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Pride began on Christopher Street (Schicksalsmomente der Geschichte 4) Pride began on Christopher Street (Schicksalsmomente der Geschichte 4) - eBook-Ausgabe

Christian Handel
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Roman

— Bewegender queerer Liebesroman um das historische Ereignis hinter dem Christopher Street Day

„Ein fesselnder Roman, erschreckend – vor allem dann, wenn du weißt, dass die Zeiten in denen er spielt, noch lange nicht vorbei sind!“ - sprenger spricht - authorinsights

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Pride began on Christopher Street (Schicksalsmomente der Geschichte 4) — Inhalt

Eine unwahrscheinliche Liebe, ein unerbittliches Gesetz, ein großer historischer Moment – ein gefühlvoller Roman über das Recht zu lieben, wen man will 

In ihrem historischen Roman „Pride began on Christopher Street“ verknüpfen Christian Handel und Andreas Suchanek die dramatischen Ereignisse, auf die der Christopher Street Day zurückgeht, mit einer tief bewegenden queeren Liebesgeschichte. 

New York 1969: Den Polizisten Jake und den schwulen Freigeist Finn trennen das Gesetz, ihre Herkunft und ihre Vorstellung davon, wen man lieben darf. Dennoch rettet Jake Finn vor einem brutalen Polizeiübergriff. Denn Jake ist selbst schwul, ohne es sich einzugestehen, und zwischen ihnen funkt es sofort. Obwohl sie in ihren Vorurteilen über den anderen gefangen sind, nähern sie sich an. Als sich in der Nacht auf den 28. Juni 1969 im Stonewall Inn in der Christopher Street die Bar-Besucher erstmals gegen die Polizei wehren, müssen sich die beiden entscheiden, auf welcher Seite sie stehen … 

Der 28. Juni 1969 wird im Roman für Jake und Finn zum Schicksalsmoment für ihre Liebe – und in der Realität schrieb dieser Tag Geschichte: Der Stonewall-Aufstand in der Christopher Street wird zum Wendepunkt der LGBTQIA⁺-Bewegung im Kampf um Gleichbehandlung und Anerkennung . 

In ihrem ebenso dramatischen wie emotionalen Roman „Pride began on Christopher Street“ erzählen Christian Handel und Andreas Suchanek nicht nur von einer außergewöhnlichen queeren Liebe, sondern auch von der Geburtsstunde des Christopher Street Day. 

Schon ein Jahr nach dem Aufstand wird das Ereignis in New York mit einem Gedenkmarsch gewürdigt. Heute finden Pride-Paraden, im deutschen Sprachraum oft Christopher Street Day (CSD) -Paraden, weltweit statt als buntes Fest der Diversität.

€ 17,00 [D], € 17,50 [A]
Erschienen am 03.05.2024
368 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06490-3
Download Cover
€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erschienen am 03.05.2024
368 Seiten
EAN 978-3-492-60664-6
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Leseprobe zu „Pride began on Christopher Street (Schicksalsmomente der Geschichte 4)“

Kapitel 1

Das Stonewall Inn war wie jeden Freitag brechend voll, die Luft dick vom Zigarettenqualm, der Geruch nach Schweiß und Eau de Cologne überwältigend. Ebenso wie das Stimmengewirr der ausgelassenen Gäste, das sich mit den Tönen von Shirley Basseys This Is My Life zu einer Kakofonie vermischte, die nach dem nächtlichen Spaziergang von dem Theater, in dem Finn arbeitete, bis hierher an seinen Nerven zerrte. Fast dreiundzwanzig Uhr. Ob die anderen sauer auf ihn waren, weil er sich verspätet hatte?

Er stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, im [...]

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Kapitel 1

Das Stonewall Inn war wie jeden Freitag brechend voll, die Luft dick vom Zigarettenqualm, der Geruch nach Schweiß und Eau de Cologne überwältigend. Ebenso wie das Stimmengewirr der ausgelassenen Gäste, das sich mit den Tönen von Shirley Basseys This Is My Life zu einer Kakofonie vermischte, die nach dem nächtlichen Spaziergang von dem Theater, in dem Finn arbeitete, bis hierher an seinen Nerven zerrte. Fast dreiundzwanzig Uhr. Ob die anderen sauer auf ihn waren, weil er sich verspätet hatte?

