Reisen mit Kindern
Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich

Reisen mit Kindern

Dienstag, 25. September 2018 von Piper Verlag


Reisen mit Kindern – so bereiten sich Familien auf das gemeinsame Abenteuer vor

Erste Schritte am weißen Sandstrand, Abendessen unter dem Sternenhimmel und unvergessliche Streifzüge durch duftende Pinienwälder: Eltern, die mit Kindern eine Reise planen, können sich auf unvergessliche Erlebnisse gefasst machen. Denn auch mit kleinen Kindern muss das ganz große Abenteuer oder die Weltreise nicht auf der Strecke bleiben.

 

Die Grundlage für eine entspannte Reise mit Kleinkindern ist natürlich die richtige Planung. Tipps für den ersten gemeinsamen Urlaub gibt es in Jana Steingässers spannenden Ratgeber  »Gebrauchsanweisung fürs Reisen mit Kindern«. Erste Ideen für Ihren Trip mit Kindern finden Sie außerdem im Folgenden kurz zusammengefasst.

Einen humorvollen Einblick in eine spannende Reise durch die unendlichen Weiten Nordamerikas gibt die Autorin Heike Praschel zum Beispiel in  »Mit dem Schulbus in die Wildnis«. Gemeinsam mit ihren zwei Töchtern und ihrem Mann begab sich die Autorin in einem umgebauten Schulbus auf einen spannenden Roadtrip, der sie von Alaska bis nach Mexiko führte.

Noch ungewöhnlicher ist die Reise, die die Autorin Julia Malchow mit ihrem zehn Monate alten Sohn Levi machte: 15 000 Kilometer quer durch Russland legten die beiden mit der transsibirischen Eisenbahn zurück. Schöne Momente und eine sehr persönliche Schilderung machen den Reisebericht zu einer hervorragenden Inspiration für Eltern, die sich nach einer eher unkonventionellen Art des Reisens sehnen.

Jack Wolfskin Rucksäcke gewinnen

Beantworten Sie einfach die unten stehende Gewinnspielfrage und gewinnen Sie mit etwas Glück Rucksäcke von Jack Wolfskin und die »Gebrauchsanweisung fürs Reisen mit Kindern«

Wir drücken Ihnen die Daumen!

Das Gewinnspiel ist beendet, die Gewinner werden in Kürze benachrichtigt.

 

Zur Verfügung gestellt von 

Reisen mit Kinder: Die besten Tipps

So wird Reisen zu einem tollen Abenteuer für die ganze Familie

Eine grundlegende Struktur erleichtert eine Reise mit Kindern ungemein. So spannend es ist, einfach mit dem Rucksack loszuziehen – mit dem eigenen Nachwuchs wird Spontaneität oft zum Hindernis. Eine gute Planung und detaillierte Informationen zum Reiseziel erleichtern es Familien, eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit in einem familienfreundlichen Ambiente zu finden. Ebenfalls zur Reiseplanung gehört eine Sichtung der näheren Umgebung. Kindgerechte Museen, Spielplätze, Strände mit seichtem Wasser oder weitläufige Parks garantieren Spaß und gestalten den gemeinsamen Urlaub abwechslungsreich. Lesetipp für Familien, die sich nach Ursprünglichkeit und Naturverbundenheit sehnen: Mit „Im Wald“ zeichnet der norwegische Autor Torbjørn Ekelund eine einfühlsame und spannende Beschreibung seiner Streifzüge durch die unberührte Natur.

 

 

Den Urlaub gemeinsam mit Kindern planen

Gerade ältere Kinder und Jugendliche freuen sich, wenn sie bei der Reiseplanung mit einbezogen werden. Beim Aussuchen des Reiseziels oder auch bei der Tagesplanung erleben viele Eltern eine Überraschung, wenn sie von bisher unbekannten Interessen ihrer Kinder erfahren.

