Geister

Geister

Roman

€ 25,00 inkl. MwSt.

»Nathan Hills Roman ist ein Psychodrama um eine Mutter und ihren Sohn, voller Geister und Politik, aber es ist auch eine Tragikomödie von Zorn und Scheinheiligkeit. Nathan Hill ist ein Maestro des Schrecklichen.« John Irving

Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson . Er, der als Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist. - Ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street.

  • € 25,00 [D], € 25,70 [A]
  • Erschienen am 04.10.2016
  • 864 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
  • Übersetzt von: Katrin Behringer, Werner Löcher-Lawrence
  • ISBN: 978-3-492-05737-0
 
 

Leseprobe zu »Geister«

Prolog
Spätsommer 1988

Hätte Samuel gewusst, dass seine Mutter weggehen würde, hätte er vielleicht besser aufgepasst, hätte ihr genauer zu­gehört, sie eingehender beobachtet, sich ein paar wichtige Dinge aufgeschrieben. Vielleicht hätte er sich auch anders verhalten, anderes gesagt, wäre ein anderer Mensch gewesen.
Vielleicht ein Kind, für das es sich gelohnt hätte zu bleiben.
Aber Samuel wusste nicht, dass seine Mutter weggehen würde. Er wusste nicht, dass sie sich schon seit Monaten darauf vorbereitete, insgeheim, Schritt für Schritt. Nach und nach schaffte sie Dinge aus dem Haus. Ein [...]

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Nathan Hill

Nathan Hill

Nathan Hill, geboren 1978, lebt in Chicago und St. Paul, Minnesota, wo er an der University of St Thomas Englische Literatur unterrichtet. Seine Erzählungen erschienen in zahlreichen Magazinen und Zeitungen, sie waren nominiert für den Pushcart und den Barthelme Preis. »Geister« ist sein erster mehr ...

0 Themenspecial Veröffentlicht am 19.10.2016 von Piper Verlag

Familie, Politik, Verrat - das Debüt einer der wichtigsten neuen Stimmen der USA

Nathan Hills Roman ist vieles gleichzeitig: Eine Mutter-Sohn-Geschichte, eine College-Satire, ein zeitgeschichtlicher Roman und ein bisschen auch eine nordische Spukgeschichte.

Medien zu »Geister«

Rezensionen und Pressestimmen

Bücherschau (A)


»Ein facettenreicher Roman, der voll satirischer Schärfe die heutige amerikanische Gesellschaft beschreibt.«   

Deutschlandfunk Büchermarkt


»Ein vergnügliches Leseabenteuer, das Debüt eines großartigen Erzählers.«   

WDR 3 "Mosaik"


»Donald Trump ist zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Und Nathan Hill hat den tragikomischen, ausufernden Roman über eine Gesellschaft geschrieben, die das möglich gemacht hat. Er hat einen tiefen Blick in die Abgründe Amerikas geworfen.«   

Delmenhorster Kreisblatt


»Mit Leichtigkeit gelingt ihm das Schwierigste - dass nämlich der Kern der Handlung, die Suche eines Mannes nach dem ihm entsprechenden Leben, die Leser wirklich berührt.«   

Ö1 ORF (A)


»Fast unheimlich ist es, wie er Stimmungen kippen lassen kann. Zwischen Lachen und Betroffenheit liegt dann oft weniger als ein Absatz, was ›Geister‹ nicht nur zu einem überaus abwechslungsreichen, sondern auch geisterhaft schönen Buch macht.«   

Brigitte "Last-Minute-Geschenke"


»Lang, fesselnd, intelligent erzählt: ›Geister‹ von Nathan Hill hat alles, was ein perfektes Buchgschenk ausmacht.«   

Ruhr Nachrichten


»Nathan Hill hat einen fesselnden Roman geschrieben, der zudem durch seine sprachliche Ausdruckskraft überzeugt.«   

Abendzeitung


»Akkurat wie eine Spinne verknüpft Hill die verschiedenen Erzählfäden, wobei sich das perfekte Muster in seiner Gänze erst nach 800 Seiten zu erkennen gibt.«   

