13 Fragen an G.A. Aiken
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Dienstag, 24. September 2013 von Piper Verlag


13 Fragen an G.A. Aiken

1. Was ist dein absoluter Lieblingsfilm? 
„Der Pate”.

2. Welche Art Story fasziniert dich am meisten? 
Murder-Mysteries. Ich würde sie nie selbst schreiben (das würde mir nicht gelingen), aber ich sehe und lese sie gern. 

3. Was war das erste Buch, das du je gelesen hast? 
Eines mit einem Entenküken, dessen Mutter stirbt. Ich erinnere mich, dass ich sehr traurig war.

4. Welches ist dein Lieblingsmärchen?
Rumpelstilzchen. Ich habe keine Ahnung warum. 

5. Welche Cartoon‐Figur magst du am meisten? 
Bugs Bunny. Er ist einfach zu cool. 

6. Gibt es etwas, das du deinen Lesern sagen willst? 
Ich bin nicht so verrückt wie meine Heldinnen.

7. Als was würdest du arbeiten, wenn du nicht mehr schreiben würdest?
Ich würde versuchen, als Texter wieder ins Marketing einzusteigen.

8. Wie erholst du dich?
Ich spiele Computer Games, zum Beispiel „Diablo 3“. 

9. Tee oder Kaffee?
Ich hasse beides. Entweder trinke ich Wasser, Cola mit viel Eis (aber nur auswärts) oder, wenn mir kalt ist, heiße Schokolade mit ganz viel Schokolade. 

10. Was bedeutet Liebe für dich?
Dass man sich in seiner eigenen Haut wohlfühlen kann. Genau so soll man sich zusammen mit dem Menschen fühlen, mit dem man sein Leben verbringen will. 

11. In welcher Zeitepoche hättest du am liebsten gelebt (auch in Sachen Mode)? 
Am wenigsten gern um 1800. Pure Hektik. Eigentlich wäre mein Favorit das englische Mittelalter, aber ich bin ein großer Fan der römischen Antike geworden – vielleicht wegen der Kostüme, die die Schauspielerinnen in „Spartacus“ tragen. 

12. Welchen Namen würdest du gern einer deiner Hauptfiguren geben, hast aber noch nicht die passende Figur erfunden?
Jebediah. Ich mag die alten biblischen Namen. 

13. Hund oder Katze? 
Angesichts der Tatsache, das ich mit einem 40 Kilo schweren Pitbull lebe, der seit letztem Jahr mein Haus übernommen hat, würde ich sagen: Hund. Gleichzeitig liebe ich Großkatzen. Ich hätte gern einen Haustiger oder Berglöwen. Als Spielkameraden für meinen Hund. Rechtlich und moralisches dürfte es da aber das ein oder andere Problem geben, also lass ich die Finger davon. 

Quelle:
 
www.romanceatrandom.com


Blick ins Buch
Dragon FeverDragon Fever

Roman (Dragon-Reihe, Band 6)

Éibhear der Blaue ist ein mächtiger, wunderschöner und eitler Drache, der davon überzeugt ist, dass die Welt ihm gehört. Einschließlich Izzy, eine ebenso impulsive und streitlustige Menschenkriegerin, welche jeden Aspekt ihres Leben selbst bestimmt: sowohl welche Waffe sie trägt als auch welchen Liebhaber sie sich nimmt. Und natürlich lässt die sich höchst ungern von dem verliebten Drachen beschützen, besonders wenn sie gerade auf einer wichtigen Mission unterwegs ist. Éibhear wird noch so manche romantische Erniedrigung erdulden müssen, bis er die Flügel spreizen und sich mit Izzy in ungeahnte Höhen erheben kann …
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1

Der Befehl ihrer Königin war direkt und unmissverständlich gewesen: Verhindert, dass die Eislanddrachen sich neu formieren und die Nordlanddrachen an deren Küste angreifen.

Die Nordländer behaupteten sich schon seit Jahren, drängten die Eislanddrachen, genannt die Stachler, hinter ihre Grenzen zurück und hielten sie dort in Schach. Doch diejenigen, die die Stachler davon abhielten, genug Kräfte zur selben Zeit an einem Ort zu versammeln, um wieder in die Nordländer vorzudringen und die Gebiete der Drachenkriegsherrn zu gefährden, waren die Mì-runach.

Es war allerdings nicht immer leicht gewesen. Denn sie waren die Mì-runach; sie waren Feuerspucker, die in einem der unwirtlichsten Länder seit Menschen- und Göttergedenken festsaßen. In den Eisländern mit ihren harten Wintern und ihren noch härteren Völkern. Doch genau deshalb waren die Mì-runach hierher gesandt worden: weil sie sogar unter ihresgleichen als hart und rau galten. Sie gehörten nirgends dazu. Sie waren die Ausgestoßenen, die Unruhestifter, die brutalen Kämpfer. Sie waren diejenigen, die man nicht neben seiner Höhle haben wollte, aber wenn einem die Optionen ausgingen … dann waren sie diejenigen, die man rief.

