Sie haben viele Jahre mit Ihrem berüchtigten Serienkiller/Helden Francis Ackerman jr. verbracht. Was war der Grund, eine völlig neue Serie zu beginnen?
Ich hatte immer vor, verschiedene Charaktere zu erforschen und verschiedene Arten von Geschichten zu erzählen. Mit Baxter Kincaid wollte ich eine bodenständigere Hauptfigur, einen Mann ohne „Superkräfte“, der aber trotzdem bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, um die Menschen in seiner Stadt zu schützen. Ackerman nimmt es mit immer größeren Bedrohungen auf und reist um die Welt. Er ist seit Jahren eine Konstante in meiner schriftstellerischen Laufbahn, aber ich wollte mich selbst herausfordern, eine weitere einzigartige Stimme zu schaffen.
Aufmerksame Leser:innen werden Baxter Kincaid wiedererkennen – er hatte seinen ersten Auftritt in Ich bin der Hass. Wussten Sie damals schon, dass er eine Beförderung braucht und die Hauptfigur einer eigenen Buchreihe werden könnte?
Ich habe die Zeit mit Baxter Kincaid so sehr genossen, dass ich wusste, dass er wieder auftauchen würde. Baxter ist ein ruhiger Punkt inmitten eines jeden Sturms. Er versucht, das Richtige zu tun, auch wenn es nicht einfach oder populär ist. Ackerman ist ein düsterer Charakter, ein Anti-Held, dessen Stärke aus seiner Ausbildung und Erziehung resultiert. Er beginnt als „Bösewicht“, der lernt, das Gute zu tun. Baxter ist eher ein guter Kerl, der manchmal böse sein muss.
Das Schreiben von dunklen Charakteren kann den Autor auch auf dunkle emotionale Pfade führen, und so ist es erfrischend, aus der Perspektive eines Charakters zu schreiben, der trotz aller Widrigkeiten das Selbstvertrauen und die positive Einstellung hat, sich allem zu stellen, was die Welt (oder der Autor) ihm vorsetzt.
Neben Baxter haben Sie eine sehr starke und beeindruckende weibliche Hauptfigur: Corin Campell. Können Sie uns mehr über sie erzählen?
In meinen Romanen gab es viele Opfer, aber ich hatte noch nie die Gelegenheit zu erforschen, was mit einer Figur passiert, nachdem das Buch geendet hat. Wie hat all das Trauma die Person verändert? Corin war ein Opfer im fünften Ackerman-Buch. Von all meinen Figuren hat Corin einige der schlimmsten Torturen durchgemacht. Sie wurde entführt, vergewaltigt, gefoltert und sogar gezwungen, sich den Fuß abzuschneiden, um zu entkommen. Und doch hat sie gesiegt. Das Ergebnis ist, dass sie knallhart geworden ist und jetzt die „Muskeln“ zu Baxters „Gehirn“ ist.
Und schließlich unser Killer. Da er seinen Opfern Raben in die Stirn ritzt, nennen ihn die Medien den „Ravenkiller“. Er ist ein Anhänger der nordischen Mythologie, über die wir viel erfahren. Warum haben Sie diesen Hintergrund gewählt und wie sind Ihre Recherchen verlaufen?
Ich finde die Wikingerkultur faszinierend und habe die Geschichten von Thor, Odin und Loki immer geliebt. Vor allem die Berserker der Wikinger gehören zu den gefürchtetsten Kriegern der gesamten Geschichte. Ihr Glaubenssystem war eines, das nach heutigen Maßstäben als brutal und sogar abstoßend gelten würde. Die modernen Anhänger des nordischen Heidentums haben sich natürlich der Zeit angepasst, aber ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn ich einen wahren Anhänger der alten Traditionen in die heutige Zeit versetze.
Bewertungen
Den Berserkern auf der Spur
Zum Inhalt:
Baxter Kincaid hat seinen Dienst bei der Polizei quittiert, um mit seinen eigenen Methoden zu ermitteln und arbeitet gelegentlich als Berater für das San Francisco Police Department. Als Opfer auftauchen, die nordische Runen auf der Stirn eingeritzt haben, übernimmt Baxter die…
Zum Inhalt:
Baxter Kincaid hat seinen Dienst bei der Polizei quittiert, um mit seinen eigenen Methoden zu ermitteln und arbeitet gelegentlich als Berater für das San Francisco Police Department. Als Opfer auftauchen, die nordische Runen auf der Stirn eingeritzt haben, übernimmt Baxter die Ermittlungen, denn dies hat er schon einmal erlebt, doch den Ravenkiller hat er vor zehn Jahren hinter Gitter gebracht. Doch wer tötet nun erneut?
Meine Meinung:
Ethan Cross wurde mit seiner Ackerman-Reihe gehypt, diese Bücher habe ich noch nicht gelesen.
Ich freute mich darauf, dass eine neue Reihe beginnt, und das Cover sowie die Beschreibung haben mich magisch angezogen.
Der flüssige Schreibstil und die kurzen Kapitel sorgen für ein zügiges Lesen.
Gegliedert ist das Buch in 3 Teile. Im ersten Teil agiert Baxter Kincaid noch als Polizist, der auf der Suche nach einigen Ritualmorden auf Steinar Hagen und seinen Berserkern stößt.
Im zweiten Teil, neun Jahre später, scheint es neue Beweise im Fall des Ravenkillers zu geben und die Chancen stehen gut das Hagen entlassen wird. Unfreiwillig wird Baxter dazu gebracht zusammen mit der FBI Agentin Isadora erneut die Spur der Berserker aufzunehmen. Durchaus interessant ist die Weiterentwicklung der Protagonisten, die ich im 1. Teil kennengelernt habe. Aufgewachsen und integriert in die nordische Mythologie ihres Vaters haben die drei unterschiedlichen Kinder des Ravenkillers ihren Weg gemacht.
Cross baut mit seinen unterschiedlichen Blickwinkeln eine gelungene Story auf, so konnte ich nicht nur Baxter, Isadora, den Mörder u.a. näher in ihren Gedanken und Gefühlen kennenlernen und der Blick auf die nordische Mhytologie und die blutigen grausamen Morde tun ihr Übriges. Dennoch hatte das Buch für mich keine konstante Spannung und wirkte teilweise langatmig.
Nach dem Hype um die Ackerman Reihe hatte ich hier hohe Erwartungen, die sich leider nicht erfüllt haben.
Fazit:
Ethan Cross legt hier einen soliden 1. Teil einer neuen Reihe vor, der mich letztendlich nicht überzeugen konnte.