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Eierlikörtage

Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre

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Eierlikörtage — Inhalt

Ziemlich alte Freunde - Der Überraschungsbestseller aus Holland

Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffeetrinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. 83 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen - ein unzensierter Blick auf das Leben in einem Altenheim in Amsterdam-Nord. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen. 

 

€ 22,00 [D], € 22,70 [A]
Erschienen am 01.08.2016
Übersetzt von: Wibke Kuhn
416 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-05808-7
€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 01.12.2017
Übersetzt von: Wibke Kuhn
416 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31191-5
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.08.2016
Übersetzt von: Wibke Kuhn
416 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97521-6

Leseprobe zu »Eierlikörtage«

Mittwoch, 2. Januar

Es war reichlich Puderzucker danebengegangen. Um den Tisch besser feucht abwischen zu können, stellte Frau Smit den Teller mit den Apfeltaschen kurz auf einem Stuhl ab.

Frau Voorthuizen setzte sich mit ihrem Riesenhintern mitten auf den Gebäckteller und merkte es nicht einmal.

Erst als Frau Smit den Teller suchte, um ihn wieder auf den Tisch zu stellen, hatte jemand die Idee, unter Frau Voorthuizen nachzugucken. Als sie aufstand, klebten drei Apfeltaschen an ihrem geblümten Kleid.

»Die passen doch hübsch zum Muster«, sagte Evert. Ich [...]

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Mittwoch, 2. Januar

Es war reichlich Puderzucker danebengegangen. Um den Tisch besser feucht abwischen zu können, stellte Frau Smit den Teller mit den Apfeltaschen kurz auf einem Stuhl ab.

Frau Voorthuizen setzte sich mit ihrem Riesenhintern mitten auf den Gebäckteller und merkte es nicht einmal.

Erst als Frau Smit den Teller suchte, um ihn wieder auf den Tisch zu stellen, hatte jemand die Idee, unter Frau Voorthuizen nachzugucken. Als sie aufstand, klebten drei Apfeltaschen an ihrem geblümten Kleid.

»Die passen doch hübsch zum Muster«, sagte Evert. Ich bin fast erstickt vor Lachen.

Dieser prächtige Start ins neue Jahr führte zu allgemeiner Heiterkeit, gab aber auch Anlass zu dreiviertelstündigem Gezeter über die Schuldfrage. Ich wurde von mehreren Seiten schief angesehen, weil ich es offenbar lustig gefunden hatte. Und ich – ich murmelte ein paar Entschuldigungen in mich hinein.

Statt noch lauter zu lachen, murmelte ich Entschuldigungen in mich hinein.

Ich, Hendrikus Gerardus Groen, bin nämlich immer korrekt, gewinnend, freundlich, höflich und hilfsbereit. Nicht, weil ich das alles wirklich wäre, sondern weil ich nicht anders sein darf. Ich sage selten, was ich sagen will. Immer gehe ich den Weg des geringsten Widerstands. Meine Spezialität: den perfekten Kompromiss für alle finden. Einen braveren Jungen hätten meine Eltern gar nicht großziehen können. »Kennt ihr nicht Hendrik, der immer so höflich den Hut zieht, wenn er vorbeigeht?« – Das bin ich.

Ich krieg eines Tages noch Depressionen von mir selbst, dachte ich. Deswegen hab ich beschlossen, auch mal was vom wahren Hendrik Groen herauszulassen: Genau ein Jahr lang werde ich meinen unzensierten Blick auf das Leben in einem Altenheim in Amsterdam-Nord wiedergeben.

Wenn ich am Ende des Jahres sterbe, ist das höhere Gewalt. Für diesen Fall werde ich meinen Freund Evert Duiker bitten, auf meiner Beerdigung eine Blütenlese aus meinem Tagebuch vorzutragen. Wenn ich in dem kleinen Saal des Krematoriums »Der Horizont« aufgebahrt liege, sauber gewaschen und gebügelt, wird das unbehagliche Schweigen der rauen Stimme Everts weichen, der einem bestürzten Publikum ein paar nette Passagen vorliest.

Nur um eines mach ich mir Sorgen: Was, wenn Evert nun vor mir stirbt?

Das wäre nicht sehr nett von ihm, vor allem, weil ich viel mehr Krankheiten und Tumore habe als er. Auf seinen besten Freund sollte man sich schon verlassen können. Ich werde noch mal mit ihm darüber sprechen.

 

Donnerstag, 3. Januar

Evert war begeistert, wollte aber nicht garantieren, dass er länger leben wird als ich. Allerdings hatte er auch einige weitere Bedenken. Erstens, dass er sich nach dem Vortrag aus meinem Tagebuch wahrscheinlich einen anderen Wohnheimplatz suchen müsse. Und zweitens sorgte er sich um den Sitz seiner Zahnprothese. Letzteres hat mit einem schlampigen Billardstoß von Vermeteren zu tun. Seit der am rechten Auge Star hat, muss man ihm beim Zielen helfen. Evert, der schon immer sehr hilfsbereit war, stellte sich hinter ihn, um Anweisungen zu geben, mit der Nase auf Höhe des Queues. »Ein bisschen nach links, und dann den Ball schön weit unten treffen und …«, und bevor er seinen Satz beendet hatte, hatte ihm Vermeteren seinen Queue mitten durch die Dritten gerammt. Karambolage!

