Buchblog: Am Mittwoch, 05. Februar 2014

Im Inneren der Mongolei

Tim Cope über seinen Ritt auf den Spuren Dschingis Khans.

Worum geht es in Ihrem Buch?
In meinem Buch geht es um meine Reise, aber auch um die Nomadenvölker in Zentralasien. Als ich 21 war, fuhr ich mit dem Fahrrad durch Russland bis nach China. Ich landete in der Mongolei und war absolut begeistert von diesen Menschen, die auf ihren Pferden wie aus dem Nichts auftauchten, hallo sagten und dann in Richtung Horizont davon galoppierten.
Sie ließen mich zurück mit dem Gefühl, ein erbärmlicher Tourist zu sein, der einfach nur sein Rad über eine Straße schiebt, die einen festen Weg vorgibt. Also wollte ich mehr darüber erfahren, wer diese Nomaden waren und ich war fasziniert von Dschingis Khan, der zum Herrscher des größten zusammenhängenden Imperiums der Geschichte wurde.
Aber er war nicht irgendein Herrscher, der auf seinem Thron in einem Schloss saß. Er war ein Nomade, der in einem Zelt und auf Pferden aufwuchs. Also beschloss ich, auf einem Pferd von der Mongolei bis nach Ungarn zu reiten, und das Buch handelt von den Erfahrungen dieser dreieinhalb Jahre, in denen ich diese nomadischen Völker kennenlernte, wer sie heute sind, wie ihre Vergangenheit war und was ihre Zukunft ist.

Für wen haben Sie dieses Buch geschrieben?
Zunächst einmal, ich habe diese Reise aus einer persönlichen Begeisterung heraus unternommen. Ich wollte wissen, wer diese Nomaden sind und wie ihre Kultur ist. Aber während meiner Reise begriff ich, dass es eine wirklich wichtige Geschichte zu erzählen gibt, nämlich was in Gebieten wie Kasachstan, der Mongolei und dem südlichen Russland vor sich geht.
Die Republik Kalmückien ist die einzige buddhistische Republik Europas, was nur sehr wenige Leute wissen, und es ist ein mongolisches Volk. Zudem ist es eine einzigartige Zeit, nach dem Untergang der Sowjetära, in der all diese verschiedenen nomadischen Gemeinschaften die Chance haben, wieder zu erwachen.
Aber dieses Zeitfenster ist sehr klein, denn die Kulturen sind von der Vernichtung gefährdet, durch die Marktwirtschaft, den Ölboom in Kasachstan, den Bergbau in der Mongolei. Und deshalb ist dieses Buch für alle, die sich für die Nomadenvölker interessieren, dafür wer sie wirklich sind und für diejenigen, die mehr über Zentralasien und die Mongolei erfahren möchten, Gebiete, die  gewissermaßen ein geografischer schwarzer Fleck in unserem westlichen Wissen sind.
Und auch für Menschen, die sich inspirieren lassen wollen, von einem persönlichen Abenteuer, das wirklich eine persönliche Herausforderung war und mich viel über den menschlichen Geist gelehrt hat.

Was bedeutet Ihnen dieses Buch persönlich?

Es ist der Höhepunkt eines Projekts, das über 10 Jahre lief, denn die Reise dauerte dreieinhalb Jahre und ich brauchte viereinhalb Jahre, um das Buch zu schreiben und zwei Jahre lang habe ich einen Film gemacht. Für mich ist das alles ein großes Projekt und das bisher größte meines Lebens.
Aber ich denke, das Wichtigste ist, dass es wirklich eine einzigartige Leistung war, all diese Geschichten von all diesen Menschen überall in Eurasien zu sammeln, etwas, was Jahrhunderte lang nicht getan wurde. All diese verschiedenen Völker Eurasiens, von der Mongolei bis nach Ungarn. Und ich hatte großes Glück, dass ich diese Reise machen und dieses Buch schreiben konnte, denn im zwanzigsten Jahrhundert wäre diese Art von Reise größtenteils unmöglich gewesen. Und deshalb denke ich, dass diese ganze Reise mein Leben definiert und wenn ich das Buch halte, ist es, als würde ich mein Leben in meinen Händen halten.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich möchte gerne ein Kinderbuch schreiben über meinen Hund Tigon, der mich und meine Pferde dreieinhalb Jahre auf der Reise begleitet hat. Tigon ist ein erstaunlicher Charakter. Ich bekam ihn von einem alten kasachischen Hirten, der mir sagte, ich bräuchte einen Freund, der mit mir auf die Reise geht, mich nachts in meinem Zelt wärmt und mich vor den Wölfen beschützt.
Und ich sah diesen kleinen Zwerg von Hund an und dachte, er würde keine zwei Wochen in der Kälte überleben. Aber natürlich wuchs er zu einem großen, wunderschönen Hund heran, der seine eigene, parallele Reise beging. Er hat also das Potenzial, tausende von Kindern mit seiner Geschichte zu inspirieren und deshalb würde ich das wirklich gerne machen. Aber über das Projekt hinaus interessiere ich mich sehr für das Volk der Zigeuner und wie sie dort ankamen, wo sie heute in Europa leben.
Und ich denke, es ist besonders interessant und ein sehr polarisierendes Thema in Europa, wie mit ihnen umgegangen wird, wie man sie betrachtet und wie man sie politisch handhabt, wie zum Beispiel in Frankreich, wo Zigeuner zurück nach Rumänien geschickt werden. Ich möchte also von Indien nach Europa reisen, auf den Pfaden der Roma, im Wesentlichen entlang der ungefähren Wanderpfade, die sie jahrhundertelang von Indien nach Europa nahmen.

Was möchten Sie Ihren Lesern mit auf den Weg geben?
Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mir bereits aufgrund des Films auf Arte geschrieben haben. Ich schätze mich sehr glücklich, dass mein Buch im Juni veröffentlicht wird und ich denke, dass die deutschen Leser die Bedeutung der Geschichte in dem Buch, der persönlichen Reise und die kulturellen Aspekte wahrscheinlich besser verstehen werden, als die Leute in meinem Heimatland. Und Dank an die großartige deutsche staatliche Rundfunkgesellschaft ZDF, die mir sehr dabei geholfen hat, meine Geschichte mit vielen Menschen zu teilen. Also, ich hoffe, Ihnen gefällt das Buch.

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