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Night of Shadows and Flames – Die Ewige Nacht (Night of Shadows and Flames 2) Night of Shadows and Flames – Die Ewige Nacht (Night of Shadows and Flames 2) - eBook-Ausgabe

Laura Labas
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Roman

— Mit limitiertem Farbschnitt | New-Adult-Fantasy mit Vampiren, Hexen und Fae
Paperback (17,00 €) E-Book (14,99 €)
€ 17,00 inkl. MwSt. Erscheint am: 29.08.2024 Bald verfügbar Das Buch kann 30 Tage vor dem Erscheinungstermin vorbestellt werden. Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
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Night of Shadows and Flames – Die Ewige Nacht (Night of Shadows and Flames 2) — Inhalt

In Wimborne bricht die Ewige Nacht herein: Während die Tage immer kürzer werden, schleichen grausame Geschöpfe aus dem finsteren Wald, und die Fae hören den Ruf ihres dunklen Königs. Hexen fürchten aufgrund der lang andauernden Nächte um ihr Leben. Der charismatische König der Fae zwingt die junge Hexe Billie, eine magische Verbindung mit ihm einzugehen. Während der gut aussehende Vampir Tian versucht, sie zu retten, wird Billie von widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Um zu überleben und den Hexen von Wimborne eine Zukunft zu ermöglichen, muss sie entscheiden, wem sie vertrauen kann.

€ 17,00 [D], € 17,50 [A]
Erscheint am 29.08.2024
492 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70912-5
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€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erscheint am 29.08.2024
496 Seiten
EAN 978-3-492-60752-0
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Leseprobe zu „Night of Shadows and Flames – Die Ewige Nacht (Night of Shadows and Flames 2)“

Prolog

Jamie

Vorher


Jamie war kein Vampir. Etwas, das ihm längst hätte klar sein sollen. Schließlich war sein Vater ein Vampir, was das beste Beispiel für einen dieser Art war, und Jamie gehörte ganz offensichtlich nicht dazu. Gegen diese Erkenntnis hatte er sich jedoch lange Zeit gesträubt. Weil er dazugehören wollte.

Sein Vater hatte ihn als Säugling gefunden und bei sich aufgenommen. Jemand hatte Jamie vor dem riesigen magischen Palast ausgesetzt und ihn seinem Schicksal überlassen. Hin und wieder, wenn Jamie ungehorsam gewesen war, hatte sein Vater [...]

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Prolog

Jamie

Vorher


Jamie war kein Vampir. Etwas, das ihm längst hätte klar sein sollen. Schließlich war sein Vater ein Vampir, was das beste Beispiel für einen dieser Art war, und Jamie gehörte ganz offensichtlich nicht dazu. Gegen diese Erkenntnis hatte er sich jedoch lange Zeit gesträubt. Weil er dazugehören wollte.

Sein Vater hatte ihn als Säugling gefunden und bei sich aufgenommen. Jemand hatte Jamie vor dem riesigen magischen Palast ausgesetzt und ihn seinem Schicksal überlassen. Hin und wieder, wenn Jamie ungehorsam gewesen war, hatte sein Vater ihm damit gedroht, das zu tun, was er längst hätte tun sollen: ihn ertränken wie einen räudigen Köter.

Jamie hatte rasch gelernt, seinen Ungehorsam zu verschleiern. Denn gehorsam zu werden wäre unmöglich gewesen.

Nachdem ihm klar geworden war, dass er ein Blutfae und kein Vampir war, erkannte er auch recht bald danach, dass er keinem vertrauen konnte. Weder dem seltsamen Bediensteten mit der finsteren Aura noch dem Boten, der als Einziger den Palast verließ. Abgesehen von Jamie selbst natürlich, aber das wusste niemand.

