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Bücher über Königshäuser

Die glitzernde Welt des Adels fasziniert und beindruckt seit Jahrhunderten. Werfen Sie mit unseren Büchern und Biografien einen Blick hinter die Kulissen der Paläste - abseits von Klatsch und Tratsch - und tauchen Sie stattdessen tief in die historischen Aspekte der adligen Gesellschaft ein.  

Royales Gewinnspiel

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Die Habsburger

Die Familie der Habsburger

Die Biografie der Kaiserin Sisi

Sisis Leben zwischen Mythos und Wahrheit

Sisis WegSisis Weg
Hardcover
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Vom Mädchen zur Frau – Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof

Sisis Leben zwischen Mythos und WahrheitKaiserin Elisabeth gehört zweifelsfrei zu den bekanntesten Frauen der Geschichte. Längst ist Sisi zum Mythos geworden. Doch was wissen wir wirklich über ihr Leben? Wie sah ihr Alltag aus? Wie ihre Kindheit? Welche gesellschaftlichen Normen und Ideale beeinflussten ihr Fühlen, Denken und Handeln? Und wie unterschied sie sich von anderen Frauen ihres Standes?• Erstmals wird Kaiserin Elisabeths Leben aus der Perspektive ihres Alltags betrachtet• Durch die Analyse unveröffentlichter Originalquellen schließt die Autorin Lücken in der Elisabeth-ForschungÜberzeugend und detailgetreu zeigt die Autorin in dieser Biografie eine neue Seite der legendären, österreichischen Kaiserin: die private Sisi vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts. 
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Das Standardwerk zur österreichischen Kaiserin

Blick ins Buch
Elisabeth
Taschenbuch
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Kaiserin wider Willen

Elisabeth, Kaiserin von Österreich, Königin von Ungarn, war eine der gebildetsten und interessantesten Frauen ihrer Zeit. Häufig entfloh sie der verhaßten Wiener „Kerkerburg“, weil sie nicht bereit war, sich von den Menschen „immer anglotzen zu lassen“. Statt dessen war sie monatelang auf Reisen, lernte Sprachen und trieb – im Rittersaal auf der Hofburg – Sport. Schon vor dem Attentat, das 1898 ihr Leben beendete, war sie zur Legende geworden. Brigitte Hamann schildert in dieser bereits zum Standardwerk gewordenen Biographie die Kaiserin, wie sie wirklich war - das übliche süße Sisi-Klischee wird man in diesem Buch vergeblich suchen.  Für diese Neuausgabe hat sie neu zugängliche Quellen erforscht und neue wissenschaftliche Erkenntnisse eingearbeitet.„Eine fundamentale Biografie.“ Neue Zürcher Zeitung- Mit über 100 Abbildungen
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Sisi – gesehen mit den Augen ihrer Lieblingstochter

Das Tagebuch der Lieblingstochter von Kaiserin Elisabeth 1878–1899
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Herausgegeben von Martha und Horst Schad

Marie Valérie (1868–1924) wurde als viertes Kind von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth in Budapest geboren. Wie keines der anderen Geschwister gewann sie das Herz ihrer Mutter und durfte ihre Nähe erleben, aber auch Sisis ruheloses Leben. In ihrem Tagebuch beschreibt Marie Valérie ihre Eltern, Geschwister und Verwandten ganz unmittelbar, oft ungeschminkt. Kritisch beschreibt die Erzherzogin auch ihre Zeit, die Monarchie und nicht zuletzt sich selbst – als Kind, als Braut, als Frau und Mutter.
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Eine Familienchronik voller schräger Gestalten

Habsburgs schwarze SchafeHabsburgs schwarze Schafe
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Über Sonderlinge, Rebellen und Wahnsinnige im kaiserlichen Hause

Als sich Winston Churchill über die „idiotischen habsburgischen Erzherzöge“ ärgerte, stand er mit seiner Ansicht nicht allein da. Warum kamen gerade bei diesem Herrschergeschlecht besonders viele Abweichungen von der Norm vor? Christian Dickinger schlägt die dunklen Seiten der Geschichte des Herrscherhauses auf und schreibt informativ und anschaulich über aristokratische Arroganz, den fanatischen Glauben an das Gottesgnadentum, die Jahrhunderte lang betriebene dynastische Inzucht und den Wahnsinn als deren Folge.
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Leben am Hof

Ein Blick hinter die Kulissen

Als Liebe noch das Leben kostete …

Skandal bei HofSkandal bei Hof
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Frauenschicksale an europäischen Königshöfen

Als Liebe noch Leben kostete - die dramatische Familiengeschichte von fünf Prinzessinen aus dem Haus WindsorsWahnsinnige Ehemänner, lebenslanger Hausarrest, grausamste körperliche und seelische Qualen, Isolation in einem intriganten Hofstaat: Alltag für viele adlige Frauen des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit feinem psychologischen Gespür erzählt Thea Leitner unter anderem diese Chroniques scandaleuses vonvon Sophie Dorothea, der Gemahlin des englischen Königs Gerog I.;Elisabeth Charlotte (Liselotte von der Pfalz), der deutschen Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Wilhelmine, der Lieblingsschwester Friedrichs des GroßenVor dem Hintergrund europäischer Politik eröffnen diese erschütternden Tragödien ein Gesellschaftsbild, das die Skandale heutiger gekrönter Häupter als harmlose Geschichten erscheinen lässt.
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Nach persönlichem Glück wurde selten gefragt

Ungeliebte KöniginUngeliebte Königin
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Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen

Nach außen mochten die großen europäischen Fürstenhöfe Pracht und Luxus ausstrahlen, doch hinter ihren Fassaden spielten sich wahre Ehetragödien ab. Die Töchter von Kaisern und Königen wurden häufig wie ein Stück Ware gehandelt und noch als Kinder aus Staatsräson in ein fernes Land verschachert; nach persönlichem Glück wurde selten gefragt. Packend und historisch fundiert erzählt Helga Thoma von tragischen Schicksalen, aber auch von starken Frauen, die sich vom Leid nicht brechen ließen.
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Weitere Adels-Biografien

Über das höfische Leben der Barockzeit

Die verbannte PrinzessinDie verbannte Prinzessin
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Das Leben der Sophie Dorothea von Hannover

Früh verheiratet, von ihrem Mann ungeliebt und gedemütigt, begegnet Kurprinzessin Sophie Dorothea von Hannover im Jahr 1690 dem schwedischen Oberst Philipp Christoph Königsmarck, Auftakt einer leidenschaftlichen Affäre, die mit ihrer Verbannung auf ein Landschlösschen an der Aller endet. 30 Jahre, bis zu ihrem Tod, muss sie dort in völliger Isolation verbringen, während ihr Mann als Georg I. den englischen Thron besteigt, ihre Tochter Königin von Preußen wird und einen Knaben zur Welt bringt, der als Friedrich der Große in die Geschichte eingehen wird.
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Ein neuer Zugang zu Elisabeth II.

