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High Fantasy von Richard Schwartz

Freitag, 15. Dezember 2017 von Piper Verlag


Das lang erwartete neue Epos von Richard Schwartz!

In seiner neuen Serie erzählt Richard Schwartz die Abenteuer seiner Helden wie ein Rollenspiel - packend und rasant.

Blick ins Buch
FluchbrecherFluchbrecher

Die Eisraben-Chroniken 1

Alexandra McInnes hat als Pilotin der Special Forces zahlreiche Einsätze erfolgreich geflogen. Doch bei einem verheerenden Unfall wird sie schwer verletzt. Der Kybernetiker Dr. Jensen eröffnet ihr die Möglichkeit, an einem einzigartigen Experiment teilzunehmen: Sie soll ihr Bewusstsein in das Online-Spiel Vorena übertragen und dort vollständig geheilt weiterleben. Als Alexandra die gigantische Welt Vorenas betritt, verändert dies alles. Fortan muss sie als Kämpferin Questen erfüllen, sich mit anderen Spielern verbünden und Reiche erobern. Doch bald holt sie ihre Vergangenheit ein. Denn Alexandra ist nicht die einzige, die in Vorena ein neues Leben beginnen will. Und die Spielwelt Vorena wird bald realer, als sie ahnen konnte ... Der große LitRPG-Roman von Richard Schwartz!

1 Willkommen in Vorena

 

»Bist du bereit?«, fragt eine rauchige weibliche Stimme, die bei mir eine Assoziation mit alten Schwarz-Weiß-Filmen, Zigarettenhaltern und Whiskey in vernebelten Bars auslöst.

»Ja«, sage ich.

Nichts geschieht.

Wie aus der Ferne höre ich die Stimme von Dr. Jensen. »Du musst lauter sprechen. Oder besser, deutlicher denken.«

Ja, denke ich entschlossen.

Für einen Moment leuchtet der graue undefinierte Raum, in dem ich mich befinde, golden auf, und ein Schriftzug erscheint vor meinen Augen, um dann langsam wieder zu verblassen.

»Willkommen in Vorena.«

 

Stehe auf einer Wiese in einer kleinen Waldlichtung und höre das Rascheln der Blätter an den Bäumen, fühle den Wind in meinem Haar und an meinen Beinen. Ein Schmetterling fliegt an mir vorbei, in der Ferne höre ich Vögel zwitschern. Über mir spannt sich ein azurblauer Sommerhimmel mit ein paar kleinen Schäfchenwölkchen.

Ein paar Schritte von mir entfernt bahnt sich ein kleiner fröhlich gurgelnder Bach seinen Weg durch die Lichtung.

Von irgendwoher höre ich ein Pferd wiehern.

Ein Sommertag wie aus einem Bilderbuch.

Blinzele und hebe die Hand, um an meine Wangen zu fassen und die Tränen wegzuwischen, während ich an mir heruntersehe. Ich trage ein einfaches Leinenkleid, kratzig und grob geschnitten, und meine Füße stecken in einfachen Sandalen.

Muss heftig schlucken, als ich sehe, wie sich erst meine große Fußzehe wie durch Magie bewegt. Dann mein ganzer Fuß.

Tue einen Schritt, als wäre es das Natürlichste auf der Welt, und dann noch einen, einen weiteren und dann wieder einen, bis ich an dem kleinen Bach stehe, wo ich mich langsam hinsetze und dann meine Füße in das Wasser halte, das sich kalt und nass anfühlt und um meine Füße strömt.

»Mein Gott«, hauche ich.

Die Luft neben mir schimmert, und Dr. Jensen steht neben mir. Er trägt noch immer seinen weißen Doktorkittel, und seine auf Hochglanz polierten Schuhe scheinen mir hier irgendwie fehl am Platz.

Dr. Jensen ist einer dieser Menschen, die man nur schwer einordnen kann. Er mag irgendetwas zwischen dreißig und fünfzig sein, mit glatten schwarzen Haaren, den fein geschnittenen Gesichtszügen, die man bei Eurasiern so oft findet, und er besitzt einen kleinen Gamsbart, der mich immer fasziniert, wenn Dr. Jensen spricht und der kleine Bart auf und nieder hüpft.

»Ich glaube«, lächelt er, »Glückwünsche sind angebracht.« Mit einer Geste lässt er ein Hologramm vor sich erscheinen, dessen Balken mir absolut nichts sagen, ihn aber zufrieden nicken lassen. »So wie es aussieht, haben wir mit dir zum ersten Mal eine Integration von hundert Prozent auf allen Parametern erreicht!« Mit einer nachlässigen Geste lässt er die schimmernde Anzeige verschwinden und lächelt mich an. »Wie fühlt es sich für dich an?«

Ich schlucke und sehe auf meine Füße herab, bewege sie im Wasser, fühle die Kühle, die Nässe und den leichten Widerstand des Wassers.