Heute Nacht war sein Vater damit beschäftigt, sich die Neuigkeiten aus der anderen Welt anzuhören und Strategien zu entwickeln. Etwas, bei dem Jamies Anwesenheit unerwünscht war. Obwohl dies etwas gewesen wäre, das ihn interessiert hätte. Doch er wurde von allem ferngehalten, was auch nur im Entferntesten mit der anderen Welt zu tun hatte.

Immerhin konnte er die Stunden nutzen, die sein Vater nicht mit Adleraugen über ihn wachte, um sich im Anblick des Nachthimmels zu verlieren. Es war eine der wenigen Nächte, in denen Rosa und Lila in das Schwarz des Himmels flossen. Die Andeutung einer Sonne, von der Jamie bloß gelesen, die er aber nie gesehen hatte.

Er kletterte flink von seinem Turmfenster nach oben an der bröckeligen Steinfassade entlang, die genug Halt für seine Fußspitzen und Hände bot. Mehr als tausend Mal war er diesen Weg hochgekraxelt und mindestens genauso oft hatte er sich geschworen, eines Tages frei zu sein.

Es war nicht so, als würde er seinen Vater nicht respektieren. Im Gegensatz zu ihm wollte Jamie jedoch mehr als das hier. Mehr als diesen Palast. Er wollte alles sehen.

Mühelos erreichte er die Attika des Spitzdaches und zog sich daran hoch. Mit ausgestreckten Armen, um sein Gleichgewicht zu bewahren, balancierte er am Abgrund entlang, bis er den dunkel angelaufenen, grotesk anmutenden Wasserspeier erreicht hatte. Dahinter legte Jamie sich hin, sodass er seine Sohlen an dem steinernen Körper abstützen konnte. Andernfalls würde er direkt hinabschlittern und das würde erhebliche Strafen nach sich ziehen. Blutige Strafen. Schmerzhafte Strafen.

Die Hände verschränkte er hinter seinem Schädel, ehe er in den Himmel hinaufsah und die Farbenpracht bewunderte. Schönheit, die es in diesem verfluchten Palast zuhauf geben sollte, die er jedoch nicht finden konnte.

Hier oben spürte er die Einsamkeit am stärksten. Wenn er die unzähligen Stunden mit seinem Vater als Lehrer durchlebte, konnte er das Gefühl ignorieren. Es war wie ein Fass, bei dem sein Vater vorübergehend einen Deckel draufdrückte. Doch sobald Jamie allein war, setzte sich das Wasser darin zur Wehr und drückte den Deckel auf. Alles in ihm wurde überschwemmt.

Aber wenn er wie jetzt den Himmel betrachtete und die unzähligen Sterne, den vollen großen Mond … dann dachte er an ein Volk, das so sein musste wie er. Lebendig. Atmend. Blutend.

Nicht wie sein Vater. Tot. Kalt. Allein.

Er wollte diese Welt sehen, von der er ferngehalten wurde. Seit achtzehn Jahren war er ein Gefangener dieses Anwesens. Sollte sein Leben hier beginnen und hier enden?

Langsam legte er die Hände vor seine Augen, bis er nunmehr durch eine ganz kleine Lücke sehen konnte. Und in dieser Lücke fand er den allerletzten Stern.

Der Stern seiner Hoffnung. So strahlend hell, dass er nichts anderes mehr wahrnehmen konnte außer diesen. Solange er seinen Stern hatte, würde sich alles fügen.

Solange der allerletzte Stern funkelte, war Jamie glücklich.

„Jamie? Mach die Tür auf!“, rief der Bedienstete seines Vaters.

Jamie brach der Schweiß aus, was fast nie geschah. Seine Körpertemperatur war im besten Fall moderat zu nennen. Doch auf Ungehorsam folgte Strafe und er …

Noch während er hinabstieg, wurde die Tür gewaltsam aufgebrochen. Holz splitterte und barst. Es war nicht das erste Mal, dass dies geschah, und an das letzte Mal hegte Jamie dunkle Erinnerungen.