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Die QueenDie QueenDie Queen

Elisabeth II – Porträt einer Königin

Eindrucksvoll und berührend: private Einblicke in das Leben von Queen Elizabeth II mit zwölf einzigartigen Porträts   Stoisch, unnahbar, reserviert: So kennt man Queen Elizabeth II. Seit 70 Jahren ist sie das Oberhaupt der Royal Family, nachdem sie mit nur 25 Jahren den Thron bestieg. Während das Leben ihrer Schwiegertochter Lady Diana und der Prinzen William und Harry medial ausgeschlachtet wurde, erfuhr man aus dem Privatleben der Queen in all den Jahren kaum etwas.   Die italienische Journalistin Paola Calvetti zeichnet in der neuen Biografie nun ein berührendes Porträt einer Frau, die sich sehr früh in ihrem Leben ihrer Verantwortung stellen musste. Nach außen hin verkörpert die Queen stets die starke Souveränin, die man von ihr erwartet. Doch Calvetti beschreibt auch die zarten Seiten der Königin: ihre Liebe zu Philip, die Beziehung zu ihrer Schwester Margaret, den Druck des Königshauses.   12 Bilder berühmter Fotografen wie Marcus Adams oder Annie Leibovitz ergänzen das Buch und offenbaren das eindrucksvolle Porträt einer Königin mit vielen Gesichtern.   Die Macht der Bilder: das bisher schönste „Fotoalbum“ über die Queen  Paola Calvetti nähert sich der Queen auf besondere Weise: 12 ganzseitige Aufnahmen schmücken die Biografie, die dabei weit über Anekdoten und Insiderberichte hinausreicht. Die ausdrucksstarken Fotos verraten auf den zweiten Blick viel über das Leben einer zielstrebigen und großen Persönlichkeit. Calvetti schafft es, die unnahbare Königin so von einer anderen Seite zu zeigen.   „Paola Calvetti zeichnet das elisabethanische Zeitalter durch die Bilder eines idealen Erinnerungsalbums nach.“ ― ELLE (Italien) 

Wiltshire, England, März 2015

Der Fahrer verstaut die letzten Gegenstände aus dem Cottage in seinem Lieferwagen, alles wertloser Plunder, der in den ebenerdigen Räumen zurückgeblieben ist. Das alte Häuschen braucht nun nicht mehr als einen frischen Anstrich, denn Bausubstanz und Putz sind noch gut. Klar, im Garten wuchert das Unkraut, die Äste der Bäume reichen schon bis ans Dach, das Holz der Fensterrahmen ist rissig, und die niedrigen Steinmauern sind bröckelig und löchrig wie Scheiben vertrockneten Brotes. Doch die Lage des kaum eine Zugstunde von London entfernten Cottages ist einfach unbezahlbar, und die hohen Hecken bieten perfekten Schutz vor neugierigen Blicken.

Hier herrscht vollkommene Stille.

Der Morgen taucht die Umgebung in honigfarbenes Licht.

Als der neue Eigentümer dieser Oase der Ruhe wieder allein ist, geht er in den Keller. Durch die halb geöffnete Tür fallen zwei Lichtstreifen ins Halbdunkel. Von der Decke hängt eine nackte Glühbirne herab, in einer Ecke liegt ein umgestoßener, staubüberzogener Schemel. In den dichten Spinnweben unter einem Balken entdeckt der Eigentümer eine kleine Holzkiste mit verblichenem Schild. Da muss er wohl noch mal den Mann mit dem Lieferwagen rufen, denkt er und klappt gleichmütig ihren Deckel auf, ohne groß Hoffnung zu haben, einen Schatz zu entdecken. Tatsächlich liegen in der Kiste, in fein säuberliche Reihen sortiert, Dutzende cremefarbener Briefumschläge.

Darin alte Fotos.

Manche sind gut erhalten, andere an den Kanten vergilbt. Wie durch ein Wunder sind sie von der Feuchtigkeit verschont geblieben. Auf gut Glück nimmt er einen Umschlag mit der Aufschrift 1926 und zieht vorsichtig das Bild hervor: Eine junge Frau mit klaren Gesichtszügen schaut ihm direkt in die Augen, in langen Bögen fällt ihre Perlenkette auf das dunkle Kleid, die Lippen öffnen sich zu einem Lächeln. Auf ihrem Schoß hält sie ein Kleinkind in weißem Spitzenkleidchen, unter dem die nackten Babyfüße hervorschauen. Die Bildunterschrift auf der Rückseite des Fotos lässt sein Herz höherschlagen: Princess Elizabeth and the Duchess of York, dec. 2 1926.

Deshalb kommt ihm das Gesicht so bekannt vor!

Die geheimnisvolle Frau ist die zukünftige Queen Mum und das blonde Baby niemand anderes als das Kind.

Neunundachtzig Jahre hat das Foto in der Kiste überdauert, zusammen mit vielen Hundert weiteren Erinnerungen an eine vorgezeichnete und allem Anschein nach glückliche Kindheit. Wer wohl die Bilder der Königsfamilie in dieser Zeitkapsel zurückgelassen hat? In der rechten unteren Ecke entdeckt er eine verblasste Signatur: Marcus Adams.

Eine schnelle Onlinerecherche ergibt, dass es sich um den Schwiegersohn der ehemaligen Cottagebesitzerin handelt, der verstorbenen Rosalind Thuillier. Adams ist der Name einer Fotografendynastie, die jahrzehntelang das Leben der Königsfamilie begleitet hat: Marcus’ Vater Walton, Mitglied der British Archaeological Association und Miterfinder der Trockenplatte, war der Lieblingsfotograf von Königin Victoria; Marcus selbst lichtete zwischen 1926 und 1956 ganze Scharen von Aristokratenkindern ab, und sein eigener Sohn Gilbert schließlich hatte als sein Assistent die Ehre, bei der Krönungszeremonie von Elizabeth II. Westminster Abbey auszuleuchten.

Natürlich hat es einen gewissen Reiz, etwas zu besitzen, das mit den Royals zu tun hat, aber was soll der neue Eigentümer des Häuschens nur mit dem Schatz anfangen, der ihm da so unverhofft vor die Füße gefallen ist? Soll er aus dem Cottage vielleicht ein Museum der Zeitgeschichte machen? Oder lieber versuchen, diese Fragmente eines Monarchenlebens möglichst schnell wieder loszuwerden?

Verkaufen, nichts wie verkaufen!

