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Royal Arrow (Blacksmith Queen 3)

G. A. Aiken
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Roman

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Royal Arrow (Blacksmith Queen 3) — Inhalt

Ein gespaltenes Reich, eine uralte Prophezeiung und heiße Magie!

Ainsley Farmerson wollte sich schon lange von ihrer Familie lossagen und sowohl der Schmiede ihres Vaters als auch den Auseinandersetzungen mit ihren Schwestern entkommen. Doch was einst eintönige Farmarbeiten und lästige Streitereien waren, hat sich seit dem Tod des alten Königs zu einem offenen Krieg zwischen Ainsleys Schwestern entwickelt. Jetzt kann sich Ainsley nicht mehr von den Familiendramen fernhalten. Sie hat längst entschieden, welche ihrer Schwestern die nächste Königin sein sollte, und sie wird alles dafür tun, um die herzlose Beatrix zu stürzen. Auch, wenn das bedeutet, sich mit aggressiven Kriegsnonnen, streitlustigen Mönchen und überheblichen Zentauren-Gestaltwandlern zusammenzutun.

Prickelnde Spannung von der New-York-Times-Bestsellerautorin!

Gruffyn, ein Zentauren-Gestaltwandler aus dem Clan des Zerrissenen Mondes, hat keine Zeit für die Geplänkel der Menschen. Doch die unkontrollierbare Prinzessin Ainsley hat etwas an sich, das er nicht ignorieren kann. Vielleicht liegt es daran, dass ihre älteren Schwestern sie dauernd unterschätzen. Oder an der mutigen Art, wie sie es mit Drachen und verrückten Königinnen aus fernen Ländern aufnimmt. Als unter den Menschen ein schonungsloser Krieg um den Thron ausbricht, steht Gruffyn an Ainsleys Seite. Standhaft. Ausdauernd. Und ohne Erbarmen.

Band 1: Blacksmith Queen
Band 2: Princess Knight
Band 3: Royal Arrow

€ 14,00 [D], € 14,40 [A]
Erschienen am 30.11.2023
Übersetzt von: Michaela Link
448 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-28254-3
Download Cover
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 30.11.2023
Übersetzt von: Michaela Link
448 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-60490-1
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Leseprobe zu „Royal Arrow (Blacksmith Queen 3)“

Kapitel 1


„Bringt sie alle um.“

Das Bataillon seiner Königin erstürmte gerade die Stadt, die von der falschen Königin für sich und ihre Freunde erbaut worden war, sodass er die Worte wegen des donnernden Hufschlags kaum verstand. Aber er vernahm die Worte der unbekannten Frau wie ein Flüstern im Wind und sah sie in Gedanken vor sich, wie sie aufrecht dastand und mit einer kurzen Handbewegung in Richtung seiner Reiter wies. Er versuchte, den Soldaten, mit denen er reiten musste, eine Warnung zuzurufen. Er selbst war natürlich kein Soldat. Er hätte [...]

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Kapitel 1


„Bringt sie alle um.“

Das Bataillon seiner Königin erstürmte gerade die Stadt, die von der falschen Königin für sich und ihre Freunde erbaut worden war, sodass er die Worte wegen des donnernden Hufschlags kaum verstand. Aber er vernahm die Worte der unbekannten Frau wie ein Flüstern im Wind und sah sie in Gedanken vor sich, wie sie aufrecht dastand und mit einer kurzen Handbewegung in Richtung seiner Reiter wies. Er versuchte, den Soldaten, mit denen er reiten musste, eine Warnung zuzurufen. Er selbst war natürlich kein Soldat. Er hätte überhaupt nicht hier sein sollen! Aber König Marius der Hasserfüllte hatte ihn hergeschickt, und sein Herr hatte sich dem Befehl nicht widersetzt.