Bewege meine Zehen.

Schlucke erneut.

»Es ist sechs Jahre her, dass ich meine Beine habe spüren können«, sage ich und muss mich räuspern, so schwer fällt es mir zu sprechen. »Also kann ich mir nicht sicher sein … aber …« Schlucke wieder, schaue zu ihm hoch und spüre, wie mir die Tränen über die Wangen laufen. »Echt«, bringe ich mühsam hervor. »Es fühlt sich echt an! Wie ist das nur möglich?«

»Als ob du die Antwort nicht wüsstest.« Er schaut sich in der kleinen Lichtung um, sieht dann wieder auf mich herab und lächelt, um dann einen zufriedenen Seufzer auszustoßen. »Tatsächlich bin ich etwas neidisch auf dich. Dir ist bewusst, dass wir hier heute Geschichte schreiben?«

Es ist lange her, dass jemand auf mich hätte neidisch sein können, doch ich glaube Dr. Jensen.

Ein bisschen.

Er nickt, als hätte ich etwas gesagt. »Wissenschaft«, sagt er dann, »ist ein langer Weg mit vielen kleinen Schritten. Bei jedem Schritt hoffen wir, dass wir das Ziel erreichen, doch viel zu oft ist es nur das: ein kleiner Schritt. Doch heute … Alexandra, dies ist der Beweis, dass dein neurales Interface funktioniert! Heute sind unsere Träume wahr geworden!«

Ich schaue in den kleinen Bach hinab und ziehe meine Füße wieder heraus, langsam werden sie mir doch etwas kühl. »Noch nicht ganz«, erinnere ich ihn.

Mit einer Handbewegung ruft er ein anderes schimmerndes Display herbei und dreht es mit einem Finger in meine Richtung.

»Auch für dich ist es nur noch eine Frage der Zeit«, sagt er zuversichtlich, während ich das Bild auf dem Display sorgfältig betrachte. Es zeigt einen langen durchsichtigen Zylinder, in dem eine ausgemergelte Gestalt schwebt, von einer Art stählernem Käfig und durch eine Atemmaske, Dutzenden von langsam pulsierenden Schläuchen und farbigen Kabeln innerhalb des Tanks gehalten.

Ein kleineres Fenster informiert mich darüber, dass der Patient, Alexandra McInnes, einen Puls von fünf Herzschlägen pro Minute besitzt und einmal alle fünf Minuten atmet.

Herz- und Atemfrequenz, Gehirnaktivität, Sauerstoffgehalt des Blutes … und Dutzende weitere Parameter, alle befinden sie sich im grünen Bereich.

»Wir haben dich erfolgreich in Stasis versetzen können. So wie es jetzt ist, könnten wir dich jahrhundertelang am Leben erhalten. Auf jeden Fall lange genug für deine Regenerationstherapie. Falls alles gut geht, wirst du wieder gehen können, wenn du aufwachst.«

Ich mustere diesen ausgemergelten Körper mit dem rasierten Schädel, an dem sich zwischen all den Elektroden rote Stoppeln zeigen, und vermag es nicht, eine Verbindung zwischen mir und diesem … Ding herzustellen.

Captain Alexandra Maria McInnes. Alter achtunddreißig. Mit fast tausendeinhundert Stunden auf dem linken Sitz eines UH-60-Kampfhubschraubers, davon gut hundertachtzig Stunden im Kampfeinsatz in Ländern, in denen man uns nicht wollte und die nichts davon erfahren durften, dass wir dort waren.

Ich besitze ein Talent, kann einen UH-60 tanzen lassen, als wäre er mein eigener Körper, habe zudem das richtige Temperament dafür. So sehr, dass ich den Rufnamen Ice bekommen habe.

All das hat vor sechs Jahren, Anfang ’26, ein jähes Ende gefunden. Nicht bei einem heldenhaften Einsatz, sondern auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, als mich ein besoffener Idiot in einem gigantischen Pick-up überfuhr, als ich gerade meine Einkäufe in meinen Wagen packen wollte.

Er hat mich fast fünfzig Meter über den Asphalt geschleift, bevor sich mein zerstörter Körper endlich von dem Pick-up löste. Mein Vater behauptete nachher, dass jede andere dreimal gestorben und dass ich nur zu stur zum Sterben wäre.

Wahrscheinlich hat er mich damit aufmuntern wollen.

