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Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2)Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2)

Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2)

Regine Kölpin
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Roman

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Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2) — Inhalt

„Wir müssen nach vorn sehen. Da liegt die Zukunft.“
In diesem zweiten Band ihrer Saga um den ostfriesischen Nordseehof erzählt Regine Kölpin – spannend, bewegend und voller norddeutscher Atmosphäre – eine dramatische Emanzipationsgeschichte um drei Frauen aus drei Generationen.  

1973: Die 18-jährige Adda träumt davon, die Enge des elterlichen Hofs an der Nordseeküste zu verlassen, um in der Großstadt eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Erst nach und nach wird ihr klar, dass Freiheit nur dem gehört, der wagt, sie zu leben …  

Der Nordseehof: Vor der stimmungsvollen Kulisse der norddeutschen Landschaft entfaltet sich eine opulente Familiensaga über die Macht der Träume und den Wunsch nach Freiheit, über verbotene Liebe und wahre Heimat.  

Band 1: Der Nordseehof – Als wir träumen durften
Band 2: Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren
Band 3: Der Nordseehof – Als wir den Himmel erobern konnten

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 30.11.2020
432 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31599-9
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€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 30.11.2020
352 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99694-5
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Leseprobe zu „Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2)“

Kapitel 1

Johanna trat aus dem großen schmiedeeisernen Tor des Nordseehofs und atmete tief durch. Es war zwar noch kühl, aber an diesem Märzmorgen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel, die Vögel trällerten, und die Welt erwachte aus dem Winterschlaf. Erste Krokusse streckten trotz des kalten Windes ihre bunten Blüten schon recht mutig aus der Erde, und gestern hatte Johanna sogar eine Narzisse blühen gesehen. Es würden die letzten ruhigen Tage sein, denn auf dem Nordseehof, der großen Schäferei in der Nähe von Neusiel, begann bald die Lammzeit. In [...]

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Kapitel 1

Johanna trat aus dem großen schmiedeeisernen Tor des Nordseehofs und atmete tief durch. Es war zwar noch kühl, aber an diesem Märzmorgen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel, die Vögel trällerten, und die Welt erwachte aus dem Winterschlaf. Erste Krokusse streckten trotz des kalten Windes ihre bunten Blüten schon recht mutig aus der Erde, und gestern hatte Johanna sogar eine Narzisse blühen gesehen. Es würden die letzten ruhigen Tage sein, denn auf dem Nordseehof, der großen Schäferei in der Nähe von Neusiel, begann bald die Lammzeit. In dieser Periode gab es kaum eine Nacht, in der Johanna und ihr Mann Eike durchschlafen konnten.

Eike, Johanna und Hauke Hillers, ihr Arbeiter, hatten schon jetzt alle Hände voll zu tun. Alle anderen Mägde und Knechte, die es früher auf dem Nordseehof gegeben hatte, waren mit der zunehmenden Technisierung nach und nach verschwunden und hatten sich woanders Arbeit suchen müssen. Viele waren bei den Olympia-Werken in Roffhausen untergekommen und standen nun am Fließband.

Johanna seufzte, denn die Arbeit wuchs ihr dennoch so manches Mal über den Kopf, vor allem, wenn die Lämmer kamen.

Bei einigen Mutterschafen mehrten sich bereits die An-
zeichen, dass die Geburt unmittelbar bevorstand. Sie hatten sich von den anderen Tieren, die in den Stalltrakten in zwei Gruppen frei herumliefen, abgesondert. Ihr Euter wirkte prall.

Eike hatte alle zu Schichten eingeteilt, von jetzt an war es wichtig, dass immer jemand im Stall war und die Tiere beobachtete. Auch ihre Tochter Adda musste mit ihren achtzehn Jahren ran, ebenso wie der drei Jahre ältere Uwe.

Vor allem Adda war wenig davon begeistert, ständig im Stall arbeiten zu müssen. Sie muckte zunehmend auf und träumte von einem anderen Leben als dem in Ostfriesland. Adda konnte sehr hitzig werden, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, und auch wenn Uwe sich meist zurückhielt, so wusste Johanna, dass auch er damit liebäugelte, den Nordseehof eines Tages zu verlassen. Er träumte davon, Tierarzt zu werden, doch Johanna hoffte, dass er davon absah und blieb, auch wenn es ein egoistischer Gedanke war und sie es besser wissen sollte, nach alldem, was sie selbst durchgemacht hatte. Trotzdem hatte man im Leben eben nicht immer die Wahl. Nur fiel ihr der Gedanke, dass ausgerechnet Uwe gehen könnte, besonders schwer. Sie hatte ihren Ältesten sehr an sich gebunden, ihm in seinem Leben nur wenig Leine gelassen, und so konnte sie sich kaum vorstellen, dass er einmal nicht mehr da war.

Johanna seufzte. Wie schön war es doch früher gewesen, als ihre Tochter noch mit Uwe Cowboy und Indianer gespielt hatte und sie durch den Garten gestromert waren! Alles hatte seinen geregelten Ablauf gehabt, nichts war hinterfragt worden, und keiner wollte fort. Der Nordseehof war der Mittelpunkt von allem. Ihr Zuhause.

Johanna schob die Gedanken beiseite. Sie hatte heute keine Lust, Probleme zu wälzen, während die Natur gerade aufblühte und ihre wunderbaren Farben und Düfte mit ihr teilte. Diese kurze Flucht wollte sie ein bisschen genießen.

