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Die Douglas-Schwestern – Die Parfümerie der Träume (Die Parfümerie 3)

Charlotte Jacobi
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Roman

„Eine Zeitreise in die Vergangenheit der Hansestadt, detailliert und liebevoll erzählt.“ - Gong

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Die Douglas-Schwestern – Die Parfümerie der Träume (Die Parfümerie 3) — Inhalt

Die Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers „Die Douglas-Schwestern“

Von Hamburg in die weite Welt!

Hamburg, 1929: Die Schwestern Hertha und Lucie haben von ihren Patentanten die florierende Parfümerie Douglas geerbt, in der sie bereits seit vielen Jahren tatkräftig mitarbeiten. Jetzt ist Lucie frisch verliebt und Hertha ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden. Dennoch sind die beiden wild entschlossen, das Lebenswerk ihrer Tanten erfolgreich in die Zukunft zu führen. Auch als die Weltwirtschaftskrise zuschlägt, lassen sich die jungen Frauen nicht unterkriegen. In einer Zeit, in der die Politik immer nationalistischer wird, kämpfen sie dafür, den Zauber der Düfte in alle Welt zu tragen.

Erleben Sie die Parfümerie Douglas zwischen Börsencrash und Aufschwung und erfahren Sie, wie das Hamburger Imperium die neuen Herausforderungen gemeistert hat!

Charlotte Jacobi ist das Pseudonym des SPIEGEL-Bestseller-Autorenduos Eva-Maria Bast und Jørn Precht. Die Überlinger Journalistin ist Verlegerin und Chefredakteurin, der Stuttgarter Hochschulprofessor ist Drehbuchautor für Kino- und TV-Produktionen. Nach dem Erfolg der „Elbstrand-Saga“ standen sie auch mit ihrem Roman „Die Douglas-Schwestern“ wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 01.12.2022
464 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-31889-1
Download Cover
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.12.2022
464 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-60187-0
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Leseprobe zu „Die Douglas-Schwestern – Die Parfümerie der Träume (Die Parfümerie 3)“

Prolog

1928

Kaum hatte das vertraute Glöckchen geklingelt, kaum war die Ladentür ganz geöffnet worden, wehte Eugenie Schalt ein Hauch der verschiedensten Duftnoten in die Nase. Zu den betörenden Essenzen passte die edle Einrichtung des Geschäfts mit seinen Glasregalen voller Flakons in völlig unterschiedlichen und faszinierenden Formen. Der goldene Glanz einiger Verzierungen harmonierte vorzüglich mit dem Braun der edlen Holzvertäfelung an den Wänden und dem Türkiston der lackierten Theken, deren Farbe von der New Yorker Freiheitsstatue inspiriert war. [...]

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Prolog

1928

Kaum hatte das vertraute Glöckchen geklingelt, kaum war die Ladentür ganz geöffnet worden, wehte Eugenie Schalt ein Hauch der verschiedensten Duftnoten in die Nase. Zu den betörenden Essenzen passte die edle Einrichtung des Geschäfts mit seinen Glasregalen voller Flakons in völlig unterschiedlichen und faszinierenden Formen. Der goldene Glanz einiger Verzierungen harmonierte vorzüglich mit dem Braun der edlen Holzvertäfelung an den Wänden und dem Türkiston der lackierten Theken, deren Farbe von der New Yorker Freiheitsstatue inspiriert war. Eugenie genoss es am Morgen jeden Werktags aufs Neue, die Parfümerie Douglas an der Hamburger Binnenalster zu betreten. So auch am heutigen Dienstag, den 1. Mai 1928. Konnte es einen schöneren Arbeitsplatz geben?

Einst hatte ihr ehemaliger Verlobter, Polizist Robert Bethge, ihr die Tätigkeit als Parfümverkäuferin verboten. Krankhaft eifersüchtig, wie er war, hatte er unterstellt, sie schäkere hier mit männlichen Kunden. Und teilweise, überlegte Eugenie, hatte er damit sogar recht gehabt: Denn tatsächlich war das gemeinsame Aussuchen eines passenden Dufts wie ein Flirt. Ein Flirt mit der Persönlichkeit des Gegenübers, mit den Wohlgerüchen, mit der Schönheit des Lebens.

Dass Eugenie so lange an Roberts Seite geblieben war, schob sie auf ihre jugendliche Leichtgläubigkeit – immer hatte sie gehofft, er werde sich noch zum Guten verändern. Doch inzwischen war sie einunddreißig, und ihren einstigen Verlobten hatte sie bereits vor vier Jahren endgültig aus ihrem Leben verbannt. Grund genug hatte sie gehabt, denn Robert war nicht nur eifersüchtig gewesen, sondern hatte ihr sogar Gewalt angetan, sie wieder und wieder verprügelt und sie zuletzt sogar an einen Stuhl gefesselt. Als ihre Freundinnen gekommen waren, um sie zu befreien, war er so unglücklich die Treppe hinuntergestürzt, dass er seither das linke Bein nachzog. Inzwischen lebte er glücklicherweise in München, und sie hoffte, ihn nie wiederzusehen.

Zu ihrem Erstaunen trat nun nicht die Buchhalterin aus dem Hinterzimmer, sondern Eugenies jüngere Kollegin Hertha Mülder.

„Moin, moin“, grüßte die Braunhaarige fröhlich.

„Was machst du denn hier?“, wunderte sich Eugenie. „Bei dir müsste es doch jeden Augenblick so weit sein.“

Tatsächlich konnte auch Herthas extravagantes, weit geschnittenes Kleid nicht verbergen, dass sie kurz vor der Niederkunft stand. Ihr zweites Kind würde demnächst das Licht der Welt erblicken, und alle aus dem Dunstkreis der Parfümerie Douglas freuten sich für sie.

„Mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“, gestand Hertha.

„Kannst du dich nicht in eurem Atelier vergnügen?“, fragte Eugenie. Ihre Freundin war ebenso künstlerisch begabt wie deren Vater, der Landschaftsmaler Johannes Harders. Hertha hatte schon etliche Ausstellungen in Galerien platziert, und auch hier in der Parfümerie hingen mehrere Bilder von ihr. Eigentlich widmete sie sich in jeder freien Minute ihren Gemälden – laut eigenen Angaben wurde es ihr deshalb nie langweilig.

„Ach, seit mein Bauch so unfassbare Dimensionen angenommen hat, kann ich mich nicht aufs Malen konzentrieren“, klagte Hertha jedoch. „Und natürlich braucht Hansi ständig Aufmerksamkeit. Außerdem vermisse ich unser Geschäft und die Menschen.“

„Wer passt jetzt gerade auf Hans-Jürgen auf?“, fragte Eugenie.

Hertha deutete auf die Tür zum Hinterzimmer. „Der schläft friedlich im Büro.“

„Wo ist denn Henny?“, wollte Eugenie wissen. Eigentlich hatte ihre Buchhalterin Henriette Henckel heute als Erste im Laden sein wollen. Seit am 18. Juni vorigen Jahres Anna Carstens, eine der beiden Parfümerieinhaberinnen, völlig unerwartet an einem Schlaganfall gestorben war, kümmerte sich die einstige Französischlehrerin Henny um die Geschäftsbücher.

„Sie hat meinen Besuch genutzt und ist eben zu Karstadt, ein paar Ordner und Papier holen“, berichtete Hertha.

Sie sah durch das Schaufenster auf den Neuen Wall hinaus – und plötzlich wirkte sie erschrocken.

„O nein, da kommt Marie mit meinem Vater“, sagte sie aufgeregt. „Wenn der mitkriegt, dass ich in meinem Zustand unser Haus verlassen habe, gibt es Ärger. Ich versteck mich lieber.“

Ehe Eugenie etwas antworten konnte, war Hertha zu ihrem zweijährigen Sohn Hans-Jürgen im Hinterzimmer verschwunden. Da bimmelte erneut das Glöckchen über der Ladentür, und die gewohnt elegant gekleidete Inhaberin Maria Carstens, die von ihren Freunden Marie genannt wurde, betrat mit Herthas Vater die Parfümerie. Der Mittfünfziger lächelte mit sympathischen Grübchen und trug inzwischen einen Vollbart.

„Moin, Marie, guten Morgen, Herr Harders“, grüßte Eugenie, „was verschafft uns die Ehre?“

„Ich begleite heute nur Fräulein Carstens, wir sind später mit meiner Frau im Alsterpavillon verabredet“, meinte der Kunstmaler.

„Und ich wollte kurz mit Henny über die Monatseinnahmen sprechen“, fügte Marie hinzu. „Ist sie im Büro?“

„Nein!“, rief Eugenie etwas zu hastig und zu laut. „Sie ist eben bei Julius, um Büromaterial zu kaufen.“

Julius Karstadt war der Lebenspartner von Maries verstorbener Schwester gewesen. Als Filialleiter des Hamburger Kaufhauses seines Onkels war es ihm möglich, der Parfümerie wegen der alten familiären Verbindung Rabatt auf Schreibwaren zu gewähren.

In diesem Augenblick erklang aus dem Hinterzimmer ein vergnügtes Quietschen.

„Was war denn das?“, fragte Johannes Harders argwöhnisch.

Eugenie geriet ins Stammeln. „Das … vielleicht eine Katze. Im Hinterhof …“

Zum Glück betrat in diesem Moment ein Kunde das Geschäft, was Herthas Vater und ihre Patentante Marie ablenkte.