Was ich ihm nie gesagt habe, war, wie oft ich mir seitdem gewünscht habe, ich wäre an jenem Tag gestorben.

Ich höre es immer wieder.

Gemessen an dem, was mir geschehen ist, habe ich viel Glück gehabt.

Das ist es, was mir die Ärzte wiederholt gesagt haben. Keine schweren inneren Verletzungen, weil ich meine Uniform mit dem Körperpanzer getragen hatte, kaum Abschürfungen und nur ein paar Schrammen in meinem Gesicht. Beide Beine, beide Schlüsselbeine, die meisten Rippen und ein Arm gebrochen, außerdem eine Fraktur des Hüftknochens. Beim heutigen Stand der Medizin kein großes Problem.

Ach ja.

Bis auf die dreifach gebrochene Wirbelsäule.

Die definitiv ein Problem ist.

Ein paar Millionen im Lotto gewinnen, auf einer Südseeinsel herumliegen und mit den Beachboys flirten, das nenne ich Glück haben.

Während der letzten sechs Jahre habe ich nur meinen linken Arm und meinen Kopf bewegen können. Das war alles.

Ich hatte zudem noch das Glück, alleine und ohne Maschinen atmen zu können.

Glück.

Unter Glück haben verstehe ich etwas anderes.

Vor sechs Monaten begann sich mein Zustand weiter zu verschlechtern. Selbst die Ärzte wussten nicht so genau, warum, doch mein körperlicher Zustand verschlechterte sich mehr und mehr.

Ich habe gehört, wie eine der Krankenschwestern etwas zu ihrer Kollegin sagte. Dass mein Körper einfach aufgegeben hätte.

Eine Erklärung, so gut wie jede andere.

Tatsächlich bin ich der Meinung, dass es nicht mein Körper ist, der aufgegeben hat, sondern ich selbst.

Ich bin immer sehr aktiv gewesen, habe Herausforderungen geliebt, mich bei jeder Gelegenheit selbst getestet. Man braucht schon eine gewisse Form von Masochismus und die unerschütterliche Überzeugung, die Beste zu sein, um bei den Special Forces zu landen.

Ich gebe es zu, ich bin ein Adrenalinjunkie gewesen. Ich tat es nicht für mein Gehalt, ich tat es nicht aus Patriotismus, ich tat es, weil ich das Leben nur dann fühlte, schmeckte, roch, lebte, wenn es auf der Kippe stand.

Hätte man mich vor Jahren gefragt, hätte ich ernsthaft geantwortet, dass ich davon ausgehe, dass mein Leben in einem Feuerball irgendwo weit weg in einer gottverdammten Wüste ein Ende finden würde, ganz in der Nähe von einem Ort, von dem der allergrößte Teil der Menschheit noch nie etwas gehört hatte.

Auf eine Art, die mir posthum wahrscheinlich eine Medaille eingebracht hätte.

Zum größten Teil hilflos gelähmt in einem Krankenbett zu verrotten ist nicht, wie ich mir mein Leben oder mein Ende vorgestellt habe.

Es gab einen Hoffnungsschimmer für mich, doch er war so fern, so schwach, dass ich nicht daran glauben konnte.

Oder wollte.

 

Nerven regenerieren sich schlecht. Doch es gibt schon seit einigen Jahren erfolgversprechende Ansätze, die Regeneration von Nervenzellen zu beschleunigen, doch in der praktischen Anwendung braucht es zwei widersprüchliche Bedingungen dafür.

Zum einen müssen die Nervenzellen stimuliert werden, was etwas damit zu tun hat, den Nervenenden zu helfen, sich mit den richtigen Nerven zu verbinden, so in etwa wie ein Elektriker in einem Schaltkasten Kabel verlegt. Zum anderen aber ist es beim derzeitigen Stand der Wissenschaft absolut notwendig, dass sich der Patient über einen Zeitraum von Wochen und Monaten nicht einen Millimeter bewegt.

Etwas, das, beides zusammen, sich widerspricht, schlichtweg nicht möglich ist, selbst bei einem bewusstlosen Patienten.

Neuronale Schnittstellen gehören noch zu den Grenztechnologien, vor allem dazu entwickelt, Querschnittsgelähmten zu helfen, besser mit ihrer Umwelt interagieren zu können.

Doch auch außerhalb der Medizin gibt es Anwendungsgebiete dafür. So in der Spieleindustrie.

Dr. Jensen besitzt mehrere Doktortitel im Bereich der Biotechnologie und Kybernetik. Doch er ist nicht mein behandelnder Arzt.