Ob Klettertouren, Wanderungen oder eine Erkundung des botanischen Gartens – viele Eltern werden selbst noch einmal zu Entdeckern, wenn sie ihr Kind bei der Planung helfen lassen. Lesetipp für aktive Familien: In »Mit Kindern wandern« von Manuel Andrack erfahren Eltern, wie sie stressfrei mit Kindern und Jugendlichen wandern und gemeinsam die Natur entdecken.



Stress minimieren

Beim gemeinsamen Urlaub mit einem Baby oder Kleinkind ist es sinnvoll, die Anreise so simpel wie möglich zu gestalten. Direktflüge – auch wenn diese etwas kostspieliger sind – minimieren Stress und ermöglichen Familien einen längeren Aufenthalt an ihrem Reiseziel. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der geplanten Ankunft unvorhergesehene Dinge wie Verspätungen oder Gepäckverlust im Wege stehen. Bei langen Flügen mit Umstiegen ist es unter Umständen sinnvoll, eine Nacht am Ort der Zwischenlandung zu verbringen. So haben Eltern und ihr Kind die Gelegenheit, sich vom Flug zu erholen und in einem richtigen Bett zu schlafen.
 

Unterwegs mit Kindern: ohne Zeitdruck reisen

Bei Reisen mit Kind ticken die Uhren anders. Aus einem Gang zum Bäcker oder zur Haltestelle wird eine abenteuerliche Erkundung, die ihre Zeit braucht. Manchmal sind es auch gerade unscheinbare Dinge wie Straßenschilder, eine interessante Türe oder ein Vogel, die für ein Kind zum Highlight des Urlaubstages werden. Ein wichtiger Tipp für Familien ist deshalb, mehr Zeit einzuplanen und Zeitdruck zu Hause zu lassen. Schließlich sind es nicht die Programmpunkte der Reise, sondern vielmehr die Freude am Entdecken und Lernen, die bei Reisen mit Kindern im Vordergrund stehen. Insbesondere sehr kleine Kinder haben zudem Bedürfnisse wie vermehrte Toilettengänge, Pausen, Zeit zum Spielen oder einfach nur zum Kuscheln. Lesetipp für Kurztrips oder Fernreisen mit Babys und Kleinkindern: Mit »Gebrauchsanweisung fürs Reisen mit Kindern« von Jana Steingässer bereitet die Autorin Familien hervorragend auf ihre erste gemeinsame Reise vor.


Wetter und Klima nicht vergessen

Für Babys und Kleinkinder ist ein ungewohntes Klima eine größere Belastung als für Erwachsene. Sie reagieren empfindlicher auf Hitze, Kälte oder intensive Sonneneinstrahlung. Bei der Urlaubsvorbereitung ist es deshalb sinnvoll, detaillierte Informationen über das Klima vor Ort einzuholen. Kleidung mit integriertem Sonnenschutz, eine kuschelige Mütze oder robuste Wanderschuhe sorgen dafür, dass sich auch junge Abenteurer rundum wohlfühlen und den Familienurlaub in vollen Zügen genießen. Ebenfalls auf die Packliste für einen Urlaub am Meer gehören Schwimmsandalen oder Schwimmschuhe. So werden auch heißer Sand oder Seeigel bei der gemeinsamen Stranderkundung oder bei ersten Schwimmversuchen nicht zum Hindernis.

Wie ein Local unterwegs sein

Kinder lieben neue Eindrücke und haben keinerlei Berührungsangst mit anderen Kulturen. Um einem Kind eine spannende Erfahrung zu ermöglichen, lohnt es sich dann und wann, auf den Leihwagen oder das Taxi zu verzichten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad oder zu Fuß tauchen Kinder besonders intensiv in die fremde Umgebung sein. Neue Geräusche oder ungewohnte Gerüche wie ein exotischer Wochenmarkt sind für ein Baby oder Kleinkind manchmal so interessant wie ein Ausflug ins Museum. Lesetipp vom Piper Verlag: In ihrer abenteuerlichen Schilderung „Mut für zwei“ beschreibt die Autorin Julia Malchow ihre Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. Auf die Fernreise begleitete sie ihr zehn Monate alter Sohn Levi.