Es handelte sich um einen hochgewachsenen Mann in seinen Zwanzigern, der stilsicher nach der neuesten Herrenmode mit einem Anzug im legeren Schnitt gekleidet war. Seine leuchtend blauen Augen bildeten einen interessanten Kontrast zu seinem dunklen Haar, das er sorgfältig zu einem Seitenscheitel gekämmt hatte. Eugenie fand ihn äußerst anziehend. Seit sie ihrem prügelnden Ex-Verlobten entkommen war, war sie Männern gegenüber eher argwöhnisch und vorsichtig gewesen. Dieser Kunde jedoch hatte etwas beruhigend Gutmütiges in seinem Lächeln. Sie wollte gerade auf ihn zugehen, da warf Marie Carstens ihr einen fragenden Blick zu und deutete stumm auf sich selbst. Die Parfümeriebesitzerin war in den letzten Jahren eher hinter den Kulissen und weniger im Ladengeschäft selbst tätig gewesen, und nach dem überraschenden Tod ihrer Schwester im vorigen Sommer hatte sie sich einige Monate komplett zurückgezogen. Jetzt aber verspürte sie offenbar das Bedürfnis, endlich einmal wieder einen Kunden zu beraten. Eugenie nickte ihr aufmunternd zu, wenngleich sie ein leises Bedauern empfand, nicht selbst mit diesem charmanten Herrn das Verkaufsgespräch führen zu dürfen.

„Guten Tag, womit kann ich Ihnen dienen?“, fragte Marie und strahlte den jungen Herrn freundlich an.

„Haben Sie den Herrenduft Spirit of Saint-Louis?“, erkundigte er sich, und Eugenie mochte seine dunkel-samtige Stimme auf Anhieb. Seine präzise Frage erstaunte sie. Selten wussten die Herren der Schöpfung so genau, welchen Duft sie wollten – zumindest nicht, wenn er derart neu war wie das von ihm gewünschte Parfüm, das die Firma Les Parfums de Rosine erst im vorigen Herbst herausgebracht hatte. Spirit of St. Louis war nach dem Flugzeug benannt, mit dem der amerikanische Pilot Charles Lindbergh im Mai des vorigen Jahres als Erster den Atlantik überquert hatte. Der Herrenduft war sehr begehrt und deshalb derzeit bei ihnen ausverkauft.

„Leider zurzeit nicht, wir warten noch auf Nachschub“, sagte Marie bedauernd. „Aber es ist eine sehr gute Wahl. Darf ich Ihnen stattdessen einen ganz neuen Duft vorführen?“

Sie nahm ein Fläschchen mit hellgelber Flüssigkeit aus einem Regal.

„Ah, Die Quintessenz“, erkannte der Kunde auf Anhieb und lächelte. „Mutig, dass Walter Rau ausgerechnet in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein neues Feinseifenwerk gegründet hat.“

Marie, ihr Vater und Eugenie warfen dem Besucher einen erstaunten Blick zu. Der Kunde schien vom Fach zu sein. Und die Zeiten waren in der Tat schwierig, da hatte er recht. Auch die Parfümerie Douglas hatte ganz schön zu kämpfen, seit es letztes Jahr, am Freitag, dem 13. Mai 1927, an der Berliner Börse plötzlich einen empfindlichen Kurseinbruch beim Aktienindex des Statistischen Reichsamtes gegeben hatte. Nicht umsonst hatte man von einem „Schwarzen Freitag“ gesprochen. Dies schien den Seifenfabrikanten Walter Rau jedoch nicht daran gehindert zu haben, neue Ideen umzusetzen.

„Ich weiß nur, dass er in Stuttgart ansässig ist“, gab Marie zu.

In diesem Moment betrat ein weiterer Kunde den Laden. Es handelte sich um einen etwas merkwürdig aussehenden Mann, der einen Kopf kleiner war als Eugenie, sehr abgemagert wirkte, zerschlissene Kleidung trug und einen unsteten, nervösen Blick hatte. Eigentlich hätte sie sich ihm gleich widmen müssen, doch Maries Gespräch mit dem ersten Kunden war viel zu interessant. Dieser fuhr mit seinem Bericht über den Hersteller des Dufts Die Quintessenz fort: „Walter Rau möchte mehr als die bekannte Kernseife zur Wäschereinigung herstellen. Ihm ist die Körperpflege wichtig, und …“

Da wurde er unterbrochen – der zweite Kunde, der sich etwas unsicheren Schrittes im Sortiment umsah, hatte ihn angerempelt.

Nachdem der Fremde mit gesenktem Blick eine knappe Entschuldigung gemurmelt hatte, wandte sich der Jüngere wieder den Frauen und seinem Bericht über den Stuttgarter Seifenfabrikanten zu. „Er will den Kunden die Inhaltsstoffe der Speik-Pflanze zugänglich machen. Die war ja fast in Vergessenheit geraten.“

Marie nickte anerkennend und hielt ihm das Fläschchen zum Schnuppern hin. „Wollen Sie?“

Doch er schüttelte den Kopf. „Nicht nötig, ich kenne den Duft schon.“

Er deutete auf ein Fläschchen hinter Marie, das wie die Front eines Automobils geformt war. „Ich würde dann aber eher auf Rolls Royce von Guerlain zurückgreifen.“

„Sie haben wirklich einen exquisiten Geschmack“, stellte Marie fest und nahm den ungewöhnlichen Flakon aus dem Regal.

Eugenie wollte sich gerade ins Gespräch mischen und den Schönen fragen, weshalb er über ein solch erstaunliches Wissen über Düfte verfügte, da wurde sie abgelenkt. Der zweite Kunde hatte, nachdem er auch noch mit Herrn Harders zusammengestoßen war, fluchtartig die Parfümerie verlassen, ohne etwas gekauft zu haben. Und im nächsten Augenblick ahnte sie auch, warum.

Nervös in seinen Taschen wühlend, erkannte der erste Kunde: „Mein Portemonnaie ist verschwunden.“

„Dieser Herr, der Sie angerempelt hat!“, rief Eugenie, eilte zur Ladentür und sah auf den Jungfernstieg hinaus. Von dem dürren Dieb war jedoch nichts mehr zu sehen.

„Verdorri noch ma!“, fluchte Johannes Harders. „Meine Brieftasche ist auch weg.“

„Oberwachtmeister Fedder hat letzte Woche vor Taschendieben gewarnt“, fiel Marie ein.

„Mist, da waren zwanzig Mark drin, die sehe ich nie wieder“, meinte der Kunde verdrossen. „Mein Geld für Hotel und Rückreise.“

„Bei mir waren die Ausweispapiere noch mit drin“, ärgerte sich Herthas Vater.

Eugenie schloss ernüchtert die Ladentür. „Der Dieb ist über alle Berge.“

„Ich rufe die Polizei, wir sollten wenigstens eine Beschreibung durchgeben“, sagte Marie und ging in Richtung des Hinterzimmers. Hertha und ihr kleiner Hans-Jürgen! Die hatte Eugenie in der Aufregung ganz vergessen.

Da öffnete sich die Bürotür, und die Hochschwangere trat in gekrümmter Haltung und mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Verkaufsbereich, gefolgt von ihrem semmelblonden zweijährigen Sohn.

Ihr Vater und Patentante Marie sahen Hertha verdutzt an. „Was machst du denn hier? Du bist …“

Doch sie unterbrach ihn keuchend: „Die Wehen haben eingesetzt.“

„Ich rufe ein Taxi zum Krankenhaus“, schlug Marie vor, aber ihre Patentochter schüttelte den Kopf.

„Nein, ich möchte doch eine Hausgeburt. Die Hebamme wohnt zwei Häuser weiter von uns und ist auf Abruf.“

„Mein Wagen steht gleich vorn an der Straße, ich kann Sie gern nach Hause fahren“, bot der Kunde an, „dann sparen Sie die Zeit, bis der Fahrer hier wäre. Es ist der Lieferwagen meines Vaters, wenn zwei auf der Ladefläche sitzen, hätten alle Platz. Wo wohnen Sie denn?“

„Am Eppendorfer Baum im Stadtteil Harvestehude“, erklärte Herthas Vater Johannes.

In diesem Augenblick kam Buchhalterin Henny Henckel mit dem Büromaterial von Karstadt zurück. Die schlanke Neunundvierzigjährige mit den roten Locken bemerkte die große Aufregung sofort.

„Henny, kannst du dich allein um den Laden kümmern?“, bat Marie Carstens. „Bei Hertha ist es so weit. Wir bringen sie nach Hause.“

„Aber natürlich“, entgegnete die Buchhalterin sofort. „Alles Gute!“

Hertha warf ihr einen dankbaren, aber schmerzverzerrten Blick zu.

***

Gut zwei Stunden später saßen Herthas Vater, Marie Carstens und Eugenie Schalt mit dem jungen Kunden, der sich ihnen inzwischen als Ehrhard Hunger vorgestellt hatte, im Atelier der Familie Harders. Kunstmaler Johannes hatte seinen kleinen Enkel Hans-Jürgen auf dem Schoß und fütterte ihn mit Plätzchen. Bei Kaffee, Tee und Kakao warteten sie zwischen vollendeten und angefangenen Gemälden auf Nachricht über Herthas Zustand, die oben im ersten Stock in den Wehen lag. Außer der Hebamme Fräulein Breipohl waren ihre Mutter Helene und ihre jüngere Schwester Lucie bei ihr. Ehemann Georg weilte mal wieder irgendwo auf Geschäftsreise.