Sie waren die, die töteten. Für ihre Ehre. Für ihre Königin. Und weil sie alle verdammt gut darin waren.

Angor, der Kommandeur der Mì-runach-Legion, landete auf dem Berggipfel und beobachtete, wie seine Soldaten vorrückten. Wie er es sie gelehrt hatte, bewegten sie sich schnell und lautlos. Sie mochten Drachen sein, zu den größten Wesen der Welt gehören, aber deshalb mussten sie schließlich nicht überall herumtrampeln. Nicht wie die Stachler, die sich hinter ihren Schnee- und Eisstürmen versteckten. Die Mì-runach ließen sich nicht von Stürmen oder der Tatsache, dass sie Außenseiter waren, davon abhalten, die Befehle ihrer Königin auszuführen.

Angor lächelte, als er plötzlich eine Klinge aufblitzen sah, woraufhin wie aus dem Nichts eine blaue Klaue den Kopf des Anführers der Stachler an den Haaren packte und nach hinten riss. Ein Breitschwert wurde ihm in den Hals gerammt und schnitt ihm die Chance ab, irgendwie anders als verblüfft dreinzuschauen.

Die Stachler, die sich um ihren Anführer versammelt hatten, um zu ihrem Flug ins feindliche Gebiet aufzubrechen, erstarrten, als Blut auf ihre weißen und silbernen Schuppen spritzte. Dann griffen die Mì-runach an. Sie kamen von unter der Erde, wo ein paar von ihnen sich schon seit Tagen versteckt hatten.

Angor beobachtete und wartete, während seine Soldaten die Stachler erledigten. Es dauerte nicht lange. Sie waren nicht für den Kampf ausgebildet, sondern für Massaker. Das konnten sie am besten. Sie schlugen ohne Vorwarnung zu – keine Verhandlungen, keine Gefangenen. Insgesamt waren sie nur sechsunddreißig, aber sie konnten die Arbeit eines ausgewachsenen Heeres erledigen – und hatten es auch bereits. Sie waren die tödlichste Waffe der Drachenkönigin und wurden in der Drachenwelt gehasst und gefürchtet – und das aus sehr gutem Grund.

Angor setzte sich hin, als seine Truppenführer vor ihm landeten.

»Wir sind fertig«, berichtete einer von ihnen. »Und ich habe mein Team ausgeschickt, um mögliche Versprengte niederzuschlagen.«

»Gut. In ein paar Tagen machen wir uns auf den Rückweg in den Süden.«

»Wirklich?«, fragte ein anderer und sprach damit aus, was einige dachten. Die Königin hielt ihre Mì-runach mit Unterbrechungen nun schon seit Jahren in den Eisländern stationiert, aber es war nicht an ihm oder den anderen Mì-runach, das infrage zu stellen. Sie taten lediglich, was ihnen von ihrer Königin befohlen wurde.

»Wirklich.« Er warf den Kopf zur Seite. »Ihr da. Macht euch bereit, für die Nacht auszurücken. Warte«, sagte er zu demjenigen, der den Anführer der Stachler getötet hatte. »Du nicht. Noch nicht.«

Angor wartete, bis die anderen wieder vom Berg herunter waren, bevor er sich zu dem Drachen umwandte, den er selbst ausgebildet hatte.

Um ehrlich zu sein, hatte Angor keine Hoffnung für ihn gesehen, als er ihm vor beinahe einer Dekade aufgezwungen worden war. Er war sinnlos wütend und erstaunlich verbittert gewesen. Er hatte sich geweigert, auch nur die einfachsten Aufgaben auszuführen, und sich und seine Brüder mehr als einmal während wichtiger Einsätze in Gefahr gebracht. Doch Angor hatte hinter all diese Wut blicken können, hatte den jungen Drachen eng an seiner Seite gehalten und ihn vom ersten Tag an hart ausgebildet. Hatte ihn geschlagen, wenn es nötig war, gelobt, wenn er es verdiente. Und jetzt …?

Und jetzt war er der herzloseste, gemeinste und mörderischste Mistkerl, den kennenzulernen viele von ihnen je das Missvergnügen gehabt hatten, und außerdem der meistgehasste Drache in den gesamten Eisländern.

Denn er war Éibhear der Verächtliche, ein Südland-Prinz und einer der gefürchteten Mì-runach-Truppenführer. Außerdem war er blind loyal, unglaublich klug und kam für Angor einem Sohn so nahe wie kein anderer, denn er und seine Gefährtin hatten nie eigene Nachkommen gewollt.

Das einzige Problem mit dem Königssohn: Er las viel, was Angors Meinung nach zu vielen seiner Probleme beitrug. Wer brauchte überhaupt all diese verflixten Bücher?

»Was soll ich tun?«, fragte der blaue Drache.