 

Übernachtungsmöglichkeit von der Destination abhängig machen

Hotels und Ferienwohnungen bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Insbesondere bei Fernreisen mit Kindern genießen junge Familien den Komfort eines Hotels. Angestellte sind mit der Landessprache vertraut und helfen Familien bei der Tagesplanung oder dabei, ein Taxi zu rufen. Telefon, Internet oder ein Buffet im Hotel erleichtern es Familien, sich bei der Urlaubsgestaltung auf Ausflüge und Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren. Bei Reisen zu Destinationen mit einer guten Infrastruktur bietet auch eine Ferienwohnung Vorteile für Reisende mit Baby. Familien genießen mehr Privatsphäre als in einem Hotel und haben die Möglichkeit, zu kochen sowie gewohnte Familienrituale in den Urlaub zu integrieren.

 

Langeweile im Flieger mit Brettspielen entgegenwirken

Spielzeug, Kartenspiele oder ein Block und ein paar Stifte retten den Tag, wenn der Flug Verspätung hat oder der Check-in im Hotel ewig dauert. Die passende Beschäftigung – sei es ein Wimmelbuch oder eine Runde Mensch ärgere dich nicht – gestaltet auch ungeplante Wartezeiten angenehm. Tipp: Viele Brettspiele sind mittlerweile auch als magnetische Variante erhältlich. So spielen Eltern und Kind auch im Flugzeug oder Zug, ohne ständig nach verlorenen Spielfiguren zu suchen. Pocketversionen von gängigen Brettspielen passen zudem in jede Handtasche.

 

Klassische Bewegungsspiele, die in jeder Handtasche Platz finden

Auch Familienspiele müssen natürlich mit in den Urlaub. Je nachdem, wo Sie sich gerade befinden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einem spannenden Spiel nachzugehen. Perfekt für die Reise im Auto, im Zug oder im Flugzeug sind Buchstabenspiele, Ratespiele oder Suchspiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Handlich und zeitlos für einen Aufenthalt in der Natur sind Bewegungsspiele wie Frisbee, Flying Ring oder Tennisbälle zum Jonglieren. Tipp: In den meisten Sportgeschäften gibt es aufblasbare Softbälle, die in jede Handtasche passen und sich hervorragend für eine spontane Runde Fußball oder Handball eignen.

 

So werden Kinder zu Reisereportern

Für die meisten Kinder gibt es nichts Schöneres, als selbstständig zu sein und die gleichen Dinge wie die „Großen“ zu machen. Eine tolle Idee, um ein Kind in den Abenteuerurlaub zu integrieren, sind eine eigene Kamera und ein Notizbuch. Kleine Reisereporter malen oder beschreiben spannende Urlaubsmomente und kleben Fundstücke wie Werbung in einer anderen Sprache, Federn oder Postkarten in ihr Notizbuch. Urlaubsmomente werden so zu einer eindrucksvollen Collage, die sich Kinder und Jugendliche noch lange nach dem Urlaub ansehen. Lustig und überraschend sind auch Fotos, die sehr kleine Kinder aufnehmen. Blumen, Füße, Katzen oder Geländer – nach dem Urlaub erhalten Eltern einen spannenden und erfrischenden Einblick in die Reiseerfahrungen eines Kleinkinds.

 

Aktivitäten während des Urlaubs an den Rhythmus des Kindes anpassen

Bei Reisen mit Babys sind die Ruhezeiten des Kindes ein hervorragender Zeitpunkt, um eigenen Aktivitäten nachzugehen. Wenn das Baby schläft, ist dies zum Beispiel ein guter Moment, um ein Museum oder eine Ausstellung mit Baby im Kinderwagen oder im Tragetuch anzusehen. Die ruhige Atmosphäre und das angenehme Klima eignen sich hervorragend für einen ausgedehnten Mittagsschlaf nach einem spannenden Stadtspaziergang oder einem gemeinsamen Parkbesuch.

