Pubertät | Tipps für Eltern
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Vom Glück mit einem Teenager zu leben

Wie es Spaß macht, unsere Kinder durch die Pubertät zu begleiten

Dienstag, 27. März 2018 von Piper Verlag


Das Drama der Pubertät

In manchen Familien kündigt sie sich leise an, in anderen kommt sie über Nacht mit Paukenschlag. Wann und auf welche Weise auch immer - wenn Sie Kinder haben kommt sie irgendwann, die Pubertät. Die Zeit, vor der es den meisten Eltern schon graut, wenn sie noch Kinderwagen schieben. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum schon der Begriff mit negativer Aura daher kommt? Pubertät klingt viel dramatischer als Trotzphase.

Warum nur?

Beide Phasen haben viel gemeinsam, Kinder entdecken sich selbst und stellen im Zuge dessen so einiges im Verhältnis zu den Eltern in Frage – am liebsten durch gnadenloses Auflehnen. Der große Unterschied ist nur, dass ein Trotzanfall schnell vorüber geht. Danach ist alles wieder gut, alles wieder unter Kontrolle. Auch die Pubertät geht vorbei. Aber danach wird alles anders sein und das spüren wir Eltern schon mittendrin. Wir werden die Kontrolle über unser Kind verlieren. Wir werden mit enttäuschten Erwartungen zurecht kommen müssen. Und am schlimmsten: Wir werden als Eltern nicht mehr so wichtig sein wie früher. Tja, daran werden wir nichts ändern können, so wenig wie alle anderen Eltern. Und eigentlich müssten wir uns deshalb auch nicht so aufregen, als wären wir die ersten, denen die Pubertät ihrer Kinder passiert. Wir ahnen doch was kommt! Statt dessen könnten wir doch mal was Neues probieren: Wir könnten uns darüber freuen keinen Ja-Sager mehr zuhause zu haben. Wir könnten froh sein, endlich auf Augenhöhe diskutieren zu können. Wir könnten Hoffnung spüren, dass da eine neue Generation heranwächst, die die Welt mit ihren Ideen verbessern wird. Wir könnten uns inspirieren lassen, mal Fünfe gerade sein zu lassen und den Esstisch später abzuräumen.

Und wir könnten sehen, dass wer sich traut Fehler zu machen, im Leben immer, wirklich immer weiter kommen wird.

Ändern Sie ihre Einstellung!

Ich möchte Sie mit meinem Buch inspirieren vom Genervtsein in den Glücksmodus zu schalten und das seltsame Verhalten Heranwachsender nicht nur kritisch zu beäugen, sondern zu verstehen. Keine Sorge, es ist kein Lobgesang und verschließt nicht die Augen vor all den schwierigen Momenten, den Problemen und Konflikten in der Pubertät. Im Gegenteil – es geht sehr viel um verzweifelte Gefühle und unerfreuliche Situationen, die mich jeden Tag begleiten. Darum, wie schwer es mir fällt, meine Vorstellungen loszulassen und meinem Sohn trotz stärkster Pubertätssymptome zu vertrauen. Aber ich schreibe auch darüber, wie faszinierend der Entwicklungsprozess von Teenagern für uns Eltern sein kann und wie wir unsere Kinder unterstützen können, für die es anstrengend ist, sich immer wieder neu zu (er-) finden.

Ich beziehe mich dabei auf viele persönlicher Beispiele und neueste wissenschaftlicher Erkenntnisse.                                                                                                                                                     

Was ist dabei das Wichtigste, was ich Ihnen empfehlen möchte?

Ändern Sie ihre Einstellung!  All meine gesammelten Erfahrungen und Gedanken beruhen auf dem einen Grundprinzip: Ich konzentriere mich auf das, was gut ist – oft sogar großartig! Was ich aus dieser Perspektive erlebe, gibt mir das Vertrauen und die Kraft, die ich brauche, um die nicht so guten Seiten der Pubertät mit (ein bisschen mehr) Gleichmut zu nehmen. Und das wünsche ich Ihnen auch!