Evert sieht aus wie ein Schulkind, das gerade seine Milchzähne verliert. Man versteht ihn kaum, weil er so lispelt. Bevor er an meiner Bahre vorlesen kann, muss das Gebiss also gerichtet werden. Aber da kommt gleich das nächste Problem ins Spiel: Der Zahntechniker hat nämlich ein Burn-out. Zweihunderttausend im Jahr, ein Prachtstück von Assistentin, dreimal im Jahr nach Hawaii, und trotzdem unterm Stress zusammenbrechen – wie ist so was möglich? Vielleicht sind ihm all die Prothesen aufs Gemüt geschlagen, bei denen die Essensreste manchmal so lange in den Ritzen hängen, dass man schon Maden drin findet. Sozusagen.

Die Silvesterkrapfen, die sie unten im Gesellschaftsraum immer auf den Tisch stellen, haben sie dieses Jahr von der Bürgerhilfe geholt. Aus reiner Höflichkeit habe ich mir gestern Morgen einen Krapfen genommen, und mit dem hatte ich dann erst mal zwanzig Minuten zu kämpfen. Zum Schluss musste ich einen aufgegangenen Schnürsenkel vortäuschen, damit ich mich bücken, unter den Tisch abtauchen und das letzte Stück in meiner Socke verschwinden lassen konnte.

Nur deswegen stehen auch noch lauter volle Gebäckteller rum. Normalerweise ist hier nämlich alles, was man umsonst kriegt, innerhalb kürzester Zeit weg.

Im Gesellschaftsraum soll um 10:30 Uhr Kaffee serviert werden. Wenn der Kaffee um zwei Minuten nach halb elf noch nicht da ist, fangen die ersten Bewohner an, völlig übertrieben auf ihre Armbanduhren zu schauen. Als ob sie noch etwas zu tun hätten. Dasselbe Spielchen beim Tee, der um 15:15 Uhr serviert wird.

Einer der spannendsten Momente des Tages: Was für Kekse gibt es heute? Vorgestern und gestern gab es zum Kaffee und zum Tee angealterte Silvesterkrapfen. Weil »wir« selbstverständlich kein Essen wegwerfen. Lieber ersticken wir dran.

 

Freitag, 4. Januar

Gestern hab ich einen kleinen Spaziergang zum Blumenstand gemacht und dort einen kleinen Karton Blumenzwiebeln gekauft. Auf die Art habe ich es in einer Woche, wenn die Hyazinthen austreiben, quasi schon geschafft, einen neuen Frühling zu erleben.

In den meisten Zimmern hier stehen im April noch die Weihnachtsgestecke herum. Neben einem uralten Bogenhanf und einer Primel im Endstadium. »Wär doch eine Sünde, die wegzuwerfen.«

Mag sein, dass die Natur eine erbauliche Rolle im Leben eines Menschen spielen kann, aber ganz bestimmt nicht im Wohn- und Schlafzimmer eines niederländischen Senioren. Da ist der Zustand der Topfpflanze meistens ein getreues Abbild der Situation, in der sich ihr Versorger befindet: Sie wartet auf ihr trostloses Ende. Weil sie nichts anderes zu tun haben oder weil sie so schrecklich vergesslich sind, gießen die Alten so eine Pflanze dreimal am Tag. Das hält auf die Dauer der härteste Bogenhanf nicht aus.

Frau Visser hat mich heute Vormittag zu einer Tasse Tee eingeladen. Ich hätte ablehnen sollen, denn sie müffelt, aber natürlich habe ich zugesagt und mir damit den Vormittag verdorben. Gott, ich bin so ein Schlappschwanz. Nie fällt mir im entscheidenden Moment die richtige Ausrede ein, also bin ich immer wieder dazu verdammt, leeres Geschwätz und trockenen Kuchen zu ertragen. Wie Frau Visser es anstellt, innerhalb kürzester Zeit aus dem saftigsten Kuchen staubige Pappe zu machen, ist mir ein Rätsel. Da brauch ich für jedes Stück drei Tassen Tee. Morgen werde ich heldenhaft ein zweites Stück verweigern. Das wird der Beginn eines neuen Lebens.

Ein neues Leben mit sauber geputzten Schuhen. Damit war ich den halben Morgen beschäftigt. Die Schuhe selbst gingen ziemlich schnell. Die meiste Zeit ging dafür drauf, die Schuhcreme aus meinen Hemdsärmeln zu kriegen. Aber jetzt glänzen sie sehr hübsch. Die Schuhe, meine ich. Die Ärmel hab ich am Ende dann einfach hochgekrempelt. Die krieg ich nicht mehr sauber.