»Wir haben diese Stachler davon abgehalten, in die Nordlandgebiete vorzurücken und sich mit diesem jungen Anführer des Eislandstamms zusammenzutun. Aber ich will, dass du und deine Männer hineingeht und diesen Anführer erledigt, damit die Stachler verstehen, dass diese Ochsenscheiße ein Ende hat.«

»Gut.«

»Nur deine Einheit. Die anderen kommen mit mir.«

»Verstanden.«

»Du findest sie in der Nähe der Grenze bei diesen Bergen der Depressionen oder wie die heißen.«

Der Blaue kicherte. »Ich glaube, du meinst die Berge der Qual und des Leids.«

»Ja, von mir aus. Dort gehst du hin. Du bringst den Anführer um und beendest das Ganze. Dann können wir unbesorgt nach Hause.«

»Ist so gut wie erledigt.«

»Danach kannst du zurück zu deiner Sippe, Éibhear der Verächtliche. Geh nach Hause zu deiner Mutter.«

Der Drache erstarrte und blinzelte. »Was?«

»Geh nach Hause. Besuch deine Mutter.«

»Ähm … warum? Stimmt etwas nicht?«

»Außer dass du ein undankbarer Sohn bist? Nein.«

»Undankbar? Ich habe in ihrem Namen einen Drachen nach dem anderen vernichtet!«

»Du hast es genossen.«

Er zuckte die Achseln. »Das stimmt.«

»Es ist jetzt zehn Jahre her. Deine Mutter sollte dich sehen.«

»Ich bemerke, du fühlst dich immer noch zu meiner Mutter hingezogen.«

»Ich bin meiner Königin gegenüber loyal. Weißt du auch, warum?«

»Bitte nicht wieder diese Geschichte«, flehte der Blaue.

»Als dein Bastard von Vater mich wegen Insubordination exekutieren lassen wollte …«

»Wahrscheinlich deshalb, weil du mit einer Axt auf ihn losgegangen bist, als er dir einen Befehl gab …«

»… sagte deine Mutter Nein. Sie erkannte meinen Wert. Deshalb bin ich ihr bis zu meinem letzten Atemzug treu ergeben. Also schwing deinen undankbaren blauen Hintern nach Hause!«

Der Blaue musterte Angor. »Dann wirfst du mich also raus?«

»Einmal Mì-runach, immer Mì-runach, Junge. Das solltest du inzwischen wissen. Aber du kannst deiner Sippe nicht ewig aus dem Weg gehen.«

»Ich gehe überhaupt nichts aus dem Weg.« Er lächelte leicht, wobei er eine Seite seiner Reißzähne entblößte. »Nicht mehr.«

»Da ist etwas Wahres dran. Also geh nach Hause. Besuch deine Mutter. Mach sie glücklich. Mir zuliebe.« Angor wandte sich von dem jüngeren Drachen ab und einem Eisland-Ochsen zu, den er zuvor gesehen hatte. Seinen Kriegern beim Töten zuzusehen, machte ihn immer hungrig.

»Und was ist mit meinem Trupp, wenn wir in den Nordländern fertig sind?«, rief der Junge ihm nach. »Soll ich ihn dir nachschicken?«

»Wage es ja nicht! Nimm diese gemeinen Mistkerle mit. Die will sowieso kein anderer Trupp haben.« Er schnippte eine Kralle in die Luft. »Geh nach Hause, Éibhear der Verächtliche. Besuch deine Mutter. Besuch deine Sippe. Verbring ein bisschen Zeit mit denen, die dich aufgezogen haben. Sieh es als einen Urlaub. Dann erinnere dich daran, warum du damals gegangen bist und kehre zu den Mì-runach zurück. Wir werden in der Nähe der Westlichen Berge kampieren. Darauf warten, dass wir tun sollen, was wir am besten können.«

»Töten?«, fragte der blaue Drache.

»Manche würden es so nennen«, gluckste Angor vor sich hin. »Manche würden es so nennen.«

 

2

Éibhear der Verächtliche – einst Éibhear der Blaue genannt – ging zu seinem Trupp zurück. Die Mì-runach waren in Trupps von vier bis sechs Mitgliedern aufgeteilt. Angor war der Kommandeur von allen, aber um diese Aufgabe beneidete ihn keiner.

Denn um Mì-runach zu werden, musste man nicht nur ein mächtiger Kämpfer sein, sondern auch ein bösartiger, herzloser Bastard, der sich von keinem etwas sagen ließ. Obwohl die Mì-runach in verschiedenen Formen seit Jahrhunderten existierten und sich während bestimmter Kriege oder Kämpfe zusammenfanden, hatten sie ihre Berufung erst richtig gefunden, als Éibhears Großvater Ailean sich ihnen anschloss – das leuchtende Beispiel eines Drachen, der keine Befehle befolgte, im Kampf aber bewies, dass er den Ärger wert war. Natürlich hatten sie damals noch keinen Namen; sie waren einfach als »diese unzuverlässigen, herzlosen Mistkerle« bekannt, die zu gute Krieger waren, um entlassen zu werden, aber ein zu großes Ärgernis, um einen armen Kommandeur zu zwingen, sie ertragen zu müssen, während er gleichzeitig versuchte, große Mengen von anderen Drachensoldaten in einem hitzigen Gefecht zu lenken.

