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So sterben wirSo sterben wir

So sterben wir

Unser Ende und was wir darüber wissen sollten

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So sterben wir — Inhalt

Was passiert, wenn wir sterben?

Was passiert mit deinem Körper, wenn du stirbst? Was fühlst du – Trauer, Schmerz? Und dann, wenn dein Herzschlag verstummt ist? Was geschieht mit deinem Leichnam, bis du bestattet wirst? Wie wird man um dich trauern?

Sterben, Tod und Trauer sind unumgänglich, für jeden von uns. Und doch wissen wir kaum etwas darüber. Roland Schulz findet Worte für das Unbeschreibliche und gibt Antworten auf die tiefsten Fragen des Lebens.

 »Tage vor deinem Tod, wenn noch niemand deine Sterbestunde kennt, hört dein Herz auf, Blut bis in die Spitzen deiner Finger zu pumpen. Wird anderswo gebraucht. In deinem Kopf.«

Mit diesen Worten nimmt Roland Schulz den Leser mit auf die letzte Reise. Eindringlich beschreibt er, was wir während unserer letzten Tage und Stunden erleben. Er verfolgt die Reise des Körpers von der Leichenschau bis zur Bestattung und fragt schließlich, was Sterben und Tod für diejenigen bedeutet, die zurückbleiben: Wie trauern wir – und wie können wir weiterleben

Ein aufwendig recherchiertes Buch, kraftvoll und voller Menschlichkeit.

€ 20,00 [D], € 20,60 [A]
Erschienen am 15.10.2018
240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-05568-0
€ 17,99 [D], € 17,99 [A]
Erschienen am 15.10.2018
240 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99210-7

Leseprobe zu »So sterben wir«

Sterben

Tage vor deinem Tod, wenn noch niemand deine Sterbestunde kennt, hört dein Herz auf, Blut bis in die Spitzen deiner Finger zu pumpen. Wird anderswo gebraucht. In deinem Kopf. Im Kern deines Körpers, wo deine Lunge liegt, dein Herz, deine Leber. Auch aus den Zehenspitzen zieht sich das Blut zurück. Deine Füße werden kalt. Dein Atem verflacht. Die Sinne schwinden. Dein Körper leitet den Abschied vom Leben ein.

Später, wenn der Arzt den Totenschein ausfüllt, wird es so aussehen, als wäre dein Sterben einem streng geregelten Ablauf gefolgt, amtlich [...]

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Sterben

Tage vor deinem Tod, wenn noch niemand deine Sterbestunde kennt, hört dein Herz auf, Blut bis in die Spitzen deiner Finger zu pumpen. Wird anderswo gebraucht. In deinem Kopf. Im Kern deines Körpers, wo deine Lunge liegt, dein Herz, deine Leber. Auch aus den Zehenspitzen zieht sich das Blut zurück. Deine Füße werden kalt. Dein Atem verflacht. Die Sinne schwinden. Dein Körper leitet den Abschied vom Leben ein.

Später, wenn der Arzt den Totenschein ausfüllt, wird es so aussehen, als wäre dein Sterben einem streng geregelten Ablauf gefolgt, amtlich festgehalten im vertraulichen Teil deines Totenscheins, Blatt 1, Absatz I, Zeilen a) bis c). Aber das stimmt nicht. Dein Sterben ist ein Prozess voller Dynamik, so einzigartig wie dein Leben. Jeder Mensch erlebt diesen Prozess auf seine eigene, einmalige Weise. Erst danach, wenn du tot bist, lässt sich dein Sterben in drei Stufen staffeln, die der Arzt in den Totenschein einträgt.

Wenn dein Arzt ein Siebengescheit ist, wird er dein Sterben im ICD-Code abfassen, den Kürzeln aller Krankheiten weltweit. Vielleicht bist du eine J-18er-Lungenentzündung, wie Guido Westerwelle. Vielleicht ein Krebsfall der Kategorie C-22, wie David Bowie.

Wenn dein Arzt ein Simpel ist, wird er dein Sterben in Schlagworten abhandeln, die auf alle zutreffen. Vielleicht erfasst er dich als Atemstillstand. Am Ende steht jeder Atem still. Vielleicht als Herz-Kreislauf-Versagen. Am Ende versagt jedes Herz.

Wahrscheinlich aber wird er einfach die Kette der Krankheiten anführen, die dir den Tod brachte: von der unmittelbaren Todesursache vor wenigen Stunden über ihren Auslöser vor Monaten bis zum Grundleiden vor vielen Jahren. Aus Sicht der Statistik hat dein Sterben damals begonnen.