Ehrhard Hunger hatte die Hochschwangere vorn im Lieferwagen mitgenommen. Deren Vater, die Patentante und Eugenie waren, wie von ihm vorgeschlagen, hinten auf der Ladefläche mitgefahren.

„Darf ich fragen, wieso Sie sich so gut mit Düften auskennen, Herr Hunger?“, fragte Marie schließlich.

Er lächelte. „Ich komme aus Göppersdorf, das ist ein ganz, ganz kleines Kaff bei Chemnitz. Und dahin hat meine Tante Gisela mich immer mitgenommen, wenn sie Seife verkaufen wollte. Deshalb habe ich mich schon als Kind für Düfte interessiert. Mich hat fasziniert, wie Gerüche spontan Erinnerungen zurückrufen können. Das duftende Lieblingskleid der Mutter, der vertraute Duft frischer Bettwäsche, das Rasierwasser meines Vaters …“

„Ja, Gerüche lassen uns in Gedanken an ferne Orte und in vergangene Zeiten reisen“, bestätigte Marie und fügte wehmütig hinzu: „Genau davon waren meine Schwester und ich vor zwanzig Jahren so fasziniert, dass wir unseren Traum von einer eigenen Parfümerie verwirklichen wollten. Leider ist Anna letztes Jahr an einem Schlaganfall gestorben, viel zu jung, genau wie früher unsere leibliche Mutter.“

„Das tut mir sehr leid“, entgegnete Ehrhard Hunger betreten. „So etwas ist furchtbar. Meine Tante Gisela hat vor zwei Jahren auch dieses Schicksal ereilt, dieselbe Todesursache. Plötzlich lag sie am Marktstand zwischen ihren Seifen. Es ging so schnell, keiner hatte damit gerechnet. Dabei wollten wir irgendwann gemeinsam ein Buch über die vielen Düfte und Parfüms dieser Welt zusammenstellen. Das werde ich nun wohl allein schreiben müssen.“

„Was für eine schöne Idee“, erwiderte Marie. „Eigentlich müssten Sie dafür unbedingt eine Freundin von mir kennenlernen, Madame Pauline Silberstein. Sie hat im Lauf von über fünfzig Jahren unendlich viel Wissen über Düfte angesammelt, aber leider leben sie und ihr Mann inzwischen wieder in Grasse.“

„Die Stadt der Düfte“, schwärmte Ehrhard Hunger. „Irgendwann würde ich auch gern dorthin reisen.“

„Was führt Sie denn nach Hamburg?“, erkundigte sich Eugenie.

„Ich habe heute um sechs Uhr abends ein Bewerbungsgespräch bei der Parfümerie Dralle“, antwortete er. „Dort wollte ich gerade heute natürlich nicht einkaufen, am Ende werde ich noch von der Person bedient, die mir später die Fragen stellt.“

„Dann drücken wir Ihnen die Daumen, auch wenn dadurch unser Konkurrent einen Vorteil mehr bekommt“, scherzte Marie.

In diesem Augenblick betrat Herthas jüngere Schwester Lucie das Atelier, und ein Strahlen erhellte das hübsche Gesicht der rotblond gelockten Dreiundzwanzigjährigen. „Hertha hat ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht“, rief sie zur Freude aller Anwesenden. „Beiden geht es bestens.“

„So schnell?“, wunderte sich Johannes Harders, der nun zum zweiten Mal Großvater geworden war. „Bei Hansi lag sie doch zwei Tage in den Wehen.“

„Fräulein Breipohl meint, es war eine Sturzgeburt“, berichtete Lucie. „Hertha ist natürlich froh, dass diesmal alles schon nach zwei Stunden vorbei ist. Nur ein Name ist ihr noch nicht eingefallen, das hat bei Hans-Jürgen ja ihr Mann entschieden.“

„Wie hieß noch mal Ihre Tante, die Sie der Welt der Düfte nahegebracht hat? Gisela?“, vergewisserte sich Marie bei Ehrhard Hunger. „Das wäre doch ein hübscher Name.“

„Danke“, entgegnete er sichtlich gerührt. „Was für ein wundervoller Einfall.“

Dann erhob er sich. „Ich werde mal besser aufbrechen. Ich darf mich ja nicht verspäten und will auch das Familienglück nicht länger stören. Bitte gratulieren Sie Frau Mülder ganz herzlich von mir.“

„Das mache ich sehr gern“, sagte Eugenie, die seinen Aufbruch ein wenig bedauerte.

Marie zückte ihr Portemonnaie und reichte ihrem Besucher einen Zwanzigmarkschein. „Ich möchte, dass Sie den annehmen – als Dank für den Fahrdienst und als Ausgleich für den Diebstahl. Der ist Ihnen ja schließlich in unserer Parfümerie widerfahren. Da rufe ich gleich an, unsere Henny wird Ihnen Rolls Royce von Guerlain kostenlos überlassen, wenn Sie dort auf dem Weg vorbeikommen. Als Glücksbringer für Ihr Bewerbungsgespräch.“

„Aber …“, setzte Ehrhard Hunger an zu protestieren, doch Marie fiel ihm sogleich ins Wort: „Keine Widerrede! Hat bei mir sowieso keinen Sinn, ich setze meinen Dickkopf immer durch.“

„Also gut“, gab Ehrhard Hunger sich geschlagen. „Aber wenn ich bald wirklich erfolgreich im Geschäft bin, bringe ich Ihnen das Geld zurück.“

„Tun Sie das“, meinte Marie. „Wir freuen uns, wenn wir Sie wiedersehen.“

Dem stimmte Eugenie in Gedanken von ganzem Herzen zu.


Teil 1

1929 – 1930

1

Das Schreien des Kleinkinds hallte durch das Reihenhäuschen am Eppendorfer Baum 20/III und war gewiss auch draußen auf der Straße zu hören. Vergeblich versuchte Hertha Mülder, Gisela zu beruhigen, indem sie die Kleine in ihren Armen wiegte. „Sch-sch, ist doch alles gut, Gischen, ist doch alles gut.“

Es war Dienstag, der 16. Juli 1929, und vier Jahre nach der Hochzeit und ihrer ersten eigenen Kunstausstellung hatte sich bei Hertha ein wenig Ernüchterung eingestellt. Sie kümmerte sich um die zwei kleinen Kinder, während ihr Gatte für die Parfümerie arbeitete. Die Kunst musste sie zu ihrem Leidwesen vernachlässigen. Eigentlich wohnte sie seit der Eheschließung bei ihrem Mann im verschlafenen Ort Garstedt, etwas außerhalb von Hamburg. Doch Georg war einmal mehr geschäftlich unterwegs, diesmal traf er sich mit Händlern aus Skandinavien, die er vor einem Monat bei der Nordisch-Deutschen Woche in Kiel kennengelernt hatte. Daher war Hertha gestern in ihr Elternhaus in Harvestehude gefahren – auch, um ein wenig im Atelier arbeiten zu können. Bisher war sie jedoch noch nicht von der Muse geküsst worden, die Kinder beanspruchten all ihre Aufmerksamkeit. Herthas Mutter, die Salonière Helene Harders, hatte ihr eigentlich mit den Kleinen helfen wollen, doch heute Vormittag war sie mit einem jungen Lyriker verabredet, der demnächst auf einer ihrer Soireen aus seinem Œuvre vorlesen sollte. Es war längst nach zwölf Uhr Mittag, und allmählich bekam Hertha Hunger. Helene hatte versprochen, heute ihr Leibgericht, Finkenwärder Maischolle, zuzubereiten, aber das würde gewiss noch Stunden dauern. Natürlich hätte sie sich selbst etwas kochen können, allerdings fehlte ihr dazu schlicht die Kraft. Sie litt an chronischem Schlafmangel und fieberte dem Tag entgegen, an dem die kleine Gisela nachts durchschlief.

Seit Wochen kam sie auch nicht dazu, den letzten Brief ihrer mütterlichen Freundin Pauline zu beantworten. Zumindest musste sie sich keine Sorgen um die einstige Parfümeurin und Malerin machen, die betonte nämlich in jedem ihrer Schreiben, wie glücklich sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem Filmpianisten Jakob Silberstein, im französischen Grasse war. „Ich kann Dir nicht genug danken, liebe Hertha, dass Du meinen Schatz für mich wiedergefunden hast“, hatte sie zum wiederholten Male zu Papier gebracht.

Gerade beruhigte sich die kleine Gisela auf ihrem Arm ein wenig, da klingelte es an der Haustür – und das Geschrei begann von Neuem. Hertha seufzte und sah zu ihrem Sohn hinüber, der sich am Boden des Ateliers friedlich mit seinem Spielzeugbauernhof beschäftigte. „Hansi, die Mutti geht eben nachschauen, wer das ist“, kündigte sie an und trat mit Gisela auf dem Arm in den Hausflur hinaus.

Sie öffnete die Tür und stand dann zu ihrem Erstaunen Ingeline Witt gegenüber, der alten Haushälterin der Familie Carstens. Die dürre Frau mit den grauen Locken war bleich und außer Atem. Sie musste von der Isestraße 89, wo sich Maries Wohnung befand, hergerannt sein.