Mit dem Wohnmobil die Welt umrunden

Eltern, die eine Weltreise mit Baby planen, profitieren von einem Urlaub im Wohnmobil. Familien mit Baby genießen den Vorteil ständiger Mobilität und Reisen ohne Zeitdruck. Kleinkinder und Jugendliche erhalten unvergessliche Reiseerinnerungen, von denen sie noch lange nach der Weltreise zehren. Der erste Schritt bei der Planung einer Weltreise mit Kindern ist die Auswahl und die Ausstattung eines Wohnmobils. Kindersicherheit geht bei Steckdosen, ausklappbaren Modulen und bei Sicherheitsgurten immer vor und beugt unangenehmen Zwischenfällen auf Reisen vor. Lesetipp für Weltenbummler mit Kind: In „Mit dem Schulbus in die Wildnis“ beschreibt die Autorin Heike Praschel, wie sie gemeinsam mit ihrer Familie in einem ausgebauten Schulbus Nordamerika erkundete. Der fesselnde Reisebericht ist eine gelungene Inspiration für Familien, die sich nach Abenteuer und mehr bewusstem Erleben sehnen.

 

Die Route planen und auf Offroad-Abenteuer verzichten

Für Paare, die alleine mit dem Wohnwagen unterwegs sind, gibt es nichts Spannenderes als Offroad-Abenteuer oder Abstecher in entlegene Bergdörfer und Sackgassen. Bei einer Weltreise mit Baby hingegen ist es sinnvoll, auf etablierte und sichere Strecken zu vertrauen. Ein leerer Tank oder ein platter Reifen sind an sich schon ärgerlich, können aber gerade für Eltern mit Kleinkindern zu größeren Unannehmlichkeiten führen. Kartenmaterial im Papierformat und eine Powerbank fürs Handy gehören zu den Basics bei einer Reise mit dem Wohnmobil und garantieren, dass Sie auf dem rechten Weg bleiben. Lesetipp für Eltern, die einen Roadtrip planen: In ihrem humorvollen Reisebericht »Weltenbummler«  nimmt die Autorin Heike Praschel ihre Leser mit auf eine 30-monatige Reise um die Welt. Gemeinsam mit ihrem Mann und drei Kindern entdeckte die Kinderpflegerin exotische Länder von Usbekistan bis Mexiko in einem alten Mercedeslaster.

 

Den Wohnwagen für schlechtes Wetter ausstatten

Regentage sind zwar nicht angenehm, stellen aber bei den meisten Roadtrips einen festen Bestandteil der Reise dar. Eine gute Ausstattung mit Kuscheldecken, Büchern oder Kinderfilmen – Solarstrom ist hier von Vorteil – heben an tristen Regentagen die Stimmung. Indoor-Spielplätze oder ein Abstecher in ein Museum oder Schwimmbad sind ein hervorragender Zeitvertreib und gefallen kleineren und größeren Kindern gleichermaßen. Lesetipp: Die ideale Lektüre für verregnete Tage im Wohnwagen ist »Die Kinderzimmer-Akademie« von Thomas de Padova. In seinem beim Piper Verlag erschienen Buch beantwortet der Wissenschaftler 100 Fragen des Alltags, die gleichermaßen bei Kindern und Eltern für Staunen sorgen.


Mit der passenden Lektüre auf den Urlaub vorbereiten

Spannende Reiseberichte und humorvolle Schilderungen sind die perfekte Vorbereitung auf das große Abenteuer mit der ganzen Familie. Sie helfen Ihnen bei der Auswahl des Reiseziels und bereiten Sie auch auf Situationen vor, die Sie bei der Reiseplanung vergessen könnten. Natürlich ist jedes Abenteuer einzigartig und für alle Eventualitäten kann niemand im Vorfeld planen. Ein gutesBuch gibt Ihnen jedoch Ideen und hilft dabei, der gemeinsamen Fernreise oder dem spannenden Roadtrip einen Schritt näher zu kommen. Wohin geht Ihre nächste Reise? Stöbern Sie bei den Büchern zum Thema Reisen mit Kind und lassen Sie sich inspirieren!

