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Princess KnightPrincess Knight

Princess Knight

Roman

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Princess Knight — Inhalt

Gemma Smythe hat ihr ganzes Leben der Kriegsgöttin Morthwyl gewidmet. Doch als ihre Schwester Keeley zur legendären Schmiedekönigin ernannt wird, lässt Gemma ihre Heimat beim finsteren Orden der Kriegsmönche hinter sich, um gemeinsam mit Keeley und der Zentaurin Laila in den Krieg zu ziehen. Was Gemma dabei jedoch nicht gebrauchen kann, ist Lailas sexy Bruder Quinn, der ihr nicht von der Seite weicht, als Gemma zu einer gefährlichen Mission aufbricht ... denn der Zentaur weiß, wie man einer Frau den Kopf verdreht.

€ 13,00 [D], € 13,40 [A]
Erscheint am 01.02.2021
Übersetzt von: Michaela Link
464 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-28238-3
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erscheint am 01.02.2021
Übersetzt von: Michaela Link
464 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99763-8

Leseprobe zu „Princess Knight“

Prolog

Als Bruder Gemma ihre Truppe von Mönchsrittern in den Klosterhof des Ordens des Gerechten Heldenmuts führte, wusste sie sofort, dass ihr ein ziemlicher Haufen Mist bevorstand.

Das war nicht schwer zu erraten. Wenn man zu einer Bruderschaft von grimmigen, gewalttätigen und kriegsgottliebenden Kriegern gehörte, lernte man zu erspüren, wann der Wind sich gedreht hatte.

Sie hielt ihr Pferd mitten auf dem Innenhof an und inspizierte eingehend ihre Umgebung. Samuel, ihr Knappe, hielt neben ihr ebenfalls an.

„Alles in Ordnung?“, fragte er.

„Nein.“

»Soll [...]

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Prolog

Als Bruder Gemma ihre Truppe von Mönchsrittern in den Klosterhof des Ordens des Gerechten Heldenmuts führte, wusste sie sofort, dass ihr ein ziemlicher Haufen Mist bevorstand.

Das war nicht schwer zu erraten. Wenn man zu einer Bruderschaft von grimmigen, gewalttätigen und kriegsgottliebenden Kriegern gehörte, lernte man zu erspüren, wann der Wind sich gedreht hatte.

Sie hielt ihr Pferd mitten auf dem Innenhof an und inspizierte eingehend ihre Umgebung. Samuel, ihr Knappe, hielt neben ihr ebenfalls an.

„Alles in Ordnung?“, fragte er.

„Nein.“

„Sollte ich wegen irgendetwas Panik schieben? Ich bin sehr gut darin, Panik zu schieben.“

Das war ihr klar, aber immerhin kannte der Junge sich selbst ganz gut.

„Ich glaube nicht, dass es einen Grund für Panik gibt.“ Zumindest noch nicht.

Sie saß von ihrem Pferd ab und reichte Samuel die Zügel.

„Dolchstoß hat sich gut geschlagen, nicht wahr?“, fragte der Junge und streichelte dem Pferd das Maul.

Gemma war erst vor zwei Monaten gezwungen gewesen, Ersatz für ihre geliebte Stute zu suchen. Sie vermisste Kriegszorn noch immer, aber Dolchstoß hatte sich in der Schlacht bewährt.

„Dolchstoß hat sich sehr wacker geschlagen. Dein Vorschlag war gut.“

„Danke, Bruder.“

Das schwache, zaghafte Lächeln auf Samuels Gesicht erstarb plötzlich, und Gemma wusste, dass jener Wind sich definitiv gedreht hatte.

Sie wandte sich um und sah Hauptfeldwebel Alesandro auf sich zukommen.

