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Anna Amalia von WeimarAnna Amalia von Weimar

Anna Amalia von Weimar

Regentin, Künstlerin und Freundin Goethes

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Anna Amalia von Weimar — Inhalt

Von der jungen Witwe zur wichtigsten Intellektuellen ihrer Zeit

Anna Amalia von Weimar war eine starke und unabhängige Frau, die nicht nur ihren Zeitgenossen außergewöhnlich erschien. Als Regentin übernahm sie – kaum zwanzigjährig – den Thron ihres verstorbenen Mannes; als Künstlerin und Intellektuelle schuf sie den bis heute weltberühmten Weimarer-Musenhof. Die Historikerin Carolin Philipps stieß bei ihren Nachforschungen zu dieser Neubetrachtung auf bisher vernachlässigtes Quellenmaterial, welches das Bild der gelehrten Regentin um die Facette der Liebenden und Zweifelnden auf besondere Weise ergänzt. 

€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 02.05.2019
512 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31055-0
€ 11,99 [D], € 11,99 [A]
Erschienen am 02.05.2019
368 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99201-5

Leseprobe zu »Anna Amalia von Weimar«

Prolog
»Ja, was man so erkennen heißt!
Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die wenigen, die was davon erkannt,
Die thöricht g’nug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.«  Goethe, Faust

Historische Wahrheit tut manchmal weh, weil man sich von lieb gewonnenen Vorstellungen trennen muss. Wer den Namen Anna Amalia von Sachsen-Weimar hört, dem fallen in der Regel spontan Worte wie Anna-Amalia-Bibliothek, Musenhof, Geniezeit und die Namen Goethe, Schiller, Wieland, Herder und [...]

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Prolog
»Ja, was man so erkennen heißt!
Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die wenigen, die was davon erkannt,
Die thöricht g’nug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt.«  Goethe, Faust

Historische Wahrheit tut manchmal weh, weil man sich von lieb gewonnenen Vorstellungen trennen muss. Wer den Namen Anna Amalia von Sachsen-Weimar hört, dem fallen in der Regel spontan Worte wie Anna-Amalia-Bibliothek, Musenhof, Geniezeit und die Namen Goethe, Schiller, Wieland, Herder und Charlotte von Stein ein. Anna Amalias Leben wird fokussiert auf die Jahre ab Ende 1775, als Goethe nach Weimar kam und weitere »schöne Geister« nach sich zog.
Die Legendenbildung von Anna Amalia als Begründerin und Leitstern eines Musenhofes begann schon zu ihren Lebzeiten. Und wenn man sich die Nekrologe nach ihrem Tod ansieht, dann webten zahlreiche Dichter und Historiker weiter an Teppichen mit unterschiedlichen Farben, aber dem immer gleichen Muster: Das Leben Anna Amalias sollte nicht nur als Vorbild in puncto Pflichterfüllung dienen, ihr Name sollte den Ruhm Weimars als Sitz der Musen, als neues Athen auch für kommende Jahrhunderte verkünden. Die Person Anna Amalias mit all ihren menschlichen Stärken und Schwächen, ihrer Lebenslust und ihrem Lebensfrust spielte dabei keine Rolle. Quellen wurden vernichtet, Nachlassbestände »gereinigt«, kontroverse Meinungen unterdrückt, denn es ging darum, ein ideales Bild von ihr und ihrer Zeit zu schaffen, das mit der Realität so viel gemein hatte wie die weißen antiken Köpfe und Statuen, die man damals in Italien kaufte oder als Abgüsse herstellen ließ, mit den ursprünglich grellbunten Statuen der Antike, bei denen die Farbe nur im Laufe der Jahrhunderte ausgeblichen war.
Mehr als drei Jahre bin ich durch die Archive in Wolfenbüttel, Weimar, Berlin, Darmstadt und Wien gezogen, habe unzählige originale Briefe, Gedichte und Texte, Primär- und Sekundärquellen gelesen und ausgewertet. Ich bin auf Widersprüche gestoßen, auf Überraschendes, auf absurd erscheinende Hypothesen.
Was war Dichtung, was Wahrheit? Wie war die Beziehung zwischen Anna Amalia und Goethe? Waren sie ein heimliches Liebespaar?
Jede Arbeitshypothese ist, auch wenn sie abwegig erscheint, zulässig und letztlich das Salz in der Suppe jeder Forschung, weil man durch sie einen neuen Blickwinkel bekommt, den man sich aber nicht dadurch trüben lassen sollte, dass man aus seiner Arbeitshypothese unbedingt historische Wahrheit machen möchte.
Anna Amalia war mehr als »Goethes Herzogin«. Sie war auch die Frau, die mit 16 Jahren nach Weimar verheiratet wurde, 16 Jahre als Witwe das Herzogtum bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes in Kriegs- und Friedenszeiten regierte. Sie war diejenige, die erklärte, dass ihr Leben eigentlich erst im Alter von 51 Jahren mit ihrer zweijährigen Reise nach Italien begonnen habe, wo sie sich erneut verliebte. Und sie war natürlich auch die Mäzenin, die den Musen und den »schönen Geistern« in Tiefurt ein Zuhause schuf, die aber auch, insbesondere an die selbst ernannten Kunstrichter Goethe und Schiller, die warnenden Worte richtete: »Sorget also dafür, o ihr Menschen, dass ihr nicht mit Leichtsinn und verderbtem Gefühl euch nährt zum Himmel der heiligen Musen, damit sie nicht fliehen vor dir wie für [vor] ein unheiliges Wesen, das ihnen [die Musen] verunreinet; tretet zum Heiligsten mit Demuth und reinem Herzen, Stolz und Eitelkeit ist ihnen verhasst.«



I. Kindheit
(1739 – 1756)


1.Geburt – Eltern – Geschwister
»Nicht geliebt von meinen Eltern, immer
zurückgesetzt, meinen Geschwistern in
allen Stücken nachgesetzt, nannte man mich
nur den Ausschuß der Natur.«