„Fräulein Witt, was ist geschehen?“, fragte Hertha beunruhigt.

„Oh, es ist so schrecklich“, schluchzte die Ältere. „Das Fräulein Carstens … Sie ist heute Morgen nicht aufgestanden. Um Viertel vor zwölf habe ich dann in ihrem Schlafzimmer nach ihr gesehen. Da war sie ganz kalt. Ach, es ist so schlimm, das Fräulein Maria ist … gestorben.“ Dann versagte ihre Stimme vollends. Die Hausangestellte schlug die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich.

Hertha nahm die Information zur Kenntnis, wusste, dass nun einiges zu erledigen war, doch gefühlsmäßig erfasste sie noch nicht wirklich, dass zwei Jahre nach Anna nun auch ihre ältere Patentante gestorben sein sollte. Es konnte doch auch gar nicht sein! Bei ihrer letzten Untersuchung war Marie schließlich kerngesund gewesen, vom Brustkrebs seit Jahren geheilt. „Ich denke nicht, dass da noch was nachkommt“, hatte Dr. Hansen der Parfümeriebesitzerin zufrieden mitgeteilt.

„Kommen Sie doch erst mal herein“, bot Hertha der Haushälterin mechanisch an – einfach, weil es sich so gehörte. An sich hätte sie die Überbringerin der schlechten Nachricht jedoch am liebsten fortgeschickt, um sich ihrer eigenen Trauer zu widmen. In ihrem Inneren wiederholte sie wie ein schreckliches Mantra immer wieder den einen Satz: Deine liebe Patentante Marie ist tot! Sie bemerkte, wie der Kloß in ihrem Hals immer unerträglicher wurde. Doch es waren noch Fragen offen, die sie plagten.

„War denn ein Arzt bei ihr?“, erkundigte Hertha sich mit schwacher Stimme, nachdem sie Fräulein Witt Platz auf einem der Stühle im Atelier angeboten hatte.

Die nickte schniefend. „Dr. Hansen meint, es war eine Tablettenfehldosierung. Das arme Fräulein konnte doch kaum mehr schlafen – seit ihre Schwester vor zwei Jahren …“

Wieder stockte ihre Stimme, und schließlich stieß die Haushälterin traurig hervor: „Sie wollte doch nur ein wenig Ruhe und Frieden finden …“

Wie schrecklich das alles war! Die arme Marie! Herthas Gedanken rasten. Wie konnten sie ihr Lebenswerk retten? Was bedeutete ihr Tod für die Parfümerie? Gab es ein Testament? Sie musste ihrer Schwester Bescheid geben! Lucie weilte derzeit in Berlin, um neue Inspirationen für ihr Geschäft zu sammeln. Aber vielleicht konnte man sie telefonisch bei ihren Gastgebern, der befreundeten Parfümeursfamilie Scherk, erreichen?

***

Fasziniert sah sich die junge Hamburger Parfümeurin Lucie Harders im Romanischen Café um. Das namhafte Berliner Künstlerlokal befand sich bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Ortsteil Charlottenburg. Die aufwendig gestaltete neoromanische Innenarchitektur der beiden Räume selbst wirkte auf Lucie eher düster und schwer. Was es so interessant machte, waren die Stammgäste – hier verkehrten bekannte Schriftsteller, Maler, Schauspieler, Regisseure, Journalisten und Kritiker. Lucie saß mit dem Bühnenautor Karl Vollmoeller im Nebenraum, in dem etwa zwanzig kleine, runde Marmortische standen. Sie hatte den gebürtigen Stuttgarter vor fünf Jahren in New York kennengelernt. Der charismatische Talentförderer war durch seine guten Beziehungen schon vielen jungen Künstlerinnen und Künstlern bei deren Durchbruch behilflich gewesen. Unter anderem der inzwischen weltbekannten Tänzerin Josephine Baker, mit der Lucie sich bei ihrem Besuch in den USA angefreundet hatte. Sie bewunderte den einundfünfzigjährigen Tausendsassa zutiefst, war er doch nicht nur Schriftsteller, sondern auch Archäologe, Rennfahrer, bisweilen Politiker wider Willen und nicht zuletzt Filmschaffender.

Die Gäste hier lasen Zeitungen aus aller Herren Länder, Lucie schnappte Diskussionsfetzen zu den verschiedensten Themen auf – vom modernen Theater bis hin zur neuesten Verkehrsverordnung. Als sogenannte „Nase“ nahm die Duftexpertin auch die Parfüms wahr, die von den illustren Damen und Herren in ihrer Umgebung aufgetragen worden waren – und die größtenteils von edlem und hochmodischem Geschmack zeugten.

Sie sah, wie ein junger Mann an der Tür zum Nebenraum vergeblich mit einem Kellner stritt, der ihn nicht hereinlassen wollte.

„Das Café ist wegen der vielen renommierten Leute hier natürlich auch eine Anlaufstelle für werdende Künstler. Die hoffen darauf, sich an die Prominenz heranwanzen zu können“, erklärte Karl Vollmoeller angesichts der Szene schmunzelnd und nippte an seinem Kaffee. „Damit die schon Erfolgreichen solche Annäherungsversuche abwehren können, sind sie hier im Nebenraum unter sich. Man nennt ihn das Schwimmerbassin.“

„Dann ist die große Halle mit der Galerie vorne das Nichtschwimmerbassin?“, mutmaßte Lucie amüsiert und deutete hinüber in den Hauptraum, dessen nimmermüde Drehtür kaum stillstand und immer wieder weitere Gäste von der lärmenden Straße in das musiklose Café warf.

Karl nickte. „Drüben gibt es über siebzig Tische, auf der Galerie oben sitzen immer die Schachspieler. Aber eher jetzt am Tage. Auch wenn es hier ganz bewusst keine Musik gibt – abends ist das Stimmengewirr so groß, dass es doch recht laut wird. Und alles kennt sich. Wenn auch manchmal nur vom Wegsehen.“

„Herr Scherk hat mir erzählt, dass hier im März vor zwei Jahren die Nationalsozialisten alles kurz und klein geschlagen haben“, fiel Lucie ein.

Wenn sie in Berlin weilte, war sie stets bei der befreundeten jüdischen Parfümeursfamilie Scherk untergebracht. Und die war in großer Sorge wegen des zunehmenden Antisemitismus in Deutschland.

„Ja, das war bei dem Krawall, den die Idioten am Kurfürstendamm veranstaltet haben“, erinnerte sich Karl mit angewidertem Gesichtsausdruck. „Da sind diese Vandalen auch hier eingefallen.“ Mit einem Mal hellte sich sein Gesichtsausdruck wieder auf, und er rief: „Marlene!“

Lucie folgte seinem Blick und sah eine elegante Mittzwanzigerin in einem weißen Mantel hereinwehen. Sie hatte den Kellner, der immer noch damit beschäftigt war, den jungen Mann abzuwimmeln, ungehindert passiert. Ihre welligen dunkelblonden Haare traten unter einem Glockenhut hervor. Wie Lucie selbst hatte auch sie äußerst lange Beine, und ihre schmalen, dunkelrot geschminkten Lippen verzogen sich zur Andeutung eines Lächelns, als sie Karl erkannte – leicht spöttisch und doch verbindlich. Die Schöne kam zu ihnen an den Tisch, küsste Karl, und nun konnte Lucie sehen, dass die Augenbrauen komplett ausgezupft und mit einem Augenbrauenstift über der natürlichen Linie in einem Bogen nachgezogen waren.

„Setz dich doch“, bot Karl an. „Lucie, das ist Marlene Dietrich, eine hervorragende Schauspielerin. Lenchen, das ist die Parfümeurin Lucie Harders aus Hamburg.“

Die Aktrice zwinkerte Lucie zu. Sie setzte sich auf den freien Stuhl an ihrem Tisch und fragte Karl: „Was gibt es Neues?“

„Das Filmprojekt Rasputin wurde abgesagt, ich möchte, dass stattdessen Professor Unrat auf die Leinwand kommt“, verriet er.

Lucie war froh, dass sie dieses Buch kannte, so konnte sie mitreden. Sie wusste nicht, weshalb, doch sie wollte dieser etwas kühl wirkenden, aber äußerst charismatischen Frau imponieren. „Der Roman von Heinrich Mann? In dem der Professor wegen der jungen Rosa seine Existenz verliert?“

„Genau“, bestätigte Karl, „aber ich will, dass sie im Film Lola heißt, das rollt besser von der Zunge. Dann werde ich Marlene für diese Hauptrolle vorschlagen.“

„Det wird sowieso nüscht, ick bin viel zu dick“, berlinerte Marlene mit einer abwinkenden Geste.

Lucie konnte dieser Behauptung nicht zustimmen. Sie fand die Schauspielerin stilvoll und schön.

„Der Sternberg wird Regie führen, er soll dich in der Revue anschauen, dann krieg ich ihn schon von deinem Talent überzeugt“, meinte Karl.

„Ach, in den Zwei Krawatten bin ich doch viel zu wenig zu sehen, um irgendwen zu beeindrucken“, gab Marlene zu bedenken.

„Für mich hat’s gereicht“, entgegnete Karl grinsend.

