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Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächeltHappy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt

Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt

Roman

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Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt — Inhalt

Gefühlvoll und romantisch – in  Schottland warten Glück und Liebe
 

In ihrem zauberhaften Sommerroman „Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt“ erzählt Spiegel-Bestsellerautorin Jenny Colgan (u. a. „Die kleine Bäckerei am Strandweg“ und „„Die kleine Sommerküche am Meer“) von wahrer Freundschaft, Liebe, Zusammengehörigkeitsgefühl und dem Glück, ein Leser zu sein. Wie schon im ersten Band der „Happy-Ever-After-Reihe“ (Spiegel-Bestseller „Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist“) bilden auch hier die wildromantischen schottischen Highlands den Schauplatz für einen warmherzigen Wohlfühlroman. 

Das Leben ist kein Streichelzoo für die alleinerziehende Mutter Zoe. Als Betreuerin in einer Londoner Luxus-Kita machen ihr die verwöhnten Sprösslinge und deren Eltern gleichermaßen das Leben zur Hölle. Ihre Miete ist schon wieder gestiegen, und ihr vierjähriger Sohn weigert sich zu sprechen. Das Angebot, eine fahrende Buchhandlung im idyllischen Schottland zu übernehmen und die drei Kinder eines Schlossherrn zu betreuen, scheint da ein wahrer Traum. Doch die Realität sieht anders aus: Die Kinder wollen Zoe schnellstmöglich wieder loswerden, ihr Arbeitgeber ist zwar attraktiv, aber scheint sie nicht zu mögen, und das Schloss in einem beklagenswerten Zustand. Erst eine geniale Geschäftsidee, ein dramatisches Ereignis und eine Liebeserklärung machen Schottland zum Land von Zoes Träumen.  

„Ein warmherzig-witziges Buch mit tollen Charakteren – und es dreht sich alles um Bücher!“ Sophie Kinsella  

»Die Seiten sind durchdrungen von der friedlichen Stimmung, der Ruhe und dem Wohlgefühl der Highlands.« The Sunday Post 

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 03.08.2020
Übersetzt von: Sonja Hagemann
592 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-31661-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 03.08.2020
Übersetzt von: Sonja Hagemann
592 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99686-0

Leseprobe zu „Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt“

Für Deborah Schneider,
die tapfer, beeindruckend
und großartig ist.



Einleitung

Als ich ganz klein war, habe ich jedes einzelne Buch in der kleinen Kinderecke unserer winzigen Bücherei geradezu verschlungen. ( Außer dem großen grünen Buch über Reptilien und Amphibien, vor dem ich eine Heidenangst hatte. )

Ich habe Bücher über Kalligrafie gelesen, über Tischtennis und über Pfadfinderinnen. ( Ich war eine schlechte Pfadfinderin und hab es gehasst. Von den Abzeichen hab ich nur ein einziges bekommen – richtig, das Leseabzeichen. ) Zu meiner Lektüre [...]

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Für Deborah Schneider,
die tapfer, beeindruckend
und großartig ist.



Einleitung

Als ich ganz klein war, habe ich jedes einzelne Buch in der kleinen Kinderecke unserer winzigen Bücherei geradezu verschlungen. ( Außer dem großen grünen Buch über Reptilien und Amphibien, vor dem ich eine Heidenangst hatte. )

Ich habe Bücher über Kalligrafie gelesen, über Tischtennis und über Pfadfinderinnen. ( Ich war eine schlechte Pfadfinderin und hab es gehasst. Von den Abzeichen hab ich nur ein einziges bekommen – richtig, das Leseabzeichen. ) Zu meiner Lektüre gehörten auch Bücher darüber, wie man ein Spion wird, oder über die Bibel, und sämtliche Geschichtenbücher, die sie dahatten.