Unterwegs mit Babys und Kleinkindern

11 Aspekte, die man beim Reisen mit Kleinkindern berücksichtigen sollte:

Julia Malchow war mit ihrem zehn Monate alten Sohn Levi mit der Transibirischen Eisenbahn unterwegs. Was sie in den 2 Monaten und 15.000 Kilometern von München durch Sibirien und die Mongolei bis nach Peking mit Levi über das Reisen und Leben mit Babys gelernt hat, erzählt sie in ihrem Buch »Mut für zwei«.


Kaum einer versteht es:
Freunde, Bekannte, Fremde werden Dich im angenehmsten Fall verständnislos anschauen und im unangenehmsten Fall als verantwortungslosen Egoisten beschimpfen. Gefragt nach den genauen Gefahren für das Kind kommt aber nichts, außer: das macht man halt nicht. Die Lautstärke und Schärfe der Kritik steigt umgekehrt proportional zur Reiseerfahrung der Kritiker.

Babys sind die personalisierte Aufforderung zum Planbrechen:
Das heißt auf Reisen: Kaum ein Tag endet so, wie am Morgen gedacht. Und das ist gut so. Denn: Organisiertes Reisen ist nicht wirkliches Reisen. Ob nun mit oder ohne Baby.

Menschen:
Auf Reisen mit Baby trifft man noch mehr Menschen, als Alleinreisende. Die Liebe zu Babys, das gemeinsame Beobachten von Kindern liefert sofort einen Anknüpfungspunkt für Gespräche und ist häufig Auslöser für Einladungen nach Hause zu Menschen, die eben noch Fremde waren. Das Reisen mit Baby ermöglicht ein nochmal tieferes Eintauchen in die Lebensgewohnheiten der Menschen in den bereisten Regionen.

Slow Travel:
Mit Baby reise ich viel langsamer als ohne. Ich mache weniger an einem Tag. Und erlebe dadurch viel intensiver, als vorher. Ich habe gemerkt, dass für mich babyfreundliches Reisen auch menschenfreundlicheres Reisen bedeutet. Ich wage die These, dass babyfreundliches Leben auch ein menschenfreundlicheres Leben bedeutet. 

Mehr Zeit an einem Ort:
Ich bleibe mit Levi mindestens 5, besser noch 7 Tage oder länger an einem Ort. Levi braucht einen Tag, um anzukommen. Und er hat mir gezeigt: Ich brauche das auch. Mehr Zeit an einem Ort zu verbringen, macht Kontakte zu den Menschen oft erst möglich. Mit Baby (und ohne auch) ist es schön, entspannend und bereichernd, an einem Ort wirklich anzukommen, auspacken zu können, da zu sein, sich zu integrieren in das Leben vor Ort. …

Mit Baby mache ich auf Reisen viel öfter auch mal Nichts.
Und erlebe dadurch mehr, als vorher. Dieses Nichts ist sehr kostbar für mich. Es läßt mich die Gegenwart in einer ungewohnten Intensität erleben. Ich mache das jetzt auch zu Hause. Ohne schlechtes Gewissen. Es führt zu Begegnungen, Gesprächen, Erlebnissen, die nie planbar gewesen wären. Es ist großartig!

Wohnen mit Familienanschluss:
Ich meide mit Levi unpersönliche, große, zu luxoriöse Hotels – denn sie errichten oft eine Barriere zwischen mir und dem Leben der Menschen vor Ort. Ich suche Lodges oder Ähnliches, die einen Anschluß an die Menschen vor Ort ermöglichen: wie die Chalets von Baikalcomplex am Baikalsee, bei denen das Management zum gemeinsamen Kochen in die Wohnküche einlädt und daraus bei längeren Aufenthalten etwas entstehen kann. Oder auch das Commune by the Great Wall, bei dem die Möglichkeit des Housesharings mit Einheimischen besteht – jeder hat sein Schlafzimmer, Küche und Wohnräume werden geteilt: Basis für tolle Gespräche und Erlebnisse. Also: mit Baby mitten rein in das Leben vor Ort. Nur mal kurz gucken und dann schnell wieder weiter ist stressig in Begleitung eines Babys.