Einige Monate später ist der große Saal des Auktionshauses Dominic Winter in Cirencester, einer Kleinstadt rund 150 Kilometer nordwestlich von London, bis auf den letzten Platz gefüllt, eine eigenartige, angespannte Vorfreude liegt in der Luft. Aus allen Teilen Großbritanniens sind Sammler, Galeristen, treue Windsor-Fans und Schaulustige in die Grafschaft Gloucestershire gekommen, um sich eine der fünfhundert Fotografien zu sichern, die ein anonymer Verkäufer anbietet. Ein echtes Zückerchen: Denn Marcus Adams, der weniger ein braver Chronist der Geschichte als ein wilder Sammler von Erinnerungen war, hat nicht nur ein umfangreiches Werk hinterlassen, die ausdrucksstarken Bromöldrucke sind auch noch alle unveröffentlicht. Sie erzählen vom Beginn eines Lebens, das einige Jahre später eine völlig neue Wendung nehmen sollte. Auf rund der Hälfte der Fotos ist Elizabeth zu sehen, als süßes Baby mit speckigen Beinchen auf dem Schoß von Königin Mary, der strengen Großmutter, oder als Jugendliche, die mit ihren Blicken bereits alles um sich herum zu kontrollieren scheint, oder als junge Mutter Anfang zwanzig mit ihrem erstgeborenen Kind Charles auf dem Arm.

Die Auktion ist ein Riesenerfolg.

Das höchste Gebot bekommt ein Porträt von König George VI. mit seiner Gemahlin Elizabeth, der Queen Consort, und den beiden Prinzessinnen Elizabeth und Margaret aus dem Jahr 1939, wenige Wochen vor Englands Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Vom Nachmittag des 12. bis zum Abend des 13. Oktober 2015 wird der Schatz eines achtlosen Fotografen in alle vier Himmelsrichtungen verstreut. Sämtliche Abzüge sind unter den Hammer gekommen – bis auf einen, den der überglückliche Verkäufer selbst behält: Datiert auf den 2. Dezember 1926 zeigt er das Debüt der kleinen Elizabeth vor der Linse.

Kindheit (1926 – 1933)

 
Sieben Monate vor dem Dezember-Foto

Ein eisiger Wind weht über der Themse. Es ist der 20. April 1926, und die Morgenzeitungen verkünden mit wenigen Zeilen, dass es nicht mehr lange dauern kann. Dennoch sind keine Fotografen in die Bruton Street Nummer 17 im Londoner Nobelviertel Mayfair gekommen. Nur eine kleine Gruppe ergebener Untertanen harrt unter den Fenstern des Hauses aus, und im Eckpub Coach and Horses (das es bis heute gibt, eingekeilt zwischen luxuriösen Stadthäusern) stehen die Bierkrüge bereit, um auf das freudige Ereignis anzustoßen. Auch der Streik der englischen Bergarbeiter, den die Gewerkschaften als Protest gegen die angekündigten Lohnsenkungen für den 3. Mai angekündigt haben, trägt zur Londoner Eiseskälte bei. Doch Sir William Joynson-Hicks hat im Moment anderes im Kopf; der Innenminister der konservativen Regierung unter Stanley Baldwin eilt zu einer wichtigen Staatsangelegenheit.

Es ist kurz nach Mitternacht, als sein Fahrer ihn zur Residenz von Claude George Bowes-Lyon fährt, dem 14. Grafen von Strathmore und Kinghorne. Im ersten Stock liegt die fünfundzwanzigjährige Elizabeth Angela Marguerite Bowes-Lyon, die vierte Tochter und das insgesamt neunte Kind des Grafen, seit vierundzwanzig Stunden mit ihrem ersten eigenen Kind in den Wehen. Um die erschöpfte Herzogin von York herum stehen drei Gynäkologen, zwei Hebammen, eine Handvoll Geistliche sowie Angehörige des Hofstaates. Doch damit nicht genug: Um die Geburt eines royalen Kindes zu bezeugen, ist die Anwesenheit des Innenministers erforderlich. Diese Tradition reicht bis in das Jahr 1688 zurück, als man kurz nach seiner Geburt die Legitimität des später so unglückseligen James Stuart, des Sohnes von König James II. und Königin Maria Beatrice d’Este, anzweifelte, und sich unter anderem das Gerücht verbreitete, dass der wahre Sohn des Paares bei der Geburt gestorben und mithilfe einer verschlagenen Hofdame durch ein fremdes Kind ersetzt worden sei.

Sir William muss nicht lange warten.

Da die natürliche Geburt Komplikationen verspricht, entschließt sich der Chirurg Sir Harry Simpson zu einem Kaiserschnitt. Die Operation wird gleich vor Ort durchgeführt, obwohl der Eingriff das Risiko birgt, dass die junge Mutter keine weiteren Kinder bekommen kann. Doch Elizabeths Ehemann Prinz Albert, der Herzog von York, ist kein direkter Thronfolger, also fackelt man nicht lange. Wenige Minuten nach 2:40 Uhr am frühen Morgen des 21. April 1926 teilt Sir Joynson-Hicks dem Premierminister mit, dass die Geburt „institutionell“ problemlos verlaufen sei und er sich „persönlich“ habe überzeugen können, dass kein Austausch stattgefunden habe. Der Säugling mit einem Geburtsgewicht von 3600 Gramm ist also die erste Enkelin von König George V. Doch vor allem ist sie die innig geliebte Tochter der grazilen, humorvollen Elizabeth, Gemahlin des stotternden und jähzornigen Prinzen Albert, genannt Bertie.

Am 22. April erscheint in der Times eine kurze Mitteilung: „Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von York hat gestern Morgen um 2:40 Uhr in der Bruton Street 17 eine Tochter zur Welt gebracht. (…) Seit der Ankunft ihrer Tochter hat die Herzogin von York ein wenig geruht. Der Zustand Ihrer Königlichen Hoheit und der kleinen Prinzessin entwickelt sich sehr zufriedenstellend.“ Am nächsten Tag ist die Daily Mail die einzige Zeitung, die ihre Leser darauf hinweist, dass „dieses Kind, das seit gestern im ganzen Königreich Thema Nummer 1 ist (zumindest bei den meisten), in der Thronfolge auf Platz drei rangiert“. Nämlich hinter Edward, Prince of Wales, der für den Thron und damit auch für Hochzeit und eigene Nachkommen in der unmittelbaren Thronfolge vorgesehen ist, und seinem Bruder Albert.