Mit dieser Bilanz beginnt Anna Amalia ihre Aufzeichnungen Meine Gedanken, die sie ca. 1772 im Alter von 33 Jahren schrieb. Dass sie tatsächlich von ihren Eltern nicht geliebt und die anderen ihr vorgezogen wurden, lässt sich durch weitere Quellen nicht belegen. Bei dem von Anna Amalia als verletzend empfundenen Ausdruck »Ausschuss der Natur« handelt es sich um ein Bonmot ihres Großvaters, des preußischen Königs Wilhelm I. (1688 – 1740), der weiblichen Nachwuchs eher spaßeshalber so oder als Unkraut bezeichnete. 1720, nach der Geburt seiner fünften Tochter Luise Ulrike, schrieb er in einem Brief: »Gestern ist wieder eine auf die Welt gekommen . . . Man muss sie versaufen oder Nonnen daraus machen. Männer kriegen sie nit alle.« Anna Amalias Mutter Philippine Charlotte (1716 – 1801), die sich mit ihrem Vater besonders gut verstand und über dessen groben Scherze lachen konnte, schrieb ihm nach der Geburt ihrer ersten Tochter Sophie Caroline (1737 – 1817): »Ich sehe doch, dass Er immer guter Laune ist, weil er mich aufzieht mit dem ›Unkraut‹, was ich in die Welt gesetzt habe . . . Wenn mein lieber Papa zustimmt, meine Schwestern Ulrike und Amalie zu ertränken, so bin ich zufrieden, dass meine Tochter in ihrer Gegenwart umgebracht wird. Aber dessen ungeachtet würde ich sie lieber hüten, denn ich liebe sie sehr.«
Die Braunschweiger Familie übernahm diese »scherzhafte« Ausdrucksweise, wahrscheinlich ohne sie einem empfindsamen Kind wie Anna Amalia, das ohnehin unter der Überlegenheit ihrer älteren Schwester Sophie Caroline litt, die als Lieblingstochter der Mutter galt, zu erklären.
Hinzu kam bei Anna Amalia, dass sie sehr selbstkritisch war, wie ihr Erzieher Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709 – 1789) 1754 sehr treffend über seine 15-jährige Schülerin schrieb: dass sie »ihre Kritik auch schon als Kind gegen sich selber richtete und deshalb nie Unbefangenheit und Wagemut genug hatte, um vor andern zu glänzen, nie Eitelkeit genug, um über ihre eigene Erfahrung und Leistung glücklich zu sein«.
Ihre Mutter wurde mit 14 Jahren mit dem Erbprinzen Karl von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713 – 1780) verlobt. Sein Vater, Ferdinand Albrecht von Braunschweig-Bevern (1680 – 
1735) war zwar Reichsgeneralfeldmarschall in kaiserlichen Diensten, hatte sich aber auch das Vertrauen des preußischen Königs erworben, sodass diese Freundschaft 1733 in einer Doppelhochzeit mündete: Die Schwester Karls, Elisabeth Christine (1715 – 1797), heiratete Kronprinz Friedrich (1712 – 
1786) von Preußen, Karl die inzwischen 17-jährige Philippine Charlotte.
Zwei Jahre später, 1735, übernahm Karl nach dem Tod des Vaters die Regentschaft im Herzogtum, und als am 9. Oktober 1735 mit der Geburt des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand (1735 – 1806), Anna Amalias ältestem Bruder, auch die Thronfolge gesichert war, konnte man die Ehe zumindest aus dynastischer Sicht als Erfolg betrachten.
Eigentlich hätte Herzog Karl I. sparen müssen, vor allem an der Hofhaltung. Stattdessen veranstaltete er prachtvolle Feste, leistete sich ein 16 000 Mann starkes Heer und förderte teure und letztlich nicht erfolgreiche Projekte wie die Zucht von Seidenraupen. Philippine Charlotte, die am preußischen Hof ein ganz anderes Niveau an Unterhaltung gewohnt war, unterstützte ihren Mann beim Aufbau der Residenzstadt zu einem kulturellen Zentrum mit Theater- und Opernaufführungen und Konzerten.
Im Schloss von Wolfenbüttel, das die Familie ab 1736 bewohnte, steht im ehemaligen Schlafzimmer ihrer Mutter noch heute das Bett, in dem Anna Amalia am 24. Oktober 1739 als fünftes von dreizehn Kindern geboren wurde. Über die Beziehung zu ihren Eltern während ihrer Kindheit wissen wir nicht viel. Es wird die in Fürstenhäusern üblichen, auf wenige Stunden am Tag reduzierten Treffen gegeben haben, wobei sich ihre Mutter in jedem Jahr mehrfach über Wochen, manchmal Monate in Berlin bei ihrer Familie aufhielt und dort alle Vorzüge einer preußischen Prinzessin genoss. Im Sommer verbrachten die Kinder einige Wochen mit ihrer Mutter auf Schloss Salzdahlum. 1793 notierte sie rückblickend an ihren Sohn Friedrich August, dass sie dort »inmitten ihrer kleinen Herde« glücklich gewesen sei.
Die Beziehung zu den Eltern wurde vor allem über das vierte Gebot geregelt: Die Kinder sollten ihre Eltern lieben, sie ehren und ihnen gehorchen. Anna Amalias jüngster Bruder Leopold schrieb mit 14 Jahren einen französischen Aufsatz zu diesem Thema, in dem er unter anderem die rhetorische Frage stellte: »Ist es nicht ganz natürlich, von Liebe erfüllt zu sein für die, denen man seine Existenz verdankt?«
Auch wenn es sich bei ihrem Vorwurf, man habe sie als »Ausschuss der Natur« betrachtet, um ein Missverständnis gehandelt hat, so lässt doch der folgende, im Alter von sieben Jahren an ihren Vater verfasste Brief erkennen, wie sehr Anna Amalia geglaubt hat, sich um die Anerkennung ihres Vaters bemühen zu müssen.
»Mein sehr lieber Papa!
Erlauben Sie, mein lieber Papa, dass ich Sie an Ihre kleine Amalie erinnere, die Sie nicht weniger liebt, als es ihre Brüder und Schwestern tun, obgleich sie noch nicht gewagt hat, es zu zeigen. Sobald ich ein wenig größer sein werde, werde ich es umso besser fertigbringen, ebenso wie auch meine Studien. Daher bitte ich Sie nur um ein bisschen Geduld, und Sie werden sehen, dass ich mich umso besser benehmen werde. Ich bitte Sie, mein sehr lieber Herr Papa, bald wiederzukommen und mich immer mit Ihrem kostbaren Wohlwollen zu beehren. Ich versichere Ihnen, dass ich Sie unendlich liebe und dass ich mit einem sehr tiefen Respekt die Ehre habe, mein sehr lieber Papa, Ihre sehr gehorsame und untertänige Tochter Anna Amalia zu sein.«


2.Erziehung
»Meine Erziehung zielte auf nichts weniger, als mich
zu einer Regentin zu bilden. Sie war, wie alle Fürsten Kinder
erzogen werden.«