Nun war er also hier, um die Soldaten bei diesem Angriff zu „unterstützen“ und dann Bericht darüber zu erstatten, was er gesehen hatte. Er wusste, dass sein König nicht damit rechnete, den Großteil dieser Soldaten lebend wiederzusehen. Im Grunde wollte er nur wissen, über wie viele Truppen die falsche Königin nach ihrer Schlacht mit Cyrus, dem Halbbruder des Königs, noch verfügte. Cyrus der Verehrte hatte einen mächtigen und hasserfüllten Gott auf seiner Seite, war von dieser falschen Königin aber dennoch besiegt worden.

Als das Bataillon am frühen Morgen auf die massiven Mauern um den Turm der falschen Königin zugestürmt war, war er wirklich davon überzeugt gewesen, dass dies keine große Schlacht werden würde. Eher ein Massaker. So etwas liebte Beatrix, die wahre Königin dieser Soldaten. Aber dann hatte der Wind um sie herum zugenommen, und nun bebte plötzlich der Boden unter ihren Füßen. Wieder und wieder. Als würde etwas Schweres auf die Erde aufschlagen. Er versuchte, die Soldaten aufzuhalten. Er warnte den Kommandanten, dass sie umkehren müssten, aber seine Worte wurden einfach abgetan, ignoriert. Diese Soldaten scherten sich nicht um Magie oder diejenigen, die sie wirkten, wenn Blutvergießen und wehrlose Frauen in Sicht waren. Also galoppierte das Bataillon weiter auf die Tore der Stadt der falschen Königin zu. Sie preschten weiter, auch als er ihnen zuschrie, innezuhalten und kehrtzumachen. Seine Vorsicht hatte nichts mehr mit dem erzitternden Boden zu tun, sondern mit dem, was er auf der anderen Seite der massiven Tore erkennen konnte. Oder besser gesagt, dem, was bedrohlich über ihnen aufragte.

Köpfe und Schultern. Riesige Köpfe und Schultern, die in Rüstungen steckten, durch deren Öffnungen am Rücken sich geschuppte Flügel entfalten konnten.

Er schrie die Soldaten immer wieder an, aber entweder ignorierten sie ihn weiterhin oder sie konnten ihn vor lauter Hufgetrappel nicht hören. Vielleicht war ihre Gier nach Zerstörung auch einfach zu stark, als dass sie die Gefahr direkt vor ihnen hätten erkennen können. Sie ritten weiter, und er blieb an ihrer Seite, auch nachdem sie das Tor niedergerissen hatten. Doch dann tauchte in der Lücke zwischen den nun offenen Toren ein gewaltiger Kopf auf – mit einem so großen Helm, dass darin bequem eine kleine Familie mit ein paar Hunden hätte leben können. Die Kreatur holte Luft, und fast alle Pferde der Soldaten blieben schlagartig stehen. Beutetiere erkannten Raubtiere immer, daher versuchten die Pferde, die nicht ineinandergekracht oder gestürzt waren, umzudrehen und wegzugaloppieren, obwohl ihre Reiter sie lautstark vorwärtstrieben.

Er wartete nicht ab, bis sein Pferd reagierte – er wendete es und stürmte davon, als die mächtigen und unerbittlichen Flammen das Bataillon verschlangen, das er hinter sich zurückließ. Er hörte die Schreie der Männer und ihrer Pferde. Zumindest die Schreie derjenigen, die nicht sofort vom Inferno vernichtet wurden, wie der Kommandeur und diejenigen, die er ausgewählt hatte, beim Angriff an seiner Seite zu reiten. Sie wurden zu Asche, bevor sie überhaupt begriffen, was geschah.

Aber der Rest des Bataillons … Sie schrien. Und schrien. Er wusste, dass einige versuchen würden, sich auf dem Boden zu wälzen, um die Flammen zu löschen, aber es würde nichts nützen. Dies waren nicht die Flammen eines außer Kontrolle geratenen Waldbrandes. Da halfen auch keine Eimer mit Wasser oder Tierfelle, die über die sich windenden Körper geworfen wurden.

Er galoppierte weiter und sandte mithilfe seiner Magie bereits eine Warnung an seinen Meister. Im Geiste flehte er ihn an, seine starken Kräfte zu nutzen, um ein Portal zu öffnen und ihn zurück in die Sicherheit des Palastes der wahren Königin zu befördern. Doch gerade als er spürte, wie sein Herr auf seinen panischen Ruf reagierte und ihn fragte, was los sei, blieb sein Pferd abrupt stehen.