„Bruder Gemma.“

„Bruder Alesandro.“

„Man hat um dein Erscheinen in der Kammer des Heldenmuts gebeten.“

„Warum?“

Es amüsierte sie, dass Alesandros linkes Augenlid zuckte, bloß weil sie darauf bestanden hatte, nach dem Warum zu fragen. Genau deshalb hatte sie gefragt. Nur um dieses linke Augenlid zucken zu sehen.

„Weil es ein Befehl ist“, antwortete er.

»Aber du hast von einer Bitte gesprochen. Eine Bitte ist kein Befehl. Ein Befehl ist ein Befehl. Eine Bitte ist eher eine Möglichkeit, also frage ich: ›Warum‹, um festzustellen, ob ich es wirklich tun will. Und ganz ehrlich, es ist …«

„Bruder Gemma!“

Gemma blinzelte. Zweimal. „Ja, Sir?“

Er zeigte auf das Kloster.

„Also ist es doch ein Befehl? Na schön.“

Sie wandte sich an Samuel. „Sieh zu, dass Dolchstoß ein Quartier für die Nacht bekommt, ja, Samuel?“

„Selbstverständlich, Bruder.“

Sie zwinkerte ihm zu, damit er sich keine Sorgen machte – obwohl sie wusste, dass er es trotzdem tun würde –, und eilte auf das Kloster zu.

Alesandro folgte ihr auf dem Fuß, was sie nicht weiter kümmerte. Er benahm sich immer, als wäre sie drauf und dran, die Flucht zu ergreifen. Er schien ständig das Schlimmste von ihr zu erwarten. Sie war sich nicht ganz sicher, warum, abgesehen davon, dass er sie einfach nicht mochte. Das war jedoch seine Entscheidung. Sie wusste, dass nicht jeder sie mochte. Damit kam sie gut zurecht. Sie war ein Kriegsmönch. Sie ritt in die Schlacht und metzelte ihre Feinde nieder, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Sie hatte mit der Truppe, die sie anführte, gerade eine ganze Bande von Dieben niedergemetzelt, die schutzlose Dörfer angegriffen hatte. Auf ihrem Gesicht und an ihren Händen klebte immer noch Blut. Wenn solche Dinge in der Welt passierten, warum sollte sie sich darum scheren, ob der Hauptfeldwebel ihres Klosters sie mochte oder nicht? Ihr war viel wichtiger, ob es ihr gelang, ihre Ritter am Leben zu erhalten.

Es war ihr gelungen. Was spielte davon abgesehen schon eine Rolle?

Sie erreichten die Kammer des Heldenmuts, einen der wichtigsten Räume im Kloster, und Gemma trat ein. Sofort machte sie eine Bestandsaufnahme dessen, was sie vor sich sah.

Die Erhabenen Ältesten waren zugegen. Mönche, die bei wichtigen Entscheidungen direkt mit dem Großmeister ihres Ordens zusammenarbeiteten. Außerdem wartete in der Kammer ihre Kampfkohorte: Katla, Kir und Shona. Vom ersten Tag an zusammengeschweißt, hatten die vier seit ihrem Noviziat gemeinsam trainiert, ihre ersten Schlachten zusammen erlebt, waren zusammen im Rang aufgestiegen und standen einander heute so nah, wie vier Menschen das nur konnten, die einander Reste vom Hirn ihrer Feinde aus den Haaren gewaschen hatten.

Zu guter Letzt warteten noch mehrere Generäle auf Gemmas Ankunft, einschließlich der gefürchteten Lady Ragna. Die Mönchsritter nannten sie „Lady“ Ragna, weil sie keine Lady war und alle sie hassten. Kein besonders guter Witz, doch das kümmerte nur wenige. Wann immer die Frau kam, verkrümelten sich alle wie Ratten, die von einem brennenden Schiff flohen. Die Einzigen, die nicht wegrannten, waren die Mönchsritter, die man für Ragnas Armee erwählt hatte. Sie hatte ihre eigene Legion, die nur eingesetzt wurde, wenn die Großmeister und Ältesten das verlangten.