Anna Amalia erhielt zunächst den für Prinzessinnen in Fürstenhäusern üblichen Unterricht in den Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben in deutscher und französischer Sprache, im Rechnen, außerdem in Geografie, Geschichte, Tanzen, Zeichnen und dem Erlernen von Kartenspielen, was im gesellschaftlichen Hofleben unentbehrlich war. Sie lernte das Klavichord zu spielen und beim Hoforganisten Friedrich Gottlob Fleischer (1722 – 1806) Komposition. Ein Schwerpunkt der Erziehung lag beim Religionsunterricht, den der Hofprediger Abt Jerusalem übernahm, einer der bekanntesten liberalen Theologen der Aufklärungszeit, den der Herzog 1742 an seinen Hof als Prediger und Erzieher seiner Kinder holte. Der Abt legte großen Wert darauf, dass die Prinzessinnen nicht nur auswendig lernten, sondern verstanden, was sie lernten. Eine Diskussion über den Inhalt oder gar ein Zweifeln an dem, was in der Bibel oder im Katechismus stand, war aber nicht vorgesehen, denn die christliche Lehre sollte als »unentbehrlich« für »die wahre Glückseligkeit« begriffen werden.
Ab Herbst 1748 übernahm der Hofkaplan Matthias Theodor Christoph Mittelstaedt (1712 – 1777) die Erziehung und den Unterricht von Anna Amalia und ihrer Schwester Sophie Caroline, die zusammen unterrichtet wurden, wobei sich der Unterricht nach den Fähigkeiten der älteren Schwester richten sollte. Das war für Anna Amalia sicherlich oft eine Überforderung. Nur in einigen Stunden wurde darauf Rücksicht genommen: Bei der Lektüre der Bibel wurde ihr der Inhalt in einer Extrastunde erklärt, und in Geschichte und Staatenkunde gab es für sie nur die »Haupt Facta«.
Im Vergleich zu anderen Prinzessinnen ließ Herzog Karl I. seinen Töchtern aber durchaus eine über das übliche Maß hinausgehende Bildung zukommen und forderte regelmäßig Berichte von Abt Jerusalem über die Erziehung seiner Kinder an. Wenn Anna Amalia später schrieb, dass sie nicht zur Regentin erzogen wurde, dann bezog sie sich darauf, dass ihre Schwester und sie keinen Unterricht in Verwaltungs- und Staatsrecht bekamen wie ihre Brüder, bei denen die Möglichkeit, dass sie eines Tages regieren würden, wahrscheinlicher war.
Es war insgesamt ein strenger Tagesplan, überwacht von Gouvernanten und Erziehern, die zumindest in der Erinnerung von Anna Amalia einiges zu wünschen übrig ließen. »Diejenigen, die zu meiner Erziehung bestimmt waren, hatten noch selbst nötig, gouverniert zu werden. Eine Person, die sich völlig ihren Leidenschaften überließ, war die, die ein junges Herz führen sollte. Sie hatte leider viele Leidenschaften, folglich auch viele Launen, die ich allein entgelten musste.«
Ihr Gefühl, dass sie zurückgesetzt wurde, auch durch die Unterlegenheit gegenüber ihrer älteren Schwester, die von allen wegen ihrer Schönheit und ihrer Intelligenz bewundert wurde, machte sie sehr empfindlich, wie sie selbst schreibt: »Ein feines Gefühl, welches ich von der Natur bekommen hatte, machte, daß ich sehr empfindlich die harte Begegnung fühlte. Es brachte mich öfters zur Verzweiflung, sogar daß ich einmal mir das Leben nehmen wollte. Durch diese harten Unterdrückungen zog ich mich ganz in mich selbst, ich wurde zurückhaltend: Ich bekam eine gewiße Standhaftigkeit, die bis zum Starrsinn ausbrach; ich ließ mich mit Geduld schimpfen und schlagen und tat doch so viel wie möglich nach meinem Sinn.«
Mit 15 Jahren, am 28. Dezember 1754, erfolgte die Konfirmation durch den Hofprediger Mittelstaedt. Dies bedeutete traditionsgemäß den Abschluss ihrer Erziehung. Abt Jerusalem erstellte ein »moralisches Tableau« über seine beiden Schülerinnen. Sophie Caroline wurde von ihm in den höchsten Tönen gelobt: »Was für ein Geist, was für ein Herz!«
Über Anna Amalia schrieb er: »Sie hat die brillante Lebhaftigkeit nicht, aber eben den soliden Verstand, die feine Empfindung, das edle Herz. Ihr Geist hat die Zeit nicht gehabt, sich schon völlig zu entwickeln. Sie fängt erst an, in der großen Welt zu erscheinen, und sie hat noch nicht Mut genug, wie sie ist zu scheinen. Sie hätte alles Feuer, ihren Sentiments das schönste Leben zu geben. Aber sie verbirgt sie noch vor sich selbst. Bei mehrerem Mute würde sie wohl einen weit größeren Eklat machen; doch weiß ich nicht, wo sie mehr bei gewinnen würde. Nichts ist schöner als ihr Embarras, wenn sie glaubt, dass sie ihr gutes Herz entdeckt hat, und in dem Augenblick sehen Sie das fürtrefflichste Herz! Was ist beredter als eine solche Bescheidenheit! Sie wird daher vielleicht nie von allen erkannt werden, denn sie wird auch ihre Wohltaten verbergen, aber denen, die das Glück haben, ihr nah zu sein, wird sie allemal unendlich schätzbar sein.«


3.Kriegswirren
»Es ist schwieriger, zu regieren als Kriege zu führen«,

sollte Anna Amalia viele Jahre später in ihr Notizbuch zusammen mit anderen Gedanken schreiben. Insgesamt 25 Kriegsjahre, von denen sie und ihre Familie unmittelbar betroffen waren, hat sie erlebt, ohne die Jahre, in denen die Kriegsgefahr noch in letzter Minute abgewendet werden konnte, zu zählen.
1740, ein Jahr nach ihrer Geburt, geschahen zwei Ereignisse, die ihr späteres Leben nachhaltig beeinflussen sollten: In Preußen bestieg ihr Onkel am 31. Mai 1740 als Friedrich II. (1712 – 1786) den preußischen Thron, und in Wien starb Kaiser Karl VI. (1685 – 1740).
Mit dem Tod des Kaisers war die männliche Linie der Habsburger ausgestorben, und nach dem ursprünglich geltenden Salischen Gesetz, nach dem Mädchen nicht erbberechtigt waren, wäre das Reich geteilt worden oder an eine andere Herrscherfamilie gefallen. Daher hatte Karl VI. vorausschauend das Salische Gesetz abgeschafft und in der sogenannten »Pragmatischen Sanktion« (1713) festgelegt, dass die habsburgischen Erblande unteilbar seien und, wenn kein männlicher Habsburger als Erbe zur Verfügung stehe, auch Frauen den Thron übernehmen könnten – in diesem Fall seine Tochter Maria Theresia (1717 – 1780).
Dieses Hausgesetz hatte er sich von den Fürsten Europas garantieren lassen, auch vom preußischen König Friedrich Wilhelm I., der sich allerdings als Gegenleistung eine Unterstützung bei den preußischen Ansprüchen auf die Herzogtümer Jülich und Berg zusichern ließ. Das war ihm zwar zugesagt worden, der Kaiser aber sprach 1738/1739 trotzdem den vorläufigen Besitz von Jülich und Berg dem Hause Sulzbach zu, sodass Friedrich II. sich 1740 nicht mehr an das Versprechen des Vaters gebunden sah und die Regentschaft Maria Theresias nur akzeptieren wollte, wenn er nun als Ersatz die reichen schlesischen Provinzen erhalten würde, auf die die Preußen ebenfalls ein Anrecht zu haben glaubten.
Maria Theresia musste fünf Jahre lang Krieg führen, bis sie ihre Regentschaft durchgesetzt hatte.
Von diesem Krieg war auch das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel betroffen, und zwar wegen der Verwandtschaftsverhältnisse in ganz besonderer Weise. Karls I. Tante mütterlicherseits, Elisabeth Christine (1691 – 1750), war seit 1708 mit dem österreichischen Kaiser Karl VI. verheiratet. Die spätere österreichische Regentin Maria Theresia war also eine Großcousine Anna Amalias. Mit dem preußischen Königshaus war die Familie durch Anna Amalias Mutter und ihre Tante Elisabeth Christine verwandt.
Herzog Karl I. war Generalfeldwachtmeister in kaiserlichen Diensten und hatte dem Kaiser die Treue geschworen. Als nun aber Friedrich II. 1740 das zu Österreich gehörende Schlesien angriff, verlangte er von seinem Schwager die Stellung von 1330 Soldaten, was dieser natürlich ablehnen musste. Der preußische König drohte daraufhin mit »Gewaltmaßnahmen«, woraufhin sich Anna Amalias Mutter mit einem entsetzten Brief an ihren Bruder wandte. Sie erreichte allerdings nur, dass Friedrich seine Forderung auf 900 Soldaten unter Führung von Karls 19-jährigem Bruder Ferdinand, der einer der bedeutendsten Feldherren Preußens wurde, reduzierte. Auch Anna Amalias Brüder Karl Wilhelm Ferdinand (1735 – 1806), Friedrich August (1740 – 1805), Albrecht Heinrich (1742 – 1761) und Maximilian Julius Leopold (1752 – 1785) standen später in preußischen Militärdiensten, sehr zum Missfallen der österreichischen Herrscherin Maria Theresia.
Es würde zu weit führen, die Einzelheiten dieses Ersten Schlesischen Krieges aufzuführen, der am 28. Juli 1742 durch den Frieden von Berlin beendet wurde. Schlesien wurde zwischen Österreich und Preußen aufgeteilt. Der Konflikt zwischen den Habsburgern und der aufstrebenden Großmacht Preußen sollte aber bis Ende der 1780er-Jahre immer wieder zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen führen, die auch die Regierungszeit Anna Amalias stark belasteten.