Ein leiser Pfiff war ertönt. Ein ruhiger, leiser Pfiff, über den er nicht mehr nachdenken konnte, weil das Pferd abrupt stoppte und sich auf die Hinterbeine stellte und ihn dabei abwarf. Er war nicht gerade der beste Reiter, und das Pferd war ihm von einem der Soldaten überlassen worden, sodass das Tier ihm gegenüber keinerlei Loyalität empfand. Und so kam es zum Stehen, als es zum Anhalten aufgefordert wurde.

Er stürzte schwer und konnte sich gerade noch in einen Schutzzauber hüllen, bevor er auf dem Boden aufschlug. Ein gebrochenes Rückgrat blieb ihm dadurch erspart, mehr konnte er nicht verlangen. Trotzdem kostete es ihn Zeit, wieder aufzustehen, denn der Sturz hatte ihm sämtliche Luft aus der Lunge gepresst. Aber er rappelte sich erfolgreich wieder auf und stand nun auf seinen wackeligen Beinen.

Dann fragte jemand hinter ihm: „Was machst du da, Zauberer?“

Er erstarrte. Pisse lief ihm bereits das Bein hinunter, noch bevor er sich umwandte. So groß war die Furcht, die sie bei anderen auslösten. Allein das Wissen, dass sie in der Nähe waren, brachte einen Mann oder einen Zauberer dazu, sich zu besudeln.

Nicht einmal die Tatsache, dass die Stimme weiblich klang, beruhigte ihn. Die Weibchen waren dafür bekannt, noch grausamer zu sein als die Männchen.

Er zwang sich dazu, sich zu der Kreatur umzuwenden, die mit ihm gesprochen hatte. Wie die anderen, die er gesehen hatte, steckte diese hier in einer Rüstung und trug zahlreiche Waffen. Auf ihrem Kopf trug sie einen Helm, und ein Kettenpanzer und eine Brustplatte schützten die wichtigen Bereiche ihres Körpers. Sie ragte über ihm auf wie der Turm der falschen Königin, aber beim Anblick des Turms hatte er kein Grauen empfunden. Er war einfach etwas, das niedergerissen werden musste, hoffentlich mit der Familie der falschen Königin in seinem Innern. Das hätte der wahren Königin große Freude bereitet!

Doch seine Chance, sich seiner Königin und seinem Herrn zu beweisen, war nun dahin. Die Kreatur schaute ihn eine gefühlte Ewigkeit lang an, bis die hohen, uralten Waldbäume hinter ihr sich bewegten und noch eins dieser Geschöpfe auftauchte.

„Was machst du da?“, fragte der Neuankömmling, dessen Stimme männlich klang.

„Den hier habe ich gefunden, als er versuchte, dem Schicksal der Armee da drüben zu entfliehen“, antwortete die erste Kreatur und deutete mit einer schwarzen Kralle in die Richtung.

„Ah“, sagte der männliche Drache. „Frühstück.“

„Du kannst später essen. Sollen wir den da zu Annwyl bringen?“

Obwohl der Drache nicht mit ihm sprach, riss er den Mund auf, um zu beteuern: „Ja, ihr solltet mich zurückbringen, zu wem auch immer ihr wollt!“ Er hoffte, noch ein paar Sekunden länger am Leben zu bleiben. Doch dann zerriss etwas mit solcher Wucht seine Brust, dass er spürte, wie sich sein Herz aus seiner Verankerung löste. Er hatte nur noch wenige Sekunden zu leben, aber er schaute nach unten und sah, dass es kein Speer war, der ihn durchbohrt hatte, sondern ein … Schwanz?

Ein mit Schuppen bedeckter Drachenschwanz mit einer scharfen Spitze am Ende. Eine Spitze, die jetzt sein immer noch schlagendes Herz aufspießte. So schnell war der Angriff vonstatten gegangen.

