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Düster, sexy und hochspannend

Der neue Urban-Fantasy-Roman von Nina MacKay

Infobereich

Selbst auf die dunkelste Nacht folgt ein neuer Morgen.

 

Düster, sexy und hochspannend - Nina MacKay ist zurück! An den letzten fünf Tagen des Jahres, den Dämonentagen, leben die Menschen in Furcht und Angst. Sobald das letzte Tageslicht versiegt, fallen Dämonen über die Erde her. Die 17-jährige Adriana wird in eine ominöse Villa eingeladen, um dort die Dämonentage zu verbringen. Doch etwas ist anders als sonst. Ein Dämonenclan scheint es ausgerechnet auf Adriana abgesehen zu haben. Und warum behauptet der Halbdämon Cruz, auf sie angewiesen zu sein? Am Ende der ersten Dämonennacht muss Adriana eine Entscheidung treffen, die nicht nur ihr eigenes Schicksal verändern wird.

In unserem Interview beantwortet die Autorin der Überraschungserfolge »Plötzlich Banshee« und »Teenie Voodoo Queen« Fragen zur Entstehung ihres neuen Urban-Fantasy-Romans. Im Infobereich finden sowohl Menschen und Dämonen, die wichtigsten Tipps und Verhaltensregeln für die Dämonentage. Mit unserer Bastelvorlage kannst du dir deinen eigenen Cruz bauen!

Blick ins Buch
DämonentageDämonentage

Roman

An den letzten fünf Tagen des Jahres, den Dämonentagen, leben die Menschen in Furcht und Angst. Sobald das letzte Tageslicht versiegt, fallen Dämonen über die Erde her. Wer überleben will, muss sich verstecken. Die 17-jährige Adriana wird in eine ominöse, jedoch offenbar sichere Villa eingeladen. Mit  Freunden, unter denen auch ihr heimlicher Schwarm Eloy ist, will Adriana die Dämonentage dort verbringen. Doch etwas scheint anders als sonst. Mehrere Alpha-Dämonen schließen sich zusammen und gehen erstmals organisiert gegen Menschen vor. Was wollen sie von Adriana? Und warum ist der Halbdämon Cruz auf sie angewiesen? Am Ende der ersten Dämonennacht muss Adriana eine Entscheidung treffen, die nicht nur ihr eigenes Schicksal verändern wird.
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Kapitel 1

 

Es ging auf die dunkelste Zeit des Jahres zu. Seit Wochen dominierten in den Nachrichten die Warnungen und Verhaltensempfehlungen für die Tage zwischen dem 27. und 31. Dezember und wie in den Jahren zuvor sicherten die reicheren Einwohner von Portland, Oregon, ihre Häuser wie Fort Knox. Metallverstärkte Schutzwände, automatisch absenkbare Eisengitter und Fenster aus Panzerglas konnte sich leider nicht jeder leisten.

Während Adriana Astara auf ihrer Lieblingsbank im Washington Park die letzten Strahlen der untergehenden Sonne genoss, grub sie ihre Finger in die Ärmel ihres Pullovers. Wenn sie hier saß, in der frischen Winterluft, gelang es ihr am besten, die Bilder vom letzten Jahreswechsel zu verdrängen. Sie hatte ihre Lektion gelernt und die Schrecken würden sich dieses Jahr nicht wiederholen. Sie zog die Beine an und legte dann ihren Kopf auf den Knien ab. Trotz des bevorstehenden jährlichen Ausnahmezustands versprühte der Washington Park für Adriana den Charme eines himmlischen Paradieses. Hier hatte sie die schönsten Tage ihres Lebens gemeinsam mit ihrer Mutter verbracht. Wie viele Picknicke hatten sie im Schatten der Statue von Sacajawea veranstaltet? Die Indianerin hatte den ersten Track Europäer nach Westamerika geleitet. Adriana hob den Kopf, um Sacajawea zu betrachten. Momente puren Glücks zogen an ihrem inneren Auge vorbei. Ja – damals, in ihrer frühen Kindheit, war sie noch glücklich gewesen. Wenigstens versuchten die Erinnerungen ihr das vorzumachen. Wieder seufzte Adriana, als sie an ihre Mutter dachte.

