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Die Krone von Lytar Die Krone von Lytar

Die Krone von Lytar

Die Lytar-Chronik 1

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Die Krone von Lytar — Inhalt

Ein Land ohne Herrscher. Eine Krone ohne König. Nur das Banner – ein Greif auf goldenem Grund – und eine Prophezeiung, sind alles was von Lytar übrig geblieben ist. Die einstige Hauptstadt des alten Reiches und seine große magische Macht wurden dem Erdboden gleichgemacht. Nur wenige überlebten und ihre Nachkommen glaubten sich im Laufe der Zeit von der Welt vergessen. Jahrhunderte später werden sie jedoch von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt und ihr Dorf brutal überfallen: Eine fremde Macht ist auf der Suche nach dem magischen Artefakt des alten Reiches, das den Legenden zufolge für dessen eigene Zerstörung verantwortlich war und über unsagbare Macht verfügen soll. Die Krone von Lytar. Auf Geheiß des Ältestenrates ziehen die Freunde Tarlon und Garret, die Halbelfin Elyra und der Zwerg Argor nach Lytar, um die Krone zu suchen. Doch was sie entdecken, verändert alles ... Der erste Band der »Lytar-Chronik«, vormals unter dem Pseudonym Carl A. DeWitt erschienen, liegt nun endlich komplett überarbeitet für alle Richard-Schwartz-Fans vor.


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€ 13,00 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 01.04.2016
560 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-28051-8
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.04.2016
560 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97370-0

Leseprobe zu »Die Krone von Lytar «

Prolog


»Es ist lange her, Exzellenz, aber wenn Ihr es wünscht, kann ich Euch die Geschichte der Krone erzählen.«
Lamar di Aggio, Gesandter des Reiches und Mitglied des Ordens von Seral, seufzte leise. Natürlich war er nicht den langen Weg geritten, um nun wieder umzukehren. Der alte Mann hatte sicherlich gehört, wie er nach jemandem gefragt hatte, der die alten Geschichten und Legenden kannte. Und wie er, Lamar, den Fehler begangen hatte, zu erwähnen, dass er extra deswegen hierher gereist war.
»Ich wünsche es. Was meint Ihr, weshalb ich Euch fragte? Es [...]