Deswegen werde ich mir bestimmt noch einen Kommentar anhören müssen: »Wie schaffen Sie das immer, dass bei Ihnen die Ärmel so schmutzig werden, Herr Groen?«

Das Leben besteht hier aus Nie oder Immer. Das Essen ist an einem Tag »nie pünktlich und immer zu heiß«, am nächsten Tag wieder »immer zu früh und nie warm«.

Manchmal mache ich die Menschen auf ihre widersprüchlichen Aussagen aufmerksam, aber von Logik will man hier nichts wissen. »Sie wissen es natürlich mal wieder besser, was, Herr Groen?«

 

Samstag, 5. Januar

Gestern war wieder was los beim Abendessen: Auf dem Speiseplan stand Nasi Goreng. Die meisten alten Jungs und Mädels hier sind eher einfach gestrickt, denen braucht man gar nicht zu kommen mit so einem exotischen Kram. Die sind ja schon ausgestiegen, als Mitte der Sechzigerjahre Spaghetti in den Niederlanden eingeführt wurden. Das passte nicht ins Schema: Montag Endivien, Dienstag Blumenkohl mit Hollandaise, Mittwoch ist Hackfleischtag, Donnerstag Grüne Bohnen, Freitag Fisch, Samstag Suppe mit Brot dazu und Sonntag Roastbeef. Wenn sie mal so richtig auf den Putz hauen wollten, dann aßen sie am Dienstag schon Hackfleisch, waren danach aber für den Rest der Woche völlig von der Rolle.

Und für ausländische Faxen haben wir ja gar nichts übrig. Meistens können wir eine Woche im Voraus zwischen drei verschiedenen Menüs wählen, aber manchmal läuft eben was falsch. Gestern gab es aus unerfindlichen Gründen nur Nasi Goreng. Irgendwas mit »falsche Lieferung« oder so. An unserem Koch lag es sicher nicht.

Also konnten wir aus Nasi Goreng wählen. Menschen mit speziellen Diätvorschriften bekamen Brot.

Ein Aufschrei der Entrüstung. Frau Hoogstragen van Dam, die sich gerne mit ihrem vollen Namen ansprechen lässt, puhlte nur die Eierstückchen heraus, van Gelder »fraß« kein Nasi Goreng, aber dafür das ganze Glas saure Gurken, und der dicke Bakker verlangte lautstark nach Sauce für seinen Reis.

Mein Freund Evert, der manchmal mitisst, wenn er von seinen eigenen Kochkünsten genug hat, bot seinen nichts ahnenden Tischgenossen Sambal Oelek an. »Wollen Sie vielleicht etwas Ketchup übers Nasi Goreng?«

Er stellte sich einfach dumm, als Frau De Prijker anschließend ihre Dritten ins Dessert hustete. Sie wurde röchelnd weggeführt, und Evert ging etwas später mit ihrer Prothese herum und ließ die Leute sie anprobieren, als wäre sie Aschenputtels gläserner Schuh. Als er hinterher zur Abteilungsleiterin bestellt wurde, mimte er den Unschuldigen und drohte sogar, die Lebensmittelaufsicht einzuschalten, weil er im Dessert ein Gebiss »gefunden« hatte.

Vor dem Mittagessen bin ich noch schnell auf Teebesuch bei Frau Visser gewesen. Ihr Geschwätz ist noch dünner als ihr Tee. Habe behauptet, dass mein Arzt mir Kuchen verboten hat. Warum auch nicht? Ich behauptete, es sei wegen meines Blutspiegels. Der ist mit 20 bis 25 an der Obergrenze. Ich hab den Blödsinn einfach so rausgeblökt, bevor ich drüber nachdenken konnte, aber sie fand es sehr vernünftig. Ich musste drei Stück Kuchen mitnehmen, für später, wenn der Spiegel wieder gesunken ist. Die liegen jetzt im Aquarium im dritten Stock.

 

Sonntag, 6. Januar

Ich fange immer mehr an zu tröpfeln. In weißen Unterhosen kommen die gelben Flecken besonders gut zur Geltung. Gelbe Unterhosen wären viel praktischer. Da ich mich vor den Damen von der Wäscherei ziemlich schäme, versuche ich momentan immer, die schlimmsten Flecken vorher selbst rauszumachen, bevor ich meine Unterhosen in die Wäsche gebe. Sozusagen eine Vor-Vorwäsche. Wenn ich nichts mitgeben würde, würden sie argwöhnisch werden. »Haben Sie saubere Unterwäsche angezogen, Herr Groen?«, würde sich die dicke Dame vom Haushaltsdienst erkundigen. »Nein, dicke Dame vom Haushaltsdienst, diese Unterhose ist so an meinem alten Arsch festgeklebt, dass ich die jetzt für den Rest meines Lebens anlasse«, würde ich dann zu gerne antworten.

Ein anstrengender Tag ist das heute: Mein Körper kracht in allen Fugen. Der Verfall lässt sich eben nicht aufhalten. Man hat höchstens mal einen Tag, an dem man etwas weniger Beschwerden hat, aber bergauf geht es nicht mehr. Nicht mal die Haare wollen mehr wachsen. Zumindest nicht die auf dem Kopf – in Nase und Ohren sieht es schon anders aus. Die verstopften Adern werden nicht mehr frei. Schwellungen wollen nicht mehr verschwinden, und der Wasserhahn da unten tröpfelt pausenlos. Einbahnstraße Richtung Sarg. Man wird nicht wieder jünger, keinen Tag, keine Stunde, keine Minute.