Er stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, im Gewühl um sich herum seine Freunde zu erspähen. Das von innen und außen schwarz gestrichene Fenster am Eingang der Bar ließ kein Licht herein, und die spärliche Beleuchtung durch die wenigen von der holzvertäfelten Decke herabhängenden Lampen machte es schwer, weiter als nur ein paar Meter zu sehen.

Doch nach einem Moment entdeckte er Gloria und Ricardo nahe der Jukebox in ein Gespräch vertieft – vermutlich ging Shirley Bassey sogar auf Ricardos Konto. Maggie hingegen sah er nirgends. Machte sie die Tanzfläche im Hinterraum unsicher?

Statt zu den anderen zu gehen, drängte sich Finn durch das Gewühl zur Theke, die sich beinahe über die ganze Länge des schlauchförmigen Schankraums zog, und bestellte Getränke: zwei Bier und einen Cocktail.

Mit einem Glas in der einen und den beiden Bierflaschen in der anderen Hand versuchte er dann, sich bis zur Jukebox durchzukämpfen, ohne allzu viel zu verschütten.

„Der verlorene Sohn!“, kreischte Gloria überschwänglich und breitete die Arme aus, als sie ihn auf sich zustolpern sah. Darauf, dass sie dabei den Umstehenden ihren puscheligen Ärmelsaum ins Gesicht schleuderte, achtete sie gar nicht. „Na, du hast dir ja Zeit gelassen“, rügte sie Finn und betrachtete ihn mit strengem Blick.

„Tut mir leid“, entschuldigte er sich. „Ich wurde aufgehalten.“

„Und ich kann mir lebhaft vorstellen, von wem. Ist der für Mama?“ Sie deutete auf den Cocktail.

Finn nickte.

„Guter Junge.“ Gloria pflückte das Glas aus seiner Hand und beäugte die Flüssigkeit im schummrigen Licht.

„Dirty Martini“, erklärte er für den Fall, dass sie nicht selbst draufkam.

Sie seufzte theatralisch. „Dirty bestimmt.“ Sie führte das Glas an die Lippen und nippte daran. „Hat der Barkeeper überhaupt Alkohol reingeschüttet?“

„Ach, hab dich nicht so“, wiegelte Finn ab, obwohl er genau wusste, was Gloria meinte. Wie er liebte sie das Stonewall, aber die Gläser waren schmuddelig und die Longdrinks ordentlich mit Wasser gestreckt.

Er stellte eine Bierflasche zwischen seine Füße auf den klebrigen Boden, lehnte sich an die Wand und stieß mit Ricardo an, der ebenfalls ein Bier in der Hand hielt. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit trug Ricardo einen Schal um den Hals, Lippenstift im Gesicht und eine Perücke auf dem Kopf. So zerrupft, wie sie aussah, hatte sie das vergangene Jahrzehnt in Glorias Schrank vor sich hin gegammelt.

„Was hast du denn heute noch vor?“, fragte Finn ihn.

Ricardo verdrehte die Augen. „Wette verloren. Du erinnerst dich vielleicht.“

„Sei lieb zu ihm“, wies Gloria Finn an, ehe er etwas sagen konnte. „Sag ihm, dass er toll aussieht.“

„Du siehst toll aus, Principessa.“

„Du mich auch“, erwiderte Ricardo. „Wann bringst du deinen Tjorben endlich mal mit hierher?“

Punkt für ihn.

„Er heißt Tjorge, nicht Tjorben“, korrigierte Finn. „Und er ist nicht mein Tjorge.“

„Dafür lässt du dich in den letzten Wochen ganz schön oft von ihm … aufhalten.“

„Wie dem auch sei. Deinen Bruce sehe ich hier auch nirgendwo.“

Darum war es auch nicht schade. Finn liebte Ricardo, dessen Freund hingegen konnte er nichts abgewinnen.

„Du weißt, dass Bruce Schuppen wie diesen hier nicht mag“, verteidigte Ricardo ihn.

