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Evil Miss Universe

Evil Miss Universe - eBook-Ausgabe

Tobias O. Meißner
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Roman

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Evil Miss Universe — Inhalt

Sie ist Superschurkin, unerbittlich, rücksichtslos und betörend schön: Dominique macht es den Männern im Universum wirklich nicht leicht. Es gibt eigentlich nur einen, der ihr annähernd das Wasser reichen kann – Mr Right, ihr geheimnisvoller Rivale, der nichts unversucht lässt, ihre finsteren Pläne zu durchkreuzen. Zum Glück zählt Dominique einen jungen Mann zu ihrem Gefolge, der alles für sie tun würde. Auch wenn das bedeutet, dass er Mr Right für sie töten muss ... Das humorvolle Superheldinnen-Spektakel von Tobias O. Meißner hält unserer Welt den Spiegel vor.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 02.09.2019
320 Seiten
EAN 978-3-492-99445-3
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Leseprobe zu „Evil Miss Universe“

Teil 1

Die Gefeierte


Ihr erinnert euch sicher noch an Dominique.

Fünf Jahre lang war sie aus den Weltnachrichten nicht wegzudenken, anfangs als kuriose, aber fesselnd attraktive Kunstperson, dann wurde nach und nach ihr verbrecherisches Vorgehen offensichtlich. Schließlich wurde sie nach kurzer Schreckensherrschaft als Superschurkin von ihrem schlimmsten Widersacher, dem Superhelden Mister Right, in die Luft gesprengt. Ihr kennt das Video der Explosion zur Genüge, die Rauchspuren der ins Meer trudelnden Trümmerstücke. Mister Right, der in Wirklichkeit nie [...]

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Teil 1

Die Gefeierte


Ihr erinnert euch sicher noch an Dominique.

Fünf Jahre lang war sie aus den Weltnachrichten nicht wegzudenken, anfangs als kuriose, aber fesselnd attraktive Kunstperson, dann wurde nach und nach ihr verbrecherisches Vorgehen offensichtlich. Schließlich wurde sie nach kurzer Schreckensherrschaft als Superschurkin von ihrem schlimmsten Widersacher, dem Superhelden Mister Right, in die Luft gesprengt. Ihr kennt das Video der Explosion zur Genüge, die Rauchspuren der ins Meer trudelnden Trümmerstücke. Mister Right, der in Wirklichkeit nie etwas anderes war als ein blasierter Aufschneider, erzählt diese Heldentat auch heute noch gerne gegen ein paar Drinks.

Nur dass diese Geschichte gar nicht stimmt. Dominiques opernhaftes Finale im unergründlichen Blau des Mittelmeers durch die Hand Mister Rights ist bloß eine Legende, es ist nicht das, was damals wirklich geschah.

Ich kenne die Wahrheit, und werde diese Wahrheit nun ausführlich berichten. Weil ich der Meinung bin, dass es eine erzählenswerte Legende ist. Dass sie vielleicht sogar nur mit ihrem wahren Ende eine erzählenswerte Legende ist, die eben nicht ausschließlich von Superverbrechen und Supervergeltung handelt. Eine Legende, die vielleicht sogar eine Moral besitzt, aber das kann ich nicht beurteilen, das muss ich euch überlassen.

Wer ich bin?

Nun, ich bin eine Person, die in dieser Legende durchaus eine Rolle spielt. Aber ich möchte noch nicht aufdecken, wer von den Figuren ich bin. Ihr mögt es selbst herausfinden. Vielleicht kläre ich es auch im Laufe meiner Erzählung schon auf, das weiß ich noch gar nicht. Mal sehen.

Jedenfalls habe ich die Teile der Geschichte, die ich nicht persönlich miterlebt habe, sehr gründlich recherchiert. Alle meine Quellen liegen offen: Es sind die Personen, die bei den jeweiligen Begebenheiten dabei waren.

 

Wo also fange ich an, angesichts eines Geschehens, das den ganzen Globus in Atem hielt?

Am besten dort, wo sich alles erst so richtig zugespitzt hat: in Paris.

Mit Dominiques geheimem Stützpunkt: dem Turm von Montparnasse.

Der Tour Montparnasse steckt mitten in Paris wie ein Monolith aus Kubricks 2001.