„Behalte das Pferd“, befahl der Besitzer des Schwanzes. „Der Hengst ist aus guter Zucht. Aber keine Gnade für jemanden, der seine eigene Truppe im Stich lässt und wegläuft.“

Er spürte, wie er vom Boden abhob, und nahm an, dass sein Gott ihn holen kam. Aber während ihm langsam schwarz vor Augen wurde und mit seinem Blut auch sein letzter Atemzug den Körper verließ, wurde ihm klar, dass es der immer noch in seiner Brust steckende Schwanz war, der ihn hochhob.

„Und“, sagte der Drache aus der zunehmenden Dunkelheit heraus, „wenn du Hunger hast, iss das Herz dieses Burschen. Es scheint mir ziemlich saftig zu sein.“

 

„Tötet sie alle!“

Ainsley schloss die Augen und wartete darauf, von den Flammen ausgelöscht zu werden, genau wie die angreifende Armee einige Sekunden zuvor ausgelöscht worden war. Aber nach fast einer Minute des Wartens begriff sie, dass sie noch lebte. Vielleicht.

Sie zwang sich, ein Auge zu öffnen, um festzustellen, ob sie noch am Leben war oder ob sie sich bereits auf der nächsten Ebene der Existenz befand. Vielleicht warteten ihre Vorfahren auf sie. Oder vielleicht würde sie im Weltraum schweben und darauf warten, dass ihre Seele zu einem Neugeborenen auf der Erde zurückgerufen wurde.

Aber nein, nichts von alledem geschah. Stattdessen befand sie sich noch immer in der Mitte des Übungsrings in der Festung, hinter ihren Schwestern, während vor ihnen eine verrückte Kriegerin stand … und Drachen. Sie war umzingelt von gigantischen Drachen.

Drachen, die sprechen konnten. Genau wie sie. Sie konnten außerdem lächeln, lachen und verärgert wirken. Alles, wovon Ainsley geglaubt hatte, dass es nur Menschen tun konnten, beherrschten auch die Drachen.

Natürlich konnten sie auch fliegen, Feuer spucken und Menschen zerquetschen, indem sie einfach auf sie traten.

Doch trotz der vielen Dinge, die sie tun konnten, um alles Leben um sie herum zu vernichten, waren es nicht die Drachen, vor denen Ainsley sich am meisten fürchtete.

Obwohl sie furchterregend waren, schienen sich die Drachen in ihrer makellosen Rüstung und mit ihrer höflichen Konversation insgesamt zurückzuhalten. Sie konnte sich beinahe vorstellen, wie einer von ihnen „Ich bitte um Verzeihung“ murmelte, bevor er einen wehrlosen Menschen wie ein leckeres Gebäckstück behandelte und ihn sich in eins dieser grauenvollen Mäuler stopfte.

Nein. Ihre Furcht und, wie sie vermutete, die Furcht ihrer Schwestern galt der Frau. Der menschlichen Frau, die in einem ärmellosen Kettenhemd und ledernen Beinkleidern und Stiefeln vor ihnen stand. Sie hatte kräftige, mit Narben übersäte Arme, zwei Kurzschwerter auf dem Rücken und langes, offenes dunkelbraunes Haar mit goldenen Strähnen, das aussah, als hätte es seit Jahren keinen Kamm mehr gesehen. Obwohl dieses Haar fast ihr ganzes Gesicht verdeckte, konnte Ainsley trotzdem mehrere Narben erkennen, die von einer Seite zur anderen verliefen. Einige waren lang und gezackt und führten von ihrer Stirn bis hinunter zum Kinn. Andere Narben waren kurz, aber tief. Und alle bewiesen, dass die Frau an mehr als einer Schlacht teilgenommen und sie überlebt hatte.

Doch es waren ihre Augen. Diese dunklen graugrünen Augen, die Ainsley erschaudern ließen. Es waren die Augen einer Wahnsinnigen. Einer Wahnsinnigen, die Drachen befehligte. Eine Menge Drachen, die reden und Waffen benutzen konnten, abgesehen natürlich von ihrer Fähigkeit, Feuer zu speien.