Und dann waren da noch Bruder Sprenger und einige seiner Handlanger. Sprenger hasste Gemma, daher war sie überrascht, ihn hier zu sehen. Es sei denn, er hatte eine weitere Beschwerde gegen sie. Im Laufe der Jahre hatte er davon eine ganze Menge gehabt. So viele, dass sie kaum noch darauf achtete. Sie kamen per Schriftrolle, und Gemma musste jedes Mal zuhören, wenn ein General sie darüber in Kenntnis setzte, was sie wieder falsch gemacht hatte. Wenn es vorbei war, packte sie die Schriftrolle in eine Schachtel. Sie plante, eines Tages in diese Schachtel zu pinkeln, aber dieser Tag war noch nicht gekommen. Sie wollte etwas Handfestes haben, auf das sie pissen konnte. Einen richtigen Turm aus Pissschriften.

Gemma nahm ihren Platz neben ihren Waffenbrüdern ein, stellte sich breitbeinig hin und verschränkte die Hände hinterm Rücken. Sie wartete, während einer der Generäle monoton zu schwadronieren begann … über irgendetwas. Sie hörte wirklich nicht zu. Das Leben war zu kurz, um sich so sehr zu langweilen.

Endlich, nach gut dreißig Minuten – sie hatte noch nicht einmal gebadet! Sahen die denn nicht, dass sie gerade von einem weiteren hart erkämpften Sieg in einer Schlacht heimgekehrt war? Hätte all das nicht warten können, bis sie sich das Blut ihrer Feinde aus dem Haar gewaschen hatte? Es war so verdammt klebrig! Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als sich mit beiden Händen die Kopfhaut zu kratzen! Also, nach einer geschlagenen halben Stunde kam der General zur Sache.

„An diesem heutigen Tage sind wir Brüder hier versammelt, um euch, die Mitglieder dieser Kampfkohorte, vom Leutnant zum Major zu befördern und jedem von euch die Zuwendungen zuzusichern, die mit besagter Beförderung einhergehen.“

Ach was. Sieh mal an. Sie wurde befördert. Das war nett.

»Bitte, Bruder Shona, Bruder Kir, Bruder Gemma und Bruder Katla, sprecht mir nach …«

„Halt!“, erscholl eine Stimme.

Bruder Thomassin, ein Ältester, schaute von den wichtigen Sendschreiben auf, die er während dieses ganzen langweiligen Martyriums gelesen hatte. „Bruder Sprenger?“

Sprenger trat in die Mitte des Raums und blieb einen Moment dort stehen, was reine Effekthascherei war, bevor er verkündete: „Ich weigere mich, die Beförderung von Bruder Gemma zu billigen.“

Thomassin erhob sich so schnell, dass sein Stuhl zurückschlitterte und beinahe seinen armen Gehilfen umwarf, was tatsächlich irgendwie komisch war, denn der Mann war knapp zwei Meter groß und wog fast dreihundert Pfund. Er hatte in mehr Kriegen gekämpft, als Gemma zählen konnte. Doch das galt auch für Thomassin.

Gemmas Kampfkohorte verbarg ihren Ärger ebenfalls nicht. Sie ließen ihre beim „Vorgesetzten Zuhören“ angemessenen Posen fallen und machten sich bereit, mit allen und jedem zu streiten.

Die Einzige, die kaum reagierte, war Ragna. Obwohl sie durchaus feixte. Das Miststück.

„Sie ist nicht reif für eine solche Beförderung, und wenn ihr dennoch darauf besteht“, fuhr Sprenger fort, „werde ich mich gezwungen sehen, dem Großmeister von dieser Angelegenheit zu berichten.“

„Ausgezeichnet“, schoss Thomassin zurück. »Warum gehen wir damit nicht alle auf der Stelle zum Großmeister? Ich bin mir sicher, er würde liebend gern deine Gründe hören, warum …«

„Es ist in Ordnung.“

Die Brüder hörten auf zu streiten und alle starrten sie an.