Geeignete Glücksstrategien:

Von einer Mutter und Markt- und Werbepsychologin

Zügel lockern

»Als ich dann vor einigen Jahren einen Agenturjob annahm, war mir nach zwei Wochen klar: Ich werde das langfristig nur hinkriegen, wenn ich mich einiger gedanklicher Pflichten entledige – wenn ich endlich aufhöre, mir ständig Sorgen zu machen, ob Leo gesund genug isst, seine Hausaufgaben gut erledigt und ein reges Sozialleben führt. Knappe Kapazitäten sind für Kontrollfreaks wie mich ein guter Weg, um sich zum Loslassen zu zwingen. Vielleicht ist aber Loslassen manchmal auch weniger eine Frage der Zeitkapazität als der inneren Haltung. Eine neue gedankliche Priorität tut gut – ob Begeisterung für den Beruf, ein neues Hobby oder die Pflege von Freundschaften.«

Unterstützen statt einmischen

»Ein heikles Thema. Meine Empfehlung: Jugendliche wissen ziemlich genau, ob sie Hilfe brauchen und in Anspruch nehmen wollen. Das sollte unser Entscheidungskriterium sein – und nicht ob wir denken, dass sie Unterstützung gut gebrauchen könnten.«

Erwachsen vertrauen

»Macht der unaufhaltsam rebellische Charakter der Teenager unser Vertrauen zu Recht unmöglich? Oder ist es unser geschenktes Vertrauen, das die Verhaltensweisen des Jugendlichen beeinflusst? Meine Meinung ist, dass Vertrauen der Eltern Jugendliche erwachsen macht und damit auch verantwortungsvoll. Allerdings sollten wir uns darauf einstellen, dass Teenager nicht nach einem Wenn-dann-Prinzip funktionieren. Enttäuschung gehört zum Elterndasein ebenso wie unermüdliche Vorleistung.«

Rückenwind geben

»Jugendliche bekommen vor allem gesagt, worin sie schlecht sind – und das nicht nur von ihren Eltern. Sie sind umgeben von Menschen, die ihnen das Gefühl geben, nicht auszureichen: Lehrer lassen keine Zweifel aufkommen, wenn sie jemanden als Loser sehen. Sporttrainer erst recht nicht. Und auch unter Freunden haben Schwächen einfach den größeren Unterhaltungswert! Das ist bitter, weil die Neigung zur Selbstkritik in dieser Zeit sowieso systemimmanent ist: Zu schlecht, zu hässlich, zu dick, zu dumm, zu ungeschickt. Sollten wir als Eltern nicht versuchen, hier entgegenzuwirken?«

Kommunizieren statt fragen

»Das Problem ist, dass Teenager ihr Bedürfnis nach Austausch normalerweise nicht mit »Hättest du kurz Zeit für mich?« ausdrücken. Und mit dem Zwischen-den-Zeilen-Lesen ist es so eine Sache im Alltag. Jeder hat seine To-dos und Befindlichkeiten, ist müde vom Job, genervt von einem Kollegen oder sauer auf eine Freundin  – im Zweifel also ausreichend mit sich selbst beschäftigt. Aber: Wie ungeplant die Gelegenheiten, bei denen unser Kind ein Gespräch mit uns sucht, auch aufpoppen, wir sollten sie besser ergreifen.«

Blick ins Buch
I love TeensI love Teens

Wie es Spaß macht, unsere Kinder durch die Pubertät zu begleiten

Die Pubertät gilt für die meisten Eltern als Zeit des Schreckens, Teenager werden gefürchtet als launisch und außer Kontrolle. »Augen zu und durch« lautet oft das Motto. Maja Overbeck zeigt, wie es anders geht: Sie lädt Eltern dazu ein, die Perspektive zu wechseln. Denn im Teenageralter entwickeln sich Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten, deren Ideenreichtum und Risikolust ansteckend sein können. Die Autorin erklärt anhand eigener Erfahrungen, wie man Problemthemen mit verändertem elterlichen Verhalten umschifft und warum Offenheit und eine Portion Selbstironie dabei helfen. Ihre Thesen stützt sie auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, außerdem lässt Overbeck Teenager selbst zu Wort kommen.
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Willkommen im Leben des Pubertiers

Fragen zum Leben mit Teenagern - Überlebenstipps für Eltern

Mit Teenagern haben es Eltern nicht immer leicht. Sie sind häufig unmotiviert, ständig müde oder können sich nur für weniges interessieren.

