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This is America – is this America?

250 Jahre USA: Eine Idee und ihre Widersprüche | Das große Porträt der USA zum 250. Jubiläum – Mythen, Konflikte und das amerikanische Versprechen
24,00 €
30.04.2026
336 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
13,8cm x 22cm
978-3-492-07467-4

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info@piper.de
Piper Verlag GmbH
Georgenstraße 4
80799 München

Beschreibung

Denken wir an die Vereinigten Staaten, dann denken wir an Hollywood, Silicon Valley und Country Music, aber auch an Unabhängigkeit und grenzenlose Freiheit. Die USA sind ein Sehnsuchtsort – oder waren es zumindest lange. Zum 250. Geburtstag der Nation fragt die US-Expertin Johanna Roth: Was ist seit der Gründung 1776 vom amerikanischen Versprechen geblieben, und warum war es von Anfang an problematisch? Dabei betrachtet sie das Land ebenso kritisch wie einfühlsam, nicht nur in der Gegenwart, sondern auch im Spiegel seiner Vergangenheit. Ein vielschichtiges Porträt einer zerrissenen Nation.

Über Johanna Roth

Foto von Johanna Roth

Biografie

Johanna Roth, Jahrgang 1989, hat nach einem Auslandsjahr in Istanbul Literatur- und Politikwissenschaft in Bamberg, Paris und Berlin studiert (M. A.) und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Anschließend arbeitete sie vier Jahre lang als Redakteurin im Meinungsressort der taz und...

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Events zum Buch

Buchpräsentation

Johanna Roth spricht über ihr Buch "This ist America" in Zürich

04. Mai 2026
Zürich Kaufleuten
Buchpräsentation

Johanna Roth spricht über ihr Buch "This ist America" in München

05. Mai 2026
München Amerikahaus
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Johanna Roth
This is America – is this America?.
Johanna Roth über ihr Buch „This is America – is this America?

Liebe Johanna, in deinem Buch betrachtest du 250 Jahre USA und gehst dem amerikanischen Versprechen auf den Grund. Worin bestand beziehungsweise besteht dieses – bei der Gründung der Nation und heute?
Alle Menschen sind gleich und haben ein Recht auf Freiheit und das Streben nach Glück. So stellt es die Unabhängigkeitserklärung fest, was in der feudalistisch geprägten Welt des Jahres 1776 völlig revolutionär war. Bis heute werden Millionen Leute davon angezogen, und die USA sind unverändert stolz darauf. Aber sie haben sich nie wirklich damit auseinandergesetzt, dass sie dieses Versprechen von Anfang an gebrochen haben.
Viele der sogenannten Gründerväter, die diese Erklärung gemeinsam unterzeichneten, hielten sich zuhause Menschen als Sklav:innen. Auch 60 Jahre nach der Abschaffung der Segregationsgesetze in den Südstaaten werden Schwarze systematisch diskriminiert. Und in Städten wie New York und Los Angeles sehen wir mittlerweile täglich, wie Einwander:innen von maskierten Polizeikräften gekidnappt und im Zweifelsfall ohne faires Verfahren abgeschoben werden. Dass die USA der Inbegriff von Freiheit und Gleichberechtigung seien, ist ein Mythos, den sie sich seit 250 Jahren selbst erzählen. Ich glaube, dass das einer der Gründe ist, warum Donald Trump an die Macht kommen konnte.

Was hat dich dazu bewegt, gerade jetzt ein Buch über die USA zu schreiben – und was macht das 250. Jubiläum so besonders für deine Recherche?
Jeden Tag erreichen Leser:innen in Deutschland neue und oft bestürzende Nachrichten aus den Vereinigten Staaten. Ich will das Land hinter den Schlagzeilen zeigen, wie ich es in den vergangenen Jahren erlebt habe: Wovon die Menschen dort träumen, was sie wütend macht, wovor sie Angst haben. Zugleich ist es wahnsinnig spannend, welche zentrale und eben auch schwierige Rolle die Geschichte der USA in ihrer Gegenwart spielt. Sie verwandeln sich gerade in das Land, das sie nie werden sollten – worauf es aber irgendwie immer auch hinausgelaufen ist, betrachtet man die zurückliegenden 250 Jahre genauer, von Gettysburg bis Guantánamo, vom Bear River Massacre bis zum Hurrikan Katrina.

