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Solange ich atme

Solange ich atme

Meine dramatische Flucht aus der DDR und wie sie mein Leben prägte

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Solange ich atme — Inhalt

Angetrieben von dem Wunsch, die Welt zu bereisen, wagt Carmen Rohrbach mit 27 Jahren die Flucht aus der DDR, im Schutz der Dunkelheit über die Ostsee. Zwei Tage und Nächte verbringt sie auf dem Wasser, in ständiger Angst, zu ertrinken oder entdeckt und verhaftet zu werden. Ihr Fluchtversuch misslingt, doch ihr Freiheitswille bleibt ungebrochen: Nach zwei Jahren Haft im Frauengefängnis Hoheneck wird Carmen Rohrbach nach Westdeutschland ausgewiesen – und macht bald darauf als Dokumentarfilmerin und Reiseautorin die ganze Welt zu ihrer Heimat. »Solange ich atme« ist ihre zutiefst inspirierende, abenteuerliche Lebensgeschichte.

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 15.10.2013
256 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-40531-7

Leseprobe zu »Solange ich atme«

Prolog: Flucht aus dem »Paradies«

Vor zwanzig Jahren geschah, womit niemand gerechnet hatte – die Mauer in Berlin fiel, und kurz danach existierte auch die DDR nicht mehr. Inzwischen ist die Einheit selbstverständlich geworden. Es gibt Filme und Bücher über das Leben in der DDR – sie ersetzen nicht das Gespräch, regen aber die Gedanken und die Erinnerung an. So kann das Erzählen über die Zeit vor der Wiedervereinigung als Lehrstück dienen, wie Menschen durch Ideologien manipuliert, benützt, zerstört und gebrochen werden, aber auch, wie Menschen den Mut [...]

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Prolog: Flucht aus dem »Paradies«

Vor zwanzig Jahren geschah, womit niemand gerechnet hatte – die Mauer in Berlin fiel, und kurz danach existierte auch die DDR nicht mehr. Inzwischen ist die Einheit selbstverständlich geworden. Es gibt Filme und Bücher über das Leben in der DDR – sie ersetzen nicht das Gespräch, regen aber die Gedanken und die Erinnerung an. So kann das Erzählen über die Zeit vor der Wiedervereinigung als Lehrstück dienen, wie Menschen durch Ideologien manipuliert, benützt, zerstört und gebrochen werden, aber auch, wie Menschen den Mut fanden, sich ge­gen staatliche Willkür zu wehren, und wie schließlich die Mauer von ihnen zu Fall gebracht wurde.

