür.

„Hallo“, rief sie über Frank Sinatra hinweg, der aus einer Stereoanlage dröhnte, die seltsamerweise mitten im Raum stand. „Ich muss mit jemandem sprechen, der hier die Verantwortung hat.“

Calvin, überrascht, eine Stimme zu hören, reckte den Kopf über eine große Zentrifuge.

„Entschuldigen Sie, Miss“, sagte er laut und gereizt, auf der Nase eine große Schutzbrille, die seine Augen vor etwas schützten, das rechts von ihm brodelte, „aber Unbefugte haben hier keinen Zutritt. Haben Sie die Hinweisschilder nicht gesehen?“

„Doch“, rief sie zurück, ohne auf seinen Ton zu achten, während sie durch das Labor marschierte, um die Musik auszumachen. „So. Jetzt können wir uns gegenseitig besser hören.“

Calvin kaute auf seinen Lippen und zeigte zur Tür. „Sie dürfen nicht hier sein“, sagte er. „Die Hinweisschilder.“

„Also, mir wurde gesagt, Sie haben in Ihrem Labor einen Überschuss an Bechergläsern, und wir haben unten zu wenig. Steht alles hier drauf“, sagte sie und hielt ihm ein Blatt Papier hin. „Ist von der Materialverwaltung genehmigt.“

„Darüber bin ich nicht informiert worden“, sagte Calvin, der das Blatt überflog. „Aber es tut mir leid, nein. Ich brauche jedes Becherglas. Vielleicht sollte ich lieber mit einem Chemiker unten sprechen. Sagen Sie Ihrem Chef, er soll mich anrufen.“ Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu und schaltete im Vorbeigehen die Stereoanlage an.

Elizabeth rührte sich nicht. „Sie wollen mit einem Chemiker sprechen? Mit jemand anderem als MIR?“, rief sie über Frank hinweg.

„Ja“, antwortete er. Und dann wurde er etwas freundlicher. „Hören Sie, ich weiß, es ist nicht Ihre Schuld, aber die sollten keine Sekretärin hier raufschicken, um ihnen die lästige Arbeit abzunehmen. Also, ich weiß, das ist für Sie vielleicht schwer zu verstehen, aber ich bin gerade mit etwas Wichtigem beschäftigt. Bitte. Sagen Sie Ihrem Chef einfach, er soll mich anrufen.“

Elizabeths Augen verengten sich. Sie konnte Leute nicht ausstehen, die aufgrund von ihrer Meinung nach längst überholten optischen Eindrücken voreilige Schlüsse zogen, und selbst wenn sie eine Sekretärin gewesen wäre, so konnte sie ebenso wenig Männer ausstehen, die glaubten, dass eine Sekretärin nicht in der Lage war, Wörter zu verstehen, die über „Tippen Sie das in dreifacher Ausfertigung“ hinausgingen.

„So ein Zufall“, schrie sie, steuerte geradewegs auf ein Regal zu und nahm sich einen großen Karton Bechergläser. „Ich bin auch beschäftigt.“ Dann marschierte sie hinaus.


Du kennst die Wahrheit? Du kennst sie nicht.

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