II. Hochzeit und Ehejahre
(1756 – 1758)


1.Hochzeit mit Ernst August Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach
»In meinem 16ten Jahre wurde ich aus denen harten
Banden erlöset. Man verheiratete mich so wie gewöhnlich man Fürstinnen vermählt«,

schrieb Anna Amalia später in ihrem Text »Meine Gedanken«. Der von ihren Eltern ausgewählte Heiratskandidat war der 18-jährige Erbprinz Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1737 – 1758). Nach dem frühen Tod seines Vaters 1748 – seine Mutter, Sophie Charlotte von Brandenburg-Bayreuth (1713 – 1747), war bereits ein Jahr früher gestorben – kam der Erbprinz 1749 unter die Vormundschaft von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1699 – 1772) und wurde am Hof zu Gotha erzogen. Die Verwaltung seiner Herzogtümer Weimar und Eisenach, die seit 1741 in Personalunion regiert wurden, übernahmen auf Anweisung des Kaisers Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld für den Weimarer und Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg für den Eisenacher Teil.
Die schwache Gesundheit des jungen Herzogs ließ befürchten, dass er womöglich ohne männliche Nachkommen sterben und sein Herzogtum dann an eine der anderen protestantischen ernestinischen Linien (Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Coburg-Saalfeld oder Sachsen-Hildburghausen) fallen oder, was die anderen unbedingt vermeiden wollten, vom katholischen Kurfürsten von Sachsen annektiert werden würde. Sein Vormund wollte daher eine Heirat mit seiner Tochter Friederike Luise (1741 – 1776), um sich im Falle des Todes von Ernst August Constantin das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zu sichern.
Herzog Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1697 – 
1764) dagegen, dessen Sohn mit Anna Amalias Tante Sophie Antoinette verheiratet war, favorisierte eher die Hochzeit mit einer Tochter aus dem Hause Braunschweig. Daher nahm bereits im Februar 1755 der Direktor des Weimarischen Obervormundschaftskollegiums Carl Gustav von Mandelsloh, Kontakt zu Anna Amalias Vater auf und teilte ihm die Absicht Ernst August Constantins mit, eine seiner Töchter zu heiraten, und bat um ein Porträt der von Karl ausgewählten Tochter.
Nachdem der Kaiser ihn für volljährig erklärt und er seine Regierung am 29. Dezember 1755 mit 18 Jahren angetreten hatte, reiste Ernst August II. Constantin im Februar 1756 unter dem Pseudonym eines Grafen von Allstedt nach Braunschweig, angeblich zur alljährlichen Lichtmess-Messe. Begleitet wurde er von seinem Premierminister Graf von Bünau und 40 Personen Gefolge.
Am 20. Februar 1756, nach nur wenigen Tagen des Kennenlernens, hielt der Erbprinz um Anna Amalias Hand an. Ihre Mutter schrieb am selben Tag noch an ihren Bruder Friedrich II., dass ihr Mann und sie diese Verbindung für »angemessen« hielten. Sie hätte bereits einen Boten an ihre Mutter Sophie Dorothea geschickt, um deren Segen und Einverständnis einzuholen.
Bereits eine Woche später konnte Philippine Charlotte ihrem Bruder von der Zustimmung der Mutter berichten. Da auch er offensichtlich keine Einwände habe, könne die Verlobung bekannt gegeben werden und die Hochzeit »tout de suite« erfolgen. »Der junge Herzog will nicht länger warten.« Sie empfahl ihre Tochter für die Zukunft der Gnade und dem Wohlwollen ihres Bruders, des mächtigen Preußenkönigs.
Sowohl für Herzog Karl I. als auch für Friedrich II. bedeutete eine familiäre Bindung zu einem weiteren sächsischen Fürstentum in der Mitte des Reiches eine Stärkung ihrer politischen Position in möglichen Konflikten mit dem Kaiserreich, die ja auch nicht lange auf sich warten ließen.
Drei Wochen dauerte die Verlobungszeit, die mit Konzerten, Theateraufführungen, Bällen und Maskenfesten angefüllt war. Und natürlich musste in dieser Zeit auch der Ehevertrag ausgehandelt werden, der dem üblichen Schema bei Fürstenhochzeiten entsprach. Die Braut verzichtete auf alle Erbansprüche in ihrem Heimatland und erhielt eine Mitgift von 18 000 Reichstalern, die »nach vollbrachtem ehelichen Beylager« von Herzog Karl I. an seine Tochter ausgezahlt werden sollte. Außerdem erhielt sie jährliche Einkünfte aus Braunschweig über 6000 Taler, und der Herzog sollte sie mit Schmuck, Silbergeschirr, Bettwerk, fürstlichen Kleidern und Gerätschaften »solchergestalt ausstatten und versehen, wie solche einer Fürstl. Prinzeß zukommt«. (Artikel 3)
Ernst August Constantin musste seiner Frau am ersten Morgen nach dem Beischlaf die sogenannte Morgengabe überreichen: »nebst Überreichung eines rühmlichen Kleinods« – 5000 Pistolen. Es war ein Kapital, das Anna Amalia allein gehörte und das jährlich mit 10 Prozent verzinst werden sollte. (Artikel 6) Ihr stand darüber hinaus ein Hand- und Spielgeld in Höhe von 6000 Reichstalern zu, das vierteljährlich auszuzahlen war. (Artikel 7)
Die Artikel 9 bis 26 regelten Anna Amalias Leben nach einem möglichen Tod ihres Mannes. Im Vergleich zu anderen Heiratsverträgen waren diese Artikel sehr ausführlich, weil bei der schlechten Gesundheit des Herzogs mit seinem frühen Tod gerechnet wurde, einem Tod, bei dem der Nachfolger noch minderjährig sein könnte.
Als Witwensitz wurde das Schloss Allstedt, 70 Kilometer nördlich von Weimar, vorgesehen, das auf Kosten des Herzogtums unterhalten, außerdem mit standesgemäßen Möbeln, Tafelsilber (für 6000 Taler), Kupfertöpfen und -pfannen, Zinn, Leinen, Tapeten, Tischen, Stühlen, Bänken, Küchenzeug und was sonst noch mehr zu einem »fundo instructo« gehörte ausgestattet werden sollte. Damit im Falle eines Wittums die Prinzessin das Schloss mit »Ehre und guter Bequemlichkeit« bewohnen könne.
Einer der wichtigsten Artikel regelte die Obervormundschaft für die Kinder für den Fall, dass der Herzog so plötzlich versterben sollte, dass er keine Regelung mehr treffen konnte. Dann sollten die Vormundschaft und die Erziehung der Kinder bei der Witwe bleiben, solange sie sich nicht wieder verheiratete. Die Landesadministration aber sollte während der Minderjährigkeit eines zukünftigen Erbprinzen einem »regierenden Herrn aus der nächsten Linie«, aber nicht nach der Verwandtschaft, zusammen mit der Mutter übertragen werden. (Artikel 24)
Die Hochzeitsfeierlichkeiten fanden vom 16. bis 19. März 1756 in Braunschweig in der Schlosskapelle statt. Nach dem Festessen löste Herzog Karl I. höchstpersönlich die Strumpfbänder seiner Tochter und verteilte sie an die ledigen adligen Damen, ein symbolischer Akt, der auf eine eigene baldige Hochzeit deuten sollte. Am Morgen nach der Brautnacht wurde vor allen versammelten Gästen von Legationsrat Peter von Stüven die traditionelle Strohkranzrede gehalten, in der die Hochzeitsnacht mit dem Verlust des Jungfernhäutchens gefeiert wurde, eine Tradition, die auch am preußischen Hof üblich war: Heute sei der große Tag, an dem Anna Amalia statt des Brautkranzes den schönsten Schmuck auf dem Kopf trage: den Stroh-Krantz. Auch der Ehegatte dürfe stolz sein. »Selbst Herkules hatte weniger Feuer und Lebhaftigkeit in den Augen, als er mit Omphale die erste Nacht« verbrachte und »eine ihm noch ungewohnte Verrichtung übernehmen musste. Es ist geschehen. Eur. Durch. prange mit ihre schöne Stroh-Krantze. Hymen (Jungfernhäutchen) hat triumphieret . . .«. Von heute an werde Anna Amalia ihrer Großmutter und Mutter immer ähnlicher. »Jetzt sind Sie Mutter . . .«
Auch an den folgenden Tagen wurde gefeiert: Festessen, Bälle, Theater, Operetten, Ballettvorführungen. Die Bevölkerung nahm an diesen Feiern nicht teil. Sie sollte für das Brautpaar beten und musste sich über die sogenannte Prinzessinnensteuer finanziell beteiligen.
Am 20. März reiste Anna Amalia mit ihrem Mann und seinem Gefolge nach Weimar ab. Sie durfte ihre langjährige Kammerfrau und zwei Garderobenfrauen mitnehmen, alle anderen Damen und Herren ihres Hofes kamen aus Weimar. »Die Trennung hat mich sehr berührt, und der Abschied war von beiden Seiten zärtlich«, schrieb Philippine Charlotte an Friedrich II.