Johanna beschloss, ein Stück zu gehen. Leise trällerte sie das Lied dieser schwedischen Gruppe, das sie kürzlich im Fernsehen gehört hatte. Ilja Richter hatte sie alle vorgestellt, aber Johanna hatte die einzelnen Namen schon wieder vergessen. Offenbar hatte die Gruppe noch keinen Bandnamen.

„People need love …“, sang Johanna leise. Wie wahr! Liebe, die brauchte jeder. Dieses einzigartige Gefühl. Einmal hatte sie davon kosten dürfen, und sie zehrte noch immer davon. Vor allem, wenn sie allein war und sich die Erinnerung gönnte. Doch meist verbot sie sich jeden Gedanken an ihre große Liebe Rolf Menzel, der nach dem Krieg als schlesischer Vertriebener auf dem Nordseehof gelebt hatte. Er war für sie verloren, denn sie hatte damals Eike geheiratet. Nicht freiwillig, es war der Wunsch ihrer Eltern gewesen. Ihr Bruder Keno war nicht aus dem Krieg zurückgekommen, und die Eltern hatten ihrem Cousin Ingo den Hof gegeben. Johanna hatte schnell unter die Haube gemusst, und da Eike der Erbe vom Nordseehof war und ihre Eltern sie gut versorgt wissen wollten, hatte Johanna keine Wahl gehabt. Aber ihr, ihr hatte es das Herz gebrochen. Sie liebte Rolf noch immer, auch wenn sie sich nach all den Jahren mit Eike arrangiert hatte. Doch dieses tiefe, einmalige Gefühl, das sie mit Rolf verband, war mit nichts vergleichbar. Johanna erinnerte sich nicht gern an die Stunden voller Schmerz, als sie dieser Liebe hatte entsagen müssen und Rolf aus Kummer fortgegangen war. Und doch waren ihre Gefühle für ihn allzeit präsent und schlummerten wie ein vergessenes Blumenbukett in ihrem Herzen.

Um trotzdem mit ihrem Leben klarzukommen, hatte Johanna einfach einen Teppich auf ihr inneres Chaos gelegt. Der Teppich hatte einen Namen: Nordseehof.

Dafür hatte sie auf Rolf und die Liebe verzichtet, und sie würde immer für die Schäferei und ihren Fortbestand kämpfen, damit das Opfer nicht umsonst gewesen war.

Johanna war allerdings froh, dass wenigstens dieses Begehren verschwunden war, das sie als junge Frau in Rolfs Arme getrieben hatte. Soweit sie wusste, war er im Ruhrgebiet noch immer im Bergbau beschäftigt, und er hatte Dagmar geheiratet. Rolf hatte sich zum letzten Mal vor sechzehn Jahren nach dem furchtbaren Grubenunglück auf der Zeche Franz Haniel bei Johanna gemeldet.

Sie erinnerte sich noch immer an den Schock, als sie im Radio davon erfuhr und sich nichts anmerken lassen durfte. Sie hätte am liebsten sofort ihre Sachen gepackt und wäre zu ihm ins Ruhrgebiet gefahren, doch das war ausgeschlossen gewesen. Deshalb hatte sie angstvoll ausgeharrt. Dann aber hatte Rolf einen Brief geschickt. Sie kannte noch immer jedes Wort, auch wenn sie den Brief vernichtet hatte – so wie fast alles, was mit Rolf zu tun hatte. Es gab lediglich zwei Fotos, die sie mal bei der Friesen-Jugend gemacht hatten. Es war schön gewesen, sich dort mit den jungen Leuten zu treffen und Spaß zu haben. Auch mit Rolf. Beide Fotos hielt Johanna gut in einer abgeschlossenen Kommodenschublade versteckt.

Jedenfalls hatte Rolf durch pures Glück überlebt, weil er als Lehrsteiger gerade zu einem Telefonat gerufen worden war. Er befand sich zur Zeit des Unglücks am anderen Ende der dreihundert Meter langen Kopfstrecke, als ihm plötzlich der Helm vom Schädel gerissen worden war und der Streb hinter ihm zusammenbrach. Alle anderen sechs Kumpel waren tot. Rolf hatte seinem Brief ein Foto von sich und seiner Angetrauten beigelegt. Bis dahin hatte Johanna von dieser Ehe nichts gewusst, aber überrascht war sie nicht gewesen, denn sie waren schon länger ein Paar.

Ich komme klar, hatte er geschrieben. Mach dir keine Sorgen um mich. Ich wünsche dir alles Glück der Welt, liebe Hanna. Ich werde dich nie vergessen, aber was nicht kann sein, das nicht sein darf. Wir wussten es beide.

Rolf hatte sie immer nur Hanna gerufen, genau wie früher ihr verstorbener Bruder Keno, aber bis heute durfte niemand anderes sie so nennen. Hanna gehörte den beiden Menschen, die ihr so nah gewesen waren wie sonst keiner auf der Welt.

Trotzdem war kein Weg daran vorbeigegangen, den Kontakt abzubrechen, denn sie und Rolf standen sich nur selbst im Weg, auf einer Reise, die unterschiedlicher nicht hätte sein können.