In der Armee der Drachenkönigin war ein Drachenkrieger, der keine Befehle befolgte, eine gefährliche Belastung. Doch bei den Mì-runach, wo jemandes Stärken zu seinem Vorteil genutzt wurden, war so ein Soldat ein nützlicher Diener der Königin. Denn die Mì-runach erledigten, was viele andere nicht taten. Es hatte eine Weile gedauert, bis Éibhear herausgefunden hatte, was sie ausmachte – sie waren ein Todesschwadron.

Wie sie es gerade mit den Stachlern getan hatten, schlichen sich die Mì-runach im Schutz der Nacht an und schlachteten Soldaten in ihren Höhlen ab. Oder sie gruben sich in den Boden ein und schlugen mitten im Kampf zu, töteten die Anführer und dann, wenn nötig, auch den Rest der Armee. Viele Drachensoldaten in der Armee Ihrer Majestät fanden diese Art des Kampfes unehrenhaft. Doch für die Mì-runach galt: Wer brauchte Ehre, wenn es Bier gab? Und Pubs? Und Frauen zur Unterhaltung? Wer brauchte Dienstgrade, Befehle, Regeln und einen Haufen tägliche Aufgaben, wenn man den ganzen Tag schlafen und die ganze Nacht trinken konnte, bis man dazu aufgerufen wurde, das zu tun, was man am besten konnte?

Nicht Rang und Macht ließen die Mì-runach Tag für Tag, Nacht für Nacht in die Schlacht ziehen. Die Götter wussten, dass es nie um die Rangordnung gehen würde. Es war die Liebe zu Blut, Kampf und Zerstörung. Es war das Wissen, dass sie von den Feinden ihrer Königin gefürchtet wurden, denn diese hatten guten Grund dazu.

»Also?«, fragte Aidan der Göttliche, ein Goldener, dessen königliche Familie aus den Westlichen Bergen stammte.

»Wir brechen zu einem letzten Auftrag in den Nordländern auf.«

»Ach?«

»Aye. Den Sohn des Stachler-Anführers Jorgesson töten, denn der Junge scheint zu glauben, er könne den Platz seines Vaters einnehmen.«

»Was er wahrscheinlich für seine Pflicht hält, weil wir Jorgesson getötet haben.«

»Stimmt. Wenn wir mit dem Jungen fertig sind, machen wir uns auf den Weg in die Dunklen Ebenen. Angor will, dass ich eine Weile nach Hause zurückkehre.«

Aidan blinzelte und ließ den Drachen fallen, dem er gerade das Genick gebrochen hatte. »Nach Hause? Du?«

»Warum sagst du das so? Du bist länger von deiner Sippe fort als ich.«

»Ich hasse meine Sippe genauso, wie sie mich hasst.« Aidan rammte die Faust in den am Boden liegenden Stachler, obwohl das eigentlich nicht nötig war. »Du scheinst deine zu mögen, aber ich bin mir nicht sicher, ob nach Hause zurückzukehren das besser oder schlechter macht.«

»Ich mag sie wirklich.« Éibhear dachte einen Augenblick darüber nach. »Na ja, die Frauen. Ich mag die Frauen … hauptsächlich.«

Uther der Verabscheuungswürdige, ein launischer Brauner aus den Bergen in der Nähe der Hafenstädte, knurrte mit finsterem Blick – was er bei den meisten Themen tat: »Und was tun wir, während ihr glückliche Familie spielt?« Er knirschte mit den Reißzähnen und zog an den Beinen des Eislanddrachen, den er gepackt hatte. Dessen Geschrei dabei war ein klein wenig unangenehm. »Uns einem anderen Trupp anschließen?«

»Nach dem, was ihr beim letzten Mal angestellt habt?«, fragte Éibhear.

»Das war nicht meine Schuld!«, widersprach Caswyn der Schlächter wieder einmal. »Er hätte nicht versuchen sollen, mich herumzuschubsen. Ich stamme vielleicht nicht aus einer schicken Königsfamilie wie du und der Schönling da drüben …«

Aidan grinste. »Ich bin ja so unwahrscheinlich gut aussehend.«

»… aber das heißt nicht, dass mich irgendein roter Mistkerl einfach so herumschikanieren kann.«

»Mit herumschikanieren«, unterbrach Éibhear ihn, »meinst du, dich zu bitten, deinen Job zu machen?«

»Mir gefiel sein Tonfall nicht, okay?«

»Also hast du ihm die Arme ausgerissen.«

Caswyn senkte den Kopf und breitete drohend die schwarzen Flügel aus. »Dein Ton gefällt mir auch nicht.«

»Ja, aber du hast schon mal versucht, Éibhear die Arme auszureißen«, erinnerte ihn Uther. »Du lagst wochenlang im Koma.«

»Es war eher eine tiefe Ruhe.«

Éibhear verdrehte die Augen und sagte: »Ihr kommt alle mit mir.«

Uther riss den Kopf hoch. »Werden deine Schwestern auch da sein?«

Éibhear imitierte seinen eifrigen Tonfall und antwortete prompt: »Ja, werden sie! Und mein Vater auch!«

Uthers freudiger Gesichtausdruck fiel in sich zusammen. »Oh.«

Nachdenklich strich sich Aidan übers Kinn, während er mit der Hinterklaue gegen den Kopf des Stachlers boxte, der vor ihm lag. Eigentlich war das immer noch nicht nötig, denn dieser Stachler war bereits ziemlich tot. »Wie kommt es, dass dein Vater kein Mì-runach wurde? Er scheint mir skrupellos genug zu sein.«

»Oh, das ist er auch«, stimmte Éibhear zu. »Aber er kann Befehle ausführen.«

»Ach sooo«, sagten die anderen.