Damals dachte ich, darum geht es: Man liest immer weiter, bis man jedes einzelne Buch auf der Welt durchhat. Als ich mit dreizehn meinen Bibliotheksausweis für Erwachsene bekam, wurde mir nach einem halben Regal Louis L’Amour langsam klar, dass das so wohl nicht funktioniert. ( Ich hab allerdings wesentlich mehr von Tom Clancy verschlungen, als man von einer Jugendlichen eigentlich erwarten sollte. )

Nachdem wir das jetzt geklärt haben: Hallo und danke, dass ihr euch für Happy Ever After – Wo dich das Leben anlächelt entschieden habt – ich weiß schließlich, wie groß die Auswahl ist. Dessen bin ich mir bewusst, das kann ich euch versichern. ☺

Dieses Buch ist nicht direkt eine Fortsetzung von Wo das Glück zu Hause ist. Apropos, zum Thema Buchtitel hab ich noch eine lustige Geschichte: Es mag euch überraschen, aber Schriftsteller können sich nicht immer aussuchen, wie ihr Buch heißen wird. Als der Titel für dieses Buch festgelegt wurde, waren lange Titel gerade in Mode, mir erschien er aber immer etwas sperrig.

Und in den USA hat damals mein dortiger Verleger, den ich vergöttere, zu mir gesagt: „ Wäre es dir recht, wenn wir es The Bookshop on the Corner nennen ? “

Ich hab ihm geantwortet: „ Die Buchhandlung an der Ecke ? Es handelt sich doch um eine fahrende Buchhandlung, die immer woanders steht ! “

Und er meinte: „ Mir gefällt der Titel aber, weil er so klingt, als wäre der Bücherwagen immer zur Hand, wenn man ihn braucht. “

Also hab ich gesagt: „ Gut, na ja, dann parken wir ihn eben an der Ecke. “

Das fand er gut, und deshalb gibt es zwischen der ursprünglichen englischen und der amerikanischen Ausgabe einen einzigen Unterschied: In der amerikanischen kommt öfter mal der Satz Der Wagen stand an seiner üblichen Ecke vor.

Na ja, wie gesagt, dieses Buch ist also nicht direkt eine Fortsetzung, obwohl darin ein paar Figuren wieder vorkommen: Ihr werdet zwar Nina und Surinder erneut begegnen, aber es ist ganz klar Zoes Geschichte.

In diesem Roman geht es auch darum, dass die Liebe zu Büchern uns gegen die Welt da draußen beschützen kann. Das mag merkwürdig klingen, ich glaube aber ganz fest daran.

Wer liest, muss sich nicht bei allem nur auf sich selbst verlassen. Ich meine, durchs Lesen steckt man in mehr als nur einem Menschen drin, lebt mehr Leben als nur das eigene.

Mein Sohn ist kein großer Leser ( und auch kein besonders frühreifes Kind ). Aber ich erinnere mich noch an die Zeit, als er die Harry-Potter-Serie gelesen hat. Eines Tages kam er zu mir und erklärte verblüfft: „ Das ist gar nicht wie bei einem Film, sondern so, als wäre man wirklich mit dabei, Mum. “

Ich glaube immer noch, dass die Menschheit mit dem Lesen die beste Art und Weise gefunden hat, direkt von einem Gehirn zum anderen zu kommunizieren. Das gilt vermutlich so lange, bis Facebook uns alle irgendwann mit einem Gehirnimplantat ausgestattet hat.

Lesen kann uns aus dem Alltag entführen – ich beobachte besonders gern Pendler, die von dem grauen Morgen rund um sie herum gar nichts mitbekommen, weil sie in Thomas Cromwells England oder Michel Fabers außerirdische Welten oder George R. R. Martins Hohenehr entflohen sind.

In meinem letzten Roman über den Bücherwagen habe ich ein bisschen davon erzählt, wo und wie ich gern schmökere, und viele Leser haben dazu eigene Ideen beigesteuert. Dabei ist die interessante Frage aufgekommen, wo eigentlich die Grenze zwischen „ richtigen Büchern “ und heruntergeladenen oder Hörbüchern verläuft. Manche Leute – allerdings nur wenige – haben die kompromisslose Meinung vertreten, dass nur ein Buch ein richtiges Buch ist. Vielleicht noch interessanter fand ich aber etwas anderes: Viele Menschen lieben die Freiheit, eine ganze Bücherei auf dem Handy oder in der Tasche mit sich herumtragen zu können. Außerdem ist mir aufgefallen, dass immer mehr Leser bei ihrem Kindle die größte Buchstabengröße eingestellt haben und so keine Lesebrille mehr brauchen – das ist doch wirklich praktisch, oder ?

