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Wer kennt eigentlich ... Lars Mrosko?

Warum Ronald Reng über einen unbekannten Fußballscout schreibt

Freitag, 07. August 2015 von Ronald Reng


Wer ist das denn: Lars Mrosko?

»Der Held meines vorangegangenen Sachbuchs „Spieltage“, der Fußball-Trainer Heinz Höher, schrieb mir, er finde es sei an der Zeit, dass ich jetzt mal ein wirklich viel gelesenes Werk hinlege, so etwas wie die Bibel oder zumindest das kommunistische Manifest. Andere waren bescheidener in ihren Erwartungen an mein nächstes Buch, aber nicht weniger neugierig, ob ich als eingeführter Fußball-Autor nun die Biographie von Weltmeister Bastian Schweinsteiger oder von Weltfußballer Lionel Messi schreibe.

Nein, sagte ich, die Biographie von Lars Mrosko.

 

Und ich konnte an ihrer augenblicklich zusammengezogenen Stirn erkennen, wie sie ihr Gedächtnis materten: Mrosko, Mrosko, den mussten sie doch kennen, wenn ich ein Buch anhand seines Lebens schrieb - hatte der mal bei Bayern gespielt, oder handelte es sich um das neuste österreichische Wunderkind, wobei, österreichische Wunderkinder gab es doch seit Mozart schon nicht mehr.
Dabei schrieb ich „Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“ gerade, weil niemand Lars Mrosko kennt.


Es liegt in der Natur der Sache, dass wir uns für das Leben herausragender Menschen interessieren und deshalb viele fantastische Biographien über zeitgeschichtliche Persönlichkeiten erschienen sind, Paul Prestons Biographie des spanischen Königs Juan Carlos fällt mir spontan ein, David Remnicks Epos über Muhammad Ali oder aber auch ein belletristisches Werk wie „Die jungen Jahre“ des Nobelpreisträgers J.M. Coetzee, das Meisterwerk einer Autobiographie schlechthin. Doch lässt sich Geschichte auch „von unten“ erzählen:

 

Aus der Sicht eines einfachen Mannes, am Leben eines Unbekannten lässt sich Zeitgeschichte, ein Phänomen oder eine Branche im besten Fall ungeschminkt darstellen.

 

So handeln etwa die Filme der Brüder Coen in der Regel von einfachen Helden wie zum Beispiel einem unbekannten Musiker in dem Film Inside Llewyn Davis. Nach der Vorstellung verließ ich das Kino im Gefühl, mehr über die Mechanismen der Musikbranche erfahren zu haben als mir ein Film über die Beatles hätte beibringen können. Denn in den gut erzählten Geschichten von unten geht es, wenn es um das Triumphieren geht, immer auch um das Scheitern, es geht nicht nur um das Träumen vom Aufsteigen, sondern auch um das Weitermachen nach dem Oben-nicht-ankommen; es geht um das volle Spektrum menschlicher Erfahrungen.

 

Solch eine Geschichte hoffe ich in „Mroskos Talente“ eingefangen zu haben: die Geschichte eines jungen Mannes aus Neukölln, der unbekannt, unerkannt jenseits der Fernsehkameras als Talentesucher für die ganz großen Verein der Fußball-Bundesliga arbeitete, Bayern München, VfL Wolfsburg, später als selbständiger Spielerberater. Am Ende, hoffe ich, versteht man an seinem Leben vollständiger als in einer Biographie von Schweinsteiger oder Messi, wie im Geschäft Profifußball gearbeitet wird, wie es im Profifußball zugeht.


Die Schweinsteiger- oder Messi-Biographie kann ich ja dann im nächsten Buch erzählen. Wobei, mein alter Buchheld Heinz Höher schreibt mir, er hätte da schon ein Thema für mich: garantiert so vielversprechend wie die Bibel oder das kommunistische Manifest. Mindestens.«

 


Teaserbild: Lars Mrosko / Spielerscout FC St. Pauli
Copyright: BONGARTS / Hans-Joerg-Richter

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