Doch viel Zeit für Sentimentalitäten blieb ihr an diesem Abend nicht mehr. Unerbittlich schritten die Minuten am 27. Dezember 2019 voran. Bald würde sie loslaufen müssen, denn sie hatte eine Einladung von Mr Peterson, dem ehemaligen Leiter ihres Kinderheims, angenommen, sich in den kommenden Nächten bei ihm zu verstecken. Adriana zog ihre graue Kapuzenjacke enger um sich. Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Mr Peterson hatte sogar erlaubt, dass sie ihre drei besten Freunde mitbrachte. Rico, Dakota und Eloy. Bei dem Gedanken an Eloy erwärmten sich ihre Wangen trotz der Winterluft. Er würde fünf ganze Nächte mit ihr in einer Villa verbringen. Oh ja, diese Dämonentage würden so viel besser werden als die letzten! Gerade als sie aufstehen wollte, wehte ein Flugblatt gegen ihr Schienbein. Es war eins der typischen Dämoneninformationsblätter, die das BKOD jedes Jahr herausgab. Normalerweise ignorierte sie dieses Wurfmaterial vollkommen, aber das hier sah irgendwie anders aus. Sie langte nach dem Zettel und warf einen Blick darauf.

Auf der Vorderseite befanden sich die Onlinekontakte und Telefonnummern der Behörde für Kontrolle von oberirdischen Dämonenaktivitäten sowie die üblichen Warnungen, mindestens eineinhalb Stunden vor der Darkness Hour einen sicheren Ort aufzusuchen, entweder auf dem geweihtem Boden eines Gotteshauses oder in einem ausreichend gesicherten Gebäude. Auf der Rückseite hatten findige Zeichner eine Übersicht der verschiedenen Dämonenarten erstellt. Aus einer Laune heraus faltete sie das Blatt zusammen und steckte es sich in die hintere Jeanstasche.

Energisch wischte sie den Gedanken an die Geschöpfe der Hölle beiseite. Sie musste los. Sobald der letzte Sonnenstrahl verschwand, würden die Dämonen wie Fledermäuse über die Welt hereinbrechen. Für ihre Freunde hatte sie eine Wegbeschreibung aufgemalt. Obwohl es Navi-Apps gab, hatte sie lieber auf diese selbst gemalte Karte gesetzt, denn manchmal funktionierten die Holomaps während der Dämonentage durch die Netzüberlastung nicht. Adriana sprang auf. In der Tat, sie musste sich jetzt wirklich beeilen. Schnell zog sie ihre Kapuzenjacke bis zum Kinn zu und strich sich die braunen Haare hinter die Ohren. Vielleicht war es das Beste, wenn sie die Strecke größtenteils rennend zurücklegte.

Als wäre eine Horde Deltas hinter ihr her, sprintete sie kurz darauf durch den Park Richtung Süden. Im Laufen warf sie einen letzten Blick zurück und bemerkte, wie ein zweites Dämonenflugblatt davongeweht wurde und im Gesicht der bronzenen Statue von Sacajawea landete.

 

Laut vor sich hin schnaufend erklomm Adriana den Hang, der zwischen dem Washington Park und dem Council Crest Park lag. In der Ferne hörte sie Sirenen aufheulen. Das BKOD machte darauf aufmerksam, dass die Darkness Hour nahte. Leider konnten sie nicht viel mehr als das für die Bewohner der Stadt tun.

Während sie in einen leichten Trab verfiel, vergrub Adriana ihre Finger in ihrem Kapuzenpullover. Die sanfte Winterkälte Portlands machte ihr nicht viel aus. Mittlerweile sank die Temperatur nur noch selten unter zehn Grad in der kalten Jahreszeit. Aber selbst wenn niemand mehr im Winter erfror, sicher waren die Menschen in Portland und auch auf der ganzen Welt deshalb nicht während der fünf letzten Tage im Jahr.