E-Reader sind auch fürs Fitnessstudio super, und ich nehme meinen jeden Tag mit in die Badewanne ( wo ich mit der Nase weiterblättere ). Obwohl ich total tollpatschig bin, ist er mir noch nie ins Wasser gefallen. Ich liebe auch Hörbücher, weil man auf diese Weise lesen kann, während man gleichzeitig mit etwas anderem beschäftigt ist, zum Beispiel mit Gassi Gehen.

Was Bücher betrifft, die man sich herunterlädt, gibt es allerdings ein kleines Manko: Ich finde es schade, dass man auf diese Weise gar nicht mehr sehen kann, was andere Leute eigentlich lesen. Deshalb wünschte ich, bei E-Readern würde oben auf jeder Seite der Titel erscheinen. Ich vergesse nämlich dauernd, wie das Buch heißt, das ich gerade lese. Und wenn mich jemand danach fragt, bringt mich das ziemlich aus dem Konzept. Dann sehen mich die Leute an, als wollten sie sagen: „ Oh, Entschuldigung, ich hatte Sie für eine Leseratte gehalten. “ Und das ist wirklich nervig.

Einmal habe ich mich auch bei einem Essen ziemlich über eine Frau aufgeregt, die mit am Tisch saß. Sie hat sich stundenlang darüber ausgelassen, dass doch nichts an ein echtes Buch herankommt und sie niemals einen E-Reader benutzen würde. Normalerweise bin ich gar nicht fies zu Leuten, aber sie war wirklich so unerträglich, dass ich schließlich gesagt habe: „ Na ja, die sind ja auch nur für Leute, die wirklich viel lesen. “ Das war gemein, aber auch sehr befriedigend.

Also, was ich mit all dem wohl sagen will: Ihr solltet einfach das lesen, was euch Freude macht. Bereichert euer Leben mit Büchern jeglicher Art, und wenn euch eins keinen Spaß macht, dann probiert es eben mit einem anderen – das Leben ist einfach viel zu kurz.* Ich selbst versuche allerdings weiterhin, mich durch jedes einzelne Buch auf Erden zu ackern. Ihr seid ja selbst Leser, ihr könnt das sicher gut verstehen.

Alles Liebe

Jenny xxx

* Außer natürlich bei diesem Buch. Ich werde euch persönlich eine E-Mail schicken, um mich zu vergewissern, dass ihr es zu Ende gelesen habt. Eventuell gehört auch ein kleiner Test dazu.



TEIL 1

„ Der Blick von hier oben ist anders “, sagte Robert Carrier und breitete einen Flügel aus. „ Wenn man die Dinge immer nur vom selben Standpunkt aus betrachtet, dann ändert sich auch nichts. Doch wenn man eine neue Perspektive einnimmt, wandelt sich alles. “

„ Aber das sieht ja überhaupt nicht aus wie die Stadt “,
rief Wallace verblüfft aus. „ Hier ist bloß lauter Himmel. “

„ Allerdings “, sagte Robert Carrier und fixierte den etwas schmuddeligen Jungen mit seinen Knopfaugen. „ Es gibt aber viele verschiedene Arten von Himmel. “

Aus Über den Dächern



Kapitel 1

„Und wie sieht es mit Weinen aus ? “ Die Ärztin saß in ihrem Behandlungszimmer des National Health Service mit freundlicher, aber professioneller Miene hinter dem schäbigen alten Schreibtisch.

Auf einem Poster an der Wand stand eine seltsame Abkürzung, an die man sich erinnern sollte, wenn man einen Schlaganfall hatte.

Zoe stresste die Vorstellung, sich ausgerechnet während eines Schlaganfalls diese Buchstabenfolge merken zu müssen, noch mehr als dieser Termin hier ohnehin schon.

Vor dem winzigen Fenster, das auf eine rote Backsteinwand hinausging, hing eine schmutzige Lamellenjalousie, und der Fußboden aus rauen Teppichelementen war voller Kaffeeflecken.