„Was war das, Bruder Gemma?“, fragte Thomassin.

„Ich sagte, es sei in Ordnung, Bruder Thomassin.“ Sie zuckte die Achseln. „Ich warte bis zum nächsten Mal.“

„Nein“, drängte Katla. »Du wirst nicht bis zum nächsten Mal warten. Wir werden jetzt entweder alle befördert oder wir warten alle …«

„Werd nicht hysterisch.“

„Ich bin nicht hysterisch. Ich bin stinksauer.“

„Wenn du jetzt nicht in diesen Rang erhoben wirst“, rief Shona ihr ins Gedächtnis, „wirst du noch mal fünf Jahre warten müssen, bis du wieder dazu berechtigt bist.“

Gemma zuckte die Achseln. „Das sind die Regeln.“

„Wie kannst du damit einverstanden sein?“, fragte Kir. „Ich bin nicht damit einverstanden.“

„Aber ich bin damit einverstanden.“ Und das war sie wirklich. Natürlich war der Grund für ihr Einverständnis der, dass …

„Wie ist das möglich?“, fragte Sprenger, der jetzt direkt vor ihr stand und sich zu ihr vorbeugte, um ihr seine Fragen zu stellen. „Verfolgst du irgendeinen finsteren Plan?“

Das war eine extrem seltsame, geradezu irrsinnige Frage. „Was für einen Plan? Was gäbe es denn zu planen?“

„Deine Kampfkohorte wird befördert. Du wirst nicht befördert.“

»Und doch … geht das Leben weiter. Erstaunlich, nicht wahr? Wir hatten zum Beispiel mal ein Schwein …«

„Ein Schwein?“

„Ja. Und Dad hat dieses Schwein geliebt. Er dachte, er würde dessen Tod niemals verwinden. Das Schwein hatte jedoch Ferkel. Und bald merkte er, dass er weitermachen musste. Weil da Ferkel waren, um die er sich kümmern musste. Versteht ihr?“

Gemma ließ ihr Lächeln verblassen, runzelte stattdessen die Stirn und konzentrierte ihren Blick auf seinen Kiefer.

»Bruder Sprenger … ist das da ein Ausschlag?«

„Was?“, fragte er und rückte ein Stück von ihr ab.

»Ja. Genau …« Sie strich sich mit Mittel- und Zeigefinger über ihren eigenen Kiefer. „Hier.“

Er legte sich instinktiv eine Hand über die alte Wunde und sein funkelnder Blick galt ihr und ihr allein. Als ihr Lächeln zurückkehrte, breiter und – da war sie sich sicher – strahlender als zuvor, holte er mit ebenjener Hand aus, als wollte er sie schlagen.

„Bruder Sprenger!“, fuhr Thomassin ihn an und stoppte Sprenger, bevor der etwas tat, das nicht wiedergutzumachen war.

„Ich wollte gerade einen guten Heiler in der Stadt vorschlagen, der bei dieser Art von Ausschlag helfen kann, Bruder“, log Gemma. Sie zuckte die Achseln und sah Bruder Thomassin und die anderen Ältesten an. »Da ich hier nicht länger gebraucht werde …?«

Um Gemmas willen zwar verärgert und frustriert, wollte Thomassin die Situation nicht noch schlimmer machen, als sie bereits war, und entließ sie mit einer knappen Handbewegung.

Gemma zwinkerte ihren Gefährten zu, versprach mithilfe einer eindeutigen Geste, später am Abend ein feierliches Bier trinken zu gehen, und verließ die Kammer des Heldenmuts.

Noch bevor sie jedoch drei Schritte in Richtung der oberen Stockwerke und der Schlafzellen der Brüder getan hatte, packte einer der Gehilfen des Großmeisters sie und trug sie wie einen Sack Roggen in sein privates Arbeitszimmer.