Wie wird der Gründungsmythos im heutigen Amerika gelebt, hinterfragt oder sogar instrumentalisiert?
Einer der gewalttätigsten Kapitolstürmer:innen des 6. Januar 2021 hatte die Jahreszahl 1776 auf den Handrücken tätowiert. Ich sehe oft Trump-Unterstützer mit T-Shirts, auf denen „We the People“ abgedruckt ist, die ersten Worte der Verfassung. Trump selbst will Geschichtsschreibung diktieren. Er und seine Leute bekämpfen die gerade erst begonnene Aufarbeitung der Tatsache, dass der Wohlstand dieses Landes nicht nur auf Pionieren und Entdeckern gründet, sondern auch auf Ausbeutung von versklavten und indigenen Menschen, als „antiamerikanisch “. Sie lassen Bücher verbieten und Museen säubern.
Aber das mobilisiert auch Widerstand. Linke hängen sich zum ersten Mal im Leben eine US-amerikanische Nationalflagge ans Haus. Manche drehen sie auf dem Kopf, das Symbol einer bedrohten Nation, das bis vor kurzem noch von den Rechten besetzt war, die Joe Biden für einen illegitimen Präsidenten hielten. Das Motto vieler Anti-Trump-Proteste ist nicht zufällig „No Kings“: So wie 1776, als man sich von der Monarchie des alten Kontinents emanzipierte, soll es auch heute keinen Tyrannen geben.

Welche Gegensätze und Widersprüche der USA stehen für dich besonders im Mittelpunkt?
Ich könnte stundenlang aufzählen. Warum ist es in einer überwiegend christlich geprägten Nation selbstverständlich, dass sonntags sämtliche Läden geöffnet haben? Wie kann es sein, dass in einem der reichsten Länder der Welt Kinder freitags einen Rucksack mit Lebensmitteln aus der Schule mit nach Hause bekommen, weil sie sonst das Wochenende über nichts zu essen hätten? Warum ist die einzige Person, auf die sich das konservative und das liberale Amerika noch einigen können, ausgerechnet Dolly Parton, eine 79-jährige Country-Musikerin mit falschen Brüsten und Zwölf-Zentimeter-Absätzen? Seine Widersprüche haben dieses Land geformt. Ihnen nachzugehen, ist manchmal lustig, manchmal verstörend, aber immer faszinierend.

Gibt es einen Moment, in dem du dachtest: „So habe ich die USA noch nie gesehen“?
Da fällt mir die Totenwache für den ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter im Kapitol ein. Es war Januar, bitterkalt und verschneit, und trotzdem standen die Menschen bis tief in die Nacht Schlange. Auch Republikaner:innen habe ich dort getroffen, die ihm ihren Respekt erweisen wollten. Es war so ruhig, wie ich es hier in der Öffentlichkeit noch nie erlebt habe, und auf eine merkwürdige Art versöhnlich und beklemmend zugleich. Nur Tage später wurde Trump erneut vereidigt – an genau der Stelle, an der Carters Sarg aufgebahrt worden war.

Was macht die USA für dich heute noch einzigartig – und was erschüttert dieses Bild?
Mich hat immer wieder bewegt, wie freundlich man hier miteinander umgeht. Das ist oft oberflächlich, klar, aber es spricht ja auch für einen gewissen gesellschaftlichen Konsens, dass wirklich jedem noch so kurzen Gespräch ein „Wie geht’s“ vorangeht. Gleichzeitig ist es schwer zu fassen, welche Verdrängungskräfte die Amerikaner:innen entwickeln, gerade jetzt, da immer mehr Menschen die Auswirkungen des autoritären Regimes im Weißen Haus zu spüren bekommen. Wie wenig Widerstand es gibt, gemessen an der Radikalität und der Grausamkeit, mit der Trump das Land umbaut. Gebar das amerikanische Experiment eine Gesellschaft von Egoist:innen? Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder stelle und die auch im Buch eine Rolle spielt.

Gibt es etwas, das dich an den USA trotz aller Widersprüche besonders fasziniert oder inspiriert?
Tatsächlich sind es gerade die Widersprüche, die mich am meisten fesseln und mir auf meinen Reisen immer wieder begegnen. Nicht zuletzt in Form von Menschen: Klischees bestätigen sich hier sehr oft – aber genauso oft passiert es, dass jemand so gar nicht in die Schublade passt, in den ich ihn oder sie schon hatte stecken wollen. Das sind immer die tollsten Begegnungen, weil man daraus am meisten lernt.