Den ersten Besuch bekommt das Neugeborene am Nachmittag von den Großeltern väterlicherseits, König George V. und Königin Mary, die um vier Uhr morgens über den Familienzuwachs in Kenntnis gesetzt wurden. Die Großmutter beschreibt den Säugling als „entzückendes kleines Ding mit gesunder Gesichtsfarbe und wunderbaren Haaren“. Am selben Abend schickt ihnen der frischgebackene Vater stolz und überglücklich ein Billett nach Hause:

„Ich hoffe, Du und Vater freut Euch über die Geburt Eurer Enkelin“, begleitet von einer Art Einschränkung (denn Könige bevorzugen bekanntermaßen männliche Nachkommen …), „oder hättet ihr lieber einen weiteren Enkel?“

Bis heute erinnert eine Gedenktafel an die eisige Nacht:

AN DIESER STELLE IN DER BRUTON STREET 17 STAND EINST DAS STADTHAUS DES GRAFEN VON STRATHMORE UND KINGHORNE, WO ELIZABETH ALEXANDRA MARY WINDSOR, SPÄTER IHRE MAJESTÄT QUEEN ELIZABETH II., AM 21. APRIL 1926 DAS LICHT DER WELT ERBLICKTE.

Glücklicherweise haben die Royals seit jeher die Angewohnheit, sich von einem Raum des Palastes zum anderen kleine Botschaften zukommen zu lassen. Jahrzehnte später lässt sich aus diesen Notizen zwar kein Tratsch und Klatsch mehr ziehen, sie enthalten aber immer noch ungeahnte Wahrheiten. Beispielsweise kennen wir so manche Einzelheit über die Verlobung und Hochzeit von Elizabeth Bowes-Lyon aus jenen Briefchen, die erst 2012 veröffentlicht wurden und in denen die sonst sehr selbstbewusste und entschlussfreudige junge Frau zugibt, dass sie gar nicht so sicher sei, ob sie den Sohn des Königs heiraten solle. Im Gegenteil, der Gedanke an die Pflichten, die eine solche Verbindung mit sich bringe, jage ihr geradezu „Angst“ ein, gesteht sie ihrer ehemaligen Gouvernante Beryl Poignand. Albert hingegen ist wie magisch angezogen von der temperamentvollen Schottin und hofiert sie über Monate, doch er ist nur der Zweitgeborene der Windsors und vielleicht nicht „gut genug“ für die ambitionierte Adlige, der die Geschichtsbücher zudem eine Schwäche für den Hofbeamten James Stuart nachsagen.

Doch die Entscheidung der Windsors ist gefällt, und der schüchterne Sohn bekommt Schützenhilfe von Königin Mary. Mit einem attraktiven Posten in den Vereinigten Staaten wird der Rivale aus dem Verkehr gezogen. Bei einem Besuch auf Glamis Castle, dem schottischen Familiensitz der Strathmores, kommt es, verbunden mit einer unbedachten zärtlichen Geste, zum ersten Heiratsantrag – der prompt abgelehnt wird. Ebenso der zweite. Doch Albert lässt nicht locker, sendet Briefe und kleine Nachrichten, veranstaltet rauschende Feste und Bälle, und nach Monaten des hartnäckigen Umwerbens verändert sich Elizabeths Blick auf den verletzlichen Herzog; der dritte Antrag wird schließlich erhört, und so kommt es am 15. Januar 1923 zur Verlobung. Von dem Tag an richtet sich eine geradezu krankhafte Aufmerksamkeit auf die zukünftige Braut, die Presse giert nach Details und Indiskretionen. Die Vorstellung, sich der Neugier der Öffentlichkeit stellen zu müssen, ärgert Elizabeth maßlos, Reporter und Fotografen sind für sie die pure Pest – hoffentlich werden sie bald gelangweilt von ihr ablassen!

Doch das bleibt ein frommer Wunsch, und nur wenige Jahre später wird sich die Herzogin von York derselben Reporter und Fotografen bedienen – zu ihrem eigenen Vorteil und dem der Monarchie.

Am 26. April 1923 heiraten Elizabeth und Albert in Westminster Abbey. Nach kurzen Flitterwochen im Herrenhaus Polesden Lacey in der Grafschaft Surrey südwestlich von London ziehen sie in die ruhige Bruton Street, wo aus Elizabeth schnell eine aufmerksame Ehefrau wird, die den Wunsch ihres Mannes nach einem Familienleben fernab der höfischen Ränke wirkungsvoll unterstützt.

Ganz dem viktorianischen Geist ergeben, passt sich die Herzogin fraglos dem königlichen Protokoll an. Sie weiß, dass so gut wie nichts ohne die Einwilligung des Schwiegervaters geschieht, der nun sogar das Recht und das Privileg hat, über den Namen seiner Enkelin zu entscheiden: Der elterliche Vorschlag Elizabeth Mary Alexandra (zu Ehren von Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, allesamt Königsgattinen oder -witwen) findet seine Zustimmung, und am 29. Mai 1926 wird die Kleine durch den Erzbischof von York, Cosmo Lang, in der Familienkapelle von Buckingham Palace getauft – mit Wasser aus dem Jordan.

Sie weint die ganze Zeremonie lang.

Die Briten feiern ihre Little Princess wie keine Zweite, innerhalb weniger Monate schmückt sie die Titelseiten aller Zeitungen und wird zum „bekanntesten Kind der Welt“, nicht zuletzt dank der Fotos von Marcus Adams.

„Three Photographers“

Kinder sind für Bertram Park schwierige Kunden, weil sie sich vor der Linse kaum bändigen lassen. Wie viel einfacher verdient man da sein Geld mit Theaterstars oder den eitlen Damen reiferen Alters, die nach Porträts für die heimische Ahnengalerie verlangen. Doch als aus dem Palast wiederholt Anfragen kommen, wittert Park ein gutes Geschäft und gründet mit seiner talentierten Frau Yvonne Gregory und dem lebenslustigen Marcus Adams das Studio „Three Photographers“, wo die drei sich Druckherstellung, Nachbearbeitung und Dunkelkammer teilen. Doch nur Adams obliegt die lästige Pflicht, die zappeligen Kinder der „Von und zu“ abzulichten.

Wir schreiben den Herbst 1920, und die Dover Street 43 wird sich in kürzester Zeit zum Mekka der neuen Generation reicher Bürgerlicher und Adliger entwickeln – unter ihnen die nicht besonders hübsche Rosalind Hicks, einzige Tochter der Schriftstellerin Agatha Christie, und der kleine, traurige Christopher Robin Milne, dessen Stofftier das Vorbild für Pu der Bär war, die von seinem Vater Alan Alexandre Milne erdachte Kinderbuchfigur. Im Portfolio der „Three Photographers“, quasi ein Who’s who der künftigen britischen Elite, dürfen der Herzog und die Herzogin von York nicht fehlen, an denen sich die Zeitschriftenverleger eine goldene Nase verdienen; nicht zuletzt seit der Geburt der Prinzessin mit den Goldlöckchen, die zu einem der beliebtesten Fotomotive geworden ist.