„ Na ja, das passiert mir vor allem montags “, erklärte Zoe und betrachtete die gepflegten dunklen Haare der Frau, die so schön glänzten. Ihre eigenen Haare waren ebenfalls dunkel und lang, Zoe hatte sie sich aber zusammengebunden. Mit einem Haarband, hoffte sie, und nicht etwa mit einem Gummiband, das der Postbote verloren hatte. „ Und, nun ja, wenn die U-Bahn ewig nicht kommt oder ich den Kinderwagen nicht in den Waggon heben kann. Oder wenn jemand missbilligend schnalzt, weil ich ihn reinhebe. Aber wenn ich den Kinderwagen nicht nehme, komme ich eine Stunde zu spät. Natürlich ist er dafür längst zu groß, schon klar, vielen Dank auch, also können die sich ihre missbilligenden Blicke ruhig sparen. Oder wenn ich bei der Arbeit aufgehalten werde und bei jeder verstreichenden Minute daran denke, was mich das jetzt kostet. Wenn ich ihn dann am Ende abhole, war nämlich der ganze Arbeitstag wieder umsonst. Oder vielleicht wollen wir den Bus nehmen, und dann macht der Fahrer die Türen zu, als wir gerade an der Haltestelle ankommen. Dabei hat er mich genau gesehen, er will sich nur das Theater mit dem Kinderwagen ersparen. Oder wenn wir keinen Käse mehr haben, ich es mir aber nicht leisten kann, neuen zu kaufen. Haben Sie in letzter Zeit mal die Käsepreise gesehen ? Oder … “

Die Ärztin lächelte zwar freundlich, wirkte aber auch etwas angespannt. » Ich meinte Ihren Sohn, Mrs O’Connell. Wann weint er denn ? «

„ Oh “, entfuhr es einer bestürzten Zoe.

Sie betrachteten beide den kleinen dunkelhaarigen Jungen, der in einer Ecke des Raumes verhalten mit einem Bauernhof spielte. Argwöhnisch blickte er zu ihnen herüber.

„ Das … das war mir nicht klar “, sagte Zoe und war schon wieder drauf und dran, in Tränen auszubrechen.

Die freundliche Frau Dr. Baqri schob ihr eine Schachtel Taschentücher über den Tisch, was die Sache nur noch schlimmer machte.

„ … und es ist Miss, nicht Mrs “, stellte Zoe mit brechender Stimme klar. „ Na ja, es geht ihm gut … Ich meine, er weint schon mal, aber er … “ Lange würde sie die Tränen nicht mehr zurückhalten können. „ Aber er gibt eben keinen einzigen Laut von sich. “

Sie hatte seit Monaten auf diesen Termin beim National Health Service gewartet, und jetzt wurde Zoe zu ihrem Entsetzen klar, dass sie den größten Teil der Sitzung damit verbrachte, rumzuheulen und Dr. Baqri abwechselnd hoffnungsvoll und verzweifelt anzustarren.

Zoe wischte sich übers Gesicht, hätte dann beinahe erneut losgelegt und riss sich im letzten Moment wieder zusammen. Während Hari fröhlich auf ihren Schoß kletterte, dachte sie bei sich, dass ihr Dr. Baqri bisher wenigstens nicht mit dem Spruch gekommen war, den sonst immer alle brachten.

„ Also, Einstein … “, sagte die Ärztin jetzt, und Zoe stöhnte innerlich auf. Ja, da war er also: „ … der hat bis zu seinem fünften Lebensjahr auch nicht gesprochen. “

Zoe zwang sich zu einem kleinen Lächeln. „ Das weiß ich, danke “, sagte sie durch zusammengebissene Zähne hindurch.

„ Selektiver Mutismus … Hat er vielleicht irgendein Trauma erlitten ? “

Zoe biss sich auf die Lippe. Gott, doch hoffentlich nicht ! „ Na ja, sein Vater … ist nicht besonders präsent “, sagte sie. Als sie weitersprach, war ihr Tonfall ein wenig flehentlich, als erhoffe sie sich von der Ärztin Bestätigung. „ A-Aber das ist ja nicht so ungewöhnlich, richtig ? Und du freust dich doch, wenn du Daddy siehst, oder ? “

Bei der Erwähnung seines Vaters legte sich wie immer ein Strahlen über Haris Züge, und der kleine Junge bohrte ihr fragend einen drallen Finger in die Wange.