»Wenn wir also mit dir gehen«, fragte Caswyn, »was tun wir dann dort?«

Éibhear zuckte die Achseln. »Es ist die Insel Garbhán. Es gibt zu trinken und Muschis. Was braucht ihr sonst?« Garbhán war das Machtzentrum der menschlichen Königin der Südländer, Annwyl der Blutrünstigen. Als verrückte Monarchin und Gefährtin von Éibhears ältestem Bruder Fearghus wurde Annwyl gleichermaßen geliebt und gehasst, aber für Éibhear war sie inzwischen einfach eine seiner Schwestern.

»Nichts«, sagte Uther. »Das macht mich traurig.«

»Aber zuerst kümmern wir uns um den Stachler-Anführer in den Nordländern.«

Sein Trupp ächzte.

»Was ist?«

»Ich habe so genug von Schnee und Eis«, beschwerte sich Caswyn. »Ich habe genug von Rot- und Weißtönen. Ich will mal wieder Gras sehen. Und Bäume. Vögel, die keine Krähen sind.«

»Wir werden nicht lange in den Nordländern bleiben. Nur lang genug, um ein bisschen zu töten. Ihr tötet doch gerne. Schon vergessen?«

»Nein. Aber du scheinst vergessen zu haben, dass die Nordländer dich hassen«, erinnerte ihn Aidan.

»Nicht mehr als die Eisländer.«

»Nur, weil du in den letzten zehn Jahren nicht dort warst. Glaub mir, wenn du dort gewesen wärst, würden sie dich nur noch mehr hassen.«

»Ich will meine Schwester Keita sehen. Soweit ich weiß, ist sie immer noch mit Ragnar in den Nordländern.«

»Ein bisschen Eleganz unter den Barbaren«, seufzte Aidan. »Ich schätze, das ist wohl etwas wert.«

»Also, macht die hier noch vollends fertig«, sagte Éibhear mit einer Geste zu den Stachlern hin, die versuchten, davonzukriechen. Daran musste er mit seinem Team wirklich noch arbeiten. Sie verkrüppelten, folterten manchmal und töteten dann, aber das Verkrüppeln und Foltern war einfach zeitintensiv. Sie mussten schneller töten, damit sie schneller zum Trinken und zu den Frauen übergehen konnten. Ehrlich, man sollte meinen, das wüssten sie von selbst. »Dann gehen wir los.«

Éibhear drehte sich um und sah einen Stachler mit einem Soldaten der anderen Trupps kämpfen. Er zog sein Schwert und ging hinüber, um zu helfen. Aidan holte ihn ein.

»He«, sagte sein Freund.

»Was denn?«

»Du weißt, was zu Hause auf Garbhán vielleicht auf dich wartet, oder?«

»Die liebende Warmherzigkeit meiner Mutter, die Bewunderung meines Vaters und die Fürsorge meiner lieben Brüder?«

»Kannst du mal aufhören, Witze zu machen?«

Éibhear kicherte, dann rammte er dem Stachler das Schwert in die Seite. Da sie diese verfluchten Stacheln hatten, die sich von oben auf dem Kopf die Wirbelsäule entlang bis zur Schwanzspitze zogen, war dies eine einfachere Art, einen Eislanddrachen anzugreifen. Er drehte die Klinge, während er seine freie Klaue benutzte, um den Eisländer seitlich am Hals niederzudrücken.

Als der Drache seinen letzten Atemzug tat, zog Éibhear sein Schwert heraus, nickte seinem Truppenführer-Kollegen zu und wandte sich dann an seinen Freund. »Ja. Ich weiß, was dort vielleicht auf mich wartet.«

»Und?«

»Und nichts. Das war vor langer Zeit … für einen Menschen. Abgesehen davon habe ich mich entschuldigt.«

Aidan runzelte die Stirn. »Wann? Du hast sie seit fast zehn verdammten Jahren nicht gesehen.«

»Weißt du nicht mehr? Ich habe ihr einen Brief geschickt.«

»Oh. Der Brief. Richtig.« Aidan blickte in die Ferne. »Ja. Ich erinnere mich. Der Brief.«

»Sie hat mir nie geantwortet. Unhöfliche Kuh.«

»Ja. Unhöflich.«

»Aber ich bin mir sicher, sie ist drüber weg. Da war einiges an Speichelleckerei in dem Brief. Das mag sie.«