Bestseller-Autor Jan Weiler weiß, wie Teenager funktionieren und beantwortet in seinem neuen Buch »Und ewig schläft das Pubiertier« die wichtigsten Fragen, die pubertätsgeplagte Eltern haben.

Wo chatten Teenager?

Facebook, WhatsApp oder Snapchat - die Liste der Nachrichtendienste ist lang. Sich morgens in der Schule für nachmittags zu verabreden war mal:

»Unter den teuflischen Hervorbringungen der Gegenwart nimmt WhatsApp eine Sonderstellung ein. Dieser Messenger-Dienst hält nämlich nicht nur jene auf Trab, die sich dort angemeldet haben, sondern auch sämtliche unschuldig zufällig in deren Umkreis lebende Menschen. Seit Carla bei WhatsApp angemeldet ist, werden wir ununterbrochen Zeuge ihres Mitteilungsdranges und, was noch gravierender ist, des Mitteilungsdranges ihrer ungefähr 12 000 Freunde. Wobei ich zugeben muss, dass ich auch bei WhatsApp bin. Alle mir bekannten Menschen haben diesen tosenden Kurzmitteilungsdienst installiert. Nachrichten kündigen sich durch ein Geräusch an, das in etwa so klingt wie der vergebliche Versuch einer Stubenfliege, sich aus einem Glas Pflaumenmus zu befreien, ungefähr so: ›Wwwh wwwh.‹ WhatsApp hat Facebook bei uns längst den Rang abgelaufen, was ich irgendwie seltsam finde, denn im Grunde genommen ist das ja nur SMS in etwas schicker. Unsere Tochter ist Teil von ungefähr zwanzig Gruppen mit verschiedenen Interessen, die sich ununterbrochen darüber austauschen, wer einen Feuerlöscher zum Grillabend auf der Wiese mitbringt (offenbar niemand) oder wer mit ins Kino kommt und wer den süßen Typen von der S-Bahn-Haltestelle kennt. Meine Jugend kommt ihr absurd vor, aber sie findet es völlig normal, mit ihrer Freundin Emma zu whatsAppen – und zwar während diese neben ihr auf dem Bett sitzt. Manchmal möchte ich ihr Handy gerne mit einem großen Hammer zerschmettern, dann ist Schluss mit ›wwwh-wwwh‹.«

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Wann sind Teenager Teenager?

Beginnt das Teenager-Alter mit dem zehnten Lebensjahr und endet mit dem 20. Geburtstag? Jan Weiler weiß, dass sich das Alter von Teenagern ändern kann - je nach aktuellem Stimmungsbild.

Carla ist inzwischen siebzehn, und manchmal ist sie auch schon vierzig. An anderen Tagen aber auch erst sechs. Ich höre immer genau hin, wenn sie nach Hause kommt und versuche anhand der Geräusche, auf ihr momentanes Alter zu schließen.

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Was tragen Teenager heute?

Trends kommen und gehen, besonders im Modebereich. Was finden Teenager cool und was brauchen sie um cool zu sein?