Aber ich jammere hier herum wie ein alter Mann. Wenn ich Lust habe, kann ich ja nachher in den Gemeinschaftsraum runtergehen. Da ist Jammern Zeitvertreib Nummer eins. Ich glaube nicht, dass auch nur eine halbe Stunde vergeht, ohne dass jemand eine Krankheit zur Sprache bringt.

Meine Stimmung ist wohl recht düster im Moment. Man soll seine alten Tage ja genießen, aber das ist gar nicht so leicht, wie man denkt.

Zeit für einen kleinen Spaziergang, es ist schließlich Sonntagnachmittag. Danach ein bisschen Mozart mit einem hübschen Gläschen Kognak. Vielleicht auch kurz bei Evert reinschauen, dessen Grobheit kann manchmal wirklich therapeutische Qualität haben.

 

Montag, 7. Januar

Gestern wurde eine Ermittlung eingeleitet, weil ganz unerwartet einer der Fische im dritten Stock gestorben ist. Es trieb auch ziemlich viel Kuchen im Wasser.

Es war nicht besonders schlau von mir, den Kuchen von Frau Visser ins Aquarium zu werfen. Wenn ihr zu Ohren kommt, dass die Fische an einer Überdosis nassem Kuchen gestorben sind, wird die Spur direkt in meine Richtung führen. Ich muss meine Verteidigung vorbereiten und werde gleich mal bei Rechtsanwalt Duiker vorbeigehen, um mir guten Rat zu holen. Evert ist Experte im Erfinden von Notlügen.

In diesem Heim sind Haustiere nicht erlaubt, mit Ausnahme von Fischen und Vögeln, »solange sie nicht größer sind als zehn beziehungsweise zwanzig Zentimeter«, so steht es in der Hausordnung. Um zu verhindern, dass wir hier Haie und Seeadler halten.

Ein ziemliches Leid für die Herrchen und Frauchen, die gnadenlos von ihren Hunden und Miezekatzen getrennt wurden, als sie ins »Haus Untergang« einzogen. So ruhig und wohlerzogen, so alt und gebrechlich die Vierbeiner auch sein mochten, Regeln sind Regeln: Ab ins Tierheim!

»Nein, es ist egal, ob Racker der Einzige auf der Welt ist, der Sie liebt, wir können nun mal keine Ausnahmen machen.«

»In der Tat, Ihre Mieze liegt den ganzen Tag nur auf der Fensterbank, aber wenn wir eine Katze erlauben, dann will morgen jemand drei Dänische Doggen auf seiner Fensterbank haben. Oder eine lila Kuh.«

Frau Brinkman ist die Rekordhalterin: Es ist ihr gelungen, sieben Wochen lang einen alten Dackel im Spülschrank zu verstecken, bevor er entdeckt wurde. Wahrscheinlich war Verrat im Spiel. Unglaublich – den Krieg mitgemacht haben, dann aber einen alten Hund bei der Direktorin denunzieren. Und statt die verräterischen Nazis zu teeren und zu federn, deportiert die Direktorin lieber das Hündchen ins Tierheim. Es hat dort zwei Tage ununterbrochen gejault und ist dann elend eingegangen. Und wo war da die Tierschutzpolizei?

Die Direktorin zog es vor, Frau Brinkman das eine oder andere Detail zu verschweigen. Als diese nach drei Tagen die richtige Straßenbahn herausgekriegt hatte, lag ihr Hündchen schon unter der Erde.

Frau Brinkman hat gefragt, ob ihr Hündchen neben ihr begraben werden darf, wenn sie selbst stirbt. »Das ist gegen die Vorschriften«, wurde ihr in der Zwischenzeit mitgeteilt.

Morgen früh muss ich zum Arzt.

 

Dienstag, 8. Januar

Am Schwarzen Brett neben dem Fahrstuhl hing ein Schreiben:

Im Aquarium im dritten Stock wurden große Mengen Kuchen gefunden. Die Fische im Aquarium sind daran gestorben. Jeder, der sachdienliche Hinweise zu diesem Vorfall geben kann, wird gebeten, sich umgehend bei Abteilungsleiterin Frau De Roos zu melden. Auf Wunsch wird Anonymität garantiert.

 

Um 11 Uhr bin ich zu Frau De Roos gegangen. Was für eine seltsame Fügung des Schicksals, dass diese Frau so einen Namen trägt. Im Grunde wäre Frau Brennnessel noch zu viel der Ehre für diese Frau.

Wenn so richtig hässliche Menschen zum Ausgleich wenigstens besonders nett wären – aber hier ist das Gegenteil der Fall: Sie ist eine fest gemauerte Wand aus Verdrossenheit.

Aber gut, Frau De Roos, so heißt sie nun mal.