Er war zu spät. Stand im offenen Fenster, als der Mann mit dem zerfurchten Gesicht im Türrahmen ein wölfisches Grinsen aufsetzte.

„Bitte …“, flehte Jamie, bevor er sich auf die Zunge biss.

Wenn es etwas gab, das sein Vater noch mehr hasste, dann war es, wenn er bettelte.

 

Ein paar Minuten später fand sich Jamie zitternd im Garten seines Vaters wieder. Es war nicht kalt, trotzdem bekam er das Beben seiner Gliedmaßen nicht unter Kontrolle. Hemd und Schuhe hatte er bereits ausgezogen, wie es von ihm erwartet wurde.

Sein gesamter Körper stand unter Spannung. Er wusste genau, welche Qualen auf ihn zukamen.

Jamie wünschte sich, er würde vergessen. Wenn er sich nicht erinnern könnte, wäre das Kommende nur halb so schlimm.

Doch das Vergessen war ihm nicht vergönnt.

Der treue Diener seines Vaters stand neben ihm. Ein Leuchten in den Augen, das ihm sagte, wie sehr er es genoss, Jamie bei seinem Ungehorsam erwischt zu haben.

Jamie war zu gut darin geworden, sich zu verstecken. Den guten Sohn zu spielen. Gleichzeitig hatte er in seiner Vorsicht nachgelassen. Jetzt musste er dafür bezahlen.

„Jamie“, hörte er die Stimme seines Vaters und jäh brach das Beben ab. Jede Zelle seines Körpers fürchtete sich vor dem Vampir, der ihn gefunden und mit Blut und Schlägen aufgezogen hatte.

„Vater, ich wollte bloß …“

Er hob eine dunkelbraune beringte Hand. Stille. Mehr brauchte es nicht. Wenn Jamie nicht gehorchte, würde es noch schlimmer werden. Er presste die Lippen zusammen, um sich von weiteren Ausflüchten abzuhalten. Vielleicht auch, um nicht zu weinen. Denn das wäre katastrophal. Das war das Schlimmste, was Jamie tun könnte.

„Die Geißel?“, fragte der Vampir fast gelangweilt und streckte eine Hand aus.

Jamie zögerte nicht und legte das Folterinstrument in die wartende makellose Hand.

„Ich habe einen Knochen hinzugefügt“, murmelte er.

Die Geißel war eine kleine Peitsche mit einem soliden Holzgriff und vier Lederriemen, so lang wie sein Unterarm. Mit jeder Ungehorsamkeit wurde an ihnen etwas Neues aufgezogen, um ihm Verstand einzubläuen. Stücke aus Blei, Kugeln, Widerhaken aus Eisen und scharfe Knochenteile.

„Immerhin etwas, das ich dir nicht mehr beibringen muss, hm? Du weißt, dass mir das kein Vergnügen bereitet, Jamie. Ich wünschte mir, du würdest gehorchen. Dreh dich um.“ Jamie tat wie geheißen. Es fiel ihm schwer, seine Sohlen zu heben. Trotzdem, eine andere Möglichkeit gab es nicht. Wie Dutzende Male zuvor hielt er sich an dem Pfahl vor ihm fest. Das einzige Zugeständnis seines Vaters, damit er aufrecht stehen bleiben konnte. Selbst wenn seine Beine den Dienst versagten. „Wie viele Hiebe waren es beim letzten Mal, Fend?“

„Siebenundsiebzig, mein Meister“, antwortete Fend.

Jamie biss die Zähne zusammen. Siebenundsiebzig? Letztes Mal waren es höchstens sechzig gewesen.

Sein Vater hielt inne, als würde er bloß darauf warten, dass Jamie versuchte, sich vor der Strafe zu drücken. Mit aller Macht hielt Jamie an seiner Selbstbeherrschung fest. Er hatte achtzehn Jahre überlebt, er würde weiter überleben.