Zuerst glaubte ich, er wäre der Leiter der Forschungseinrichtung von VR-Integrated Industries, dem zurzeit bedeutendsten Hersteller von VR-Spielen. Mittlerweile weiß ich, dass er weitaus mehr ist.

Vorena Online ist das Neueste dieser Spiele, ein RPG der vierten Generation und hat innerhalb weniger Wochen bei Millionen von Computerspielern wahre Begeisterungsstürme ausgelöst, vor allem durch die ausgefeilte Virtuelle Realität des Spiels.

Man kann es auf dem PC spielen, mit einem VR-Helm und/oder Anzug oder in einer der neuen Immersionskapseln.

Doch das ist VRI noch nicht genug. All diese Technologien funktionieren auf der Basis, den Körper des Spielers zu stimulieren. Diese Schnittstelle herauszunehmen, nicht den Körper, sondern das Gehirn direkt zu stimulieren, alle Sinne des Spielers mit dem Spiel zu verbinden, ist der logische nächste Schritt.

Fachleute gehen davon aus, dass es noch zehn bis zwanzig Jahre dauern wird, bis es so weit ist, Dr. Jensen und ich wissen es besser.

Jetzt wissen wir es besser. Doch als er mir das Angebot unterbreitet hat, hat er mich sehr deutlich auf die Gefahren hingewiesen.

Auf der anderen Seite habe ich auch nichts mehr zu verlieren gehabt. Zu diesem Zeitpunkt haben mir die Ärzte nur noch drei bis vier Monate gegeben.

Dr. Jensen hat sich meinen Respekt vor allem dadurch verdient, dass er geradezu brutal offen gewesen ist. Meine Chance, das Experiment zu überleben, hat er auf unter dreißig Prozent angesetzt.

Eine Chance von dreißig Prozent auf ein positives Ergebnis versus die hundertprozentige Gewissheit, die nächsten Monate nicht zu überleben?

Ich habe nicht lange gezögert.

 

»Wie viele?«, frage ich ihn jetzt, ohne ihn anzusehen.

Er schaut mich fragend an.

»Wie viele Fehlschläge gab es?« Es ist nicht das erste Mal, dass ich ihm diese Frage gestellt habe. Bisher hat er sie mir nicht beantwortet. Doch er hat versprochen, meine Fragen zu beantworten, wenn das Experiment erfolgreich ist.

Sein Lächeln schwindet. Einen Moment scheint er zu zögern, dann seufzt er. »Weniger, als du vielleicht vermutet hast.«

»Wie viele?«

»Fünfzehn.«

Er hat recht. Ich habe eine höhere Zahl befürchtet.

Dennoch.

Fünfzehn.

»Was geschah mit ihnen?«

Wieder zögert er, um sich dann einen Ruck zu geben. »Zwölf starben während der Operation. Drei kamen mit dem Interface nicht zurecht.« Er sieht meinen fragenden Blick. »Einer verlor seine intellektuelle Kapazität, ein anderer wurde wahnsinnig und der letzte unserer Probanden fiel in ein Koma, aus dem er bis jetzt noch nicht wieder erwacht ist. Doch jeder von ihnen brachte uns einen großen Schritt weiter. Ihr Opfer ist nicht vergebens gewesen.«

Fünfzehn Menschen, die sich in der gleichen oder ähnlichen Situation befunden haben wie ich und die gleiche Entscheidung getroffen haben. Die wie ich auf eine Karte gesetzt − und dabei verloren haben.

Ich weiß, warum sie es getan haben.

Es geht nicht nur um Heilungsaussichten für Querschnittsgelähmte. Oder um die Spieleindustrie.

Ein funktionierendes Neuronales Interface wird die Welt verändern. Dinge möglich machen, von denen man bislang nur hat träumen können. Gedankengesteuerte Maschinen. Oder Kampfhelikopter. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Etwas in der Art. Ein großer Schritt für die Menschheit.

Etwas, für das es sich lohnt zu sterben.

Nicht ganz meine Meinung, ich bin eher der Ansicht, dass es etwas ist, für das es sich lohnt zu leben.

Ein großer Schritt für die Menschheit. Und hehre Worte. Sie verlieren etwas die Bedeutung, wenn es dein eigener Arsch ist, der auf dem Spiel steht.

Ob es ihnen geholfen hat, dass sie für ein großes Ziel gestorben sind? Ich habe da meine Zweifel, aber das bin nur ich, ich tue schließlich nur so, als wäre ich patriotisch.

Dennoch.

Fünfzehn.

Und es ist keineswegs gesagt, ob ich nicht doch noch zu ihnen zählen werde, denn der entscheidende Test steht noch aus.

Der Langzeittest.