Die erste Zeit nach der endgültigen Trennung konnte Johanna ihr Leben kaum ertragen, und sie hatte Schwierigkeiten, sich an den Gedanken zu gewöhnen, Rolf nie wiederzusehen Nie mehr seine Stimme im Ohr zu haben, nie mehr zu spüren, wie seine Lippen die ihren küssten. Nie mehr von ihm zu hören.

Aber sie hatte sich für ein anderes Leben entschieden. Deshalb hatte sie das Foto von ihm und seiner Frau zerknüllt und zusammen mit den Zeilen verbrannt. Den Anblick von ihm mit Dagmar hatte sie ohnehin kaum ertragen – und bis heute bekam sie das Bild dieser Frau nicht aus dem Kopf.

Dagmar war hübsch. Sie hatte einen merkwürdigen, aber überaus faszinierenden Blick. Ihr dunkles, fast schwarzes Haar war modisch geschnitten und kurz. Darauf hatte sie eines dieser modernen Mützchen gesetzt, über die man in Neusiel damals gelacht hätte, weil sie viel zu extravagant waren. Es sah ein bisschen aus wie die Kopfbedeckung von Rotkäppchen, aber bei Dagmar wirkte es zu dem grauen, die Figur umschmeichelnden Kostüm und den hochhackigen Pumps kein bisschen albern. Im Gegenteil, es kleidete sie ungemein. Mit ihr, Johanna, war diese kesse Frau nicht vergleichbar. Die Schäferin, die meist weite Hosen und derbe Schuhe trug, das aschblonde Haar praktisch zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihre Hände waren rau, von der Arbeit im Stall geprägt, die Nägel oft eingerissen. Machte Johanna sich schick, trug sie ihren knielangen Faltenrock und eine Blümchenbluse. Ihre Hüften und Oberschenkel waren kräftig, wenngleich sie nicht dick war. Trotzdem sagte man Johanna in Neusiel nach, sie sei eine schöne Frau. Wahrscheinlich galten auf dem Dorf andere Maßstäbe, denn gegen Dagmar war sie ein echter Bauerntrampel. Und das hatte sich bestimmt bis heute nicht geändert.

Sie hatte Rolf damals an die auf dem Umschlag angegebene Adresse geschrieben. Auch bei diesem Brief erinnerte sich Johanna genau an den Wortlaut. Natürlich hatte sie ihm mitgeteilt, wie froh sie war, dass er lebte. Und sich bedankt, dass er ihr Bescheid gegeben hatte. Aber es war trotzdem wichtig gewesen, an dieser Stelle einen Schlussstrich zu ziehen und ihm zu schreiben, er solle sich bitte nicht mehr melden, weil es für sie beide so besser war.

Sie waren verheiratet, und sie selbst hatte zwei Kinder. Johanna schluckte, wie immer, wenn sie in Gedanken an diesem Punkt ankam.

Ihre Tochter Adda war Rolfs Kind.

Doch sie wollte nicht, dass er davon erfuhr. Dass überhaupt jemand davon erfuhr. Nur war Adda ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, hatte seine wunderschönen blauen Augen und das dunkle Lockenhaar.

Johanna wurde dadurch Tag für Tag mit ihrem Verrat konfrontiert, was die Beziehung zu ihrer Tochter schwierig machte. Einerseits war sie das Kind ihrer großen Liebe, andererseits hatte sie eine große Sünde begangen. Johanna war es all die Jahre nicht gelungen, den Spagat zwischen den beiden emotionalen Extremen hinzubekommen, und sie wusste, dass sie ihre Liebe zu ihren Kindern ungleichmäßig, ja sogar ungerecht verteilte. Das, was Uwe zu viel bekam, fehlte Adda. Und je älter die Kinder wurden, desto mehr ließen sie ihre Mutter spüren, dass sie nicht glücklich waren. Vermutlich hatten sie es deshalb eilig, vom Nordseehof fortzukommen. Weil sie lieber allein durchs Leben treiben wollten, als mit diesen merkwürdigen Schwingungen klarzukommen, die jeder spürte, aber über die keiner sprach.

Um den andauernden Schmerz zu bewältigen, hatte es Johanna über die Jahre geholfen, sich auf die Arbeit in der Schäferei zu konzentrieren. Es betäubte die Sehnsucht und hielt sie am Leben. Ihr Lebenselixier. Der Nordseehof und immer wieder der Nordseehof.

Johanna hatte den rechteckig angelegten Hof, der von sämtlichen Bauten der Schäferei flankiert wurde, inzwischen weit hinter sich gelassen, und über die weite Marschlandschaft wehte der Wind noch merklich frisch. Johanna fröstelte etwas. Die mächtigen Bäume rauschten, das bereits grüne Gras der Wiesen duckte sich ehrfürchtig. Nur die Vögel ließen sich nicht beeindrucken und sangen lautstark ihr Lied. Sie sehnten den Frühling genauso herbei wie die Menschen ringsum, und heute gab es das erste Gastspiel.

Johanna atmete einmal tief durch. Doch, sie war demütiger geworden mit den Jahren, und jetzt, da sich das erste Silber durch ihr Haar zog, stellte sich auch zunehmend Dankbarkeit ein. Ihr ging es schließlich gut.