Du erinnerst dich sicher daran. Die Herzsache damals. Die Krebsdiagnose. Dieser dumme Sturz. Wie die Ärzte darüber redeten, war klar: Ist etwas Ernstes diesmal. Sie versprachen, es in den Griff zu kriegen. Sie hielten Wort, wie sie dein Leben lang Wort gehalten und dich geheilt hatten, bei jeder Krankheit, jedem Fieber, jedem Bruch. Sie schickten dich heim, und für ein Jahr oder fünf war es wieder gut. Aber jetzt liegst du hier, der Schwarm in weißen Kitteln war schon da, und auch wenn niemand deine Prognose in den Mund genommen hat, wird dir klar, wie es um dich steht. Du hast Angst.

 

Über Sterben ist schwer sprechen. Es lohnt sich aber, sagen die Spezialisten, die dem Sterben nahestehen. Sie waren anfangs skeptisch, als sie von der Idee dieses Buches hörten: Sterben, Schritt für Schritt? Sterben folgt keinem Fahrplan, sagten sie. Sterben ist dynamisch, Sterben ist komplex. Das beginnt schon mit dem Begriff. Sterben ist Teil des Lebens. Tod, das ist danach. Sie empfahlen Studien, Aufsätze, Statistiken. Dann erzählten sie doch, alte Ärzte und junge, Professorinnen der Palliativmedizin, Hospizleiter, Hospizhelfer, Pfleger, erfahren in tausenden Toden – weil sie ein Erlebnis aus ihrer Arbeit mit Sterbenden eint: Schmerzlicher als Sprechen ist Schweigen.

Deine Angst ist natürlich. Manche Forscher meinen, wir Menschen sind auch deswegen denkende Wesen geworden, weil wir uns lebenslang bemühen müssen, unsere Sterblichkeit zu leugnen. Das kennst du. Sterben? Das betraf dich nicht. Das war weit weg. Der Tod, das bedeutete immer den Tod der anderen, nie deinen eigenen. Auf diese Art hast du, wie wir alle, außer Acht gelassen, was uns gewiss ist: Wir werden alle sterben – aber wissen nicht, wann. Du weißt es jetzt. Bald.

Sterben zu schildern, birgt eine Gefahr: Wer Sterben zu erklären sucht, erzeugt – ob er will oder nicht – ein Gefühl des Wissens und damit der Kontrolle. Das, warnen Wissenschaftler, ist eine Illusion. Keiner kann wissen, was im Tod ist. Im Sterben stoßen der Verstand, das Denken, die Vernunft an ihre Grenzen: Da gibt es keine Gewissheiten mehr. Sicher ist jedoch: Sterben ist genau das Gegenteil von Kontrolle. Nicht lange, und du wirst die Hoheit über Körper und Geist vollkommen verlieren, unwiderruflich.
 

Fragen drängen sich in deinen Sinn; was nun, warum ich, wann genau, wie denn. Ärzte, die vielen Sterbenden zur Seite standen, sind am Anfang vorsichtig mit Antworten. Sie stellen lieber selber Fragen. Wie sehen Sie Ihre Situation? Was wissen Sie über Ihre Krankheit? Was haben Sie für ein Gefühl, wie geht es weiter? Was wäre, wenn es nicht so kommt? So stupsen sie dich, sachte, ganz sachte, und du kannst entscheiden, wie weit du der Wahrheit entgegentreten willst. Es gibt Kranke, denen wäre die volle Wahrheit zu viel. Es gibt Kranke, die wollen alles wissen. Ärzte und Pfleger auf Palliativstationen antworten daher nach einer Faustformel: Alles, was sie dir sagen, muss aufrichtig, muss wahrhaftig sein. Aber nicht zwingend gleich die ganze Wahrheit.

Du kannst jedoch jederzeit danach fragen. Das Wissen darum kann befreien. Schwerstkranke scheinen oft von einem Schweigen umstellt, das gegenseitiger Rücksichtnahme entspringt, der des Kranken wie der Gesunden:

… ich kann das den Kindern nicht zumuten …

… wir dürfen Mama damit nicht belasten …

… ich will ihnen nicht zur Last fallen …

… wir müssen Papa schonen …

… das ertragen sie nicht …

… das hält er nie aus …

 

Sehr häufig, dieses Phänomen. Sich beidseits schonen, um jeden Preis. Speziell, wenn es ans Sterben geht. Es gibt eine Geschichte dazu, die Ärzte in so vielen Spielarten erzählen, dass sie wie eine Fabel wirkt, obwohl sie sich wahrhaftig so zugetragen hat, jedes Mal. Sie handelt von einem Ehepaar.

Sie liegt drinnen auf dem Bett und flüstert: »Ich spüre es, ich werde sterben – aber sagen Sie das auf keinem Fall meinem Mann!«

Er steht draußen vor der Tür und sagt: »Meine Frau wird sterben, ich merke das – bitte sagen Sie ihr bloß nicht, wie ernst ihre Lage ist!«

Sie haben in der Medizin einen schönen Begriff gemünzt für diese Strategie: barmherzige Lügen. Solche Lügen bringen nichts. Auch die anderen Ausweichmanöver sind nutzlos, Aussitzen, Weglaufen, Schönreden. Sie funktionieren nicht; nicht beim Sterben.