Mir ist im Moment viel zu deutlich bewusst, welche Risiken noch immer bestehen.

»Und jetzt?«, frage ich ihn.

Dr. Jensen weist in Richtung des Bachlaufes, der sich links von mir durch eine kleine Schneise zwischen den Bäumen hindurchschlängelt. »Wenn du die Lichtung verlässt, kommst du in die Charakterauswahl. Danach wird dich das Spiel dorthin bringen, wo es für dich am sinnvollsten ist. Ab dann steht dir Vorena offen wie jedem anderen Spieler.« Er lächelt verschmitzt. »Nicht ganz wie jedem anderen Spieler, Alexandra. Wir haben uns entschlossen, für dich einige Charakter-Klassen freizuschalten, die noch nicht für jeden zugänglich sind.«

Muss unwillkürlich lachen. »Also darf ich auch noch Betatester für euch spielen?«

»Nun«, sagt er mit einem feinen Lächeln. »Warum nicht den meisten Nutzen aus unserem kleinen Experiment ziehen? Doch du musst keine der neuen Klassen nehmen, wenn du nicht willst. Es wäre nur … nett.«

Nicke. Er hat recht. Warum nicht? Ich habe nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie viele Millionen Euro VRI in die Entwicklung des Neuralen Interfaces gesteckt hat, warum also nicht die Investition, also mich, für einen Betatest benutzen?

»Mach dir keine Sorgen, Alexandra«, fügt er rasch hinzu. »Der einzige Unterschied zwischen dir und einem anderen Spieler ist das Interface. Die Spielumgebung selbst ist bereits millionenfach getestet. Du besitzt zudem noch einen anderen Vorteil.«

»Welcher wäre das?«

Er lacht. »Kein Lag. Du bist über eine Glasfaserstrecke von weniger als fünfhundert Metern direkt mit unserem Hauptserver verbunden.«

Kein Lag. Das ist wenigstens etwas.

Schaue zu der kleinen Schneise hin, hinter der die Spielwelt auf mich wartet. »Sie halten ein Auge auf mich?«, frage ich Dr. Jensen.

Er nickt und zeigt strahlend weiße Zähne. »Davon kannst du getrost ausgehen.« Etwa zwei Dutzend ausgewiesene Fachleute, vermute ich, er hat ein ganzes Team darauf angesetzt, auszuwerten, wie ich mit der Virtuellen Realität interagiere. Die meisten werden Datenströme auswerten, doch ich werde keinen Schritt unbeobachtet tun können. Es ist ein Teil des Deals, den ich mit Dr. Jensen gemacht habe.

»Das Geheimnis von Askir«, »Die Götterkriege«, »Die Lytar-Chronik«
und »Die Eisraben-Chroniken« -
die High Fantasy Romane von Richard Schwartz in chronologischer Reihenfolge

»Askir« und »Götterkriege« hängen zusammen, spielen in derselben Welt und teilweise treten die gleichen Protagonisten auf. Trotzdem lassen sich die Reihen getrennt voneinander lesen.

»Askir« entstand vor den »Götterkriegen«.

Über Richard Schwartz

Richard Schwartz, geboren 1958 in Frankfurt, hat eine Ausbildung als Flugzeugmechaniker und ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolviert. Er arbeitete als Tankwart, Postfahrer und Systemprogrammierer und restauriert Autos und Motorräder. Am liebsten widmet er sich jedoch fantastischen Welten, die er in der Nacht zu Papier bringt – mit großem Erfolg: Seine Reihe um »Das Geheimnis von Askir« wurde mehrfach für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Zuletzt erschienen seine Sagas um »Die Götterkriege« sowie »Die Lytar-Chronik«.

»Dieses Herzblut spürt man auf jeder Seite«

Carsten Polzin, Programmleiter Piper Fantasy, über die Besonderheit von Richard Schwartz

»Von einem verschneiten Gasthof in ein riesiges magisches Reich, von einer kleinen Szene zum groß angelegten Fantasy-Epos –
Richard Schwartz versteht es, uns zu überraschen, zu faszinieren und uns mit seinen Figuren kämpfen, hoffen und leiden zu lassen. Die Helden und Gegenspieler aus seinen Romanen kann man nicht einfach zurücklassen. Sie begleiten einen noch lange nach dem Lesen. Und man fragt sich: Wie macht er das eigentlich? Sicher ist, dass die Menge an Energie, Selbstkritik und Perfektionismus, die er in seine Bücher steckt, außergewöhnlich ist. Denn Richard Schwartz ist darauf aus, den perfekten Roman zu schreiben. Und dieses Herzblut spürt man auf jeder Seite.«