„ Bald “, antwortete Zoe.

„ Wann haben Sie ihn denn zum letzten Mal gesehen ? “, erkundigte sich die Ärztin.

„ Äh … vor drei … sechs … “ Zoe überlegte. Ja, ehrlich gesagt, war Jaz den ganzen Sommer über weggewesen. Sie mahnte sich immer wieder, sich bloß sein Instagram nicht mehr anzusehen, aber es war wie eine üble Sucht. Den Fotos zufolge, auf denen er verschiedene Hüte in mehreren Farben trug, musste er so ungefähr auf vier Festivals gewesen sein.

Die Ärztin hatte sich mit Hari für ein Kartenspiel zusammengesetzt, bei dem es ums Teilen gegangen war, hatte ihm beigebracht, wie man mit den Fingern schnippte, mit ihm Kuckuck gespielt und ihn Sachen suchen lassen, die sie vorher im Raum versteckt hatte.

Bei all dem hatte der Vierjährige nervös mitgemacht und mit großen, angsterfüllten Augen ein ums andere Mal versucht, auf den Schoß seiner Mutter zurückzuklettern.

„ Tja “, sagte die Medizinerin jetzt, „ wir haben es hier mit einer Sozialphobie zu tun. “

„ Das weiß ich. “

Die Ärztin warf einen Blick auf ihre Notizen. „ Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Kind nicht einmal mit einem Elternteil spricht. Gibt es vielleicht zu Hause irgendetwas, was ihn aufwühlt ? “

Sie lebten in Wembley im Erdgeschoss eines fürchterlichen, umgebauten viktorianischen Gebäudes an der Hauptstraße. Die Wasserrohre rumorten, und der Nachbar von oben spielte oft laut Musik, wenn er spät abends betrunken nach Hause kam. Manchmal brachte er Freunde mit, die gegen die Tür bollerten und laut lachten. Genug Geld für die Kaution einer anderen Wohnung zusammenzubekommen – mal abgesehen von der Miete –, würde immer ein Luftschloss bleiben. Die Stadtverwaltung hatte Zoe als Alternative ein Zimmer in einem Bed and Breakfast angeboten, aber das stellte sie sich nur noch schlimmer vor. Ihre Mutter konnte ihr auch nicht helfen – die war vor ein paar Jahren nach Spanien gezogen, wo das Leben von Tag zu Tag teurer wurde. Um sich zu ihrer Rente etwas dazuzuverdienen, jobbte sie in einer üblen Kneipe, bei der im Fenster Bilder von gebratenen Spiegeleiern hingen.

Seit sie ungeplant mit Hari schwanger geworden war, behauptete Zoe Familie und Freunden gegenüber außerdem gern, dass bei ihr alles in Ordnung sei. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, ihre wirkliche Lage eingestehen zu müssen. Doch das hatte dramatische Folgen für sie.

Dr. Baqri entging Zoes Gesichtsausdruck natürlich nicht. „ Ich … Ich will Ihnen hier keine Vorwürfe machen. “

Zoes Lippe begann schon wieder zu zittern.

„ Wissen Sie “, fuhr Dr. Baqri fort, » die Bindung zwischen Ihnen wirkt stabil. Und er ist zwar schüchtern, wirkt auf mich aber nicht traumatisiert. Manchmal – manchmal ist das eben einfach so. «

Es trat ein langes Schweigen ein.

„ Das “, sagte Zoe dann leise, „ ist wirklich das Netteste, was seit Langem jemand zu mir gesagt hat. “

„ Normalerweise empfehlen wir, das Kind mit Belohnungen zu ermutigen “, sagte Dr. Baqri. Sie reichte Zoe einen Stapel Papiere mit Tabellen und Listen anzustrebender Ziele. „ Es funktioniert alles über Bestärkung. Etwas Nettes für ein Flüstern … eine Süßigkeit für ein Lied. “

Zoe blinzelte und fragte sich, wo sie Geld für Süßigkeiten hernehmen sollte. Sie dachte ja jetzt schon mit Schrecken an die kalten Tage, an denen Hari nicht mehr seine Sommersandalen würde tragen können.