„Dann sollen es heute achtzig sein.“

Jamie hörte das Zischen der Lederriemen einen Moment bevor sie auf seine Haut prallten. Sofort riss ihm der Widerhaken etwas zwischen seinen Schulterblättern auf. Warmes Blut rann bis zum Bund seiner Hose hinab. Es passierte noch mal und noch mal, bis Jamie so weit von sich selbst entfernt war, dass er nicht mal mehr die Zahlen hören konnte, die Fend ausstieß. Seine Konzentration galt allein der Aufgabe, nicht hinzufallen. Selbst als seine Hose kein Blut mehr aufsaugen konnte. Selbst als sich eine Lache um seine nackten Füße bildete. Selbst als von seinem Rücken nur noch eine Kraterlandschaft übrig war.

Erst, als sein Vater um ihn herumging und sich neben den Pfahl stellte, gestattete er sich, einen tiefen Atemzug zu tun.

„Nimm es.“

Jamie war fast davon überzeugt, dass seine Hände am Pfahl festgeklebt waren. Anders konnte er sich nicht erklären, warum es so schwer war, sie zu lösen. Schweiß rann ihm in Strömen von den Schläfen, bis es ihm endlich gelang, die blutbesudelte Geißel anzunehmen. Sofort glitt sie ihm aus den steifen Fingern und landete in der Lache.

Wie versteinert blickte Jamie sein Missgeschick an.

Die aufkommende Stille ploppte in seinen Ohren. War so laut. Unmöglich laut.

Sein Vater bückte sich, um die Geißel aufzuheben und sie ihm erneut zu reichen. Dieses Mal ließ er sie nicht fallen.

„Lass uns darüber hinwegsehen“, sagte der Vampir beinahe freudig. So hatte Jamie ihn selten gehört. „Denn ab heute beginnt deine richtige Ausbildung, Jamie. Bald schon wirst du deinem Vater gute Dienste leisten können. Freust du dich?“

„Sehr“, sagte Jamie, aber nur ein Krächzen löste sich aus seiner Kehle.

Er war zwar kein Vampir, doch auch er würde wieder heilen. Sein Rücken würde nie wieder so werden, wie er einmal gewesen war, aber er würde stärker werden. Härter werden. Kälter werden.

Wie sein Vater.

Er würde alles tun. Nur um dieser Folter endgültig zu entkommen.

„Fend, kümmere dich um ihn. In einer Stunde will ich ihn im Saal sehen.“

Jamie beobachtete, wie sein Vater aus seinem Sichtfeld verschwand. Er zählte die Sekunden. Erst als er sicher war, dass er mit Fend allein war, fiel er auf die Knie. Ein Stöhnen entfloh seinen aufgebissenen Lippen. Die Kraft floss aus ihm hervor und er landete auf der Seite. In seinem eigenen Blut liegend starrte er in den Himmel. Auf der Suche nach dem letzten Stern.

Das wäre nicht sein Ende. Dafür würde er sorgen.



1. Kapitel


Es war bitterkalt und dunkel. Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit man mich in diesen beschissenen Raum gesperrt hatte. Kerker traf wohl eher zu. Es gab keine Fenster und nur eine Tür, die fest verschlossen worden war.

Ich hatte mich an der kahlen Steinwand entlanggetastet, bis ich die Tür erfühlt hatte. Aber sie wollte weder meinem Ziehen noch Drücken nachgeben. Auch meiner neu erwachten Magie widersetzte sie sich. Ich spürte sie in mir brüllen. Gleichzeitig fiel es mir schwer, mich genug zu konzentrieren, um sie für mich zu nutzen. Eine magische Mauer hielt mich außerdem davon ab, meine Magie auszuschöpfen.

Wahrscheinlich waren Kerker wie diese hier für Hexen und Hexer kreiert worden, bevor ihnen die kleinen Stäbchen unter die Haut implantiert werden konnten. So eines hatte auch ich getragen, nachdem Tian mich ersteigert hatte.