Eike und sie hatten inzwischen gelernt, sich wirklich zu mögen und oft auch nah zu sein, wenngleich die Leidenschaft fehlte, die Johanna mit Rolf verbunden hatte. Mit Eike gab es kaum Streit, und sie arbeiteten Hand in Hand. Finanziell war die Schäferei gut aufgestellt, und sie wollten in Kürze mit Renovierungsarbeiten beginnen, denn die Räume schrien förmlich nach mehr Freundlichkeit.

„Ich habe Rücklagen, von denen wir das begleichen können“, hatte Eike gesagt. Johanna lächelte still. Obwohl sie die Buchhaltung machte, wusste sie nichts von Rücklagen, aber vielleicht hatte Eike heimlich etwas gespart, um sie damit zu überraschen, endlich ihren Traum von der Renovierung Wirklichkeit werden zu lassen. Ihr Mann war stets darum bemüht, ihr alles recht zu machen. Das war schon immer so gewesen und hatte sich in den Jahren nicht verändert. Deshalb würde so etwas zu ihm passen, und Johanna hinterfragte es nicht.

Seit jener Dezembernacht, als die Scheune von Eikes Bruder Reent angezündet worden war und sie die Schäferei gegen ihn verteidigt hatte, verband sie ein Geheimnis, was sie niemals mit jemandem teilen würden. Niemand außer ihnen beiden wusste, was Eikes Bruder getan hatte und wie genau das Unglück geschehen war. Johanna beschleunigte ihren Schritt, denn die Erinnerung an den Orkan und das Feuer verursachten ihr noch immer Beklemmungen.

Diese Nacht hatte sich scharf in ihr Gedächtnis eingebrannt. Damals waren nicht nur Eikes Bruder, sondern auch seine Mutter gestorben. Nachdem Reent die Scheune angezündet hatte und sein Versuch, Johanna ins Feuer zu stoßen, gescheitert war, hatte er den Tod in den Flammen gefunden, während ihre Schwiegermutter Lientje zur selben Zeit auf dem Dachboden den Freitod gewählt hatte. Die Schäferei war auch mit ihrem Zutun in große Schwierigkeiten geraten, und sie hatte wohl keinen Ausweg mehr gesehen.

Aber das war schon so viele Jahre her, und Johanna wollte nach vorn sehen. In die Zukunft. Das hatte ihr bislang noch immer am besten geholfen.

Sie steuerte auf den Eilershof zu. Dort war sie aufgewachsen, er hatte einst ihren Eltern gehört. Nun wurde er von ihrem Cousin Ingo de Vries und ihrer Cousine Theda geführt. Mit beiden verband sie eine innige Freundschaft, genau wie sich Adda sehr gut mit Thedas Kindern Deike und Hajo verstand. Aber die beiden waren mittlerweile genauso flügge wie Adda. Hajo hatte den Hof schon verlassen und lebte in München, wo er eine Ausbildung bei einer großen Autofirma machte, und Deike plante ebenfalls, schon bald zu gehen. Sie war auf der Suche nach einer Anstellung im Büro. Beworben hatte sie sich in Bremen und Hamburg. Im Gegensatz zu Johanna und Eike fanden Theda und Ingo, dass es für die jungen Leute wichtig war, aus Ostfriesland fortzukommen.

Johanna winkte, weil ihr Herwig Doden, der Postbote, entgegenkam. Er machte diese Arbeit schon viele Jahre, und sein Tritt in die Pedale war inzwischen merklich langsamer geworden. Es dauerte nicht mehr lange bis zu seiner Pension, und Johanna würde ihn mit seiner unaufdringlichen Art vermissen.

„Moin, Herwig!“, begrüßte Johanna ihn. „Hast du was für uns? Dann nehme ich es dir ab, und du kannst dir den Weg zur Schäferei sparen.“

Herwig bremste und sagte keuchend: „Jo, dat is moi. Bin ohnehin spät dran, aber nützt jo nix. Die Arbeit muss getan werden.“ Er kramte in seiner Ledertasche, die er vorn am Lenker angebracht hatte. „Ein amtlicher Brief“, murmelte er dabei, „und dann noch einer, wo kein Absender drauf ist. Zum Glück ist die Adresse sauber geschrieben. Man könnte den gar nicht zurückschicken. Was sich die Leute bei so was denken.“ Er hatte die Briefe gefunden und unterbrach sein Selbstgespräch. „Hier, sonst kann ich mit nichts dienen, mien Deern.“

Johanna lächelte. Seit sie Herwig kannte, nannte er sie so. Mit sechsundvierzig Jahren empfand sie sich allerdings wirklich nicht mehr als Deern, aber den Schnack würde sie ihm nicht austreiben können.

„Danke, Herwig. Komm gut nach Huus!“

Der Postbote nickte ihr zu, wendete das Rad und fuhr zurück Richtung Neusiel.

Johanna sah sich die beiden Briefe an. Der eine war von der Bank, den würde sie später im Kontor lesen, der andere war tatsächlich ohne Absender.

Sie schaute auf die Anschrift. Er war an sie persönlich gerichtet. Johannas Herz galoppierte los. Nein, sie täuschte sich nicht. Diese Handschrift kannte sie! Der Brief war von Rolf. Nach so vielen Jahren. Was wollte er nur?