Als ich in der Lausitz, im östlichen Teil Sachsens, an der Grenze zu Polen und der Tschechoslowakei, geboren wurde, gab es die DDR bereits. Wie jedes Kind nahm ich alles in meiner Umgebung als gegeben und selbstverständlich hin. Für mich war mein Vater damals die wichtigste Bezugs­person. Besonders wenn es um praktische Hilfe ging, etwa in der Schule, wandte ich mich an ihn, während ich mich, wenn ich Kummer hatte, eher von meiner Mutter trösten ließ. Mein Vater war Lehrer. Er glaubte an den Kommunismus, und ich hörte ihm gern zu, wie er sich die Zukunft erträumte. Aber er war kein fanatischer Parteifunktionär, sondern ein Idealist, der sich von Herzen wünschte, der Kommunismus möge den Menschen das Paradies auf Erden bringen.
Damals war er nicht der Einzige, der diesem Irrglauben nachhing, viele Menschen, auch in der Bundesrepublik und in anderen Ländern Westeuropas, ließen sich von diesem märchenhaften Trugbild verführen. Zudem verstanden es die selbst ernannten Ideologen der DDR, die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs den Kapitalisten anzulasten. Der ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaftsordnung stellten sie das angeblich friedfertige sozialistische System gegenüber. Wer zweifelte da noch an der Überlegenheit des Sozialismus?
Während meiner Schulzeit sah ich einzig die positiven Aspekte der Politik in der DDR. So wuchs ich beispielsweise mit dem Bewusstsein auf, dass Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Dass es eine gesetzlich angeordnete Gleichberechtigung war, die nicht immer der Realität im privaten und beruflichen Leben entsprach, erkannte ich erst später. Fast alle Bereiche des Lebens waren geregelt und abgesichert: die ärzt­liche Versorgung, die Kinderbetreuung, die Altersversorgung, die Sicherheit des Arbeitsplatzes. »Die DDR, das Paradies auf Erden«, so lobten die Machthaber ihr System. Spötter dagegen urteilten so: »Von der Wiege bis zur Bahre, die Partei, die tut für dich das Wahre.«
Diese Versorgung durch den Staat bedeutete massive Kontrolle und die Beschränkung der Eigeninitiative. Viele waren froh über diese Sicherheit, andere wünschten sich, ihr Leben selber in die Hand nehmen zu können.
Jahre später, als Studentin, begriff ich allmählich, dass die kommunistische Idee, die von der Gleichheit aller Menschen sprach, keineswegs mit der Realität übereinstimmte. Während meines Biologiestudiums in Greifswald erfuhr ich von Kommilitonen erstmals, dass es in der DDR auch schreckliches Unrecht und Gewalt gab, deren ganzes Ausmaß nur ansatzweise zu erkennen war. Für mich war schwer zu glauben, dass in der DDR Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, andere in den Selbstmord getrieben und Kinder von Republikflüchtigen ihren Müttern weggenommen und zwangsadoptiert wurden. Wenn es überhaupt stimmt, so sind es Einzelfälle, die nicht das Positive ungültig machen können, so dachte ich.
Bereits im Kindergarten wurden wir politisch beeinflusst, ohne dass ich es damals bemerken konnte. Erinnern kann ich mich nur an Krautsuppen mit ekligen Fettklumpen und an eine Aufführung der »Vogelhochzeit«, in der ich die Fledermaus darstellte – wahrscheinlich weil ich nicht wie ein Vögelchen singen konnte, mich dafür aber durch hohe Sprünge und wildes Flattern hervortat.
In der Schule las ich zum ersten Mal den Namen »Stalin« im Lesebuch. An die Geschichte erinnere ich mich noch genau, denn sie gefiel mir nicht. Stalin schenkte einem armen Jungen seine Mütze. Dieser Stalin ist ein Geizhals, dachte ich, er hätte dem Kind etwas Besseres geben sollen. Die alte, getragene Mütze war dem Jungen zu groß, und so rutschte sie ihm über die Ohren, wie ich auf der Abbildung im Lesebuch sehen konnte. Der sowjetische Diktator Josef Stalin starb 1953. Drei Jahre später distanzierte sich der Partei- und Regierungschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow auf dem 20. Parteitag der KPdSU von den stalinistischen Methoden, ohne dass es zu einer tatsächlichen Aufarbeitung der Verbrechen kam. Nur Teile der Chruschtschow-Rede wurden in der DDR veröffentlicht. Erst nach der Wiedervereinigung konnten die ehemaligen DDR-Bürger die gesamte Rede lesen.
Mit acht Jahren war ich zu jung, um die Entstalinisierung, wie Chruscht­schows Aufdeckungen genannt wurden, zu verstehen. Mich irritierte jedoch, warum ein Mensch, den man zuvor himmelhoch pries und verehrte, plötzlich verachtet wurde. Wenn Stalin tatsächlich schlimme Verbrechen begangen hatte, warum verbreitete man zuvor Lobeshymnen über ihn? Vater erklärte mir, die Menschen seien erst jetzt reif für die Wahrheit.
»Wer bestimmt denn, wann wir die Wahrheit erfahren dürfen?«, fragte ich.
»Die Partei«, lautete die Antwort.
Zum ersten Mal senkte sich der Keim des Widerspruchs in mein Bewusstsein. Die Partei, das wusste ich, waren auch nur Menschen. Wie anmaßend, wenn die einen bestimmen, wann und wie viel Wahrheit die anderen erfahren dürfen.
Damals konnte ich nicht ahnen, dass ich nicht die Einzige war, die der Partei misstraute, und dass es Menschen gab, die sich informieren konnten und diese Informationen weiterreichten, auch wenn es gefährlich war, und die daraufhin verfolgt und bestraft wurden. Noch lebte ich abgeschnitten von allen kritischen Quellen, ohne Westfernsehen, ohne Westradio, ohne westliche Zeitschriften und vor allem ohne Menschen, die ihren Widerspruch offen äußerten. So trug ich erste Ahnungen eines Zwiespalts lange Jahre in mir, überdeckt vom Alltagsgeschehen.
Ich wurde gern »Junger Pionier«, weil ich damit etwas Abenteuer­liches verband, so wie in der Geschichte von »Timur und sein Trupp« des Autors Arkadi Gaidar, ein Buch über sowjetische Pioniere zur Zeit der Revolution, die ein rotes Pionierhalstuch trugen, während unseres blau war. Ich hätte auch lieber ein rotes gehabt. Unsere Wirklichkeit jedoch war langweilig: Fahnenappelle jeden Montag auf dem Schulhof mit dem Hissen der Fahne; ausgerichtet in Blöcken mussten wir strammstehen. Der Unterricht begann mit dem Ruf: »Seid bereit«, und wir schmetterten zurück: »Immer bereit«, dabei mussten wir die Hand hoch über den Kopf halten. Wie albern diese Geste war und wie sehr das Ganze den Ritualen der Hitlerjugend ähnelte und eine Art vormilitärischen Drills darstellte, war mir nicht bewusst. Ich konnte ja keine Vergleiche anstellen. Und die Erwachsenen, sie schwiegen.
Die nächsten Stufen, »Thälmann-Pionier« und Mitglied der FDJ (Freie Deutsche Jugend) mit Blauhemd und Schulterklappen, ließ ich lustlos über mich ergehen, dachte, es sei eine unausweichliche Pflicht. Als ich Jahre später erfuhr, dass es an anderen Schulen Jugendliche gegeben hatte, die sich erfolgreich weigerten, in die FDJ einzutreten, konnte ich es kaum glauben. Meist kamen sie aus christlichen Elternhäusern, für sie galten weniger strikte Regeln. In meiner Familie und im Freundeskreis meiner Eltern glaubte niemand an Gott, zumindest bekannten sie sich nicht dazu.
Erst bei der Recherche für das vorliegende Buch erfuhr ich, dass ich getauft worden war und sogar Paten hatte. Die Schwester einer meiner Patinnen schrieb mir einen Leserbrief. Zufällig hatte sie mein Buch über den Pilgerweg nach Santiago de Compostela1 gelesen und war sehr er­staunt, dass »eine Atheistin auf dem Jakobsweg gepilgert« sei. Die Frau teilte mir mit, dass meine Eltern damals meine Patin zu meiner Jugendweihe einluden, diese die Einladung zu einer »atheistischen Weihe« aber empört abgelehnt habe. Nicht einmal den Versuch, mich kennenzulernen, hatte sie damals unternommen. Inzwischen ist die Patin gestorben, und ich habe keine Gelegenheit mehr, mit ihr zu sprechen. Die Schwester jedoch warf mir vor, dass ich schon während meiner Schulzeit »die Hohlheit der Phrasen der DDR« hätte erkennen müssen. »Die DDR war doch eine Diktatur, das hätte Ihnen auffallen müssen.«
Natürlich war mir das aufgefallen, wie auch nicht? In der Schule lernten wir: »Die DDR ist ein Arbeiter- und Bauernstaat, und es herrscht die Diktatur des Proletariats.« Für mich waren das abstrakte, inhaltslose Begriffe. Das Proletariat, wer sollte das schon sein? Und die Arbeiter und Bauern, die hatten überhaupt nichts zu bestimmen in diesem Land. Die Parolen allerdings, die störten mich schon, diese hässlichen, allgegenwärtigen Wortungetüme. Sie standen auf riesigen Transparenten entlang meines Schulwegs, dröhnten aus dem Radio und verunzierten die Zeitungen. Phrasen, die nichts mit unserer Wirklichkeit zu tun hatten: »Unterstützt das heldenhaft kämpfende vietnamesische Volk!«, »Tod den Ausbeuterklassen!«, »Alle Kraft voran zum Sieg des Sozialismus!«, »Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!« Besonders bizarr: »Den Kapitalismus überholen ohne einzuholen!« Damit war gemeint, dass sich die DDR ein höheres wirtschaftliches Wachstum wünschte, sich aber mit Westdeutschland nicht messen wollte.
In meiner Kindheit und Jugend, bis zu meinem Studium in Greifswald, traf ich auf keinen Menschen, der sich offen gegen unseren Staat aussprach, allerdings auch niemanden, außer meinem Vater, der sich vorbehaltlos zur DDR bekannte und von deren Politik überzeugt war. Die Erwachsenen wechselten ihre Sprache je nach Umgebung: in der Öffentlichkeit wurde anders geredet als zu Hause oder unter Freunden. Man gewöhnt sich an diese Verlogenheit, wenn man in ihr aufwächst und nichts anderes kennt.
»Warum sind alle gegen unseren Staat?«, fragte ich meinen Vater, der als Einziger nicht mit doppelter Zunge redete.
»Hab nur Geduld, so schnell ändern Menschen sich nicht«, antwortete er. »Du wirst es noch erleben, dass unser Land blüht. Dann werden die Menschen erkennen, dass unsere Politik richtig ist.«
Sollte auch mein Vater von Zweifeln gequält worden sein, dann hatte er sie fest in sich verschlossen. Spätestens nach meinem Fluchtversuch, als er nicht mehr als Lehrer unterrichten durfte und seine Genossen ihn schlimm schikanierten, muss auch bei ihm ein Umdenken stattgefunden haben, so glaube ich. Allerdings kann ich nur vermuten, welche Demütigungen er wegen mir erdulden musste. Die ungerechten Vorwürfe müssen ihn so tief getroffen haben, dass er nicht darüber sprechen konnte, nicht einmal mit meiner Mutter. Bald nachdem er seinen Beruf verloren hatte, wurde er schwer krank und starb schon 1980, sechs Jahre nach meiner Flucht. Das war in dem Jahr, als ich auf Galapagos die ­Meer­echsen erforschte, und neun Jahre vor dem Fall der Mauer.2 Ich frage mich, wie er dieses Ereignis verkraftet hätte. Wäre zerstört worden, woran er glaubte, oder hätte er sich rechtzeitig von seinen Illusionen befreien können?