Seufzend lehnte ich mich an die Wand und ließ meine Gedanken schweifen. Es gab nichts, das ich sonst tun konnte. Jamie, der, wie ich nun wusste, ein Blutfae war, hatte sich mit mir verbunden, wodurch jeder von uns mächtiger geworden war. Doch das war nicht alles. Unsere Leben waren nunmehr miteinander verknüpft. Ich spürte seine Präsenz und hörte manchmal auch seine Gedanken in meinem eigenen Kopf. Als würde er direkt neben mir stehen und mit mir reden. Es gab kein Entkommen.

Weder körperlich noch mental.

Nachdem ich das Bewusstsein verloren hatte, weil mich die Konvergenz übermannt hatte, war ich an diesem Ort aufgewacht. Es wunderte mich nicht, dass Jamie die Notwendigkeit gesehen hatte, mich einzusperren. So, wie ich seine Gedanken spüren konnte, konnte er das vermutlich auch bei meinen. Für ihn war es kein Geheimnis, dass ich bei der erstbesten Gelegenheit fliehen würde. Das wiederum wollte er nicht zulassen, weil er mich mochte. Ich hatte nie etwas Lächerlicheres gehört.

Es schadet dir selbst, nichts zu essen, sagte Jamie in meinen Gedanken.

Ich presste die Hände auf die Ohren, als würde ihn das davon abhalten, in meinen Verstand einzudringen.

Die Wahrheit war, dass ich ihm durch meine zunehmende Schwäche immer weniger entgegenzusetzen hatte. Mein Magen knurrte längst nicht mehr vor Hunger, doch meine Muskeln fühlten sich schwach und zittrig an. Er hatte recht. Ich schwächte mich durch meine Weigerung zu essen selbst. Andererseits wollte ich auf irgendeine Weise gegen diese Behandlung protestieren und was sonst blieb mir übrig?

Ich ließ seinen Kommentar ins Leere gleiten, bevor ich mit einer Hand Obambos Stein umfasste. Seit wir eingesperrt waren, hatte er sich nicht blicken lassen. Vielleicht wurde auch die Magie des Wohnsteins, seiner momentanen Energiequelle, unterdrückt. Trotzdem spendete mir seine Anwesenheit Trost.

Obwohl ich längst jegliches Zeitgefühl verloren hatte, wusste ich, dass Kit, die Kirke, mittlerweile wieder zu dem Wohnwagen meiner Tanten zurückgekehrt war. Ich war sicher, dass sie allen mitgeteilt hatte, wie naiv ich gewesen war, mich auf ein Treffen mit Jamie einzulassen. Hätte ich gewusst, dass eine Konvergenz zwischen Hexe und Blutfae auch möglich war, hätte ich klüger gehandelt. Es wäre mir bestimmt gelungen, das Mottentattoo von meiner Haut zu kratzen, damit Jamie mich nicht mehr rufen konnte.

Trotzdem … Ich konnte nicht alle Schuld von mir weisen. Ein Teil von mir hatte Jamie sehen wollen.

Ein Teil von mir hatte Ja gesagt.

Ich hasste mich selbst dafür.

Sollte ich fliehen können, würde ich mich sofort um das Tattoo kümmern. Ich wollte nichts mehr mit Jamie und seinen Plänen zu tun haben. Er hatte mich lange genug an der Nase herumgeführt. Erst als Moth, eine Identität, deren Zweck ich immer noch nicht ganz begreifen konnte, und dann als Jamie, Tians besten Freund mimend, nur um ihm bei der erstbesten Gelegenheit in den Rücken zu fallen.

„Wir haben uns in eine echte Zwickmühle manövriert“, murmelte ich zu Obambo, der mich in seiner Quelle eingesperrt vielleicht hören konnte.