»Später versuchte ich vergeblich, Nick von schönen Schuhen für den Schulsport zu überzeugen. Das ist jedoch unmöglich. Er und seine Freunde tragen nur noch Sportschuhe, die an den Füßen aussehen wie Knallbonbons. Was war bitte falsch an den Modellen Samba, Gazelle und Allround?
Es gibt sie immer noch, ich zeigte sie ihm, aber er schüttelte nur mitleidig lächelnd den Kopf. Dann probierte er zunächst neongrüne, dann rosa und schließlich orange Plastiklatschen an. Er entschied sich für Letztere. Das Beste, was man über die hässlichen Dinger sagen kann, ist, dass sie für eine große Errungenschaft der zweiten Moderne stehen, nämlich einer gewissen, der allgemeinen
Metrosexualität geschuldeten Bekleidungstoleranz.
In meiner Schulzeit wäre man für solche Turnschuhe noch über den Schulhof und auf den nächsten Baum gejagt worden.«

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Chillen, relaxen, ausruhen: Willkommen im Leben des Pubertiers!

Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Dann besticht es durch seine Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Außerdem wächst es wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Auch spielt die Liebe eine immer größer werdende Rolle sowie natürlich die Wahl der richtigen Schuhe. Kurzum: Es wird erwachsen. Ihm dabei zuzusehen ist aufregend, lustig - und eines der letzten großen Abenteuer.

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Warum sind Teenager so müde und schlafen so lange? Wann sollten Teens ins Bett?

Dauermüde und Antriebslos. Teenager sollten früher ins Bett, das ist klar. Dies ist aber nicht der einzige Grund für ihre Müdigkeit:

»Nick erinnert mich an den berühmten Wanja aus einer Geschichte von Otfried Preußler. Wanja verpennt darin Jahre seines Lebens, die er im Wesentlichen schlummernd auf einem Ofen verbringt. Wenn er wach ist, futtert er Sonnenblumenkerne. Eines Tages steht er auf, zieht los und wird am Ende Zar von Russland. Letzteres ist von unserem Nick nicht zu erwarten, und ich will auch gar nicht, dass er Zar wird, weil Zaren historisch betrachtet eine kurze Lebenserwartung haben. Es würde mich aber freuen, wenn er mich beim Sprechen wenigstens nicht immer angähnen würde.

Forscher sprechen dieser Symptomatik einen gewissen Krankheitswert zu, manchmal ist dann die Rede von Narkolepsie, an der Nick jedoch nicht leidet. Er kann nämlich überraschend aufgeweckt sein, wenn es ihm Spaß macht oder das Wachsein sich lohnt.

Unser Arzt sagte dann auch, die ganze Sache habe bei ihm mit dem Melatoninspiegel zu tun. Und dass die Jugendlichen eben allgemein abends früher ins Bett müssten. Wenn sie dies beherzigten, sei der Spuk schnell vorbei. Es gibt auch mindestens einen sehr sympathischen Aspekt an der Dauermüdigkeit unseres Kindes, den man mit einem Zitat gut veranschaulichen kann. ›Im Kino einzuschlafen bedeutet, dem Film bedingungslos zu vertrauen‹, hat der Filmkritiker Michael Althen einmal bemerkt. Dieses Bonmot lässt sich aufs ganze Leben anwenden: Ständig einzupennen bedeutet, dem Leben bedingungslos zu vertrauen. Dies ist am Ende eine wirklich beruhigende Erkenntnis. Schlaft schön, liebe Kinder. Wenn ihr aufwacht, liegt immer noch das ganze Leben vor euch.«

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Wie ticken Teenager?  – Was Teens bewegt und warum sie so merkwürdig sind

Das Verhalten von Teenagern können sich Eltern nicht immer erklären. Dabei haben pubertäre Jugendliche durchaus fundierte Begründungen:

» ›Würdest du lieber nackt mit der U-Bahn von der Münchener Freiheit bis zum Marienplatz fahren oder in der Schulcafeteria einen Pudding vom Boden lecken?‹ Finn entscheidet sich für die U-Bahn, weil ihn dort womöglich niemand kenne. Außerdem liege auf dem Zielbahnsteig ein Mantel bereit. Die Prüfung findet er nicht so schlimm.
Klack. Toast raus, klick, Toast rein.
Finn fragt: ›Würdest du lieber eine Stunde lang auf dem Schulhof Lieder von Helene Fischer singen oder dir öffentlich mit einem Laubrechen selber ein Muster auf den Hintern ritzen?‹
Ich glaube, ich höre nicht richtig, zumal sich Nick spontan für den Rechen entscheidet. Aber die Begründung gefällt mir dann wieder: Nick kratzt sich lieber den Hintern mit einem Drahtrechen, weil er, um Lieder von Helene Fischer singen zu können, diese vorher mehrmals anhören müsse, was ihm entschieden mehr Schmerzen verursache als das bisschen Gekratze auf seinem Po.«

