Tipps für eine erfolgreiche Beziehung
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10 Tipps für eine glückliche Beziehung

Freitag, 06. März 2015 von Piper Verlag


Wie gelingt eine glückliche Beziehung?

Warum die Liebe in erster Linie von uns selbst abhängt und was wir tun können, um eine glückliche Beziehung zu führen.

Die erfahrene Paartherapeutin Sandra Konrad behandelt in ihrer Praxis seit Jahren Paare und stößt dabei immer wieder auf das Dilemma von überhöhten Erwartungen an die Liebe und an den Partner. Wir haben sie gebeten, uns die besten Tipps für eine glückliche Beziehung zur verraten:

»Als ich vor einer Weile einem Freund erzählte, dass ich ein Buch darüber schreibe, wie die Liebe oft missverstanden und überfordert wird, mailte er mir einen Cartoon, in dem eine Fee heranschwebt und einem Mann zuruft: „Heute ist Ihr Glückstag. Ich habe noch einen Wunsch zu vergeben. Für Schnellentschlossene.“ Der Mann antwortet ohne lang zu überlegen: „Dann möchte ich endlich wahre, reine, aufrichtige, immerwährende, unendliche, tiefe, leidenschaftliche, bedingungslose Liebe finden.“ Im letzten Bild sieht man einen kleinen Hund, der sich hingebungsvoll an das Bein des Mannes klammert.

In diesem Cartoon findet sich die Quintessenz all dessen, was Sie über die Liebe wissen müssen: Das, was wir uns alle wünschen, gibt es nicht. Jedenfalls nicht zwischen zwei Menschen. Das heißt nicht, dass es keine Liebe gibt oder dass Liebe nicht absolut wundervoll, aufrichtig, tief oder leidenschaftlich sein kann. Ganz im Gegenteil – es gibt sie, die große, die wahre, ja sogar die andauernde Liebe. Aber sie ist nicht perfekt. Sie ist nicht immer himmelhochjauchzend. Sie ist kein Rausch wie die Verliebtheit, sondern ein nüchterneres, dafür aber umso stärkeres Band. Auf die Liebe gibt es keine Garantie und Liebe allein macht noch keine Beziehung aus.

Eine Liebesbeziehung ist eine Aktivität zweier Partner, die idealerweise gekennzeichnet ist durch Achtsamkeit, Offenheit, Verbindlichkeit und dem Wunsch, sich immer wieder aufeinander einzulassen.

    Hier die 10 wichtigsten Tipps für eine gelingende Beziehung

    • Bleiben Sie auf dem Teppich. Natürlich dürfen Sie träumen. Aber je unrealistischer Ihre Wünsche und Erwartungen an die Liebe sind, desto schwieriger wird es, einen Partner zu finden oder eine glückliche Beziehung zu führen. Ein Partner ist kein Bedürfniserfüller, kein Wünsche-von-den-Augen-Ableser, auch wenn Hollywood-Filme uns das nur zu gern suggerieren. Ein Partner ist im besten Fall ein souveränes Gegenüber mit eigenen Wünschen und Erwartungen. Partnerschaft bedeutet verhandeln, Prioritäten setzen und Kompromisse schließen. Von beiden.
       
