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Sommer in der kleinen Bäckerei am StrandwegSommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Roman

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Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg — Inhalt

Mit Jenny Colgan ist das Leben süß - Die Fortsetzung der »kleinen Bäckerei«

Endlich hat der Sommer an Cornwalls Küste Einzug gehalten, und Polly Waterford könnte nicht glücklicher sein: Ihre kleine Bäckerei läuft blendend, und zusammen mit Huckle, der Liebe ihres Lebens, genießt sie die lauen Abende in dem Hafenstädtchen Mount Polbearne, das inzwischen zu ihrer Heimat geworden ist. Doch plötzlich ist die Bäckerei in Gefahr, denn die alte Besitzerin stirbt. Außerdem fällt es Huckle schwer, seine Vergangenheit in Amerika gänzlich hinter sich lassen, zu oft holt sie ihn ein. Und während Polly Mehl siebt, Teig knetet und Brot backt, bangt sie um ihre Zukunft …

Erschienen am 02.06.2017
Übersetzer: Sonja Hagemann
480 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31129-8
Erschienen am 02.05.2017
Übersetzer: Sonja Hagemann
496 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97674-9

Leseprobe zu »Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg«

Vorwort

»Und ich träume nachts von ihm, dabei schlafe ich doch eigentlich nie. In diesen Träumen macht er ganz bescheuerte Sachen. Er steckt zum Beispiel in der Waschmaschine, und ich sage: ›Jetzt komm schon aus der Maschine raus, du Idiot.‹ Aber das macht er nicht, er ist winzig klein und hockt in der Waschmaschine, dann wird er sogar noch kleiner und kleiner, bis er schließlich einfach verschwindet.«

»Das ist ganz normal«, sagte die ruhige, gebildet klingende Stimme mit dem West-Country-Akzent.

»Sie finden doch immer alles ganz normal«, protestierte [...]

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Vorwort

»Und ich träume nachts von ihm, dabei schlafe ich doch eigentlich nie. In diesen Träumen macht er ganz bescheuerte Sachen. Er steckt zum Beispiel in der Waschmaschine, und ich sage: ›Jetzt komm schon aus der Maschine raus, du Idiot.‹ Aber das macht er nicht, er ist winzig klein und hockt in der Waschmaschine, dann wird er sogar noch kleiner und kleiner, bis er schließlich einfach verschwindet.«

»Das ist ganz normal«, sagte die ruhige, gebildet klingende Stimme mit dem West-Country-Akzent.

»Sie finden doch immer alles ganz normal«, protestierte Selina und schob sich wütend das kurze Haar aus der Stirn. »Wenn ich jetzt ankommen und sagen würde: ›Ich hab auf dem Weg hierher zwei Igel überfahren, weil sie mich an seine Haare erinnert haben, einen aus Versehen und den anderen mit Absicht‹, selbst dann würden Sie immer noch sagen: ›Das ist ganz normal.‹«

»Haben Sie das denn gemacht?«

»Nein, hab ich nicht, das hätte ich jedoch können. Weil Sie das bestimmt auch für ganz normal halten würden.«

»An Trauer ist nichts normal, Selina. Es gibt sie überall, aber normal ist sie nie.«

Selina stieß ein tiefes Seufzen aus.

»Aber warum kann ich denn nicht einfach … darüber hinwegkommen? Oder zumindest mit dem Verarbeiten anfangen? Wenn es nach den anderen ginge, wäre ich schon vor Ewigkeiten darüber hinweggekommen. Sie finden die ganze Sache unangenehm, das sehe ich ihnen doch an. Und deshalb will ich jetzt darüber hinwegkommen. Ich will endlich wieder schlafen können, ohne vorher zu viel Wein zu trinken, und aufwachen, ohne das verdammte Gesicht von meinem toten Ehemann in der Waschmaschine zu sehen. Und ich will nicht ständig alle runterziehen.«

»Wo wollen Sie jetzt hin?«, erkundigte sich die Stimme ungerührt, ohne auf den Wutausbruch einzugehen.

Selina zuckte mit den Achseln.

»Ich weiß nicht so recht. Die Wohnung in Manchester gebe ich vielleicht auf. Die wird doch nur immer teurer, und wirklich zugehörig fühle ich mich dort ja auch nicht.«

»Vielleicht sollten Sie langsam mal darüber nachdenken, nach Hause zurückzukehren … in Ihr und Tarnies Zuhause.«

»Da geh ich nie wieder hin«, versetzte Selina, während sie ein Zittern überlief. »Nie wieder!«

 

Kapitel 1

»Hör auf damit«, warnte Polly. »Das ist nicht witzig.«

Neil ignorierte sie jedoch und hämmerte weiter mit dem Schnabel gegen die Scheibe, damit sie ihm was zu futtern brachte.

Und zwar klopfte er dabei von außen gegen das kleine Fenster des Leuchtturms, in dem sie seit einiger Zeit lebten. Sie waren hier zu dritt: Polly, Papageientaucher Neil und Huckle, Pollys amerikanischer Freund, der sein Motorrad mit dem Beiwagen unten am Fuß des Turms geparkt hatte. Es war ihr einziges Transportmittel.