Johanna war versucht, ihn sofort aufzureißen und zu lesen, doch sie wusste nicht, was sie erwartete. Was auch immer der Grund war, warum er ihr schrieb: Sie wollte sich zum Lesen Zeit nehmen und musste folglich Ruhe haben. Außerdem wollte sie sicher sein, dass sie nicht gleich darauf Eike begegnete, denn er war auf den umliegenden Feldern mit dem Trecker unterwegs. Er hätte garantiert kein Verständnis dafür, wenn sie Briefe von Rolf erhielt. Das Thema Rolf war schon früher ein rotes Tuch zwischen ihnen gewesen, und sie wollte keinen Streit provozieren.

Johanna sah sich um. Sie konnte sich auf den Zaun setzen. Dort war sie allein. Doch dann hörte sie tatsächlich das Brummen eines Traktors, und Eike winkte ihr von Weitem zu. Der Brief musste warten. Johanna steckte ihn in die Jackentasche.

Adda saß zusammen mit Uwe in der Küche, die Bücher vor sich aufgeschlagen. Sie hatte einen bunten Flatterrock an und darüber eine geblümte Tunikabluse. Über Stirn und Haar trug sie ein Lederband, und am Hals prangte eine dicke Kette mit türkisfarbenem Anhänger. Ihr hippiemäßiges Auftreten sorgte in Neusiel für so manchen Gesprächsstoff, so lief man hier eben nicht herum.

Heute war die Schule wegen einer Lehrerfortbildung ausgefallen, und sie lernte für eine Prüfung. Im Sommer würde sie das Abitur in der Tasche haben, und dann stand ihr die Zukunft offen. Die weite Welt anstelle der Enge dieser Schäferei. Das würde sie nutzen, ob es ihrer spießigen und halsstarrigen Mutter gefiel oder nicht.

„Warum verschwindest du eigentlich nicht?“, fragte sie Uwe, der eine Tasse Tee vor sich stehen hatte und irgendwelche Bestellungen für den Nordseehof durchging. Er machte das gern in der Küche, die noch immer im Stil der 1950er-Jahre gestaltet war. Dunkle Möbel, eine Eckbank mit Tisch, aber immerhin gab es einen Elektroherd. Trotzdem hatte ihre Mutter auch den alten Holzofen behalten, und sie nutzte ihn oft zum Backen und Kochen. Darüber waren alte Pfannen aufgereiht. So richtig konnte Adda nicht verstehen, warum ihre Eltern an dem alten Plunder festhielten. Immerhin sprachen sie jetzt häufiger von einer baldigen Renovierung.

Adda kaute auf dem Bleistiftende herum und fixierte ihren Bruder. „Ich merke genau, wie sehr dich die Schäferei nervt. Du lachst gar nicht mehr! Du willst doch eigentlich was anderes als das hier.“ Sie machte eine ausschweifende Handbewegung. „Was anderes als die Traditionen des ehrenwerten Nordseehofes. Gib es doch endlich zu!“

Uwe sah von den Papieren hoch. Er rollte genervt mit den Augen. „Ach Adda, hör auf. Ich kann Mama und vor allem Papa momentan nicht hängen lassen und einfach machen, was ich will. Jetzt ist erst einmal Lammzeit, dann der Deichauftrieb … Sie brauchen jede Hand. Außerdem bin ich ja tatsächlich bald weg, weil ich im April zum Grundwehrdienst muss. Danach sehen wir weiter.“ Er grinste sie an. „Dann haben sie sich schon ein bisschen an meine Abwesenheit gewöhnt. Sei nicht so ungeduldig!“ Er beugte sich wieder über das Papier.

Adda war verärgert. „Pah, Grundwehrdienst!“, wiederholte sie. „Du hättest verweigern sollen. Ich ahne, dass du hier bis ins hohe Alter versauerst und deine einzige Abwechslung sein wird, am Abend auf dem Sofa Dalli-Dalli zu gucken und zwischendurch aufzuspringen, um: ›Das ist spitze!‹ zu schreien.“

Uwe runzelte die Stirn und sah seine Schwester fest an. „Kannst du eigentlich immer nur rummotzen?“

Adda schwieg betreten. Ihr Bruder hatte ja recht.

Uwe legte ein Blatt Papier neben den Stapel und widmete sich dem nächsten. „Lass mir mein Leben, und ich lass dir deins, okay? Ich gehe erst mal zum Bund und unterstütze Papa bis dahin mit dem Nordseehof. Klar, es wäre super, manchmal den Argusaugen von Mama zu entwischen.“ Er seufzte, und Adda wusste, was er meinte. Ihre Mutter hing mit einer wahren Affenliebe an ihm und war stets eine Spur zu besorgt. Einmal hatte Uwe Adda anvertraut, dass er sich vorkam wie von einer Krake umklammert, sie aber gebeten, niemandem davon zu erzählen. Er befürchtete, dass es seine Mutter treffen könnte. Adda verstand dennoch nicht, warum er keine Anstalten machte, sich zu befreien. Er war schließlich erwachsen. Ihr Vater würde schon klarkommen, er hatte schließlich seine Mitarbeiter. Und ihre Mutter, die auf dem Hof ohnehin das Zepter schwang.