„Ich mag Ihr Parfüm“, wagte Lucie nun erstmals das Wort an die junge Frau zu richten. „Veilchen – intensiv und exzentrisch.“

Marlene hob ohne erkennbare Gefühlsregung eine Augenbraue. „Ach ja?“

„Tja, unsere Lucie ist eine Nase. Sie kreiert selbst Parfüms und weiß bei allen, welcher Duft jeweils zu ihnen passt“, warb Karl.

Die Schauspielerin beugte sich ein wenig vor und sah ihr direkt in die Augen, was ihr Gegenüber noch nervöser machte. „Welchen Duft würden Sie mir denn … auf den Leib schneidern?“

Lucie schaffte es, den Blick nicht zu senken, und betrachtete die Schauspielerin genauer. „Amber und Weihrauch …“, murmelte sie versonnen, „mit einem Hauch von Tuberose und Jasmin.“

Zu ihrer Verwirrung streichelte Fräulein Dietrich ihre Wange und sagte liebevoll: „Das klingt sehr schön.“

In diesem Augenblick trat ein Kellner an ihren Tisch. „Sind Sie zufällig das Fräulein Harders?“

Sie sah ihn erstaunt an. „Ja?“

„Da ist ein Herr Scherk für Sie am Telefon. Er meinte, Sie seien mit Herrn Vollmoeller hier – und dass es dringend ist.“

„Entschuldigt mich“, sagte Lucie verunsichert und ließ sich von dem Mann zu einem Telefon an der Theke im großen Raum führen. Was konnte so wichtig sein, dass ihr Gastgeber sie bei ihrem Treffen mit dem Talentförderer störte?

Der Kellner überreichte ihr den Hörer, sie führte ihn zum Ohr. „Lucie Harders am Apparat.“

„Fräulein Harders, hier spricht Ludwig Scherk“, hörte sie die verzerrte Stimme des Parfümeurs am anderen Ende der Leitung. „Ich habe leider eine traurige Nachricht aus Hamburg für Sie erhalten. Ihre Schwester Hertha hat angerufen. Ich soll Ihnen ausrichten, dass Ihre Patentante Maria Carstens verstorben ist. Mein herzliches Beileid. Sie sollen baldmöglichst zurückrufen.“

Lucie spürte augenblicklich einen sauren Geschmack im Mund und begann zu zittern. Diese Nachricht fühlte sich noch unwirklicher an als jene, die ihnen Marie vor zwei Jahren über deren Schwester mitgeteilt hatte: „Anna ist an einem Schlaganfall gestorben.“ Und jetzt sollte auch Marie selbst tot sein?

„Wie … weshalb?“, stammelte Lucie mit schwacher Stimme.

Dann fiel ihr der Hörer aus der Hand, und ihre Knie gaben nach, der Kellner eilte gerade noch rechtzeitig herbei, um sie aufzufangen.

***

„Die sinnloseste Ausgabe ist die Errichtung einer Friedhofsmauer“, murmelte Georg Mülder mit betretener Miene, während er im dunklen Anzug am Arm seiner ebenfalls schwarz gekleideten Frau Hertha durch das Gittertor das parkartige Gelände verließ. „Die, die drinnen sind, können sowieso nicht raus, und die, die draußen sind, wollen nicht rein. Das ist übrigens ein Zitat von Mark Twain.“

„Ich glaube, es geht bei der Mauer eher darum, den Gedanken an den Tod dahinter wegzusperren“, erwiderte Georgs Gattin und rieb sich die müden Augen.

Mit seinen fast vierhundert Hektar war der Ohlsdorfer Friedhof einer der größten der Welt. An diesem Freitag, dem 19. Juli 1929, hatte hier vormittags um elf Uhr Maries Beerdigung stattgefunden. Sie war im Familiengrab der Carstens beigesetzt worden, wo bereits ihre Schwester Anna und ihr Vater Heinrich ruhten, der vor zehn Jahren gestorben war. Das Grab ihrer leiblichen Mutter in Kellinghusen war inzwischen aufgelöst. Stiefmutter Odile weilte derzeit mit ihrem zweiten Ehemann Philippe Lambert auf Korfu, daher war es Hertha nicht gelungen, die Achtundsechzigjährige zu erreichen und sie über das Ableben ihrer älteren Stieftochter zu informieren. Vielleicht war es aber auch besser so. Nachdem Odile ihre Reiseängste und die Trauer um die jüngere Stieftochter Anna zumindest notdürftig überwunden hatte, wollte Hertha ihr gern noch eine ahnungslose Gnadenfrist gönnen. Zumal sie es ja ohnehin nicht rechtzeitig zu Maries Beerdigung geschafft hätte.

„Dieser Bestatter nimmt es von den Lebenden“, erboste sich Georg auf dem Weg zum Automobil, und seine dunklen Augen funkelten zornig, während er sich eine Strähne seines gewellten braunen Haares aus dem Gesicht strich. Die anderen Beerdigungsgäste waren bereits auf dem Weg in die Parfümerie Douglas am Jungfernstieg, wo ab ein Uhr mittags ein Trauerumtrunk mit Häppchen stattfinden sollte. Hertha und ihr Mann waren jedoch zurückgeblieben, um noch mit Herrn Lauwigi vom gleichnamigen Bestattungsinstitut zu sprechen. Als dieser ihnen nochmals die Kosten aufgezählt hatte, war Hertha einmal mehr klar geworden, dass der Spruch „nur der Tod ist umsonst“ kein Fünkchen Wahrheit enthielt. Ihr Vater hatte sie dann aufgeklärt, dass es durchaus noch teurere Unternehmen gab und sein Freund Heinrich Lauwigi einer der preiswerteren und menschenfreundlichen Anbieter war.

Wahrscheinlich half es Georg in seiner Trauer, auf jemand böse zu sein, dachte Hertha. Sie selbst lenkte sich damit ab, andere zu trösten.

„Die arme Lucie steht völlig neben sich“, meinte sie besorgt, als ihr Mann das Automobil angelassen hatte und das Paar in Richtung Jungfernstieg fuhr. „Sie wirkte schon gestern am Bahnhof völlig schockiert.“

„Das bin ich auch“, gab Georg zu. „Es ist eine so morbide Zeit. Am Montag ist der Dichter Hugo von Hofmannsthal in Rodaun bei Wien an einem Herzanfall gestorben – vor Aufregung, weil sich am Sonnabend sein Sohn Franz erschossen hat. Mit sechsundzwanzig.“

„Oje, das habe ich gar nicht mitbekommen. Er hat so schöne Gedichte geschrieben“, meinte Hertha und rezitierte: „Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden, und leer und öde liegt die Straße wieder; nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden, da du ersehnest die verschmähten Lieder.“

Georg nickte mit feuchten Augen. „Ja, er war erst vierundfünfzig – von dem hätten noch viele schöne Verse kommen können.“

Hertha war wie so oft in den letzten drei Tagen den Tränen nah. „So viele verpasste Chancen überall.“

„Das Leben ist manchmal wie ein schlechter Roman“, murmelte Georg.

„Wie meinst du das?“, fragte Hertha.

„Wenn einem Autor nichts einfällt, um seiner Geschichte Tiefe zu geben, bemüht er den Tod“, knurrte ihr Mann. „Die Handlung hängt, schon sagt eine Figur: Ich habe Krebs oder irgend so was. Aber was will er uns damit erzählen? Dass es jederzeit für jede Figur vorbei sein kann? Das wissen wir auch so. Uns ist klar, dass er die Macht hat, jede Figur sterben zu lassen. Es ist also spannend genug. Mark Twain hat so was nicht nötig. Es gibt den Tod, das wissen seine Figuren, aber sie lernen zu leben.“

Hertha streichelte ihrem Mann zärtlich über die Wange. Sie wusste, dass er immer noch mit dem viel zu frühen Ableben seines Vaters vor über zehn Jahren haderte. Und Anna und Marie Carstens hatte er sehr bewundert und gemocht. Auch sie waren zu jung gestorben.

Schließlich kamen sie am Jungfernstieg an und betraten kurz darauf die Parfümerie Douglas. Dicht an dicht drängten sich die heute dunkel gekleideten Stammkunden und Freunde der Familie im Verkaufsbereich. Neben der gesamten Familie Harders sowie den Mitarbeiterinnen Eugenie Schalt und Henny Henckel waren Oberwachtmeister Fedder, die Kunstförderin Ida Dehmel, Gräfin zu Castell-Rüdenhausen sowie Marianne Ballin, die vierundsiebzigjährige Witwe des berühmten Reeders, ebenso gekommen wie deren Mitbewerber Anna und Hinnerk Nieland.

Emil von Seggern, Maries Lebensgefährte, stand mit verweinten Augen vor einer Fotografie der beiden Parfümeriegründerinnen, die ein Trauerflor zierte. Der gut aussehende Vierundvierzigjährige arbeitete in führender Position bei Krupp in Essen, weshalb das Paar eine Wochenend- und Ferienbeziehung geführt hatte. Zu einer Heirat hatten sie sich nie durchringen können. Doch sie waren, nach anfänglichen Schwierigkeiten, sehr glücklich gewesen, das wusste Hertha. Sie hatte Emil näher kennengelernt, als sie ihn im Januar vor sechs Jahren mit Marie besucht hatte – und sie von der Ruhrgebietsbesetzung durch die Franzosen überrascht worden waren. Sie schätzte ihn sehr.