Hier im Leuchtturm hatte schon lange niemand mehr gelebt, seit man ihn in den späten Siebzigern mit elektrischen Lampen umgerüstet hatte. Er hatte nur vier Stockwerke und eine Wendeltreppe, die sich innen an der Wand hinaufschlängelte. Huckle bezeichnete ihn oft als das zugigste Gebäude in der Geschichte der Menschheit, aber wenigstens waren sie durch das ständige Treppensteigen inzwischen echt in Form. In einem der Stockwerke stand immer noch die schwere Maschinerie aus alten Zeiten, weil es unmöglich gewesen war, sie aus dem Gebäude zu schaffen. Das Wohnzimmer befand sich direkt unter dem Leuchtturmscheinwerfer und bot auf der einen Seite eine tolle Aussicht über die Bucht, auf der anderen auf Mount Polbearne, die Gezeiteninsel, auf der der Leuchtturm stand. Die Straße zur Insel wurde regelmäßig von der Flut verschluckt und von der Ebbe wieder freigelegt.

Von Pollys Wohnzimmerfenstern aus konnte man auch die kleine Bäckerei am Strandweg sehen, die einst aus Mangel an Kunden hatte schließen müssen und die Polly bei ihrer Ankunft im Ort vor zwei Jahren wieder zum Leben erweckt hatte. Gleichzeitig hatte sie damit den Bankrott ihrer alten Firma drüben auf dem Festland und das Ende ihrer Beziehung überwunden.

Ursprünglich hatte Polly von Mount Polbearne gar nicht viel erwartet, sie hatte sich hier einfach nur eine Zeit zurückziehen und ihre Wunden lecken wollen, bis sie wieder dazu bereit war, sich mit frischem Elan erneut ins Gefecht zu stürzen. Damals wäre es ihr in der heruntergekommenen Wohnung über dem leeren Ladenlokal nie in den Sinn gekommen, dass sie ausgerechnet durch ihr Lieblingshobby – durchs Brotbacken – ins Leben zurückkehren würde und dass sie es mit der Wiedereröffnung der alten Bäckerei auch noch zum Beruf machen würde.

Natürlich war das kein Job, mit dem man reich wurde, und Polly hatte lange Arbeitszeiten. Aber die Umgebung war so wundervoll, und ihr wurde sowohl vonseiten der Inselbewohner als auch von den Touristen so viel Anerkennung zuteil, dass sie hier etwas viel Befriedigenderes als Geld gefunden hatte: Sie hatte ihrem Leben einen Sinn verliehen. Na ja, zumindest empfand sie das meistens so. Manchmal betrachtete sie sich allerdings ihre äußerst karg eingerichtete Küche und fragte sich, ob sie wohl je genug Geld haben würde, um auch nur die Fensterrahmen auszutauschen.

Die Rahmen standen ganz oben auf der Liste der tausend Dinge, die im Leuchtturm dringend erledigt werden mussten.

(Pollys alte Wohnung in Plymouth war inzwischen verkauft, und sie hatte den Leuchtturm zu einem Spottpreis bekommen, Immobilienagent Lance zufolge vor allem deshalb, weil nur eine völlig Verrückte in einem zugigen, schwer zugänglichen Turm wohnen wollte, dessen Krönung der allnächtliche Lichtstrahl war.)

Huckles Angebot, den Turm mit ihr zusammen zu kaufen, hatte Polly abgelehnt, weil sie einfach viel zu hart für ihre Unabhängigkeit gekämpft hatte. Mit ihrem früheren Partner hatte sie sich alles geteilt, auch das Finanzielle. Das hatte nicht geklappt, und sie hatte keine Lust, dieses Experiment zu wiederholen.

Jetzt gerade hatte sie eigentlich nur Lust, in ihrem Adlernest von einem Wohnzimmer ganz oben im Turm zu sitzen, Tee zu trinken, eine Käsestange zu knabbern, sich einfach zu entspannen und die Aussicht zu genießen: die sich ewig verändernde See, die Wolken, die so nah vorbeihuschten, dass man sie fast berühren konnte, die kleinen Fischerboote in verblichenen Braun- und Grüntönen mit ihren Winschen und Netzen, ganz schwer vom Fang. Wie winzig und zerbrechlich sie vor dem riesigen Hintergrund des Meeres wirkten!

Polly wünschte sich doch bloß fünf Minuten Ruhe und Frieden, bevor sie zur Bäckerei rübergehen und bei der Mittagsschicht ihrem Angestellten Jayden helfen würde.

Neil, der kleine Papageientaucher, der einst in einer Sturmnacht in ihr Leben geknallt und dann geblieben war, hatte jedoch andere Pläne. Er fand es einfach unglaublich, dass er an der Außenseite des Turms hochfliegen und Polly von draußen durchs Fenster sehen konnte. Deshalb machte er es immer wieder, flog dabei auch gerne mal rund um den Turm und kam von der anderen Seite zurück. Vergnügt klopfte er von draußen an die Scheibe, weil Huckle es witzig fand, ihm durchs Fenster kleine Leckerbissen zu reichen, obwohl Polly es ihm eigentlich verboten hatte.

Jetzt legte sie ihr Buch weg und ging zum Fenster rüber. Die durch die Wolken silbern aufs Wasser fallenden Sonnenstrahlen, das leise Krächzen der Möwen und das Pfeifen des Windes, das im Winter zum reinsten Donnergrollen wurde, rührten ihr das Herz. Noch konnte sie nicht so recht fassen, dass sie wirklich hier lebte, und fragte sich mal wieder, ob das alles sie wohl eines Tages weniger beeindrucken würde.