Als Arbeiter in der DDR am 17. Juni 1953 voller Wut ihren verzweifelten Aufstand wagten, war ich erst fünf Jahre alt. Ich selbst habe keine Erinnerung daran, und später wurde nie darüber gesprochen, auch nicht, dass 1400 Menschen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. An den Aufstand in Ungarn dagegen kann ich mich dunkel erinnern. Ich spürte die Angst der Erwachsenen, dass es auch bei uns zu Unruhen kommen könnte.
Während meiner Kindheit wurden die Bauern enteignet. Nach russischem Vorbild bildete man Kolchosen, die bei uns LPG hießen (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften). Alle privaten Betriebe wandelte man in VEB um (Volkseigene Betriebe), auch die Besitzer von Hotels, Gaststätten, Handwerksbetrieben, Verkaufsläden verloren ihr Eigentum. Niemand sollte etwas besitzen, alles sollte allen gehören, und so gehörte es niemandem. Nur die an der Spitze von Partei und Regierung behielten ihre Privilegien. Wer sich darüber beschwerte, sammelte Negativpunkte in seiner Akte und konnte sogar mit Gefängnis bestraft werden.

Die jahrhundertelang gewachsenen Strukturen der Klein- und Mittelbauern und die mittelständischen Betriebe von Handwerk und Handel waren zerschlagen worden. Die Wirtschaft brach zusammen. Die Bevölkerung konnte kaum noch ihren täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern decken. Selbst Toilettenpapier wurde Mangelware. In der Erinnerung sehe ich uns Kinder mit den Eltern am Küchentisch sitzen und Zeitungen in handliche Stücke zerschneiden. Auf eine Schnur gefädelt, wurden sie in die Toilette gehängt. Das war der Beginn meiner täglichen Zeitungslektüre. Während der »Sitzung« las ich aus Langeweile, was auf dem Fetzchen Papier stand, und ärgerte mich, weil die Fortsetzung fehlte. Fortan beeilte ich mich, die Zeitung zu lesen, bevor sie zerschnitten wurde.
Besonders die Bauern flüchteten zahlreich in den Westen, als man ihren Grund und Boden verstaatlichte, und so fehlten zur Erntezeit die Arbeitskräfte, zumal die Technisierung der Landwirtschaft noch Jahre dauerte. Noch immer mussten Zuckerrüben per Hand verzogen und 
Kartoffeln in Körben eingesammelt werden. Die fleißigen Hände der Schulkinder waren gefragt. Für mich eine willkommene Abwechslung. Ich fand es abenteuerlich, im Anhänger hinter einem Traktor aufs Feld zu tuckern. Der Duft der umgebrochenen, schweren, feuchten Erde und der Rauch der Kartoffelfeuer sind mir in lebhafter Erinnerung geblie-
ben. Ich genoss die körperliche Betätigung und freute mich über das Taschengeld.
Ich sah aber auch, dass die Kornblumen und Mohnblüten meiner frühen Kindheit verschwunden waren. Die zuvor kleinen Felder hatte man zu riesigen Fluren zusammengelegt, Feldraine, Hecken und Ge­hölze gerodet und somit den Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt zerstört.

Die DDR allein war mit den Reparationskosten für den verlorenen Krieg belastet, die von der Sowjetunion in Rechnung gestellt wurden. Die Bundesrepublik sollte die Ansprüche der westlichen Alliierten bezahlen. Doch um das Wirtschaftswachstum in Westdeutschland nicht zu stören, wurde der größte Teil erlassen, man brauchte die Bundesrepublik als neuen Verbündeten im »Kalten Krieg«. Die DDR musste außerdem die Kosten für die sowjetische Besatzung und den Bau der Kasernen tragen und teilweise für ihren Unterhalt aufkommen. Die Leunawerke, das Zentrum chemischer Industrie, musste für enorm viel Geld von der Sowjetunion zurückgekauft werden, zudem belasteten völlig unrealistische Planungen die Wirtschaft. Die Sowjetunion, das mächtige und große »Bruderland«, hatte angeordnet, neue Industriezweige zu entwickeln: Schwermaschinenbau, Kohle- und Stahlindustrie nach sowjetischem Vorbild. Bei uns aber fehlten die nötigen Bodenschätze. Sie muss­ten aus der Sowjetunion importiert werden und machten die DDR von den »Freunden« abhängig, die die Preise für die Rohstoffe diktierten.
Kein Wunder also, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Ostdeutschland weit hinter dem blühenden Wachstum im Westen zurückblieb. Noch bis 1958 – 13 Jahre nach Kriegsende – gab es Fleisch, Butter, Zucker und andere Lebensmittel nur zugeteilt auf Lebensmittelmarken. Als Kind erlebte ich diese Zeit jedoch nicht als entbehrungsreich. Ich sehnte mich weder nach Südfrüchten noch nach Schokolade. Für mich waren es seltene Kostbarkeiten, die es nur zu Weihnachten gab, über die ich mich freute wie über andere Geschenke auch.
Die Erwachsenen aber waren unzufrieden, denn das Wirtschaftswunder im Westen weckte Begehrlichkeiten. Die Menschen murrten heimlich, weil es nicht vorwärtsging, und litten unter der schlechten Versorgungslage. Andere ertrugen die politische Einflussnahme auf alle persönlichen Lebensbereiche und das allgegenwärtige Spitzelsystem nicht länger. Bis 1961 verließen 2,7 Millionen Menschen das Land, bedenklich viele bei damals nur knapp 15 Millionen Einwohnern.
Schwierig war es nicht, »rüberzumachen«, man musste nur mit der 
S-Bahn von Ost- nach Westberlin fahren. Nicht wenige wohnten wegen der billigen Mieten weiterhin im Osten, arbeiteten aber in Westberlin, gingen am Abend in West-Restaurants und sahen amerikanische Filme im Kino. Am 13. August 1961 hatte dieser gefahrlose Grenzwechsel ein Ende. Über Nacht wurde die Mauer mitten durch Berlin gebaut. Die Regierung der DDR bezeichnete sie als »Antifaschistischen Schutz-
wall«.
Mit 13 Jahren war ich zu jung, um zu begreifen, was die Mauer in den späteren Jahren für mein Leben bedeuten sollte. Als ich nach den Sommerferien, die ich wie jedes Jahr in einem Kinderferienlager an der Ostsee verlebte, in die Schule zurückkam, fehlte über die Hälfte meiner Klassenkameraden. In letzter Minute waren sie mit ihren Eltern in den Westen geflüchtet.
»Wie konnten sie denn wissen, dass die Mauer gebaut wird?«, fragte 
ich meinen Vater. Er sagte mir nicht, dass es Radiosender wie den RIAS gab. Ich kannte auch nicht die Fotos von den Menschen, die sich verzweifelt aus den Fenstern stürzten. Das berühmte Bild des Soldaten, der über den Stacheldraht springt, sah ich erst, als ich selbst schon im 
Westen war.
Die Mauer änderte erst einmal nichts an meinem Leben. Meine Kraft und Energie brauchte ich für einen guten Schulabschluss, ich machte Abitur und begann Biologie zu studieren. Ich stellte mir ein Leben als Forscherin vor. Von Afrika, dem Amazonas und dem Himalaya träumte ich zwar, doch als Realistin meinte ich, dass nur Sibirien für mich erreichbar sein könnte. Die Taiga und die Tundra sollten mein Arbeitsgebiet werden. Auch die Steppen der Mongolei oder Kuba und andere sozialistische Länder schienen mir ein lohnendes Ziel.
Doch alle meine Anträge für Forschungsaufträge in sozialistischen Ländern wurden abgelehnt. Der Grund: Die Eltern meines Vaters, seine drei Schwestern und die Schwester meiner Mutter waren Ende des Zweiten Weltkrieges nach Westdeutschland übersiedelt; mit Westverwandtschaft durfte man jedoch nicht Reisekader werden, wie es auf DDR-Amtsdeutsch hieß. Erst da begriff ich, dass ich in der Falle saß, dass ich für immer und ewig eine Gefangene bleiben würde, wenn ich mich nicht selbst befreite. 1974, in dem Jahr, als ich mich entschloss, mein Land zu verlassen, gab es noch nicht die Möglichkeit, offiziell einen Ausreiseantrag zu stellen. Es blieb nur die Flucht, und die war nahezu unmöglich, in jedem Fall aber lebensgefährlich.
Durch Gespräche mit Kommilitonen – an der Greifswalder Universität tauschten wir uns ungewöhnlich offen miteinander aus – wusste ich: An der Mauer und an den Grenzen der DDR wurde auf Flüchtlinge geschossen. Es gab einen breiten Streifen Niemandsland mit Minen und Selbstschussanlagen, auch die Westgrenzen der Tschechoslowakei und Ungarns waren auf gleiche Weise gesichert. Nur in Bulgarien, hieß es, sei die Grenze weniger bewacht. Dass das nicht stimmte, erfuhr ich erst in Westdeutschland aus einem Bericht des »Spiegel«. Die bulgarischen Grenzsoldaten haben sofort scharf geschossen, auch dort sind Flüchtlinge getötet worden.
Offiziell wurde das Flüchtlingsproblem in Zeitungen, Radio oder Fernsehen verschwiegen. Ich kann mich nicht erinnern, in den Nachrichten jemals von einer gelungenen oder auch verhinderten Flucht gehört zu haben.