Hertha lächelte Emil wortlos zu und drückte tröstend seine Hand.

„Jetzt sind sie beide fort“, ertönte da eine belegte Männerstimme neben ihnen.

Hertha drehte sich um und erblickte einen edel gekleideten Herrn in Emils Alter mit zurückgekämmtem hellbraunem Haar und braungrünen Augen – Julius Karstadt. Anna Carstens’ einstiger Lebenspartner hatte seiner großen Liebe nie einen Antrag machen können, da er noch mit seiner ersten Frau verheiratet war, die seit Jahren in einer psychiatrischen Anstalt lebte. In ihrer dauerhaften geistigen Verwirrung erinnerte sie sich zwar längst nicht mehr an ihn, aus rechtlichen Gründen konnte er sich jedoch nicht von ihr scheiden lassen. Obwohl sie beide also die Liebe gefunden hatten, waren die sogenannten Douglas-Schwestern somit unverheiratet gestorben.

„Es wird so unfassbar schwer werden ohne sie“, befürchtete Hertha. „Wie sollen wir nur ihr Lebenswerk fortführen – ohne ihren Rat?“

Da kam Lucie zu ihnen. „Sagt mal, kann es sein, dass die Häppchen sehr fad sind?“, erkundigte sie sich, einen Teller mit einem Pastetchen in der Hand haltend.

„Ich fand sie eigentlich recht würzig“, widersprach Julius, und Emil nickte bestätigend. „Ich auch.“

Lucie probierte erneut. „Ich schmecke nichts“, stellte sie verwirrt fest. Sie griff in ein Parfümregal, nahm einen Flakon heraus und sprühte sich etwas von dem Duft auf das Handgelenk. „Ich kann auch nichts mehr riechen“, rief sie panisch, nahm mit zitternden Fingern eine weitere Flasche heraus und sog aufgebracht die Luft ein. „Ich kann nichts mehr riechen“, wiederholte sie schluchzend – und ihr Entsetzen hätte nicht größer sein können, wenn sie plötzlich das Augenlicht verloren hätte.


2

Sie spürte, er war irgendwo im nachtschwarzen Raum. War das sein Atmen, das sie zu hören glaubte? Vergeblich wollte sie nach dem Schalter ihrer Nachttischlampe greifen, doch ihr Körper gehorchte ihren Befehlen nicht mehr! Immer größer wurde ihre Panik, denn sie wusste, diesmal würde er nicht in letzter Minute aufhören. Diesmal würde er erst von ihr ablassen, wenn sie tot war!

Und dann war er direkt vor ihrem Gesicht, ihr Gefühl täuschte sie ganz gewiss nicht. Sie wollte verzweifelt um Hilfe schreien, doch auch das gelang ihr nicht. Schließlich brachte sie immerhin ein Wimmern hervor. Sie bewegte den Oberkörper – und wachte auf! Eugenie Schalt schnappte nach Luft. Noch immer befand sie sich in ihrem Schlafzimmer, das wenige hereinfallende Licht einer Straßenlaterne ließ ihre Möbel zumindest schemenhaft erahnen. In jedem dieser düsteren Gebilde befürchtete sie ihren Ex-Verlobten Robert Bethge zu erkennen. Glücklicherweise gehorchte ihr Arm endlich wieder ihrem Willen, und sie erwischte nach einigen hektischen Versuchen den Einschaltknopf der Nachttischlampe. Im Bruchteil einer Sekunde war der Raum erleuchtet, über den sie nun geblendet ihren Blick schweifen ließ – hier schien niemand zu sein. Wieder ein Albtraum! Sie sah zu ihrem gemächlich tickenden Wecker – es war erst kurz nach vier Uhr. Und doch wusste sie, dass die Angst sie ab jetzt daran hindern würde, wieder einzuschlafen. Einmal mehr würde sie viel zu früh in die Parfümerie gehen, weil sie sich dort sicherer fühlte als in ihrer Wohnung. Das Stadtleben an der Binnenalster erwachen zu sehen, Zeitungsjungen, Milchwagen und andere Lieferfahrzeuge, das beruhigte sie ein wenig. Während sie sich müde die Augen rieb, um sich dann ins Badezimmer zu begeben, ärgerte sich Eugenie einmal mehr über sich selbst. Warum nur hatte sie Robert nicht sofort verlassen, als er sie das erste Mal krankenhausreif geschlagen hatte? Warum zum Teufel hatte sie ihm auch nur eine Sekunde geglaubt, dass „eine wie sie“ dankbar sein konnte für einen wie ihn? Doch eine Frage war noch viel belastender als jene, die um die Vergangenheit kreisten: Was sollte sie tun, wenn sie Robert irgendwann wiederbegegnen würde?

Eine halbe Stunde später, es war gerade erst kurz vor sieben Uhr, hatte sie die U-Bahn verlassen und war zu Fuß auf dem Weg zur Parfümerie. In den Alsterarkaden sah sie einen Mann um die sechzig, der gerade ein Schuhgeschäft aufschloss.

„Guten Morgen, Herr Humps“, rief sie ihm fröhlich zu.

„Moin, Fräulein Schalt, wie geht es Ihnen?“, erkundigte er sich.

„Ich hatte schlimme Albträume heute Nacht, da freut man sich regelrecht auf die Arbeit“, verriet sie.

„Ach, deshalb sind Sie heute so früh dran“, kombinierte der Alte. „Ich hab schönen Bohnenkaffee da. Lust auf eine Tasse?“

Das ließ sich Eugenie nicht zweimal sagen. Sie liebte sein gemütliches Schuhgeschäft mit Blick auf den Rathausplatz. Und der gutmütige Ladenbesitzer erinnerte sie auf angenehme Weise an ihren Vater, der Schuster in Danzig war. Herr Humps würde bestimmt wieder von seiner unerfüllten Liebe zu einer Dame von der Ostsee erzählen, die öfter in seinen Laden kam. Diese Vertrautheit und Gemütlichkeit waren für Eugenie im Augenblick äußerst heilsam.

***

Die U-Bahn zum Jungfernstieg war wie jeden Morgen überfüllt. Allerdings blieben einige Sitze leer – jene rings um einen sehr verlottert wirkenden älteren Mann mit einem ungepflegten Bart, wahrscheinlich ein Obdachloser. Lucie vermutete, dass sich keiner der anderen Fahrgäste neben ihn setzen wollte, weil er unangenehm roch, nach Knoblauch womöglich, nach altem Schweiß – oder Schlimmerem. Doch Lucie Harders ließ sich bei dem erstaunten Mann nieder, sie betrafen Gerüche nicht mehr, selbst die üblen nicht.

Seit nunmehr drei Monaten litt sie an komplettem Verlust des Geruchssinns. „Man nennt diese Krankheit Anosmie“, hatte ihr der Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Dr. Böwing-Treuding bei ihrem ersten Besuch Ende Juli erklärt. „Mindestens einer von hundert Menschen in Deutschland ist davon betroffen, vielleicht sogar mehr. Nicht jeder von denen geht ja damit zum Arzt, daher mag die Dunkelziffer noch höher sein.“

Ein wenig lasse der Geruchssinn im Alter ohnehin bei den meisten Menschen nach, oft bereits mit Mitte dreißig, hatte Dr. Böwing-Treuding ausgeführt, wobei Frauen grundsätzlich besser riechen könnten als Männer.

Doch die komplette Anosmie der ja erst vierundzwanzigjährigen Parfümeurin war damit nicht vergleichbar. Sie wusste, dass sogenannte Riechzellen in der Nase Informationen über den Riechnerv weiter ins Gehirn leiteten, wo die Gerüche verarbeitet wurden. Dieser Vorgang war bei ihr gestört – aus Gründen, die nicht bekannt waren. Selbst der erfahrene Arzt hatte die Ursache für ihr plötzliches Leiden nicht herausfinden können. Die eher seltenen Auslöser eines Geruchssinnverlustes – ein Tumor in der Nase oder Hirnleiden wie Parkinson oder die Alzheimer’sche Erkrankung – kamen laut der Untersuchungsergebnisse des Arztes bei Lucie genauso wenig infrage wie die häufigsten Ursachen der Anosmie: „Nasenscheidewandverbiegungen oder sinunasale Erkrankungen, also entzündliche Veränderungen der Nase und der Nebenhöhlen wie beispielsweise Polypen.“

Eine Riechstörung konnte laut Dr. Böwing-Treuding allerdings auch ohne erkennbare Ursache auftreten und in einigen Fällen durch starke seelische Verwundungen ausgelöst werden.

„Das hieße, weil meine Patentante gestorben ist, kann ich niemand mehr riechen?“, hatte Lucie mit freudlosem Lächeln nachgehakt.

Der Arzt hatte genickt. „So könnte man es formulieren, wenn man möchte.“

Ein normal riechender Mensch, so wusste Lucie mittlerweile, konnte etwa zwanzig bis dreißig Duftqualitäten unterscheiden, Parfümeure wie sie durch stetiges Üben jedoch mehr als das Tausendfache. Damit war bei ihr nun allerdings Schluss.