Ich bin wieder da, sagte Jamie in meinem Verstand. Es tut mir leid, dass wir deine Magie nicht zusammen erkunden konnten.

Meinst du das ernst? Ich wollte nicht mit ihm reden, aber meine Fassungslosigkeit hatte ihre Grenze erreicht. Erst verbindest du dich mit mir, dann haust du ab und sperrst mich tagelang in einem Kerker ein? Und das tut dir leid?

Wut schlug mir entgegen, doch sie galt nicht mir. So viel konnte ich entschlüsseln.

Glaub mir, es ist nicht auf meine Anweisung geschehen.

Bitte was?

Ich habe dich nicht in den Kerker sperren lassen, Billie. Jemand hat meine Abwesenheit ausgenutzt und deine Gedanken sind so unsortiert auf mich übergegangen, dass ich dich aussperren musste. Aus meinem Kopf. Das ist alles.

Dazu konnte ich nichts mehr sagen. Ich glaubte ihm für keine verdammte Sekunde.

Benimm dich, wies Jamie mich schließlich an, ein paar Sekunden bevor ich draußen Schritte vernahm.

Mit einer Hand an der feuchten Steinwand rappelte ich mich auf und bereute es sogleich, als es mir in der Dunkelheit schwindelte.

Wie viel Zeit ist vergangen?

Er schwieg einen Moment. Drei Tage. Es …

Ich hörte einen Schlüssel im Schloss, ehe die Tür aufgezogen und ich von einem warmen Lichtstrahl getroffen wurde. Meine Augen tränten und ich blinzelte heftig, ehe ich mich an das wenige Licht gewöhnt hatte.

Jemand, hatte Jamie gesagt. Wen hatte er damit gemeint? Ich hatte bisher niemanden außer seinen Leuten gesehen, die mir regelmäßig Essen gebracht hatten. Zumindest hatte ich geglaubt, dass sie ihm gehorchten.

„Mach keine Sperenzien“, wies mich eine Blutfae an, die auch bei der Konvergenz dabei gewesen war. Ihre spitzen Zähne blitzten beim Eintreten auf und sie trug ein blaues Seidenband um ihren muskulösen Oberarm. Das war das Zeichen der Blutfae, die Jamie unterstanden. Nur kurz fragte ich mich, ob es auch Blutfae gab, die ihm nicht gehorchten. Letztlich war die Antwort darauf nicht relevant für meine Situation. „Hände nach vorn.“

Da ich mich zu schwach fühlte, um mich auf irgendeine Weise zu wehren, befolgte ich ihre Anweisung, in der Hoffnung auf ein paar Stunden fernab dieser Zelle.

Mit einem endgültigen Klicken befestigte die Blutfae überraschend leichte Handschellen an meinen Gelenken und führte mich wie einen Hund an einer Kette aus dem feuchten Kerker. Immerhin spannte sie diese nicht und ließ mir genug Freiraum, damit ich mich nicht ganz so elendig fühlte. Vor allem musste ich auf jeden meiner Schritte achten, um nicht über meine eigenen schweren Füße zu stolpern.

„Sie stinkt“, sagte ein zweiter Blutfae, der neben der offenen Tür gewartet hatte. Er rümpfte auffällig die Nase.

„Würdest du nach drei Tagen hier drin auch“, pfefferte ich zurück, ohne ihm mehr als einen kurzen Blick zu gönnen.

Ich reckte das Kinn nach oben, während unsere Schritte von den kahlen Steinwänden widerhallten. Fackeln tanzten in einem Luftzug, ehe sie nach einer Kreuzung von Gaslaternen ersetzt wurden.

Nach und nach gewöhnten sich meine Augen wieder an die Helligkeit, auch wenn sich ein pochender Schmerz in meiner Stirn festsetzte. Ich fühlte jedoch lieber den Schmerz, als dass ich erneut der tristen Dunkelheit ausgesetzt würde.