Polly öffnete das altmodische Einfachfenster mit dem schweren Griff. »Na, dann komm mal rein«, sagte sie, Neil flatterte jedoch auf der Stelle und pickte zwischen ihren Fingern herum in der Hoffnung auf einen Leckerbissen.

»Nein!«, schimpfte sie, »du bist für so einen kleinen Papageientaucher viel zu fett. Da brauchst du gar nicht zu protestieren. Komm schon rein und hör mit dem Klopfen auf.«

Neil fand hingegen, dass er sich ein wirklich tolles Spiel ausgedacht hatte, und setzte zu einer neuen Runde um den Turm an, um ihr zu zeigen, was er alles konnte. Als er wieder auf dem Fensterbrett landete, schaute er sie mit seinen großen schwarzen Augen erwartungsvoll an.

»Ach du liebe Güte«, seufzte Polly, dann lehnte sie sich vor und tat etwas, was sie in Huckles Gegenwart nie gemacht hätte – sie reichte Neil ein Stück von ihrer Käsestange. Der Vogel verspeiste gierig das Gebäck und pickte dann die Krümel auf. Damit war er so beschäftigt, dass er bei einem Schritt nach hinten über die Kante des Fensterbrettes fiel.

»Neil!«, kreischte Polly und kam sich im nächsten Augenblick völlig bescheuert vor, als er einfach kurz mit den Flügeln flatterte und auf Fensterhöhe zurückkehrte.

»Du hast mich zu Tode erschreckt«, sagte sie. »Komm rein oder bleib draußen, eins von beiden.«

Neil entschied sich fürs Reinkommen, landete auf dem Fußboden und watschelte dann durch den Raum, um die rauen Bohlen sorgfältig nach Krümeln abzusuchen, die Polly eventuell übersehen hatte.

»Okay«, sagte seine Besitzerin, »ich muss jetzt zurück zur Arbeit. Benimm dich bitte.«

Sie ließ kurz den Blick durch den Raum wandern, um auch sicherzugehen, dass sie alles hatte. Eins wollte man hier nämlich wirklich nicht: Am Fuß des Leuchtturms ankommen und dann feststellen, dass man etwas vergessen hatte und noch mal nach oben musste. Für den Weg nach unten wollte Huckle gern eine Rutschstange wie bei der Feuerwehr einbauen, Polly war jedoch strikt dagegen.

Im kleinen Zimmer standen kaum Möbel, mal abgesehen von ihrem teuren Sofa, das sie aus Plymouth mitgebracht hatte. Für den Einzug hatte man es komplett auseinandernehmen und hier oben wieder zusammenbauen müssen, sonst hätte es nicht die Treppe raufgepasst. Dafür hatten sie fast einen ganzen Tag gebraucht. Polly war es das jedoch wert gewesen.

Eine Etage tiefer befand sich ein Schlafzimmer mit einem winzigen Bad, dann kam das Stockwerk mit den Maschinen und darunter das unterste Geschoss mit der schlichten kleinen Küche und einem weiteren Zimmer mit Bad. Zum Turm gehörte außerdem ein Nebengebäude mit ein paar Räumen, ein hässliches Ding mit Flachdach und Kieselrauputz. Noch wussten sie nicht so recht, was sie damit machen würden. Wenn man zu den Felsen runterging, kam man durch einen kleinen Garten, mit dem Huckle mal sein Glück versuchen wollte. Allerdings war er nicht sicher, ob dort viel mehr als Muscheln und Algen gedeihen würden.

Irgendjemand hatte die Stufen zum Leuchtturm und den Pfad bis zur Straße mit einem Rand aus Muscheln eingefasst, und die boten wirklich einen hübschen Anblick, als Polly nun das Kopfsteinpflaster erreichte, die Hafenmauer entlanglief und Mount Polbearne betrat.

Bis in den Ort war es nicht weit, aber bei Flut konnte man dabei ganz schön nass werden, vor allem an stürmischen Tagen, wenn Wellen über die Hafenmauer schlugen und Gischt die Luft mit Salz erfüllte.

So schlecht war das Wetter heute nicht und die Sonne versuchte immer wieder erfolglos, sich gegen die am Himmel vorbeiziehenden Wolken durchzusetzen. Durch den Niedrigstand des Wassers war die Straße zum Ort befahrbar, allerdings glitzerte das bräunliche Kopfsteinpflaster feucht. Der Wind brachte den Geruch nach Meer mit sich.

Mount Polbearne lag furchtbar unpraktisch oben auf einem Hügel, und die Gässchen im kleinen Ort führten kreuz und quer alle irgendwie zur alten Kirchenruine hinauf, die längst kein Dach mehr hatte.

Die kleinen Kopfsteinstraßen waren steil und verschlungen. Man konnte sein Auto zwar durchaus auf die Insel mitbringen, es war aber nicht empfehlenswert. Darum nutzten die meisten Leute den Parkplatz auf dem Festland und gingen die letzten Hundert Meter zu Fuß.

Einige Fischer boten auch ein Wassertaxi an, falls mal Besucher auf der Insel hängen blieben, aber die Einheimischen kannten den Rhythmus von Ebbe und Flut ebenso gut wie den von Sonnenauf- und -untergang und passten ihre Pläne eben an.

