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Haltung ohne Hass
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Beschreibung
Die Welt scheint aus den Fugen, Krisen folgen auf Krisen. Gewissheiten lösen sich auf, Menschen haben verlernt, miteinander zu reden. Sie werden feindseliger, radikaler – und das nicht nur an den politischen Rändern. Ahmad Mansour erzählt von einer Gesellschaft, der das Zuhören abhandengekommen ist; die sich für demokratisch hält und doch selbst immer misstrauischer und gereizter wird.
Gespräche mit Andersdenkenden
Der renommierte Psychologe und Extremismusexperte erlebt dies als tägliche Realität in Gesprächen mit Jugendlichen, mit Lehrkräften, mit Sicherheitsbehörden. Eindringlich wirbt er…
Die Welt scheint aus den Fugen, Krisen folgen auf Krisen. Gewissheiten lösen sich auf, Menschen haben verlernt, miteinander zu reden. Sie werden feindseliger, radikaler – und das nicht nur an den politischen Rändern. Ahmad Mansour erzählt von einer Gesellschaft, der das Zuhören abhandengekommen ist; die sich für demokratisch hält und doch selbst immer misstrauischer und gereizter wird.
Gespräche mit Andersdenkenden
Der renommierte Psychologe und Extremismusexperte erlebt dies als tägliche Realität in Gesprächen mit Jugendlichen, mit Lehrkräften, mit Sicherheitsbehörden. Eindringlich wirbt er dafür, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, auch mit Andersdenkenden – nur so können wir als demokratische Gesellschaft bestehen.
Radikalisierung als tägliche Realität
Ahmad Mansour erlebt Radikalisierung als tägliche Realität. Er sieht, wie sich Menschen in Verschwörungserzählungen verlieren, sich von Populismus verführen lassen, auf virtuelle Desinformation keine Antwort finden. Seine Analyse bleibt nicht abstrakt, sondern handlungsorientiert. Er denkt interdisziplinär, identifiziert Muster und macht gesellschaftliche Widersprüche sichtbar, die anderen oft entgehen.
Erfolgreiche Prävention
Anhand konkreter Beispiele zeigt der Präventionsexperte, was in Schulen, Feeds und Foren und in den Köpfen junger Menschen geschieht. Er erzählt aber auch davon, wo Prävention bereits erfolgreich funktioniert, gibt Einblicke in seine Arbeit und erklärt, was jetzt getan werden muss.
Über Ahmad Mansour
Events zum Buch
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" in Berlin (Premiere)
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" in Emden
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" in Ettersburg
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" in Homburg
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" auf der Buch Wien
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" im Wortklub Dortmund
Ahmad Mansour mit "Haltung ohne Hass" in Menden
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Lieber Herr Mansour, Ihr neues Buch trägt den Titel Haltung ohne Hass. Was genau meinen Sie damit?
In politischen Diskursen und öffentlichen Debatten beobachte ich zunehmend eine besorgniserregende Entwicklung: Wir hören einander nicht mehr wirklich zu. Die Bereitschaft, andere Haltungen auszuhalten oder ernsthaft zu prüfen, schwindet. Statt dem Gegenüber mit Argumenten zu begegnen, greifen wir zur Diffamierung oder zum Ausschluss. Wir sprechen oft von Toleranz – doch Toleranz bedeutet zunächst, etwas zu ertragen, das wir nicht teilen oder gutheißen. Genau dieses Ertragen fällt uns immer schwerer. Das ist hochgefährlich: für die Qualität unserer Debatten, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und letztlich für die Stabilität unserer Demokratie.
Sie leben nun schon über zwanzig Jahre in Deutschland. Wie erleben Sie als Psychologe die Veränderungen der letzten Jahre?
In meiner täglichen Arbeit nehme ich eine wachsende Erosion der Empathiefähigkeit wahr – quer durch alle sozialen und kulturellen Hintergründe. Die fortschreitende Digitalisierung und die Dominanz sozialer Medien haben dazu geführt, dass reale Begegnungen seltener werden. Vielen jungen Menschen fehlt zunehmend die Erfahrung, unmittelbar zu spüren, was Worte und Handlungen beim Gegenüber auslösen. Das erklärt zum Teil auch die alarmierende Zunahme von Gewalt und Kriminalität bereits im Kindes- und Jugendalter. Zugleich beobachte ich eine steigende Ambiguitätsintoleranz in der gesamten Gesellschaft. Echokammern und dichotome Weltbilder – richtig oder falsch, gut oder böse – verdrängen die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten. Doch Demokratie ist keine Versammlung Gleichdenkender. Sie ist kein Zustand der Harmonie oder des Konsenses. Demokratie lebt von der Vielfalt der Meinungen – und vom zivilisierten Streit in offenen Diskursen.
Sie arbeiten viel mit jungen Menschen. Vor welchen Herausforderungen stehen sie heute, wie kann man sie unterstützen?