Lucie vermisste so viel, nicht nur ihre Parfüms: den Geruch des Hafens, das Aroma eines guten Rotweins, den Duft von Kaffee, Kakao und Blumen. Sie griff nach einem Brief in ihrer Handtasche, den sie gestern Abend begonnen hatte. Den wollte Lucie nun noch einmal lesen, bevor sie ihn nachher in der Parfümerie mit in die Tagespost gab. Das Schreiben war an ihren Brieffreund, den Dolmetscher Anjing Wang, gerichtet. Vor neun Jahren hatte sie sich unsterblich in den heute achtundzwanzigjährigen gebürtigen Chinesen verliebt – und er sich in sie.

Anjing war der erste und bisher einzige Mann, mit dem Lucie geschlafen hatte. Obwohl er wegen rassistischer Übergriffe aus Hamburg in die USA ausgewandert war und wohl nie zurückkehren würde, hatten sie sich bei ihrem bisher einzigen Besuch in New York ihrer gegenseitigen Liebe hingegeben. Ein halbes Jahrzehnt war das nun her, doch sie hatte jene unfassbar sinnlichen und lustvollen Stunden nie bereut. Auch wenn er inzwischen längst eine andere Frau geheiratet hatte – zu schön war die Erinnerung an das Gefühl, körperlich zu lieben und geliebt zu werden. Wie viel weniger aufregend wäre Sex wohl ohne den Duft der Haare des Partners, seiner Haut und seines Parfüms?

Lucies Blick überflog nun ihre eigenen Zeilen, in denen sie Anjings Fragen beantwortet hatte, wie es ihr denn gehe nach dem Tod ihrer Patentante und dem Verlust ihres Geruchssinns, der ja auch das Ende ihrer eigenen Parfümkreationen bedeutete.

Hamburg, den 14. Oktober 1929

Mein lieber Anjing!

Hab vielen Dank für Deinen Brief, über den ich mich wie immer sehr gefreut habe. Ich hoffe, Dir und Deiner Pei geht es gut!

Einige Dinge hier haben mich an Dich erinnert. Dein bester Freund Karl Vollmoeller hat mir geschrieben, dass letzten Donnerstag im Berliner Metropol-Theater eine neue Operette von Franz Lehár Premiere gefeiert hat: Das Land des Lächelns. Sie handelt von einer deutschen Grafentochter, die sich in einen chinesischen Prinzen verliebt. Und hier in Hamburg wurde am selben Abend im Ballhaus Cheong Shing an der Großen Freiheit ein chinesischer Verein gegründet. Die Zeitungen haben ganz freundlich darüber berichtet – die Handelsbeziehungen des Deutschen Reichs zu China werden wohl immer wichtiger. Die Arbeit als Dolmetscher wird Dir also nicht ausgehen.

Was meine Erkrankung und den schweren Verlust unserer Marie betrifft, so versuchen wir, uns durchs Leben zu kämpfen. „Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!“, das sagt meine Großmutter in Kellinghusen immer, und daran versuche ich, mich zu halten.

Im Alltag bin ich wegen meiner Krankheit von der Hilfe der Riechenden abhängig. Wenn ich mir unsicher bin, ob die Milch vielleicht sauer ist, dann frage ich meine Eltern. Das Essen ist für Anosmiker wie mich ohnehin oft eine reine Pflichtübung. Die Geschmacksknospen auf der Zunge erkennen wohl nur die vier Grundqualitäten süß, sauer, salzig und bitter. Das Aroma einer Speise wird allerdings über den Geruchssinn vermittelt, wobei Duftstoffe beim Essen über den Rachen von hinten in die Nase zum Riechepithel gelangen. Ich zwinge mich inzwischen aber tapfer, an den Mahlzeiten teilzunehmen, ich bin nämlich ohnehin schon zu dünn geworden. Und ich koche weiterhin – einfach, weil ich es früher immer gerne getan habe. Es ist dem Erstellen sinnlicher Parfüms ja gar nicht so unähnlich. Manchmal gesteht mein Vater, dass ich etwas zu scharf gewürzt habe, ich glaube aber, meistens verschweigen meine Eltern es mir gnädig und essen tapfer auf. Wenn Wurst ein paar Tage alt ist und ich ihr nicht ansehe, ob sie schon verdorben ist, werfe ich sie lieber weg, wenn gerade niemand da ist, den ich zu ihrem Geruch befragen kann. Natürlich habe ich auch Angst, dass ich es nicht mitbekomme, wenn etwas anbrennt – oder irgendwo mal ein richtiges Feuer ausbricht.

In der Parfümerie ist durch meine Erkrankung nicht nur die Beratung schwierig geworden – da komme ich mir vor wie eine Hochstaplerin, so als wolle eine Blinde erklären, in welchen Farben man am besten sein Schlafzimmer streichen solle. Besonders an heißen Tagen habe ich außerdem panische Angst, ich selbst könnte nach Schweiß müffeln. Ich wasche mich dauernd und nerve meine Kolleginnen Eugenie und Henny mit ständigem Nachfragen. Auch meine Zähne putze ich mehrmals an jedem Arbeitstag. Wenn Kunden mich anschauen, befürchte ich nämlich oft, es könne daran liegen, dass ich Mundgeruch habe. Im Laufe der drei Monate bin ich immer unsicherer geworden. Ob ich meine Fähigkeit zu riechen, den sogenannten „olfaktorischen Sinn“, je wiederbekommen werde, steht in den Sternen.

Eine andere Unsicherheit wird heute jedoch vielleicht verschwinden: Am Nachmittag soll im Büro des Anwalts Dr. Magnus endlich die Verlesung von Maries Testament stattfinden. Es wird so sein, als spräche sie ein letztes Mal zu uns, und danach sehne bestimmt nicht nur ich mich. Wir vermissen sie alle so schrecklich. Wir hoffen sehr, dass dadurch wichtige Weichen für die Zukunft ihres Lebenswerks, unserer Parfümerie Douglas, gestellt werden können. Denn derzeit ist meine Schwester Hertha die Einzige von uns, die Prokura hat und zeichnungsberechtigt ist. Ausgerechnet sie ist als zweifache Mutter natürlich eher selten im Laden. Das verzögert jede geschäftliche Entscheidung.

Drück uns die Daumen, mein lieber Anjing, und grüß Deine Pei ganz herzlich,

alles Liebe von

Lucie

 

Ja, so konnte sie den Brief verschicken. Der Inhalt war zwar nicht gerade fröhlich, aber so sah ihr Leben eben momentan aus. Und mit Anjing hatte sie von jeher eine große Offenheit verbunden. Einzig die erotische Spannung, die zwischen ihnen geherrscht hatte, thematisierten sie nie. Sie hielten ihre schriftliche Konversation absichtlich stets so, dass sie seine Frau Pei nicht verletzen würde.

Inzwischen war die Bahn am Jungfernstieg angekommen, und Lucie machte sich auf den Weg zur Parfümerie. Die Arbeit dort war eine hilfreiche Konstante in ihrem derzeit etwas schwierigen Alltag.

„Guten Morgen zusammen“, grüßte sie ihre beste Freundin, Verkäuferin Eugenie, und die Buchhalterin Henny Henckel, deren einundfünfzigsten Geburtstag sie vor einem Monat gefeiert hatten.

„Moin, Lucie, heute ist Maries Testamentseröffnung, nicht wahr?“, vergewisserte sich Eugenie.

Lucie nickte. „Ja, Doktor Magnus hat gesagt, dass es auch einen Brief von Marie an uns alle gibt. Das ist ja ein bisschen so, als würde sie noch einmal zu uns sprechen. Und das …“ Ihre Stimme stockte. „Das wünsche ich mir natürlich sehr.“

Eugenie drückte tröstend ihre Hand, und Lucie fuhr aufgewühlt fort: „Seit drei Monaten warten wir jetzt darauf. Und alles bloß, weil es eine Erbin gibt, die sich erst jetzt aus dem Ausland hierher bequemt hat. Ich verstehe wirklich nicht, warum Doktor Magnus so ein Geheimnis um sie macht.“

„Vielleicht muss er das wegen der anwaltlichen Schweigepflicht oder so“, mutmaßte Buchhalterin Henny.

In diesem Moment betraten drei Kundinnen gleichzeitig die Parfümerie, und die Freundinnen waren gezwungen, ihr Gespräch zu unterbrechen. Eugenie war das Verkaufsgenie des Ladens. Anders als Lucie griff sie dabei weniger auf Duftintuition zurück, sie überzeugte die Kunden eher, gleich noch andere Artikel zu erstehen.

„Haben Sie auch noch genug Seife zu Hause? Die Kokosnussöl-Soda-Seife ist im Sonderangebot.“

Henny hingegen fühlte sich mit den Geschäftsbüchern wohler als im direkten Kundengespräch. Die einstige Sprachlehrerin wurde vor allem dann hinzugezogen, wenn Gäste aus dem Ausland Beratung in der Parfümerie suchten.

Nach einem recht erfolgreichen Vormittag kam kurz vor der Mittagspause Julius Karstadt in den Laden. Eugenie freute sich stets, ihn zu sehen. Sie hatten einander nach Anna Carstens’ Tod vor zwei Jahren in langen Gesprächen Trost gespendet und das Grab regelmäßig zusammen geschmückt. Auch an diesem Freitagnachmittag war Julius nicht hier, um etwas zu kaufen, sondern um sich mit Eugenie zu verabreden. „Ich wollte fragen, ob du mir morgen helfen möchtest, das Carstens-Grab winterfest zu machen, soll ja bald nachts recht kalt werden.“

„Gerne“, entgegnete sie lächelnd. „Willi Baumann hat mir ein paar Ratschläge für Spätblüher gegeben. So ein Gärtner weiß ja …“

In diesem Augenblick wurden sie durch das Eintreffen von Hertha und Georg unterbrochen. Das Paar hatte den Kinderwagen mit der kleinen Gisela dabei, der dreijährige Hansi ging brav an der Hand seines Vaters. Bei ihnen war auch Kunstmaler Johannes Harders, der zu seinem Erstaunen ebenfalls zur Testamentseröffnung geladen war.