Und auf der Insel war das Leben ziemlich einfach. Wie sollte es auch anders sein, es gab hier ja nicht einmal WLAN. (Es war immer mal wieder die Rede davon, doch welches einzurichten, aber die von der Telefongesellschaft hatten Polly erklärt, dass sie dafür zunächst ein Unterwasserkabel verlegen müssten, was 100 000 Pfund kosten würde. Als man fragte, ob sie davon vielleicht einen Teil übernehmen könnte, war die Sache ziemlich schnell vom Tisch gewesen.) Und deshalb gab es auf der Insel ebenso wenig Internetshopping wie Nachtclubs, Junggesellinnenabschiede, Flugschneisen oder Gratis-Zeitungen.

Stattdessen standen hier Reihen von kleinen grauen Häusern aus Stein, die sich den Hügel hinaufschlängelten, dazu ein paar schicke neue Anbauten, Dachterrassen und Balkone aus Metall, erbaut von unerschrockenen Auswärtigen, die hier ihre Wochenenden verbrachten und ertragen mussten, dass sie von den Einheimischen verspottet und über den Tisch gezogen wurden.

Es gab einen alten Pub namens Red Lion mit einem Innenhof, in dem man immer noch einen alten Trog und Ringe zum Anbinden von Pferden bewundern konnte. Und dann war da noch Andys Fish-and-Chips-Bude, in der ein Foto von breit grinsenden Fischern mit einem riesigen Dorsch hing. Andy verkaufte den besten Hering und die frischesten, knusprigsten Fritten, an denen man sich zuerst die Finger verbrannte, bevor sie wegen des Salzes und Essigs zu stechen begannen. Wenn man wollte, bekam man dazu noch kleine Stückchen von der Fischpanade. Zu trinken gab es bei Andy Fanta, Tizer sowie Dandelion and Burdock, und man musste von ihm aus nur ein paar Schritte über die gepflasterte Straße gehen, um sich auf die Hafenmauer zu setzen, über das Wasser zu blicken und sich mit den Möwen herumzuschlagen.

Dann gab es im Ort noch Muriels Lebensmittelgeschäft, in dem man einfach alles kriegen konnte, und Tierarzt Patrick, der sich die Praxis mit einer jungen Allgemeinmedizinerin namens Callie teilte. Sie kam aber nur zweimal die Woche auf die Insel.

Die alte Bäckerei des Ortes war früher von Mrs Manse geleitet worden, die bei Pollys Ankunft auf der Insel auch ihre Vermieterin gewesen war. Mrs Manse hatte ihr das Leben unheimlich schwer gemacht, weil sie ihr verboten hatte, auf Mount Polbearne Brot zu backen. Inzwischen war Gillian Manse in Rente und lebte bei ihrer ebenso übel gelaunten Schwester in Truro, sodass Polly die Bäckerei nach ihren eigenen Vorstellungen führen konnte.

Neu im Ort war ein schickes Restaurant am Kai, das für die meisten Inselbewohner viel zu teuer, aber sehr beliebt bei Besuchern war. Es hatte sich auf den frischen Fisch spezialisiert, den die Kutter jeden Morgen in den Hafen brachten.

Jetzt wurden dort Netze geflickt, man zählte die Gewinne des Tages zusammen, und ein paar der Fischer winkten der vorbeilaufenden Polly zu. Hier und da wurde gefragt, welche Geschmacksrichtung ihre Michettes heute wohl haben würden (das waren Brötchen, die bei arbeitenden Männern besonders beliebt waren).

Doch alle grüßten Neil, der Polly wieder mal zur Arbeit folgte, wie sie nun verdrossen bemerkte. Die Bäckerei war nun wirklich nicht der ideale Ort für ihn, weil er dort einfach viel zu oft von Kunden gefüttert wurde. Außerdem würde Polly wirklich Probleme kriegen, wenn irgendwann mal jemand vom Gesundheitsamt vorbeikäme und auch nur die Schwanzspitze eines Seevogels im Lokal entdeckte. Dabei war ihre Backstube dank ihres Mitarbeiters Jayden immer picobello sauber.

Als Jayden in Bezug auf eine mögliche Inspektion mal eingewandt hatte, dass doch nun wirklich niemand unbemerkt auf die Insel gelangen könnte, hatte Polly nur geseufzt, dass es darum doch gar nicht ginge.

Inzwischen war es bereits ein Jahr her, dass sich über der Insel ein grauenhaftes Unwetter plötzlich wie aus dem Nichts zusammengebraut hatte. Es hatte damals Cornelius »Tarnie« Tarnforth, Kapitän der Trochilus und für kurze Zeit Pollys Liebhaber, das Leben gekostet. Polly konnte an den Kuttern immer noch nicht vorbeigehen, ohne jedes Mal an ihn zu denken. Es hatte lange gedauert, bis im Ort die Wunden verheilt waren.

Jetzt bimmelte es, als Polly die Tür zur Bäckerei am Strandweg aufmachte, zum hübschen kleinen Gebäude mit der hellgrauen Fassade – die ihr Ex Chris für sie gestrichen hatte – und dem schön geschwungenen Schriftzug:

 

Die kleine Bäckerei am Strandweg

Inhaberin Ms P. Waterford

seit 2014

 

Wenn ihr Blick auf die Inschrift fiel, erfüllte sie ihr Herz jedes Mal mit Stolz, obwohl sie noch nicht so ganz den Tatsachen entsprach. Es standen bereits ein paar Leute Schlange, und Jayden holte die warmen Brote aus der Backstube.