2.Das erste Jahr in Weimar
»Sie werden glauben, da ich nun aus dene Fesseln befreit war, müße ich gewesen seyn, wie ein junges Füllen welches seine
Freiheit bekommt«,

schrieb Anna Amalia Jahre später rückblickend auf diesen Abschied von ihrer Familie, »nichts weniger: Ich fühlte mich vielmehr wie eine Person, die nach einer großen ausgestandenen Krankheit in ihrer Genesung sich auch kraftlos fühlet«.
Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, das für die nächsten 51 Jahre Anna Amalias Heimat werden sollte, lag 250 Kilometer von ihrem Heimatort Braunschweig entfernt, eine etwa viertägige Fahrt mit der Kutsche. In dem ungefähr 36 Quadratmeilen großen Herzogtum, das aus den nicht zusammenhängenden Herzogtümern Weimar und Eisenach und dem Landesteil Jena bestand, lebten um 1756 etwa 90 000 Menschen.
Während die Stadt Braunschweig 22 500 Einwohner hatte, wohnten in der Residenzstadt Weimar mit ihrem eher dörflichen Charakter nur ca. 6000. Der größere Teil der Stadt war von einer Mauer umgeben, es gab vier Stadttore, die abends zwischen sechs und halb zehn Uhr je nach Jahreszeit geschlossen und morgens zwischen vier und sechs Uhr geöffnet wurden. Engwinklige Gassen, ungepflastert und abends ohne jede Beleuchtung, durchzogen die Stadt. 800 Häuser mit Stroh- oder Holzschindeldächern und etwa 150 Scheunen gab es innerhalb der Stadtmauern, Schweine liefen frei herum, der Schäfer zog mit seinen Schafen durch die Gassen. Teiche, Tümpel und nicht abgedeckte Abwasserkanäle verbreiteten einen übel riechenden Gestank.
Ernst August Constantin hatte von seinem Vater ein durch dessen Neubauten, seine Jagdleidenschaft und immens hohe Militärausgaben hoch verschuldeten Staat übernommen. Das Land war arm, es gab neben der Landwirtschaft nur einige Textilfabriken, ansonsten aber keinen nennenswerten Handel, denn Weimar lag abseits der großen Handelsstraßen. Handwerker und Kaufleute setzten darum große Hoffnung auf das Herzogpaar, mit dem seit dem Tod des letzten Herzogs endlich wieder eine Hofhaltung in Weimar einziehen würde und damit neue Aufträge vom Hof und dessen Beamten zu erwarten waren.
Als sich am 24. März die Kutschen der Grenze näherten, warteten dort zur Begrüßung das Husarenkorps und der Postmeister mit 13 blasenden Postillonen, die die Kutsche in die Stadt hinein begleiteten. Vor dem Stadttor hatte sich eine große Menschenmenge versammelt, von der Altenburg kam Kanonendonner und von den beiden Kirchtürmen und dem Schlossturm erklangen die Glocken. Auf dem Markt stand das Landregiment, auf dem Schlosshof das Militärkorps. Am östlichen Schlossflügel hatte sich zur Begrüßung die »Landesherrschaft« aufgestellt: der Reichsgraf von Bünau, der schon vorausgefahren war, die Minister, Räte, Kavaliere und ihre Damen – alle »en robe«. Danach wurde an verschiedenen Tafeln öffentlich gespeist. »Der Zulauf der Menschen, bey der Ankunft, sowohl als bey der Tafel, war unbeschreiblich«, hieß es in der halb offiziellen Wochenzeitung, den Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen.
Anna Amalia trug bei diesem Einzug ein golddurchwirktes blaues Kleid, darüber einen Purpurmantel, ihre braunen, weiß gepuderten Haare trug sie hochgesteckt, mit einer Rose über dem linken Ohr. Ihr Gesicht war weiß geschminkt, wie es modern war, vor allem, damit das »Schönheitspflaster« auf der Wange, die »Mouche«, besser zur Geltung kam, eine Modeerscheinung, die aus Frankreich gekommen war.
Nach dem Festmahl ging es weiter zum Sommersitz Schloss Belvedere, das einige Kilometer vor Weimar lag und über eine große Parkanlage sowie eine Orangerie verfügte. Hier sollte das Paar die Sommermonate verbringen. Einzelheiten über das gemeinsame Leben dort liegen nicht vor. Ernst August II. Constantin liebte das Theater und die Musik und spielte selbst Geige. Anna Amalia war in Braunschweig an einem Hof aufgewachsen, an dem Musik, Kunst und Literatur eine große Rolle spielten. Auf dieser Ebene dürften sie sich wohl begegnet sein.
Allerdings interessierte sich der Herzog mehr für die Jagd und seine Hunde, wie seine Schwiegermutter an ihren Bruder schrieb: »Ich fürchte, dass er genauso wird wie sein Vater.«
Nur über die größeren offiziellen Ereignisse in dieser Zeit liegen kurze Berichte vor. So wurde am 6. Mai auf Schloss Belvedere die Hochzeit von Ernst August Constantins Halbschwester Ernestine Albertine (1722 – 1769) mit Philipp II. Ernst Graf zu Schaumburg-Lippe (1723 – 1787) mit Festessen und abendlichem Ball gefeiert. Am 2. Juni wurde der 20. Geburtstag des Herzogs feierlich begangen. Abends zogen Bergleute aus Ilmenau mit Fackeln und Bergmusik vor das Schloss. Die Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen druckten eines von vielen Lobgedichten ab:
»Er lacht; wer lacht nicht bey dem Glück?
Ist Constantin nicht höchst beglückt?
Er lächelt, welch ein heitrer Blick!
Die Fürstin ists, die ihn entzückt;
Amalia rührt seine Brust,
Amalia erwäckt die Lust,
Die izt sein Antlitz heiter machet.
O zärtlich Paar! Wer ist Dir gleich?
Monarchen selbst beneiden Euch,
Wann ihr so froh und zärtlich lachet.«