»Da bin ich mir sicher.«

»Also gibt es keinen Grund zur Sorge.« Éibhear klopfte seinem plötzlich sehr still gewordenen Freund auf die Schulter. »Wir gehen hin. Wir verbringen ein bisschen Zeit mit meiner Sippe. Dann ziehen wir durch jeden Pub zwischen der Insel Garbhán und den Westlichen Bergen und treffen uns dort wieder mit Angor und den anderen Trupps. Das wird ein hübscher Urlaub, den wir uns redlich verdient haben.«

Endlich schaute Aidan ihn an. »Aber zuerst in die Nordländer?«

»Zuerst in die Nordländer. Wir kümmern uns für diese armseligen Blitzdrachen-Bastarde um den neuen Stachler-Anführer.«

»Dürfen wir die Nordländer Blitzdrachen-Bastarde nennen, wenn wir sie treffen? Ich bin mir sicher, sie würden es lieben.«

»Dann melde ich mich bei Keita, bevor wir in den Süden aufbrechen.«

»Solange wir noch in den Nordländern sind? Bist du sicher, dass das schlau ist?«

»Ach, komm schon!« Éibhear wischte die Sorge seines Freundes mit einer Handbewegung weg. »Das ist ewig her! Ich bin sicher, Ragnar hat mir inzwischen verziehen.«

»Klar«, schnaubte Aidan. »Ganz bestimmt.«

»Wir fordern euch heraus«, rief der Anführer der Stachler, die strahlend weißen Flügel ausgebreitet. Seine weißen Stacheln führten vom Kopf aus den Rücken entlang bis zur Schwanzspitze. Die silberweißen, wie eine Pferdemähne geflochtenen Haare reichten bis zum Boden. »Lasst es uns jetzt entscheiden und es beenden.«

So war es vereinbart worden. Der Beste der Stachler gegen ihren Besten. Doch von Ragnars Spionen waren ihnen Gerüchte zugetragen worden, dass all das nur eine einfallsreiche List war. Der Plan des jungen Anführers war, die Nordländer glauben zu lassen, der Krieg sei vorbei, damit sie nach Hause gingen, während seine Soldaten und die Legion eines anderen Stachlers unbehelligt über die Gebietsgrenzen in die Nordländer kommen konnten. Denn im Gegensatz zu den Stachlern bedeutete die Ehre für die Nordlanddrachen alles.

Und es stimmte. Am wichtigsten war die Ehre, aber nicht die Dummheit. Ragnar hatte seine Kontakte in den Eisländern schon benachrichtigt, damit sie die zweite Armee mit allen Mitteln davon abhielten, auf ihr Gebiet vorzudringen. Zu wissen, dass das erledigt wurde, erlaubte es ihm, den Zweikampf zu genießen, der sich gerade vor ihm abspielte.

Ragnar studierte den Drachen, dem sich sein Kämpfer stellen musste. Er war größer als alles, was Ragnar je gesehen hatte, locker so groß wie zwei Burgen. Um den Hals trug er eine Kette aus Schädeln von kleineren Drachen, und seine Schuppen hatten sich zu einer höchst eigenen Rüstung verhärtet. Das Geräusch seines schweren Atems ließ die Bäume in der Nähe zittern. Ragnar war sich nicht einmal sicher, ob der Drache überhaupt noch fliegen konnte. Dieses ganze Gewicht, kombiniert mit der Steifheit seiner Schuppen …

»Ihr Götter«, flüsterte Ragnars Cousin Meinhard neben ihm. »Das ist ein Kannibale.«

»Ein was?«, fragte Ragnars Bruder Vigholf.

»Ein Kannibalendrache«, präzisierte Ragnar. »Er frisst seine eigene Art. Deshalb sieht er so aus.«

Der Kannibale stieß seinen Kampfspeer und zielte auf die Schulter ihres Kämpfers. Es lag große Kraft in der Bewegung. Genug, um ein Loch in einen kleinen Berg zu reißen. Die Lanze blitzte im Licht der frühen Morgensonnen auf, als der Kämpfer sie mit der Klaue auffing und festhielt.

Der Kannibale zog daran, um sie ihm zu entwinden. Er wurde ärgerlich und brüllte. Dann hielt er die andere Klaue auf, und jemand warf ihm ein Schwert zu. Er fing es und schwang es nach dem Hals seines Gegners. Doch auch die Klaue mit dem Schwert wurde abgefangen und festgehalten.

Es war ein Machtkampf, als beide Drachen versuchten, sich gegenseitig zurückzudrängen, keiner von beiden gab nach. Doch der Kannibale hatte keine Geduld; er beugte sich vor und öffnete das Maul. Der andere Kämpfer wartete nicht ab, was der Kannibale vorhaben mochte. Er entfesselte seine eigene Flamme zuerst; der Strom traf den Kannibalen tief in der Kehle und nahm ihm die Luft. Er ließ seine Waffen los und taumelte rückwärts.

Der Kämpfer ließ die Waffen fallen und griff nach seinen eigenen: einer Streitaxt und einem Kriegshammer. Er setzte beide gleichzeitig ein und ging auf den Kannibalen los, bevor der eine Chance hatte, sich wieder zu erholen. Der Hammer traf ihn als Erstes, rammte in seinen Kopf und warf ihn um. Die Axt folgte, griff auf derselben Seite an, traf seine Schulter. Der Schlag warf den Kannibalen vollends zu Boden und begrub dabei mehrere andere Drachen unter ihm.