„Ist das notwendig?“, fragte sie den Mann. „Ich hätte laufen können.“

Der Gehilfe klopfte an die Tür des Arbeitszimmers, trug Gemma hinein und stellte sie vor dem Schreibtisch des Großmeisters auf den Boden. Dann verließ er schnell den Raum und zog die Tür hinter sich zu.

„Ich vermute, du wolltest mich sprechen?“

Damit beschäftigt, etwas auf ein Pergament zu schreiben, wies er sie mit einer kleinen Drehung seiner Hand an zu warten. Gemma ging zu den kleinen Statuen hinüber, die in einem der zahlreichen Bücherregale standen, und nahm eine Darstellung des Kriegsgottes Morthwyl heraus, die einer der Mönche aus Stein geschaffen hatte. Obwohl sie in ihren Gebeten zahlreiche Kriegsgötter verehrten und anriefen, war Morthwyl ihre Hauptgottheit. Seinen Namen riefen sie, wenn sie in die Schlacht ritten. An seiner Tafel hofften sie sich zu laben, wenn sie einen ehrenvollen und blutigen Tod gestorben waren.

„Hör auf, damit herumzuspielen.“

Gemma stellte den Kriegsgott, mit dem sie gerade einen anderen Kriegsgott angegriffen hatte, zurück auf seinen Platz im Regal. „’tschuldigung.“

„Ich habe heute eine Prophezeiung gehört.“

„Hast du mit der hübschen blonden Seherin gesprochen? Oder war es die alte Vettel? Oder die mit den zwölf Kindern? Oder die, die gesagt hat, sie hätte ihre Zwillingsschwester gefressen, während sie noch im Schoß ihrer Mutter gewesen sei? Oder die, die über Feuer herrscht?“

„Nein. Es war der Seher Gary, der Zauberer.“

„Ohhh. Ja, natürlich.“

„Er hatte beängstigende Informationen hinsichtlich der Zukunft unserer Bruderschaft. Von denen einige wenig überraschend mit Bruder Sprenger zu tun haben.“

„Aber Sprenger hat damit angefangen.“

Der Großmeister hörte auf zu schreiben und sah von seinem Pergament auf. „Sprenger hat womit angefangen?“

Gemma blinzelte. „Nichts.“

„Gemma.“

„Joshua.“

Da sie allein in diesem Raum waren, konnte sie den Großmeister „Joshua“ nennen. Er war von Anfang an ihr Mentor gewesen. Bevor er Großmeister geworden war. Jemand, der sie durch all die harten Zeiten begleitet hatte, der da gewesen war, wenn sie sich nicht sicher gewesen war, ob sie es schaffen konnte. Die Begriffe „Mentor“ und „Schülerin“ beschrieben ihre Beziehung allerdings nicht richtig; sie ging noch tiefer. Bedeutete das, dass sie Joshuas Vertrauen für selbstverständlich hielt? Nein. Sie würde ihn nie um etwas bitten, was sie nicht zu verdienen glaubte. Noch würde sie ihn bitten, wegen etwas so Lächerlichem wie einem höheren Rang für sie zu kämpfen. Sie verschwendeten ihre Beziehung nicht auf solch einen Schwachsinn. Sie war ihnen beiden zu wichtig.

„Also, was wollte der Seher dir erzählen?“

Er deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und Gemma ließ sich darauf fallen.

„Der Alte König wird bald sterben.“

„Gut.“

„Ja.“

„Ich schätze aber, das bedeutet, dass einer seiner idiotischen Söhne an seine Stelle treten wird?“

Das war der Moment, in dem Joshua sie lange ansah.

„Was ist?“, fragte sie, als er nicht antwortete.