Als amtierende Herzogin hatte Anna Amalia zum ersten Mal einen eigenen Hofstaat mit einer Oberhofmeisterin – Frau von Schlotheim –, einem Oberhofmeister – Herrn von Benckendorff –, und mehreren Hofdamen. Sie nahm an der Seite ihres Mannes auch an einer Ständeversammlung teil. Der Herzog war für die Bewilligung von Steuern und für das Verabschieden von Gesetzen auf die Zustimmung der Landstände angewiesen, die in gewissen Abständen zu einem Landtag einberufen werden mussten. Anna Amalia war am 10. Juni sowohl beim feierlichen Einzug in die Hofkirche als auch bei der Eröffnungsrede Ernst August Constantins auf der Galerie anwesend, diesmal noch als Zuschauerin.
Ende Oktober ging es für den Winter zurück nach Weimar in die Wilhelmsburg, eine Wasserburg, die durch die Ilm, künstliche Wassergräben und Mauern von der Außenwelt abgeschlossen war und in die man nur über Brücken gelangen konnte. Im Süden – am heutigen Fürstenhaus und Carl-August-Denkmal – war ein Lustgarten, ebenfalls von Mauern umgeben. Weitere Möglichkeiten für Spaziergänge waren eine Baumpflanzung jenseits der Ilm, genannt der »Stern« wegen der sternförmig angelegten Wege, und der »Wälsche Garten« an der »Ackerwand«.
In Weimar feierte Anna Amalia am 24. Oktober zwei Tage lang ihren 17. Geburtstag mit Gottesdienst, Festessen an fünf Tafeln mit 96 Gedecken und einem abendlichen Ball. Die Döbbelinsche Theatergesellschaft, die der Herzog für mehrere Monate verpflichtet hatte, führte das Stück »Die Durchlauchtigste Liebe« von Arnold Heinrich Porschen auf.
Auf den ersten Blick sah das alles sehr idyllisch aus. Und Anna Amalia wird es einerseits genossen haben, im Mittelpunkt zu stehen, was sie zu Hause in Braunschweig ja immer vermisst hatte. Aber der Schein trog. Offiziell war der Herzog der Regierende, faktisch aber führte der mächtigste Staatsbeamte, Heinrich von Bünau (1697 – 1762), die Geschäfte mit sparsamer Hand. Als Premierminister und Vorsitzender des Geheimen Consiliums, des höchsten Beratungsgremiums des Herzogs, mussten alle Anordnungen des Herzogs von ihm gegengezeichnet werden. Er entwarf auch die »Handschreiben«, die der Herzog an andere Reichsfürsten schickte, und ließ, um zu sparen, Ernst August Constantin nur drei Viertel der ihm zustehenden Schatullgelder auszahlen.
Bereits am 11. August 1756 hatte Anna Amalias Vater einen Brief von seinem Schwager, Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth (1711 – 1763), erhalten: Er informierte Karl I., dass die Herzogin und der Herzog in Weimar in »dergestalt beschränkten Umständen sich befinden«, dass man ihnen Schreiben, die an sie gerichtet waren, wenn man sie für »nicht passend« hielt, vorenthalte. Er erachte es als Onkel für wichtig, dass er davon Meldung mache. Er bat Karl darum, ihn zu informieren, was er von der Sache wisse und was für Maßnahmen er plane, um den Herzog und seine Frau »aus einer solchen einer Sclaverey nicht unähnlichen Situation zu retten«.