Seit 2020 befinden sich viele junge Menschen im permanenten Krisenmodus: Pandemie, Krieg in Europa, Klimakrise, Inflation, Zukunftsängste. Dieses Gefühl der Überforderung und Ohnmacht schafft einen Nährboden für Radikalisierung. Extremismus ist immer eine radikale Vereinfachung. Er bietet scheinbare Orientierung, Halt und Zugehörigkeit. Er entlastet von der Verantwortung, selbst komplex zu denken und Ambivalenzen auszuhalten. Er vermittelt das Gefühl, Teil einer moralisch überlegenen Elite zu sein. Diese Dynamik wird uns in den kommenden Jahren leider intensiv begleiten. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen Räume zu eröffnen, in denen sie Selbstwirksamkeit erfahren, Widerspruch aushalten lernen und konstruktive Zugehörigkeit entwickeln können.
Sie erleben, dass sich Menschen zunehmend in sozialen Netzwerken radikalisieren. Was lässt sich dagegen tun?
Die Algorithmen sozialer Medien belohnen Zuspitzung, Empörung und moralische Wut. Sie fördern Polarisierung und verstärken Echokammern. Was zählt, sind Applaus und Bestätigung – nicht Dialog. Radikale Akteure verschiedenster Couleur haben dadurch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, ihre Ideologien zu verbreiten. Regulierung und klare Regeln für Plattformen können helfen. Doch wir dürfen nicht allein auf politische Lösungen warten. Demokratische Stimmen müssen selbst sichtbarer werden. Wir verfügen über starke, humane Werte – aber wir kommunizieren sie oft zu leise. Es ist paradox: Wir schaffen es, Menschen für Apple-Produkte zu begeistern, aber nicht für Grundrechte, Freiheit und Pluralismus. Wir brauchen kraftvolle Gegennarrative. Jeder Einzelne kann in sozialen Medien Zivilcourage zeigen: widersprechen, argumentieren, Haltung zeigen – auch wenn es unbequem ist.
Sie sagen, Menschen hätten verlernt, miteinander zu reden. Sie würden feindseliger und radikaler, und zwar nicht nur an den politischen Rändern. Was und wen genau meinen Sie damit?
Ich meine uns alle. In Schulen, in sozialen Netzwerken, am Familientisch zu Weihnachten, in Vereinen, in Parlamenten – selbst dort, wo Demokratie geschützt werden soll. Auch in repräsentativen Institutionen unseres Landes.
Wo ist die Bereitschaft, unbequeme Meinungen auszuhalten? Warum scheint es zu Fragen wie Ukraine, Klima, Migration oder Gendern zunehmend nur noch eine legitime Antwort zu geben? Ist das noch Demokratie?
Demokratie bedeutet, dorthin zu gehen, wo es wehtut. Dorthin, wo Widerspruch entsteht. Dorthin, wo andere argumentativ zu anderen Schlüssen kommen. Der Rückzug in Gleichgesinnung ist menschlich – aber demokratietheoretisch fatal.
Was kann jede und jeder Einzelne, was kann die Politik dagegen tun?
Wir brauchen wieder echte, offene Debatten – über alle Themen. Nicht inszenierte Gesprächsformate, sondern wirklichen Austausch. Ich plädiere dafür, Debattieren als Pflichtfach an Schulen einzuführen. Junge Menschen müssen lernen, Argumente zu formulieren, Gegenargumente zu prüfen und respektvoll zu widersprechen.
Auch in den Medien wünsche ich mir mehr Formate, in denen substanzielle politische Auseinandersetzungen stattfinden – nicht Gesprächsrunden, in denen sich Gleichgesinnte gegenseitig bestätigen. Und im privaten Umfeld gilt: Wenn wir beobachten, dass sich jemand radikalisiert, dürfen wir nicht wegsehen. Wir sollten das Gespräch suchen, zuhören – und zugleich widersprechen. Beziehung ist der wirksamste Schutz vor Extremismus. Durch Bindung können wir Menschen eher erreichen als durch Ausgrenzung.
Auch Sie selbst stehen immer wieder in der Kritik, von rechts wie von links, werden aufs Schärfste bedroht. Wie schaffen Sie es, trotzdem engagiert und zuversichtlich zu bleiben?
Ich kam vor 21 Jahren nach Deutschland. Ich stamme aus einer Kultur und einer Familie, in der es nur eine legitime Meinung gab – die des Vaters. Tabus und Verbote strukturierten das Denken. In meiner Wahlheimat Deutschland habe ich etwas gelernt, das für mich existenziell ist: Mündigkeit. Ich durfte meine eigene Stimme finden und mitgestalten.
Meine Haltungen sind nicht heilig. Sie dürfen kritisiert, diskutiert, ja sogar verworfen werden. Kritik bedeutet, wahrgenommen zu werden. Sie eröffnet Debatten – und genau darum geht es mir. Mehr wollte ich nie als die Freiheit, meine Meinung zu sagen – und die Freiheit, eigene Fehler machen zu dürfen.






















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