Ich erzählte ihr, dass ich den Kuchenvorfall vielleicht aufklären könnte. Sofort war sie ganz Ohr. Ich sagte, dass ich den selbst gebackenen Kuchen von Frau Visser nicht hatte ablehnen wollen, deswegen hätte ich in der Kaffeeküche im dritten Stock die Stücke auf einen Teller auf dem Tisch gelegt und darauf vertraut, dass die Bewohner dieses anonyme Geschenk annehmen würden. Zu meinem Bedauern musste ich hören, dass der Kuchen irgendwie ins Aquarium geraten war, und mein blauer Teller war auch verschwunden.

De Roos hörte sich die Geschichte mit unverhohlenem Misstrauen an. Warum ich den Kuchen nicht selbst aufgegessen hätte? Warum ausgerechnet im dritten Stock? Ob jemand meine Geschichte bestätigen könne?

Ich bat sie, dass die Sache unter uns bleibt. Sie meinte, sie würde sehen, was sie für mich tun könne.

Unmittelbar darauf begann sie, Nachforschungen anzustellen, wie Frau Visser selbst einen Kuchen hatte backen können. Kochen und Backen ist in den Zimmern verboten. Ich fügte noch rasch hinzu, dass ich nicht sicher wüsste, ob er selbst gebacken war, aber es war schon zu spät: Der Kuchenvorfall war jetzt an der Öffentlichkeit. Ich würde die Sympathie von Frau Visser verlieren – das war an sich noch kein Unglück. Aber das Misstrauen der Abteilungsleiterin, das ohnehin schon ziemlich groß war, würde sich jetzt wochenlang weiter zuspitzen, und obendrein würde die Gerüchteküche heiß laufen.

Dann bin ich noch beim Arzt gewesen. Der war aber krank. Wenn es ihm am Montag noch nicht besser geht, kommt ein Vertreter. Für Notfälle könnten wir zum Arzt eines Konkurrenz-Altenheims gehen. Manche würden lieber sterben, als ihr runzliges altes Gerippe dem »Quacksalber von Haus Abenddämmerung« zu zeigen. Andere lassen am liebsten für jeden Furz den Unfallhubschrauber kommen. Mir ist es im Grunde ziemlich egal, welcher Arzt mir sagt, dass nicht mehr viel zu machen ist.

 

Mittwoch, 9. Januar

Gestern war ich noch ein bisschen angeschlagen: Von dem ganzen Kaffee bei Frau Visser und von der Aufregung um die toten Fische hatte ich Durchfall gekriegt und den halben Abend mit alten Zeitschriften auf dem Klo gesessen, die ich mir aus dem Gemeinschaftsraum geliehen hatte.

Evert ist eben kurz vorbeigekommen und hat mich durch die Klotür über die neuesten Entwicklungen informiert: Jetzt misstraut jeder jedem und sieht in jedem Mitbewohner einen potenziellen Fischmörder. Meine Abwesenheit weckte Misstrauen. Ich hab Evert gefragt, ob er meinen Durchfall unauffällig hinausposaunen könnte, als Alibi quasi. Ich selbst konnte nicht viel mehr tun, als die Klotür und die Tür zum Flur einen Spaltbreit offen zu lassen. Normalerweise kann ich mich ganz gut riechen, aber im Moment wird mir von mir selber schlecht. In zweifacher Hinsicht, denn im Grunde bin ich ein ganz schön berechnender Scheißkerl. Ein Ausdruck, der in diesem Fall besonders gut passt.

Wo wir gerade von Gerüchen sprechen: Ich muss mal wieder raus. Nach einem Tag mit Zwieback und Kohletabletten kann ich das wohl wagen. Hab mich auf die Suche nach dem Scharbockskraut gemacht, das laut Zeitung und dem phänologischen »Naturkalender« (oha!) das erste echte Frühlingssignal ist. Sollte ich neben dem Scharbockskraut auch noch Huflattich, Wiesenkerbel oder ein Märzveilchen finden, dann ist der Frühling Tatsache. Ich hab bloß keinen Schimmer, wie die alle aussehen.

Die Natur hat sich einen Vorsprung von sechs Wochen vor sich selbst gegeben. Aber – schlechte Nachrichten für die Zugvögel, die gerade beschlossen hatten, dieses Jahr zu Hause zu bleiben – die Kälte kommt noch.

Hendrik Groen

Über Hendrik Groen

Biografie

Hendrik Groen veröffentlichte die ersten Einträge seines Tagebuchs auf der Website des »Torpedo Magazine«, bevor es in Holland zu einem überragend erfolgreichen Buch wurde und sich im ganzen Land Hendrik-Groen-Fanclubs gründeten. Er sagt über seine Romane: »Kein Satz ist eine Lüge, aber nicht jedes...

