Island entdecken
Gletscher und Geysire, schräge Charaktere und atemberaubende Natur: Island ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Entdecken Sie mit unseren Büchern die wundersame Insel, die uns immer wieder staunen lässt.
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„Damit ist Stefánssons Roman wieder so aktuell, dass Péturs Kampf am Rande der Welt als eine Parabel auf unsere Zeit gelesen werden kann, voller weiser Sätze, geschliffen wie Aphorismen.“
rbb radio3Die Wahrheit sagen oder die retten, die man liebt?
Aufgewühlt schreibt Pfarrer Pétur einen Brief an seine Tochter und schildert, was seine kleine isländische Gemeinde erschüttert: In den Westfjorden werden 1615 über dreißig gestrandete Walfänger gemeuchelt. Wie nur, fragt Pétur, können gute Menschen so grausam, so barbarisch sein?
„Himmelskörper am Rande der Welt“ spricht aus einer fernen Zeit zu unserer Gegenwart – über Liebe, Menschlichkeit und die Verantwortung, die wir füreinander tragen. In einer von Leidenschaft und Neugier geprägten Epoche ringt ein Pfarrer mit dem Glauben – und muss…
Die Wahrheit sagen oder die retten, die man liebt?
Aufgewühlt schreibt Pfarrer Pétur einen Brief an seine Tochter und schildert, was seine kleine isländische Gemeinde erschüttert: In den Westfjorden werden 1615 über dreißig gestrandete Walfänger gemeuchelt. Wie nur, fragt Pétur, können gute Menschen so grausam, so barbarisch sein?
„Himmelskörper am Rande der Welt“ spricht aus einer fernen Zeit zu unserer Gegenwart – über Liebe, Menschlichkeit und die Verantwortung, die wir füreinander tragen. In einer von Leidenschaft und Neugier geprägten Epoche ringt ein Pfarrer mit dem Glauben – und muss entscheiden, ob er der Macht oder der Wahrheit dient.
„Der isländische Dickens.“ Irish Examiner

Wir sind überall, und hier ist der Zweifel:
Läuft der Wind schneller als ein Geist,
und wohin wendet sich dein Weg?
–
Meyjarhóll, Anno Domini 1615, im Monat Oktober
Liebes, über den ganzen Tag ist der Herbststurm mit heftigem Regen kalt auf uns arme und sündige Seelen hier in Brúnisandur niedergegangen, ein so dichter, dunkler, entsetzlicher Regen, dass dieser Oktobertag eher dem dunkelsten Wintertage glich, wenn es kein Tageslicht mehr gibt; derart finster war dieser Tag, als habe uns der gütige, barmherzige Gott gänzlich aufgegeben und uns wehrlos der Teufelei des [...]

Gletscher und Geysire, schräge Charaktere und atemberaubende Natur: Island ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Entdecken Sie mit unseren Büchern die wundersame Insel, die uns immer wieder staunen lässt.
weitere Infos„Große Literatur“
GONG„Damit ist Stefánssons Roman wieder so aktuell, dass Péturs Kampf am Rande der Welt als eine Parabel auf unsere Zeit gelesen werden kann, voller weiser Sätze, geschliffen wie Aphorismen.“
rbb radio3
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Anspruchsvolles Meisterwerk aus Island
REZENSION – Bereits seit 25 Jahren kennt man auch in Deutschland den isländischen Schriftsteller Jón Kalman Stefánsson (62), der damals mit „Himmel und Hölle“, dem ersten Band einer Romantrilogie, seinen internationalen Durchbruch schaffte. Im Jahr 2018 gehörte er zu den Finalisten für den – wege…
REZENSION – Bereits seit 25 Jahren kennt man auch in Deutschland den isländischen Schriftsteller Jón Kalman Stefánsson (62), der damals mit „Himmel und Hölle“, dem ersten Band einer Romantrilogie, seinen internationalen Durchbruch schaffte. Im Jahr 2018 gehörte er zu den Finalisten für den – wegen kurzfristiger Absage des originalen Nobelpreises – ersatzweise geschaffenen Alternativen Literaturnobelpreis. Mit seinem nun im April beim Piper Verlag veröffentlichten Roman „Himmelskörper am Rande der Welt“, mit dem Stefánsson zu Recht für den im Herbst zu vergebenden Preis des Nordischen Rates nominiert ist, verteidigt er erfolgreich seinen Ruf als „einer der bedeutendsten Autoren seines Landes“.
Sein neuer Roman, der vor über 400 Jahren im fiktiven isländischen Dorf Brunasund „am Rande der Welt“ spielt, ist ein episches und berührendes Drama um Machtmissbrauch, Mord und Betrug: In seinem kleinen Pfarrhaus schreibt der lutherisch-reformierte Pfarrer Pétur im Jahr 1615 einen langen Brief an seine Tochter über grausame Geschehnisse, die gerade seine Gemeinde aufwühlen. Es ist eine literarische Verarbeitung historischer Ereignisse, theologischer Überlegungen und philosophischer Reflexionen, die beim Lesen Konzentration abverlangt und zum Nachdenken anregt.