„ Wenn das alles nichts bringt, könnten wir es mit Medikamenten versuchen. “

Zoe starrte sie nur an. Ihren zauberhaften Jungen unter Drogen setzen ? Da hörte es für sie wirklich auf. Das hier war das Ende, in mehr als nur einer Hinsicht: Nach acht Monaten auf der Warteliste für einen Termin bei der Sprachtherapeutin hatten sie an diesem brüllend heißen Tag zwei Stunden lang quer durch London fahren müssen, um diese Praxis nahe der Endstation aufzusuchen.

„ Sprechen Sie denn viel mit ihm ? “, fragte Dr. Baqri.

„ Hm-hm “, bestätigte Zoe, die froh war, dass man ihr zumindest in dieser Hinsicht keine Vorwürfe machen konnte. „ Ja, tu ich, und zwar ständig. “

„ In Ordnung, passen Sie aber auf, dass Sie nicht zu viel reden. Wenn Sie all seine Wünsche und Bedürfnisse erraten, gibt es für ihn ja keine Motivation mehr, sich mitzuteilen. Und die müssen wir wecken. “ Dr. Baqri stand auf.

Angesichts von Zoes entsetztem Gesichtsausdruck lächelte sie. „ Tja, ein Patentrezept gibt es leider nicht. Mir ist schon klar, dass das nicht leicht für Sie ist “, sagte sie, während sie ihre Broschüren zusammenschob.

Zoe spürte schon wieder einen Kloß im Hals. „ Nein, ist es nicht. “

Das war es wirklich nicht.

Auf der Rückfahrt mussten sie zwei Busse nehmen. Zoe versuchte, ihrem kleinen Jungen aufmunternd zuzulächeln, aber es wurde ihr alles schlicht zu viel. Der Bus war voll und laut, Schulkinder brüllten und kreischten, guckten auf ihren Handys Videos in dröhnender Lautstärke und zappelten mit den Beinen. Hier hockten einfach viel zu viele Fahrgäste aufeinander, und der Bus zuckelte quälend langsam voran. Als sie irgendwann Hari auf den Schoß nehmen musste, um Platz für andere Leute zu machen, schliefen ihr die Beine ein. Zoe überlegte, wie viel dieser Termin sie wohl gekostet hatte, für den sie wieder einmal eine Schicht hatte ausfallen lassen müssen. Außerdem hatte Xania, ihre Chefin, langsam die Nase voll davon, dass sie sich ständig freinahm. Und Zoe konnte es sich nicht leisten, ihre Arbeit zu verlieren …

Als Hari dann endlich müde ins Haus stolperte und Zoe die schmuddelige Tür hinter sich schloss, wartete im Flur ein Brief auf sie, der alles nur noch schlimmer machen würde.



Kapitel 2

„An wen ist denn die Scheune vermietet ? Können die nicht vielleicht einspringen ? “ Surinder Mehta saß in der Küche ihres kleinen Häuschens in Birmingham und versuchte, per Telefon ihrer Freundin Nina gute Ratschläge zu geben.

Die tat, was Menschen in so einer Situation immer taten – und zerpflückte die Vorschläge Punkt für Punkt.

Nina leitete in den schottischen Highlands eine mobile Buchhandlung, was sich inzwischen aber immer schwieriger gestaltete. Sie hatte sich nämlich in einen sehr attraktiven Bauern verliebt, und es war ein besonders langer, dunkler und gemütlicher Winter gewesen. Tja, solche Sachen passierten nun mal.