Ihre Mutter hatte behauptet, dass die Engel eines Tages auf die Erde zurückehren würden, um den Dämonen Einhalt zu gebieten. Dass alles besser werden würde mit den Jahren. Daran glaubten die älteren Generationen der Menschheit, denn sie kamen aus einer Zeit, in der es noch keine Dämonentage gegeben hatte. Aus einem Leben, in dem die Engel noch über die Menschen gewacht hatten. Oh, wie sehr wünschte sich Adriana, dass ihre Mutter recht behalten sollte. Dass diese grässlichen Tage irgendwann für immer enden würden. Denn das Einzige, was Dämonen fürchteten, vielleicht abgesehen von Halbdämonen, waren Engel …

Langsam, aber sicher ging Adriana die Puste aus. Unter einer Straßenlaterne, die gerade flackernd ansprang, gönnte sie sich eine kurze Verschnaufpause. Während sie sich am Laternenmast festhielt, sog sie so viel Sauerstoff wie möglich in ihre Lungenflügel. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass ihr noch 47 Minuten bis zur Darkness Hour, der völligen Dunkelheit, blieben. Okay, das würde reichen und gleich würde sie in Sicherheit sein und ihre drei besten Freunde treffen, um mit ihnen gemeinsam die kommenden Nächte durchzustehen. Wobei Eloy für sie mehr war als nur ein Freund. Eloy war … Eloy. Ein kleines Lächeln stahl sich auf Adrianas Lippen, als sie an seine mandelfarbenen Augen und den braunen Wuschelkopf dachte, der es ihr besonders angetan hatte. Doch dieser angenehme Gedanke wurde schnell wieder von Sorgen überschattet: Was, wenn Eloy nicht auftauchen würde? Nein, das durfte nicht sein. Aber leider war es durchaus möglich, dass er ein besseres Angebot erhalten hatte, denn der Nordwesten hatte einen gewaltigen Nachteil: Der Zoo lag in diesem Viertel. Selbst jetzt meinte Adriana, Papageiengeschrei wahrzunehmen. Und Dämonen liebten den Geruch von verängstigten Tieren. Die Stadtverwaltung hatte enorm viel Geld ausgegeben, um die Tiergehege zu sichern, doch sie konnte sich daran erinnern, wie sich vor sechs Jahren zwei Dämonenclans zusammengetan, gemeinsam das Affenhaus des Zoos geknackt und sämtliche Tiere dort gefressen hatten. Adriana schüttelte sich, als die Bilder des Affenmassakers, die überall durch die Presse gegangen waren, sich erneut vor ihr inneres Auge schoben.

Und doch hatte es letztes Jahr diesen Vorfall bei der Christ Venia Church gegeben, der Adrianas Wahrnehmung von den Dämonen teilweise verändert hatte …

Schnell schob sie die aufkommenden Erinnerungen aus ihrem Kopf.

In Gedanken versunken summte Adriana vor sich hin, ohne es wirklich zu bemerken, bis sie ihre eigene Melodie erkannte. Unbewusst hatte sie das Dämonenkinderlied angestimmt, das sie in früheren Jahren häufig gesungen hatte. Wieder grub sie ihre Fingernägel in den Saum der dicken Kapuzenjacke. Bevor ihre Mutter vor dreizehn Jahren in einer Dämonennacht ums Leben gekommen war, hatte sie Adriana ein Lied beigebracht, das bereits die Kleinsten auf die alljährlichen Dämonentage vorbereiten sollte. Dabei zählte man die Dämonen an den Fußzehen ab, wobei man beim kleinen Zeh begann:

 

… den Omega musst du fürchten als Einzigen nicht. Er kann nicht beißen und ist kaum größer als ein Kürbis – der kleine Wicht …

… vor dem Delta dagegen nimm dich in Acht, er erschnuppert deinen Geruch und weiß immer, was du machst …

… wenn der Gamma dich packt, sag Auf Wiedersehen zu deinem Fuß, er ist ab, bevor du nach Hause schicken kannst einen Gruß …

… an einem Beta ist mehr als nur spröder Sand, er tötet dich als seines Alphas rechte Hand …

… zum Schluss sei gewarnt vor dem Alpha der Runde – hat er dich erwählt, gehört ihm dein Herz am Ende der Stunde.