Seit ihrem Debüt am 2. Dezember 1926 hält das Automobil der Yorks mit erfreulicher Regelmäßigkeit in der Dover Street, wo Adams sie mit Krawatte und Blüte im Knopfloch in einem gut sitzenden grauen Jackett empfängt, darüber den weißen Arbeitskittel. Nach dem obligatorischen Bückling vor Ihren Königlichen Hoheiten geht es gleich in den großzügigen, mattgelben Aufnahmeraum, wo auf einem großen Tisch Puppen und Spielzeug warten. Adams hat schon eine Bleistiftskizze der jungen „Kundin“ angefertigt und einen Fotoapparat mithilfe von Gummischienen so präpariert, dass er das Kind nicht mit dem metallischen Rattern der Fotoplatten verschreckt.

Adams fotografiert mit dem weichen Licht verdeckter Lampen, seine bedächtigen Bewegungen wecken die Aufmerksamkeit des Kindes, es „posiert“ unter den wachsamen Blicken der hinter einer Stellwand aus Glas stehenden Eltern, während der Fotograf es mit kleinen Kunststücken unterhält. Ein kurzes Video im Internet zeigt, wie gebannt und interessiert ihm die zu diesem Zeitpunkt vierjährige Elizabeth folgt, als wäre er ihr Lieblingsonkel.

Für fünfzig gelungene Fotos schießt er mindestens zweihundert, anschließend arbeitet er für den von ihm angestrebten Effekt mit Kreiden und Bleistiftminen einen weichen Hintergrund auf die gläsernen Fotoplatten, eine für damalige Zeiten sehr fortschrittliche Postproduktion. Einige Tage später gibt er die Porträts im Palast ab. Viele davon wandern als Erinnerung in das Familienalbum, andere werden in Zeitschriften veröffentlicht, auf Keksdosen gedruckt, für Postkarten, Briefmarken, Kalender und Porzellantassen verwendet.

Schließlich kommt Elizabeth sogar noch dem amerikanischen Kinderstar Shirley Temple zuvor, als das Wochenmagazin Time der gerade drei Jahre alt gewordenen Prinzessin mit der Ausgabe vom 29. April 1929 einen engelsgleichen Auftritt auf der Titelseite schenkt.

Ein außergewöhnliches Leben

Alice von Battenberg – Die Schwiegermutter der QueenAlice von Battenberg – Die Schwiegermutter der Queen

Ein unkonventionelles Leben

Ein Leben zwischen Buckingham Palace und der Psychiatrie – ein ungeschöntes Porträt einer faszinierenden Persönlichkeit Karin Feuerstein-Praßer holt mit der ersten deutschsprachigen Biografie über Alice von Battenberg eine Frau aus der Vergessenheit, die mehr als nur die Schwiegermutter von Queen Elizabeth der II. war. Sie durchlebte Kriege und Putschversuche, war Mutter und Wohltäterin, kämpfte aber auch gegen zahlreiche eigene Dämonen. Das Leben der Alice von Battenberg war ungewöhnlich, tragisch, vor allem facettenreich und vielschichtig. Die Urenkelin von Königin Victoria und spätere griechische Monarchin kam 1885 taub auf Schloss Windsor zur Welt, lernte jedoch Lippenlesen in gleich mehreren Sprachen. Später heiratete Alice Prinz Andreas von Griechenland, bis politische Unruhen die Familie ins Exil zwangen. Sie verfiel dem religiösen Wahn und wurde wegen des Verdachts auf Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen. Ein schier unglaublicher Lebensweg, der noch viele weitere Stationen sowie Höhen und Tiefen enthält. Autorin Karin Feuerstein-Praßer schafft ein wichtiges und fesselndes Korrektiv, welches das Rampenlicht auf eine zu Unrecht ignorierte Adlige richtet. Heldinnenmut im Angesicht des Nationalsozialismus – eine wenig beachtete Seite der Aristokratie Karin Feuerstein-Praßer lässt ihre Leser noch zahlreiche andere Facetten der Prinzessin und des europäischen Adels entdecken. Alice von Battenberg versteckte während des Zweiten Weltkriegs eine jüdische Familie und rettete ihr damit das Leben. Eine Tat, für die sie nach ihrem Tod die Ehrung als „Gerechte unter den Völkern“ erhielt. Informatives und persönliches Geschichtsbuch abseits der royalen Gerüchteküche Selbst eine komplexe und vielschichtige Serie wie „The Crown“ auf Netflix erfasst nicht die gesamte Geschichte der Royal Family. „Alice von Battenberg – Die Schwiegermutter der Queen“ eignet sich deswegen perfekt für LeserInnen, die kein Interesse an Klatsch und Tratsch über Harry und Meghan oder wilden Skandalen haben. Tauchen Sie stattdessen tief in die historischen Aspekte der adligen Gesellschaft ein.

Kapitel 1
Kosmopoliten aus der hessischen Provinz – die Battenbergs
Alice, Mutter von Prinz Philip und Urenkelin Queen Victorias

Als junger Prinzgemahl hatte es Philip, Herzog von Edinburgh, am englischen Königshof keineswegs leicht. Nach der Thronbesteigung Elizabeths II. 1952 musste er seine erfolgreiche Karriere bei der Royal Navy vorzeitig beenden, um künftig nur noch „der Mann an ihrer Seite“ zu sein. Das höfische Protokoll schrieb ihm vor, stets zwei, drei Schritte hinter seiner Frau zu gehen, was er jahrzehntelang mit der ihm eigenen Souveränität tat, bis er im August 2017 in den offiziellen „Ruhestand“ trat. Zu diesem Zeitpunkt war Prinz Philip 96 Jahre alt und zählte zu den fleißigsten und beliebtesten Mitgliedern des englischen Königshauses.
Das war nicht immer so gewesen, zumindest was seine Beliebtheit betrifft. Anfangs galt Philip sowohl am Hof als auch beim englischen Adel als bürgerlicher Außenseiter, noch dazu mit deutschen Wurzeln, was seine Position in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zusätzlich erschwerte. Selbst das Dienstpersonal schien ihm mitunter den nötigen Respekt zu versagen. Wer war er schon, dieser Philip Mountbatten, dessen Vorfahren mütterlicherseits noch bis 1917 den deutschen Namen Battenberg getragen hatten und irgendwo aus der hessischen Provinz stammten?
Nach der Krönung Elizabeths II. im Sommer 1953 musste sich Prinz Philip sogar von einem hochnäsigen Höfling belehren lassen: „Sie werden Schloss Windsor lieben, wenn Sie es erst einmal kennengelernt haben.“ Philips lässige Antwort wird den Bediensteten wohl sprachlos gemacht haben: „Ja, ich weiß, meine Mutter wurde hier geboren.“ Ob der Bedienstete das geglaubt hat? Wieso sollte die Mutter des Prinzgemahls ausgerechnet auf Schloss Windsor das Licht der Welt erblickt haben, mag er sich wohl gefragt haben. Vielleicht hatte er ja die Krönungsfeierlichkeiten im Fernsehen verfolgt und sich über die merkwürdige ältere Dame gewundert, die mit ihrer schlichten grauen Nonnentracht einen außergewöhnlichen Kontrast zu den übrigen, glamourös gekleideten Gästen bildete. Ob er wohl wusste, dass es sich um die Schwiegermutter der Queen handelte, Philips Mutter Alice von Battenberg?
Tatsächlich kam Alice von Battenberg am 25. Februar 1885 in Anwesenheit von Queen Victoria (1819–1901) auf Schloss Windsor zur Welt. Schließlich war ihre Mutter, die 1863 ebenfalls hier geboren wurde, deren Enkelin und trug zudem den gleichen Namen: Viktoria. Auch die neugeborene Prinzessin wurde nach ihrer Großmutter mütterlicherseits Alice gerufen (Taufname: Victoria Alice Elisabeth Julia Marie), doch diese, Viktorias Mutter, die zweitälteste Tochter der Queen, war tragischerweise schon 1878 verstorben.