Der Kämpfer flog zu ihm hinüber, landete und bearbeitete ihn gleichzeitig mit Axt und Hammer, hauptsächlich im Gesicht, an Hals und Brust, bis der Kannibale wütend brüllte, aufstand und den Kämpfer abwarf. Er rappelte sich auf, während sein Gegner rückwärtskrabbelte und versuchte, ihm auszuweichen.

Tief Luft holend, öffnete der Kannibale wieder das Maul, wollte seine natürliche Waffe einsetzen.

»Schilde!«, brüllte Vigholf, und sie hoben alle ihre Schilde oder duckten sich hinter den eines Kameraden.

Ragnar sah zu, wie der Kannibale weder Blitze noch Flammen oder Wasser, noch eine der anderen Waffen entfesselte, die jeder Drache in sich hatte – sondern Säure. Der einzige andere Drache, dessen natürliche Waffe Säure war, war der unsterbliche Drache. Die Unsterblichen hatten ihre Waffe von den Göttern bekommen, doch man sagte, dass diejenigen, die ihresgleichen fraßen, mit Säure als Waffe geschlagen wurden. Magensäure.

Die Säure spritzte, Schilde zischten, wenn der harte Stahl getroffen wurde, und eine große Kugel Säure raste auf den Kämpfer zu.

Der packte einen Schild und hob ihn, um Gesicht und Brust zu schützen, doch die Wucht der Säure drängte ihn rückwärts und brannte sich durch das Metall. Er ließ den Schild fallen, hob den Blick und griff den Kannibalen erneut an. Doch plötzlich hielt er inne: Ein anderer Drache, gekleidet in Pelz, wie es bei den Eisländern üblich war, ließ sich zwischen ihren Kämpfer und den der Stachler fallen.

Ragnar schaute von seinem Bruder zu seinem Cousin, doch sie schienen auch nicht zu wissen, was vor sich ging.

»Die Falle?«, fragte Vigholf.

Wenn es so war, war es eine sehr unausgereifte Falle. Ragnar hatte immer noch eine vollständige kampfbereite Armee da draußen.

Der Kannibale öffnete das Maul, um noch mehr Säure zu spritzen, doch der mysteriöse Drache, der wie ein barbarischer Eisländer gekleidet war, drehte sich plötzlich um und griff an. Er rammte seinen Speer ins offene Maul des Kannibalen, sodass dieser seine Säure nicht mehr spritzen konnte – zumindest im Moment nicht.

Der Fremde schlug den Kannibalen mit seinen bloßen monströsen Unterarmen in Lederstulpen nieder. Dann hob er eine riesige Stahlaxt in einer fließenden Bewegung hoch über den Kopf und ließ sie mit Macht auf den massiven Hals des Kannibalen niedergehen, sodass sie dessen dicke Schuppen durchschlug. Und er hackte weiter, bis er den Kopf vom Rückgrat getrennt hatte.

Der Fremde hob den Kopf an den Haaren hoch, hielt ihn in die Luft und drehte sich damit einmal langsam im Kreis, damit alle ihn gut sehen konnten. Dann warf er ihn vor den Klauen der verbliebenen Stachler auf den Boden und kicherte, als der Kopf vom Boden abprallte und den Anführer der Stachler an der Schnauze traf.

Der Fremde wandte sich von den Stachlern ab, drehte sich zu Ragnar und den seinen um. Mit den Krallen strich er sich die Kapuze des Fellumhangs vom Kopf und gab geflochtene blaue Haare frei, in die Lederstreifen und Stücke von Tierknochen eingeflochten waren. Genau wie es die Eisländer trugen.

»Vielleicht will dieser Eisländer zu uns überlaufen«, sagte Vigholf. »Nicht dass ich es ihm verübeln könnte … Hat er diese Knochen absichtlich in den Haaren?«

»Ich glaube schon. Vielleicht hat es was mit Mode zu tun. Wie bei Keita und ihren Kleidern.«

»Vielleicht zwingen einen die Eisländer, Knochen in den Haaren zu tragen.«

Der Eisländer kam auf Ragnar zu und blieb stehen. »He.«

Überrascht von dem vertraulichen Ton, runzelte Ragnar die Stirn, fing aber eilig Meinhards Arm ab, damit dieser nicht seine Streitaxt zog und dem Eisländer für Unhöflichkeit gegenüber dem obersten Drachenlord den Kopf abhackte.

»Ja?«, fragte Ragnar.

»Wo ist meine Schwester?«

Ragnar runzelte wieder die Stirn. »Woher bei allen Höllen soll ich das wissen?«

Der Eisländer blinzelte. »Was hat sie getan? Dich verlassen?« Er zuckte die Achseln. »Na ja … du hast es länger ausgehalten als die meisten anderen.«

Vollkommen verwirrt und verärgert ließ Ragnar den Arm seines Cousins los, damit Meinhard dem Kerl den Kopf abschlagen konnte und sie diesen blutigen Kampf mit den verdammten Stachlern beenden und endlich wieder zu ihrer beschissenen Tagesordnung übergehen konnten. Doch eine weibliche Stimme hinter ihm hielt Meinhard zurück.