 

Während sie sich bemühte, ihre Tränen zurückzuhalten, umklammerte sie mit der rechten Hand das Amulett mit dem Foto ihrer Mutter, das immer an einer silbernen Kette um ihren Hals hing. Genauso wie die Kette trug Adriana auch den Brief ständig mit sich herum. Den Brief, der ihr nach dem Tod ihrer Mutter von einem Notar übergeben worden war. Zu diesem Zeitpunkt war sich Adriana der Anwesenheit des Briefes in ihrer Geldbörse deutlich bewusst. Wie man eine Narbe auf der Haut wahrnahm. Es waren zugleich liebevolle wie auch verstörende Zeilen. Ihre Mutter hatte Andeutungen auf ihren Vater und – wenn sich Adriana nicht ganz täuschte – auch auf ein Familiengeheimnis gemacht.

Eine Weile gab sie sich diesen trübsinnigen Gedanken hin. Am Ende der diesjährigen Dämonentage würde sie es erfahren. Dann würde der Notar ihr den zweiten Brief aushändigen, der hoffentlich mehr erklären würde. Genau an ihrem achtzehnten Geburtstag.

 

Kurze Zeit später erreichte Adriana die südlichen Ausläufer des Council Crest Parks und blickte unwillkürlich nach rechts, denn sie hoffte ihre Freunde, die von Westen kommen sollten, dort auftauchen zu sehen, aber natürlich waren sie noch nicht hier. Sie warf einen Blick auf ihr Handy. Kein Netz. Selbstverständlich nicht. Jetzt versuchten alle Menschen, ihre Lieben zu kontaktieren. Also konnte sie ihren besten Freund Rico nicht anrufen. Sie musste sich auf ihr Glück und die selbst gemalte Karte verlassen, die sie den anderen im Café zugesteckt hatte. Es würde schon alles gut gehen. Dieses Jahr hatte sie einen festen Unterschlupf.

Mit gemischten Gefühlen lief Adriana weiter, über die reichlich zugewachsenen Wege in diesem verwilderten Teil des riesigen Parks, während ihr das Herz bis zum Hals klopfte. Es brachte nichts, hier stehen zu bleiben und zu warten. Am Ende würden sie sich noch verpassen, wenn ihre Freunde einen anderen Weg einschlugen.

Seufzend konzentrierte sie sich wieder auf den Pfad vor ihr, der recht uneben und gewunden verlief. Ein wenig fühlte man sich in den Parks und Wäldern Portlands immer wie in einen Märchenwald versetzt. Sie achtete auf größere Steine, die überall zwischen den Kieseln herumlagen. Wenn sie jetzt auf diesem dunklen Parkweg stolperte und sich den Knöchel verstauchte, war sie geliefert! Sie befahl sich selbst, langsamer zu gehen. Schließlich hatte sie sich vorgenommen, in diesem Jahr keinen Fehler mehr zu machen. Wenn sie jetzt hinfiel … In dem grünen Dickicht am Wegesrand konnte sie sich zwar verstecken, aber sobald sich Dämonen in der Nähe aufhielten, würden sie sie wittern können.

Nach ein paar Schritten passierte sie die Blechstatue einer Frau, die ein Kind in die Luft warf, und auf einmal beschrieb der Weg vor ihr eine Kurve. Oh, gut, da vorne ragte die Villa, die ihr Mr Peterson beschrieben hatte, hinter einem Metallzaun empor.

Wow, was für eine imposante Hütte!, ging es ihr durch den Kopf. Mr Peterson hatte wirklich eine gute Partie gemacht! Nun verstand Adriana auch, warum er nicht länger als Kinderheimleiter arbeitete. Seine neue Frau besaß anscheinend genug Geld für sie beide. Die zweistöckige gelbe Villa konnte mit einer weitläufigen, gepflegten Auffahrt umrahmt von Blumenbeeten und Rasenflächen im Stil englischer Gärten aufwarten. Ganz vorne am Zaun stand eine Hundehütte, die mit Sicherheit größer war als Adrianas Badezimmer. Die Villa präsentierte sich mit zwei Marmorsäulen im Eingangsbereich, wirkungsvoll von versteckten Strahlern in Szene gesetzt. Zögerlich klingelte Adriana am Tor. Dabei fühlte sie sich wie der Gast eines Filmstars in den Hollywood Hills.

