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Die Frauen der DichterDie Frauen der Dichter

Die Frauen der Dichter

Leben und Lieben an der Seite der Genies

12 Porträts

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Die Frauen der Dichter — Inhalt

Helene Weigels herausragende Bedeutung für die Arbeiten Brechts oder Veza Canettis eindrucksvolles Werk, das vom eigenen Ehemann zurückgehalten wurde: Wie so viele Frauen berühmter Männer standen beide Künstlerinnen stets in deren Schatten und rangen in einem unheilvollen Spannungsfeld zwischen Aufopferung und Unterdrückung um Anerkennung. In vielen spannenden Biographien zeigt dieser Band, welch unverzichtbaren Beitrag die Frauen der Dichter für ihre Epoche leisteten und warum sie doch immer hinter ihren einflussreichen Männern zurückblieben.

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 13.07.2015
320 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30561-7
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 13.07.2015
320 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96943-7

Leseprobe zu »Die Frauen der Dichter«

Die Frauen der Dichter
Ihr Leben als Muse, Mutter, Managerin

 


Eine alte Binsenweisheit lautet: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Heute, im 21. Jahrhundert, in dem die meisten Frauen selbst »ihren Mann stehen«, mag ein solcher Spruch veraltet und ein wenig lächerlich erscheinen. Für die Protagonistinnen dieses Buches aber hatte er durchaus seine Berechtigung. Die meisten von ihnen fanden es ganz selbstverständlich, ihren schreibenden Ehemännern oder Geliebten den Rücken freizuhalten, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern und die [...]

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Die Frauen der Dichter
Ihr Leben als Muse, Mutter, Managerin

 