Finn schnalzte mit der Zunge. „Ich sag doch, dein Freund ist komisch.“

„Still, Finn“, unterbrach ihn Gloria und wandte sich dann an Ricardo. „Ärger dich nicht. Du weißt doch: Unser Finn glaubt nicht an die Liebe. Sie hat ihn verbittert.“

„An die Liebe schon“, widersprach Finn. „Nur nicht an langfristig glückliche Beziehungen.“ Um das Thema zu wechseln, deutete er auf Glorias lilafarbenen Hosenanzug. „Neu?“

„Das alte Ding? Hab ich mir schon vor über zehn Jahren gekauft.“ Sie stemmte die Linke in die Hüfte und verbog den Körper zu einer dramatischen S-Kurve. „Passt mir aber immer noch wie angegossen.“

„Heiß, Mama!“, rief ihr ein anderer Gast zu.

Auf Glorias Lippen zeigte sich ein zufriedenes Lächeln. „Danke, Schätzchen!“, rief sie über den Gesang der Supremes hinweg, deren Stimmen inzwischen aus der Jukebox tönten.

Mit ihren zweiundvierzig Jahren war Gloria deutlich älter als die meisten Gäste im Stonewall, aber sie galt als Institution im Greenwich Village und besuchte die Bar seit der Neueröffnung als Gay Club vor zwei Jahren regelmäßig – zumindest seit dem Zeitpunkt, an dem die Türsteher auch Queens hereingelassen hatten. Solche gab es viele im Viertel, aber wenige regierten bereits so lange wie Gloria.

Finn war einer der wenigen hier, der sie ohne Make-up gesehen hatte, und obwohl er seit Jahren als Untermieter bei ihr lebte, war das auch für ihn nicht oft vorgekommen. Sie waren schon eine ungewöhnliche WG: Gloria, Maggie und er – eine Dragqueen, die schillernde Farben liebte, eine Lesbe, die ausgerechnet für die Regierung arbeitete, und er, ein Schwuler, der sexuell selten etwas anbrennen ließ und in seiner Freizeit am liebsten Science-Fiction-Bücher las.

„Wo ist eigentlich Maggie?“, fragte er.

„Ist bereits abgezogen“, teilte Gloria ihm mit. „Mit einer langmähnigen Rothaarigen.“

„Wenn sie sich an der mal nicht die Finger verbrennt“, fügte Ricardo hinzu.

Finn starrte nach unten. „Und was mache ich jetzt damit?“

Gloria warf einen vielsagenden Blick auf seinen Schritt. „Ich sag’s ja nicht gern, Schätzchen. Aber inzwischen solltest du gemerkt haben, dass Maggie damit nichts anfangen kann.“

„Ich meine das zweite Bier.“ Er schielte zu Ricardo, doch der schüttelte den Kopf.

„Ich habe genug für heute, muss morgen früh raus.“

„Arbeit?“

Ricardo hob die muskulösen Schultern. „Frühschicht. Das hier ist mein letztes.“ Er setzte die Bierflasche an die Lippen und trank.

Finn tat es ihm gleich und versuchte, nicht allzu enttäuscht zu sein. Maggie war schon abgezischt, und Gloria würde sicher auch gleich aufbrechen. Mama brauchte ihren Schönheitsschlaf, wie sie so gern sagte. Und es war ja nicht ihre Schuld, dass er eine ganze Stunde zu spät gekommen war.

„Gib es doch dem Typ da drüben.“ Ricardo deutete in eine der schummrigen Ecken.

Finn vermutete, dass der Kerl, der dort stand, ungefähr in seinem Alter war. Er trug die dunklen Haare kurz, war frisch rasiert und hübsch, wirkte aber ein bisschen verkrampft. Als Finns Blick dem seinen begegnete, hielt er ihm stand. Zumindest, bis Finn die Flasche hob und ihm zuprostete. Der Mann zögerte, hob dann jedoch ebenfalls sein Getränk. Bier aus einem Glas.

Anfängerfehler. An den Tresen gab es keine Wasserleitungen, weshalb über Stunden dieselbe Brühe zum Spülen der Gläser verwendet wurde.

„Der beobachtet dich bereits, seit du hier angekommen bist“, behauptete Ricardo.