Lautes Hundegebell ertönte. Die Haustür wurde aufgerissen und ein schwarzer Labrador, gefolgt von einem Jack Russel Terrier, schoss daraus hervor.

»Tequila! Whiskey!«, schrie eine Frauenstimme ihnen hinterher, doch davon ließen sich die Hunde nicht beeindrucken, sondern sausten die Einfahrt hinunter. Adriana blickte auf. Eine Frau in den Vierzigern, ebenso blond wie sonnengebräunt, stand in der Tür. Die geschätzten zwei Tonnen Schmuck, die sie an Armen, Hals und Ohren trug, reflektierten das Scheinwerferlicht so penetrant, dass es Ariana nicht gelang, die Dame von hier aus genauer in Augenschein zu nehmen.

Vor Adriana saßen nun schwanzwedelnd die beiden Alkoholsorten und warfen ihr neugierige Blicke zu.

»Hi, ich bin Adriana Astara …« Sie sagte es zu der kleinen Metallplatte mit den Schlitzen darin, von der sie vermutete, dass es sich um die Gegensprechanlage handelte.

»Ja, aber sicher bist du das, Schätzchen.« Die Stimme der Frau klang blechern aus dem Lautsprecher, aber Adriana glaubte von hier aus ahnen zu können, dass ihre Gastgeberin sie anstrahlte. »Und ich bin Molly Svensson. Komm rein.«

Mollys Akzent klang irgendwie europäisch, womöglich stammte sie aus Schweden, vermutete Adriana.

»Harry erwartet dich schon.«

Oh gut. Das Tor vibrierte und öffnete sich dann, indem es nach links rollte. Ja, dieses Haus stank geradezu nach Geld. Adriana würde aufpassen müssen, dass Dakota, die wahnsinnig flinke Finger hatte und zur Kleptomanie neigte, nichts mitgehen ließ.

Mit klopfendem Herzen und begleitet von den beiden Hunden lief sie der Hausherrin entgegen. Jetzt konnte sie auch das freundliche Gesicht und die strahlenden blauen Augen von Molly besser erkennen. Der Anstieg der langen Auffahrt ließ sie beinahe schon wieder keuchen. Sobald Adriana näher kam, nahm sie eine dezente Wodka-Wolke wahr, die wie eine Aura um diese Frau schwebte. Langsam erschienen ihr die Hundenamen gar nicht mal mehr so abwegig …

»Können wir das Tor auflassen? Meine Freunde kommen gleich. Es könnte etwas knapp werden vor Einbruch der Dunkelheit.«

»Oh, Schätzchen, ihr jungen Leute seid immer so spät während der Dämonentage! Mir ist wirklich schleierhaft, warum das bei euch Mode ist. Aber gut. Wir fahren die Sicherheitssysteme hoch, lassen das Tor und die Haustür jedoch vorerst ungesichert. Eine Minute vor der Darkness Hour sichert das Alarmsystem aber automatisch alles ab. Dann kommt niemand mehr rein. Ausgeschlossen.«

Ach, verdammt. Aber es stimmte schon. Die meisten Teenager in der Stadt verließen sich mit selbst überschätzender Zuversicht darauf, dass ihnen schon nichts passieren würde. Nein, immer nur die anderen erlebten unaussprechliche Dämonenangriffe. Die Prozentzahl derer, die das Ganze nicht ernst nahmen oder sogar als Nervenkitzel ansahen, lag nur unwesentlich über der Menge junger Leute, die der Ansicht waren, die Dämonen hätten sich sogar vor ihnen selbst in Acht zu nehmen. Erst neulich hatte Adriana eine Gruppe Highschool-Footballspieler im Café bedient, die genau diesen Satz wieder und wieder gejohlt hatten. Sich schon viel früher zu verstecken als nötig galt als extrem uncool.