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Prolog


»Es ist lange her, Exzellenz, aber wenn Ihr es wünscht, kann ich Euch die Geschichte der Krone erzählen.«
Lamar di Aggio, Gesandter des Reiches und Mitglied des Ordens von Seral, seufzte leise. Natürlich war er nicht den langen Weg geritten, um nun wieder umzukehren. Der alte Mann hatte sicherlich gehört, wie er nach jemandem gefragt hatte, der die alten Geschichten und Legenden kannte. Und wie er, Lamar, den Fehler begangen hatte, zu erwähnen, dass er extra deswegen hierher gereist war.
»Ich wünsche es. Was meint Ihr, weshalb ich Euch fragte? Es wird Euer Schaden nicht sein.«
»Es ist eine lange Geschichte, mein Herr, und ich habe eine trockene Kehle, aber wenn Ihr vielleicht …«
Lamar sagte nichts, er gab nur dem Wirt ein Zeichen. Dieser eilte eifrig heran und schenkte ihnen beiden Wein ein. Während Lamar nur nippte, nahm der alte Mann einen tiefen Schluck aus seinem Becher und wischte sich den Mund mit einem nicht allzu sauberen Hemdsärmel ab, um dann zufrieden zu nicken.
»Guter Wein.«
Damit hatte er, zu Lamars eigener Überraschung, recht. Der Wein war wirklich gut. Nur war er nicht hier, um sich über Wein zu unterhalten.
»Erzählt mir von der Krone von Lytar, alter Mann. Ihr habt Euren Wein, also …«
»Gemach, es ist eine lange Geschichte und der Abend ist noch jung. Jedenfalls seid Ihr zum Richtigen gekommen, ich bin der Einzige, der Euch diese Geschichte erzählen kann, na, jedenfalls der Einzige, der noch lebt … hier, meine ich.« Er nahm einen weiteren tiefen Schluck.
»Nun, es fing alles hier an. Hier, damit meine ich, an dem Brunnen draußen auf dem Marktplatz. Habt Ihr ihn gesehen?«
»Er ist ja wohl kaum zu übersehen! Wofür braucht ein Kaff wie dieses einen solch großen Brunnen?«
»Hehe … wenn ich Euch das sagen würde, würde ich ein Geheimnis verraten, und das wollen wir doch nicht, oder?«
Lamar seufzte erneut. Laut. Tief und vernehmlich. »Euer Brunnen interessiert mich nicht. Alter Mann …«
»Gemach, gemach, wir sind doch schon mitten in der Geschichte.« Der alte Mann leerte seinen Becher mit einem Zug und hielt ihn hoch. Der Wirt warf Lamar einen fragenden Blick zu und dieser nickte ergeben. So wie er den alten Mann einschätzte, erschien es Lamar günstiger, ihm den Gefallen zu tun. Abgesehen davon, kostete der Wein nur ein paar Kupfer.
Als der Wirt kam, um dem alten Mann den Becher aufzufüllen, griff sich dieser einfach die Flasche und schenkte sich selbst ein, um dann die Flasche griffbereit auf dem Tisch stehen zu lassen, die Hände schützend um sie gelegt, als der Wirt nach ihr greifen wollte.
»Es ist eine lange Geschichte«, wiederholte er.
Lamar winkte ab und der Wirt verabschiedete sich mit einer leichten Verbeugung.
»Dann wäre es wohl angebracht, sie anzufangen«, gab Lamar zurück. Er klang, selbst für seine eigenen Ohren, etwas irritiert.
»Ich war gerade dabei … Ihr seid ungeduldig, mein Herr.«
Lamar sah ihn nur an.
»Es fing wirklich alles hier an. Dort an dem Brunnen, als Holgar, der Schmied, aus seiner Schmiede heraustrat. Das war zehn Tage vor dem Mittsommernachtsfest im Jahre der Herrin 2781.«
»Was soll das sein? Eine Jahreszahl?«
»Das ist die Art, wie wir hier die Jahre zählen, Herr«, antwortete der alte Mann mit einem Lächeln.
»In Ordnung.« Lamar holte tief Luft. »Und was für ein Jahr haben wir jetzt?«
»Warum? Es ist natürlich das Jahr der Herrin 2867.« Eine buschige Augenbraue hob sich fragend. »Ich dachte, die Zeit wäre überall gleich?«
»Ja. Richtig.« Lamar zwang sich zur Ruhe. »Erzählt einfach weiter.«
»Seht Ihr, damals erlaubte man den Händlern nur zum Sommerfest ins Tal zu kommen, und dann auch nur für vier Tage. Holgar hatte, da er der Schmied war, die Aufgabe, sich um unsere Pferde zu kümmern. Sie lebten frei, in den oberen Tälern, nahe der Eisenberge, aber schon vor langer Zeit beschlossen die Ältesten, dass man den Pferden ab und zu neues Blut zuführen sollte. Also besorgte sich Holgar im Jahr zuvor einen Zuchthengst von einem der Händler. Dies war eine Ausnahme, üblicherweise wurden die Pferde von uns gekauft, aber dieses Pferd war dem Händler zu wertvoll und er wollte sich nicht von ihm trennen. So kam man überein, dass der Hengst ein Jahr hierbleiben würde, für eine fürstliche Summe Goldes, wie ich anmerken darf, und der Händler ihn dann bei seinem nächsten Besuch wieder mitnehmen würde. Da nun das Sommerfest vor der Türe stand, begab sich Holgar in die oberen Täler, um das Pferd zu holen. Soweit seid Ihr mitgekommen?«