„Wirklich?“

„Ja. Ich muss ohnehin gleich los, geh doch mal rüber.“

„Und dann was?“

Gloria schnaubte. „Als ob man dir das sagen müsste, Finn-Schätzchen.“

„Na, mach schon“, feuerte Ricardo ihn an. „Der ist vielleicht kein norwegischer Tänzer …“

„Tjorge stammt aus Stockholm.“

„Sag ich doch. Aber der Kerl ist immerhin hier und nicht bei einer vollbusigen Blondine an der Upper East Side.“

Finn reckte das Kinn. „Ach, komm schon, du weißt, dass zwischen Tjorge und Evelyn nichts läuft. Die beiden …“

„… tun nur für die Presse so, als ob sie ein Paar wären“, unterbrach ihn Ricardo und verdrehte die Augen. „Schon klar. Ich hab’s kapiert.“

„Und es ist ja nicht so, als ob wir ein Paar wären.“

„Natürlich nicht. Du lässt dich nur gern“, Ricardo malte Gänsefüßchen in die Luft, „von ihm aufhalten.“

„Schluss jetzt, ihr beiden.“ Gloria blickte sie streng an.

„Ach was“, neckte Ricardo sie. „Für dich finden wir bestimmt auch noch jemanden.“

Sie verdrehte die Augen. „Der Zug ist abgefahren.“

„Quatsch!“, protestierte Finn. Gloria bekam bloß ihren Ex nicht aus dem Kopf.

„Wie wär’s denn mit dem dort im Anzug?“, schlug Ricardo vor. „Auf solche Typen stehst du doch?“

Finn und Gloria drehten gleichzeitig die Köpfe. Als sie den Typ, von dem Ricardo sprach, entdeckten, brach Finn in Lachen aus und Gloria versetzte Ricardo eine Kopfnuss.

„Willst du mich verarschen?“, fragte sie.

„Der Typ ist eine Frau“, klärte Finn ihn auf. „Sag bloß, du kennst sie nicht?“

Als Ricardo ungläubig und offensichtlich ahnungslos zu der Person im Anzug starrte, die lässig an der Backsteinwand lehnte und das bunte Treiben beobachtete, erbarmte sich Finn seiner.

„Das ist Stormé DeLarverie.“

„Die Stormé? Stormy?“

„Du bist ihr ernsthaft noch nicht begegnet?“

DeLarverie war eine Ikone in New York. Seit über zehn Jahren schon tourte sie als Herrenimitatorin mit der Jewel Box durchs Land, einer Revuegruppe, deren fünfundzwanzigköpfige Tänzerinnenriege ausschließlich aus Queens bestand. DeLarverie, die als männlicher Sänger dort auftrat, war die einzige Frau der Truppe. Seit einigen Jahren lebte sie in New York und ließ sich oft im Village blicken. Finn hatte angenommen, Ricardo sei ihr bereits begegnet. Der zuckte allerdings hilflos mit den Schultern.

„Ich habe vor ein paar Jahren einen Auftritt von ihr im Apollo Theater gesehen“, berichtete Gloria. „Un-glaub-lich! Und das nicht nur, weil das eine der wenigen Shows ist, in denen nicht nur weiße Künstler auftreten. Und ihre Stimme!“ Sie legte die Hand auf die Brust und sah zur Decke.

„Jetzt klingst du ganz schwärmerisch“, neckte Ricardo sie.

Gloria packte ihn an der Schulter. „Wir gehen jetzt nach Hause.“

„Mögt ihr nicht doch wenigstens noch auf ein weiteres Getränk bleiben?“, bat Finn.

Seine Freunde schüttelten gleichzeitig die Köpfe.

„Wie gesagt, ich muss morgen früh raus“, wiederholte Ricardo.

„Und ich muss dringend auf das stille Örtchen“, platzte Gloria heraus. „Und das erledige ich auf keinen Fall in diesem Höllenloch.“

Das konnte Finn verstehen. Dass das Stonewall keinen Wasseranschluss hatte, sorgte nicht nur dafür, dass die Gläser mit Voranschreiten des Abends immer schmutziger wurden, sondern erwies sich für die sanitären Anlagen als Katastrophe.

„Zieh nicht so ein Gesicht, Finn“, befahl ihm Gloria. „Geh einfach rüber zu dem Schnuckelchen, dann hast du uns gleich vergessen. Er schaut schon wieder zu uns. Aber brich ihm nicht das Herz!“

„Sehr witzig“, erwiderte Finn, verabschiedete sich allerdings ohne Widerspruch von seinen Freunden.

