DDR-Bücher
Lieferung innerhalb 1-3 Werktage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Kostenloser Versand

DDR, BRD und die deutsche Geschichte

Dienstag, 17. September 2019 von Piper Verlag


Deutsch-deutsche Geschichte und Geschichten

 In unserem Themenspecial blicken wir zurück auf das Leben in der DDR und begeben uns auf Spurensuche an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Unsere Bücher erzählen Einzelschicksale über gescheiterte Fluchtversuche und beleuchten die dunklen Kapitel der Stasi. Wie war es möglich, dass sich die Menschen erst nach 40 Jahren gegen Überwachung und Abschottung wehrten?

Erfahren Sie deutsch-deutsche Geschichte in persönlichen Geschichten und Büchern.

DDR Bücher

„Ein Buch ganz frei von dieser gefallsüchtigen Ostalgie. Es ist eines jener faszinierenden Bücher, das einen teilhaben lässt an einem Leben, das man vielleicht nicht selbst gelebt hat, aber so dass man sich ein bisschen besser in der Gegenwart einrichten kann und ein bisschen besser auskennt.“


WDR2 Buchtipp über Julia Schoch Schöne Seelen und Komplizen

Romane über die DDR

Roland Jahn über den Alltag in der DDR

Roland Jahn setzt sich in seinem Buch „Wir Angepassten“ mit dem Leben in der DDR und der wichtigsten Frage auseinander: „Wie konnte diese Diktatur so lange funktionieren?“  Im Interview spricht der Autor über diese Frage, aber auch über Gedanken, wie man in einer Diktatur einen Weg zwischen Anpassung und Widerspruch findet.

„In dem Buch ›Wir Angepassten‹ geht es um das Leben in der DDR. Es geht darum, wie sind Menschen zurechtgekommen unter den Bedingungen einer Diktatur. Es war ja eine tägliche Herausforderung, einen Weg zwischen Anpassung und Widerspruch zu finden; wann passe ich mich an oder wann wiederspreche ich. Das war ja nicht so leicht, sich zu entscheiden. Man musste ja beachten, was das für Konsequenzen für einen selbst hat, aber auch gerade für die eigene Familie. Und genau das Auszuloten, ist eine Herausforderung gewesen, die sehr sehr schwierig war, und darüber gilt es zu sprechen.

Es waren die Probleme des Alltags, gegen die wir aufbegehrt haben. An der Schule durften wir zum Beispiel keine langen Haare tragen und ich bin dann nach Berlin gefahren, um mich zu beschweren. Im Ministerium für Volksbildung, bei Margot Honecker, habe ich entschieden gefordert: „Lange Haare, das muss möglich sein.“ Aber als ich rauskam, stand ich vor der Mauer am Brandenburger Tor und ich habe nicht gewagt, dagegen zu protestieren. Dagegen, dass eine Mauer existiert, an der Menschen erschossen werden, nur weil sie von der einen Seite der Stadt auf die andere wollen. Und das hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben. Wie sehr wir uns zufrieden gegeben haben. Mit kleinen Erfolgen, statt an die ganz grundsätzlichen Fragestellungen heranzugehen.  

Als junger Mensch mit 18 Jahren, standen wir vor einer Entscheidung, was machst du, wenn du zur Grenze gezogen wirst? Was machst du, wenn du an die Berliner Mauer kommst? Bist du bereit zu schießen, wenn einer flüchtet? Diese Frage konnte man gar nicht so einfach beantworten, denn es hatte Konsequenzen. Und diese Entscheidung war oft eine Entscheidung im Hoffen, es wird schon nicht so schlimm werden. Es wird schon keiner kommen. Und so sind selbst Freunde von mir an die Grenze gegangen. Ich hatte Glück, ich wurde nicht zur Grenze gezogen und musste die Entscheidung nicht treffen.

Die DDR hat so lange funktioniert, weil wir uns alle angepasst haben. Weil wir in den vom Staat vorgezeichneten Bahnen viel zu lange mitgelaufen sind. Und das ist etwas, was mir wichtig ist, dass wir uns damit auseinandersetzen, warum diese Diktatur so lange funktioniert hat? Hat vielleicht unser eigenes Verhalten mit dazu beigetragen? Hätten wir in vielen Situationen nicht auch anders handeln können? Ich glaube, es ist wichtig, dass jeder diese Frage für sich beantwortet. Jeder für sich die Frage stellt und Antworten findet, die ihn auch zu Erkenntnissen bringt, warum diese Diktatur so lange funktioniert hat.