„Na, Kinder, seid ihr bereit, noch einmal von unserer lieben Marie zu hören?“, fragte der Siebenundfünfzigjährige wehmütig.

Hertha und Lucie nickten mit trauriger Miene, und Georg fühlte sich bemüßigt zu sagen: „Ich kann es kaum erwarten, endlich zu erfahren, wer die geheimnisvolle vierte Erbin ist. Marie hatte schließlich keine lebenden Verwandten mehr. Ich hätte es ja verstanden, wenn sie ihrem Emil von Seggern etwas vermacht hätte – aber einer Frau? Keine Ahnung, wer das sein könnte.“

„Dann wünsche ich euch viel Glück“, sagte Julius. „Ich helfe Eugenie hier, die Stellung zu halten. So kann sich Fräulein Henckel um ihre Buchhaltung kümmern.“

„Das wäre lieb“, kommentierte Eugenie dankbar.

Dass Karstadt junior ein hervorragender Verkäufer war, wussten sie ja bereits, seit er vor zwanzig Jahren sein eigenes Herrenausstattungsgeschäft im Nachbarhaus der Parfümerie betrieben hatte.

„Danke, Julius!“, rief Lucie und riss die Ladentür auf, um die anderen auf den Neuen Wall hinauszulassen. „Gehen wir!“

 

Die Anwaltskanzlei des Testamentsvollstreckers Dr. Walter Magnus befand sich nur fünfhundert Meter von der Parfümerie Douglas entfernt in der Mönckebergstraße 19, ganz in der Nähe des Hamburger Rathauses. Daher hatten sie verabredet, gemeinsam zu Fuß hinüberzugehen.

Der zweiundfünfzigjährige, schlanke Rechtsanwalt mit dem enormen blonden Backenbart war ein typischer Hanseat – weltoffen, aber kein Mann der vielen Worte. Andererseits konnte man sich auf sein Wort stets verlassen. Er begrüßte alle Erwachsenen mit Handschlag, den beiden Kleinkindern schenkte er ein gutmütiges Lächeln.

Lucie wusste, dass Dr. Magnus, der eine schmucke Villa in der Mollerstraße bewohnte, ein bekannter Hamburger Mäzen und Förderer der Philharmoniker war. Von jeher hatte der Jurist größte Sympathie für Maria und Anna Carstens mit ihrer Parfümerie der Träume gehegt, und er war auch ein gern gesehener Gast bei den dort stattfindenden kulturellen Salons gewesen. Erst im Mai hatte er eine Italienerin geheiratet; Marie und Lucies Mutter Josephine, die bei der Hochzeit dabei gewesen waren, hatten den Harders-Töchtern begeistert von der großen Feier in seiner Villa berichtet.

Lucie sah sich fragend um. „Wo ist denn die mysteriöse vierte Erbin?“

„Sie müsste jeden Augenblick …“, setzte Dr. Magnus an zu sagen, da wurde die Schwingtür aufgestoßen, und eine schlanke Frau von altersloser Schönheit trat festen Schrittes auf den klackernden Sohlen ihrer hochmodischen Schuhe auf die Gruppe zu. Sie trug ein schmal geschnittenes, knöchellanges Kleid aus dunkelvioletter Seide mit goldenen Applikationen, dazu eine exotisch wirkende Kette aus Holz und Silber sowie auf dem Kopf einen extravaganten Hut, der wie ein hoher Turban aussah und aus mehreren lilafarbenen Stoffschichten aufgewickelt war.

„Louise“, hauchte Johannes Harders verblüfft.

Lucie und Hertha starrten ihrerseits mit erstauntem Erkennen auf die elegante Dame, sodass Georg seine Gattin fragend ansah.

„O Gott, das ist meine Tante“, erklärte Hertha aufgebracht. „Seit sie ihr Hutgeschäft aufgegeben hat, war sie ständig auf Reisen.“

Nun war Louise Mohr, geborene Harders, bei ihrer Familie angekommen. Zunächst wandte sie sich an ihren Bruder Johannes. „Na, Hannilein, hast du deinem Schwesterchen inzwischen verziehen, dass es deinen Fünfziger verpasst hat?“, fragte sie mit einem kecken Lächeln.

Tatsächlich war Vater Harders recht verstimmt gewesen, dass Louise im September vor acht Jahren nach Schweden gereist war, statt an seinem großen Fest teilzunehmen.

Die herzliche Umarmung, die folgte, zeigte jedoch, dass der Kunstmaler mittlerweile keinerlei Groll mehr gegen seine Schwester hegte. Eine Spitze gönnte Johannes sich allerdings – schön laut, damit es alle Anwesenden hörten, sagte er: „Es ist ja nur gerecht. Deinen Sechzigsten haben wir letztes Jahr ja auch nicht gefeiert – weil du in der Weltgeschichte herumgegondelt bist.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir das verzeihe“, knurrte Louise Mohr.

Sie begrüßte die ältere ihrer beiden Nichten, indem sie ihr die Wangen küsste. „Hertha, es tut mir leid, dass ich beide Taufen verpasst habe“, sagte sie dann und sah Säugling Gisela auf dem Arm der Mutter und Sohn Hansi an der Hand des Vaters voller Zuneigung an. „Diese zauberhaften Wesen hätten wirklich jede Aufmerksamkeit verdient.“

Lucie wusste, dass Tante Louise und ihr mittlerweile verstorbener Mann Claus Friedrich 1913 ein halbes Jahr nach ihrer Hochzeit ein damals dreijähriges Mädchen namens Claire Fricke bei sich aufgenommen hatten. Die Kleine musste von Ziehmutter Louise in der Folge wohl mit etwas zu viel Liebe überschüttet worden sein – Lucie hatte ihre Cousine einige Male getroffen, und die hatte sich als recht verwöhntes, ichbezogenes Gör erwiesen. Zum Glück hatte Tante Louise sie heute nicht mitgebracht!

„Und du musst Georg sein“, wandte sich Louise an Herthas Gatten. „Ich sehe, meine Nichte hat nicht nur in der Kunst einen exquisiten Geschmack.“

Und dann war Lucie selbst an der Reihe, sich von ihrer exaltierten Tante auf die Wangen küssen zu lassen. Welchen Duft sie wohl heute trug? Bevor Lucie geruchsblind geworden war, hätte sie das schon von Weitem ausgemacht.

„Wie hübsch du geworden bist“, staunte Louise. „Gibt es in deinem Leben denn auch einen niedlichen Mann?“

Und als Lucie den Kopf schüttelte, hakte sie augenzwinkernd nach: „Oder eine noch niedlichere Frau?“

Lucie unterdrückte mit Mühe ein Kichern. „Auch das nicht. Im Augenblick habe ich allein genug Probleme.“

Schließlich reichte Louise dem Anwalt ihre feingliedrige Hand, deren Fingernägel in einem Dunkellila lackiert waren, das bestens mit ihrem Kleid harmonierte. „So, mein lieber Dr. Magnus. Dürfen wir jetzt erfahren, was Maria Carstens’ letzte Worte an uns waren?“

„Ja, lasst uns doch reingehen“, schlug Herthas Mann Georg ungeduldig vor. Wahrscheinlich hat er gleich schon wieder den nächsten Auswärtstermin, dachte Lucie.

Da erklärte Dr. Magnus jedoch: „Sie müsste ich bitten, hier im Vorraum zu warten, Herr Mülder.“

Georg sah den Anwalt empört an. „Aber als Ehemann bin ich für Herthas Finanzen und Geschäftsentscheidungen doch verantwortlich.“

„Das verstorbene Fräulein Carstens hat allerdings ausdrücklich entschieden, dass die jeweiligen Ehepartner nicht mit anwesend sein sollen“, insistierte Dr. Magnus.

Georg setzte weiter an zu protestieren, da drückte ihm Hertha beherzt ihr Töchterchen in die Arme. „Gut, dann kann Gischen bei dir bleiben, das ist sowieso besser, falls sie weint.“

„Und in dem Falle gebe ich ihr wohl am besten die Brust“, brummte Georg mit dem ihm eigenen zynischen Humor.

„Sie ist seit einem halben Jahr abgestillt. Wärst du öfter zu Hause, wüsstest du das“, erwiderte Hertha bissig. „Das Fläschchen ist in der Tasche am Kinderwagen.“

Charlotte Jacobi

Über Charlotte Jacobi

Biografie

Charlotte Jacobi ist das Spiegel-Bestseller-Pseudonym der Autoren Eva-Maria Bast und Jørn Precht. Eva-Maria Bast ist Journalistin, Leiterin der Bast Medien GmbH und Autorin mehrerer Sachbücher, Krimis und zeitgeschichtlicher Romane. Sie erhielt diverse Auszeichnungen, darunter den Deutschen...

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