Heute gab es Fladen vom Blech, ein in feine Scheiben geschnittenes Weißbrot und das kräftigere Sauerteigbrot, das keinen so guten Absatz fand, in Pollys Augen aber fantastischen Toast abgab.

»Hey!«, grüßte Jayden sie. »Ja, alles ist super geworden, bis auf, äh, die Chorizo-Michettes. Die, hm, musste ich … tja … die sind viel zu dunkel geworden.«

Streng starrte Polly ihn an. »Tatsächlich, Jayden?«

Sie zog die Jacke aus und hängte sie an den Haken, dann umrundete sie den Tresen, um sich auf der anderen Seite sorgfältig die Hände zu waschen. Bei einem Blick zurück entdeckte sie draußen Neil, der geduldig an der Tür wartete und von Zeit zu Zeit von einem Fuß auf den anderen hüpfte. Das würde er so lange machen, bis sie die Kunden und damit auch ihn hereinließ. Nicht zum ersten Mal fragte sich Polly, ob es für Papageientaucher wohl auch so etwas wie eine Hundeschule gab.

»Ja, ja«, behauptete Jayden, seine Wangen leuchteten aber verdächtig rosig. Er öffnete die Tür, und die Kunden traten ein und ließen den Blick über die altmodischen Glasvitrinen wandern, um für sich schon mal das Passende auszusuchen.

Polly zog eine Augenbraue hoch.

»Die waren echt lecker«, räumte Jayden nun mit leiser Stimme ein. »Tut mir leid. Ich hab ja versucht, nur eine zu essen.«

Eigentlich war Jayden ein toller Mitarbeiter: pünktlich, höflich, warmherzig, effizient und sauberer als Meister Proper – die jahrelange Arbeit auf Fischerbooten hatte ihn Präzision und Gewissenhaftigkeit gelehrt. Besonders gut sah er zwar nicht aus, aber er war nett und charmant und deshalb bei allen beliebt.

Außerdem war er unglaublich dankbar dafür, dass er nicht länger auf den Job bei der Fischereiflotte angewiesen war, den er so sehr gehasst hatte. Er fand es toll, geregelte Arbeitszeiten zu haben und nicht mehr raus in die Kälte zu müssen. Man konnte sich auf ihn verlassen, was Geld anging, und er war freundlich zu den Kunden. (Zumindest zu denen aus dem Ort – Ausflüglern und Feriengästen gegenüber war er früher kurz angebunden bis schroff gewesen, aber das wurde langsam besser.)

Leider hatte Jayden die wirklich unverzeihliche Angewohnheit, sich an der Ware zu vergreifen.

»Es ist ja nicht so, als würde es nicht auffallen«, knurrte Polly und deutete auf Jaydens ständig an Umfang zunehmende Wampe unter der grauen Schürze.

»Ich weiß, tut mir leid.«

Das tat es wirklich, denn inzwischen war Jayden knallrot angelaufen. Letztes Jahr hatte er sich für Movember einen Schnäuzer wachsen lassen, und da alle ihm versichert hatten, wie gut der ihm stand – was auch stimmte –, hatte er ihn nicht mehr abrasiert. Jetzt schien er bis in die Schnurrbartspitzen zu erröten.

»Ich hab ja gar nichts dagegen, wenn du hier und da was probierst«, raunte Polly ihm zu. »Aber weißt du, das war Fleisch. Und das ist ziemlich teuer.«

Trotz des Schnauzbarts erinnerte Jayden an einen Siebenjährigen, als er nun schuldbewusst zu Boden starrte.

»Jetzt lassen Sie mal den jungen Mann in Ruhe«, mischte sich nun Pfarrerswitwe Mrs Corning ein. »Der ist doch wirklich ein Segen.« Die anderen Damen in der Schlange stimmten zu. Polly hatte den Verdacht, dass ihr kleiner allmorgendlicher Flirt mit Jayden für sie das Highlight des Tages war.

»Aber ein ziemlich unersättlicher Segen«, knurrte Polly.

»Und Ihr Vogel steht da draußen vor der Tür«, bemerkte jetzt eine andere Dame missbilligend, dann brach allgemeines Gemurmel aus. Am liebsten hätte Polly mit den Augen gerollt, aber das verkniff sie sich lieber. Sie wusste ganz genau, dass sie für manche Leute hier immer »die Neue« bleiben würde. Jetzt wandte sie sich an die nächste Kundin.

»Was kann ich denn für Sie tun?«, fragte sie höflich.

»Haben Sie welche von diesen leckeren Brötchen mit den kleinen Wurststückchen?«

»Nein«, sagte Polly mit einem letzten finsteren Blick in Richtung Jayden, der so tat, als wäre er gar nicht da, und sich plötzlich furchtbar beschäftigt gab. »Haben wir nicht.«

Jetzt erklang wieder die Türglocke.

»Hey, Polly, du hast Neil draußen vergessen!«, rief eine laute, tiefe amerikanische Stimme.