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© Till Hafenbrak

Wie motiviert man Teenager? Motivation für Schule und Lernen

Fehlende Motivation ist ein weiteres Phänomen, das Teenager quasi perfekt beherrschen - besonders an Sonntagen:

»Während an Werktagen bei Pubertieren ein steter Wechsel von einerseits geradezu katatonischer Zockerstarre und andererseits rastlosem Sporttreiben zu verzeichnen ist, wird der Sonntag im Wesentlichen dadurch gefüllt, dass Pubertiere lange schlafen, um dann etwas auszuruhen und auf der Couch zu chillen.
Zwischendurch sind sie empfänglich für Nahrung, nicht jedoch für Gespräche oder körperliche Betätigungen. Das findet der Versuchsleiter prinzipiell in Ordnung, denn die Pubertiere sind auf diese Weise wehrlos seinen Vorträgen ausgeliefert, in denen er das Nichtstun geißelt und seinen Pubertieren erzählt, dass es zu Zeiten seines eigenen Urgroßvaters so etwas wie einen Sonntag für Kinder gar nicht gegeben habe, weil sie erst in die Kirche, dann in die Sonntagsschule und schließlich in den Garten mussten, um Dicke Bohnen auszumachen. Die Pubertiere ignorieren ihn und widmen sich brummenden, zischenden und piependen Vorgängen an ihren Mobilgeräten.«

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Jan Weiler

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt’s nicht!« gehört zu den erfolgreichsten Büchern der vergangenen Jahrzehnte. Es folgten unter anderem: »Antonio im Wunderland« (2005), »Mein Leben als Mensch« (2009), »Das Pubertier« (2014), »Kühn hat zu tun« (2015) und »Im Reich der Pubertiere« (2016). Jan Weiler verfasst zudem Hörspiele und Hörbücher, die er auch selber spricht. Jan Weiler lebt bei München.

 

Welche Musik hören Teenager?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, auch in der Musik. Doch für welche Genres begeistern sich Teenager? Von HipHop bis Schlager ist alles dabei - die Musik der Eltern von früher spielt allerdings keine Rolle:

»Untermalt von Klängen aus Nicks feiner Musiktruhe, die HipHop und Autoscooter-Techno beinhaltet. Das klang unwahrscheinlich aufregend für mich. Ich regte an, vielleicht das Musikprogramm noch durch irgendwas zu ergänzen, was Mädchen gerne hören, zum Beispiel Cat Stevens. Oder Kajagoogoo. Kannte er beides nicht und sagte, ich hätte, was Mädchen angeht, nicht genug Swag, um ihm Ratschläge zu geben. Gut, da hat er absolut recht.« [...]
»Lustige Clips, in denen sie Mäuseöhrchen haben oder in denen männliche Klassenkameraden zu sehen sind, Lieder von Helene Fischer singen. Letzteres ist sehr verstörend, denn man wünscht sich die Jugend ikonoklastisch oder wenigstens gemäßigt anarchistisch. Aber sie singen nicht Degenhardt und nicht einmal Wader, sondern Atemlos durch die Nacht. Was soll nur aus dieser Jugend werden?«

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Was machen Teenager in ihrer Freizeit?

Wie verbringen Teenager ihre Freizeit? Jan Weiler nennt zwei Beispiele, wie Teenager ihre freie Zeit nutzen und wofür sie sich interessieren.