Adriana warf einen Blick auf den Park auf der anderen Straßenseite. Hoffentlich schafften es ihre Freunde rechtzeitig. Leider mussten sie wohl heute zur Statistik beitragen und Mollys Behauptung bestätigen, dass junge Leute die Dämonentage zu oft in schöner Sorglosigkeit begingen. Adriana war da leider keine Ausnahme gewesen und hatte ihr leichtsinniges Verhalten bereits unglaublich teuer bezahlen müssen.

Der Jack Russel Terrier wählte ebendiesen Moment, um wie ein Flummi an Adrianas Beinen emporzuspringen.

»Das ist unser Hund Tequila und der kleine Hüpfball da heißt Whiskey.« Molly deutete zuerst auf den Labrador und dann auf den Jack Russel, der weiter unermüdlich an Adrianas Bein hochsprang. Aha. Am Ende der Nacht würde sie eine neue Jeans brauchen, wenn das so weiterging.

»Entschuldige, wir haben die beiden noch nicht lange und daher noch keine Zeit gehabt, sie zu erziehen. Unsere Perserkatze heißt übrigens Batida de Coco. Aber wir rufen sie meistens Coco«, erklärte Molly.

In diesem Haus schien Alkohol eine große Rolle zu spielen.

»Harry! Adriana ist hier!«, schrie Molly in Richtung der riesigen marmornen Treppe, die in den ersten Stock führte.

Keine drei Sekunden später tauchte Mr Peterson am oberen Ende der Treppe auf. »Adriana! Schön, dass du da bist.«

Ja, das fand Adriana auch, schließlich wirkte diese Villa sicherer als alle anderen Privathäuser, die sie bisher gesehen hatte. Molly hatte sich offensichtlich für die De-luxe-Version der Sicherheitssysteme entschieden. Vor jedem Fenster und jeder Tür prangten Panzer- oder Stahlplatten, die man, wie sie aus Fernsehbeiträgen wusste, per Fernsteuerung davorfahren lassen konnte. Neben der Haustür in einer Nische hatte Adriana das dazugehörige Kontrollzentrum erspäht. Zusätzlich befanden sich neun Kameras rund um das Haus verteilt, das zeigte zumindest der Monitor an, der in neun kleine Bilder unterteilt war.

»Ich dachte, du bringst deine Freunde mit.«

»Hi, Mr Peterson, meine Freunde kommen gleich nach.« Adriana räusperte sich. »Vielen Dank für die Einladung. Ich bin sicher, dieses Haus ist das am besten geschützte in ganz Portland.«

»Nenn mich bitte Harry.« Mr Peterson, beziehungsweise Harry, hatte nun die unterste Stufe erreicht. »Wir sind ja nicht länger in St. Tanael.«

Molly warf ihm einen Blick unter ihren perfekt nachgezogenen, leicht angehobenen Augenbrauen zu, den Harry jedoch zu ignorieren schien.

»Gut, aber wenn deine Freunde nicht innerhalb der nächsten zwölf Minuten auftauchen, sieht es schlecht für sie aus. Das Sicherheitssystem ist programmiert …«

»Na ja«, meinte Molly. »Wir könnten es auf Sommerzeit umstellen und manuell schließen, sobald ihre Freunde da sind.«

»Hältst du das für eine gute Idee, Molly? Das hört sich recht … waghalsig an.«

Wieder hob Molly eine Augenbraue. »Willst du schuld daran sein, dass drei Teenager in unserem Vorgarten gefressen werden?«

Harry kratzte sich über seinen bereits ergrauten Fünftagebart. Im Vergleich zu Molly war er nur halb so attraktiv mit seiner Halbglatze und Brille. Was eine gut betuchte und hübsche Frau wie Molly wohl an ihm fand?

»Ja, du hast recht, Schatz. Wie immer. Im Notfall werde ich das System austricksen und auf den 27. März programmieren. Da geht die Sonne erst viel später unter.«

»Wie?«, wollte Adriana wissen.

»Ganz einfach. Man geht an der Tastatur auf Zeiteinstellung und ändert den Dezember auf März um. Geht ganz schnell. Wir lassen das System scharf. Es ist darauf programmiert, eine Minute vor der jeweiligen Darkness Hour alle Eingänge zu sichern. Normalerweise schalten wir es natürlich nur während der Dämonentage scharf oder wenn wir in Urlaub fahren.«

Okay, das war zumindest ein kleiner Lichtblick.