Die Idee, mit dem dunkelhaarigen Fremden zu sprechen, gefiel ihm. Vielleicht war es das Jagdfieber, der Gedanke an die Suche nach einem heißen Flirt – oder nach ein bisschen mehr. Es stimmte zwar, dass zwischen Tjorge und ihm nichts anderes lief als regelmäßiger Sex in der Abstellkammer des Theaters, aber das immerhin seit einem halben Jahr. Obwohl Finn selbst nicht mehr wollte als Spaß, nervte es ihn manchmal, dass Tjorge jedes seiner Angebote ausschlug, gemeinsam tanzen oder essen zu gehen, und an seiner Scheinbeziehung mit Evelyn festhielt. Der Typ in der Ecke mochte trotz seines Alters ein Grünschnabel in der New Yorker Schwulenszene sein, aber im Gegensatz zu Finns schwedischem Tänzer war er wenigstens hier.

„Hi“, begrüßte er ihn, als er dicht vor ihm stehen blieb.

„Hi“, antwortete der andere mit unbewegter Miene, doch Finn bemerkte, wie er den Rücken durchdrückte.

„Bist du zum ersten Mal hier?“

Der Gesichtsausdruck des Mannes bekam etwas Lauerndes, als sei er nicht sicher, was er von der ganzen Situation halten sollte.

Finn knipste ein strahlendes Lächeln an. „Du bist zum ersten Mal hier“, beantwortete er sich seine eigene Frage.

„Sieht man mir das so deutlich an?“

Finn deutete auf die Umstehenden. Teenager und junge Männer Anfang zwanzig, die farbenfrohe T-Shirts und eng sitzende Hosen trugen, Queens wie Gloria, die opulente Klamotten und gewaltige Perücken zur Schau stellten und sich die Gesichter dramatisch geschminkt hatten, und Lesben in Anzügen. Sie alle bewegten sich ausgelassen durch die Bar. Sein Gegenüber hingegen sah aus, als würde er sich fehl am Platz fühlen.

Finn lehnte sich an die Wand. „Wie heißt du?“

Wieder zögerte der andere. „Milton“, antwortete er schließlich.

„Ist das dein richtiger Name oder der, den du auf die Liste am Eingang geschrieben hast?“

Milton hab das Glas an den Mund und trank.

Vielleicht hatte er Angst, weil er wie Maggie für die Regierung arbeitete und es sich nicht leisten konnte, dass sein richtiger Name registriert wurde.

„Na gut, Milton. Ich bin Zoroastor Diggs.“

„Zoroastor?“ Milton sah ihn mit großen Augen an.

„Gebe ich immer an, wenn ich ins Stonewall komme“, gab Finn unbekümmert zu. Er beugte sich nach vorn, dicht an Miltons Ohr. „Aber meine Freunde nennen mich Finn.“

Selbst im verrauchten Zwielicht der Bar konnte er sehen, wie Miltons Adamsapfel zuckte. Er erwiderte nichts.

Finn ging wieder etwas auf Abstand. „Du kennst dich immerhin gut genug aus, um zu wissen, dass du auf den Registrierungslisten nicht deinen richtigen Namen angeben solltest. Bist du neu in der Stadt oder nur zu Besuch?“

Diese Frage überraschte Milton offenbar. „Ich lebe hier.“

„Hier? In New York?“

„In Greenwich.“

„Wirklich? Ich habe dich hier noch nie gesehen.“

Die Schultern des anderen lockerten sich. „Ich dich auch nicht. Bist du denn von hier?“

„Iowa.“

„Ein Farmer.“ Langsam schien sich Milton zu entspannen.

„Eher nicht. Mein Vater war Autoverkäufer. Und ich bin schon mit neunzehn hierhergezogen. Das ist jetzt fast zehn Jahre her.“

„Und was machst du hier, Zarastro, den seine Freunde Finn nennen?“

„Zoroastor“, korrigierte Finn. „Das ist eine Figur aus einem Buch.“

„Bist du Autor?“

Finn schüttelte den Kopf. „Ich arbeite am Theater. Aber ich lese gern.“

„Im Theater? Welches denn?“

„Off-Broadway“, wich Finn aus. „Eigentlich sogar Off-off-Broadway.“

Milton wartete darauf, dass er weitersprach, aber Finn blieb stumm, und so blickten sie sich einfach nur an. Milton wirkte neugierig, aber wachsam. Grünschnabel eben.