Die früh verstorbene Großmutter Alice von Hessen-Darmstadt

Nach der Geburt von Viktoria, genannt „Vicky“, 1840 und des späteren englischen Königs Edward VII. im Jahr darauf kam Alice 1843 als drittes Kind von Queen Victoria und ihrem deutschen Gemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861) auf die Welt. Mit 19 Jahren heiratete sie den späteren (1877) Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein (1837–1892) und folgte ihrem Ehemann in die hessische Residenzstadt Darmstadt.
Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt war damals noch vergleichsweise jung. In der Zeit der Napoleonischen Kriege war Ludwig X. (1753–1830), Landgraf von Hessen-Darmstadt, ein enger Verbündeter von Napoleon Bonaparte gewesen, Gründungsmitglied des unter französischem Protektorat stehenden Rheinbunds, der sich im August 1806 formell vom Heiligen Römischen Reich losgesagt und damit dessen Ende beschleunigt hatte. Als Dankeschön des Kaisers der Franzosen erhielt der Landgraf eine fürstliche Standeserhöhung und durfte sich seitdem Ludwig I., Großherzog von Hessen und bei Rhein, nennen.
Daneben gab es noch ein zweites hessisches Territorium, Hessen-Kassel; beide waren 1567 durch Erbteilung entstanden. Landgraf Philipp I. (1504–1567), von dem später noch die Rede sein wird, hatte das hessische Territorium seinen vier Söhnen vermacht, von denen zwei frühzeitig starben. So entstanden damals der nördliche Teil Hessen-Kassel und die südliche Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.
Das Haus Hessen-Darmstadt war eng mit den großen europäischen Höfen verbunden. Wilhelmine (1755–1776), eine Tochter Ludwigs IX. und der „Großen Landgräfin“ Caroline, hatte den russischen Zaren Paul I. geheiratet, den Sohn Katharinas der Großen, während ihre Schwester Friederike Luise (1751–1805) an der Seite Friedrich Wilhelms II. preußische Königin wurde. 1841 vermählte sich schließlich Marie, die Tochter des hessischen Großherzogs Ludwig II. (1777–1848) und Wilhelmines von Baden (1788–1836), mit dem späteren Zaren Alexander II. – ein Umstand, der einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entstehungsgeschichte der Battenbergs hatte. Doch dazu später mehr.
Hatte sich das Haus Hessen-Darmstadt hinsichtlich seiner Eheschließungen bislang auf Russland und Preußen beschränkt, so kam es 1862 erstmals zu einer Verbindung mit dem englischen Königshaus. Auf Wunsch seiner Mutter Elisabeth, Nichte des Preußenkönigs Friedrich Wilhelms III., war der junge Ludwig von Hessen-Darmstadt, der nachmalige Großherzog Ludwig IV., seinerzeit in preußische Dienste eingetreten und hatte in Berlin das spätere Kronprinzenpaar kennengelernt, Friedrich Wilhelm, genannt Fritz, und seine Frau Vicky, die älteste Tochter der Queen. Die sich daraus entwickelnde Freundschaft hatte zur Folge, dass Ludwig nach England eingeladen wurde, wo er schließlich Vickys Schwester, Prinzessin Alice, kennen und lieben lernte. Nach der Hochzeit, die 1862 auf Wunsch der Queen auf der Isle auf Wight gefeiert wurde, blieb die Verbindung mit London auch weiterhin sehr eng.
Das erste der sieben Kinder des Paars kam daher auf Schloss Windsor zur Welt, die am 5. April 1863 geborene Viktoria. Es folgten Elisabeth „Ella“ (1864–1918), Irene (1866–1953) und Ernst Ludwig (1868–1937), der letzte Großherzog von Hessen-Darmstadt, schließlich vervollständigten Friedrich „Frittie“ (1870–1873), Alix (1872–1918) und Marie (1874–1878) die Familie.
Alice von Hessen-Darmstadt war eine begeisterte Mutter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmerte – und die Queen selbstverständlich über deren unterschiedliche Entwicklung auf dem Laufenden hielt: „Ella ist so ein witziges Kind, aber keineswegs leicht im Umgang“, schrieb sie am 6. Dezember 1867 nach London. „Ganz im Gegensatz zu Viktoria, die ein sehr folgsames Kind ist … Sie kann sogar schon ein paar Wörter lesen.“ Am 24. Juni 1872 gab sie auch Auskunft über den etwas ungewöhnlichen Namen Alix, den sie ihrer zweitjüngsten Tochter, der späteren Zarin Alexandra, gegeben hatten: „Wir haben uns für ›Alix‹ statt ›Alice‹ entschieden, weil sie hier meinen Namen immer falsch aussprechen und ›Aliicé‹ sagen, ›Alix‹ wird sicher einfacher sein.“
Zunächst schien das Familienglück perfekt. Die Ehe mit Ludwig war allem Anschein nach sehr glücklich, und auch von der hessischen Bevölkerung wurde Alice geliebt und verehrt. Das lag nicht zuletzt an ihrem sozialen Engagement, ihrem unermüdlichen Einsatz für die Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, vor allem für bessere hygienische Verhältnisse auf den Wöchnerinnenstationen. Nach wie vor starben zahlreiche Frauen am Kindbettfieber, obwohl der ungarische Gynäkologe Ignaz Semmelweis (1818–1865) von allen Ärzten gefordert hatte, sich vor dem Kontakt mit den jungen Müttern gründlich die Hände zu desinfizieren. Doch bei den meisten seiner Kollegen war er damit nur auf Spott und Unverständnis gestoßen.
Erst allmählich setzten sich die neuen Hygienemaßnahmen durch, zumal auch Alice energisch auf deren Einhaltung drängte. Das Wohlergehen ihrer Mitmenschen lag ihr ehrlich am Herzen. Der 1867 unter ihrem Vorsitz gegründete Alice-Frauenverein entwickelte unter maßgeblicher Beteiligung sachkundiger Ärzte ein neues Konzept der Krankenpflege und führte zur Gründung des Darmstädter Alice-Hospitals, das bis heute existiert. Im Deutsch-Französischen Krieg, der 1871 zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte, betreute Alice verschiedene Lazarette, kümmerte sich persönlich um die Verwundeten und stand ihnen in schweren Stunden zur Seite. Überglücklich schrieb sie ihrer Mutter am 19. Dezember 1870, dass einer ihrer Schützlinge, der bereits dem Tode geweiht gewesen zu sein schien, sich nun auf dem Weg der Besserung befand: „Ich habe selten eine so große Befriedigung empfunden wie bei der Gewissheit, dass sich dieser junge Mann wieder erholt, und die Ärzte meinen sogar, ich hätte ihm das Leben gerettet.“ Diese Empathie für leidende Menschen hat die Großherzogin von Hessen-Darmstadt nicht nur an ihre Tochter Ella weitervererbt, auch eine ihrer Enkelinnen, die sie leider nicht mehr kennengelernt hat, würde viele Jahre später darin ihre Lebensaufgabe finden: Alice von Battenberg.
Doch das Leben der Darmstädter Familie wurde von mehreren Schicksalsschlägen überschattet. Alice war (wie ihre Töchter Irene und Alix) Überträgerin der Bluterkrankheit, an deren Folgen ihr kleiner Sohn Friedrich 1873 nach einem Sturz aus dem Fenster starb. Die größte Katastrophe aber brach im Spätherbst 1878 über die großherzogliche Familie herein, als sämtliche Kinder außer Ella an Diphtherie erkrankten. Trotz aller Bemühungen und liebevoller Pflege starb Töchterchen Marie am 16. November im Alter von nur vier Jahren. Doch die anderen Kinder wurden wieder gesund. Anfang Dezember, als das Schlimmste überstanden schien, erkrankte Alice selbst. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, ihre kleinen Patienten selbst zu pflegen – ein mütterlicher Liebesdienst, der sie letztlich das Leben kostete. Am 14. Dezember 1878 – dem 17. Todestag ihres Vaters Albert – erlag Alice der hoch ansteckenden Infektionskrankheit. Sie wurde nur 35 Jahre alt.
Die Familie war erschüttert: „Meine Kindheit endete mit ihrem Tod“, bekannte Tochter Viktoria später, „denn ich war die Älteste und am meisten verantwortlich.“ Die zu diesem Zeitpunkt 15-jährige Prinzessin wuchs nun in die Rolle der Ersatzmutter hinein, auch um den trauernden Vater zu entlasten, der als amtierender Großherzog ohnehin stark in Anspruch genommen war. Trotz ihres jugendlichen Alters verfügte Viktoria über die nötigen Voraussetzungen für ihre neue Aufgabe, zielstrebig, zupackend und willensstark, wie sie nun einmal war. Später pflegte sie zu sagen: „Ich hätte in unserer Familie der Mann sein sollen.“ Natürlich lastete die Fürsorge für die vier jüngeren Geschwister nicht allein auf ihren Schultern. Vater Ludwig war es ganz recht, dass seine Kinder nun überwiegend bei der königlichen Großmutter in England lebten. Und der damals knapp 60-jährigen Queen war die Betreuung der hessischen Enkel nicht nur eine Herzensangelegenheit, sie konnte auf diese Weise auch subtilen Einfluss ausüben und die Lebenswege besonders der Mädchen in ihrem Sinne lenken, vor allem, als die Prinzessinnen ins heiratsfähige Alter kamen.
Es war daher kein Zufall, dass die junge Viktoria ihren zukünftigen Ehemann am Hof der Großmutter kennenlernte: Ludwig – genannt Louis – von Battenberg (1854–1921), ein ebenso charmanter wie gut aussehender Mann, der nur einen kleinen Makel hatte: Er war der Spross einer „Mesalliance“ seines Vaters Alexander von Hessen-Darmstadt mit einer nicht standesgemäßen polnischen Gräfin. Es fragt sich daher, warum sich die Queen so vehement für das Zustandekommen dieser Ehe einsetzte, denn eigentlich war es nicht üblich, dass die Enkelinnen „unter ihrem Stand“ verheiratet wurden.