Hamburger Morgenpost


»Das Werk glänzt mit einem beeindruckenden Sprachgefühl und großartig gezeichneten Figuren.«   

BUNTE


»Familienroman der Extraklasse.«   

Berliner Zeitung


»Nathan Hill ist ein Erzähler, der einen langen Atem hat, ein Gespür für schwingnde Variationen, die in einer dramatischen Pointe enden und ihren Pfeil ins Herz des Lesers schicken.«   

Börsenblatt


»Eine Geschichte mit Wucht und gutem Plot, einfach ein richtig schöner Schmöker.«   

Westfalenblatt, OWL am Mittwoch


»›Geister‹ ist mehr als ein Familienroman. Der Autor zeichnet ein treffendes Bild der amerikanischen Gesellschaft am Beispiel der Metropole Chicago von den Aufständen 1968 bis in die Gegenwart.«   

FAS


»›Geister‹ ist nicht ein Buch, es sind mehrere ineinanderverschachtelte Bücher. Es ist wie eine Matrjoschka, eine große Puppe, in der sich viele kleine verstecken. Jede hat ihre eigenen Gedanken, ihren eigenen Blick auf die Welt. Diesen Perspektivwechsel bekommt Hill so weich hin, dass man nicht mal bemerkt, wie man gerade aus dem Geist eines elfjährigen Jungen der neunziger Jahre in den einer jungen Frau der Sechziger umgestiegen ist.«   

Der Freitag


»›Geister‹ beeindruckt sehr. Denn der Unterhaltungsroman findet eine seltene, fast magische Balance.«   

Münchner Feuilleton


»Ein lesenswertes, intelligent erzähltes Debüt eines Autors, dessen Namen man sich merken sollte.«   

GLAMOUR


»Eine opulente Gesellschaftssatire mit Sogwirkung und viel amerikanischer Geschichte.«   

Brigitte "Die neuen Bücher"


»Eine Mutter-Sohn-Geschichte, eine College-Satire, ein zeitgeschichtlicher Roman, der von den Studentenrevolten der 60er-Jahre erzählt, und ein bisschen auch eine nordische Spukgeschichte: Dieser Roman ist sehr vieles gleichzeitig. Auf jeden Fall ist er großartig.«   

Kommentare zum Buch
1. Dieser Roman hat es in sich
lesenundmehr am 16.01.2017 - 09:01:09

Dieser Roman hat es in sich. Im wesentlichen ist es die Geschichte von Samuel Anderson, aber auch von all denen, die mit Samuel zu tun hatten oder haben. Es hat den Anschein, dass es ein Familienroman ist, gleichzeitig ist es aber auch eine Collagegeschichte, ein Gesellschaftsroman und so vieles mehr. In vielen kleinen Abschnitten werden die verschiedenen Personen eingeführt, existieren zunächst nahezu eigenständig, bevor sie nach und nach ihre feste Rolle in der Geschichte einnehmen und sich miteinander verweben. So entsteht letztlich ein großes Ganzes. Der Roman lebt von diesen Figuren, wie das Feuer vom Sauerstoff. Die Geschichte an sich ist gut und wunderbar abwechslungsreich geschrieben, doch ohne die Haupt- und Nebenfiguren wäre sie nichts. Samuel begleitet man die ganze Zeit über und baut daher eine besondere Beziehung zu ihm auf. Er ist ein sehr ungewöhnlicher Charakter mit vielen Ecken und Kanten, an welchen man sich wunderbar reiben kann. Ein Sonderling, den man in seiner Gegenwart begleitet, der aber schon am Anfang des Romans die Neugier weckt, wie seine (ganze) Vergangenheit aussah. Dem entsprechend spielt auch sie eine große Rolle. Doch auch die Nebenfiguren hatten es in sich, denn es waren alles Exoten mit irgendwelchen Macken. Erfreulicher Weise wirkten sie aber nicht klischeehaft, sondern einfach skurril und das so sehr, dass man sich stets auf den nächsten Abschnitt freute. Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefallen hat war, dass ich mich bei manchen Dialogen fühlte, als würde mich das Buch anschreien. Viele Dialogsätze, die eine einfache Aussage oder Antwort zum Inhalt hatten, wurden mit einem aggressiven Grundton ausgestattet, indem sie z.B. mit einen Ausrufezeichen abgeschlossen wurden. Dieses Stilmittel habe ich nicht begriffen und mochte es auch nicht, aber das ist sicher Geschmackssache.   Insgesamt ein wunderbares, facettenreiches Buch, welches nicht nur durch die großartigen Figuren zu fesseln versteht.