In der Nacht vor meinem Fluchtversuch am 24. August 1974 verließ 
ich meine Wohnung im Bewusstsein, meine Heimat, meine Eltern, Ge­schwister, Freunde nie wiederzusehen. Nach einer gelungenen Flucht würde man mich bei der Wiedereinreise in die DDR oder in andere sozialistische Länder sofort an der Grenze verhaften. Und niemand hielt es damals für möglich, dass es in naher Zukunft ein einheitliches Deutschland geben könnte. Also ein Abschied, der endgültig war. Der umso schwerer wog, weil ich mich von meinen Angehörigen nicht verabschieden konnte. Ich durfte sie nicht einweihen, denn Mitwisserschaft wurde mit Gefängnis bestraft.
Mit einem Boot über die Ostsee nach Dänemark zu flüchten schien mir am ungefährlichsten zu sein. Im Meer gab es keine Minen, und bei einer Entdeckung rechnete ich zwar mit einer mehrjährigen Haftstrafe, aber nicht damit, erschossen zu werden. Denn mit ihren Motorbooten würden die Grenzsoldaten kein Problem haben, ein Paddelboot einzuholen, während sie an der »Grünen Grenze« auf die Flüchtenden schossen, um den Grenzübertritt zu verhindern. Doch der ursprüngliche Plan scheiterte. Beinahe wäre ich in der Ostsee ertrunken. Mein Überleben verdanke ich einzig meinem unglaublichen »Glück im Unglück«, das ich in diesem Buch ebenso beschreibe wie die anschließenden Jahre in den unmenschlichen DDR-Gefängnissen, eine nicht enden wollende Zeit, die ich nur aufgrund der Solidarität und dem Mitgefühl unter uns politischen Gefangenen überstehen konnte.
Nach zwei Jahren Haft erhielt ich eine Urkunde, »Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR«, und wurde vom Gefängnis mit einem Bus über die Grenze gefahren. Die anderen Freigekauften jubelten, als wir in Westdeutschland ankamen. Ich schwieg und dachte voller Sorge, wie schwer mein Leben von nun an werden würde. Westdeutschland war für mich keineswegs das Gelobte Land. Meine Heimat hatte ich nicht verlassen, weil mich der höhere Lebensstandard gelockt hätte und ich mir mehr Annehmlichkeiten erhoffte, sondern weil ich spürte, meine Berufung ist es, hinaus in die Welt zu fahren, ferne Länder zu erforschen, wilde Tiere zu beobachten und fremde Völker verstehen zu lernen. Für diese Forschungsreisen würde ich aber den Auftrag einer Institution benötigen, und es würde schwierig, wenn nicht ganz unmöglich sein, mich gegen die Konkurrenz westdeutscher Biologen zu behaupten. Wenn du es gar nicht erst probierst, wirst du nie wissen, ob es vielleicht nicht doch gelingt, dachte ich und machte mir selbst Mut.

Bereits ein halbes Jahr nach meiner Ankunft in der Bundesrepublik durfte ich 1977 an einer Expedition des Deutschen Alpenvereins in den Himalaya teilnehmen und lernte Nepal kennen, damals ein noch nahezu unerschlossenes Land.

Diese erste Expedition war für mich das Tor in eine neue Welt. Wie ich es mir seit Langem erträumt hatte, ragte nun die höchste Gebirgskette der Welt vor mir auf. Ich erlebte eine Natur voller Gegensätze, bestaunte die flammend roten Rhododendronwälder vor der Bergkulisse mit ewigem Schnee und Eis, die Wiesen voller Edelweiß und Enzian, die tausend Meter tiefen Schluchten, durch die wilde Bergflüsse tosten. Und überall waren die Zeichen tiefer Religiosität zu entdecken: Manimauern, in deren Steine das heilige Mantra »Om mani padme hum« gemeißelt war, im Wind flatternde Gebetsfahnen, Gebetsmühlen, die von den schnellen Wassern der Bergflüsse angetrieben wurden, und immer wieder die Ehrfurcht gebietenden Klöster, die dem Himmel näher schienen als der Erde.

Unser Ziel war das Gebiet am Everest, den wir umrundeten. Mehr noch als dieser höchste Berg der Welt beeindruckte mich jedoch der Ama Dablam. Mit 6856 Metern ist er zwar kein sehr hoher Gipfel, gemessen an dem über 8000 Meter hohen Bergriesen, doch seine Form, seine ganze Erscheinung ist einmalig. Noch immer ist er einer der schönsten Berge, die ich kenne.

 

Meine drei Geschwister heirateten in den folgenden Jahren. Eine Einreiseerlaubnis in die DDR erhielt ich nicht. Ich galt als unerwünschte Person. Dennoch stellte ich jedes Jahr zu Weihnachten von Neuem einen Antrag, der immer abgelehnt wurde. Eine Auskunft, ob ich jemals meine Familie würde besuchen können, erhielt ich nicht. Zehn Jahre musste ich warten, dann war die Sperrfrist abgelaufen, und mein Visumantrag wurde positiv beschieden. Was damals noch niemand ahnte: Es sollten nur noch fünf weitere Jahre vergehen, bis die Mauer fiel.