Die Sonnen waren noch nicht einmal ganz aufgegangen, und schon jetzt war es ein beschissener Tag! Die Wahnsinnige zeigte auf Keeley, Ainsleys älteste Schwester, und fragte scharf: „Bist du es? Bist du die Sklavenhalterin?“

Keeley öffnete den Mund, um zu antworten, aber es kam nur ein seltsames Quieken heraus. Ainsley reckte den Hals, um ihr Gesicht zu sehen, und Keeley räusperte sich, bevor sie es erneut probierte. Beim zweiten Versuch gelang ihr nicht einmal ein Quieken. Es kam bloß ein merkwürdiges Grunzen heraus.

Mit weit aufgerissenen Augen schaute sich Gemma, Ainsleys zweitälteste Schwester, zu Keeley um.

„Was machst du da?“, zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen.

Aber Keeley schaffte es nur, panisch mit den Händen zu wedeln und den Kopf zu schütteln.

Gemma schielte und schaute wieder zu der Wahnsinnigen hinüber. „Ich …“, war alles, was ihr über die Lippen kam, bevor die Wahnsinnige auf die Rune zeigte, die auf Gemmas Waffenrock gestickt war, und knurrte: „Bist du ein Mönch?“

„Ähm …“ Vielleicht war es die Art, wie die Frage gestellt wurde, die Gemma beunruhigte. Oder der irre Ausdruck in den Augen der Wahnsinnigen. Aber was immer es war, „ähm“ war das Einzige, was Ainsleys Schwester – ein Kriegsmönch, der Feinde ohne einen Funken Reue oder Angst vernichtet hatte – im Moment herausbekam.

Das brachte sie alle in eine brenzlige Lage. Denn ihr Schweigen schien die Wahnsinnige zu erzürnen.

„Nun?“, drängte die Wahnsinnige. „ANTWORTE MIR!“

 

Er spürte ihre Furcht durch den Wind, durch die Brise, die über die Spitzen seiner Ohren strich. Er setzte sich aufrecht hin und ließ den Blick über das Land ringsum wandern. Er sah nichts, wusste aber, dass irgendetwas nicht stimmte. Es war nicht nur ihre Furcht, sondern …

Der Wind. Es war der Wind, der ihm sagte, dass etwas nicht stimmte. So früh am Morgen sollte kein Wind wehen. Es sollte alles still sein. Ruhig. Aber es windete stark, und die Bäume wurden wild hin und her gepeitscht. Die jüngeren, schwächeren Stämme schienen unter der enormen Kraft jeden Moment zu brechen.

Er stand auf, und sein Rudel erhob sich mit ihm. Sie brauchte ihn. Er spürte es durch den Boden unter seinen Pfoten. Roch es in dem stürmischen Wind, der um sie herum tobte. Hörte es am Schweigen der Morgenvögel und der Krähen, die weder krächzten noch krähten oder schimpften.

Er verschwendete keine Zeit mehr und rannte los. Rannte mit allem, was er zu bieten hatte. Rannte, als trieben ihn die Dämonen seiner Hölle mit ihren Peitschen aus Ketten und Feuer vor sich her. Weil sie ihn brauchte und nichts, absolut nichts ihn daran hindern würde, zu ihr zu eilen und die Menschenfrau zu beschützen, die ihn als Welpen beschützt und für ihn gesorgt hatte, bis er alt genug und stark genug gewesen war, um für sich selbst zu sorgen.

Er stürmte über Hügel und durch Dörfer hindurch, vorbei an Seen und durch Flüsse, hinein in Wälder und durch Höhlen, bis er ihr Gebiet erreichte. Mit seinem Rudel preschte er durch die zerstörten Tore und sah Kriegsmönche, Hexen und Priester, die mit gezückten Waffen außerhalb der Stadtmauern standen. Aber keiner von ihnen tat irgendetwas, um die Königin zu schützen, die sie beschützt hatte. Angesichts ihrer Schwäche zog er verächtlich die Lefzen zurück und sprang über die verbrannten Leiber von Soldaten und Wachen.