Finn trank den letzten Rest Bier aus, stellte die Flasche ab und legte vorsichtig die Hand auf Miltons Schulter. Dieser versteifte sich, wich jedoch nicht zurück. Finn wartete einen Augenblick, dann trat er näher an ihn heran.

Noch immer sagte er nichts, sondern blickte Milton nur in die Augen. Dunkel wirkten sie, mit einer seltsamen Schwere darin. Machte das nur das diffuse Licht im Stonewall?

Milton räusperte sich. „Ich war schon ewige Zeiten nicht mehr im Theater.“

„Warum nicht?“

Ihre Gesichter trennten nur noch wenige Zentimeter.

Schweiß trat Milton auf die Stirn.

Langsam ließ Finn die Hand von dessen Schulter über den Arm gleiten, bis er Miltons Fingerspitzen berührte. Wieder zuckte dieser zusammen, aber er wandte sich nicht ab und machte keine Anstalten, Finn von sich zu stoßen.

„Und ein Buch habe ich auch seit der High School nicht mehr gelesen. Ich weiß selbst nicht, warum. Irgendwie hab ich’s einfach nicht mehr gemacht. Bei uns zu Hause gab es nicht viele Bücher.“

Finn musste grinsen. Am liebsten hätte er sich nach vorn gebeugt und Milton geküsst, um ihn vom Plappern abzuhalten. Aber er ahnte, dass ihn das zu diesem Zeitpunkt überfordert hätte. Stattdessen griff er, kaum dass die ersten Töne von (We’ve Got) Honey Love aus der Jukebox plärrten, nach Miltons Hand und zog ihn mit sich aus der dunklen Ecke.

„Du gehst nicht ins Theater“, rief er aufgedreht. „Und du liest keine Bücher. Tanzt du wenigstens?“

Milton stemmte sich gegen den Griff. „Ich …“

Doch was immer er sagen wollte, Finn erfuhr es nicht.

„Das ist ein Cop!“, schrie jemand in diesem Augenblick schrill vom Eingang her.

Um Finn und Milton stoben die Leute auseinander.

Christian Handel

Über Christian Handel

Biografie

Christian Handel wurde in der Schneewittchen-Stadt Lohr am Main geboren, die im sagenumwobenen Spessart liegt. Inzwischen lebt er allerdings in Berlin und ist selbst davon überrascht, wie sehr er sich als Landpflanze im Großstadtdschungel wohlfühlt. Er begeistert sich für Stoffe über starke Frauen,...

Andreas Suchanek

Über Andreas Suchanek

Biografie

Andreas Suchanek, 1982 geboren, veröffentlicht seit mittlerweile zehn Jahren in den Genres Science-Fiction, Fantasy, Krimi, Kinderbuch und Lovestory. Der in Karlsruhe lebende Autor verfasste schon in seiner Jugend eigene Geschichten und Romane. Er machte sein Fachabitur, schloss erfolgreich eine...

INTERVIEW mit den Autoren

Lieber Andreas, lieber Christian, wie ist die Idee zu diesem historischen Roman entstanden? 

Unsere gemeinsame Agentin Anna Mechler erfuhr bei einem Besuch im Verlag von der Konzeption der neuen Piper-Reihe „Schicksalsmomente der Geschichte“. Da sie weiß, wie sehr wir beide uns für queere Themen interessieren, brachte sie uns ins Spiel. Einen Unterhaltungsroman über die Entstehung der Christopher Street Days gibt es bisher in Deutschland unseres Wissens noch nicht. Die Ereignisse rund um das Stonewall Inn im Sommer 1969 sind ein wichtiger Teil der Geschichte unserer Community und deshalb haben wir uns mit Feuereifer auf dieses Romanprojekt gestürzt.  

Ihr seid beide insbesondere als Fantasy- und Science-Fiction-Autoren bekannt, wie unterscheidet sich das Schreiben von historischen Romanen? 

Vor allem in der Recherche. Natürlich arbeiten wir uns auch für unsere Fantasy- und Science-Fiction-Romane in Themen ein. Der Umfang war diesmal allerdings deutlich größer. Und während man sich in der Phantastik das eine oder andere sanft zurechtbiegen kann, spielt man im historischen Roman nach anderen Regeln. In Pride began on Christopher Street treten nicht nur ein paar real existierende Menschen auf. Darüber hinaus haben wir versucht, das Lebensgefühl der Menschen - insbesondere der queeren Community - im New York der 1960er Jahre einzufangen. 