»Alter Mann, ich bin nicht schwer von Begriff. Und Ihr strapaziert meine Nerven mit Eurem Geschwätz. Kommt endlich zur Geschichte!«
»Herr, Ihr zahlt meine Zunge mit Wein, was wollt Ihr da erwarten?«
»Keine Frechheiten.« Lamar nahm nun selbst einen Schluck Wein, schloss die Augen und zählte langsam bis zehn. »Fahrt einfach in Eurer Geschichte fort.«
»Es ist der Wein, der meine Zunge fliegen lässt, manchmal in die falsche Richtung, aber habt Geduld mit mir, Herr, und trinkt etwas von dem Wein, er ist wirklich gut! Wirt, noch eine Flasche!«
Der Wirt eilte herbei und stellte die Flasche vor Lamar auf den Tisch und der alte Mann zog sie zu sich hinüber, stellte sie neben die andere. Lamar sah sich schon genötigt, deutlich zu werden, aber bevor er etwas sagen konnte, sprach der alte Mann bereits weiter.
»Gut, um zur Geschichte zurückzukommen, wie Ihr Euch sicherlich schon gedacht habt, Holgar suchte den Hengst vergebens. Da dies die Zeit vor dem Fest war und es nur noch ein paar Tage waren, bis die Händler kommen würden, hatte Holgar keine Zeit, hinter einem blöden Gaul herzulaufen, egal wie kostbar das Tier sein mochte. Aber jemand musste das Tier suchen, da Holgar ein Versprechen gegeben hatte, und Holgar war ein Mann, der seine Versprechen hielt. Also ging er des Mittags hinüber zu dem Brunnen, wo sich die Kinder und Heranwachsenden unseres Dorfes aufhielten und das machten, was die Jungen so allgemein tun, sie spielten, schubsten sich oder diskutierten lautstark über ihre Probleme und die Ungerechtigkeit der Welt. Vier junge Menschen standen etwas abseits und unterhielten sich über irgendetwas, die Götter alleine wissen, über was, aber das ist jetzt auch nicht wichtig, oder?« Der alte Mann sah Lamar fragend an.
»Ich glaube nicht«, gab dieser zur Antwort und ertappte sich dabei, die Augen zu rollen.
»Gut. Wo war ich? Ach ja … richtig. Nun, da sie die Ältesten hier waren, entschied sich Holgar, zu ihnen zu gehen und sie zu fragen, ob sie bereit wären, das blöde Biest für ihn einzufangen und zurückzubringen.
Da war zum einen Garret, ein langer, schlaksiger Bursche mit blondem Haar, wachen, grau-blauen Augen, einem strahlendem Lächeln und dem Talent, seine Arbeit auf die angenehmste Art zu verrichten, wie es ihm nur möglich war. In seinem Fall bedeutete dies nur allzu oft, dass er fischen ging. Garret war der Sohn des Bogenmachers, und er konnte seine Pfeile überall schnitzen. Auch beim Fischen. Man sagt, dass er zu diesem Zeitpunkt schon recht gute Pfeile machte. Wenn er denn welche machte. Er ging, wie gesagt, lieber fischen. Vielleicht weil die Eltern Nachbarn waren, konnte man ihn und den Sohn unseres Radmachers, Ralik Hammerfaust, so gut wie immer zusammen antreffen. Da Ralik ein Zwerg war, ist es sicherlich keine große Überraschung, dass auch Argor ein Zwerg war.«
»Nein, nicht wirklich. Aber fahrt fort. Ich bin fasziniert«, fügte Lamar bissig hinzu.
»Nun, Argor war ein ruhiger Junge, immer bereit, anderen zu helfen, und er war bereits eine große Hilfe für seinen Vater. Er hatte zudem ein Talent für Steinarbeiten, und obwohl er auch gerne Gedichte las, sagte niemals jemand etwas darüber. Schließlich hatte er große Hände.«
»Was hat das damit zu tun?«, fragte Lamar und biss sich auf die Zunge. Er hatte das nicht fragen wollen!
»Nun, Argor war ein lieber Junge, und er regte sich selten auf. Aber wenn man ihn ärgerte, ihn beispielsweise wegen seiner Gedichte hänselte, dann fand man schnell heraus, dass sein Familienname so etwas wie eine Warnung darstellte. Nun, wie auch immer, mit dabei war Tarlon. Tarlons Familie hatte mit Holzproduktion zu tun.«
»Nette Bezeichnung für einen Holzfäller.«