2. ich bin nicht #beGEISTERt
Fräulein Briest bloggt am 14.12.2016 - 12:43:55

Auf diesen Roman, „Geister“ von Nathan Hill, war ich sehr gespannt. Schossen doch die Lobeshymnen aus dem Boden. Freundlicherweise hat mit der herausgebende Verlag Piper ein Rezensionsexemplar zukommen lassen.   Darum geht es in dem Debütroman:   Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson. Er, der als kleines Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist.*   Nathan Hill, der mit „Geister“ seinen ersten Roman veröffentlichte, ist ein Meister der Erzählungen. In diesem Roman erzählt er die Geschichte des Literaturprofessors Samuel Anderson. Aber nicht nur dessen, sondern auch die der anderen vermeintlichen Nebenfiguren, die in ihren persönlichen Geschichten zu Protagonisten werden. So erzählt Hill die Geschichte der Beziehung zwischen Samuel und seinem Freund Bishop, die der Liebe zu dessen Zwillingsschwester Bethany. Die Lebensgeschichte der Mutter Faye, die wiederum einen Raum für die Geschichte der Studentenbewegungen im Chicago der 1968er Jahre schafft. Die Herkunftsgeschichte des Vaters, der in jungen Jahren aus Norwegen immigrierte, die Geschichte der Studentin Laura, die den Professor Samuel Anderson den Lehrstuhl an der Universität kostet, die des Lebens des Chicagoer Polizisten und späteren Richters Charlie Brown, der ebenso eine Rolle spielte und spielt, wie Sebastian, der Sams Leben maßgeblich und unwissentlich mit prägt, wie auch Alice, und viele andere.   Gekonnt verwebt Nathan Hill die verschiedenen Lebensgeschichten, die in verschiedenen Jahrzehnten spielen, in 864 Seiten zu einem Ganzen und lässt den Leser an diesem Punkt den Sinn, die „Geister“, erkennen.   Der Autor nimmt den Leser mit in einen Roman über eine große und (fast) lebenslange Liebe, die dennoch nur einen Nebenschauplatz einnimmt, kritisiert gleichzeitig das gesellschaftliche System der USA, von den 68ern bis heute, von der Mittelklasse bis in die Upperclass, mahnt das politische System an und spiegelt deren Käuflichkeit wieder und ist gleichzeitig ein Roman über die Psychologie des Menschen, die sich wiederholenden Verhaltensmuster und die Wichtigkeit der Herkunftsgeschichte jedes einzelnen.   Ich persönlich habe mich durch das Buch gequält. Die Sprache Hills ist grandios und gut verständlich, doch kommt der Autor nur sehr langsam und langweilig und langatmig auf den Punkt . So ist es für Nathan Hill überhaupt kein Problem, einen Satz zu schreiben, dann alles, was in irgendeiner Weise mit dem Inhalt zu tun hat über 2-6 Seiten zu be- und umschreiben, um dann wieder auf diesen Satz zurückzukommen. Sicherlich hätte das Lektorat das Buch gut auf die Hälfte kürzen und dennoch den Sinn erhalten können.   Ich finde es schade, dass mir dieser Roman, der gebunden, sehr dick und ziemlich schwer ist, nur mittelmäßig gefallen hat. Während meiner 6(!)wöchigen Lesezeit kam ich immer wieder an die Grenzen meines Durchhaltevermögens. Dennoch habe ich mich aufgerafft und neu motiviert, in der Hoffnung, dass das Ganze auf ein fulminantes Ende mit einem obligatorischen „AHAAAAA!“ hinausläuft. So war es aber nicht. Es war eher ein leises, fast verschwindendes Ausklingen des Romans. Ebenso, als würde er den Leser, ebenfalls wie Faye, die Mutter, heimlich und leise verlassen.       Der Autor Nathan Hill ist 38 und lebt in Chicago und St. Paul, Minnesota, wo er an der University of St Thomas Englische Literatur unterrichtet. Seine Erzählungen erschienen in zahlreichen Magazinen und Zeitungen, sie waren nominiert für den Pushcart und den Barthelme Preis. »Geister« ist sein erster Roman und wird derzeit in über zwanzig Sprachen übersetzt.   € 25,00 864 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag Übersetzt von: Katrin Behringer, Werner Löcher-Lawrence ISBN: 978-3-492-05737-0 Herausgebender Verlag: Piper *Quelle: Piper