An meinen ersten Heimatbesuch nach so vielen Jahren erinnere ich mich seltsamerweise nur undeutlich, wahrscheinlich habe ich manches verdrängt, um mich zu schützen. Mein Vater lebte nicht mehr, meine Geschwister hatten eigene Familien gegründet. Ich schaute aus dem Zugfenster und fragte mich ratlos: Warum fahre ich eigentlich zurück? Was erwarte ich mir von diesem Besuch? Wäre es nicht besser, nicht mehr an die Vergangenheit zu rühren? Eine schlüssige Antwort fand ich nicht. Aber plötzlich spürte ich, wie mein Herz schneller schlug. Ich erkannte die Landschaft. Dieser Ort hier, zu dem war ich einmal als Schulkind mit dem Fahrrad gefahren. Dort, der Wald, da hatte mich mein Vater mit zur Jagd genommen. Der Fluss und die Teichlandschaft, die bewaldeten Hügel, alles war mir vertraut. Erinnerungsbilder wurden wach.

Mein jüngster Bruder mit seiner Frau und meine Mutter standen am Bahnsteig und empfingen mich herzlich voller Freude und mit Tränen in den Augen. Immer war mir mein Vater wichtiger gewesen, nun entwickelte sich eine intensive, vertrauensvolle und so bis heute andauernde Beziehung zu meiner Mutter. Gemeinsam besuchten wir die Orte meiner Kindheit und beschenkten uns gegenseitig mit unseren Erinnerungen.

 

Bei meinen Besuchen in den nächsten Jahren konnte ich die Entwick-lung in der DDR verfolgen. Immer mehr Menschen stellten Ausreise-anträge, mussten allerdings irrwitzige Repressalien erdulden. Ihnen wurde die Arbeit gekündigt, jahrelang warteten sie auf die Genehmigung des Antrags, bis sie ohne vorherige Nachricht innerhalb von 24 Stun-
den die DDR verlassen mussten. Wer konnte da noch viel organisieren? Einen Koffer packen, mehr war nicht möglich. Alles andere musste zurückgelassen werden und wurde von der Staatssicherheit konfisziert.

Die Regierung suchte nach einem Ventil für den ungeheuren Druck, unter dem die Bevölkerung litt, und erlaubte erstmals im Jahr 1987 ihren Bürgern, Verwandte im Westen zu besuchen. Allerdings musste ein drin-gender Grund vorliegen: Tod des Verwandten, 80. Geburtstag oder Hoch­zeit. Das ist die Gelegenheit, dachte ich, meinen Geschwistern eine Reise in den Westen zu ermöglichen. Mein 80. Geburtstag lag in unerreichbarer Ferne, also blieb als Besuchsgrund nur: Hochzeit.

Für den Einreiseantrag genügte es, das Aufgebot zu bestellen und die entsprechenden Papiere vorzulegen. Doch beim Standesamt verlangte man das persönliche Erscheinen des Bräutigams, den ich nicht hatte. Meine Idee schien zum Scheitern verurteilt. Keiner meiner Freunde und Bekannten wollte nur zum Schein das Aufgebot bestellen. Jeder hatte eine andere Ausrede. Lange durfte ich jedoch nicht nach einem geeigneten Kandidaten suchen, denn ich war mir sicher, diese Reiseerlaubnis würde bald wieder rückgängig gemacht werden. Zu viele Ostdeutsche würden im Westen bleiben und nicht mehr zurückreisen, vermutete ich.

Endlich fand ich Peter. Er war bereit, das Aufgebot mit mir zu bestellen. Peter war schwul, er würde nie eine Frau heiraten, sagte er, obwohl das der sehnlichste Wunsch seiner Mutter sei. Allerdings verspätete er sich zum vereinbarten Termin. Schon rief mich der Standesbeamte in sein Amtszimmer und begann, das Formular auszufüllen. Da ich Peter erst einmal kurz gesehen hatte, wusste ich weder seinen Nachnamen noch Geburtsdaten und Geburtsort. Voller Panik erfand ich einfach etwas. Als Peter dann doch noch eintraf, korrigierte der Beamte wortlos die Angaben und ließ sich seine Verwunderung nicht im Geringsten anmerken. Wahrscheinlich konnte er sich die wahren Hintergründe dieses Aufgebots ausmalen.

Meinen Geschwistern schickte ich die standesamtlichen Unterlagen, ohne ihnen mitteilen zu können, dass es gar keine Hochzeit geben würde, denn ich war mir sicher, dass unsere Korrespondenz von der Stasi überwacht würde. Ausgerechnet der Antrag meines jüngsten Bruders, der mir am nächsten steht, wurde abgelehnt, ohne Begründung, lediglich ein lapidarer Satz: »Nach sorgfältiger Prüfung kann keine Genehmigung erteilt werden.«

Als DDR-Bürger hatte man sich mit einem solchen Bescheid zu begnügen, musste sich ducken und schweigen. Jeder wusste aus Erfahrung, daran war nichts zu ändern. Holger aber ist ein Kämpfer, der nicht so schnell aufgibt. Viel Zeit blieb ihm nicht, denn die Ablehnung kam erst eine Woche vor dem Hochzeitstermin. Mit einem Peditionsersuchen wandte sich Holger an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker persönlich. Keine Antwort. Die Zeit verrann. Mein Bruder sprach bei der Obersten Polizeibehörde vor und wurde nicht einmal zum Polizeichef vorgelassen. Ein Telegramm wieder an Honecker war ein letzter verzweifelter Versuch. Und dann das Wunder! Am Tag vor der »Hochzeit«, einem Freitag, erhielt mein Bruder die Aufforderung, sofort bei der örtlichen Polizei zu erscheinen. Man überreichte ihm die Genehmigung mit der eindringlichen Warnung, nicht den Verführungen »böser Kapitalisten« zu erliegen, so wurde es wortwörtlich gesagt.

Meinem Bruder blieben nur noch wenige Stunden bis zur Abfahrt des Interzonenzuges, den er erreichen musste. Eine zweite Möglichkeit würde es nicht geben, da die Genehmigung am nächsten Tag verfiel. Holger hetzte von Behörde zu Behörde, musste den Wehrdienstausweis und den Personalausweis abgeben, erst dann erhielt er den Reisepass. Hinter ihm rasselte das Schiebefenster des Meldeschalters herunter, er war der letzte Kunde vor der Schließung am Feierabend gewesen. Ein Spurt zum Bahnhof, der Schaffner pfiff schon zur Abfahrt, Holger riss die Waggontür auf – die Fahrt in den Westen konnte beginnen. Er hatte das Gefühl, als würde er zur dunklen und unbekannten Rückseite des Mondes reisen. Vor Aufregung konnte er die ganze Nacht kein Auge schließen.

Meine Geschwister hatten sich tatsächlich auf eine Hochzeit gefreut und Hochzeitsgeschenke mitgebracht, doch ich musste sie enttäuschen. Zur Entschädigung bot ich ihnen ein abwechslungsreiches Programm, für jeden war etwas dabei. Wir standen auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, saßen bei Bier und Schweinsbraten im Kloster Andechs. Am 5. März 1987, dem Tag, an dem eigentlich die Hochzeit hätte stattfinden sollen, zeigte ich meinem Bruder das Olympiastadion. Und einen Kaufhausbummel, den wünschten sich alle zum Schluss auch noch. Nach den fünf bewilligten Tagen fuhren sie zurück; zu Hause warteten Kinder und Ehepartner.