Er bemerkte die Drachen im Übungsring, die hoch aufgerichtet und stolz in ihren Kampfrüstungen dastanden, aber das hielt weder ihn auf noch sein Rudel. Jede Hölle besaß ihre eigenen Drachen, und sie waren schrecklicher als diese sterblichen mit ihrem langen, glänzenden Haar und ihren Benimmregeln. Höllendrachen kannten keine Benimmregeln.

Er sprang über die Füße mit den scharfen Krallen und stürmte um die bedrohlichen Drachenschwänze herum, damit er die menschliche Frau erreichen konnte, die er so liebte. Er sah sie dort neben zwei von ihren Schwestern stehen. Vor ihnen allen stand eine Frau. Sie schrie die, die er beschützen wollte, und ihre Schwestern an. Er beschleunigte sein Tempo und machte sich bereit, dem weiblichen Eindringling auf den Rücken zu springen und ihn zu Boden zu reißen, wo er ihn vernichten konnte, bevor seinem Menschen auch nur das geringste Leid widerfuhr.

Doch als er gerade zum Sprung über die letzten paar Meter ansetzte, drehte die Frau den Kopf. Als er ihr Profil sah, stemmte er alle vier Pfoten vor sich in den Boden, um seinen Lauf zu bremsen. Der Rest seines Rudels purzelte übereinander bei dem Versuch, ebenfalls stehen zu bleiben, denn sie alle hatten jetzt die Frau erkannt, obwohl sie ihr noch nie persönlich begegnet waren. Noch nie vor ihr gestanden hatten. Noch nie ihre Stimme gehört hatten. Sie alle kannten sie. Jeder in jeder Hölle kannte sie.

Als die Frau das Rudel entdeckte, drehte sie sich zu ihnen um, und in diesem Moment machte er panisch kehrt und floh in die Richtung, aus der er gekommen war.

Die Kinder, durchzuckte es ihn. Er sollte sich in die höheren Stockwerke des Turms hinaufschleichen und die Kinder beschützen. Das war es, was sein Mensch von ihm gewollt hätte. Richtig? Zumindest redete er sich das ein, als er sein Rudel so weit wie möglich von der verrückten Frau wegführte.

 

Ainsley beobachtete den Dämonenwolf, den ihre älteste Schwester so liebte – und der ihre Liebe erwiderte –, wie er sich unbeholfen mit seinem gesamten Dämonenwolfsrudel umdrehte und davonrannte.

Sie blinzelte. Fassungslos. Jede dieser Bestien hatte die Drachen direkt angesehen und war weitergestürmt, um Ainsleys Schwester zu helfen, aber sobald diese Wahnsinnige ihren Blick auf sie gerichtet hatte … rannten sie davon?

Im Laufe der Jahre hatte Ainsley erlebt, wie diese Wölfe – und insbesondere der Leitwolf – sich in die gefährlichsten Situationen begeben hatten, nur um Keeley zu schützen. Aber ein einziger Blick auf diese Frau, und sie rannten davon.

Noch beängstigender als die Flucht der Dämonenwölfe war die Erkenntnis, dass Ainsley noch keinen der Zentauren gesehen hatte. Eine ganze Armee von Zentauren durchstreifte das Land, um Königin Keeley zu helfen, ihrer Schwester die Krone vorzuenthalten. Was bedeutete, dass Keeley nicht einmal rülpsen konnte, ohne dass ein Zentaur an ihre Seite eilte, um sich davon zu überzeugen, dass sie nicht in Gefahr war. Und doch waren die Königin und ihre beiden königlichen Schwestern umringt von Drachen, und kein einziger Zentaur war aufgetaucht?

Hatten sie wirklich nichts gehört? Nichts gesehen von den vielen Drachen, die über sie hinweggeflogen waren? Hatten sie nicht einmal das brennende Fleisch gerochen?

Wie war das möglich …?

Es sei denn, die mächtigen Zentauren waren bereits tot.

