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Papenburg

Roman | Nach seinem SPIEGEL-Bestseller „Schönwald“ erzählt Philipp Oehmke die Geschichte der Papenburgs
26,00 €
31.07.2026
448 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
13,8cm x 22cm
978-3-492-07494-0

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info@piper.de
Piper Verlag GmbH
Georgenstraße 4
80799 München

Beschreibung

Eine Familie zwischen Liebe und Egoismus

Emilia Papenburg hat ihren Mann Benni verlassen und ist mit den Kindern nach New York gegangen. Ein Neubeginn ohne Familie, an der sie gescheitert zu sein glaubt, genau wie schon ihre eigenen Eltern. Doch vielleicht irrt Emilia sich. Denn ihr Vater und ihre so lange verschollene Mutter wollen um jeden Preis die Familie zusammenbringen. Sie ertragen gegenseitige Verletzungen und enttäuschte Hoffnung für Momente klaren Glücks. Emilias Mann Benni ist da schon einen Schritt weiter: Er stellt seine Freiheit über die Illusion familiärer Notwendigkeiten.

»Papenb…

Eine Familie zwischen Liebe und Egoismus

Emilia Papenburg hat ihren Mann Benni verlassen und ist mit den Kindern nach New York gegangen. Ein Neubeginn ohne Familie, an der sie gescheitert zu sein glaubt, genau wie schon ihre eigenen Eltern. Doch vielleicht irrt Emilia sich. Denn ihr Vater und ihre so lange verschollene Mutter wollen um jeden Preis die Familie zusammenbringen. Sie ertragen gegenseitige Verletzungen und enttäuschte Hoffnung für Momente klaren Glücks. Emilias Mann Benni ist da schon einen Schritt weiter: Er stellt seine Freiheit über die Illusion familiärer Notwendigkeiten.

„Papenburg“ ist das schillernde Porträt unserer verunsicherten westlichen Gesellschaft und einer Schar verzweifelter und erfindungsreicher Menschen auf der Suche nach Sinn und Vergebung.

Über Philipp Oehmke

Foto von Philipp Oehmke

Biografie

Philipp Oehmke, Jahrgang 1974, war viele Jahre Korrespondent des SPIEGEL in New York und leitet heute in Berlin das Kulturressort des Magazins. 2014 erschien seine brillant erzählte Biografie der Toten Hosen, „Am Anfang war der Lärm“. 2023 veröffentlichte er den vielbeachteten Gesellschaftsroman...

Mehr über Philipp Oehmke

Events zum Buch

Buchpräsentation

Philipp Oehmke und Campino präsentieren „Papenburg“ in Berlin

25. September 2026
Berlin Colosseum
Buchpräsentation

Philipp Oehmke und Campino präsentieren „Papenburg“ in Hamburg

26. September 2026
Hamburg Laeiszhalle
Lesung und Gespräch

Philipp Oehmke präsentiert „Papenburg“ in Berlin

02. Oktober 2026
Berlin Buchhandlung Winkler, Drakestr. 39
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weitere Infos

Pressestimmen

„›Papenburg‹ ist ein sehr gut geschriebener Familienroman, der viel über die Innenwelt seiner Protagonisten erzählt.“

NDR Kultur - Neue Bücher

„Ein psychologisches, großartig geschriebenes Kammerspiel über zwei Familien.“

Myself

„ein packender, aktueller Familienroman“

MADAME

„Oehmke ist (...) ein Meister der Zuspitzung. Auch sein neuer Roman hat wieder Tempo und Witz ab der ersten Seite. Das ist sehr unterhaltsam.“

rbb radio3

Die erste Bewertung schreiben

Philipp Oehmke
Papenburg.
INTERVIEW mit Philipp Oehmke

Wie sieht in Ihren Augen eine glückliche Familie aus, lieber Philipp Oehmke?
Streit, Zusammenhalt und Liebe: Familien sind vor allem Konfliktgemeinschaften. Das klingt negativer, als ich es meine. Familien sind Gefäße, in denen vor allem Konflikte verhandelt werden müssen. In diesem Sinne ist eine glückliche Familie diejenige, die immer wieder zusammenfindet und über die Jahrzehnte Strategien entwickelt hat, sich zu vertragen und zu verzeihen. Die Familie, die ich in meinem ersten Roman betrachtet habe, verfügte zum Beispiel über diese Strategien nicht. 

In Ihrem Debütroman „Schönwald“ stand die konservative, von der Mutter Ruth dominierte Familie im Fokus. Nun erzählen Sie von den Papenburgs, deren Geschichte eine vollkommen andere Richtung nimmt. Was unterscheidet die Papenburgs von den Schönwalds – und worauf liegt in Ihrem zweiten Roman der Fokus?
Anders als bei den Schönwalds ist bei den Papenburgs alles out there: Keiner verspürt irgendeine Scham über seine Schwächen. Alkoholismus, Scheidung, Untreue, obszöner Reichtum, Oberflächlichkeit, sogar eine antidemokratische menschenverachtende Gesinnung – die Papenburgs sind auf ihre Art frei. Und gewissermaßen sind sie damit ideal ausgestattet, um in diesen Zeiten erheblicher politischer und moralischer Verunsicherung zu überleben. 