Eine alte Binsenweisheit lautet: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Heute, im 21. Jahrhundert, in dem die meisten Frauen selbst »ihren Mann stehen«, mag ein solcher Spruch veraltet und ein wenig lächerlich erscheinen. Für die Protagonistinnen dieses Buches aber hatte er durchaus seine Berechtigung. Die meisten von ihnen fanden es ganz selbstverständlich, ihren schreibenden Ehemännern oder Geliebten den Rücken freizuhalten, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern und die eigenen Interessen hintan­zustellen, ganz gleich, welche Bildung, Talente und Interessen sie selbst mitbrachten.
Bekanntestes Beispiel ist wohl Katia Pringsheim, immerhin eine der ersten Abiturientinnen Münchens. 50 Jahre lang war sie mit Thomas Mann verheiratet, der zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens wurde. Dass der Dichter überall – ob in München, Princeton, Los Angeles oder Küssnacht – das ideale Ambiente vorfand, ohne das er nicht hätte arbeiten können, war nur seiner Frau zu verdanken. Annemarie Böll wiederum arbeitete so lange als Lehrerin, bis ihr »Hein« endlich in der Lage war, seine wachsende Familie als Schriftsteller zu er­­nähren. Dankbar gab er selbst zu: »Ohne meine Frau wäre ich verloren.«
Verloren wäre möglicherweise auch Bertolt Brecht gewesen, hätte er nicht Helene Weigel an seiner Seite gehabt. Sie war nicht nur das »Mädchen für alles«, das den gesamten Alltag managte, als Schauspielerin verkörperte sie später auch die Rollen, die Brecht ihr auf den Leib geschrieben hatte. Wie groß ihre Bedeutung für das Werk ihres Mannes tatsächlich war, erkannte auch Schauspielkollege Ernst Geschonnek: »Ohne die Weigel hätte Brecht niemals die Kraft und den Ruf gehabt, das zu werden, was er dann geworden ist.«
Meist waren die Frauen der Dichter auch die wichtigsten Mitarbeiterinnen ihrer schreibenden Ehemänner. Sie lasen Korrektur, spendeten Lob oder übten Kritik und gaben wichtige Anregungen. Einige von ihnen griffen auch selbst zur Feder. Bettine von Arnim wurde jedoch nur nach dem Tod ihres Mannes literarisch tätig, und dass Veza Canetti eine talentierte Schriftstellerin gewesen war, erfuhr die Öffent­lichkeit erst, als die Frau des Nobelpreisträgers Elias Canetti schon längst gestorben war.
Natürlich ergänzten sich nicht alle Dichterpaare auf diese ideale Weise. Die Ehe von Rainer Maria Rilke und Clara Westhoff scheiterte schon nach wenigen Monaten, weil der sensible Dichter das Leben mit Frau und Kind nicht ertragen konnte und die Einsamkeit bevorzugte. Aus Franz Kafka und seiner langjährigen Brieffreundin Felice Bauer wurde erst gar kein Ehepaar, obwohl sie sich zweimal verlobt hatten. Doch Kafka hatte Angst, dass sich die traute Zweisamkeit negativ auf seine literarische Produktivität auswirken würde. Und Alma Mahler-Werfel, die sich gerne als kunstsinnige Muse stilisierte, hat gleich in drei Ehen bewiesen, dass es ihr immer nur um eines ging, nämlich um sich selbst. Trotzdem waren die Männer verrückt nach ihr, vielleicht auch, weil sie in ihr die »treibende Kraft« erkannten, die sie künstlerisch inspirierte. Franz Werfel wurde erst zum erfolgreichen Autor, nachdem ihn Alma davon überzeugen konnte, nicht nur expressionistische Gedichte zu schreiben – selbst wenn sie hauptsächlich finanzielle Motive hatte.
Leicht war das Leben an der Seite der Dichter in keinem Fall. Doch gerade das zeigt, dass es tatsächlich starke Frauen gewesen sein müssen, die hinter ihren erfolgreichen Männern standen. Sie gingen mit ihnen durch dick und dünn, ertrugen ihre Launen und Eigenarten, teilten ihre Geldsorgen, fanden sich mit ihren Affären ab und folgten jenen bereitwillig ins Exil, die die Nationalsozialisten als missliebige Autoren verfolgten und aus Deutschland und Österreich vertrieben.
Katia Mann hat als alte Dame einmal beklagt, sie habe in ihrem Leben nie das tun können, was sie eigentlich hätte tun wollen. Tatsächlich aber gab es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nur wenige Frauen, die wirklich ein selbstbestimmtes Leben führen konnten, auch wenn sie nicht mit einem berühmten Dichter verheiratet waren.

 

 

 

»Meine kleine Hausfreundin«
Christiane Vulpius (1765–1816)
und Johann Wolfgang von Goethe

 