„Die Welt steht am Abgrund“, sagte Adda. „Ölkrise, Ost-West-Konflikt, Terrorismus, Atomkraft – da kommt auch noch was, sei sicher. Mensch, Uwe, bei so weltbewegenden Dingen kann man nicht in einer Schäferei versauern! Da muss man was tun! Und damit meine ich nicht, dass man lernen soll, wie man Menschen abknallt. So wie beim Bund.“

Ihr Bruder zuckte mit den Schultern. „Jetzt fängst du schon wieder mit der Bundeswehr an. Da geht es doch nicht darum, andere Menschen zu töten, das ist zu einseitig gedacht. Lassen wir das Thema, okay?“

„Hab schon verstanden, und anschließend bleibst du Schäfer“, sagte Adda schmollend.

„Vorerst, ja. Von der Landwirtschaft leben auch diejenigen, die die Welt verändern wollen. Essen müssen nämlich alle. Ja, ich habe darüber nachgedacht, Tiermedizin zu studieren, aber das Leben ist nun mal, wie es ist. Nach meinem Wehrdienst sehen wir weiter. Ich will nicht so weit planen.“

Adda warf den Bleistift mit Schwung aufs Papier.
„Manno, Uwe! Das musst du aber! Werde Tierarzt, verdammt noch mal! Das wolltest du schon als kleiner Junge.“

Uwe lächelte nachsinnig. „Du sprichst von der Zeit, als ich den ersten Arztkoffer zum Spielen bekommen und alle Schafe und unseren Hütehund abgehört habe?“

Adda wusste, dass ihr Bruder dieses Thema hasste.

„Du wärst frei, und Mama könnte dich nicht mehr gängeln“, begann sie wieder.

„Trotzdem wäre sie zu dir nicht anders, Adda“, sagte Uwe und sah seine Schwester ein bisschen mitleidig an.

Adda schluckte. Uwe wusste, wie sehr es sie kränkte, dass er immer an erster Stelle stand.

Das, was er von Mama zu viel bekommt, spart sie bei mir ein, dachte Adda, schob diesen traurigen Gedanken aber rasch beiseite und hackte lieber weiter auf ihrem Superbruder herum. Das half ihr ein bisschen, mit der Verletzung umzugehen.

„Du hast ein Top-Abi gemacht. Und planst, auf dem Land zu versauern? In diesem Tratschdorf Neusiel?“

„Sieh es doch positiv. Solange ich da bin, kannst du gehen.“ Uwe klang inzwischen genervt.

„Das kann ich sowieso“, erwiderte sie. „Wir wären dann eben beide weg von diesem … Laden.“

Jetzt platzte Uwe der Kragen. Er stand auf und packte Adda an den Schultern. „Hör auf, verdammt! Ich denke, man kann vor seiner Verantwortung oder seiner Bestimmung nicht einfach so weglaufen. Und wir sind nun mal in einer Schäferei geboren worden.“ Er presste kurz die Lippen zusammen. „Und eins muss dir bei all deinen Plänen klar sein: Wenn ich gehe, wirst du hierbleiben müssen. Und heiraten, weil du als Frau später nicht allein eine Schäferei leiten kannst.“

Adda wollte empört widersprechen, aber Uwe gebot ihr zu schweigen. „Lass mich bitte in Ruhe mit deinen Attacken. Über kurz oder lang kommt es ohnehin so, wie es immer war, das ist der Lauf der Welt. Deine Emanzipation wird nicht funktionieren, weil es nun mal Unterschiede gibt zwischen Mann und Frau. Sei nicht so naiv!“

Adda zog einen Flunsch und befreite sich aus Uwes Umklammerung. „Du bist so hinterwäldlerisch! Natürlich wird die Emanzipation funktionieren! Frauen können alles machen, auch eine Schäferei leiten. Es ist nur so, dass ich das nicht will!“ Sie seufzte. Jede weitere Diskussion war zwecklos. Uwe war in den alten Traditionen wie erstarrt. „Dir ist nicht zu helfen, Bruderherz! Aber ich gehe im Herbst weg von hier. Ich will leben.“

„Und Papa das Herz brechen“, sagte Uwe.

Adda schnaubte. Ihrem Vater würde es wehtun. Ihrer Mutter vermutlich nicht.

Uwe fingerte eine Zigarette aus der Schachtel, die auf dem Küchentisch lag, griff nach den Streichhölzern und zündete sie an.

„Das ist dann eben so“, gab Adda zurück. „Ich habe ein Recht auf mein eigenes Leben, und da steht nicht ›Nordseehof‹ drauf. Gib mir auch mal eine.“

Uwe reichte ihr die Schachtel, und sie zog eine Zigarette raus.

Adda sog am Filter, bevor sie weitersprach. „Mama wäre vermutlich nur sauer, weil sie uns für die Schäferei braucht. Sie lebt ausschließlich für den Hof, und so, wie sie es macht, ist es schon fast krankhaft. Sie opfert sich förmlich auf. Es gibt nichts anderes für sie, und es wird immer schlimmer.“

„Du übertreibst“, erwiderte Uwe. „Wir sind eine richtig gute Familie. Ohne schwarze Löcher oder Leichen im Keller. Und intakt. Deike und Hajo haben unseren verstorbenen Onkel Reent zum Vater, der absolut keine Lust auf sie hatte. Überleg mal: Tante Theda musste sie ganz allein großziehen! Was muss das für ein Spießrutenlauf in unserem werten Dorf gewesen sein. Eine alleinerziehende und unverheiratete Mutter, die bei ihrem homosexuell veranlagten Bruder lebt.“ Er kicherte. „Bei uns Deekens ist wenigstens alles rund und sauber. Das ist viel wert!“

Adda schwieg. Manchmal hatte sie den Eindruck, dass Uwe in einer Blase lebte. Vielleicht war man so unbedarft, wenn man sich der Liebe beider Eltern sicher sein konnte.