Von Darmstadt nach St. Petersburg – die russische Verwandtschaft

Alexander von Hessen-Darmstadt (1823–1888) war der dritte Sohn des Großherzogs Ludwig II. und seiner Gemahlin Wilhelmine von Baden, somit Bruder jener Marie (1824–1880), die 1841 den späteren Zaren Alexander II. heiratete.
Alexander und Marie, die jüngsten Kinder des großherzoglichen Paars, wuchsen überwiegend bei der Mutter auf Schloss Heiligenberg in Jugenheim auf, etwa zwölf Kilometer entfernt von Darmstadt, wo Großherzog Ludwig II. seit 1830 residierte. Die räumliche Trennung der Eltern beflügelte das Gerücht, Alexander und Marie seien keine legitimen Kinder des Großherzogs. Schließlich lagen zwischen der Geburt der älteren Söhne Ludwig (der spätere Ludwig III.) 1806 sowie Karl 1809 und der Ankunft Alexanders mehr als zehn Jahre – ein Umstand, den sich die Darmstädter nur mit zwei verschiedenen Vätern erklären konnten. Wie es hieß, waren Alexander und Marie (sowie zwei weitere, früh verstorbene Kinder) Sprösslinge des Freiherrn August Ludwig von Senarclens-Grancy (1794–1871), des großherzoglichen Kämmerers und mutmaßlichen Liebhabers von Wilhelmine. Tatsächlich lebte der gebürtige Schweizer im alten Pfarrhaus von Jugenheim nur einen Steinwurf vom Wohnsitz der Großherzogin entfernt, was die Gerüchteküche nur noch weiter anheizte.
Trotz des Geredes um die illegitime Abstammung der beiden großherzoglichen Kinder machte Zarewitsch Alexander (1818–1881), genannt Sascha, auch Station in Darmstadt, als er 1839 auf Brautschau durch Deutschland reiste. Er war der älteste Sohn von Zar Nikolaus I. und seiner Gemahlin Alexandra, der gebürtigen Königstochter Charlotte von Preußen, einem Kind der früh verstorbenen Luise und Friedrich Wilhelms III.
Sascha verliebte sich, wie es schien, auf den ersten Blick in die hübsche, erst 15-jährige Marie, und auch die blutjunge Prinzessin hatte wohl nichts gegen die Verbindung einzuwenden. Nach der Verlobung im April 1840 folgte Marie ihrem Sascha nach St. Petersburg, um sich noch vor der Hochzeit in der fremden neuen Heimat ein wenig einzuleben. Auf Wunsch des Zarewitschs sollte sein künftiger Schwager Alexander von Hessen-Darmstadt Marie nach Russland begleiten, damit sie sich in der Ferne nicht ganz so verloren fühlte. Großherzog Ludwig II. und Zar Nikolaus I. hatten nichts dagegen einzuwenden.
Die möglicherweise nicht eheliche Abstammung der Darmstädterin und ihres Bruders spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle. Als Graf Orlow versuchte, den Zaren vorsichtig auf die Gerüchte aufmerksam zu machen, beschied der ihn kurz und knapp mit den Worten: „Das mag wohl sein. Aber wer bist du, wer bin ich? Ich wünsche und befehle, dass dieses Gerede ein Ende hat. Ich möchte niemandem raten zu behaupten, der Thronfolger Russlands habe ein nicht eheliches Kind geheiratet.“ Damit war das Thema erledigt, und die Hochzeit konnte unbeschwert am 16. April 1841 in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg gefeiert werden.
Der 18-jährige Alexander von Hessen-Darmstadt fühlte sich an der Newa so wohl, dass er schon bald beschloss, längerfristig dortzubleiben und in russische Dienste einzutreten. Eine maßgebliche Rolle spielte wohl auch die Tatsache, dass der Prinz hier ständig von gut aussehenden jungen Damen umgeben war, sodass erst gar kein Heimweh aufkommen konnte. Obwohl er nur ein recht unbedeutender Prinz aus der hessischen Provinz war, litt er keineswegs unter Minderwertigkeitskomplexen. Er wusste schließlich genau, dass er bei der St. Petersburger Damenwelt nicht nur mit seinem guten Aussehen, sondern auch mit Charme, Intelligenz und Humor punkten konnte. Dass er das Herz seiner attraktiven Schwägerin Großfürstin Olga nicht gewann, hat ihn nur kurze Zeit bekümmert.