Der Laden, der ja ohnehin schon klein war, fühlte sich auf einmal noch beengter an, als Huckles Schatten auf den Tresen fiel. Pollys Freund war unglaublich groß, mit langen Beinen, breiten Schultern und dichtem blondem Wuschelhaar, das ihn noch größer aussehen ließ.

Selbst jetzt konnte Polly manchmal immer noch nicht fassen, dass Huckle wirklich mit ihr zusammen war. Er schien einem Werbespot mit Wüstenlandschaft, Kakteen und Cowboyhüten entsprungen.

»Also, echt!«, sagte Huckle vorwurfsvoll. Neil hockte auf seinem Ärmel – was er normalerweise nicht machte – und schaute Polly gekränkt an.

»Nein, den hab ich nirgendwo vergessen«, erklärte Polly genervt. »Eigentlich sollte er nämlich nicht an meinem Arbeitsplatz herumhüpfen, sondern draußen zwischen den Felsen unterwegs sein und versuchen, eine Papageientaucherdame kennenzulernen.«

»Oder einen Papageientaucherherrn«, entgegnete Huckle. »Da solltest du wirklich keine Vorurteile haben.«

Polly starrte ihn an. »Bezeichnest du mich etwa gerade als Vogelhomophobe?«

»Ich meine ja nur, dass wir jeder seiner möglichen Entscheidungen im Leben gegenüber offen sein sollten.«

»Mal abgesehen von der, mich hier im Laden zu besuchen!«

Huckle seufzte, aber die alten Damen scharten sich bereits um ihn, weil sie einen Blick auf Neil werfen wollten. (Oder, wie Polly verschmitzt bei sich dachte, weil sie ihre Krallen in Huckles Oberarm schlagen wollten.)

Als die Kundinnen ihren Freund endlich freigaben, lehnte sie sich vor, um ihm einen Kuss zu geben.

»Hey«, sagte sie und atmete seinen wundervollen warmen Duft ein, dem ein leichtes Aroma vom Öl des Motorrads anhaftete, mit dem er überall hinfuhr. »Bist du heute Morgen gar nicht unterwegs?«

»Doch, doch!«, nickte Huckle. »Ich wollte nur kurz reinschauen, um dir zu sagen, dass Dubose jetzt wirklich kommt.«

Polly biss sich auf die Lippe. »Im Ernst?«

Ihr Herz begann, etwas heftiger zu schlagen. Sie kannte Dubose nicht, bis jetzt war sie noch niemandem aus Huckles Familie begegnet. Dubose war sein jüngerer Bruder und hatte ein wenig den Ruf eines schwarzen Schafes.

»Wie sehen denn seine Pläne aus?«

Huckle rollte mit den Augen. »Frag besser nicht, offenbar braucht er wohl mal eine Auszeit.«

Verwirrt sah Polly ihn an. »Ich dachte, er wäre Farmer.«

»Ja«, nickte Huckle, »ganz genau. Und normalerweise nehmen Farmer sich keine Auszeiten.«

»Das ist wie bei uns Bäckern«, sagte Polly.

»Nur noch härter«, fand Huckle und schüttelte den Kopf. »Er überlässt die ganze Arbeit einfach Clemmie.« Clemmie war die Freundin von Dubose.

»Und, taugt sie nichts?«

»Doch, sie ist toll, wirklich super. Aber eine ganze Farm zu leiten … das ist viel Arbeit.« Huckle runzelte die Stirn. So ärgerlich sah Polly ihn selten, das fand sie eigentlich ganz süß.

»Wann wird er denn hier sein?«

»Er möchte sich ungern festlegen.« Huckle lächelte resigniert. »Ist es für dich okay, wenn er bei uns unterkommt?«

»Ja, natürlich, aber wow. Glaubst du, er wird mich mögen?«

Wieder verdrehte Huckle die Augen. »Dubose kommt eigentlich mit allen klar.«

Polly sah ihn an. »Klingt da womöglich ein wenig Eifersucht mit an?«, fragte sie verschmitzt.

»Kommt etwa ein neuer junger Mann in den Ort?«, erkundigte sich da Mrs Corning. »Hah, neuerdings ist hier ja ständig was los.«

Als sich Polly und Huckle zum ersten Mal begegnet waren, hatte er in der Nähe als Imker gelebt, und sie hatte seinen Honig in ihrem Laden verkauft. Zunächst hatte es zwischen ihnen nicht geklappt, und Huckle war in seine Heimatstadt Savannah in den USA zurückgekehrt, um dort wieder einen Bürojob anzunehmen. Aber nach sechs Monaten an der frischen Luft in Cornwall war es ihm nicht gelungen, sich wieder an die Arbeit in einer Firma zu gewöhnen, an das Angestelltendasein und daran, immer drinnen zu sein. Zum Glück war seine Rückkehr nach Großbritannien nicht schwierig gewesen, weil sein Vater hier geboren war, was die Einreiseformalitäten vereinfachte.

Wie so viele Menschen war jetzt auch er an einer Neubesinnung auf ein einfacheres Leben auf dem Land interessiert. Doch er hatte sich keine Ziegen oder Hühner zugelegt, sondern Bienenstöcke. Huckle hatte sich in einen fahrenden Imker und Berater verwandelt. Er half Menschen mit Bienenstöcken, die der Entwicklung der ständig schwindenden Bienenpopulation entgegenwirken wollten.