3.Gewitterwolken
»Durchlauchtigster Fürst, freundlich geliebter Vetter.«

So beginnt ein Brief Friedrichs II. von Preußen aus Dresden vom 21. Januar 1757 an den Herzog von Sachsen-Weimar. Er erklärte darin, wie wichtig ihm dessen Freundschaft sei und dass er, auch wenn seine Armee derzeit in unmittelbarer Nachbarschaft lagere, »nicht nur präciseste Ordres« gegeben habe, dass man die Lande des Herzogs mit Respekt behandle, sondern er werde auch, falls doch »einige Unordnung vorfallen sollte«, sofort für Abhilfe sorgen. Unterschrieben war der Brief mit »Ew Durchlaucht freundwilliger Vetter Friderich«.
Als das Schreiben in Weimar persönlich durch Friedrichs Flügeladjutanten im Schloss abgegeben wurde, wusste man in Weimar natürlich längst, dass seit Mitte November des Vorjahres der preußische König mit seinen Brüdern, mit dem Onkel von Anna Amalia, Ferdinand, und dem Herzog von Braunschweig-Bevern samt Gefolge in Dresden, 200 Kilometer entfernt, eingetroffen war und sich die Staaten Europas bereits seit Monaten im dritten Schlesischen Krieg befanden, den man auch den Siebenjährigen nennt.
Maria Theresia hatte der Verlust Schlesiens an die Preußen keine Ruhe gelassen. Durch eine Heeresreform und neue Verbündete, wie die Franzosen und die Russen, versuchte sie, ihre Ausgangslage für eine Rückgewinnung zu verbessern. Friedrich II., der durch seine Spione erfahren hatte, dass im Frühjahr 1757 ein Angriff auf Preußen geplant war, veröffentlichte daraufhin ein Manifest, in dem er erklärte, dass er sich nun »für berechtigt (halte) zum Gebrauch der Macht, die ihm der Himmel gegeben hat, um Gewalt der Gewalt entgegenzusetzen, die Anschläge seiner Feinde zu vereiteln und die Sache des Protestantismus und der deutschen Freiheit vor den Unterdrückungsgelüsten des Wiener Hofes zu schirmen«.
Und während das Weimarer Herzogpaar noch den Sommer 1756 auf Schloss Belvedere genoss, marschierte die preußische Armee am 29. August 1756 in das Kurfürstentum Sachsen ein, besetzte Anfang September die Hauptstadt Dresden. Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen (1696 – 1763), der gleichzeitig König von Polen war, zog sich mit seinem Hof nach Warschau zurück.
Es war der Beginn eines Krieges, der auch das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach wirtschaftlich weiter in den Ruin trieb. Anfang 1757 traten Russland, Frankreich, Schweden und die Mehrzahl der Reichsfürsten auf Österreichs Seite in den Krieg ein, während Hannover, Braunschweig-Wolfenbüttel, Hessen-Kassel und Sachsen-Gotha sich auf die preußische Seite stellten. Offiziell wurde am 17. Januar 1757 der sogenannte »Reichskrieg« gegen Preußen erklärt wegen Landfriedensbruchs durch den Einmarsch in Sachsen. Das war auch für Preußens Verbündete, zum Beispiel Anna Amalias Vater, eine kritische Situation. Obwohl er schon 1750 die Führung des kaiserlichen Regimentes abgegeben hatte, war er als Reichsfürst dem Kaiser verpflichtet. Mit Anna Amalias Onkel Ferdinand, ihrem ältesten Bruder Karl Wilhelm Ferdinand, dem Erbprinzen von Braunschweig-Wolfenbüttel und dem Herzog von Braunschweig-Bevern zogen gleich mehrere Mitglieder des Fürstenhauses gegen den Kaiser und das Reich in den Krieg. Die Garantieerklärung Friedrichs für das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war daher wohl auch eine indirekte Aufforderung, sich neutral zu verhalten.
Zunächst machte das Kriegsgeschehen noch einen Bogen um Weimar. Das Herzogpaar begab sich Anfang März mit einem großen Hoflager von 40 Personen plus Bediensteten zu seinem Antrittsbesuch in Eisenach. Neben Ausflügen zur Wartburg und nach Wilhelmsthal wurde auch der Landtag am 22. März feierlich eröffnet.
Und während die Preußische Armee im Mai Prag eroberte, im Juni aber bereits wieder Böhmen und Ostpreußen aufgeben musste und Oberschlesien und den größten Teil Sachsens an die Österreicher, Hannoveraner, Hessen und Franzosen verlor, verlebte das Herzogpaar die Sommermonate wieder auf Schloss Belvedere.
Die Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen lieferten in diesen Wochen ihren Lesern neben kurzen Kriegsberichten Tipps für den Anbau von Tartuffeln – Kartoffeln –, die bereits in vielen Teilen des Reiches zur Vermeidung von Hungersnöten gefördert wurden. Zwar war der Anbau bereits 1737 durch ein Edikt des Vaters von Ernst August Constantin verfügt worden, aber das galt nur für die fürstlichen Kammergüter und auch nur zur Wildfütterung. Der Herzog ließ nun den Anbau der Tartuffeln »als einer zum Lebens-Unterhalt und vielerley Gebrauch höchst nöthigen und nützlichen Frucht« fördern und setzte Prämien für den Anbau aus. Auch Rezepte wurden in aller Ausführlichkeit beschrieben: Man konnte die Tartuffel in Bratröhren wie Kastanien braten, als »Zugemüß« zu Fleisch zubereiten oder als Salat mit Essig, Öl und Speck oder gerieben mit Eiern, Milch, Äpfeln, Safran und Zimt in Butter braten.
Anna Amalia hatte andere Sorgen. Es fiel ihr schwer, Vertrauen zu jemandem in ihrem Hofstaat zu fassen. Offenbar hatte ihr Mann davon ihrem Vater berichtet, der in seiner Antwort dem Herzog den Rat gab, dass Anna Amalia sich an die Damen am Hofe richten solle, die Erfahrung hatten und die sich ihr gegenüber ehrlich verhielten. In einem eigenen Schreiben an den Vater vom 12. Mai 1756 beklagte sie sich, dass es »unglücklicherweise« nicht viele Menschen gab, »die ihr Wohl im Sinne« hatten »und ich nenne jene meine Freunde, die mir die Wahrheit sagen und mir gute Ratschläge geben, und ich hoffe, dass mein lieber Papa mit mir übereinstimmt. Ich flehe Eure Durchlaucht untertänigst an, mir hier Ihren Rat zu geben, es gibt so unverschämte Menschen, die behaupten, dass sie zukünftig Macht über meine Person und über alles, was mich betrifft, erlangen werden . . . Darum bitte ich Sie um die Gnade, mir Ihre Meinung zu sagen, und wenn mein lieber Vater es für gut hält, dass ich mich von anderen beherrschen lasse, werde ich es auf den Befehl meines lieben Papas hin tun«. Auch wenn sie mit den üblichen Bezeugungen des Respekts »die demütige, sehr gehorsame und sehr untertänigste Tochter und Dienerin Amalie« schließt, lässt sich doch aus dem letzten Satz ihr Ärger darüber, dass ihr Mann ohne ihr Wissen den Vater informiert hatte, nicht überhören.
Zehn Tage später erhielt sie die Antwort des Vaters. Er war besorgt und sah »mit Kummer die Unzufriedenheit, die seine Tochter gegenüber den Menschen hatte«, die, wie sie schrieb, sie belogen. Noch mehr betrübte ihn, dass seine Tochter offenbar nicht eine einzige Dame hatte, der sie vertrauen konnte. Gerade »für eine Prinzessin gibt es Gründe, sich an eine oder mehrere Frauen von Rang zu binden . . . Ich werde Euch niemals drängen, Euch den Launen derer zu unterwerfen, die euch Respekt schulden, und es scheint mir, dass ich auch nichts dergleichen an Monsieur le Duc, Euren lieben Mann, geschrieben habe . . .«. Er riet ihr, soweit es möglich war, die Fehler ihrer Umgebung zu ertragen und nicht zu misstrauisch zu sein, sondern es mit einer »vorsichtige(n) Freundschaft« zu versuchen. »Da Ihr mich um meine väterlichen Anweisungen gebeten habt, hier sind sie, meine liebe Tochter.«


4.Geburt des Erbprinzen
»Im 17. Jahre wurde ich zum erstenmal Mutter.
Könnte ich Ihnen beschreiben das Gefühl, welches ich bekam,
als ich Mutter wurde! Es war die erste und reinste Freude,
die ich in meinem Leben hatte«,