»Wenn Ihr es sagt, mein Herr. Dieser einfache Holzfäller war verantwortlich für unser Holz. Für unsere Wälder. Alle hier im Tal. Er entschied, wo geschlagen wurde, wo gepflanzt wurde und welches Holz für was Verwendung fand. Tarlon selbst war groß für sein Alter, fast erwachsen, sogar größer noch als Thomas, der Lehrling des Schmieds, mit breiten Schultern, fast selbst so gewachsen wie die Bäume, die er so liebte. Er hatte eine sorgfältige Art, die Dinge anzugehen. Er war nicht immer schnell, unser Tarlon, aber wenn er etwas tat, war es meistens richtig. Ich erinnere mich, dass er rotes Haar hatte wie die Flamme eines Lagerfeuers. Aber man zog ihn deshalb nie auf. Bis auf Garret natürlich. Aber der Junge konnte auch rennen, meine Güte, konnte Garret flitzen … was keine schlechte Idee war, wenn man Tarlon wirklich ärgerte. Tarlon hatte einen kleinen Tick, er legte immer einen kleinen Stein dorthin, wo der Baum hinfallen sollte, den er fällen wollte. In all seinen Jahren fiel niemals ein Baum daneben.«
»Beeindruckend«, sagte Lamar mit einem ironischen Unterton und nahm einen weiteren Schluck Wein.
»In der Tat«, stimmte der alte Mann zu. »Dann war da noch Elyra. Sie war die Tochter, nein, Stieftochter unserer Heilerin, der Sera Tylane. So etwa neunzehn Jahre vor dem Tag, an dem unsere Geschichte anfängt, stolperte eine Gruppe Händler über eine ausgebrannte Karawane und hörte die Schreie eines Kleinkindes. Sie fanden es begraben unter dem Körper seiner toten Mutter, und da sie auf dem Weg hierher waren und wussten, dass wir Kinder mögen, nahmen sie es mit. Sera Tylane war nur zu glücklich, die Kleine aufzunehmen und für sie zu sorgen und liebte sie wie ihre eigene Tochter. Elyra war damals noch ein zierliches Nichts von einem Mädchen, ruhig, aber bestimmt, richtig süß mit dieser Stupsnase, ihrem langen, rotblonden Haar und ihren kleinen, spitzen Ohren. Sie hatte immer diesen ernsthaften Ausdruck im Gesicht, stellte Fragen über Fragen und saß stets irgendwo in der Sonne, wo sie entweder in einem alten staubigen Buch las oder sich mit den Vögeln, Hasen oder Schmetterlingen unterhielt. Abgesehen davon, konnte sie auch noch großartig mit ihrer Schleuder umgehen.«
»Sie war ein Elf?«
»Halbelf, aber niemand interessierte sich für das, was sie war. Sie war Elyra, eine von uns, und damit war alles in Ordnung.«
»Das waren also die vier jungen Menschen, die Holgar fragen wollte. Und Ihr, alter Mann, wo wart Ihr?«
»Irgendwo. Ich bin nicht wichtig.«
»Hhm.«
»Wie auch immer, Holgar fragte unsere Freunde, ob sie bereit wären, sich auf die Suche nach seinem Pferd zu begeben. Da dies die Tage vor dem Sommerfest waren und ihre Eltern mehr als genug für sie zu tun fanden, hielten sie es für eine gute Idee, Holgar diesen Gefallen zu tun. Und wie Garret sagte, irgendwo auf der Strecke gab es bestimmt die Möglichkeit zu fischen.«
»Das blöde Pferd ist in die Richtung von Alt Lytar abgehauen«, sagte der Schmied und runzelte mächtig die Stirn. »Fragt mich nicht, warum es das tat, aber es kann einfach nicht so blöde sein und noch weiter laufen. Selbst ein Pferd kann nicht so blöde sein.«
»Das bedeutet, dass wir uns in die Nähe der alten Stadt begeben müssen?«, fragte Tarlon in seiner sorgfältigen Art.
»Sieht so aus, nicht wahr?«, sagte Garret und grinste von einem Ohr zum anderen. »Ich wollte schon immer wissen, wie gut man da jagen kann!«
»Niemand wird nahe der alten Stadt jagen«, sagte der Schmied bestimmt und sah Garret durchdringend an. »Irgendwie sind alle Tiere dort krank, und wenn man sie isst, wird man selbst krank und stirbt. Elendig. Keine Jagd dort. Schau mich an und hör mir diesmal zu, Garret, ich meine es ernst! Ihr dürft dort nicht jagen!«
Garret runzelte die Stirn, sagte aber nichts, als der Schmied ihn weiterhin ansah, nickte er schließlich doch.
»Nun, wenn der Gaul nach Alt Lytar abgehauen ist, ist das ein Marsch von fünf Tagen«, sagte Argor. »Ich geh wohl besser und pack ein paar Sachen zusammen.«
»Vielleicht finde ich ein paar Kräuter auf dem Weg«, sagte Elyra freudestrahlend. »Ich werde Mutter fragen, ob sie irgendwelche Kräuter braucht!«