[...]

Roland Schulz

Über Roland Schulz

Biografie

Roland Schulz, geboren 1976 in München, arbeitet für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Seine Reportagen wurden mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnet, unter anderem dem Theodor-Wolff-Preis und dem Deutschen Reporterpreis.

Medien zu »So sterben wir«



Pressestimmen

Frankfurter Rundschau

»Ein ungewöhnliches Buch, anziehend und abstoßend, aber vor allem unheimlich interessant. (…) Man merkt nach ein paar Seiten, dass ›So sterben wir‹ so, wie es ist, genau richtig ist. Grenzüberschreitend, aber nicht im Spekulieren, sondern in der Weitergabe von Dingen, über die nicht jeder ständig nachdenken will.«

Deutschlandfunk Kultur „Buchkritik“

»›So sterben wir‹ ist ein furchtbares und ein grandioses Buch. Ich habe es nicht gerne gelesen, bin aber heilfroh, es gelesen zu haben.«

Die Rheinpfalz

»Roland Schulz hat sich auf Spurensuche begeben, bei Medizinern, Bestattern, Seelsorgern, Hinterbliebenen. Ein unaufgeregtes Buch – und gerade darum so eindringlich.«

MDR Kultur

»Der Journalist Roland Schulz hat für sein Buch ›So sterben wir‹ akribisch recherchiert, was in der Zeit vor dem Tod mit Körper und Geist passiert. Dabei schreibt er schonungslos und spricht den Leser ganz direkt an: ›Es ist DEIN letzter Atemzug‹. Das ist hart - und wichtig zugleich.«

F.A.Z.

»Roland Schulz hat sich der Welt des Sterbens umgesehen und erstaunliche Funde gemacht. Wer wissen möchte, was sie alles bereithält, ist mit diesem Führer zum Antritt der letzten aller Reisen gut beraten.«

Domradio

»In seinem Buch ›So sterben wir‹ leuchtet Roland Schulz beeindruckend weil hautnah die letzten Tage vor und die Tage und Wochen nach dem Tod aus (…). Das Besondere an dem Buch, Schulz spricht den Leser direkt an und macht uns klar, wir sind es, die sterben werden. Dabei schreibt er sehr respektvoll über ein Thema, dem wir uns nur behutsam annähern können, denn komplett begreifen werden wir Sterben und Tod nie.«

P.M.

»Roland Schulz beschreibt den Prozess des Sterbens, der oft von den Betreffenden unbemerkt schon viel früher beginnt, als man von außen wahrnehmen kann, mit einer beeindruckenden nüchternen Präzision. (…) Es ist ungewohnt, all das so zu lesen, es bringt einen an seine Grenzen. Schulz hat mit diesem Buch seine vielfach preisgekrönte Reportage ergänzt und erweitert, unter anderem um kluge Kapitel zur Bedeutung der Trauer. Ein besonderes Buch!«

therapeutic-touch-bartholomay.com

»Er hat das kleine Wunder vollbracht, dieses tabubelegte Thema ganz nüchtern, praktisch und pragmatisch und dennoch sehr einfühlsam, tiefgründig und berührend zu beschreiben.«

Westfälische Rundschau

»Wie jeder gute Reporter mischt Schulz Augenzeugenbericht mit Fakten, die mal haarsträubend sind, mal randständig, aber immer aufschlussreich.(…) Eindringlich wird seine Beschreibung dadurch, dass er den Leser anspricht, als sei er es, der jetzt sterbe.«

schreiblust-leselust.de

»Sprachlich zieht Schulz alle Register. Ihm gelingen poetische Beschreibungen; eindringliche Wiederholungen bestimmter Passagen illustrieren das immerwährende Wachsen und Vergehen von Generationen. An manchen Stellen habe ich beim Lesen gelächelt, an einigen geweint, weil mich der Text so berührt hat (…).«

Hannoversche Allgemeine Zeitung

»Roland Schulz hat ein erstaunlich spannendes Sachbuch über Tod und Sterben geschrieben. Der Leser wird hier durchgehend geduzt. Das ist merkwürdig, aber angesichts des Todes, der alle gleich macht, vielleicht gar nicht so falsch.«

ZEIT Wissen

»Roland Schulz bringt uns den Tod nah, denn Sterben ist nicht schön, aber es ist Teil des Lebens.«

Profil (A)

»Roland Schulz hat ein Buch geschrieben, in dem das menschliche Sterben so minutiös beschrieben wird wie nie zuvor.«

fabelhafte-buecher.de

»Ein sensibel, schonungslos ehrlich geschriebenes Buch, in dem das, was mit dem Sterbenden bis zum Tod und dem Leichnam ab dem Tod bis zur Beerdigung passiert, erläutert wird. Allen psychisch gesunden Personen zu empfehlen, die sich für die Thematik interessieren.«

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