Es gehörte schon eine ordentliche Portion Mut dazu, den be­­rühmten »Dichterfürsten« so einfach anzusprechen und mit einer Bitte zu behelligen. Doch für die couragierte Christiane Vulpius schien das die einzige Möglichkeit zu sein, ihrem Bruder endlich eine berufliche Perspektive zu verschaffen. Dabei hatte Christian August Vulpius (1762–1827) inzwischen mit seinem Jura-Studium aufgehört und durchaus die Möglichkeit, sich am Weimarer Hof um eine Anstellung zu bemühen. Aber der junge Mann verfolgte ganz andere Pläne. Er träumte von einer Karriere als Schriftsteller, hatte auch bereits mehrere Texte veröffentlicht, darunter den Roman »Die Abenteuer des Ritters Palmendos« sowie mehrere Gedichte, die auch Johann Wolfgang von Goethe bekannt gewesen sein dürften. Doch die mageren Einnahmen aus der schriftstellerischen Tätigkeit reichten weder zum Leben noch zum Sterben. Christiane Vulpius, trotz allem überzeugt vom Talent ihres Bruders, entschloss sich daher, bei Goethe vorzusprechen, der soeben von seinem knapp zweijährigen Italienaufenthalt nach Weimar zurückgekehrt war. Sie hoffte inständig, der berühmte Dichter würde seine guten Kontakte zu Verlegern und Zeitschriften spielen lassen, sodass der bislang erfolglose Christian August in absehbarer Zeit von seiner literarischen Arbeit leben konnte.
Die erste Begegnung von Christiane Vulpius und Johann Wolfgang von Goethe fand wahrscheinlich am 12. Juli 1788 statt. Der Ort des denkwürdigen Geschehens ist leider nicht bekannt. Lange Zeit hieß es, Christiane habe den Dichter im Gartenhaus in den Ilmwiesen aufgesucht und tatsächlich wäre diese idyllische Umgebung geradezu ideal für den Anfang einer jungen Liebe gewesen. Doch da Goethe erst seit Juni wieder in Weimar lebte, war das Gartenhaus zu diesem Zeitpunkt noch vermietet. Vermutlich wird Christiane Vulpius also am Frauenplan erschienen sein, um dort ihre Bitte vorzutragen. Johann Wolfgang von Goethe hörte sich geduldig an, was die junge Frau zu sagen hatte, und versprach anschließend, sein Bestes zu versuchen, um ihrem Bruder zu helfen.
Tatsächlich erwirkte er, dass Christian August Vulpius 1789 eine Anstellung als Sekretär bei dem Leipziger Buchhändler und Verleger Georg Joachim Göschen fand, sodass der noch unbekannte Dichter zumindest für seinen Lebensunterhalt sorgen konnte. Zu diesem Zeitpunkt waren Christiane Vulpius und Johann Wolfgang von Goethe schon längst ein Liebespaar und ganz Weimar zerriss sich das Maul darüber, was der Herr Geheimrat wohl an dieser einfachen »Magd«, die sich nicht auf höfischem Parkett bewegte, finden mochte. Denn dass Christiane ausgesprochen tüchtig war und schon in jungen Jahren viel für ihre Familie getan hatte, interessierte in der feinen Gesellschaft schließlich niemanden.

 