»Eine halbe Stunde später störe ich sie beim Multitasking: Sie verfolgt einen YouTube-Kanal, zupft dabei ihre Wimpern, telefoniert und fertigt Hausaufgaben an. Das sind vier Tätigkeiten, die man ausgezeichnet miteinander verbinden kann.‹ […]»Da erinnerte ich sie an ein Spiel, von dem mir Nick erzählt hat. Es ist das Lieblingsspiel aller 14-jährigen Jungs bei uns in der Gegend, und es geht so: Einer sagt leise Penis , dann ist der Zweite dran und sagt etwas lauter Penis, dann wieder der Erste, wieder etwas lauter. Wer sich nicht mehr traut, hat verloren. Nick und sein Kumpel Finn spielen das immer in der S-Bahn. Jedenfalls muss man auch mal ein Wagnis eingehen, man muss mal mutig sein, man darf sich nicht alles gefallen lassen, man muss hier und da über persönliche Grenzen gehen.«

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Warum sind Teenager so schwierig?

Rebellisch, egoistisch, streitlustig - die Pubertät hat viele Facetten, wie dieser Auszug aus »Und ewig schläft das Pubertier« von Jan Weiler zeigt:

»Und als ich ihr bei anderer Gelegenheit mit dem Elternklassiker Immer musst du das letzte Wort haben kam, konterte sie gespielt unschuldig:
›Woher soll ich denn wissen, dass dir nichts mehr einfällt?‹ Und so ist Carla zu einem sehr starken Pubertier geworden.

Bei Bedarf kann sie sich übrigens auch blitzschnell in andere Tiere verwandeln. In ein Lamentier zum Beispiel. In ein Boykottier und besonders gerne in ein Diskutier. Als solches sucht sie regelmäßig die Auseinandersetzung mit ihrem Vater und bringt ihn nicht selten an den Rand seiner intellektuellen Möglichkeiten. Im Moment doziert sie gerne zu ihrem aktuellen Lieblingsthema, der geschlechtergerechten Sprache. Sie gendert auf Teufel komm raus. Vor Kurzem kam sie aus dem Zirkus, den sie als Begleitperson für einen Kindergeburtstag besucht hatte, und teilte mit, es habe dort Elefantinnen und Elefanten gegeben. Das schreit nach Notwehr.«

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Welche Pflegeprodukte nutzen Teenager?

Schon früh greifen pubertäre Jugendliche zu allen Mitteln, um beispeilsweise Hautunreinheiten vorzubeugen oder sich in Schale zu werfen. Teenager und Kosmetik behandelt der folgenden Auszug aus »Und ewig schläft das Pubertier« von Jan Weiler.

»Als ich ihn trotzdem noch darauf hinwies, dass eine astreine Körperhygiene absolute Voraussetzung für das Klarmachen von Chicks darstelle, warf er mir einen mitleidigen Blick zu und verwies auf die eindrucksvolle Batterie von Duschgelflaschen und anderen chemischen Keulen, die in unserem Badezimmer unheilvoll oszillierend auf ihren Einsatz warten.
Am Samstag um halb sieben gingen Sara und ich aus dem Haus. Nick, Finn und ihr Kumpel Aziz saßen in Nicks Zimmer vor dem Rechner und rochen wie eine Douglas-Verkäuferin.«

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Und ewig schläft das PubertierUnd ewig schläft das Pubertier
Wenn es erst einmal wach ist, hält es die Welt in Atem: Das Pubertier. Und inzwischen hat sich Nick zu einem Parade-Exemplar entwickelt. Als männliches Pubertier besticht auch er durch faszinierende Einlassungen zu den Themen Mädchen, Umwelt und Politik sowie durch seine anhaltende Begeisterungsfähigkeit für ganz schlechtes Essen und seltsame Musik. Er wächst wie Chinagras und trägt T-Shirts und Frisuren, die uns dringend etwas sagen wollen. Ansonsten allerdings ist die Kommunikation mit dem Pubertier auf ein Mindestmaß reduziert, es spricht wenig, dafür müffelt und chillt es ausgiebig. Und die Liebe spielt in diesem dritten Teil der Pubertier-Saga eine immer größer werdende Rolle sowie auch die Wahl der richtigen Schuhmode. Im Pubertierlabor werden über einen möglichen Zusammenhang beider Phänomene Mutmaßungen angestellt. Gemutmaßt werden darf außerdem über die Frage, wann diese verfluchte Pubertät eigentlich aufhört. Der Erzähler schaut manchmal in den Spiegel und denkt: Eigentlich nie.
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Der Schläfer