„Tatsächlich hat der Seher einen anderen Herrscher gesehen.“

„Ui. Interessant. Jemand, für den wir kämpfen können? Oder jemand, den wir werden töten müssen? Ich bin mir nicht sicher, worauf ich hoffen soll. Beide Möglichkeiten klingen faszinierend.“

»Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Frage beantworten soll. Denn der Herrscher, den er sieht, Gemma … ist deine Schwester.«

Wahrhaft verwirrt konnte sie nur fragen: »Schwester? Welche Schwester? Ich habe eine Menge Schwestern. Und Brüder und Cousins und Tanten und Onkel …«

„Beatrix.“

Sie schaute ihren Mentor länger an, als es ihre Absicht war. Sie schaute und schaute, bis alles gleichzeitig geschah. Sie brach in ein so heftiges Gelächter aus, dass sie auf dem Boden landete und sich in ihrer blutverschmierten Kutte und ihrem Kettenhemd hin und her wälzte und nur mit Mühe verhindern konnte, dass sie sich obendrein in die Hose pinkelte. Es dauerte eine Ewigkeit, und Gemma konnte sich nicht bremsen, selbst als ihr Tränen übers Gesicht strömten und ihr Gelächter sich in einen verzweifelten Husten verwandelte, bis sie nach Luft rang.

Doch schließlich bemerkte sie, dass Joshua nicht in ihr Gelächter einstimmte. Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern der Bruderschaft fand Joshua hier und da durchaus Gefallen an einem ordentlichen Lacher. Als er also diesmal nicht mitlachte, zwang sie sich, sich wieder hinzusetzen, und fragte, während sie sich die Tränen abwischte und noch ein letztes Mal vor sich hin kicherte: „Du machst Witze, oder?“

Als er nicht antwortete: „Natürlich tue ich das!“, blieb Gemma das Lachen im Hals stecken, und ein Stückchen ihrer Seele starb.

„Beatrix kann nicht Königin werden“, wandte sie ein. „Sie ist noch ein Kind.“

„Um Königin oder König zu sein, muss sie nur aus dem Mutterschoß herausgekommen sein.“

„Dafür ist sie nicht ausgebildet.“

„Dafür, Königin zu sein? Sie könnte ein Kopf in einem Einmachglas sein und trotzdem eine brauchbare Königin.“

„Aber ich hasse sie.“

„Bedauerlicherweise denke ich nicht, dass diese Tatsache eine Rolle spielen wird.“

„Sollte sie. Es sollte das Wichtigste im Universum sein.“

„Du weißt, dass wir Mönche sind, ja? Demut und so.“

„Wir sind nicht nur Mönche“, rief sie ihm ins Gedächtnis. „Wir sind Kriegsmönche. Da gibt es keine Demut. Es gibt Schwerter und Blut und, wenn wir Glück haben, sehr gutes Bier. Was denkst du also, soll ich in Bezug auf meine Schwester unternehmen? Soll ich dafür sorgen, dass meine Eltern sie in ein Nonnenkloster schicken, wie ich es schon seit ihrer Geburt immer wieder vorgeschlagen habe?“

Einmal mehr sah Joshua sie nur an, ohne zu sprechen.

„Was hat dieser Ausdruck auf deinem Gesicht zu bedeuten? Warum starrst du mich bloß an? Was verschweigst du mir?“

„Hier geht es nicht darum, ob deine Schwester ungeeignet ist zu führen, Gemma. Tatsächlich scheint der Seher zu denken, dass Beatrix mehr als bereit sein wird, das Land als Königin zu führen.“

„Oh.“ Sie zuckte die Achseln. „Schön. Wo liegt dann das Problem?“

„Es besteht die Sorge darüber, was deine Schwester tun wird, sobald sie an der Macht ist.“

„Weil sie eine Frau ist?“ Es hatte noch nie eine Frau gegeben, die in diesen Gegenden als Königin geherrscht hatte. Nur Könige, die in bestimmte Familien hineingeboren worden waren, oder Männer, die bereit gewesen waren, sich die Krone zu nehmen.