Vom Tode umgeben – Christianes Kindheit
Dabei hatte der Adel eigentlich gar keinen Grund, so verächtlich auf Goethes »Magd« hinabzublicken, denn Christiane Vulpius kam keineswegs aus einfachen Verhältnissen, auch wenn ihre bürgerliche Familie mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte.
Weil das Geld schon damals knapp war, hatte Christianes Vater Johann Friedrich Vulpius (1725–1786) sein Jura-Studium vorzeitig beenden und sich eine Zeitlang mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen müssen. Er war schon 34 Jahre alt gewesen, als er 1759 endlich am Weimarer Fürstenhof unterkam, wo mehr als ein Viertel der rund 6000 Bewohner des Städtchens ihr Auskommen fanden. Zwar war das beschau­liche Weimar an der Ilm Residenzstadt von Sachsen-Weimar-Eisenach, einem der ältesten und kleinsten Fürstentümer Thüringens, doch besonderer Wohlstand herrschte hier keineswegs. Die Gassen waren eng und winkelig, die meisten Häuser mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt. Schmucke Bürgerhäuser suchte man damals noch vergebens.
1760 heiratete Johann Friedrich Vulpius die erst 18-jährige Christiane Margarethe Riehl (1742–1771), die allem Anschein nach eine größere Mitgift in die Ehe einbrachte. Hinzu kam eine monatliche Unterstützung durch die Riehls, sodass die junge Familie in den folgenden Jahren recht gut leben konnte. Man bezog eine Wohnung in der Jakobsgasse, nicht weit vom Weimarer Schloss entfernt. Nachdem 1762 das erste Kind zur Welt gekommen war, Sohn Christian August, dem ein weiterer, früh verstorbener Sohn folgte, wurde am 1. Juni 1765 Tochter Johanna Christiana Sophie, genannt Christiane, geboren und wenige Tage später in der Hofkirche – der heutigen Jakobs­kirche – evangelisch getauft.
Familie Vulpius wuchs weiter, doch auch der Tod schlug immer wieder zu. 1767 kam eine zweite Tochter zur Welt, die nach nur vier Monaten an den Pocken starb, 1769 wurde mit Johann Gottlieb Heinrich wieder ein Sohn geboren.
In diesem Jahr begann sich die finanzielle Situation der Familie dramatisch zu verschlechtern, denn mit dem Tod von Vater Riehl fiel die monatliche Unterstützung künftig weg und das schmale Einkommen, das Johann Friedrich Vulpius erhielt, reichte an allen Ecken und Enden nicht aus. Dann aber schlug das Schicksal erneut zu: Von der schweren Geburt ihres sechsten Kindes, das nur kurze Zeit später starb, erholte sich die junge Mutter nicht mehr und fand am 5. Mai 1771 im Alter von nur 29 Jahren selbst den Tod. Christiane, knapp sechs Jahre alt, und ihre beiden Brüder waren nun Halbwaisen. In dieser traurigen Situation konnte es wohl als Segen gelten, dass Juliana Augusta, die 37-jährige Schwester von Vater Vulpius, die schon vorher mit im Haushalt gelebt hatte, problemlos in ihre neue Rolle als Ersatzmutter hineinwuchs.
Über Christianes Kindheit ist kaum etwas bekannt, auch nicht, welche Schule sie besucht hat. Sie konnte zwar lesen und schreiben, verfügte aber offenbar über keine umfassende Bildung. Das freilich war für ein Mädchen damals keineswegs ungewöhnlich. Schon früh wird Christiane im Haushalt mit angepackt, Wasser vom Brunnen geholt und Tante Juliana Augusta bei der Gartenarbeit geholfen haben.
Nachdem Johann Friedrich Vulpius Weihnachten 1774 ein zweites Mal geheiratet hatte, die 1745 geborene Johanna Christiana Dorothea Weiland, kam nur zwei Monate später Christianes Halbschwester Ernestina Sophia Louisa (1775–?) zur Welt. Schon bald darauf musste die Familie wieder eines ihrer Kinder zu Grabe tragen: Christianes Bruder Johann Gottlieb Heinrich starb im Herbst 1776 im Alter von erst sieben Jahren. Man mag unwillkürlich an die alte Mahnung denken: Mitten im Leben sind wir vom Tode umgeben. Drei weitere Halbgeschwister, die im Laufe der nächsten Jahre zur Welt kamen, starben ebenfalls im Kindesalter.
Der ganze Stolz der Familie Vulpius war Sohn Christian August, der 1781 das Elternhaus verließ, um zum Jura-Studium nach Jena zu gehen. Finanziert wurde die Ausbildung durch ein herzogliches Stipendium, denn Vater Vulpius sah sich nicht in der Lage, den Sohn finanziell zu unterstützen. Im Gegenteil, bald war er selbst auf Hilfe angewiesen und die Familie musste von dem leben, was wir heute als Sozialhilfe bezeichnen. Wegen eines nicht näher bekannten Amtsvergehens verlor Johann Friedrich Vulpius 1782 seine Anstellung am Weimarer Hof, wurde zunächst suspendiert, schließlich sogar entlassen. Nur ein sogenanntes »Gnadengehalt« des Herzogs konnte die Familie jetzt noch vor dem Hungertod bewahren.

 