    • Sprechen Sie über Ihre Gefühle und Ihre Bedürfnisse. Kein Mensch kann Gedanken lesen. Öffnen Sie sich einander: Teilen Sie Ihre Gefühle, Ihre Ängste, Ihre Wünsche mit. Warten Sie nicht, bis sich Enttäuschungen und Frust aufgestaut haben und Sie nur noch Problemgespräche führen oder gar über eine Trennung nachdenken. Wichtig: Manchmal ändern sich Bedürfnisse im Laufe der Zeit. Versäumen Sie nicht, Ihrem Partner diese Veränderungen mitzuteilen. Veränderungen sind Zeichen für Lebendigkeit und Wachstum. Und nichts ist erfüllender als eine Verbindung zweier Menschen, die sich einander immer wieder zuwenden und versuchen, den anderen zu verstehen.
    • Respektieren Sie Unterschiede. Sich zu verstehen heißt nicht, einander immer zuzustimmen. So ähnlich sich zwei Partner auch sein mögen – sie bleiben immer zwei unterschiedliche, voneinander getrennte Individuen. Eine Beziehung zu führen heißt nicht, sich für den anderen aufzugeben oder dies vom Partner zu verlangen. Freuen Sie sich über Gemeinsamkeiten und Nähe, aber respektieren und wertschätzen Sie auch die Unterschiedlichkeiten. Vielleicht können Sie gerade dadurch etwas voneinander lernen und sich weiterentwickeln.
    • Haben Sie keine Angst vor Konflikten. Sie sind in einer echten Beziehung unvermeidlich. Wenn zwei Persönlichkeiten ihre Leben zusammenlegen, entsteht Reibung. In vielen Bereichen werden Lösungen gefunden, bestimmte Themen werden spannungsgeladen bleiben. Das heißt nicht, dass Ihre Beziehung zum Scheitern verurteilt ist. Jedes Paar hat sowohl mit lösbaren als auch mit unlösbaren Problemen zu kämpfen. Paare, die nie unterschiedlicher Meinung sind, leben oft in symbiotischen Beziehungen, in denen Disharmonien von einem oder beiden „heruntergeschluckt“ werden, was im Laufe der Zeit zu tiefem Groll oder Entfremdung führen kann. Glückliche Paare behalten ihr Vertrauen und ihren Humor während sie über lösbare Probleme verhandeln und im Laufe der Zeit mit den unlösbaren Problemen zu leben lernen.
       
    • Setzen Sie sich auseinander, aber bleiben Sie fair. Es spielt keine Rolle, ob ein Paar sich laut oder leise zugrunde richtet. Die schlimmsten Kommunikationsfouls sind: Vernichtende Kritik an der Person des Partners, anstatt konkrete Kritik an seinem Verhalten zu üben; sich zu rechtfertigen, statt auf die Gefühle des Partners einzugehen; Verachtung und Rückzug. Wenn Sie im Streit den emotionalen Kontakt zu Ihrem Partner verlieren und in eine destruktive Streitspirale geraten, brechen Sie die Diskussion ab. Vereinbaren Sie gleichzeitig einen neuen, zeitnahen Termin, um „abgekühlter“ weiterzusprechen. Wenn Sie einen Konflikt nicht alleine lösen können, suchen Sie therapeutische Hilfe, je früher, desto besser. Sich Unterstützung zu holen ist keine Bankrotterklärung, sondern ein Zeichen, wie wichtig Ihnen Ihre Beziehung ist.
    • Vertragen Sie sich. Viele unglückliche Paare gehen nach einem Streit ohne sich zu vertragen in den Alltag über. So folgt eine Verletzung auf die nächste, keine Wunde heilt jemals aus. Zu den lebenswichtigen Maßnahmen in einer Beziehung gehört es, kleine versöhnliche Schritte aufeinander zuzugehen, Entschuldigungen auszusprechen, aber auch anzunehmen. Wenn Sie einen Fehler gemacht haben, entschuldigen Sie sich und versuchen Sie, Ihr Verhalten dementsprechend zu ändern. Wenn Ihr Partner einen Fehler gemacht hat, überlegen Sie, was Sie brauchen, um Ihrem Partner zu verzeihen. Manche Wunden brauchen Zeit um zu heilen, aber ein Paar braucht auch in den schwierigsten Phasen Momente des Friedens und Ausruhens miteinander.