Uwe dozierte weiter. „Erinnerst du dich noch dran, wie wir früher am Samstagabend, frisch gebadet und im Bademantel, zusammen auf dem Sofa gesessen und Karten gespielt haben? Das ist Familie!“

Adda musste grinsen. „Nun behaupte bitte nicht, dass du dich nach Rudi Carrell mit Zitronensprudel und Salzstangen sehnst. Das ist voll spießig!“ Sie schüttelte sich, meinte es aber nicht ernst. Es war schön gewesen. Die wenigen Momente, in denen sie sich voll dazugehörig empfunden hatte.

„Ach, meine kleine Hippiebraut.“ Uwe sah Adda liebevoll an. „Immer mit dem Kopf durch die Wand.“ Er fuhr sich durch das rote, leicht lockige Haar, das er kinnlang trug. „Das wird dann wohl in Kürze auch gekappt, damit der Helm passt.“

„Du könntest ein Haarnetz tragen“, schlug Adda grinsend vor. „Laut der Verordnung darf dein Haar den Hemdkragen nicht berühren, aber sie haben Unmengen dieser Netze bestellt. Hab ich in deinen Papieren gelesen.“

„Da schneide ich es lieber ab“, sagte Uwe.

Er sah an sich hinunter. Wie immer trug er seine grüne Latzhose, mit der er im Stall arbeitete. Darunter hatte er ein kariertes, verwaschenes Hemd an. „Und das gehört wohl auch bald der Vergangenheit an. Stattdessen werde ich eine graue Uniform und ein Käppi tragen.“ Uwe schürzte die Lippen und war in diesem Augenblick das Abbild seines Vaters Eike, auch wenn dessen Haar sich inzwischen gelichtet hatte.

Adda drückte die halb gerauchte Zigarette im Aschenbecher auf dem Küchentisch aus. Dabei fiel ihr Blick in das Glas der Vitrine, worin sie sich spiegelte.

Ich sehe ganz anders aus als Uwe, dachte sie wieder einmal. Ich gleiche weder meiner Mutter und erst recht nicht meinem Vater. Vermutlich bin ich auch deshalb vom Wesen ganz anders, weil ein anderer Urahn in mir durchgeschlagen ist. „Dann beenden wir jetzt die Diskussion über deine Zukunft“, sagte sie und griff wieder nach dem Stift auf dem Tisch. „Und auch wenn ich mich wiederhole: Ich für meinen Teil werde Krankenschwester, und das ganz bestimmt nicht in den Krankenhäusern in Sanderbusch oder Wilhelmshaven. Ich will helfen, mich sozial engagieren und für kranke Menschen da sein. Aber ich möchte auch politisch etwas erreichen, die Frauenbewegung unterstützen. All so was. Mein Abi wird nicht überragend werden, für ein Medizinstudium langt es nicht. Aber ich werde Ostfriesland verlassen und in eine große Stadt gehen. Hamburg. Berlin. Oder so. Da kann ich das nämlich alles unter einen Hut bringen.“

Uwes Zigarette war aufgeraucht, und er zerquetschte sie im Ascher. „Dank der Kreisreform brauchst du nur bis Neusiel zu gehen, und schon bist du in Friesland und nicht mehr im Landkreis Wittmund. Oder du gehst zum Jadebusen, auch dann bist du schon in Wilhelmshaven oder Friesland. Auf der anderen Seite in Butjadingen. Du hast es also gar nicht so weit, wenn du Ostfriesland verlassen willst.“ Er zwinkerte ihr schelmisch zu.

Adda war kurz versucht, den Stift nach Uwe zu werfen. Aber der winkte ab. „Waffenstillstand! Spaß beiseite, Adda, die Diskussion ist für mich beendet.“ Uwe seufzte. „Ich wollte dich noch was anderes fragen: Hast du Papa in letzter Zeit mal genauer angesehen?“

Adda schluckte. Wovon sprach Uwe? „Nein, warum? Er hopst in seiner Bauernhose über den Hof und kümmert sich um die Schafe. Was soll mir denn aufgefallen sein?“

„Ich weiß nicht … Er ist blass. Ich finde, er sieht schlecht aus. Manchmal stöhnt er und hält seinen Bauch.“

Adda zuckte mit den Schultern. „Nö, ist mir nicht aufgefallen. Er trinkt ab und zu Appelkorn. Vielleicht ein bisschen zu viel, und ihm ist schlecht?“

Uwe stand auf und schenkte sich eine weitere Tasse Tee ein. Die Kanne stand immer angewärmt auf dem Stövchen. „Wir sollten darauf achten und ihn mal ansprechen. Auf die Schmerzen, meine ich. Alle trinken Cognac oder mal einen Kurzen. Davon hat man doch keine Schmerzen.“

Adda sah auf die Uhr. „Dann schnack du mit ihm darüber. Ich für meinen Teil muss jetzt lernen, damit mein Abitur kein Desaster wird. Während du wohl gleich in den Stall gehst, um ein paar Lämmer aus den Bäuchen der Mütter zu ziehen.“ Sie holte tief Luft. „Mich kotzt es an!“

Adda wandte sich gerade wieder ihrem Heft zu, als die Tür klackte und ihre Mutter eintrat. Ihre Finger hielten einen Briefumschlag so fest umklammert, dass die Kuppen weiß hervorstachen. Sie war leichenblass.

