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Der Tod ist ein Philosoph

Der Tod ist ein Philosoph

Zum Leben gehört, dass man abstürzen kann

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Der Tod ist ein Philosoph — Inhalt

Grenzsituationen offenbaren uns radikal die Zerbrechlichkeit unseres Lebens. Tobias Hürter hat es erlebt: Auf einer Bergtour nahe der Zugspitze stürzte er ab. Es wäre ein freier Fall in den Tod gewesen, 500 Meter in die Tiefe. Erstaunlicherweise blieb er nach 37 Metern mit dem Rucksack an einer Kante hängen. Er beschreibt, was ihm in diesem Moment des drohenden Todes durch den Kopf ging und wie er seine Erfahrung als »urphilosophischen Moment« erlebt hat. Seine philosophischen Gedanken werden flankiert durch die Theorien großer Denker, von Lukrez und Platon über Heidegger und Jaspers bis zu den zeitgenössischen Philosophen. Hürter legt überzeugend den Wert der Sterblichkeit dar und damit die Erkenntnis, dass wir den Tod ohne Furcht als Bestandteil unseres Lebens akzeptieren können.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.10.2013
160 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96361-9
»Was der glücklich wieder genesende Mathematiker hier in seinem Sachbuch nun unternimmt, ist der Versuch den Tod zu erklären. So wird sein Buch zur spannenden Fährtensuche nach Körper, Seele, Geist und vor allem immer mehr auch nach dem was nach dem Tod kommt.«
buecheraendernleben
»Ein kluges Buch, das hilft, den Tod als wertvollen Bestandteil unseres Lebens zu akzeptieren.«
emotion

Leseprobe zu »Der Tod ist ein Philosoph«

Kapitel 1

 

37 Meter

Wie der Tod mich dazu brachte, neu über mich nachzudenken

 

 

Was geht einem Menschen in den letzten Sekunden seines Lebens durch den Kopf? Viele erfahren es erst, wenn es zu spät ist, davon zu berichten. Ich erfuhr es am Allerheiligentag des Jahres 2011. An diesem goldenen Herbsttag stand ich vor der Sonne auf, fuhr mit zwei Freunden in die Berge und stürzte haarscharf am Tod vorbei. Für einen Augenblick war ich mir sicher, gleich zu sterben. Ich befürchtete es nicht nur – ich war absolut überzeugt davon, gerade meine letzten [...]

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Kapitel 1

 

37 Meter

Wie der Tod mich dazu brachte, neu über mich nachzudenken

 

 

Was geht einem Menschen in den letzten Sekunden seines Lebens durch den Kopf? Viele erfahren es erst, wenn es zu spät ist, davon zu berichten. Ich erfuhr es am Allerheiligentag des Jahres 2011. An diesem goldenen Herbsttag stand ich vor der Sonne auf, fuhr mit zwei Freunden in die Berge und stürzte haarscharf am Tod vorbei. Für einen Augenblick war ich mir sicher, gleich zu sterben. Ich befürchtete es nicht nur – ich war absolut überzeugt davon, gerade meine letzten Sekunden zu erleben. Auf einmal war er da, der Tod, so nah wie die Bergstiefel an meinen Füßen, so gewaltig wie die gleißende Sonne, die mein Missgeschick beleuchtete.

Und dann war er wieder weg. Mit unwahrscheinlichem Glück landete ich 37 Meter tiefer auf einem Absatz über dem Abgrund. Es folgten eine Stunde schmerzhaften Wartens, eine waghalsige Hubschrauberrettung und viele mühevolle Monate der Genesung. Der Tod jedoch hatte seine Hand von mir zurückgezogen. Allerdings nicht ohne einen nachhaltigen Eindruck bei mir zu hinterlassen. Hinter dieses Erlebnis gibt es kein Zurück. Das Gefühl, dem Tod so nah zu sein, dass ich mir ganz und gar sicher war, ihm nicht zu entkommen, verfolgte mich. Da war noch etwas, das verstanden werden wollte. Ich bewahrte es auf wie in einer inneren Vitrine. Es war mir wertvoll, aber ich wollte ihm nicht ständig ausgesetzt sein.