 

Die Unzufriedenheit der DDR-Bürger wuchs. Das Ventil der befristeten Ausreise bewirkte das Gegenteil, schürte die Verbitterung, denn nur wenige profitierten von der Verordnung. Die meisten konnten die für den Antrag nötigen Gründe nicht vorweisen, und nicht alle hatten überhaupt Westverwandtschaft. Die Menschen wollten nicht mehr ertragen, was sie lange genug erduldet hatten. Das Fass war durch massive Ungerechtigkeiten seit Langem voll, die vielen kleinen Erniedrigungen brachten es zum Überlaufen. Widerstand formierte sich, zögernd und ängstlich zunächst, aber doch mit dem festen Willen, sich für ein Leben in Freiheit und Selbstachtung einzusetzen.

Vor den Augen der Bevölkerung verborgen, wuchs auch in der SED-Führung der Wunsch, die starre Ideologie aufzubrechen. Unter der Asche verkrusteter Rituale entfachte sich langsam ein Streit zwischen der konservativen Linie und den Reformisten, die das System durch moderate Reformen retten wollten. So weit kam es aber nicht mehr. Das Jahr 1989 sollte das Schicksalsjahr der DDR werden. Im Rückblick erscheint folgerichtig, was damals geschah, und doch konnte niemand voraus­ahnen, wie das Ergebnis aussehen würde. Die einzelnen Aktionen aneinandergereiht wirken, als wären sie geplant gewesen, jedes die Folge des anderen.

Im Mai 1989 fanden Kommunalwahlen statt. Sie wurden plump ge­fälscht. Ein Sturm der Empörung brach in der Bevölkerung los. Das war neu! Bei den Wahlen, an denen ich teilgenommen hatte, war es nie ein Geheimnis gewesen, dass die Ergebnisse »geschönt« wurden. Wir wuss­ten: Eigentlich waren es keine Wahlen, da vorher bereits feststand, wie sie ausfallen würden. Doch zur Wahl musste man gehen. Wer einfach zu Hause blieb, zu dem kamen die Wahlhelfer mit der Urne in die Wohnung, auch zu den Alten und Kranken. Seinen Protest konnte man einzig dadurch kundtun, nicht gleich frühmorgens bei Eröffnung der Wahllokale Schlange zu stehen, sondern am Nachmittag einzutrudeln, wofür man Stirnrunzeln und finstere Blicke erntete. Wir Studenten entschieden uns für einen Kompromiss, wollten wir doch nicht exmatrikuliert werden, genauso wenig aber unsere Selbstachtung durch allzu willfähriges Mitläufertum beschädigen. Also gingen wir mittags zur Wahl.

Das Aufbegehren der Menschen im Jahr 1989 wegen der Wahlfälschung zeigte mir, dass die DDR-Bürger mündig geworden waren. Die Bevölkerung war nicht mehr bereit, alles ohne Widerspruch hinzunehmen. Ich wunderte mich über diese Nachrichten aus dem Osten, war doch eine neue Generation herangewachsen, eine Generation, deren Eltern bereits in der DDR geboren waren, die nichts anderes gekannt hatten als die Enge, Beschränktheit und Muffigkeit des real existierenden Sozialismus. Und so hatte ich angenommen, sie würden sich damit abfinden, weil sie ihr Leben nicht mit dem unter einem anderen System vergleichen konnten. Was ich nicht bedachte: Inzwischen spielte das Westfernsehen eine entscheidende Rolle für die Bewusstseinsentwicklung der Menschen. In meiner Kindheit gab es gar kein Fernsehen, und als Jugendliche kannte ich nur das Fernsehen der DDR, denn wir lebten im sogenannten »Tal der Ahnungslosen«, im Raum um Dresden, der 
von westlichen Sendern nicht erreicht werden konnte.

Die meisten Menschen in der DDR waren gut über das Leben und die Politik in Westdeutschland informiert. Statt sich also abzufinden, wollten sie ihr Leben in die eigenen Hände nehmen, wollten, dass ihre Kinder in einem freien Land zur Schule gehen und aufwachsen konnten. Für Familien mit kleinen Kindern aber war die Flucht zu gefährlich und nahezu unmöglich. In die Fluchthilfeorganisationen waren Spitzel eingeschleust worden. An den Grenzübergängen wurden die Autos mit starken Röntgenstrahlen durchleuchtet und mit Hunden beschnüffelt. Spektakuläre Aktionen wie die Flucht mit einem Ballon gelangen nur Einzelnen.

Und dann geschah, was ich vom Westen aus atemlos mitverfolgte: DDR-Bürger drangen in Botschaftsgebäude der Bundesrepublik in Prag, Budapest, Warschau und in die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin ein. Und sie waren nicht bereit, auch nur einen Schritt zu weichen.

Am 11. September 1989 öffnete Ungarn seine Grenzen nach Österreich für DDR-Ausreisende. Lachend und weinend rannten die Menschen über die Grenze in die Freiheit. Die Reaktion der DDR-Behörden war simpel: Sie stellten für Ungarn keine Visa mehr aus. Das verviel­fachte den Ansturm in die anderen sozialistischen Bruderländer. Der westdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher schaltete sich ein und verhandelte mit der DDR-Führung. Ein einziger donnernder Jubelschrei aus Tausenden von Kehlen unterbrach Genscher mitten im Satz, als er vom Balkon der Prager Botschaft, dem Palais Lobkowitz, den ­verzweifelt bangenden Flüchtlingen ihre Ausreise verkündete. Am Fernsehen verfolgte ich voller Spannung und zugleich ungläubig das Geschehen. Das waren nicht mehr die duldsamen DDR-Bürger, wie ich sie ­früher erlebt hatte. Die Stimmung war so euphorisch, dass ich fast wünschte, mit dabei zu sein, und doch war ich froh, den Weg in den Westen bereits vor Jahren gewagt zu haben. Inzwischen hatte ich 15 Jahre lang Zeit gehabt, in der neuen Umgebung Wurzeln zu schlagen und meine Ziele zu verwirklichen.

Am 30. September fuhren die Prager Botschaftsbesetzer mit Sonderzügen der DDR-Reichsbahn durch die DDR nach Westen. Genscher hatte sein Wort verpfändet, dass die Sicherheitsorgane der DDR sie unterwegs nicht aus dem Zug zerren würden. Dennoch gab es kritische und gefährliche Momente: Als die Züge durch Dresden rollten, versuchten Bürger die Polizeisperren zu durchbrechen und aufzuspringen. Es waren 17000 Menschen, die in den Zügen saßen, denn zu den ursprünglich 4000 Besetzern der Prager Botschaft kamen immer mehr dazu.

Andere aber wollten unbedingt bleiben, mithelfen bei den Reformen für eine menschliche DDR. Viele wachten aus ihrer Lethargie auf, ­hatten plötzlich Mut. Die Oppositionsbewegungen, die bisher auf die Kirche beschränkt waren, erhielten Zulauf. Das »Neue Forum« wurde gegründet, ihm folgten weitere regimekritische Vereine: »Demokratie jetzt« und »Demokratischer Aufbruch«.