Hoch oben in Schottland strich sie sich wütend über ihren runden Bauch. Ein endgültiger Mieter war für das Gebäude noch nicht gefunden worden. „ Im Moment kommen da welche von den Hofarbeitern unter, und die haben schließlich zu tun ! “

„ Es muss doch irgendjemanden geben, der euch unterstützen kann. Was ist denn mit diesem Mädchen, das dir beim Aufräumen im Laden geholfen hat ? “

„ Ainslee geht inzwischen aufs College. Es ist einfach so … dass hier oben jeder schon drei Jobs hat. So läuft das nun mal, es gibt vor Ort einfach nicht genug Leute. “

Durchs Fenster des Bauernhauses warf Nina einen Blick hinaus auf die Felder, wo jetzt zur Erntezeit alle schwer beschäftigt waren. Im goldenen Licht konnte sie sehen, wie sich Arbeiter über die wogende Gerste beugten.

Von der Plackerei da draußen war sie dieses Jahr befreit, musste dafür aber jede Menge Leute verköstigen. Deshalb war sie auf den Hof zurückgekehrt, um für alle, die heute lange schufteten, Suppe zu kochen.

„ Na ja “, sagte Nina schließlich, „ überleg es dir wenigstens. “

„ Nein, ich werde nicht meine Arbeit aufgeben, um dich im Mutterschaftsurlaub zu vertreten ! “, versetzte Surinder. „ Was aber nicht heißt, dass ich dich nicht lieb habe, also nicht falsch verstehen. “

Nachdem sie aufgelegt hatte, hockte Nina seufzend in der Küche. Es hatte doch alles so vielversprechend angefangen. Sie erinnerte sich noch gut an jenen Tag.

Sie war so durcheinander und abgelenkt gewesen, dass sie im Bücherwagen versucht hatte, Mrs McGleachin denselben Roman von Dorothy Whipple zum zweiten Mal zu verkaufen, was wohl einen kleinen diplomatischen Zwischenfall ausgelöst hätte. Sie reichte auch jemandem das falsche Übungsbuch für Prüfungen, was ebenso schlimm war, und versteckte jedes Mal, wenn jemand die Stufen zu ihrem kleinen Bücherwagen heraufstieg, hastig Schwangerschaft und Geburt. Ihr mobiles Geschäft hatte verschraubte Regale, einen sanft schaukelnden Kronleuchter und Sitzsäcke für Kinder. Inzwischen konnte man bei Nina sogar kontaktlos bezahlen, worauf sie unglaublich stolz war ( wenn es denn funktionierte, was nicht immer der Fall war ). Manche der älteren Einwohner von Kirrinfief hielten die ganze Sache für Hexerei.

Lennox kümmerte sich an jenem Tag auf der oberen Weide um die Lämmergeburten. Der Frühling hatte spät eingesetzt, und viele der Jungtiere wurden in raues Wetter mit peitschendem Wind und zum Teil sogar noch Schnee hineingeboren.

Nina war sich nicht sicher, wie Lennox reagieren würde. Er war schon mal verheiratet gewesen und sollte auf keinen Fall denken, dass sie irgendetwas von ihm erwartete – Nina war mit der aktuellen Situation glücklich und zufrieden. Und er würde kein großes Tamtam wollen, weil er es schlicht und bescheiden mochte.

Als Nina schließlich mit ihrem Wagen über den Hügel zurück nach Hause gefahren war, sah sie nach dem Eintopf, den sie am Morgen im Schongarer zurückgelassen hatte, und begrüßte dann mit sanftem Lächeln und einem langen Kuss den müden Lennox.

„ Lesen wir noch was ? “, fragte sie nach dem Essen.

„ Och, Nina. Weißt du, ich hatte heute ziemlichen Ärger mit den Kühen … “ Aber dann bemerkte er ihren Gesichtsausdruck.

„ Aye, in Ordnung, ein kleines bisschen “, sagte er und zog Schäferhund Parsley zu sich heran, damit der es sich unter seinem Arm gemütlich machte.

Aus der kleinen gebrauchten Papiertüte, in der sie ihre jeweilige Lektüre aufbewahrte, damit sie nicht schmutzig wurde, holte Nina mit heftig klopfendem Herzen hervor, was sie für heute ausgewählt hatte. Die Seiten des Buches mit dem schlichten Titel Hallo zierten entzückende, impressionistisch angehauchte Illustrationen. Sie zeigten, wie ein Neugeborenes sehen lernte. Da war am Anfang alles noch schwarz-weiß und an den Rändern verschwommen, dann wurden die Bilder – von Wolken am Himmel oder einer Landschaft im Wind – immer schärfer und bunter.