37 Meter. Ungefähr die Höhe eines Hochspannungsmasts. Wenn man sie im freien Fall zurücklegt, braucht man etwa drei Sekunden und wird von der Erdgravitation auf eine Geschwindigkeit von knapp 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt. So war es nicht bei mir, ich bin eher hinuntergepoltert, habe daher länger gebraucht und bin etwas sanfter gelandet. Doch auch so kommt es mir wie ein Wunder vor, dass ich noch lebe. Nach allem, was zu erwarten gewesen war, hätte solch ein Sturz mich töten müssen. Immer wieder in den Monaten nach dem Absturz habe ich mir diese 37 Meter, ermittelt von der Bergrettung, vor Augen geführt. Ich habe sie mit 37 Schritten ausgemessen und aus der zehnten Etage des Hochhauses der Süddeutschen Zeitung in München nach unten geschaut. Große Höhen machen mir sonst nicht so viel aus, aber bei diesen 37 Metern wird mir etwas schwindlig. Es ist sozusagen ein existenzieller Schwindel. Ich lebe noch, aber ich weiß nicht genau, warum.

»Es kann immer etwas passieren«, das sagt man so dahin. Auf der Autobahn, beim Bergsteigen, beim Müllrausbringen. Ziegelstein auf den Kopf. Kann vorkommen. Wird schon nicht passieren. An jenem Herbsttag ist es mir passiert. Feiertag, gutes Wetter, eine kleine Bergtour – und dann wäre ich beinahe gestorben. Unerklärlich daran ist nicht, dass es passiert ist. Das ist überaus erklärlich. Unerklärlich ist, dass ich es überlebt habe. Wir gehen an vielen Wegen vorbei, die aus dem Leben führen. Die Ungewissheit lauert überall. Um sie nicht erleben zu müssen, schaffen Menschen sich Inseln des Vertrauten: Heimat, Familie, Partnerschaft, Glauben. In Grenzsituationen, wie ich eine erleben musste, erfahren Menschen jedoch, dass all diese Vertrautheit trügt. Die Ungewissheit bleibt. Die Ungewissheit des Todes ist nicht zu bändigen. »Grenzsituationen zeigen mir das Scheitern«, sagt der Existenzphilosoph Karl Jaspers.

Viele Menschen, die dem Tod sehr nahe gekommen sind, prägt diese Erfahrung tief: Sie haben ihr Leben umgekrempelt. Viele von ihnen werden liebevoller, neugieriger, aufmerksamer gegenüber anderen Menschen. Ich auch. Aber da war noch etwas Wichtigeres. Der Beinahetod zwang mich zur Auseinandersetzung mit den großen Grundfragen: Wer bin ich? Was bleibt von mir? Was ist mir wirklich wichtig? Diese Fragen stellten sich mir mit solcher Wucht in den Weg, dass ich mich nicht mehr mit »Ja, ja, schon klar, ich werde mal sterben, aber damit beschäftige ich mich später« um sie herumwinden konnte. Mir blieb nur: »Ja, ich werde sterben. Und jetzt? Was bedeutet das? Was folgt daraus?« Natürlich wusste ich längst, dass ich sterben werde. Ich wusste es, aber ich glaubte es nicht. Wirklich anerkannt habe ich den Tod erst jetzt. Erst nachdem er persönlich bei mir vorbeigeschaut hat, bin ich bereit, mein Leben für ihn zu ändern.

Wirklich gute Freunde erkennt man daran, dass sie einem auch unangenehme Dinge sagen, die einem sonst keiner sagt. Und so sehe ich meinen Absturz als einen guten Freund. Indem er mir etwas über meinen Tod gesagt hat, hat er mir etwas über das Leben gesagt, das mir mal gesagt werden musste. Über das Leben vor dem Tod – und über das Leben nach dem Tod. Das war meine erstaunlichste Erkenntnis: An der Intuition, die Menschen aller Religionen und Zeiten hatten, ist was dran. Nach dem Tod kann es weitergehen. Zwar nicht in einem Himmel, in dem ein Gott mit Rauschebart oder 72 Jungfrauen warten. Aber auf andere, nicht offensichtliche, aber auch nicht weniger interessante Weise. Das ist eine der Geschichten, die dieses Buch erzählt: meine Geschichte von der Weiterexistenz nach dem Tod. Jawohl, das ist mein Ernst: Weiterexistenz nach dem Tod. Es ist eine etwas komplizierte Geschichte. Um überzeugend zu erklären, warum gute Gründe für die Annahme sprechen, dass man nach dem Tod auf andere Weise weiterexistiert, auch wenn man nicht an die Bibel, den Koran oder die Upanishaden glaubt, brauche ich ein ganzes Buch.