      Es ist wichtig, Streitgesprächen einen Rahmen zu geben und sie bewusst zu beenden. Würdigen Sie die kleinen Fortschritte oder Verständigungen, die zwischen Ihnen und Ihrem Partner stattgefunden haben. Finden Sie Rituale, die Ihnen beiden signalisieren, dass Sie bereit sind, sich wieder anzunähern. Lassen Sie aus vielen kleinen Konflikten keine große Krise werden.
    • Erkennen Sie Ihren eigenen Anteil an Beziehungsproblemen. Jeder Mensch trägt ein Päckchen mit sich. Viele Partnerschaftskonflikte entzünden sich an unseren Altlasten, während wir glauben, der andere trage die alleinige Schuld. Finden Sie heraus, welche in der Kindheit erfahrenen Verletzungen zu aktuellen Schwierigkeiten führen: In welchen Situationen verwechseln Sie Ihren Partner mit einem Elternteil? Wann werden Sie von kindlichen Ohnmachtsgefühlen überschwemmt und können nicht mehr erwachsen reagieren? Welche Konflikte wiederholen sich in Ihrem Leben immer wieder? Solange Sie Ihre alten Themen unbewusst mit Ihrem Partner reinszenieren, sind Sie beide Gefangene der Vergangenheit. Je besser Sie aber Ihre eigenen Muster erkennen, desto eher können Sie ihnen entgegensteuern und sie schließlich sogar auflösen.
    • Übernehmen Sie Verantwortung. Überlegen Sie nicht, was Ihr Partner tun könnte, damit es besser läuft, sondern fangen Sie selbst an, ein besserer Partner zu sein. Finden Sie heraus, wie Sie Ihren Partner erfreuen können und wie er (oder sie) sich geliebt und gesehen fühlt. Vermitteln Sie Ihre Liebe. Wir neigen dazu, die wichtigsten Menschen in unserem Leben für selbstverständlich zu halten. Oft verlieren wir im Laufe einer Beziehung unsere rosarote Brille und kritisieren unseren Partner eher, als ihn zu loben. Dabei braucht es fünfmal mehr Lob als Kritik, um ein angenehmes Beziehungsklima zu schaffen.
    • Vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Die besten Freunde haben mehr Spaß miteinander, die Nachbarn mehr Sex, die Kollegen weniger Geldsorgen? Hören Sie auf, sich, Ihren Partner und Ihre Beziehung mit anderen zu vergleichen. Von außen sehen die Dinge oft anders aus, als sie sich von innen anfühlen. Und genau darauf kommt es an: Wie Sie sich in Ihrer Beziehung fühlen. Wie Ihr Partner sich fühlt. Jede Beziehung ist ein kreativer Akt zwischen zwei Menschen. Jedes Paar tanzt einen ganz speziellen Tanz miteinander und tariert Nähe- und Distanzbedürfnisse aus, findet sein Gleichgewicht und seinen Rhythmus. Egal, was andere dazu sagen oder denken.
    • Ihre Beziehung ist das, was Sie daraus machen. Jeden Tag. Nicht die Höhe- und die Tiefpunkte machen eine Liebesbeziehung aus, sondern vor allem die Zeit dazwischen. Es gibt Phasen, wie beispielsweise die Familiengründung oder während beruflicher Umbrüche, in denen Sie nicht die Erfüllung aus Ihrer Beziehung ziehen, die Sie gerne hätten. Bleiben Sie gelassen und achtsam zugleich. Schaffen Sie sich Oasen, in denen Sie sich begegnen können. Überraschen Sie Ihren Partner von Zeit zu Zeit. Pflegen Sie Ihre Beziehung wie einen Garten – jeden Tag ein bisschen. Säen Sie, ernten Sie, beobachten Sie, vertrauen Sie, genießen Sie, machen Sie Liebe.«
    Blick ins Buch
    Liebe machenLiebe machen

    Von der Überforderung eines Gefühls und wie Beziehungen trotzdem gelingen

    Wie finde ich »den Richtigen«? Wie wichtig ist Sex für eine glückliche Beziehung? Wie viel Streit verträgt die Liebe? Muss ein Seitensprung wirklich das Ende der Beziehung bedeuten? Und wann ist es besser zu gehen als zu bleiben? Die erfahrene Paartherapeutin Sandra Konrad deckt anhand vieler Fallbeispiele aus ihrer Praxis die Missverständnisse und falschen Erwartungen auf, mit denen wir unsere Liebesbeziehungen häufig überfordern. Denn je klarer wir erkennen, was wir selbst zur Liebe beitragen können, umso glücklicher werden wir leben und lieben.
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    Vorwort

    Über die Liebe und dieses Buch

     

    Menschen sind gierige Wesen. Wir wollen alles und noch viel mehr, auch in der Liebe. Unsere Liebe soll einzigartig sein, tief und lodernd. Sie soll leidenschaftlich und sicher zugleich sein. Sie soll uns erfüllen. Unser Partner soll uns vervollständigen, uns herausfordern und auf allen Wegen begleiten. Unsere Beziehung soll ein Ort der Geborgenheit sein und gleichzeitig spannend, bis dass der Tod uns scheidet.