Auch bei seiner früheren Hütte, in der jetzt ein altes Ehepaar wohnte, schaute er oft vorbei. Gegen ein Glas Honig im Monat ließen sie ihn weiterhin seine Bienenstöcke dort versorgen. Es war wirklich das perfekte Arrangement. Mit alldem verdiente Huckle nicht viel Geld, aber abgesehen von dem Diesel für sein Motorrad und einer Gemüsekiste pro Woche von einem Bauern aus der Gegend, brauchten Polly und er auch nicht viel, sie lebten ein sehr einfaches Leben. Na ja, dachte er gelegentlich, irgendwann sollten wir vielleicht doch mal den Leuchtturm renovieren lassen und Pollys Geschäft auch wirklich übernehmen. Noch gehörte es Mrs Manse, der ursprünglichen Eigentümerin, deshalb mussten sie ein Teil der Einnahmen an sie abtreten. Leider war für diese beiden Verbesserungen in diesem Leben so einiges an Geld nötig, welches ihnen eben fehlte. Das ist schon in Ordnung, sagte er sich dann, schließlich reichte ihnen völlig, was sie hatten.

 

Kapitel 2

»Okay«, sagte Jayden, »dann mach ich mich mal auf den Weg zum anderen Laden und schaue nach der Kollegin vom Festland.«

Polly rollte mit den Augen.

»Jayden, fast jeder einzelne Bewohner dieser Erde kommt vom Festland. Es gibt sieben Milliarden Festländer und siebenhundert Polbearner. So kannst du doch die Weltbevölkerung nicht unterteilen.«

Jayden tat mit seinem Besen zwar äußerst beschäftigt, seine leicht gerunzelte Stirn verriet ihr jedoch, dass er nicht mit ihr einer Meinung war.

»Ich gehe«, sagte Polly, »dann kann ich Huckle noch zu seinem Motorrad bringen.«

»Sie will mich loswerden«, beklagte sich Huckle und zwinkerte den alten Damen zu.

»Nicht dich will ich loswerden«, erklärte Polly, »sondern Neil. Ich hoffe einfach, dass er dir folgen wird.«

Und tatsächlich, als sie gemeinsam den Laden verließen, hüpfte Neil fröhlich in das Sidecar. Er fuhr einfach zu gerne Motorrad. Huckle grinste Polly an.

»Willst du heute kochen?«, fragte sie.

Er zuckte mit den Achseln. »Wie wär’s denn, wenn du kochst, und ich laufe rauf und runter und sammle all die Gewürze und Utensilien ein, die du über vier Stockwerke verteilt hast?«

»Abgemacht«, sagte Polly und küsste ihn wieder. Huckle warf einen Blick auf die Uhr und setzte sich dann auf sein riesiges Motorrad. Neil steckte den Kopf zum Seitenwagen heraus, um sich am Fahrtwind zu ergötzen.

»Ich weiß wirklich nicht, für welche Art von Vogel der sich hält«, knurrte Polly. Aber dann sah sie den beiden doch belustigt hinterher, als sie in Höchstgeschwindigkeit – und mit laut knatterndem Motor – zum Fahrdamm zuckelten, der während der morgendlichen Ebbe immer noch wasserfrei dalag.

Sie atmete einmal tief ein, um ihre Lungen mit der frischen, salzigen Luft zu füllen, und sah zum Himmel hoch, an dem Wölkchen wie saubere Wäsche tanzten. Sie fragte sich, wie Huckles Bruder wohl sein würde. Da sie selbst keinen hatte, konnte Dubose vielleicht auch für sie wie ein Bruder werden.

Schließlich setzte sich Polly in Bewegung und ging den Strandweg entlang. Obwohl die Insel so klein war, gab es auf ihr zwei Bäckereien. In der ursprünglichen Polbearne Bakery wurden immer noch Baguettes, Sandwiches und eher traditionelles Gebäck verkauft – Plätzchen mit Guss, Rührkuchen und Zuckerzeug. In ihrer eigenen Bäckerei hatte Polly hingegen freie Hand, um ihre rustikalen Brote und interessante Varianten wie Olivenbrot oder herzhafte Gemüsekuchen anzubieten. Seit Mrs Manse in Rente war, fungierte die junge Bäckerin als Geschäftsführerin für beide Läden.

An so einem frischen Frühlingsmorgen wie heute konnte sich Polly nicht vorstellen, irgendwo anders als auf Mount Polbearne zu leben. Aber auch im Sommer ging ihr das so, wenn man Eimer und Spaten klappern hörte, es nach Sonnencreme und Eis roch und verlorene Sonnenbrillen aus Plastik in Rosa und Blau liebevoll auf die Hafenmauer gelegt wurden, falls die Besitzer zurückkommen und nach ihnen suchen würden.

Andererseits mochte sie auch den Herbst, wenn die Surfer, die in ihren schwarzen Neoprenanzügen aussahen wie Robben, die tollen Wellen am Breakwater Point nutzten und dann irgendwann ganz durchgefroren und ausgehungert bei ihr in der Bäckerei auftauchten. In diesen Monaten, die ansonsten ruhiger waren, weil die Ferien vorbei waren und die Kinder wieder zur Schule gingen, verkaufte sie auch Kaffee und heiße Suppe.