»Wie Ihr sehen könnt, Herr, waren es nette junge Menschen.«
»Ja, alter Mann, die nettesten der Reiche. Ganz sicher. Erzählt einfach weiter.«

 

 


1 Ein Sommerspaziergang


Elyra hatte befürchtet, dass sie sich während der Reise langweilen würde. Sie mochte die anderen und war auch gerne mit ihnen zusammen, aber sie hatten einfach nicht die gleichen Interessen. Außerdem war sie nicht immer in der Stimmung, sich zu unterhalten. Also begab sie sich zu dem kleinen Haus hinter dem Gasthof, wo wir schon immer die Bücher des Dorfes aufbewahrten, und suchte in den alten Texten, Büchern und Folianten, bis sie etwas Interessantes entdeckte. Die Buchstaben waren seltsam und sie verstand die Sprache nicht, aber es gab Bilder in dem Buch, die sie auf Anhieb faszinierten. Also entschloss sie sich, das Buch mitzunehmen. Eines der Bilder, das sie besonders interessierte, war von einem jungen Mann, der in der Luft über einem Brunnen schwebte und eine Krone hochhielt, während eine lächelnde Menschenmenge um ihn herum versammelt war.
Sie brauchten nicht lange, bis sie aufbrachen, alle vier waren es gewöhnt, durch das Tal zu wandern, also hatten sie mehr oder weniger alles griffbereit, was sie brauchten. Sie trugen ihre Rucksäcke und ihre Waffen. Garret trug seinen Bogen und zwei Köcher voller Pfeile, Tarlon ebenfalls einen Bogen und seine große, zweiblättrige Holzfälleraxt, auf die er so stolz war, und Argor trug seine Armbrust und seinen Hammer. Elyra hatte nur ihre Schleuder und einen Beutel mit glatten Steinen dabei, aber sie nahm auch ihre eigenen Kräuter und Salben mit.
»Vielleicht fällt einer von uns hin und verletzt sich«, sagte sie ernsthaft, als Garret zweifelnd ihren Rucksack ansah. Er schien ihm viel zu schwer für sie. »Ich habe einfach alles mitgenommen, was wir in einem solchen Fall brauchen könnten.«
»Dagegen kann man wenig einwenden«, meinte Tarlon bedächtig und nickte zustimmend. »Man kann ja nie wissen.«
Garret sah sich den Rucksack seines Freundes an, er war sicherlich so groß wie die der drei anderen zusammen, aber er verkniff sich zu fragen, was Tarlon wohl alles dabeihatte. Er wusste, was sein Freund antworten würde. »Dies und das.«
Von allen hatte Garret den leichtesten Rucksack. Etwas Brot und Käse, ein paar Angelschnüre. Mehr, dachte er, würde er nicht brauchen. Schließlich war er oft genug alleine im Tal unterwegs und wusste, wie man sich von den Gaben der Götter ernähren konnte. Außerdem gab es immer Hasen, die darauf bestanden, vor seine Pfeilspitzen zu laufen.
Es war ein warmer Sommertag mit blauem Himmel, kein Wölkchen war zu sehen und es ging ein leichter, angenehmer Wind. Man konnte sich kaum einen besseren Tag für eine solche Reise vorstellen. Aber es wurde bald klar, dass Elyra tatsächlich zu viel eingepackt hatte, wenigstens für ihre Größe. Tarlon bot an, etwas von ihrer Last zu übernehmen, widerwillig stimmte sie zu, und dann ging die Reise weiter.
An diesem ersten Tag geschah nicht viel. Die Freunde genossen den schönen Tag, diskutierten darüber, aus welchen Gründen Pferde so blöde sein konnten, und machten sich weiter keine Gedanken.
Kurz bevor die Sonne unterging, entschieden sie sich, einen Rastplatz zu suchen, und fanden bald auch einen angenehmen Ort für das Nachtlager. Sie zündeten ein Lagerfeuer an, Garret hatte ein paar frische Fische dabei, die sie sich über dem Feuer grillten, und so legten sie sich zufrieden und satt in ihre Decken und schliefen den Schlaf der Gerechten. Keiner von ihnen dachte auch nur ansatzweise daran, eine Wache aufzustellen.
»Das war dämlich!«
»Sie lernten es noch.«
Garret, der ein Talent für solche Dinge hatte, fand am nächsten Morgen ohne Schwierigkeiten die Spur des Pferdes. So wie es aussah, war es verletzt und hinkte, die Spur war leicht zu erkennen.