Pressestimmen

WDR 5 Bücher

»Ein feinfühliges Porträt über einen Mann, der fühlt, dass sein Körper die Kraft verliert. Seine Seele aber noch viel zu lebendig ist, um aufgeben zu wollen.«

Peiner Allgemeine Zeitung

»Leichte und unterhaltsame Lektüre, die zum Nachdenken anregt, herrlich geschrieben mit viel trockenem Humor.«

Neue Osnabrücker Zeitung

»Ein Plädoyer für Lebenslust und Würde im Alter - frei nach dem Motto der ›Alanitos‹: ›Aktiv bis zum Umfallen und zu gegebener Zeit - nichts Menschliches ist uns fremd - auch mit Kaffee, Brot und Wein.«

Schaffhauser Nachrichten (CH)

»Ein gut formulierter Zeitspiegel zu einem Thema, dem man schwer entkommen kann: quasi der Begleiter zur demografischen Entwicklung.«

WAZ

»Ein sehr humorvolles Buch mit Tiefgang.«

Revue Senior

»Ein ungemein witziges, unterhaltsames und kluges Buch über ein unglaublich trauriges und ernstes Thema, und genau diese Mischung macht den Reiz der Geschichte aus.«

SWR 2 »Die Buchkritik«

»Ohne Sentimentalität, ohne Larmoyanz und deshalb sehr berührend erzählt Groen davon, was uns lebendig macht und wie schwer es ist, darauf irgendwann verzichten zu müssen.« Barbara Dobrick

WDR 4

»Lustig, traurig, ehrlich, melancholisch, schön, herzerwärmend und, obwohl erfunden, realistisch.«

Hannoversche Allgemeine

»Wunderbar schonungslos und selbstironisch«

Die Rheinpfalz

»›Eierlikörtage‹ ist zum Teil zum Brüllen komisch - wobei einem in manchen Augenblicken das Lachen im Halse stecken bleibt.«

literaturweltblog.wordpress.com

»Das Buch macht Mut, das Alter selbst lebenswerter zu gestalten.«

Wilhelmshavener Zeitung

»Ein rundum liebenswerter, genau beobachteter, bissiger, humorvoller, trauriger Roman(...) Groens intelligentes Buch entgeht zudem noch einer weiteren Falle. Denn es werden nicht nur Schrulligkeiten aufgespießt, Groen spart bei allen skurrilen Attacken der geriatrischen Spaß-Guerilla auch die Schattenseiten nicht aus.«

vonmainbergsbuechertipps.wordpress.de

»Unbedingte Leseempfehlung!«

Kölnische Rundschau

»Verschmitzte Rebellion mit 83 1/4... ... ein Best-Ager-Gegenentwurf zu Gregs Tagebüchern«

NDR Kultur

»›Eierlikörtage‹ erzählt realistisch und dennoch unterhaltsam ein Jahr im Leben eines hochbetagten, aber keineswegs senilen Mannes in einem Altenheim in Amsterdam.«

Kölner Stadtanzeiger

«Groen teilt mit provokantem Wortwitz, eruptiver Situationskomik und verblüffenden Einsichten nach allen Seiten aus.«

Ruhrnachrichten

»›Eierlikörtage‹ ist alles zugleich: lustig, ernst, traurig, unterhaltsam und vor allem wohl einfach wahr.«

dpa

»"Eierlikörtage" ist ein Buch zum Lachen und Weinen, voll menschlicher Wärme und einem humorvollen, doch immer ehrlichen Blick aufs Alter. Es ist erfrischend, macht Mut, es tröstet und beschönigt nichts. «

Hessenschau.de

»Es gibt Bücher, bei denen weiß man schon nach wenigen Seiten, dass das Ende der Geschichte viel zu schnell kommen. wird. "Eierlikörtage" ist ein solches Buch...«

Für Sie.de

»Ironisch, mit wachem Verstand und unglaublicher Beobachtungsgabe protokolliert er sein Umfeld, notiert er die Marotten und Eigenarten seiner Mitbewohner, dokumentiert und kommentiert.«

Petra

»Geniale Mischung aus ›Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg …‹ und ›Das Tagebuch des Adrian Mole‹«

Kommentare zum Buch

So vielseitig wie die Durchschnittsfüllung der Tablettenbox von Groens Mitbewohnern!
warmerSommerregen am 18.10.2016