„Die kleine polnische Waise“

Inzwischen war Alexander 25 Jahre alt, aber noch immer auf der Suche nach der Dame seines Herzens. Als er sich wieder einmal auf einem der opulenten St. Petersburger Hoffeste mit einer attraktiven Gräfin amüsierte, trat eine junge Frau auf ihn zu, in der er eine der Hofdamen seiner Schwester Marie erkannte. Sie überreichte ihm ein Billett, das Alexander vermutlich ein wenig verärgert haben dürfte. Die Mutter einer seiner Angebeteten, Gräfin Schuwalow, hielt sein Verhalten in Liebesdingen für rufschädigend und forderte ihn energisch auf, ihre Tochter gefälligst in Ruhe zu lassen. Anderenfalls, so drohte sie, werde sie sich beim Zaren beschweren. Alexander las die Nachricht, wandte sich demonstrativ von seiner Angebeteten ab und eröffnete den nächsten Tanz mit der Botin, die ihm das Billett überreicht hatte.

Die junge Frau scheint Alexander mehr beschäftigt zu haben, als er sich zunächst eingestehen mochte. Er erinnerte sich jetzt auch wieder an ihren Namen: Julie von Haucke (1825–1895), damals 23 Jahre alt, nur knapp 1,60 Meter groß, keine strahlende Schönheit, doch in ihrer stillen Art scheint sie recht anziehend gewirkt zu haben. Am St. Petersburger Hof nannte man sie meist nur „die kleine polnische Waise“.

Julies Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon lange tot. Ihr Vater Moritz von Haucke (1775–1830) hatte in der polnischen Armee gedient und war 1826 von Zar Nikolaus I. zum stellvertretenden Kriegsminister des vom Wiener Kongress 1815 geschaffenen Kongresspolen ernannt worden, das sich ganz unter russischer Kontrolle befand. 1829 machte der Zar Moritz von Haucke zum General und erhob ihn in den Grafenstand.

Nur wenig später, im Revolutionsjahr 1830, erhoben sich die Polen gegen die russische Herrschaft. Die Aufständischen zerrten Haucke aus seinem Warschauer Palais und ermordeten ihn vor den Augen seiner jungen Frau Sophie, die nur wenige Wochen später an „gebrochenem Herzen“ starb. Nikolaus I. ordnete daraufhin an, dass die drei Waisenkinder, die sein treuer General hinterlassen hatte, nach St. Petersburg gebracht werden sollten. Hier erhielt die fünfjährige Julie eine ausgezeichnete Erziehung in einer Einrichtung für adlige Mädchen, und weil sie, wie schon ihre Eltern, unter anderem Deutsch sprach, wurde sie 1841 zur Ehrendame der frisch vermählten Marie ernannt, später zu deren Hofdame.

Der Tanz mit Alexander von Hessen-Darmstadt schien zunächst keine weiteren Folgen zu haben. Allen Warnungen zum Trotz flirtete der auch weiterhin mit der jungen Gräfin Sophie Schuwalow, während Julie als Postillion d’Amour fungierte und dem turtelnden Paar heimliche Nachrichten überbrachte. Doch ganz allmählich schien sie sich in den smarten Alexander verliebt zu haben, der sich allerdings zunächst nach Darmstadt aufgemacht hatte. Im Juni 1848 war sein Vater gestorben, und Alexanders ältester Bruder, der schon seit geraumer Zeit als Mitregent fungierte, wurde als Ludwig III. neuer Großherzog von Hessen-Darmstadt. Als Alexander nach den Beisetzungsfeierlichkeiten nach St. Petersburg zurückkehrte, war sein Verhältnis zu Gräfin Schuwalow spürbar abgekühlt, und er wurde erneut auf die „kleine polnische Waise“ aufmerksam, die immer so lieb und freundlich zu ihm war. Es dauerte nicht lange, bis beide ein heimliches Liebespaar wurden. Als die Affäre am St. Petersburger Hof publik wurde, gab es jedoch erheblichen Ärger, denn der Zar hatte geplant, Alexander mit seiner Nichte zu verheiraten, der Tochter seines Bruders Michael. Der junge Darmstädter fiel in Ungnade, beschloss, Russland zu verlassen, kehrte dann aber doch wieder zu Julie von Haucke zurück. Inzwischen hatte sich zwischen ihnen eine derart enge Beziehung entwickelt, dass er sie zu seiner Frau machen wollte. Dem stand jedoch eines im Wege: Julie war ein Mündel des Zaren und musste Nikolaus I. daher um eine Heiratserlaubnis bitten. Der verweigerte nicht nur seine Zustimmung, sondern entließ Alexander wegen groben Fehlverhaltens auch noch aus der russischen Armee. Doch solche Widrigkeiten schweißten das Paar nur umso fester zusammen. Anfang Oktober 1851 verließen Julie und Alexander St. Petersburg und reisten nach Breslau, wo sie am 28. Oktober eine morganatische Ehe schlossen.

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