Reisevehikel:
Längere Autofahrten mit Baby unbedingt meiden. Länger heisst: länger als 2 Stunden. Eigentlich geht Autofahren nur in den Schlafsessions des Babys. Maximal noch eine Stunde länger. Und dass auch maximal nur alle 5 Tage. Zugfahren ist ideal, weil es maximalen individuellen Bewegungsfreiraum läßt. Beim Fliegen unbedingt Nachtflüge wählen. Direktflüge buchen oder bei Umsteigeverbindungen ein paar Tage Zwischenstopp einplanen. 

Die Reise als Chance, meinen Sohn und mich zu erleben, so wie es uns taugt –
unabhängig davon, was andere Menschen für richtig halten. Auf meiner Reise mit Levi als Baby konnte ich den regel- und glaubenssatzüberfrachteten deutschen Alltag als Mutter hinter mir lassen. Dass hat unsere Familienbande und unser Selbstverständnis als Familie enorm gestärkt. Reisen als Weg, in mich hineinzuspüren, herauszubekommen, was ich wirklich will und brauche – das hat schon vor Levi funktioniert – und zum Glück funktioniert es auch mit ihm noch.

Ein Baby macht auf Reisen einiges leichter:
Zum Beispiel werden üblicherweise langwierige und strenge Grenzübertritte (Rußland – Mongolei) in wenigen angenehmen Augenblicken absolviert. Denn: Auch Grenzbeamtinnen lieben Kinder.

Völkerverständigung über Babysprache:
Wenn gemeinsame Worte fehlen, brechen viele Menschen die Kommunikation ab: aus Angst, sich lächerlich zu machen. Oder aus Bequemlichkeit. Die Kommunikation mit Babys baut diesbezügliche Hürden ab: mit Zeichensprache, Mimik, einfachen Lauten und Blicken, die mehr sagen als die meisten Menschen mit Worten auszudrücken vermögen, über gemeinsames Essen und Lachen habe ich wunderbare Tage und Abende „ohne Worte“ verbracht.

Der Artikel ist ursprünglich im Blog von Julia Malchow erschienen.


Mut für zweiMut für zweiMut für zwei

Mit der Transsibirischen Eisenbahn in unsere neue Welt

Mit der Transsibirischen Eisenbahn auf der Suche nach einer Welt für zu Hause – jenseits der typischen Familienklischees. Auf diese Reise begibt sich Julia Malchow mit ihrem zehn Monate alten Sohn Levi. Denn Reisen ist für sie mehr als Unterwegssein: der Schlüssel zu neuen Ideen und zum Einssein mit sich selbst. Und genau danach sucht sie nach der Geburt ihres Sohnes, der erst mal alles in Julias Leben auf den Kopf stellt. Aber funktioniert Reisen in abgelegene Winkel auch mit Kind? Ein großes Abenteuer, das mit gängigen Familienvorstellungen aufräumt und den Kopf frei macht für die Welt – und für zu Hause.
Taschenbuch
€ 14,99
Taschenbuch
€ 12,00
E-Book
€ 10,99
€ 14,99 inkl. MwSt.
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 12,00 inkl. MwSt.
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 10,99 inkl. MwSt.
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Vorspiel: Die letzten ruhigen Tage?!?

Ostgrönland, auf dem Inlandeis, im Juli
Vier Monate vor Levis Geburt

Ich halte das Satellitentelefon mit beiden Händen fest umschlungen. Markus wirft das Gewehr über seine rechte Schulter.