Arbeit als Putzmacherin
Christiane Vulpius, damals 17 Jahre alt, wollte nicht tatenlos zusehen, wie es mit ihrer Familie immer weiter bergab ging, zumal die Stiefmutter in letzter Zeit häufiger kränkelte. Und so traf die junge Frau eine außergewöhnliche Entscheidung : Sie wollte Geld verdienen, und zwar auf eine ausgesprochen ehrbare Art und Weise.
Christiane war nämlich nicht die einzige Bürgerstochter in Weimar, die etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen wollte oder musste, selbst wenn in diesen Kreisen die Erwerbstätigkeit von Mädchen eigentlich ausgeschlossen war. Schließlich sollten sie die Familie nicht in Verruf bringen, indem sie zum Beispiel als Dienstmagd arbeiteten. Doch zum Glück hatten zwei Weimarer Schwestern für diese Notlage eine gute Lösung gefunden. Die Schwestern Caroline Bertuch und Auguste Slevoigt gründeten 1782 eine kleine Manufaktur, in der Dekorationsmaterial für Damenhüte hergestellt wurde. Bislang mussten die kunstvollen Stoffblumen, die die Kopf­bedeckungen der modebewussten Damen zierten, für viel Geld aus Paris importiert werden. Nun erhielten handwerklich und künstlerisch talentierte Bürgermädchen vor Ort die Möglichkeit, sich zu Putzmacherinnen ausbilden zu lassen und die Stoffblumen in Weimar herzustellen. Im November 1783 waren in der Werkstatt, die von Auguste Slevoigt geleitet wurde, rund 20 junge Frauen beschäftigt, unter ihnen Christiane Vulpius. Zusammen saßen sie an langen Tischen und arbeiteten nach handgezeichneten Vorlagen von Knospen, Blüten und Blumenblättern. Der Umgang mit Seide, Plüsch, Samt und Taft, mit Draht, Schere und Nähnadel erforderte eine ganze Menge Geschick und große Professionalität. Schließlich ging es hier nicht um ein hübsches Hobby für gelangweilte Damen, im Gegenteil. Die Produkte, die in der Manufaktur hergestellt wurden, mussten höchsten Anforderungen entsprechen und mit den Pariser Stoffblumen in jeder Hinsicht konkurrieren können. Neben den künstlichen Blumen wurden noch andere Dinge angefertigt, zum Beispiel hübsch bestickte Beutel, Handarbeitskörbchen und Ähnliches mehr. Das Ge­­schäft florierte und Christiane Vulpius fühlte sich in der freundlichen Atmosphäre des Hauses am Baumgarten ausgesprochen wohl. An sechs Tagen in der Woche arbeitete sie hier mehrere Jahre lang – bis sie im Juli 1788 Johann Wolfgang von Goethe begegnete.
Im Februar 1783 starb Christianes kranke Stiefmutter im Alter von 36 Jahren. Jetzt lebten im Haus nur noch der Vater und ihre achtjährige Halbschwester Ernestine sowie Tante Juliana Augusta, die den Haushalt versorgte. Mit dem Geld, das die Älteste verdiente, kam die Familie recht gut über die Runden.
Bei der Arbeit blühte Christiane regelrecht auf. Sie war nicht nur stolz auf ihre Kreativität und künstlerische Leistung, sie hatte auch viel Freude beim Zusammensein mit ihren Kolleginnen. Schließlich ist anzunehmen, dass sich die jungen Damen bei der Arbeit auch ausgiebig über den jüngsten Weimarer Klatsch und Tratsch unterhalten haben. Im April 1783 wird es hingegen ein ausgesprochen ernstes Thema gewesen sein, das die fleißigen Putzmacherinnen beschäftigte und über das in ganz Weimar gesprochen wurde : In ihrer Verzweiflung hatte Anna Catharina Höhn, eine ledige junge Frau, ihr neugeborenes Söhnchen getötet. Das Gericht verurteilte sie daraufhin zum Tode. Noch saß sie im Zuchthaus, bis das Urteil im November des Jahres vollstreckt wurde. Als Jurist war auch Johann Wolfgang von Goethe mit diesem Fall befasst. Er sprach sich ebenfalls für die Todesstrafe aus.

 

Dichter und Geheimrat – Goethe in Weimar
Drei Jahre nach dem Tod ihrer Stiefmutter starb Christianes Vater im März 1786 im Alter von 61 Jahren. Das » Gnaden­gehalt «, das er von Herzog Karl August bezogen hatte, wurde jetzt in eine Waisenpension für Christiane und ihre Halbschwester Ernestine umgewandelt, sodass es im Hause Vulpius zunächst nicht zu spürbaren finanziellen Einschränkungen kam. Als jedoch Christian August Vulpius im Mai 1788 nach beendetem ( oder vielleicht auch abgebrochenem ) Studium und ohne Geld in der Tasche nach Weimar zurückkehrte, war die Haushaltskasse wohl schon nach kurzer Zeit wieder leer.