»Woher willst du wissen, dass es unser Pferd ist?«, fragte Elyra.
»Ich habe seine Spuren schon einmal gesehen. Letztes Jahr«, erklärte Garret. »Ich vergesse so etwas nicht.«
Für Garret war die Spur leicht zu verfolgen, und so taten sie genau das während der nächsten zwei Tage, ohne dass etwas geschah, das ihre besondere Aufmerksamkeit erregte. Schließlich erreichten sie den Waldrand der Wälder um das alte Lytar. Das Pferd war müde, erklärte ihnen Garret und sah auf die Spuren herunter, die nun frischer waren.
»Kein Wunder«, bemerkte Argor. »Dieses Herumgerenne hat mich ebenfalls müde gemacht.«
»Du hast kurze Beine«, erklärte Tarlon ihm freundlich. »Du musst rennen, ich gehe nur.«
»Danke«, sagte Argor und warf Tarlon einen undeutbaren Blick zu. »Das wäre mir sonst nie aufgefallen.«
Holgars Warnung war ihnen noch gut in Erinnerung, also näherten sie sich dem Wald vorsichtig. Es gab überall Wald um Lytara, ihr Heimatdorf. Jeder von ihnen kannte die Wälder, keinem von ihnen waren die Wälder ungewohnt, aber dieser Wald hier, der war seltsam.
»Dieser Wald macht mich nervös«, erklärte Garret, als sie tiefer hineindrangen. Die anderen nickten nur.
»Jetzt weiß ich wirklich, wie sehr ich Vögel liebe«, sagte Elyra leise. »Sie fehlen mir.«
»Ich weiß genau, was du meinst«, antwortete Tarlon und verschob unruhig das Gewicht seiner Axt auf seiner Schulter. Erst jetzt fiel den anderen auf, dass es hier keine Vögel gab, nicht mal aus der Ferne war ein Zwitschern zu hören.
Dennoch folgten die Freunde der Spur des Pferdes tiefer in den Wald, bis sie den Rand einer Lichtung erreichten.
Dort blieben sie wie gebannt stehen und starrten auf das, was sich ihren überraschten Blicken zeigte.
»Hhmpf. Sieht so aus, als hätten wir das Pferd gefunden«, stellte Argor schlussendlich fest.
»Sieht so aus«, stimmte Tarlon zu und nahm seine Axt fester in die Hand.
»Das wird Holgar gar nicht gefallen«, meinte Garret und nahm seinen Bogen von der Schulter, um einen Pfeil auf die Sehne zu legen.
»Das ist eklig«, brachte Elyra mit Überzeugung hervor.
Vorsichtig gingen sie näher. Es war gerade genug übrig von dem Pferd, um es noch als solches zu erkennen, aber das meiste von ihm war verschwunden, der größte Teil war sauber knapp hinter den Schulterblättern des Tiers abgetrennt.
»Ich frage mich, was hier wohl passiert ist«, sagte Tarlon langsam und sah sich sorgfältig um. Der Waldrand war ruhig, nichts regte sich. Es war ihm zu ruhig.
»Sieht aus, als ob jemand etwas von unserem Pferd abgebissen hat.« Garret musterte eine tiefe Furche im Boden.
»Hier ist noch eine.« Tarlon wies auf eine weitere, parallel verlaufende Furche hin. Beide Furchen liefen auf das Pferd zu und endeten kurz vor dem Kadaver. Im weiten Umkreis war das Gras mit Blut bespritzt, und das Pferd selbst lag in einer Pfütze aus seinem eigenen Blut. Das Blut wurde bereits schwarz, und Unmengen von Fliegen stoben auf, als Garret näher herantrat.
»Sieht wirklich wie abgebissen aus«, stellte Garret fest. »Aber was kann einem Pferd ein solches Stück abbeißen?«
»Ich glaube, es ist nicht mehr als zwei oder drei Stunden her.« Tarlon lehnte sich bedächtig auf den Stiel seiner Axt. »Und das bedeutet, dass das, was auch immer es ist, noch in der Nähe sein könnte.«
»Ich höre noch immer keine Vögel«, flüsterte Elyra. Sie hatte ihre Schleuder in der Hand und auch ihre Augen suchten nervös den Waldrand ab. »Ich will hier nicht bleiben.«
Sie sah, dass Argor an ihr vorbei mit starren Augen nach Westen sah. »Argor?«
»Ich glaube, ich sehe, was unser Pferd gefressen hat«, stieß dieser hervor, gerade als Elyra seinem Blick folgte. »RENNT!«