Weshalb ist euch das Thema so wichtig? / Was bedeutet für euch der CSD? 

Die Stonewall Unruhen sind wie bereits erwähnt einer der bedeutendsten Momente für queere Menschen. Den Menschen, die damals für einen Wendepunkt im Kampf um Gleichberechtigung gekämpft haben, wollten wir gerecht werden und das hat viel Fingerspitzengefühl erfordert. Sehr dankbar sind wir unserer Lektorin Kathleen Weise, die uns in unserer Arbeit immens unterstützt hat. 

Die Christopher Street Day-Paraden erinnern an diesen Kampf. Dass das so ist, was genau damals passiert ist und mit welchen Ungerechtigkeiten sich queere Menschen in dieser Zeit herumschlagen mussten, wissen viele heute gar nicht. Wir hoffen, dass unser Roman ein bisschen dabei hilft, das zu ändern.  

Wie war es für euch, sich so intensiv mit der Zeit und den Repressionen gegen die LGBTQ+-Gemeinde auseinanderzusetzen, um darüber zu schreiben? 

Während der Recherchen haben wir nicht nur Sachtexte gelesen und Dokumentationen gesehen, sondern uns auch mit Essays und Zeitzeugen-Interviews beschäftigt. Das war hart. Wir haben uns zwar bereits zuvor mit dem Thema beschäftigt, diesmal sind wir aber über viele sehr persönliche Geschichten und Einzelschicksale gestolpert, die uns extrem berührt haben. Zu erfahren, wie schwer es den Menschen der LGBTQI*-Community damals ging, hat uns teilweise sehr traurig, teilweise auch sehr wütend gemacht. Und immer sehr berührt. 

Wie war für euch euer erster CSD? 

Christian: Meinen ersten CSD habe ich Ende der 1990er Jahre in Frankfurt am Main besucht - gemeinsam mit einem guten Freund. Ich erinnere mich vor allem daran, wie geflashed ich von der Tatsache war, wie unglaublich viele Menschen auf dieser Parade waren. Als schwuler Jugendlicher habe ich mich jahrelang sehr einsam und anders gefühlt. Zu erleben, dass es viele gibt, die auch so sind wie ich, war erhebend. Es hat mir Mut gemacht, mir Stärke geschenkt und auch ziemlich glücklich gemacht. Und diese Gefühle lösen Christopher Street Days bis heute in mir aus.   

Andreas: Mein erster CSD Ende der 1990er war in Stuttgart und hat mich erst einmal – da ging es mir wie Christian - völlig überfordert. So unglaublich viele Menschen, alles war bunt und laut und anders. Für jemanden, der sich erst kurz zuvor geoutet hatte und seine Freizeit mit Buch im Zimmer verbrachte, war das schlicht überwältigend. Es hat mir aber gezeigt, dass ich nicht alleine bin und offen leben darf. Das war zu diesem Zeitpunkt für mich in meiner Entwicklung unglaublich wichtig.  

Veranstaltung
Lesung
Donnerstag, 15. August 2024 in Leipzig
Zeit:
20:15 Uhr
Ort:
Thalia Buchhandlung - Grimmaische Straße,
Grimmaische Straße 10
04109 Leipzig
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Lesung
Donnerstag, 29. August 2024 in München-Pasing
Zeit:
Uhr
Ort:
Stadtbibliothek Pasing,
Bäckerstr. 9
81241 München-Pasing
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Lesung und Gespräch
Freitag, 11. Oktober 2024 in Bensheim
Zeit:
20:00 Uhr
Ort:
Pipapo-Theater,
Am Wambolter Hof
64625 Bensheim

Im Rahmen von "Leseland Hessen".

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Pressestimmen
sprenger spricht - authorinsights

„Ein fesselnder Roman, erschreckend – vor allem dann, wenn du weißt, dass die Zeiten in denen er spielt, noch lange nicht vorbei sind!“

Solinger Tageblatt

„Ein großer Schmöker, der viele Leserinnen und Leser in eine aufregende neue Welt führen wird.“

A - Sortimenterbrief

„Ein gefühlvoller Roman“

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