schrieb Anna Amalia im Rückblick. »Mir war, als war ich auch von verschiedenen andern meiner Empfindungen entbunden worden. Mein Herz wurde leichter, meine Ideen wurden klärer, ich bekam mehr Zutrauen zu mir selber.«
Am 2. Juni 1757, am Geburtstag des Herzogs, wurde die Schwangerschaft der Herzogin öffentlich gemacht. Das Volk wurde von den Kanzeln aufgefordert, für eine »glückliche Schwangerschaft« zu beten. Der Vater hatte ihr schon in seinem Brief vom Mai gratuliert und ihr gewünscht, dass alles gut ginge. Ihre Mutter schickte »Kinder Zeug«. Am 3. September 1757 um 5:30 morgens wurde Anna Amalia von »einem höchstgesund und wohlgestallten Erbprinz, zur unbeschreiblichen Freude Ihres Herrn Gemahls Hochfürstl. Durchl. sowohl als des gantzen Landes, höchstbeglückt entbunden«, hieß es in den Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen.
Am selben Tag erreichte der Krieg auch Weimar: Ein 380 Mann starkes Korps Infanteristen der Reichsarmee fiel unter Graf von Rantzau ein, drei Tage später folgten weitere 200 Mann. Sie wurden bei der Bevölkerung einquartiert und auch versorgt. Immerhin, wie die Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen schrieben, »verdienen (sie) das Lob der besten Manneszucht«. Es gab also offenbar keine Plünderungen, Vergewaltigungen und ähnliche Gräueltaten.
Während Anna Amalia in ihrem Wochenbett lag – an der Taufe ihres Sohnes am 4. September konnte sie noch nicht teilnehmen –, wurde Weimar zum Durchzugsort der verfeindeten Truppen. Fast täglich kamen sie durch die Stadt, oft mit Munitions- und Bagagewagen. Am 12. September erschien der preußische König mit Gefolge in Neumark, drei Stunden von Weimar entfernt, die preußische Armee campierte zwischen Buttstädt und Rastenberg, 21 bzw. 27 Kilometer von Weimar entfernt. Abends marschierte ein 800 Mann starkes österreichisches Husarenkorps durch die Vorstadt Richtung Erfurt.
Je näher der preußische König rückte, desto größer wurde die Angst, trotz Garantiebrief. Hatte er nicht gerade, wie die Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen meldeten, in Leipzig vom Magistrat der Stadt innerhalb von zwei Tagen 300 000 Taler verlangt, sonst würde es zu Plünderungen kommen? Wie viel galt die Garantie des preußischen Königs noch?
Erfurt, 23 Kilometer von Weimar entfernt, wurde bis zur Eroberung durch die Preußen zum Zentrum der französischen Truppen mit der Zentrale des mobilen Hospitals der Armee, das neben Fulda, Hanau und Heidelberg auch seit August 1757 in Eisenach eine Krankenstation unterhielt.
Am 5. November schlug die preußische Armee die Reichsarmee und die Franzosen bei Rossbach, 50 Kilometer vor Weimar. Die flüchtenden Soldaten, verfolgt von den Preußen, stürmten auch durch Weimar. »Da war weder Regiment noch Compagnie beysammen«, schreibt ein Augenzeuge, »sondern alles floh einzeln in der größten Eil, unwissend, wohin, auf vielerley Wegen und Straßen, als nach Weimar, Erfurth, Gotha, auch über den Wald nach Illmenau und Arnstadt, sodann nach Sachsenburg, Weißensee, Kölln an der Los, Langensalza, Mühlhausen und so fort; ohne dass man der Armee einen Ort bestimmet hätte, wo sie sich auf allen Fall wiedersetzen sollte. Noch Tage später zogen versprengte Reste der Reichsarmee und der Franzosen durch Weimar.« In der Stadt gab es erneut Einquartierungen von preußischen Offizieren, Nahrungsmittel mussten abgegeben werden, und die Bauern wurden zu Spanndiensten gezwungen.
Und so begannen die Weimarische(n) Wöchentliche(n) Anzeigen das Jahr 1758 mit einem Gebet und dem Wunsch nach Frieden:
». . . Laß keinen mehr nach Blute dürsten;
Benimm ihm alle Kriegeslust;
Erhalte unsern LandesFürsten,
Die Fürstin, nebst dem Karl August;
Dass Stadt und Land im neuen Jahre,
O Allmacht, deine Treu erfahre.«

Carolin Philipps

Über Carolin Philipps

Biografie

Carolin Philipps, geboren 1954, studierte Englisch und Geschichte in Hannover und Bonn. Heute lebt sie als freie Autorin in Hamburg und hat sich auf historische Biografien starker Frauen spezialisiert. Zuletzt erschienen von ihr die erfolgreichen Bücher »Friederike der Preußen. Die...

Inhaltsangabe
Prolog

I. Kindheit ( 1739 – 1756 )
1. Geburt – Eltern – Geschwister
2. Erziehung
3. Kriegswirren

II. Hochzeit und Ehejahre ( 1756 – 1758 )
1. Hochzeit mit Ernst August Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach
2. Das erste Jahr in Weimar
3. Gewitterwolken
4. Geburt des Erbprinzen
5. Krankheit und Tod Ernst Augusts Constantins

III. Regentin und Obervormünderin ( 1758 – 1775 )
1. Kampf um die alleinige Vormundschaft
1.1. Angst, Unsicherheit und Intrigen
1.2. Verhandlungen, Entführungspläne und die Geburt eines Prinzen
1.3. Protest und Widerstand
1.4. Sieg über den Kaiser
2. Obervormundschaftliche Regentin in Vertretung des Sohnes
2.1. Regentin zwischen Macht und Ohnmacht
2.2. Unterricht in Staatskunde und Verwaltung
2.3. Umstrukturierung der Regierung
2.4. Regentin in Kriegszeiten ( 1759 – 1763 )
2.5. Regentin in Friedenszeiten ( 1763 – 1772 )
2.6. Repräsentation zwischen Pflicht und Vergnügen
3. Obervormünderin
3.1. Erziehungsprinzipien in Theorie und Praxis
3.2. Erziehung unter Beobachtung der Öffentlichkeit
4. Enttäuschungen, Krisen, Selbstzweifel ( 1771 – 1775 )
4.1. Hungersnot 1771/72
4.2. Erziehung des Erbprinzen – letzte Phase
4.3. Constantin
4.4. Skandale und Verluste 1
4.5. Putschversuch und Rebellion
4.6. Depressionen und Rücktrittspläne
4.7. Hebammeninstitut und » Seelenregister «
4.8. Schlossbrand
4.9. Flucht nach vorne
4.10. Ende der Regierung und Amtsübergabe

IV. Ein Leben ohne Ketten ( 1775 – 1783 )
1. Ereignis Goethe
1.1. Einzug in Weimar : Erwartungen, Erfahrungen und Enttäuschungen
1.2. Der Herzog und sein Favorit
1.3. Krankheit und Vorwürfe
1.4. Geheimer Rat Goethe
1.5. Die Frauen in Weimar und Goethe
1.6. Künstlerkolonie Weimar
1.7. Waldspiele
1.8. Lenzens Waldbruder
1.9. Eifersüchteleyen
1.10. Lenzens zweite Eseley
2. Musische Vergnügungen und anderer Zeitvertreib
2.1. Künstlerin oder Dilettantin
2.2. Hof der Musen
2.3. Hammerklavier und Zeichenblock
2.4. Das Liebhabertheater
2.5. Das Journal von Tiefurt
2.6. Aristophanes, ein Giraffenskelett und ein Electrofor
3. Familienbande
3.1. Constantin
3.2. Carl August
3.3. Schwiegermutter aus Zucker
3.4. Braunschweiger Familie
4. Zwischen Krieg und Frieden
4.1. Graf Goertz auf Abwegen
4.2. Abmahnung durch Carl August
4.3. Eine Malreise und Kriegsminister Goethe
5. Sehnsüchte
5.1. Fernweh und Fürstenfreunde
5.2. Prometheus und Hassobjekt Goethe

V. Sehnsuchtsort Italien ( 1783 – 1790 )
1. Frust, Krankheit und Fluchtpläne
1.1. Langeweile, schwarzes Blut und Krankheit
1.2. Goethes Frust und Sehnsucht nach Neuorientierung
1.3. Reisefieber und Bedenkenträger
2. Reise ins Paradies
2.1. Zwischen Sightseeing, Papstaudienz und Kunstgenuss
2.2. Neapel und ein Erzbischof
2.3. Zurück in Rom und Flucht nach Neapel
2.4. Reise nach Apulien
2.5. Wolken im Paradies
2.6. Musik in Neapel und Goethe in Venedig

VI. Weimars hellster Stern ( 1790 – 1807 )
1. Rückkehr in die Langeweile
2. Revolution und Flucht in die heile Welt
2.1. Krieg gegen Frankreich
2.2. Tod Constantins
2.3. Rückzug in die heile Welt
2.4. Gedanken, Töne und Disharmonien
3. Verschiedene Welten
3.1. Elegien, Xenien und ein Traum
3.2. Dichter, Despoten und bittere Texte
3.3. Freud und Leid
3.4. Krieg und Frieden

Danksagung
Quellen- und Literaturverzeichnis
Anmerkungen

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