Buchtipps aus Frankreich
Unsere schönsten französischen Bücher: Liebesromane, Krimis und große Erzählkunst von der Bretagne bis in die Provence.
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„berührende Auseinandersetzung des eigenen Verhältnisses zu ihrem Vater“
(A) Buchkultur - Das internationale Buchmagazin„Jede Ferien verließen wir unseren Pariser Vorort und fuhren in die Bretagne, die Heimat meines Vaters, wo er geboren worden war, genau wie sein Vater – und dessen Vater vor ihm.“
Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistère. Wie schon in „Die Postkarte“ vermischt sich die private mit der „großen“ Geschichte, von der Gründung der ersten Bauerngenossenschaften bis zum Mai 1968, von der deutschen Besatzung eines Dorfes im Léon bis zur…
„Jede Ferien verließen wir unseren Pariser Vorort und fuhren in die Bretagne, die Heimat meines Vaters, wo er geboren worden war, genau wie sein Vater – und dessen Vater vor ihm.“
Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistère. Wie schon in „Die Postkarte“ vermischt sich die private mit der „großen“ Geschichte, von der Gründung der ersten Bauerngenossenschaften bis zum Mai 1968, von der deutschen Besatzung eines Dorfes im Léon bis zur Zerstörung der Stadt Brest.

Unsere schönsten französischen Bücher: Liebesromane, Krimis und große Erzählkunst von der Bretagne bis in die Provence.
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Bewertungen
Persönliche Erinnerung und französische Zeitgeschichte
Anne Berest verbrachte die Sommer mit ihrer Familie in der Bretagne. Es war die Heimat ihres Vaters. Finistère ist der westlichste Zipfel Frankreichs und vergleicht man die Menschen mit dem Rest des Landes, wird man schnell Unterschiede feststellen. Diese zeigt die französische Autorin auch im Ro…
Anne Berest verbrachte die Sommer mit ihrer Familie in der Bretagne. Es war die Heimat ihres Vaters. Finistère ist der westlichste Zipfel Frankreichs und vergleicht man die Menschen mit dem Rest des Landes, wird man schnell Unterschiede feststellen. Diese zeigt die französische Autorin auch im Roman. Gleichzeitig erzählt sie die komplexe Vater-Tochter-Beziehung, die sie zwar bis ins Erwachsenenalter geprägt hat, sie selbst aber als unvollkommen ansieht. Bis zu seinem Tod hat sie stets seine Anerkennung gesucht. Mit der Aufarbeitung der Familiengeschichte gelingt Berest eine einfühlsame Erklärung für diese tiefe emotionale Bindung. Beim Lesen nimmt dieser Schmerz eine Form an und wird zur Nebenfigur. Insgesamt breitet sich eine Melancholie aus, die man auch in französischen Filmen findet. Der Sprachstil ist literarisch, ruhig und eindringlich, ohne dabei schwer zu wirken. Besonders die persönlichen und familiären Passagen entfalten eine große emotionale Kraft.
Anhand der Familiengeschichte wird auch die politische Entwicklung in Frankreich thematisiert. Immer wieder geht es um die Nachwirkungen von 1968, um linke Intellektuelle, Aktivismus und gesellschaftliche Umbrüche. Da die Männer häufig Eugène oder Pierre heißen, muss man sich beim Lesen konzentrieren, um sie richtig zuordnen zu können. Die Spannungen und Diskussionen innerhalb der Generationen spiegeln sich dabei auch im gesellschaftlichen Wandel Frankreichs wider. Dabei blicken wir auf das von den Nationalsozialisten besetzte Paris, auf die intellektuelle Szene und auf die Aktivisten. Immer war auch jemand von der Familie Berest dabei.
Feinfühliger und emotionaler Rückblick
Anne Berest erzählt in Vatertage von familiären Erwartungen, emotionaler Distanz und der Suche nach Anerkennung. Dabei verbindet sie persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen in Frankreich und zeichnet das Bild einer Generation, die zwischen politischen Idealen und familiären Verpflichtungen zerrieben wird. Besonders gelungen sind die stillen, emotionalen Momente zwischen Vater und Tochter, die lange nachwirken. Der Roman verlangt stellenweise Aufmerksamkeit, überzeugt aber durch seine atmosphärische Sprache und seine feine Beobachtungsgabe. Vatertage ist ein melancholischer, literarischer Roman über Herkunft, Verlust und die Frage, wie sehr familiäre Prägungen ein Leben bestimmen. Meiner Meinung nach lässt er sich nicht direkt mit Die Postkarte vergleichen.