    Wenn Sie diese Zeilen lesen, geht es Ihnen wahrscheinlich wie mir: Ein Teil in Ihnen stimmt entschieden zu und der andere winkt ab: Das geht doch gar nicht. Wir sind uns durchaus darüber im Klaren, dass die Liebe und unser Partner uns nicht alles geben können. Aber trotzdem fallen wir immer wieder auf unsere Sehnsüchte und uralte Mythen, die schon längst widerlegt sind, herein. Selbst ich, die es nach vielen Jahren aus eigener Beziehungserfahrung und besonders aufgrund meiner Arbeit als Paartherapeutin eigentlich besser wissen sollte. Ein zweistündiger Hollywood-Film genügt, um meine Vernunft aus- und all meine Prinz-Prinzessin-weißes-Pferd-Sehnsüchte anzuschalten. Wenn ich so einen Film gesehen habe, bin ich erst einmal sauer auf meinen Mann. Wieso hat er mir nicht so einen spektakulären Heiratsantrag gemacht? Wieso überrascht er mich nach einem Streit nicht mit einer Schnitzeljagd rund um den Globus? Wieso backt er mir keine Liebesbriefe in Soufflé-Törtchen ein?

    Es ist verflixt: Frauen wissen meist theoretisch ziemlich gut, wie Beziehungen funktionieren, wenden ihr Wissen aber nicht an. Sie vergessen wichtige Weisheiten und am eigenen Leib gemachte Erfahrungen und steigern sich in Phantasien hinein, die sich in der Realität nie erfüllen werden: »Ich bin seit zehn Jahren seine Geliebte. Er hat mir versprochen, dass er seine Frau bald für mich verlassen wird.« Oder: »Wahre Liebe ist, wenn er mich ohne Worte versteht und mir die Wünsche von den Augen abliest.« Diese Sätze werden nicht wahrer, so oft Sie sie auch denken oder aussprechen.

    Die typischsten – nachvollziehbaren – aber dennoch leider falschen Überzeugungen werden in diesem Buch thematisiert und anhand vieler Fallbeispiele beschrieben und aufgelöst. Mythen und Missverständnisse über die Liebe und Beziehungen fangen bei der Partnerwahl an, spiegeln sich in den schlechten Tagen des Beziehungsalltags und münden leider oft genug in eine Trennung – und so gibt dieses Buch in gewissem Sinne eine Chronologie der Liebesdenkfehler wieder.

    »Love is all you need«, singen die Beatles und obwohl man ihnen nur zu gern Glauben schenken würde – es gehört noch ein bisschen mehr dazu, um in einer Beziehung glücklich zu werden. Denn während Verliebtheit einfach so, ganz ohne unser Zutun passiert, ist eine Liebesbeziehung eine Aktivität, deren Verlauf neben unserer Persönlichkeit und der unseres Partners auch von unserer Bindungsfähigkeit, vielen unserer Entscheidungen und von unserem Verhalten abhängt. Eben davon, was wir in oder aus einer Beziehung machen. Von diesen Liebesaktivitäten – und den zugrundeliegenden Missverständnissen, was Liebe ist oder sein sollte – handelt dieses Buch. Sie werden erfahren:

    Wie Verlieben und Partnerwahl funktionieren, warum wir denken, dass es »den Richtigen« gibt, obwohl er im Verlauf einer Beziehung immer falscher wird, wie Seelenverwandtschaft zu erklären ist und warum unsere Eltern unsere Partnerwahl mitbestimmen, ohne dass sie ein Wörtchen darüber verlieren müssen.

    Wie Beziehungen idealerweise, realistisch oder schlimmstenfalls gestaltet werden können und welche Enttäuschungen in gängigen Überzeugungen lauern wie beispielsweise: »Unsere Liebe soll bedingungslos sein«, »Er wird sich noch ändern (oder ich ihn)«, »Die Heirat ist die Krönung unserer Liebe« oder »Mit einem Kind wird unsere Beziehung vollkommen«.

    Warum Treue kein Gefühl, sondern eine Entscheidung ist, was Männer und Frauen beim Thema Sexualität und Liebe unterscheidet, warum Untreue die größte Verletzung oder das größte Geschenk sein kann, und wie ein Paar einen Seitensprung gemeinsam überleben und die Beziehung letztlich sogar davon profitieren kann.