»Gut.« Molly klatschte in die Hände. »Möchtest du etwas trinken, Schätzchen? Du musst doch Durst haben?«

Adriana nickte. »Das wäre nett.«

Molly, die ihr freundlicherweise den Rucksack abnahm und ihn an Harry weiterreichte, führte sie in das angrenzende Wohnzimmer, aus dem jeder Innenausstatter mit einem Hauch von Berufserfahrung mindestens die Hälfte der Perserteppiche entfernt hätte. Auf sämtlichen Regalen, Kommoden und Beistelltischen drängten sich vergoldete Keramikfigürchen.

Ach, du Schreck. Anscheinend hatte jeder so seine eigene Methode, Dämonen auf Abstand zu halten … Trotzdem nahm sich Adriana, nachdem sie beinahe über den durch ihre Beine hindurchflitzenden Whiskey gestolpert wäre, ein Glas vom Couchtisch und füllte es mit Cola. Danach ging sie mit dem Glas und ihrem Handy zurück zur offenen Haustür, wo sie gemeinsam mit Harry hinaus in den immer dunkler werdenden Abendhimmel starrte.

»Noch neun Minuten«, informierte Harry Adriana.

Ach, verflucht! Warum kamen sie denn nicht? Sollte irgendetwas schiefgegangen sein?

Tequila, der Labrador, kam angeschlendert und schnüffelte an Adrianas Sportschuh.

Whiskey schoss ab und zu wie eine Gewehrkugel in den Garten und musste dann jedes Mal von Harry zurückgepfiffen werden.

Schneller, schneller! Unruhig tappte Adriana mit dem Fuß auf den Boden, was Tequila dazu veranlasste, in die wippenden Schnürsenkel zu beißen.

 

Wo seid ihr?

 

 

tippte sie in ihr Handy. Glücklicherweise ging die Nachricht sofort raus. Netz war in diesem Augenblick ausreichend vorhanden.

 

Gleich da.

 

 

schrieb Dakota direkt zurück.

Gleich? Wann war gleich?

»Noch vier Minuten!« Harry bewegte sich in Richtung seines Kontrollzentrums. »Mach dir keine Sorgen. Die Dämonen treiben sich immer zuerst in der Innenstadt herum, wo es mehr Menschen gibt«, versuchte er Adriana zu beruhigen. »Deine Freunde haben sicher noch ein paar zusätzliche Minuten.«

Von hinten legte ihr Molly eine Hand auf die Schulter.

»Oder wir haben Glück und ein Halbdämon wohnt in der Nachbarschaft«, scherzte sie. »Dann werden die Dämonen die Gegend hier meiden.«

Wahnsinnig komisch.

Dass Molly in diesem Moment Witze machen konnte! Aber es stimmte. Unglaublich, aber wahr: Dämonen fürchteten sich wahnsinnig vor Halbdämonen, denn es hieß: Wenn ein Halbdämon, der halb Mensch und halb Dämon war, seine menschliche Seite ablegte, indem er alle Zehn Gebote Gottes brach, stieg er direkt zu einem der stärksten Alpha-Dämonen auf und musste sich nicht erst vom Omega aus hocharbeiten. Außerdem waren sie gefürchtet, weil sie offenbar gern einfach einen anderen Alpha-Dämon töteten, um dann dessen Dämonenclan zu übernehmen. Na ja, so was kam allerdings äußerst selten vor, denn es gab nicht gerade viele Halbdämonen, wie man so hörte. Obwohl es Adriana recht einfach erschien, alle zehn Gebote zu brechen – bis auf das Töten selbstverständlich. Zumindest für ein Kind, das im Heim aufgewachsen war, so wie sie, war es normal, alle anderen Gebote wie »Du sollst nicht stehlen« zu brechen. Außerdem begehrte Adriana Eloy nun schon seit zwei Jahren und zu Anfang war er noch mit ihrer damaligen Freundin Cassy zusammen gewesen. Also hatte Adriana damit auch das Gebot »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau oder Mann« gebrochen. Und dann war da noch die Sache mit ihrem Lehrer gewesen …

Adriana erschauerte. Eloy … Sie hätte alles dafür gegeben, wenn Eloy in diesem Augenblick durch die Baumreihen des Parks gebrochen wäre. Eloy … Wo steckte er nur?