Manchmal kann ich nicht schlafen. Es ist dann nichts Besonderes, aber ein Gegrübel legt sich über meine Müdigkeit, und ich denke über alles Mögliche nach, zum Beispiel über die Veränderungen bei uns zu Hause. Die Kinder werden immer größer. Manchmal brauchen sie mich überhaupt nicht mehr. Es ist nicht zum Aushalten. Der Vater als Instanz, als erfahrener Lehrer in den Dingen des Lebens, als eine Art Meister Yoda im familiären Sternenkrieg. So sehe ich mich gerne. Leider betrachten mich meine Kinder ganz anders, nämlich als möchtegernautoritäre Nervensäge mit zweifelhaftem Musikgeschmack.

Dabei würde ich meinen Kindern so gerne noch Sachen beibringen. Aber das klappt nicht mehr. Vor einiger Zeit zum Beispiel stellte mir Nick eine Frage zur Französischen Revolution. Ich liebe die Französische Revolution. Schon wegen der Klamotten. Und wegen Danton. Also begann ich, mit großer Begeisterung alles zu erzählen, was mir noch einfiel. Zum Beispiel fasziniert mich die Tatsache, dass die Regenten der damaligen Zeit unfassbare Ferkel waren. Sie verrichteten ihr Geschäft gerne direkt in den Salons ihrer Paläste, überpuderten ihre Körpergerüche, anstatt sich zu waschen, und hatten Zähne wie Gollum. Ebenfalls sehr eindrucksvoll fand ich immer, dass der ermordete Jean Paul Marat einen sehr coolen Turban in der Badewanne trug. Mein Sohn hörte geduldig zu, um schließlich mitzuteilen, das sei alles ganz interessant, er habe aber nur wissen wollen, wer beim Sturm auf die Bastille befreit wurde. Wusste ich natürlich nicht und verwies auf Wikipedia. Das ist ja eigentlich der größte Jammer: Wenn man schon mal etwas beitragen kann, ist es nicht gefragt. Und wenn man gefragt wird, kann man nichts beitragen.

Ich habe mich weitgehend damit abgefunden und konzentriere mich auf geheime Fähigkeiten, die ich an mir entdeckt habe und die ich vor meiner Frau und den Kindern verberge wie Superkräfte, von denen niemand wissen darf. Zum Beispiel kann ich meine Familienmitglieder am Reinkommen erkennen. Gut, es sind nur drei, manchmal auch vier, denn Carlas Freund Alex darf inzwischen auch ohne sie ins Haus und betritt es meistens durch die unabgeschlossene Terrassentür, was ich etwas merkwürdig finde. Wir haben nie darüber gesprochen. Das Haus hat eine Klingel. Er könnte auch einen Schlüssel von uns haben. Aber er kommt durch den Garten und steht dann plötzlich wie der Sensenmann mit dem Brotmesser in der Hand in unserer Küche.

Jedenfalls kann ich meine Familie an Eigenheiten ihres Reinkommens erkennen. Bei Sara höre ich den Schlüsselbund und das Geräusch, wenn sie einen Kleiderbügel in die Garderobe hängt. Carla hingegen benutzt keine Kleiderbügel. Dafür geht sie, nachdem sie das Haus betreten hat, aufs Klo. Das eben war eindeutig unser Nick. Er ist am einfachsten zu erkennen. Er wirft die Tür zu, wumms. Dann lässt er den Rucksack fallen, rumms, dann geht er ins Wohnzimmer, schlurf, und sinkt auf die Couch hinab, was ein nicht näher beschreibbares Plumps-Geräusch macht, das lautmalerisch ungefähr klingt wie sack.