Hendrik Groen gehört nicht zu den Menschen im Seniorenheim, die jeden Tag die Einnahme ihrer Tabletten unter großem Getue zelebrieren, pausenlos wehklagen, kundtun, was früher alles besser war, erst wenn es um Beschuldigungen und Verschwörungen geht wieder so richtig aktiv werden, sich gar nicht mehr aus dem Haus trauen oder es nicht bemerken, wenn die Zeitung, die sie gerade lesen, noch aus der letzten Woche stammt. Zwar kann er gesundheitlich den langsamen Verfall nicht leugnen, jedoch fühlt er sich alleine von seiner Einstellung her Lichtjahre von den ganzen alten Menschen entfernt. Nun, im Alter von 83 1/4 Jahren beschließt er, nicht mehr zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern lieber seine Meinung kundzutun. Darüber hinaus beginnt er mit dem Schreiben eines Tagebuchs, wobei er sich vornimmt, ganz ungetrübt das Leben im Altenheim wiederzugeben. Ungeschönt und unverblümt. Sollte er vor seinem besten Freund Evert Duiker sterben, was er so fest eingeplant hat, soll dieser ein paar nette – wenn auch nicht gerade schmeichelhafte – Passagen aus dem geheimen Tagebuch vorlesen. Da er alte Menschen generell nicht mag und Großveranstaltungen wie das feierliche Mitklatschen zu „Tulpen aus Amsterdam“ oder heikle Gymnastikübungen im Sitzen nur zu gerne versäumt, hat Hendrik Groen so viele Freunde im Altenheim in Amsterdam-Nord nicht. Mit seinen rebellischen – ja gerade zu vandalistischen – Taten macht er sich auch nicht gerade mehr Freunde. Viele verstehen diese Befreiungsschläge gegen das Establishment, vertreten durch die Heimleitung, nicht so ganz. Als dann aber eine neue Bewohnerin, Eefje Brandt, einzieht, die mit dem ganzen Geschlurfe und Gestöhne auch nichts zu schaffen haben möchte, ist eine neue Verbündete gefunden. Rein zufällig wird so am Montag, dem 19. Februar, ein Rebellenclub gegründet. Mitglieder: Hendrik Groen, Evert Duiker, Eefje Brandt, Edward Schermer, Grietje de Boer und Graeme Gorter. Vereinsname: Alt-aber-nicht-tot, oder kurz: Alanito. Die Mitgliederzahl ist vorerst auf sechs Personen begrenzt, sodass neue Mitglieder aufzunehmen nicht möglich ist. Ein guter Schachzug in Anbetracht der ganzen Nörgler, die bald der Neid, dann das Misstrauen und schließlich das Lästern packen wird. Das Ziel des Clubs ist es, gegen die chronische Ereignislosigkeit anzukämpfen, weswegen bei einer bewegenden Gründungsversammlung beschlossen wird, dass, unter Betrachtung der Gebrechen und finanziellen Möglichkeiten der Mitglieder, in regelmäßigem Abstand nacheinander jedes Mitglied unter strengster Geheimhaltung einen Ausflug planen muss. Dabei kann es sich um tolle Besichtigungen, Kurse oder Ähnliches handeln. Eine wichtige Regel sei noch vermerkt: Teilnehmern ist das Meckern nicht gestattet. Und so blüht die Gruppe auf, erlebt endlich wieder etwas und wächst zusammen. Dabei verschlechtert sich die Gesundheit der Clubmitglieder, neue Beschlüsse der Direktorin müssen verhindert werden,… Es ist also einiges los im Altenheim…   „Auch im neuen Jahr hab ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplatzierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne. Ich bin 83 1/4 Jahre alt.“ Schon die ersten drei Sätze haben mich zum Schmunzeln gebracht und meine Neugierde geweckt. Immer wieder stößt man auf so schöne Passagen, dass man sie sich am liebsten herausschreiben würde – nur dass es dafür dann doch zu viele sind. Hendrik Groen beschreibt den Alltag im Altenheim mit viel (Selbst-) Ironie und Scharfsinn. Das Erzählte ist dabei manchmal so skuril, wenn auch nicht unrealistisch, dass man nicht mehr anders kann, als loszulachen. Aber selbstverständlich gibt es nicht ständig Grund zur Freude, denn auch Trauriges schildert Groen in seinem geheimen Tagebuch. So ist dieses Werk so vielseitig wie die Durchschnittsfüllung der Tablettenbox von Groens Mitbewohnern. Manchmal sentimental, dann wieder höchst amüsant, im nächsten Moment traurig, als nächstes zum Kopfschütteln, dann zum Lachen, schließlich kopfkinoverursachend, zum Aufregen oder wieder herzerwärmend. Ganz besonders gelingt es Hendrik Groen, die Stimmung, welche in einem Moment herrscht, durch einen gezielten Kommentar wieder umschlagen zu lassen. Nicht selten führte dies bei mir zum Staunen oder Lachen. Sehr ansprechend ist meiner Meinung nach auch, dass dieses Werk auch wirklich Tagebuchcharakter hat, denn auch Themen wie der Königstag oder Nachrichten können Groens Bewertung nicht entgehen. Aber auch Veränderungen im Heim werden zum Gegenstand der Tagebucheinträge gemacht, sodass man die Zustände dort lebhaft vor Augen hat und es gleich verschiedene Handlungsstränge gibt, welche jedoch stets passend zusammengeführt werden. Ebenso wird über die Gesundheit der Charaktere geschrieben, was schon beeindruckt und zum Nachdenken anregt. „Stillstand bedeutet Fortschritt“, doch nicht bei jedem bleibt das aktuelle Niveau erhalten…   Mit „Eierlikörtage“ wurde ein wunderbares Werk geschaffen, welches ich jedem ans Herz legen kann! Es ist nicht nur einfach humorvoll, hat nicht einfach Unterhaltungswert, sondern gibt auch, immer in Maßen, Anlass zum Grübeln. Ich habe es sehr genossen, Herrn Groen ein Jahr lang zu begleiten, habe Alanito ins Herz geschlossen und mitgefiebert. Jetzt bin ich auf die Fortsetzung, „Tanztee“, gespannt, welche im Frühjahr nächsten Jahres erscheinen soll.