Der an der Universität Kopenhagen ausgebildete, durch das Studium wissenschaftlicher Schriften weltoffene Geistliche, intellektuell seinen noch in überlieferten Mythen verhafteten Dorfbewohnern weit voraus, schreibt vom brutalen Mord an 30 spanischen, in den Westfjorden Islands gestrandeten Walfängern. Sie wurden von Péturs eigenen Gemeindemitgliedern gemeuchelt, die durch Lügen und Verleumdungen zur Tat angestachelt oder durch Machtmissbrauch der Herrschenden zur Mittäterschaft gezwungen worden waren. Wie können gutherzige, gewöhnliche Menschen nur so barbarisch handeln, fragt sich Pfarrer Pétur – eine Frage, die auch in heutiger Zeit angesichts mancher TV-Meldungen oder Kriegsgeschehen aktuell ist. Im Schreiben ringt der Pfarrer mit seinem christlichen Glauben und muss sich entscheiden, ob auch er gefahrlos der herrschenden Macht dienen oder als Geistlicher besser die Wahrheit über das Geschehene offenbaren soll, wodurch er allerdings jene Dorfbewohner verrät, für die er doch als Gemeindepfarrer verantwortlich ist.
Jón Kalman Stefánsson schildert das urwüchsige Island in einer Zeit des Umbruchs, in der neue wissenschaftliche Erkenntnisse – allen voran die Arbeiten von Kepler, Kopernikus und Galilei – den alten christlichen Glauben und das mittelalterliche Weltbild der Kirche ins Wanken bringen: Die Erde ist doch nicht der Mittelpunkt des Universums! Doch wer diese neuen Theorien vertritt, kann in Lebensgefahr – auch Petúr, der sich, selbst akademisch geschult, für umfassende Bildung einsetzt: „..., dass es notwendig sei, Werke auf Latein abzufassen, die den Ruhm Islands so weit verbreiten und von der großen Bedeutung unserer Sprache und unseres Erbes kündigen, damit gebildete Menschen im Ausland sie lesen und begreifen können, dass hier keine Barbaren und Verrückte, Trolle und Analphabeten leben, wie manche annehmen und wie schreckliche Bücher von Ausländern über unser Land mit Übertreibungen und Lügen ausmalen und verbreiten.“
Doch so historisch uns Stefánssons Roman „Himmelskörper am Rande der Welt“ mit seinen ausführlichen Lebens- und Landschaftsbeschreibungen aus damaliger Zeit auf den ersten Blick erscheinen mag, gleicht er in seinen Aussagen doch einer zeitlosen Parabel. Denn im Roman geht es um allzeit gültige Werte wie Liebe, Menschlichkeit, Verantwortung und Wahrhaftigkeit. „Und was wird aus uns ohne die Wahrheit?“, fragt Pétur. „Wenn sie und die Gerechtigkeit verdreht und verfälscht werden, aus schlechtem Wetter gutes, aus Gewalt eine Heldentat, aus Falsch Recht, aus Lüge Wahrheit gemacht wird?“ Doch die Wahrheit muss letztlich siegen, denn „Schweigen und Vergessen, unsere Gedankenlosigkeit und Apathie arbeiten ewig den Gewalttätern aller Zeiten zu". Schweigen macht mitschuldig – eine Erkenntnis, die auch heute gilt.
Fehlende Bildung schafft Unselbstständigkeit und Abhängigkeit und macht es Populisten leicht, Massen gezielt zu manipulieren, wie es im hier geschilderten Fall des Mordes an 30 spanischen Walfängern im Jahr 1615 der Fall war oder noch heute bei ausländerfeindlichen Überfällen festzustellen ist: „Nicht selten sind wir versucht, anderen das Allerschlimmste zuzutrauen, besonders denen, die wir kaum kennen, und erst recht, wenn sie überdies noch eine fremde Sprache sprechen. Es scheint dann leichter, solche Schlüsse zu ziehen.“
Der Roman „Himmelskörper am Rande der Welt“ überzeugt als historische Erzählung mit fast meditativer Wirkung, vor allem aber durch philosophische und psychologische Tiefe sowie eine wunderbar poetische Sprache, die sich stilistisch dem 17. Jahrhundert anzupassen versucht. Dies auch in der deutschen Fassung nachempfinden zu können, ist zweifellos ein Verdienst des landeskundigen Übersetzers Karl-Ludwig Wetzig, der nicht nur in Reykjavík Germanistik und Skandinavistik gelehrt hat, sondern uns durch seine Erfahrung in der Übertragung mittelalterlicher Island-Sagen sprachlich und atmosphärisch in die Situation des Landes um 1615 zu versetzen vermag.