3. Eines der besten Bücher die ich dieses Jahr gelesen habe!
Jasmin am 09.12.2016 - 14:42:44

Auf den einen zum anderen Tag wird das Leben von Samuel, Literaturprofessor an einer Universität, auf den Kopf gestellt. Er erfährt das seine Mutter, die ihn in seiner Kindheit verlassen hat, einen wichtigen Politiker mit Steinen beworfen hat und deshalb gerade einen Prozess durchläuft. Kurz darauf erfährt er von seinem Verlagsagenten, dass sein Vertrag gekündigt wird da er das vor vielen Jahren versprochene Werk immer noch nicht geschrieben hat. Doch Samuel, der schon immer davon träumte ein Schriftsteller zu sein, bietet seinem Agenten an, eine Enthüllungsgeschichte über seine Mutter, die in den Medien "Packer-Attacker" (Packer ist der Nachname des Politikers, denn sie angegriffen hat) genannt wird, zu schreiben.   Ich habe über das englische Original "The Nix" sehr viel Gutes gehört und deshalb musste ich das Buch, als es in Deutsch erschien, unbedingt lesen. Deshalb hatte ich, zugegeben, große Erwartungen an den Roman, wusste jedoch nicht in welche Richtung diese Erwartungen tatsächlich gingen. Spielte eigentlich auch keine Rolle, denn "Geister" übertraf sie bei weitem. Schon nach wenigen Kapiteln war ich Teil einer Geschichte, die mich bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat. Ich habe zwar einige Zeit gebraucht um den Roman zu lesen, doch das lag weniger an der Dicke des Buches und mehr daran, dass ich es sehr bewusst gelesen habe und es hin und wieder sogar zur Seite gelegt habe um über das Gelesene nachzudenken.   Ich musste er das Buch beenden bevor ich sagen konnte, was das Hauptthema des Buches ist, da Nathan Hill sehr viele gesellschaftliche Probleme unserer Zeit angesprochen hat. Besonders beeindruckt hat mich auch, wie nebenbei er diese etwa erwähnt hat und diese obwohl sie nicht im Fokus standen, dem Leser vor Augen geführt hat. Meiner Meinung dreht es sich in dem Buch vor allem um Entscheidungen. Im Laufe der Geschichte ändert sich ja nicht nur Samuels Leben, sondern auch das zahlreicher Nebencharaktere - eben weil sie große Entscheidungen getroffen haben. Nathan Hill zeigt uns hier, wie Menschen mit Fehlentscheidungen umgehen, richtige Entscheidungen treffen und vor allem was passiert wenn man keine Entscheidungen trifft und sich einfach im Fluss des Lebens treiben lässt. Da ich selbst gerade anfange erwachsen zu werden und mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen, hat dieses Buch deshalb bei mir genau ins Schwarze getroffen und mich sehr bewegt.   Nicht nur das Thema Entscheidungen hat mich in diesem Buch berührt, auch die Geschichten der unterschiedlichen Charaktere bewegten mich sehr und sie haben mich während des Lesens sehr viel durchleben lassen. Sehr gut gefallen hat mir auch der ruhige Schreibstil von Nathan Hill, welcher das Lesen sehr angenehm gemacht hat. Toll fand ich auch, dass er im Laufe des Buches auch einige Kapitel im Stil einer Entscheide-du-Geschichte gemacht hat. Eine tolle Idee, die wieder das Thema Entscheidungen hervorhebt und gleichzeitig auch Abwechslung bringt. Ich kann also wirklich sagen, dass mich das Buch schwer beeindruckt und auch beeinflusst hat. Es ist eines dieser Bücher die zeigen, das man nur ein Leben hat und man selbst diejenige oder derjenige ist, die/der die Zügel in der Hand hat. Deshalb möchte ich meine Rezension, von einem Buch das ohne Frage einer meiner Jahreshighlights ist, mit folgendem Zitat abschließen:   "Jede wirkliche Veränderung sollte dir zunächst einmal Angst machen. Wenn sie dir keine Angst macht, dann ist es keine wirkliche Veränderung."   FAZIT: Nathan Hill hat mich "Geister" ein beeindruckendes Debüt geschrieben, das mich zutiefst bewegt hat. Deshalb zählt es für mich auch zu den besten Büchern die ich dieses Jahr gelesen habe und ich werde das Buch auch nächstes Jahr ganz bestimmt noch einmal lesen.