Am 7. Oktober 1989 feierte die DDR ihren 40. Jahrestag. Tausende gingen auf die Straße, nicht um zu jubeln, sondern um ihren Protest kundzutun. Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow stand mit auf der Tribüne und hörte die Rufe der Demonstranten. Sie forderten »Perestroika« und »Glasnost«, Reformen, wie er sie in der Sowjetunion in Gang gesetzt hatte. Das Gesicht des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker versteinerte, als Gorbatschow die SED-Spitze auf-
forderte, sich den Wünschen der Bevölkerung nicht länger zu verschließen, und dann sagte er den berühmten und prophetischen Satz: »Wer 
zu spät kommt, den bestraft das Leben!«

Im Westen war ich besser über die Ereignisse in Berlin, über Gorbatschow und seine Reformen informiert als meine Geschwister, die noch immer im »Tal der Ahnungslosen« lebten, ohne Westfernsehen.

»Was haltet ihr von Gorbatschow?«, fragte ich, als ich wieder einmal in meiner alten Heimat zu Besuch war. »Ach, weißt du«, bekam ich zur Antwort, »das Jubeln und Gorbi-Gorbi-Rufen überlassen wir lieber euch im Westen. Wir vermeiden jede Art von Personenkult.«

Fassungslos dachte ich daran, wie Stalin in meiner Kindheit als Gott verehrt wurde und Personenkult um alle Vorsitzenden von Partei und Regierung, ob nun in der UdSSR oder in der DDR, praktiziert wurde. War das meinen Geschwister denn nicht bewusst? Wieder einmal ein Beispiel, dachte ich, dass Menschen die Wirklichkeit ganz unterschiedlich wahrnehmen, wenn ihnen nur Teile der Informationen zugänglich sind.

Zwei Tage nach der Feier zum 40. Jahrestag, am 9. Oktober, demonstrierten über 70000 Menschen in Leipzig. Schon mehrfach war im Fernsehen über diese Montagsdemonstrationen berichtet worden, die ich voller Spannung verfolgte. Ich wusste, dass sie von der Kirche initiiert und unterstützt wurden. So viele Demonstranten aber waren es noch nie wie an diesem 9. Oktober.

Nach dem Gottesdienst in der Nikolaikirche marschierten die Menschen durch die Straßen Leipzigs und bekamen Zulauf von allen Seiten. Sie demonstrierten friedlich mit Transparenten, auf denen einfallsreiche und kreative Parolen zu lesen waren: »Wir brauchen die SED so drin-gend wie der Fisch ein Fahrrad.« »Vorschlag für den 1. Mai: Die Führung zieht am Volk vorbei.« »Wir wollen keine anderen Herren, wir wollen 
gar keine.« »Die Wahrheit geht auf die Straße, die SED hinkt hinterher.« »Stasi in die Produktion, nur für Arbeit gibt es Lohn.« »Rücktritt ist Fortschritt.« »Pässe für alle – Laufpass für die SED.«

Erstaunt betrachtete ich die Bilder in den Fernsehnachrichten. In meiner Jugend war das Demonstrieren zu Jahres- und Kampftagen der Arbeiterklasse, wie am 1. Mai, angeordnet worden, und wer daran nicht teilnahm, hatte mit schwerwiegenden Folgen für sein zukünftiges Leben zu rechnen. Wir hassten es und mussten doch marschieren. Kontrolliert von den Lehrern, konnte sich keiner heimlich davonschleichen. Und jetzt gingen die Menschen freiwillig auf die Straße, aus eigenem Antrieb und Willen!

Tief beeindruckt und aufgeregt telefonierte ich mit Jutta, die mit mir Biologie studiert hatte. Sie erzählte: »Ja, ich bin jeden Montag dabei, marschiere mit meinem Kind an der Hand, so wie andere Mütter auch.« Ich war überrascht. Während unseres Studiums war sie wie die meisten zwar nicht von dem System überzeugt, hatte sich aber auch kaum dagegen geäußert.

Am 9. Oktober ließ sie ihren Jungen daheim. »Wir wussten alle, es kann gefährlich werden, lebensgefährlich«, berichtete mir Jutta, als wir am nächsten Tag telefonierten. Die Atmosphäre war aufgeladen. Ge­rüchte gingen um. Die Krankenhäuser sollen mit großen Mengen Blutkonserven beliefert worden sein. Eine »chinesische Lösung« stehe bevor, wie auf dem Platz des »Himmlischen Friedens« in Peking, als Panzer aufrollten und Soldaten in die Menge schossen. Die Leipziger Demonstranten skandierten am 9. Oktober immer wieder: »Keine Gewalt! 
Keine Gewalt!« Alle hatten Angst, aber es war die Zeit gekommen, die Angst zu überwinden.

»Als wir die Kirche verließen«, erzählte Jutta, »wussten wir, dass Polizei, Armee und Stasileute einen dichten Ring um uns geschlossen ­hatten. Sie waren nicht nur mit Wasserwerfern und Hundestaffeln ausgerüstet, auch mit Maschinenpistolen. Wir fassten uns an den Händen und zogen den Polizeiketten entgegen. Zu meiner Verwunderung und unfassbaren Freude wichen sie zurück! Ich konnte es kaum glauben. Keiner hatte vorher gewusst, was geschehen würde. Es war ein Aufstand gegen die eigene Angst!«

In allen großen Städten der DDR, auch in Berlin und Dresden, de­mon­strierten die Menschen. Unruhe herrschte im ganzen Land. Re­gierung und Partei konnten nicht mehr tatenlos zusehen. Am 18. Okto­ber wurde Honecker gestürzt, verraten von seinen eigenen Leuten, so wie er selbst es Jahre zuvor mit seinem Ziehvater Walter Ulbricht getan hatte. Sein Nachfolger, Egon Krenz, verkündete am 3. November Reformen, aber die Menschen glaubten ihm nicht. Am 4. November fand in Berlin die größte Kundgebung in der Geschichte der DDR statt. Hunderttausende gingen auf die Straße und schwenkten Transparente mit dem Spruch: »Wir sind das Volk!«

Doch was dann geschah, am 9. November, war nicht vorhersehbar. Die Mauer fiel! Millionen Menschen auf der ganzen Welt beobachteten das Geschehen im Fernsehen.

Damals lebte ich in München in einer Wohngemeinschaft und kam vom Jakobsweg zurück, der Pilgerreise nach Santiago de Compostela, auf der ich von allen Nachrichten abgeschieden gewesen war. Die Haustür war mit Girlanden geschmückt, der Treppenaufgang mit Papierschlangen verschönt. An der Wohnungstür empfing mich ein Plakat: »Wir sind ein Volk!«. Ein eigenartiger Willkommensgruß, dachte ich und verstand nicht, warum mich meine Mitbewohner so herzlich umarmten. Was war denn nur los? Sollte der heilige Jakob ihre Sinne verwirrt haben? Erst langsam begriff ich, was sie mir ins Ohr schrien: »Deine Leute sind frei! Niemand muss mehr flüchten und sein Leben aufs Spiel setzen so wie du!«

Die Nachricht überfiel mich wie ein Schlag. Im ersten Moment war ich auf seltsame Weise verstört. Ich hatte das Gefühl, mit der DDR sterben gleichzeitig meine Heimat und ein Teil meiner Kindheit. Obwohl ich mich in Westdeutschland zu Hause fühlte, hatte ich die DDR doch als einen unzerstörbaren Bestandteil meines Lebens betrachtet. So wie ein Elternhaus, in das man nie wieder zurückkehren will, das einen aber doch zu dem geformt hat, was man nun ist. Mir wurde diese Tatsache aber erst in dem Moment klar, als die DDR unwiderruflich verschwand.