Es sollte ein klares Buch werden, eines, das ohne Mystizismen und möglichst ohne Jargon auskommt; in dem philosophiert, argumentiert, begründet und das heißt: langsam gedacht wird. Schritt für Schritt auf den Grund der Dinge zu. Aber beim Schreiben musste ich sehen, dass der Grund gerade dieser Dinge, um die es hier geht, oft unvermutet tief liegt. Manche Dinge, die ungeschrieben noch so einfach scheinen, zeigen sich erst beim Aufschreiben in ihrer ganzen Vertracktheit. Das hält mich nicht davon ab, sie aufzuschreiben. Aber es ändert das Ergebnis. Herausgekommen ist kein Abschlussbericht über meine Beschäftigung mit der Endlichkeit des Menschen, sondern ein Essay, sozusagen lautes Denken in Schriftform.

Es gab einiges zu verarbeiten für mich, und das Schreiben dieses Buches war Teil des Verarbeitungsprozesses. Nach mehr als einem Jahr bin ich noch immer damit beschäftigt, und ich kann nicht absehen, ob und wann ich je zu einem Ende kommen werde. Aber eines kann ich sagen: Es hat mich so viel weitergebracht, dass ich mein Bergunglück jetzt unter dem Strich als Glück betrachte. Ich bin mir sicher: Es tut jedem gut, sich schon zu Lebzeiten näher an den Tod heranzuwagen. Und ich bin mir auch sicher: Es ist nicht nötig, dafür vom Berg zu fallen. Vielleicht genügt es ja sogar, ein Buch zu lesen.

Tobias Hürter

Über Tobias Hürter

Biografie

Tobias Hürter, Jahrgang 1972, studierte Philosophie und Mathematik in München und Berkeley. Er war Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete als Redakteur beim MIT Technology Review und bei der ZEIT. Seit 2013 ist er stellvertretender Chefredakteur des Philosophiemagazins Hohe...

Pressestimmen

buecheraendernleben

»Was der glücklich wieder genesende Mathematiker hier in seinem Sachbuch nun unternimmt, ist der Versuch den Tod zu erklären. So wird sein Buch zur spannenden Fährtensuche nach Körper, Seele, Geist und vor allem immer mehr auch nach dem was nach dem Tod kommt.«

emotion

»Ein kluges Buch, das hilft, den Tod als wertvollen Bestandteil unseres Lebens zu akzeptieren.«

Gießener Anzeiger

»Ein ebenso kurzweiliges wie lehrreiches Werk über die letzten Dinge. (...) Ein Buch, das sich unbedingt zu lesen lohnt.«

Süddeutsche Zeitung

»erhellendes wie kurzweiliges Sachbuch«

misericordia

»Hürter ermöglicht seinen Lesern, sich der Endlichkeit ihres Lebens bewusst zu werden und es als Geschenk anzunehmen.«

Inhaltsangabe

Kapitel 1

37 Meter: Wie der Tod mich dazu brachte, neu über mich nachzudenken

Kapitel 2 

Der große Zivilisator: Warum der Tod bei den Pyramiden und der Chinesischen Mauer mitgebaut hat 

Kapitel 3

Mein zweiter Geburtstag: Wie mein Beinahetod mich veränderte 

Kapitel 4 

Der Tod ist ein Philosoph: Warum viele Menschen zwar wissen, dass sie sterben müssen – aber nicht daran glauben können 

Kapitel 5 

Das Wesen des Todes: Was mit uns geschieht, wenn wir sterben 

Kapitel 6 

Was ist so schlimm am Tod? Warum wir partout nicht sterben wollen 

Kapitel 7 

Die Seele, der Körper und was ich davon halte: Warum Sokrates sich für unsterblich hielt – und warum er sich dabei irrte 

Kapitel 8 

Meine rechte Hand: Wie meine Verletzungen mir zeigten, dass ich ein körperliches Wesen bin 

Kapitel 9 

Bin ich überhaupt jemand, und wenn ja, wer? Warum man sein Selbst nicht so wichtig nehmen sollte 

Kapitel 10

Die ausgetretenen Pfade zur Unsterblichkeit: Was Religion und Wissenschaft für die Ewigkeit versprechen 

Kapitel 11 

Neue Wege zur Unsterblichkeit: Warum gute Menschen auch ohne Gottes Gnaden Aussichten haben, den Tod zu überleben 

Kapitel 12

Was für ein Leben? Warum Dschingis Khan sich nicht unsterblich gemacht hat 

Kapitel 13

Die letzte Deadline: Wie meine Sterblichkeit mich motiviert 

Literaturempfehlungen 

Danksagung

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