Dieses Buch soll eine Einladung zum Erzählen sein. Es gibt noch so viele unerzählte Geschichten – Unausgesprochenes über das Leben in der DDR. Gerade in den Fragen der eigenen Biografie gibt es doch Dinge, wo man erstaunt ist, wie man in der DDR gelebt hat und wie man sich auch angepasst hat, obwohl man eigentlich dagegen war.“

Blick ins Buch
Wir AngepasstenWir Angepassten
Taschenbuch
€ 11,00
E-Book
€ 10,99
€ 11,00 inkl. MwSt.
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 10,99 inkl. MwSt.
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Überleben in der DDR

Zur Wahl gehen oder den Studienplatz riskieren? Den Kontakt zur Tante im Westen abbrechen oder den beruflichen Aufstieg gefährden? Solchen und ähnlichen Fragen haben sich viele Menschen in der DDR stellen müssen. Roland Jahn, selbst ein „Rädchen im Mechanismus der Diktatur“, bevor er sich verweigerte, erzählt von den Zumutungen des Alltags in der DDR. Und er fragt, warum sich so viele den Vorgaben des SED-Staates angepasst haben. Wie groß war letztlich der Spielraum, den der Einzelne hatte? Er will keine Abrechnung, sondern sucht nach Erklärungen, und er möchte zu einem offenen Gespräch ermutigen.
In den Warenkorb
Das Ende der DDR

Was ein handgeschriebener Zettel mit dem Fall der Mauer zu tun hat

Die Notizen, die Günter Schabowski bei der legendären Pressekonferenz am 9. November 1989 dabei hatte, gehören zu den 100 Objekten, die deutsche Geschichte geschrieben haben. Erst 2015 ist das lange verschollene Original wieder aufgetaucht.
Ein Auszug aus dem Buch „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“ von Prof. Dr. Hermann Schäfer.

Pressekonferenzen wollen gut vorbereitet sein – das lehrt jedes Handbuch der Pressearbeit. Günter Schabowskis handschriftliche Notizen für diese Pressekonferenz sind nicht umfangreich, haben fünf klar durchnummerierte Punkte, enthalten noch etliche, offensichtlich nachgetragene Punkte und werden am Ende immer unübersichtlicher, auch unleserlicher. Schabowski war 60 Jahre alt und hatte genug Lebens- sowie politische Erfahrung, um eine Pressekonferenz durchzuführen; auch hatte er Journalismus studiert.

Aber an diesem Tag lief alles für ihn schief – für die deutsche Geschichte aber sensationell.

Seit drei Tagen war er in der neu geschaffenen Funktion eines Sekretärs des ZK der SED für Informationswesen eine Art Regierungssprecher der DDR. Dies war seine zweite Pressekonferenz, und überhaupt war diese Art von Öffentlichkeitarbeit in der Geschichte der DDR ebenso ein Novum wie die Tatsache, dass das Staatsfernsehen diese Pressekonferenz ab 18 Uhr live aus dem Internationalen Pressezentrum in der Berliner Mohrenstraße übertrug.

Bis kurz vor 19 Uhr verlief alles völlig unspektakulär, sogar eher langweilig. Die Pressekonferenz sollte auch nicht länger als bis 19 Uhr dauern, jedenfalls hatte sich Schabowski dies so notiert und vorgenommen. Aber um 18.53 Uhr stellte der italienische Agenturjournalist RiccardoEhrmann (ANSA) die Frage nach dem neuen Reisegesetz. Sie bewegte die DDR-Bürger damals am meisten, sie war das Thema.

Wer die Übertragung live sah, erlebte mit, wie Schabowski mitteilte: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden.“ Er zögerte selbst bei seinem Vortrag, wurde aber bereits mit der nächsten Frage konfrontiert, ob dies auch für Westberlin gelte. Seine Antwort: „Also, doch, doch“, und „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“.

Die Agenturen „überschlugen“ sich mit ihren Meldungen.  Die ARD-Tagesschau meldete um 20 Uhr: „Die Grenze ist offen“,und in den Tagesthemen formulierte Hanns Joachim Friedrichs um 22.42 Uhr: „Die DDR hat mitgeteilt, dass ihre Grenzen ab sofort für jedermanngeöffnet sind, die Tore der Mauer stehen weit offen.“ Ein trüber Herbstdonnerstag wurde für jeden Menschen, der ihn bewusst erlebte, unvergesslich. Das „folgenreichste Versehen der deutschen Fernsehgeschichte“(SpiegelOnline) nahm seinen Lauf.

Mehr dazu, wie es zu diesem entscheidenen Fehler kam,  in „Deutsche Geschichte in 100 Objekten“


Bildnachweis: „Bundesarchiv Bild 183-1989-1109-030, Berlin, Schabowski auf Pressekonferenz“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons - commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1989-1109-030,_Berlin,_Schabowski_auf_Pressekonferenz.jpg

Kommentare

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.