Würden Sie zustimmen, dass sich „Papenburg“ nicht mit der Frage der Herkunft beschäftigt, sondern vor allem damit, wer wir sein wollen oder was wir aus uns machen? 
In der Tat wirken die Papenburgs wie eine Familie ohne Geschichte. Sie kommen irgendwie aus dem Ruhrgebiet, aber eigentlich beginnt die Zeitrechnung bei ihnen erst mit der (gescheiterten) Auswanderung nach Kalifornien. Dort beginnt der Reichtum, doch die Familiengemeinschaft zerbricht, auch weil sie den beiden Eltern nicht wichtig genug ist. Wo die Schönwalds einfach ausgeharrt haben, teilweise über Jahrzehnte, sind die Papenburgs viel eher bereit, die Gemeinschaft zugunsten individualistischer Bedürfnisse aufzukündigen. Dass auch diese unüberlegt Entscheidungen Konsequenzen nach sich ziehen, wird ihnen erst Jahre und Jahrzehnte später klar und löst tatsächlich so etwas wie Reue aus. 
Der Roman „Papenburg“ erkundet in all seinen Figuren eine Art Rekalibrierung, eine Veränderung, die durch die politisch und gesellschaftlich volatile Situation, in der die Figuren sich wiederfinden, begünstigt wird. 

Natürlich ist niemand eine Insel, alle Figuren in Ihrem Roman sind ihren ökonomischen Verhältnissen, der Politik und auch den Interessen ihres Umfelds ausgesetzt. Welche Rolle spielen in „Papenburg“ Politik und gesellschaftliche Veränderungen? 
Sie sind ein Katalysator für die Entwicklung der Figuren. Die Figuren erleben in „Papenburg“ den bekannten liberal-demokratisch geprägten Westen im Umbruch, wenn nicht sogar im Untergang. Das verunsichert sie einerseits, erleichtert es ihnen aber auch, sich zu häuten oder gar neu zu erfinden. 

Ein Thema, das in der deutschen Literatur selten verhandelt wird, ist das nach dem Zusammenhang von Geld und Moral. Es fällt auf, dass „Papenburg“ sehr genau auf die Wechselwirkung zwischen großem Wohlstand und dem richtigen Leben schaut. Was interessiert Sie daran? 
Materieller Wohlstand ist in der spätkapitalistischen Umgebung, in der „Papenburg“ spielt, vermeintlich gleichbedeutend mit Glück. Ich statte meine Figuren mit dieser materiellen Sicherheit aus, damit sie sich komplett auf ihr seelisches Glück konzentrieren können: Eigentlich müssten wir glücklich sein, uns geht es doch so gut. Diesen Satz kennt jeder, er hat ja schon eine moralische Komponente, nämlich die Aufforderung, verdammt nochmal happy zu sein. Und doch ist ja niemand substanziell glücklich, zumindest nicht in den westlichen Gesellschaften, die ich so kenne. Es sind die sogenannten First-World-Problems, die mich interessieren.

Es wird sehr deutlich in diesem Buch, wie sehr sich die weltpolitische Lage verändert hat. War das für Sie der Grund, weite Teile Ihrer Geschichte in den USA spielen zu lassen?
Ich habe selbst viele Jahre in den USA gelebt und fand immer faszinierend, wie schamlos und unverhüllt gesellschaftliche Veränderungen dort sichtbar werden, oft Jahrzehnte, bevor sie in unserem europäischen Zusammenhang relevant werden. Davon wollte ich im Roman profitieren und meine armen Deutschen sozusagen Extrembedingungen aussetzen. 

Ein großer Reiz Ihres Romans geht davon aus, mit welchen Verunsicherungen Ihre Figuren zu kämpfen haben. Immer stellen wir uns bei der Lektüre die Frage, was sie antreibt und mit welchen Konsequenzen sie zu kämpfen haben. Können Sie das ein wenig beleuchten? 
Ein wiederkehrendes Motiv in dem Roman ist, dass alle Figuren glauben, eine Leerstelle in ihrem Leben zu spüren: etwas, das ihnen fehlt, das sie meinen, zurückerobern zu müssen: Da ist Benni, dem seine Frau Emilia mit den Kindern weggelaufen ist; Katrin, der es nach Jahren gelingt, zeitweilig mit dem Trinken aufzuhören, und die ihre verpasste Mutterschaft an Emilia nachholen möchte; ihr Ex-Mann Thomas, der als Techmillionär alles hat außer einem Ziel, einer Richtung und diese dann in einer neuen Gesellschaftsordnung glaubt finden zu können. 
Oder Chris, den wir aus „Schönwald“ bereits kennen und der da schon lost war und nun seine einzige funktionierende Beziehung, die zu seinem Bruder Benni, zu verlieren droht: Weil also offenbar niemand mit seinem Zustand glücklich ist, werden immer Häutungen vollzogen, neue Konzepte ausprobiert – mit durchwachsenen Ergebnissen. Die einzige Figur, die sich bisher erfolgreich jeder Evolution widersetzt hat, ist die alte Mutter Ruth. Sie durchschaut jeden, nur sich selbst nicht, und intuitiv warnt sie vor dem schicksalhaften Zusammentreffen der beiden Familien Papenburg und Schönwald in New York. 
Interessanterweise stellt sich am Ende die Figur mit den meisten Dämonen und einem zerbrochenen Leben als diejenige heraus, die am freiesten agieren kann und einen realistischen Blick aufs Leben hat. Ich sage nicht, welche das ist. 

Eine große Frage: Sind Ehe und Familie heute noch gültige Konzepte? 
Auf jeden Fall! Wir haben doch nichts anderes. Es ist ja nicht so, dass im 20. Jahrhundert nicht nach alternativen Modellen gesucht wurde. Offene Beziehungen, Kommunen, Otto-Mühl-Sekten, WGs, Patchworkkonstellationen. Das Wenigste davon hat funktioniert. Ich glaube, wir müssen mit dem arbeiten, was wir vorfinden. Ich möchte für immer verheiratet bleiben.