Vielleicht war diese fremdkörperartige Hässlichkeit der Hauptgrund dafür, warum Dominique sich dieses Hochhaus für ihren geheimen Stützpunkt ausgesucht hat. Oder es war seine ungefähre Ähnlichkeit mit dem prominenten New Yorker UNO-Hauptquartier. Oder die Tatsache, dass man ihn von überall in Paris aus sehen kann, genau wie den Eiffelturm, der zwar über hundert Meter höher ist, aber bei Weitem nicht so unpassend und finster.

Der Tour Montparnasse steht im 14. Arrondissement im Süden der Stadt und misst zweihundertundzehn Meter bei neunundfünfzig Etagen. Errichtet wurde er Anfang der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts. In der 56. Etage befindet sich das Restaurant Ciel de Paris mit atemberaubendem Panoramablick auf die vielleicht schönste, sicherlich aber romantischste Stadt Europas. Auf dem Dach (der 59. Etage) befand sich früher eine Schlittschuhbahn, die hat Dominique jedoch abschaffen lassen, das Gekufe und Gejauchze über ihrem Kopf ging ihr auf die Nerven. Sie hatte nämlich drei Jahre lang, bis zu ihrer Flucht aus Paris, die obersten beiden Etagen und das Dach gemietet: In der 57. waren sowohl das Großraumbüro ihrer weltumspannenden Verbrecherorganisation EMU untergebracht als auch der separate Tagungssaal ihres geheimen Rates, und in der 58. hatte sie ihre im Luxus schwelgenden Privatgemächer. Zumindest ihre Pariser Privatgemächer, sie verfügte selbstverständlich – wie es sich für die böseste Frau des Universums gehört – über noch weitere Ausweichdomizile woanders.

Statt der Eislaufbahn befand sich auf dem Dach ein Hubschrauberlandeplatz. Genau genommen war es jedoch kein Hubschrauber, den Dominique eigenhändig flog, sondern ein Autogyro, auch genannt Gyrokopter, oder einfach – in Gegensatz zu einem Hubschrauber – Tragschrauber. „Jeder Idiot hat heute einen eigenen Hubschrauber“, lautete Dominiques Meinung dazu. „Ich will etwas Ausgefalleneres.“ Und ausgefallen sind Tragschrauber tatsächlich: Weil sie im Gegensatz zu Hubschraubern völlig lautlos landen können. Das ist ideal für Heimlichkeiten.

Zurück zum Turm an sich. Kommt man über die Rue de Rennes geschlendert, mit ihren schönen alten Haussmann-Gebäuden und nicht ganz so alten Bagel-Läden und Modegeschäften links und rechts, die Frühlingssonne schimmernd von den hellen Wänden dieser fast völlig baumbefreiten Straße, kann man den Tour Montparnasse auch heute noch die ganze Zeit vor sich aufragen sehen wie eine Drohung. Oder wie etwas, das einen auf Schritt und Tritt beobachtet. Und das war ja tatsächlich in Dominiques Sinne. Viele Nichtpariser wissen gar nicht, dass die Arrondissements dieser Metropole auch Namen tragen. Das 14. heißt Observatoire. Man sieht: Dominique dachte an alles.

Wie gesagt: der Turm ähnelt dem UNO-Building, dunkelbraun und gläsern, aber schlanker und fitter. Unten sind auch heute noch die Galeries Lafayette, kein Museum, falls einer das nicht kennen sollte, sondern ein Einkaufsparadies, ein Konsumtempel. Dominique hatte sich nicht nehmen lassen, den Schriftzug ihrer eigenen Organisation – EMU, das steht für Evil Miss Universe – mitsamt dem symbolischen Laufvogel-Umriss eines Emus in leuchtenden Lettern auf der braunen Rundummarkise anbringen zu lassen. Dass sie die weltgrößte Superschurkin war, stellte niemals ein Geheimnis dar. Es gab kaum Konkurrenz. In Asien tat zwar Lady Dragon wichtig, aber die herrschte lediglich mit eiserner Hand über den Drogenhandel und war eher heimlichtuerisch als glamourös. Von solchen herkömmlichen und schmutzigen Verbrechensspielarten hielt Dominique überhaupt nichts. In den USA tummelte sich noch eine Handvoll in knallenges Latex gewandeter weiblicher Supervillains, aber keine von denen tanzte länger als einen Sommer, bevor sie zeternd und unvorteilhaft abgelichtet hinter Schloss und Riegel landete. Oder als Centerfold im Playboy, was vielleicht von Anfang an ihr Karriereziel gewesen war. Oder worauf sonst lassen Künstlernamen wie Sexy Sadist, Madam Web, Doominatrix, Stiletta oder Hi Heels Drifter schließen?