Eierlikörtage
@ Claudia J. am 28.09.2016

Liebe Claudia J., tatsächlich wird es eine Fortsetzung von "Eierlikörtage" geben: im Frühjahr nächsten Jahres soll "Tanztee" beim Piper-Verlag erscheinen! Viele Grüße, dein Piper-Team

Alltageseinblicke
Claudia J am 07.09.2016

Hendrik Groen ist 83 ¼ Jahre alt und lebt in einem Altersheim in den Niederlanden. Er mag sich nicht einreihen in die ewige Jammerei der anderen Bewohner und im doch recht tristen Alltag im Altersheim vor sich hin leben. Hendrik beschließt für ein Jahr Tagebuch zu schreiben. Dadurch lernt der Leser ihn, seinen Alltag und seine Freunde näher kennen. Sie gründen einen Club mit dem Namen „Alt aber nicht tot“ und unternehmen zusammen Ausflüge. Ein wenig zynisch betrachtet Hendrik sich und den Alltag in dieser sog. Pflegeeinrichtung. Leute sterben und auch der Club bleibt nicht von den Heimsuchungen des Alterns verschont. Es wird nichts verklärt und auch Selbstmitleid suchte ich vergebens. Allein, die körperlichen Beschränkungen sind lästig, Spaziergänge dauern sehr lange und der Weg wird immer kürzer. Die Einträge für die einzelnen Tage sind kurz, knapp, prägnant gehalten. Probleme von alten Leuten und der Alltag im Altersheim werden schonungslos erwähnt, wenn auch oft mit einem Augenzwinkern, oder zynisch. Traurig, wenn Hendrik kurz von seinem Kind und seiner Frau schreibt. Mir hat das Buch gut gefallen, die Tagebuchform ist in diesem Fall mal etwas anderes, und vom Schreibstil sehr gut. Ich kann mir Hendrik Groen recht gut vorstellen und hätte nichts dagegen ihn auch persönlich kennen zu lernen. So gut hat das Tagebuch-lesen funktioniert. Auch wenn Hendrik Groen eine erfundene Figur ist, ein gelungenes Buch. Da hätte ich gerne noch ein zweites Jahr Tagebuch von gelesen.

Eierlikörtage
Wichmann-Reviews.de am 13.08.2016

Redaktioneller Hinweis: Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.   Cover: Eine Zeichnung in der Halbtotalen. Ernst. Verkniffener Mund. Seitenscheitel. Ein Buch über alte Männer? ‚Ein Tagebuch‘ steht im Titel. Was wird da wohl drinstehen? Die Frage zieht an. Man blättert hinein.   Inhalt: Der Leser ist gleich im ersten Eintrag des Tagebuches. Kein Vorwort, kein Nachwort, kein Inhaltsverzeichnis und kein Nachruf. Es beginnt mit dem 1. Januar 2013 und endet mit dem 31.12.2013. Tag für Tag wird aus dem Leben im Altenheim erzählt, von Träumen und Inkontinenz berichtet. Davon, dass Hendrik vertrieben wird, wenn er mit lilafarbener Kälte-Nase vor dem Altersheim sitzt und es berichtet von den Clubausflügen der Bewohner, von Lebensmut und Gebrechen. Langweilig ist es nicht, denn die Kommentare, eher noch die Gedanken, die nicht ausgesprochenen Meinungen von Hendrick und das Beobachten des Lebens jenseits der 80 werden liebevoll verpackt in: Tagebucheinträge. Und doch ist es ein Buch, dass von Hoffnung, von Stottern und von Liebe handelt. Nämlich der Liebe zu Eefje und zum Leben. „Solange man Pläne macht, lebt man“, ist Hendrik vom Autor in den Mund gelegt und recht hat er!   Zielgruppe: Ein Kinderbuch zeigt lustige farbenfrohe Zeichnungen, Cover belletristischer Bücher bedienen alle, von schwarz / weiß bis marktschreierisch bunt. Wen aber sollte das Bild eines alten Mannes ansprechen? Dazu noch als handgemalte Skizze? Es sind die Worte ‚geheim‘ und ‚Tagebuch‘ im Titel, die zugreifen lassen. Von daher ist die Zielgruppe jeder, der es mag, in das Leben anderer zu schauen.   Stil: Das Buch ist aus der Sicht des Autoren mit trockenem Humor geschrieben. Tag für Tag wird knapp berichtet in leicht verständlichen Sätzen, die es einem ermöglichen das Buch auch mal einen Tag liegen zulassen, wenn man könnte.   Fazit: Ein Buch, das sich lohnt! Ein Buch das Mut macht und Lebenserfahrenden zeigt: Steh auf!   Rezension von Wichmann-Reviews.de

Eierlikörtage, Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen
Linda am 12.08.2016

sehr symphatischer Humor und Schreibstil,-sehr zum lachen, jedoch auch zum "mitleiden" und nachempfinden..mutiges Buch! 

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