Meine Gedanken rasten. Jamie hatte mit seinen Worten etwas in meiner Erinnerung in Gang gesetzt.

Ich wusste noch, wie ich eine weiche Unterlage unter mir gespürt hatte. Kurz nach der Konvergenz. Die wohltuende Wärme eines prasselnden Feuers und die Geborgenheit, die mich dazu bewegt hatten, wieder in köstliche Bewusstlosigkeit zu gleiten.

Nur um dann in Kälte geworfen zu werden. Ein hohes Lachen und ein Versprechen, geflüstert in mein Ohr von … von …

Meine Schläfen begannen zu pochen und hinderten mich daran, tiefer zu graben.

Die Blutfae führte mich durch die kargen Gänge, bis wir eine Wendeltreppe erreicht hatten. Ich wusste nicht, in welchem Gebäude wir uns befanden. Nachdem ich wieder bewusstlos geworden war, war ich erst hier unten wieder zu mir gekommen. Seitdem hatte niemand mit mir geredet. Niemand hatte mir auch nur einen Hinweis darauf gegeben, was mich erwartete.

Ich betrachtete die Blutfae und überlegte krampfhaft, ob ich sie schon mal gesehen hatte. Außerhalb von Moths Haus.

Sobald wir ganz oben angekommen waren und die Blutfae mir einen Moment gab, um wieder zu Atem zu kommen, konnte ich durch ein schmales Fenster sehen. Die Aussicht kam mir bekannt vor. Blaue und rote Dächer im Glanz einer Mondscheinnacht. Westwend. Rathausviertel.

„Warte, sind wir …“, begann ich, ehe mich die Blutfae unterbrach.

„Im Rathaus, ja“, beendete sie meinen Satz. „Weiter.“

Im Rathaus. Es sollte mich nicht überraschen. Schließlich hatte Jamie die herrschenden Vampirinnen und Vampire in einer Nacht ausgelöscht. Einzig Ellewy und Tian hatten überlebt und befanden sich gerade bei meiner Familie. Dementsprechend hatte Jamie freie Hand. Niemand würde ihn vorerst bei seiner Machtübernahme aufhalten.

Mir war immer noch nicht ganz klar, was er sich davon erhoffte, außer dass er seine Artgenossen nach Wimborne zurückholen konnte. Wo auch immer sie bisher gelebt hatten. Es gab so viel, was ich nicht wusste. Fragen, die mir nicht mal kamen, weil ich Probleme damit hatte, die neue Realität zu begreifen.

Aus einem Impuls heraus rief ich meine Magie. Dieses Mal antwortete sie mir, nur um in der nächsten Sekunde von dem Bann, der in den Handschellen lag, erstickt zu werden.

Dir wird nichts geschehen, sagte Jamie in meinem Kopf.

Verpiss dich, erwiderte ich und schloss die imaginäre Tür zwischen uns, die er viel zu leicht wieder öffnen konnte. Gerade jetzt verfluchte ich mich selbst dafür, dass ich das Essen aus falschem Stolz verweigert hatte.

Ich wurde in einen der Korridore geführt, die mit weichem Teppich ausgelegt und mit goldgerahmten Landschaftsgemälden geschmückt waren. Der Teil des Rathauses, der keine Gefangenen einschüchtern sollte.

Als ich das erste Mal mit Tian hergekommen war, war ich von der Pracht beeindruckt gewesen, und auch jetzt wurde mir wieder bewusst, wie riesig das Anwesen war. Einst hatte es den Menschen gehört, doch vor mehr als einem halben Jahrhundert hatten sich Vampirinnen und Vampire hier einquartiert und nun hatten Blutfae die Macht übernommen. Besonders das Hexenvolk hatte unter der vampirischen Herrschaft leiden müssen, weil sie uns unterdrückten. Jamie hatte mir gesagt, dass Blutfae generell keine Blutbraut oder keinen Blutbräutigam brauchten, um mächtig zu sein. Anders als ihre entfernten Verwandten, das Vampirvolk. Bedeutete dies, dass er auch unser Sklavendasein abschaffen würde? Das hatte er gesagt, oder?