„Ist was, Mama?“ Uwe stürzte sofort zu ihr. Adda blieb sitzen. Erfahrungsgemäß zog ihre Mutter es vor, sich von Uwe trösten zu lassen.

Nun schüttelte sie den Kopf. „Nein, es ist nichts. Ich … ich bin gleich wieder da.“ Sie stürzte hinaus.

„Was hat sie denn?“

„Keine Ahnung.“ In Uwes Blick lag Sorge, während Adda nur mit den Schultern zuckte. Egal, was es war: Sie würde hier verschwinden! Sobald es nur ging.

Regine Kölpin

Über Regine Kölpin

Biografie

Regine Kölpin, geb. 1964 in Oberhausen (NRW), lebt seit ihrer Kindheit in Friesland an der Nordsee. Sie hat zahlreiche Romane und Kurztexte publiziert und ist auch als Herausgeberin tätig. Regine Kölpin wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Mann lebt sie in einem kleinen idyllischen Dorf. Dort...

Medien zu „Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren (Der Nordseehof 2)“

Weitere Titel der Serie „Der Nordseehof“

Vor der stimmungsvollen Kulisse der norddeutschen Landschaft entfaltet sich eine opulente Familiensaga über die Macht der Träume und den Wunsch nach Freiheit, über verbotene Liebe und wahre Heimat. Band 1: Der Nordseehof – Als wir träumen durften Band 2: Der Nordseehof – Als wir der Freiheit nahe waren Band 3: Der Nordseehof – Als wir den Himmel erobern konnten
Pressestimmen
Sander Kurier

„Mit dem ›Nordseehof‹ hat Regine Kölpinveinen richtigen Schmöker verfasst, mit dem man es sich gerne an schmuddeligen Tagen auf dem Sofa gemütlich macht.“

Anonym

Die Charakterdarstellung ist Regine Kölpins Stärke, fein gezeichnet, mit allerlei Ecken und Kanten versehen, erweckt sie die Figuren zum Leben.

Kommentare zum Buch
Gefühlvoll und spannend geht es auf dem Nordseehof weiter.
Chattys Bücherblog am 30.11.2020

Als wir der Freiheit nahe waren ist der zweite Band der Nordseehof-Reihe von Regine Kölpin. Die Reihe startete im Oktober 2020 im Piper Verlag.     Über die Autorin (lt. Verlag): Regine Kölpin, geb. 1964 in Oberhausen (NRW), lebt seit ihrer Kindheit in Friesland an der Nordsee. Sie hat zahlreiche Romane und Kurztexte publiziert und ist auch als Herausgeberin tätig. Regine Kölpin wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Mann lebt sie in einem kleinen idyllischen Dorf. Dort konzipieren sie gemeinsam Musik- und Bühnenprojekte und genießen ihre Großfamiliendasein mit fünf erwachsenen Kindern und mehreren Enkeln.   Über das Buch (lt. Verlag): 1973: Die 18-jährige Adda träumt davon, die Enge des elterlichen Hofs an der Nordseeküste zu veranlassen, um in der Großstadt eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Erst nach und nach wird ihr klar, dass Freiheit nur dem gehört, der wagt, sie zu leben ...   Mein Leseeindruck: Äußerlich betrachtet, knüpft das Cover direkt an den Vorgänger an. Ein Wiedererkennungswert ist somit gegeben. Diese Farben sind hell und auffällig, so dass das Buch nicht ungesehen bleibt. Ob die junge Frau im Vordergrund Johanna darstellen soll, ist unklar. Die Mühle im Hintergrund stellt eine gewisse Weite dar, strahlt aber auch Ruhe und Gelassenheit aus. Das Cover verleitet dazu, im Buch blättern zu wollen. Kommen wir zum Inhalt. Hier erwartet den Leser zu Beginn ein ausführliches Personenverzeichnis, das den Einstieg in den Roman etwas leichter macht. Mit "Johanna trat aus dem großen schmiedeeisernen Tor des Nordseehofs und atmete tief durch" lässt die Autorin den Leser in die Zeit von 1973/1974 eintauchen. Johanna ist inzwischen sechsundvierzig Jahre alt und mit Eike glücklich. Sie haben sich arrangiert und auch Gefühle entwickelt. Dennoch lässt Johanna die Gedanken an Rolf und ihre Vergangenheit nicht los. Die Autorin fasst hier sehr gekonnt die Geschehnisse des Vorgängerbandes zusammen, bevor die Geschichte vom Nordseehof weiter geht. Ich denke, dass an dieser Stelle die Neuleser sich wünschen, dass sie den ersten Band gelesen hätten. Obwohl dieses Buch auch ohne Vorkenntnisse gut verständlich ist, macht es noch mehr Spaß, wenn man die Entwicklung der Protagonisten verfolgen kann. Ich möchte deshalb jedem raten, unbedingt den ersten Band vorab zu lesen. Es lohnt sich, versprochen.

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