Meine Mitbewohner waren entsetzt. »Du trauerst einem Regime nach, aus dem du geflüchtet bist? Wie kannst du nur? Du solltest dich freuen, für alle, die jetzt frei sind, so wie du!«

Nach der Öffnung der Mauer vergingen nur noch elf Monate bis zur Wiedervereinigung. Am 18. März stimmten die Ostdeutschen mit großer Mehrheit für die Parteien, die einen raschen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik forderten. Ohne Zustimmung der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges jedoch war eine Wiedervereinigung Deutschlands nicht möglich. Nach intensiven Gesprächen und Verhandlungen, die den ganzen Sommer über andauerten, waren alle Aspekte geregelt. In der Nacht zum 3. Oktober 1990 feierten Tausende vor dem Reichstagsgebäude in Berlin den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Nach 45 Jahren war die Einheit Deutschlands wiederhergestellt.

 

Meine Geschichte wird mich mein Leben lang begleiten. Sie gehört zu mir, wie sie zu allen gehört, die »drüben« geboren wurden und deren Leben für immer mit den vier Jahrzehnten DDR verflochten bleiben wird.

Sogar bei meinen Reisen in ferne Länder werde ich oft mit meiner DDR-Vergangenheit konfrontiert. Überrascht war ich, als ich bei meinem einjährigen Aufenthalt im Jemen von vielen Leuten gefragt wurde: »Aus welchem Teil Deutschlands kommst du?« Die Einheit war seit Langem eine Tatsache, das wussten meine Gastgeber genau; am 22. Mai 1990, also sogar noch ein paar Monate früher als die Wiedervereinigung Deutschlands, war im Jemen die Einheit des Nordens mit dem ehemals kommunistischen Süden vollzogen worden. Die Jemeniten aus dem Norden freuten sich, dass ich im Westen Deutschlands lebte. Die Südjemeniten reichten mir brüderlich die Hände, als ich erklärte, in Ostdeutschland geboren zu sein.3

In Namibia, einem Land, das ebenfalls 1990 seine Unabhängigkeit erlangte, traf ich bei meiner Reise im Jahr 2004 Afrikaner, die Deutsch mit sächsischem und thüringischem Dialekt sprachen.4 Die DDR hatte ihnen Asyl gewährt, nachdem ihre Eltern im Befreiungskampf gefallen und die Flüchtlingscamps, wo sie zunächst Zuflucht gefunden hatten, vom südafrikanischen Militär bombardiert worden waren. Für sie war der Zusammenbruch der DDR ein Schock gewesen, denn sie hatten zurück in die fremde Heimat gemusst mit einer ihnen fremden Sprache, mit fremden Sitten und Lebensumständen. Sie fühlten sich als Verlierer der Einheit und trauerten ihrem Leben in der DDR nach.

Zwei Jahre später, auf meiner Reise in der Mongolei, erfuhr ich, dass auch die Menschen in der Hauptstadt Ulaan Bataar immer montags gegen die Regierung und für Demokratie demonstriert hatten.5 Fried-
lich, ohne Blutvergießen erzwangen die Mongolen ebenfalls im Jahr 
1990 den Rücktritt ihrer Regierung mit anschließenden demokratischen Wahlen. Und dort in der Mongolei traf ich auf Wissenschaftler der Universität Halle, an deren Forschungsprojekt ich mich vor Jahren hatte beteiligen wollen, was wegen meiner Westverwandtschaft von der Staatssicherheit nicht genehmigt worden war. Diesmal durfte ich an ihrer 
Expedition in die Wüste Gobi zu den Kulan, den Wildeseln, teilnehmen. So schloss sich meine Geschichte in der Mongolei zu einem Kreis.

 

Die Ostsee zu durchschwimmen ist mir nicht ganz gelungen, der oberbayerische Ammersee tut es auch. Im Sommer organisiert die Wasserwacht jedes Jahr eine Ammersee-Durchschwimmung. Im nächsten August werde ich wieder dabei sein.

 

Carmen Rohrbach, Schondorf im Februar 2009

 

 

1  »Jakobsweg. Wandern auf dem Himmelspfad.«

2  »Inseln aus Feuer und Meer. Galapagos: Archipel der zahmen Tiere.«

3  »Im Reich der Königin von Saba. Auf Karawanenwegen im Jemen.«

4  »Namibia. Abenteuerliche Begegnungen mit Menschen, Landschaften 
und Tieren.«

5  »Mongolei. Zu Pferd durch das Land der Winde.«

Carmen Rohrbach

Über Carmen Rohrbach

Biografie

Carmen Rohrbach, geboren in Bischofswerda, ist Entdeckerin aus Leidenschaft. Sie studierte Biologie in Greifswald und Leipzig und schloss mit der Promotion in München ab. Ihre Reisen führten sie nach Südamerika, Afrika, Asien und Arabien, auf dem Jakobsweg durch Frankreich und Spanien und entlang...

Inhaltsangabe

Prolog: Flucht aus dem »Paradies«

Aufbruch

Fahrt nach Norden

Weihnachtsgans mit Folgen

Auf dem Gelände

Am Pranger

Das Paradies auf Erden

Der Urwald im Radio

Das erste Mal im Westen

An der Küste

Geheimnisvoller Rödel

Absonderung

Flucht in der Nacht

Ferienlager an der Ostsee

Frühe Liebe

Treffen der Jugend in Berlin

Abiturfahrt in die Hohe Tatra

Der Morgen im Meer

Die Kartoffeln von Desekow

Krebs und Waldmeister

Mit Kiebitz beim Vogelzählen

Sterbende Ostsee

Johannes

Hochschulreform

Die kopflosen Frösche

Der Friedhof und die »rote Uni«

Ein Schiff im Abendrot

Das Herz der Taube

Die Boje

Die polnische Jacht und das Kriegsschiff

Einzelhaft

Im Verhör

Diebstahl eines Bleistiftes

Im Namen des Volkes!

Protest des Staatsanwaltes

Putze bei der Stasi

Mit Handschellen zum Bahnhof

Gespenster auf Burg Hoheneck

Das Liebeslied des Salomo

Kinderraub

Die Knast-Akademie

Hungerstreik

Allein unter Kriminellen

Transport

Bis ans Ende der Welt

Dank

Kommentare zum Buch

Solange ich atme
Jutta Egener am 03.04.2014

Hallo liebe Carmen! Ich möchte Ihnen nur kurz ein paar Zeilen zu Ihrem Buch schreiben, weil ich einfach noch überwältigt und fertig bin. Ich danke Ihnen das Sie dieses Buch geschrieben haben. Es ist nicht zu glauben, was im Osten alles abgelaufen ist. Ich selbst habe die Ausreise mit meinen Kindern und Exmann mit Antrag und Schikanen erlebt, aber das grenzt ja schon an Unmenschlichkeit was Sie durchgemacht haben. Ich schreibe Ihnen mal mehr wie sehr mich dieses Buch gefesselt hat und meine Gedanken dazu,ja? Und morgen werde ich nochmal von vorne anfangen dieses Buch zu lesen. Ich wünsche Ihnen jedenfalls erst einmal alles, alles Gute für Ihre weiteren Vorhaben und bleiben Sie gesund. Ihre Jutta Egener 

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