Auf der zauberhaften, detailliert ausgearbeiteten letzten Seite sahen ein Baby und seine Mutter einander in die Augen. Daneben stand nur ein einziges Wort: „ Hallo. “

Heute Abend schlief Lennox bei ihrer Lesestunde nicht wie üblich ein, sondern hockte stocksteif und reglos da, während Nina sich mit bebender Stimme Seite für Seite vorarbeitete. Er fixierte sie, als hätte er sie noch nie zuvor gesehen.

Selbst Parsley blieb wach, weil er die angespannte Stimmung im Raum spürte.

Als Nina fertig war, schloss sie das Buch zwar mit zitternden Händen, aber voller Entschlossenheit. Sie senkte den Blick.

Es herrschte lange Schweigen, und man hörte nichts weiter als das Ticken der alten Uhr auf dem hölzernen Sideboard, die einmal pro Woche aufgezogen werden musste. Ticktack, ticktack.

Irgendwann hielt Nina es nicht mehr aus und schaute langsam zu Lennox hoch. Er starrte sie mit ungläubiger Miene an.

„ Jetzt solltest du mir am besten sagen, was du davon hältst “, entfuhr es Nina.

„ Oh ! “, machte er. Dann fügte er auf seine wortkarge Art und Weise noch hinzu: „ Also, nun. “

Ängstlich blickte Nina ihn an. „ Ich weiß natürlich, dass wir darüber nie gesprochen haben “, murmelte sie. „ Andererseits haben wir uns auch nie bewusst dagegen entschieden. “

Er nickte. „ Also “, sagte er wieder.

„ Erinnerst du dich noch an unsere Unterhaltung darüber, dass es manchmal Sachen gibt, wo du mal den Mund aufmachen musst ? Das wäre jetzt so eine Situation. Ich meine, freust du dich ? Bist du glücklich ? “

Fassungslos schaute er sie an. „ Natürlich “, sagte er, so als könne er nicht glauben, dass er ihrer Meinung nach irgendetwas anderes empfinden könnte.

„ Ich meine, wir sind ja wirklich ziemlich zugange “, stammelte Nina. „ Da bleibt das wohl nicht aus. “

„ Äh, ja, danke. Ich bin Bauer. “

Sie strahlte ihn an, als er sich über sie beugte und sie unter zärtlichen Küssen auf seinen Schoß zog. Seine Hände wanderten zu ihrem Bauch.

„ Im Moment bin das nur ich “, erklärte Nina. „ Das Kind ist wohl noch so winzig wie eine Erbse. “

„ Aber dich mag ich ja auch. Also, wann ? “

„ Wohl im November. Ich stelle es mir schön vor, in einem langweiligen, nassen Monat Geburtstag zu haben, wenn es ansonsten nicht viel zu tun gibt. “

Lennox stieß einen tiefen Seufzer aus und ließ seinen großen Kopf auf ihrem kleinen ruhen.

„ Tja “, sagte er. „ Das wird … Das wird dann wohl … “

Nina lachte. „ Jetzt sag schon ! “

Er legte eine lange Pause ein, während er sich noch fester an sie schmiegte. „ Perfekt “, sagte er irgendwann ganz leise. „ Das wird einfach perfekt. “

Sie blieben lange so sitzen.

Mit Lennox lief es also wunderbar. Mit allem anderen nicht unbedingt.

Jenny Colgan

Über Jenny Colgan

Biografie

Jenny Colgan studierte an der Universität von Edinburgh und arbeitete sechs Jahre lang im Gesundheitswesen, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit dem Marineingenieur Andrew hat sie drei Kinder, und die Familie lebt etwa die Hälfte des Jahres in Frankreich. Ihre Romane um »Die kleine Bäckerei...

Weitere Titel der Serie „Happy-Ever-After-Reihe“

Drei unabhängig voneinander zu lesende Romane über die Welten, die Bücher eröffnen, über die Magie des Lesens und das Glück, ein Leser zu sein.
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