    Warum Trennungen sich oft wie ein Versagen anfühlen, auch wenn zwei Menschen alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um ihre Beziehung zu retten, welche falschen Gründe es gibt, zusammenzubleiben, wieso Trennungen so schmerzhaft sein können, wie lohnenswert Liebeskummer ist und was wir brauchen, damit beim nächsten Partner wirklich alles besser wird.

     

    Wahrscheinlich werden Sie sich in einigen Passagen wiedererkennen. Vielleicht werden Sie sich über manche Aussagen in diesem Buch ärgern. Mir selbst ist auch nicht alles recht, was ich hier geschrieben habe. Es ist und bleibt trotzdem wahr. Wissenschaftliche Studien, Beobachtungen aus meiner therapeutischen Praxis und Feldstudien legen nahe: Die Realität von Liebesbeziehungen ist nicht immer magisch, romantisch und sexy. Stattdessen fordert uns die Liebe immer wieder heraus, sie weckt Sehnsüchte und Ängste, Kampfgeist und Verzweiflung. Sie treibt uns in die falschen Arme und bricht uns bei einer Trennung das Herz. Liebe kommt und geht, wie es ihr beliebt. Sie bewegt sich für jeden Einzelnen von uns zwischen Mangel und Magie.

    »Es gibt kaum eine Aktivität, kaum ein Unterfangen, das mit so ungeheuren Hoffnungen und Erwartungen begonnen wird und das mit einer solchen Regelmäßigkeit fehlschlägt wie die Liebe«, schrieb Erich Fromm in »Die Kunst des Liebens«. Aber die Liebe muss nicht scheitern. Je klarer wir erkennen, was wir zu einer gelingenden Beziehung beitragen können und auch, an welchen Stellen wir die Liebe und unsere Partner überfordern, desto eher können wir in Liebe und mit Liebe leben. Denn wie der Psychologe Fritz Riemann ein wenig überspitzt, aber dennoch treffend sagte: »Die Liebe ist kein Zustand, sondern ein Tun.«

    In diesem Sinne: Suchen Sie, finden Sie, irren Sie, träumen Sie, glauben Sie, geben Sie, nehmen Sie, vertrauen Sie – machen Sie Liebe.

     

    Hamburg im Dezember 2014

    Sandra Konrad

     

    PS. Weil ich davon ausgehe, dass Beziehungsbücher und Bücher über die Liebe eher von Frauen als von Männern gelesen werden, spreche ich bevorzugt das weibliche Geschlecht an. Sollte sich diese Annahme als Mythos entpuppen, lassen Sie es mich bitte wissen, liebe männliche Leser. Die Aussagen sind dennoch größtenteils geschlechtsunabhängig, gelten also ebenso für Männer wie für Frauen.

     

     

    EINS

    Woran wir glauben – was wir wissen – wovon wir träumen

     

    You’ve got to give a little, take a little,

    And let your poor heart break a little.

    That’s the story of, that’s the glory of love.

    You’ve got to laugh a little, cry a little,

    Until the clouds roll by a little.

    That’s the story of, that’s the glory of love.

    You’ve got to win a little, lose a little,

    Yes, and always have the blues a little.

    That’s the story of, that’s the glory of love.

    That’s the story of, that’s the glory of love.

     

    Aus dem Song »The Glory of Love«

     

     

    Die Geschichte von Sue und Frank

    Was wir von Profis über die Liebe lernen können

     

    Vor ein paar Jahren machten mein Mann und ich Urlaub in Kalifornien. Eines Abends gingen wir in dem kleinen Küstenort Cambria in ein Restaurant. Neben uns saß ein Paar, das zum Dessert ein großes Stück Kuchen bekam, auf dem eine Kerze brannte. Sie lächelten sich an und pusteten die Kerze aus. Dann hoben sie ihre Weingläser und prosteten erst einander und anschließend uns zu. »Wir feiern heute unseren 54. Hochzeitstag«, erklärte die Frau. »Sind Sie auch verheiratet?«

    Wir nickten. »Wir sind beide fast 100, wenn wir unseren 54. Hochzeitstag feiern. Das wird ein Fest!«, flüsterte mein Mann mir zu. Wir gratulierten den beiden, die sich als Sue und Frank vorstellten.