„Nein. Weil sie vielleicht keine Seele hat.“

Gemma runzelte die Stirn. „Buchstäblich oder im übertragenen Sinne?“

„Das eine oder das andere oder beides. Das ist an diesem Punkt noch nicht klar. Die Bruderschaft ist jedoch nicht bereit, das Risiko einzugehen.“

Gemma richtete sich auf ihrem Stuhl höher auf und fragte: „Was genau soll das bedeuten?“

Er stützte die Arme auf seinen Schreibtisch. „Es sind bereits Pläne in Gang gesetzt worden.“

„Pläne? Was für Pläne?“

„Deine Schwester zu töten.“

„Du willst meine Schwester töten?“

„Es ist nicht meine erste Wahl, aber ich treffe diese Art von Entscheidungen nicht allein. Und das weißt du auch.“

„Die Ältesten. Sie haben beschlossen, ein Kind zu töten.“

„Sie ist volljährig, Gemma. Und solche Dinge tun wir nun mal.“

„Du kennst meine Familie nicht. Sie werden es nicht zulassen.“

„Das ist genau der Grund, warum du gehen musst. Jetzt sofort. Kehr nach Hause zurück. Rette deine Familie.“

„Aber Thomassin? Bartholemew? Brín? Haben sie dem alle ebenfalls zugestimmt?“

„Es wurde beschlossen, dass es leichter wäre, dich allein nach Hause zu schicken, um deiner Schwester beizustehen, als zu versuchen, den Rest der Ältesten hier von ihrem Plan abzuhalten. Sie würden einfach hinter unserem Rücken agieren. Auf diese Weise hätte deine Schwester mit deiner Hilfe zumindest eine Chance auf Rettung.“

»Aber die Ältesten haben gerade versucht …«

„Dich zu befördern?“

„Ja.“ Sie hob die Hände, ließ sie jedoch schnell wieder sinken und seufzte. „Aber Sprenger hat sie daran gehindert.“

Joshua lachte. »Er ist so ein Idiot. Wenn er wüsste, warum sie dich befördern wollten, hätte er es durchgehen lassen. Der Plan sah vor, dass man dich mit deinem schicken neuen Rang auf eine Mission aussendet. Während du fort gewesen wärst –«

„Hätte eine separate Einheit meine Schwester getötet.“

„Bedauerlich, aber zutreffend. Doch ich werde das nicht zulassen. Nichts von alledem. Geh und rette deine Schwester. Versteck sie. Wenn Gras über die ganze Sache gewachsen ist, kann sie entweder Königin werden oder zu ihrem normalen, langweiligen Leben zurückkehren, in dem ihr euch beide weiter hassen könnt.“

„Wenn ich das tue, werde ich damit nicht die Bruderschaft verraten?“

»Du wirst auf meinen Befehl hin fortgehen. Das werden sie begreifen … irgendwann.«

„Oh, jetzt fühle ich mich gleich viel besser.“

Joshua lachte leise. „Was habe ich dir immer gesagt, du verwöhntes Kind?“

„Wir müssen die Dinge schlau angehen“, antwortete sie mit der hohen, schrillen Stimme, die ihn immer zum Lachen brachte.

„Jetzt geh. Dein Knappe wartet mit euren Pferden neben dem verborgenen Tunnel in den Ställen auf dich. So kannst du von hier verschwinden.“

„Samuel kann nicht mitkommen. Das ist ihm gegenüber nicht gerecht.“

„Gemma, er hasst es, hier zu sein. Er würde lieber sein Leben mit dir aufs Spiel setzen, als hier in Sicherheit zu bleiben.“

„Ich kehre auf die Familienfarm zurück, Joshua“, antwortete sie und stand auf. „Ich bezweifle, dass dort große Gefahren lauern, solange die Schweine meines Vaters nicht wieder aus dem Stall ausbrechen und Jagd auf die Kinder machen.“

Über G. A. Aiken

Biografie

G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, „Lions“, „Honey Badgers“, „Wolf Diaries“ und »Call...

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