Manchmal hört man vorher noch die Kühlschranktür, aber meistens nur sack. Dann muss man schnell sein, wenn man ihn sprechen möchte, denn innerhalb weniger Augenblicke ist er eingeschlafen. Seine Müdigkeit ist legendär. Letzte Woche war ich mit ihm im Teppichhaus. Er wünschte sich einen flotten Bodenbelag für sein Zimmer. Dieses Zimmer heißt im internen Sprachgebrauch nur noch: die Schläferzelle. Wir waren also im Teppichhaus. Die Ausstellungsstücke lagen in großen weichen Stapeln herum. Ich lief mit Nick durch die Reihen, wir fassten Teppiche an, begutachteten die Qualität, Muster und Farben.

Ich prüfte, streichelte und redete vor mich hin. Dann entdeckte ich einen sehr schönen Teppich und sagte: »Was ist mit dem hier? Weich und hochflorig. Hochflorig ist super. Das bedeutet, dass die Chipskrümel ungestört einen eigenen Knabberzeug-Staat da drin errichten können. Nick. Nick?« Ich drehte mich um, aber mein Sohn war weg. Ich entdeckte ihn schließlich in dreißig Metern Entfernung, wo er auf einem Turm aus Teppichen des Modells »Harmonie« Platz genommen hatte, um sofort in embryonaler Stellung ein Nickerchen zu beginnen. Wir haben uns dann für diesen Teppich entschieden und fuhren nach Hause.

Der Teppichkauf war so anstrengend, dass Nick sich nicht bloß währenddessen, sondern auch danach ein wenig hinlegen musste. Dasselbe muss er auch nach der Schule, nach dem Training, nach dem Essen und nach dem Duschen sowie vor der Schule, vor dem Training, vor dem Essen und vor dem Duschen. Manchmal machen Sara und ich uns Sorgen. Neulich ist er in der Schlange bei McDonald’s eingeschlafen. Ich musste ihn wecken und seine Bestellung aus ihm herausschütteln. Nick erinnert mich an den berühmten Wanja aus einer Geschichte von Otfried Preußler. Wanja verpennt darin Jahre seines Lebens, die er im Wesentlichen schlummernd auf einem Ofen verbringt. Wenn er wach ist, futtert er Sonnenblumenkerne. Eines Tages steht er auf, zieht los und wird am Ende Zar von Russland. Letzteres ist von unserem Nick nicht zu erwarten, und ich will auch gar nicht, dass er Zar wird, weil Zaren historisch betrachtet eine kurze Lebenserwartung haben. Es würde mich aber freuen, wenn er mich beim Sprechen wenigstens nicht immer angähnen würde. Forscher sprechen dieser Symptomatik einen gewissen Krankheitswert zu, manchmal ist dann die Rede von Narkolepsie, an der Nick jedoch nicht leidet. Er kann nämlich überraschend aufgeweckt sein, wenn es ihm Spaß macht oder das Wachsein sich lohnt. Unser Arzt sagte dann auch, die ganze Sache habe bei ihm mit dem Melatoninspiegel zu tun. Und dass die Jugendlichen eben allgemein abends früher ins Bett müssten. Wenn sie dies beherzigten, sei der Spuk schnell vorbei.

Es gibt auch mindestens einen sehr sympathischen Aspekt an der Dauermüdigkeit unseres Kindes, den man mit einem Zitat gut veranschaulichen kann. »Im Kino einzuschlafen bedeutet, dem Film bedingungslos zu vertrauen«, hat der Filmkritiker Michael Althen einmal bemerkt. Dieses Bonmot lässt sich aufs ganze Leben anwenden: Ständig einzupennen bedeutet, dem Leben bedingungslos zu vertrauen. Dies ist am Ende eine wirklich beruhigende Erkenntnis. Schlaft schön, liebe Kinder. Wenn ihr aufwacht, liegt immer noch das ganze Leben vor euch.

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