Die Dringlichkeit in der Stimme des Zwerges war deutlich genug. Ohne zu zögern, rannten sie einfach los, folgten dem Zwerg, der überraschend schnell sprinten konnte, und warfen sich mit ihm zusammen am Waldrand in den Schutz des dichten Unterholzes. Keine Sekunde zu früh. Auf Garrets fragenden Blick hin zeigte Argor nur mit dem Finger nach oben, dann ging ein Lufthauch durch die Bäume über ihnen … und sie sahen es.
»Göttin, steh uns bei!«, flüsterte Garret ehrfürchtig. Über ihnen kreiste das unheimlichste Tier, das sie jemals gesehen hatten. Es sah aus wie eine Echse, aber es hatte Flügel und war so groß wie ein Haus.
»Ich glaub das nicht.« Selbst Tarlon klang beeindruckt. »Es hat einen Reiter.« Die anderen sagten nichts mehr, sie starrten nur stumm nach oben, hinauf zu dem Schauspiel über ihnen. Das Biest war geschuppt und seine Schuppen waren rot, von dem hellen Rot einer offenen Flamme bis hin zu dem dunklen Glühen von Metall. Auf Nase und Stirn trug es Hörner, die länger waren als Tarlon. Hinter seinem Nacken war ein seltsamer Sattel angebracht und darauf saß ein Mann in einer schwarzen Plattenrüstung. Er sah auf dem Rücken des massiven Biests wie eine Spielzeugpuppe aus. Das Biest besaß vier mächtige Läufe mit riesigen Pranken, an denen Krallen ein- und ausfuhren wie bei einer Katze. Die mächtigen Flügel, die in weitem Umkreis das Laub aufwirbelten und die Bäume schwanken ließen, waren wie die einer Fledermaus und schienen im Licht der Sonne blutrot zu schimmern.
»Es ist wunderschön!«, hauchte Elyra.
»Verdammt, es hat uns gesehen!«, rief Argor. »Weg hier!«
Aber bevor sie irgendetwas tun konnten, zog das Biest majestätisch einen Kreis und schoss im Tiefflug über sie hinweg, die Wucht der mächtigen Flügelschläge fast stark genug, um die Freunde in den Boden zu drücken. Und über dem dumpfen Wooop-Wooop der Flügelschläge war, fern, aber klar, das Lachen des Reiters zu hören. Ein Schatten flog über sie … dann waren das Biest und sein Reiter über sie hinweg und das Geräusch der mächtigen Flügel verlor sich im Wald hinter ihnen.
»Ich dachte, das wäre es gewesen«, meinte Argor und kratzte sich am Hinterkopf. »Götter, ist das Vieh groß!«
»Psst!«, zischte Elyra. »Nicht, dass es uns hört.«
»Es ist weg«, erklärte Tarlon, aber dennoch verharrten sie eine Weile unter den Büschen. Doch Tarlon hatte recht, das Biest kam nicht wieder.
Tarlon erhob sich und klopfte seine Kleider ab. »Was, bei den sieben Höllen, war das?«, fragte er dann. So leise, dass es durchaus sein konnte, dass er lediglich zu sich selbst gesprochen hatte.
»Ich glaube, wir haben soeben unseren ersten Drachen gesehen«, antwortete Garret und stand ebenfalls auf. Er sah stirnrunzelnd zu dem leeren Himmel über ihnen hinauf.
Argor stand nun auch auf und hielt Elyra die Hand hin, um ihr beim Aufstehen zu helfen, dann blickte er auf den Kriegshammer in seiner Hand und wieder hinauf in den Himmel. Argor sagte nichts, nur sein Blick war sehr, sehr nachdenklich.
»Drache?«, fragte Elyra ungläubig. Ihre Augen waren kugelrund und sie war kreidebleich. Damit war sie nicht alleine, keiner der Freunde konnte wohl in diesem Moment eine gesunde Gesichtsfarbe sein Eigen nennen.
»Erinnerst du dich an letzten Sommer? Die Sera Bardin erzählte uns eine Geschichte über solch ein Biest«, erklärte Garret. »Ich glaube wirklich, es war ein Drache.«
»Ich dachte immer, das wären einfach nur Geschichten.« Elyra sah sich um und fing dann an zu lächeln. Sie hielt eine Hand an ihren Mund und ein Vogelruf erschallte, aus einem Baum nicht weit von ihnen antwortete ein Spatz, er klang ganz aufgeregt. Elyras Lächeln wurde breiter und sie atmete erleichtert auf. »Die Vögel sind wieder da«, teilte sie den anderen erfreut mit. »Das Biest ist wahrhaftig weg!«
»Es ist spät geworden«, stellte Tarlon fest. Er sah missbilligend zu dem Pferdekadaver hinüber. »Das Pferd ist hinüber. Wir haben hier nichts mehr verloren und sollten zusehen, dass wir diesen Wald verlassen, bevor die Sonne untergeht. Ich traue diesem Wald nicht. Egal ob die Vögel wieder singen oder nicht, irgendetwas ist hier nicht in Ordnung. Ich will auf keinen Fall in diesem Wald übernachten.«
»Nun«, antwortete Garret, »wenn wir es eilig haben, ist die alte Handelsstraße wahrscheinlich die beste Wahl. Sie kann nicht weit entfernt sein.« Seitdem sie Kinder waren, hatte man sie immer davor gewarnt, in die Nähe der alten Stadt oder der Straße zu kommen. Aber Garret hatte recht. Die alte Handelsstraße führte zwar weiter durch den Wald, verlief danach aber über die alte Zollbrücke und verkürzte so ihren Rückweg erheblich.
»Auf der Straße können wir die Nacht durchmarschieren«, fügte er hinzu. Er klopfte seine Kleider ab und steckte seinen Pfeil wieder zurück in den Köcher.
»Glaubst du wirklich, dass du das Vieh damit hättest verletzen können?«, fragte Argor zweifelnd.
Garret sah zu ihm hinunter und grinste breit. »Ich hätte es versucht!«