Bei den Göttern, wenn das stimmte …

Es war Zeit, zu verschwinden. Da die Zentauren – höchstwahrscheinlich – zu Asche verbrannt und die Dämonenwölfe wie die Irren geflohen waren, hatte Ainsley nicht die Absicht, hier stehen zu bleiben und darauf zu warten, von den Krallen und Reißzähnen der Drachen zerfetzt zu werden. Hatte diese Wahnsinnige ebenfalls Krallen und Reißzähne? Gut möglich. Mittlerweile gab es nichts mehr, was Ainsley nicht geglaubt hätte.

Also würde sie sich entfernen und höher gelegenes Terrain suchen. Sie brauchte nur Pfeil und Bogen, um ihn dieser Frau ins Herz zu schießen und sie damit hoffentlich zu erledigen. Oder sie zumindest so weit zu schwächen, dass all die fanatischen Mönche und Priester, die auf der anderen Seite der Stadtmauer warteten, angreifen konnten.

Auf keinen Fall jedoch würde Ainsley hier stehen bleiben und darauf warten, dass sie starb.

Ainsley tat einen kleinen Schritt rückwärts, aber schon streckte Gemma ihren Arm um ihre älteste Schwester herum aus und packte Ainsleys Hand, ohne überhaupt hinzusehen.

Sie riss sie näher heran, sodass Ainsley nun ebenfalls vor Keeley stand. Eine Position, die ihr nicht gefiel. Dann pflanzte Gemma ihren Stiefel auf Ainsleys Fuß, um sie in Schach zu halten.

„Du bleibst schön hier“, flüsterte Gemma und ignorierte das gequälte Wimmern ihrer Schwester.

„Bin nicht ich das Baby?“, fragte Ainsley. „Ihr zwei wolltet mich immer unbedingt beschützen.“

„Deine Babytage sind offiziell vorbei, und das bedeutet, dass wir die Königin beschützen. Und das bist nicht du!“

„Wenn diese Verrückte euch beide erst getötet hat und ihr von den Drachen aufgefressen wurdet, werde ich Königin sein und … Au! Du blöde Kuh!“, stieß Ainsley hervor, als Gemma ihr mit großer Wucht auf den Fuß trat.

„Du wirst hier bei uns bleiben, und wir werden alle zusammen sterben!“, zischte Gemma zornig. „Wie sich das für eine Familie gehört.“

„Hört auf, zu flüstern!“, blaffte die Wahnsinnige sie an.

„Entschuldigung“, antwortete Gemma schnell und fixierte Ainsleys Fuß erneut mit ihrem eigenen auf dem Boden.

Die Wahnsinnige winkte in Gemmas Richtung ab. „Ich rede nicht mit dir.“

Ainsley sah wieder zu Keeley, aber ihre älteste Schwester konnte nur mit den Schultern zucken. Denn wenn die Wahnsinnige nicht mit Ainsley und Gemma sprach, mit wem sprach sie dann …?

„Mit wem in allen Höllen sprichst du?“, fragte ein Drache und nahm seinen Helm ab, sodass sein glänzendes schwarzes Haar zum Vorschein kam. Es war zu einem Zopf geflochten, der ihm über den Rücken hing. Eine kurze Locke fiel ihm jedoch über die dunklen Augen und ließ ihn irgendwie erheblich weniger monströs wirken.

Die Wahnsinnige drehte sich zu dem Drachen um und starrte ihn herausfordernd an.

„Spielt es im Moment eine Rolle, mit wem ich rede?“, fragte die Wahnsinnige.

Der Drache runzelte dir Stirn. „Ja. Ja, das spielt durchaus eine Rolle.“

Über G. A. Aiken

Biografie

G. A. Aiken ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie lebt an der Westküste der USA und genießt dort das sonnige Wetter, das gute Essen und die Aussicht auf attraktive Strandbesucher. Ihre erfolgreichen Erotic-Fantasy-Reihen um die Drachenwandler, „Lions“, „Tigers“, „Honey Badgers“, „Wolf Diaries“,...

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