»Noch zwei Minuten«, sagte Harry.

Die Sekunden flogen dahin, während Harry und Adriana an der Tür standen und in Richtung Park starrten. Die Dämmerung zog sich zu. In jeder Sekunde immer mehr ins Tintenschwarze. Die Bank vor dem kleinen Wäldchen, das zum Park gehörte und durch das Adriana gelaufen war, zeichnete sich nur noch als schwache Silhouette ab. Lediglich die Laternen auf dem Bürgersteig warfen hier und da einen Lichtkegel auf den Boden.

»Es ist so weit«, meine Harry schließlich. »Ich muss das Sicherheitssystem austricksen. Hoffentlich sind keine Dämonen in der Nähe …« Er ging hinüber zu seinem Schaltpult.

»Na, es wird schon nichts geschehen.« Für die Zuversicht in Mollys Stimme musste Adriana Harrys Ehefrau einfach bewundern.

Nina MacKay im Interview

So ganz allgemein: Talent oder Übung, was macht Deiner Meinung nach eine gute Autorin aus?

Ich denke, es gibt zwei Wege, eine gute (wobei, wie definiert man das?) Autorin zu werden. Mit natürlichem Talent oder durch ganz viel Übung. 

 

Starke Frauenfiguren in der Fantasy sind mittlerweile erfreulicherweise keine Seltenheit mehr. Was zeichnet deine Heldin aus?

Adriana reift erst im Laufe des Buches zu einer starken Figur heran. Aus ihrer Sicht muss sie handeln, um ihre Freunde zu schützen. Selbst um die ganze Menschheit zu retten, die ihrer Mutmaßung nach alle Adriana hassen. Sobald sie ihre wahre Identität herausfinden, zumindest. Trotzdem wächst Adriana in dieser Hinsicht über sich hinaus. Tut sogar etwas ganz Fürchterliches, was ihr eigenes Leben zerstören könnte. Alles für ein höheres Wohl. 

 

Hast du dich von anderen Urban-Fantasy Heldinnen / Autorinnen inspirieren lassen?

Allgemein denke ich lässt sich jeder Autor/Autorin durch Bücher und Filme inspirieren, die er oder sie konsumiert. In gewisser Weise könnte man sagen, habe ich mich durch die Sage der Geburt von den fünf Göttern Isis, Osiris, Horus, Seth und Nephthys inspirieren lassen - für die Titelfindung zumindest. Ihre Mutter schuf extra für ihre Geburt fünf weitere Tage im Jahr, die man auch die Dämonentage nennt. 

 

Was war deine Inspiration hinter Dämonentage?

Ich habe den Anfang und das Ende von Band 1 geträumt, ehrlich gesagt. Dann noch eine Lovestory dazu erfunden und geschaut, wohin mich die Handlung treibt. Ausnahmsweise habe ich nicht allzuviel geplottet bei diesem Buch. Daher konnte es mich aber auch gut unterhalten und selbst überraschen. 

 

Du führst imaginäre Interviews mit deinen Romanfiguren, was würdest du die 17-jährige Adriana fragen?

Adriana frage ich gern, warum sie sich in Bezug auf Cruz so ziert:) Cruz bitte ich gern um Unterhaltung, wenn ich zum Beispiel eine lange Strecke laufen muss

Über die Autorin

Nina MacKay, irgendwann in den ausgeflippten 80er-Jahren geboren, arbeitet als Marketingmanagerin (wurde aber auch schon im Wonderwoman-Kostüm im Südwesten Deutschlands gesichtet). Außerhalb ihrer Arbeitszeiten erträumt sie sich eigene Welten und führt imaginäre Interviews mit ihren Romanfiguren. Gerüchten zufolge hat sie früher als Model gearbeitet und einige Misswahlen auf der ganzen Welt gewonnen. Schreiben ist und war allerdings immer ihre größte Leidenschaft.

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