    »54 Jahre! Das ist großartig. Würden Sie uns das Geheimnis Ihrer Ehe verraten?«, fragte ich. Als Paartherapeutin, die sich berufsbedingt eher mit den Schattenseiten der Liebe befasst, höre ich mir sehr gern gelungene Liebesgeschichten an.

    »Erst einmal muss man den richtigen Partner finden«, sagte Frank. Er toastete Sue noch einmal zu. »Liebe heißt Geben und Nehmen und ich habe viel Glück gehabt, dass ich mehr bekommen habe, als ich überhaupt geben konnte.«

    Sue lächelte und nahm seine Hand. »Das hat sich nach seiner Rente geändert. Nun gibt er mehr und verwöhnt mich.«

    »Ich habe im Laufe der Jahre immer mehr gelernt, wie wichtig es ist, zuzuhören. Das fiel mir nicht immer leicht«, gestand Frank. »Aufeinander eingehen und versuchen, die Dinge aus den Augen des anderen zu sehen − das ist schwer, aber es hilft auf Dauer.« Er überlegte einen Moment. »Wenn man in einer Sache völlig verschiedener Meinung ist, sollte man sich nicht bis aufs Blut streiten, sondern lieber rechtzeitig eine Pause machen. Ich hab mir dann entweder die Kinder geschnappt und mit ihnen im Garten gespielt oder bin mit dem Hund eine Runde um den Block gelaufen. In dieser Zeit ist mir dann meist auch klar geworden, dass ich ein Trottel war. Und dann hab ich mich bei meiner Frau entschuldigt. Man sollte sich immer entschuldigen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen. Zusammenhalten. Durchhalten, auch, wenn es mal Schwierigkeiten gibt. Einfach weitermachen.« Sue nickte, schlug einmal leicht mit der Hand auf den Tisch und sagte energisch: »Und ganz wichtig – nicht an den Schwachsinn glauben, der einem erzählt wird. Liebe ist nicht nur Sonnenschein. Man wird nicht täglich und für immer auf Rosen gebettet. Wir sind beide bodenständige Menschen. Wir wussten, dass es auch mal schwierig wird.«

    Die 72-jährige Sue und der 75-jährige Frank gehören zu den etwa 50 Prozent Amerikanern, denen es gelungen ist, in erster Ehe verheiratet zu bleiben.[1] Sie hatten sicherlich nicht nur rosige Zeiten miteinander. Aber sie haben in ihrer Beziehung vieles richtig gemacht und einiges beherzigt, was wissenschaftliche Studien über langjährige Partnerschaften und Eheglück herausgefunden haben.

    In meiner therapeutischen Praxis treffe ich meist Menschen, die weniger glücklich in ihren Beziehungen sind als Sue und Frank. Menschen, die an sich, an ihrem Partner oder gar grundsätzlich an der Liebe zweifeln. Menschen, die über Trennung nachdenken oder sich gerade in der Auflösung einer ehemals intensiven Partnerschaft befinden. Menschen, die die Liebe suchen, sie aber nicht finden. Von ihnen höre ich oft Gedanken und Überzeugungen, die ich im Folgenden als Mythen der Liebe bezeichne und hinterfrage. Denn Liebe ist oft viel mehr als wir denken, aber manchmal eben auch weniger als wir erhoffen.

    Jeder Mensch hängt gelegentlich unrealistischen und schlichtweg falschen Vorstellungen nach. Die Kunst ist, sie loszulassen und sich auf das, was das Leben und die Liebe uns bietet, wirklich einzulassen. Verantwortung zu übernehmen für unser Verhalten und unser eigenes Glück. So wie Sue und Frank, die von Anfang an wussten, dass es in ihrer Beziehung nicht immer leicht sein würde und die sich trotzdem vorgenommen hatten, nicht aufzugeben. Weder sich selbst, noch ihre Beziehung, noch die Liebe, die sie nach 54 Jahren immer noch verbindet.

     

    [1] Deutschland hat eine geringfügig niedrigere Scheidungsquote: Laut Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden etwa 36 Prozent aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der nächsten 25 Jahre geschieden.

     

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