Karin Feuerstein-Praßer

Über Karin Feuerstein-Praßer

Biografie

Karin Feuerstein-Praßer, geboren 1956, lebt als freie Historikerin und Autorin in Köln und veröffentlichte zahlreiche Biografienbände.

Pressestimmen

Buchkultur

»Eingebettet in die flüssige Schilderung des jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Kontextes, unterfüttert mit ausgesprochen aufschlussreichen Auszügen aus der Briefkorrespondenz (...) stellt die Autorin die Frauen der Schriftsteller ins Zentrum«

Inhaltsangabe

Inhalt

Die Frauen der Dichter
Ihr Leben als Muse, Mutter, Managerin


»Meine kleine Hausfreundin«
Christiane Vulpius (1765–1816) und Johann Wolfgang von Goethe


»Die ganze Richtung unsrer Kräfte treibt entgegengesetzt«
Bettine Brentano (1785–1859) und Achim von Arnim


»Mit Liebe und Treu’ ergeben«
Augustine Crescence Mirat alias »Mathilde« (1815–1883) und Heinrich Heine


»Es war ein seltsam ungleiches Paar«
Clara Westhoff (1878–1954) und Rainer Maria Rilke


»Ich empfinde meine Ehe als Zwang«
Alma Mahler (1879–1964) und Franz Werfel


»Ich bin nie hervorgetreten, ich fand, das ziemte sich nicht«
Katharina »Katia« Pringsheim (1883–1980) und Thomas Mann


»Ohne sie kann ich nicht leben und mit ihr auch nicht«
Felice Bauer (1887–1960) und Franz Kafka


»Ich wusste, dass ich bei Lion bleiben musste«
Marta Löffler (1891–1987) und Lion Feuchtwanger


»Eigentlich ist sie meine Mutter«
Veza Taubner-Calderon (1897–1963) und Elias Canetti


»Du weißt, wir haben nur einander…«
Nelly Kröger (1898–1944) und Heinrich Mann


»Helli, Du warst das Größte«
Helene Weigel (1900–1971) und Bertolt Brecht


»Ohne meine Frau wäre ich verloren«
Annemarie Čech (1910–2004) und Heinrich Böll


Weiterführende Literatur (eine Auswahl)

Kommentare zum Buch

Hinweis
Piper Verlag am 20.11.2015

Liebe Frau Grimm,   vielen Dank für den Hinweis auf den falschen Namen, wir werden das bei einer Neuauflage berücksichtigen.   Herzliche Grüße aus dem Piper Verlag

Die Frauen der Dichter
Christa Grimm am 19.11.2015

Ich bekam diese Buch in die Hand und war sehr gespannt. Doch gleich auf Seite 8 war ich enttäuscht und hatte erstmal keine Lust zum Weiterlesen. Der Schauspielkollege von Helene Weigel hieß nicht ERNST Geschonneck - sondern ERWIN. Er zählte in der DDR zu den Spitzenschauspielern, war bekannt von Theater, Film und Fernsehen - ein beliebter Volksschauspieler mit einer bewegenden Biographie. Fragen Sie den renommierten Regisseur Matti Geschonneck - es ist sein Sohn. Für eine promovierte Historikerin sehr peinlich. Entweder nicht oder falsch recherchiert oder Ignoranz gegenüber DDR-Künstlern. Bei einer Neuauflage sollten Sie diesen Fehler korrigieren. Ich hoffe ich finde nicht noch mehr Unstimmigkeiten. Mit freundlichen Grüßen Christa Grimm - Diplom-Journalistin

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