Und eigentlich gefiel ihr auch der Winter, wenn es draußen windig und eiskalt war und man nirgends hinkonnte. Dann kuschelten Huckle und sie sich in ihrem Adlernest zusammen aufs Sofa, schauten auf DVD Folge um Folge amerikanischer Serien. Dazu aßen sie Toast mit Butter, den sie mit kannenweise Tee runterspülten, während um sie herum der Sturm tobte.

Auf einer Insel konnte man den Wechsel der Jahreszeiten eben nicht ignorieren, man konnte sich nicht von der Welt abschotten wie in der Stadt, wo es Büroräume mit Neonröhren, Klimaanlage und Heizung gab, dazwischen nur gelegentlich ein mit Zigarettenstummeln übersätes Stück Grünfläche hinter einem Gebäude.

Polly mochte hier einfach alles.

Als vor zwei Jahren ihr ganzes Leben den Bach runtergegangen war, sie vor den Scherben ihrer Existenz gestanden hatte, da hätte sie sich niemals träumen lassen, dass sie einmal so eine Harmonie und Zufriedenheit finden und jeden Tag im Einklang mit den Jahreszeiten leben würde.

Sie bereute es nie, ihr Leben so radikal verändert zu haben, und konnte ihr Glück selbst kaum fassen. Sogar dann nicht, wenn es morgens klirrend kalt war oder wenn ihr der Rücken wehtat, weil sie stundenlang den Ofen geschrubbt hatte. Daran änderten auch die Tage nichts, an denen sie noch bis spät in die Nacht ihre Einnahmen zählte oder für ihre Steuererklärung zu entscheiden versuchte, was nun ein Kuchen und was ein Plätzchen war. Und sie blieb auch bei ihrer Meinung, wenn es auf Mount Polbearne tagelang am Stück regnete, während der Rest des Landes in Sonnenschein getaucht war. Oder wenn sie sich gern etwas Neues zum Anziehen kaufen würde, aber wieder einmal feststellen musste, dass niemand auf die Insel lieferte, die Geschäfte zum Fahren zu weit weg waren und sie sich ja doch nichts leisten konnte. Sie glaubte auch ganz fest daran, dass sie im Leben schon genug Pech gehabt hatte und deshalb jetzt eigentlich nichts mehr schiefgehen konnte.

Leider war das Universum da anderer Meinung.

Jenny Colgan

Über Jenny Colgan

Biografie

Jenny Colgan studierte an der Universität von Edinburgh und arbeitete sechs Jahre lang im Gesundheitswesen, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit dem Marineingenieur Andrew hat sie drei Kinder, und die Familie lebt etwa die Hälfte des Jahres in Frankreich.

Die Romane um »Die kleine...

Pressestimmen

Berner Zeitung (CH)

»Liebens- und lesenswert.«

Aachener Zeitung

»›Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg‹ ist die perfekte Lektüre für einen lauen Sommerabend.«

Kommentare zum Buch

Zauberhafter Roman vor traumhafter Kulisse
S.Kolbuch am 12.07.2017

Wer den ersten Roman der bisherigen Trilogie nicht kennt, kann dennoch getrost mit dem zweiten Band einsteigen. Die Geschichte von Jenny Colgan nimmt durch Rückblenden Bezug auf das bereits Geschehene und setzt so auch neue Leser auf den Stand der Dinge. Der Roman lebt nicht nur von seiner sympathischen Protagonisten und dem ungewöhnlichen Maskottchen Neil, sondern auch durch seine wundervollen Kulissen. Der Autorin gelingt es, die Schönheit von Cornwall in jedem Satz einzufangen. In nahezu malerischen Beschreibungen verliert man sich in einer Geschichte, die einem wie ein Urlaub erscheint. Trotz sich zuspitzender Lage, traurigen Momenten und nervenaufreibenden Situationen ist die Geschichte zauberhaft geschrieben. Mit viel Gefühl wird das einfache Leben auf der Insel beschrieben. Das Schicksal der Menschen wird ausführlich betrachtet, wobei sich Schmerz, Freude und Hoffnung stets die Waage halten. 

Schöne Fortsetzung
Gavroche am 02.07.2017

Wie schön es doch war, erneut nach Cornwall zu reisen, auf die Gezeiteninsel Mount Polbearne. Seit dem Ende des ersten Buches ist beinahe ein Jahr vergangen. Polly lebt mit Huckle im Leuchtturm und arbeitet in der Bäckerei, Jayden ist immer noch ihr fleißiger Mitarbeiter. Neil ist auch immer noch da und ist beinahe so etwas wie das Maskottchen der Insel. Doch über so viel Harmonie lässt sich kein Buch schreiben und so dauert es auch nicht lange, bis die ersten Probleme am Horizont auftauchen. Die alte Mrs Manse, Besitzerin der Bäckerei, stirbt und ihr Neffe übernimmt die Geschäfte, was nur schiefgehen kann, denn er weiß alles besser und für Polly wird alles schlimmer. Auch Reuben und Kerensa sind wieder mit von der Partie und wir lernen Huckles Bruder kennen. Für mich eine schöne Fortsetzung vor einer wundervollen Kulisse, mit viel Liebe geschrieben und im Anhang gibt es einige Rezepte zum Nachbacken. Zu Beginn des Buches gibt es eine Zusammenfassung für die Leser, die den ersten Band nicht kennen oder nicht mehr so gut in Erinnerung haben, die man aber nicht lesen muss. So gibt es im Buch keine unnötigen Rückblenden.

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