»Éibhear?«

Ragnar warf einen Blick nach hinten zu Rhona der Furchtlosen, Vigholfs Frau, die durch die Menge der Soldaten kam und dabei den Helm abnahm, den sie, die Hauptschmiedin, sich selbst gemacht hatte. Die meisten Schmiede nahmen nicht an den Schlachten teil, doch Rhona war so eine verdammt gute Soldatin, dass Ragnar sich nicht beschwerte. Vigholf sicher auch nicht – er würde sich hüten.

»Éibhear ist hier?«, fragte Vigholf. »Wo?«

Sie deutete auf den Eisländer. »Na, da.«

Erschüttert bis ins Mark sah Ragnar erst seinen Bruder an, dann seinen Cousin … und dann den Jungen. Den nutzlosen, lächerlichen, liebeskranken Jungen, den sie zuerst nicht ernst genommen, dann kurzzeitig respektiert und danach nicht mehr hatten ertragen können, bis der Vater des blauen Drachens ihn zu irgendeiner anderen Einheit innerhalb der Armee der Drachenkönigin abkommandiert hatte.

Mit offenem Mund schüttelte Vigholf den Kopf, und Meinhard murmelte: »Das kann nicht sein!«

»Éibhear?«, fragte Ragnar wieder.

»Ja. Meine Schwester?«, drängte der.

»Was?«

»Keita? Erinnerst du dich an sie? Ihr Götter, wie lange ist es her, dass sie dich verlassen hat?«, schnauzte er, was Ragnar schon wieder ärgerte. Dieser unhöfliche Welpe!

»Sie hat mich nicht verlassen, du nichtsnutziger kleiner Sch…«

»Wo ist sie dann?«

Vigholf, dem immer noch der Mund offen stand, deutete in Richtung der Berge, wo sie Keita mit einem Bataillon Soldaten zu ihrem Schutz zurückgelassen hatten.

»Gut.« Éibhear sah sich um. »Mì-runachs – folgt mir.« Er ging in die Menge der Nordlandsoldaten und klopfte Rhona im Vorbeigehen auf die Schulter. Ragnar sah ihm lange nach, bis ein weiterer nach Art der Eisländer gekleideter Feuerspucker vor ihm stand. Dieser hielt ihm einen blutverschmierten weißen Drachenkopf hin. »Willst du den?«

Ohne nachzudenken, nahm Ragnar den Kopf des einstigen Anführers der Stachler und fragte sich, wann der junge Anführer umgekommen sein mochte, denn vor weniger als einer Minute war er noch ziemlich lebendig gewesen.

»Weißt du, was das Erschreckendste an alledem ist?«, fragte Vigholf, als er zur Seite trat, um den drei anderen Mì-runachs Platz zu machen, damit sie Éibhear folgen konnten.

»Was?«

»Seit wir ihn das letzte Mal gesehen haben, ist dieser blaue Mistkerl tatsächlich noch größer geworden!«

Keita lag auf dem Boden ausgestreckt, ein Buch über Gifte vor sich. Sie ging jedes einzelne durch, auf der Suche nach dem besten, um die Wasserversorgung der Stachler zu vergiften. Sie sehnte sich nach einem kleinen Urlaub in der Wärme ihrer Heimat in den Südländern, aber diese ständigen Kämpfe mit diesen lächerlichen Eisländern machten das unmöglich. Diese Typen aus dem Norden! Alles, was sie taten, war kämpfen! Ständig! Es war wie die ganze Zeit mit ihrer Cadwaladr-Sippe zusammenzuleben!

Sie blätterte noch eine Seite um. »Oooh«, seufzte sie, als sie eine Wurzel sah, die vielleicht perfekt für ihre Zwecke war. Doch bevor sie weiterlesen konnte, hörte sie einen der Soldaten, der ihre Höhle bewachte, einen Warnruf abgeben, dann Kampfgeräusche.

Keita kam eilig auf die Klauen und hob ein bisschen Rinde vom Boden auf. Wenn nötig, konnte sie sie einem Drachen ins Maul stopfen und ihn rasch erledigen.

Ein Eislanddrache kam durch den Höhleneingang spaziert.

»Keita«, sagte er mit unbeschreiblich tiefer Stimme. Sie war schockiert, dass er ihren Namen kannte.

Der Drache kam auf sie zu, doch sie hob rasch ihre leere Klaue, um ihn zu stoppen. »Du wirst mich niemals lebend kriegen!« Dann dachte sie kurz über diese Erklärung nach und fügte hinzu: »Na gut. Du kannst mich natürlich lebend mitnehmen. Aber versuch bitte, mein Gesicht nicht zu beschädigen, das ist das Wichtigste.« Sie senkte den Kopf ein wenig und schaute ihn durch gesenkte Wimpern an. »Oder diese hübschen Reißzähne.« Dann lächelte sie.

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