Richard Schwartz

Über Richard Schwartz

Biografie

Richard Schwartz, geboren 1958 in Frankfurt, hat eine Ausbildung als Flugzeugmechaniker und ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolviert. Er arbeitete als Tankwart, Postfahrer und Systemprogrammierer und restauriert Autos und Motorräder. Am liebsten widmet er sich jedoch...

Pressestimmen

phantastik-couch.de

»Die Mischung aus Rätseln und Magie stimmt, die jugendlichen Protagonisten bieten gerade für den unbedarften Leser ideale Identifikationsmöglichkeiten.«

Fragen und Antworten zu Richard Schwartz
Sie haben Fragen zum Autor? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Gibt es ein neues Buch von Richard Schwartz?
Die aktuelle Neuerscheinung von Richard Schwartz »Das Blut der Könige« ist im November 2017 erschienen. Das Buch íst der dritte Teil der Lyatar-Saga und das erste Buch der Reihe, welches Schwartz nicht unter seinem Pseudonym »Carl A. DeWitt«, sondern unter dem Namen Richard Schwartz verfasste.
Gibt es Hörbücher von Richard Schwartz?
Bisher sind 17 Teile exklusiv bei audible erschienen. Es handelt sich dabei um vollständige Lesungen der deutschen Taschenbücher. Gelesen werden die Bücher von Michael Hansonis.
Besitzt Richard Schwartz eine eigene Homepage?
Nein, aber man findet auf: https://www.piper.de/autoren/richard-schwartz-1451 Informationen zum Autor.
Welche Bücher sind ähnlichen zu den Romanen von Richard Schwartz?
Wenn Ihnen die Bücher von Richard Schwartz gefallen haben, dann könnten Ihnen auch die Fantasy-Bücher von Brandon Sanderson, Alexey Pehov oder Michael Peinkofer gefallen.
Gibt es eine Fortsetzung zu den »Götterkriege«?
Vielleicht. Es gibt viele Ideen für eine Weiterführung der Reihe.
In welcher Reihenfolge soll man die Bücher von Richard Schwartz lesen?
»Askir« und »Götterkriege« hängen zusammen, spielen in derselben Welt und teilweise treten die gleichen Protagonisten auf. Es sollte mit Askir begonnen werden. Trotzdem lassen sich die Reihen getrennt voneinander lesen.

Kommentare zum Buch

Endlich
uli & phil am 23.11.2015

Geduld lohnt sich, jetzt warten wir nur noch auf den dritten Teil!

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