4. Geister
Miss.mesmerized am 18.10.2016 - 18:52:17

Ein Griff nach Kieselsteinen, ein Wurf, ein Skandal. Eine scheinbar unbescholtene Frau attackiert einen Präsidentschaftsbewerber und die Medien reiben sich die Hände: ein Skandal, den man ausschlachten kann. An dem Literaturprofessor Samuel geht das völlig vorbei. Frustriert von seinem Dasein verbringt er die meiste Zeit mit Online-Spielen. Dass ihm eine Studentin ernsthaft droht und seine bescheidene Karriere zerstören will, passt da nur ins Bild. Erst als er realisiert, dass die Steinewerferin seine Mutter ist und diese offenbar 1968 eine entscheidende Rolle in den Chicagoer Studentenprotesten gespielt hat, wird Samuel in die Realität zurückkatapultiert. Wer ist diese Frau, die ihn geboren, aber schon in jungen Jahren verlassen hat und welche Geister der Vergangenheit hat sie mit ihrer Attacke heraufbeschworen?   Nathan Hills Erstlingswerk ist mächtig. Die rund 850 Seiten lassen einen erst einmal zucken, doch dann fliegen die Seiten nur so dahin. Sowohl Samuels Geschichte in der Gegenwart, sein wenig zufriedenstellendes Dasein, sein Ärger mit den Studenten - leider kommt gegen Ende die Geschichte um Laura viel zu kurz, ein wirklich unterhaltsamer Charakter, der mir mehr als einmal ein Grinsen ins Gesicht zaubern konnte - seine Spielsucht ist authentisch geschildert und sicherlich weit weniger individuell als man zunächst glauben mag. Seine Kindheitsschilderungen, geprägt durch die Brille des Kindes, das nicht alles versteht, nur Teile sieht und die Zusammenhänge erst spät nachvollziehen kann, konnten überzeugen. Am stärksten jedoch ist ganz sicher der Handlungsstrang um Faye und die Studenten 1968. Wie aus dem braven und strebsamen Mädchen eine vermeintliche Prostituierte und Rebellin werden konnte, wird glaubwürdig nachvollziehbar beschrieben. Als weiterer Aspekt wird die Vergangenheit von Samuels Großvater und seine undurchsichtige Flucht aus Norwegen eingeflochten, auch hier spannende Wendungen und Geheimnisse, die nach und nach gelüftet werden.   Ein insgesamt vielseitiges Buch, das parallel mehrere Handlungen gekonnt miteinander verwebt, ohne den roten Faden zu verlieren. Sich auf dieser Länge nicht zu verheddern, ist eine Kunst, die Nathan Hill wirklich beherrscht. Auch die verschiedenen Motive der Figuren greifen am Ende glaubwürdig ineinander, es bleiben keine Fragen offen, so dass man eine runde Geschichte hat, die sich über mehrere Generationen zieht. Auch schafft es Hill sein Tempo an die Handlung anzupassen, die Aufstände werden mit kurzen Kapiteln und schnell wechselnden Perspektiven geschildert, die Rückblicke in die Kindheit verlaufen langsamer und intensiver. Handlung und Ton finden so stimmig zueinander.   Ein toller, vielseitiger Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.

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