Wir schritten mehrere Minuten durch verschiedene Gänge, ohne irgendwem zu begegnen, obwohl ich immer mal wieder Schritte und Gesprächsfetzen aus den angrenzenden Räumen vernahm.

Jedes Mal, wenn wir ein Fenster passierten, versuchte ich, einen weiteren Blick nach draußen zu erhaschen. Wie weit hatte sich der Wilde Wald bereits ausgebreitet? Machten die geisterhaften Reiter immer noch Jagd auf Unschuldige, um so den unersättlichen Wald mit Lebenskraft zu füttern?

Abgesehen von Dunkelheit und vereinzelten Lichtern in den Häusern konnte ich aber nichts Verräterisches entdecken. Alles wirkte ungewöhnlich ruhig dafür, dass es erst vor wenigen Tagen einen brutalen Machtwechsel gegeben hatte und die Bewohnerinnen und Bewohner von Westwend von unheimlichen Kreaturen attackiert worden waren.

Die Blutfae führten mich in einen langen Raum mit breiter Fensterfront zum weiten Garten hin. Mondschein mischte sich mit dem Licht der zwei riesigen Kronleuchter, die über einem massiven Tisch hingen. Ein Dutzend Stühle, eine Konsole aus Kirschholz und ein Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Es erinnerte mich an den Ratssaal, in dem Jamie und Lucille den Vampirrat getötet hatten. Ob er jenen Raum absichtlich mied und nun diesen hier für Gespräche und Verhandlungen mit wem auch immer nutzte?

Er selbst wartete bereits auf mich. Ich hatte seine Anwesenheit längst durch unser Band gespürt, weshalb ich nicht überrascht war, ihn am Fenster stehen zu sehen.

Mein Körper reagierte augenblicklich auf ihn, als würde er durch ihn entzündet werden. Ich hasste ihn dafür.

Meinen Körper und Jamie.

Sein blondes Haar hatte er zurückgekämmt, sodass ich sein kantiges Gesicht mit den dunklen Brauen genau erkennen konnte, als er sich zu uns umdrehte. Die Lippen presste er bei meinem Anblick missmutig aufeinander, während er die Arme vor seinem Oberkörper verschränkte.

Du siehst schlimmer aus, als ich befürchtet habe, hörte ich seinen Gedanken so klar und deutlich, als wäre er mein eigener.

„Vielen Dank auch. Du kannst dir einzig selbst die Schuld geben“, antwortete ich ihm laut.

Die Blutfae warf mir einen fragenden Blick zu. Ihr Partner war zurückgeblieben. Natürlich. Anders als mich konnte Jamie sie nicht wortlos an seinen Gedanken teilhaben lassen. Ich Glückskind.

„Lass uns allein, Resia“, bat er die Blutfae und sie gehorchte.

Laura Labas

Über Laura Labas

Biografie

Laura Labas wurde 1991 in der Kaiserstadt Aachen geboren. Schon früh verlor sie sich im geschriebenen Wort und entwickelte eigene fantastische Geschichten, die sie mit ihren Freunden teilte. Mit vierzehn Jahren beendete sie ihren ersten Roman. Spätestens da wusste sie genau, was sie für den Rest...

Veranstaltung
Buchpremiere
Dienstag, 03. September 2024 in Aachen
Zeit:
20:15 Uhr
Ort:
Mayersche Buchhandlung,
Buchkremerstraße 1 - 7
52062 Aachen
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Lesung und Gespräch
Freitag, 08. November 2024 in Rostock
Zeit:
20:00 Uhr
Ort:
Thalia Universitätsbuchhandlung,
Breite Straße 15-17
18055 Rostock

Sleepover-Event mit Workshops etc.

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