Dominique war von Anfang an anders. Ihr Metier waren nicht Brutalität und Schießereien – obwohl sie dem einen oder anderen Bandenkrieg besonders in ihrer Marseiller Zeit keinesfalls aus dem Weg ging –, als vielmehr kreative, fast schon künstlerisch zu nennende Extravaganz. Ihre verrückten, kostspieligen Roben waren ein Teil dieses Konzepts. Sie trug nicht ein Kostüm, sondern deren tausende, an jedem Tag ein anderes, mehr eine Diva als eine herkömmliche Superschurkin.

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wusste fast die ganze Welt, wo sich ihr geheimes Hauptquartier befand. Aber gerade deswegen war es so geschickt gewählt. Welcher Geheimdienst wollte es auf sich nehmen, eine Wolkenkratzerspitze von einem Hubschrauber aus mit Lenkraketen zu beschießen – und damit in den Nachrichten Bilder heraufzubeschwören, die an 9/11 erinnerten, während man dabei ja auch noch die Pariser Zivilbevölkerung gefährdete? Nein, der größte Fehler, den eine Superverbrecherin wie Dominique hätte begehen können, wäre es gewesen, ein einsam gelegenes Anwesen an der Côte d’Azur zu beziehen. Aber das größte Hochhaus mitten in einer 2,2-Millionen-Stadt? Diese Festung war so gut wie uneinnehmbar. Man hat es zweimal mit Sonderkommandos versucht. Einmal von unten – dieses Kommando scheiterte an den Sicherheitssystemen der 57. Etage. Einmal vom Dach aus, mit Fallschirmen hatte man den Autogyro-Landeplatz erobert. Aber Dominique hatte das beste Panzerglas der Welt in ihrer Etage. Man versuchte, sich zu ihr durchzusprengen, und musste schließlich aufgrund der eigenen Kollateralschäden abbrechen. Und einmal kappte man die Stromversorgung des gesamten Turms. Was besonders in den Galeries Lafayette eine unbeschreibliche Panik auslöste. Teuerste Lebensmittel begannen, in den Kühltruhen zu verrotten. Dominique jedoch schaltete einfach auf ihr in der 57. Etage untergebrachtes autarkes Notstromsystem um und twitterte munter, dass sie für eine dreijährige Belagerung bestens ausgestattet sei. Man beendete diesen Versuch schon nach drei Stunden, um die Galeries Lafayette nicht zu ruinieren.

Nein, der Turm war sicher. Eher versuchte man, Dominique außerhalb des Turms anzugreifen. Aber dazu später mehr.

Man merkt, dass ich nicht erfahren darin bin, komplexe Geschichten schlüssig aufzubereiten. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so sehr schwirrt mir der Kopf vor lauter Informationen. Soll ich kurz vorm Ende ansetzen, um schamlos die Spannung zu schüren, wie das Bestsellerautoren machen? In dem Moment, in dem Mister Right den Raketenwerfer auf den Autogyro anlegt? Oder nicht doch eher in Dominiques Jugend? Also der Chronologie folgen wie in einer anständigen Biografie. Aber von Dominiques Jugend erfuhr ich ja erst sehr spät, beinahe zuletzt.

Nein, ich werde bei Luc anfangen. Dem Liftboy. Weil der so eine extrem wichtige Rolle in dieser Geschichte spielt. Und dann am besten bei der Sache mit den Kronjuwelen, weil das so etwa die Zeit war, in der Luc Dominique zum ersten Mal begegnete.

Tobias O. Meißner

Über Tobias O. Meißner

Biografie

Tobias O. Meißner, geboren 1967, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Seine Romane werden von der Kritik hochgelobt. Meißner wurde von der Zeitschrift „Bücher“ als einer der „10 wichtigsten Autoren von morgen“ ausgezeichnet. Bei Piper sind u.a. die apokalyptischen Epen um „Die Dämonen“ sowie...

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