Als wir nach fünf sonnigen Tagen und taghellen Nächten im zivilisationslosen Ikertivag am Rande des grönländischen Inlandeises um 16.30 Uhr an der verabredeten Stelle unser letztes aufgewärmtes Trockenessen verspeisen und noch keine Motorengeräusche hören, bleiben wir zunächst entspannt. Als um 17.15 Uhr immer noch kein Ben in Sicht ist, werden wir unsicher. Als sich um 17.30 Uhr der Himmel schwarz färbt und über dem Meer Regen und Sturmwolken aufziehen, zücke ich das Satellitentelefon und wähle Roberts Nummer. Keine Antwort. Meine Unsicherheit wächst. Vielleicht ist er gerade auf der Toilette? Ich wähle erneut. In Tasiilaq, einem 1800-Seelen-Bilderbuchdorf an der Küste Ostgrönlands – rote, blaue und grüne Holzhäuser auf braunen Felsen vor grün-blauem Fjord – antwortet niemand. Mann! Ich wähle erneut. Endlich höre ich Roberts Stimme.

Robert Peroni hatte mit seiner Durchquerung des grönländischen Inlandeises ohne Hilfsmittel an der breitesten Stelle 1983 Berühmtheit erlangt und weltweit weitere fünfzig Expeditionen geleitet. Nach der Trennung von seiner Frau war er von Südtirol nach Tasiilaq gezogen. Seitdem steht er den wenigen Touristen, die sich in die gewaltige ostgrönländische Stille aus Eis, Fels und Meer verirren, bei der Planung und Durchführung ihres persönlichen – mal kleineren, mal größeren – Expeditionstraums zur Seite. So auch meinem Mann Markus und mir. Dachte ich zumindest.

»Habt ihr uns vergessen?«, lache ich erleichtert in das Telefon.

»Scheiße, scheiße, scheiße«, dröhnt es mir entgegen. »Warum seid ihr nicht mit der Gruppe, die heute Morgen zum Kajaken da war, zurückgekommen?«

Ich muss mich hinsetzen. »Welche Gruppe? Wir waren auf dem Inlandeis unterwegs, weil wir 16 Uhr mit Ben ausgemacht hatten!«, brülle ich zurück. Ich bin stinksauer.

»Scheiße, scheiße, scheiße«, höre ich wieder.

»Überleg dir was, ich rufe in zwei Minuten wieder an«, sage ich und lege auf.

Markus schaut mich halb erwartungsvoll und halb verunsichert an.

»Die haben uns vergessen«, sage ich ungläubig. Die schwarzen Wolken sind mittlerweile am Eingang unseres Fjordarms angekommen. Ein kalter starker Wind weht um unsere nun weißen Nasen.

Kurz vor unserem Aufbruch vor fünf Tagen hatte Robert Neuigkeiten von dem vor der Küste kreuzenden Forschungsschiff, der Alfred Wegener, zu berichten gehabt. Die Besatzung hatte Eisbären auf einer Eisscholle gesichtet, die wenige Kilometer von Tasiilaq entfernt in unsere Richtung driftete. Kommentarlos hatte Robert Markus und mich daraufhin in das Schießen mit einer oldshatterhandigen Blechbüchse eingewiesen und uns erklärt, dass Eisbären die Angewohnheit pflegen, ihre Beute mehrere Tage lang zu umkreisen. Uns würde also genügend Zeit bleiben, um per Satellitentelefon das Boot für einen unblutigen Rückzug zu bestellen.

Nach einem erfolglosen Test des Satellitentelefons hatte Robert gemeint, dass es auch ohne ginge, da Eisbären in der Regel den Kontakt zu Menschen mieden. Entgegen meiner sonstigen Gelassenheit auf Reisen hatte ich auf einem Ersatzgerät bestanden, das beim Wählen der Büronummer auch tatsächlich das Telefon auf Roberts Schreibtisch zum Klingeln gebracht hatte.

Eingemummelt in Skiunterwäsche, wärmendes Fleece und wind- und wasserabweisende Apexhosen und -jacken, hatte uns Ben wenig später in einem Speedboot in weit geschwungenen Kurven vorbei an Eisbergformationen chauffiert, die an riesige Mäuse, senkrecht aus dem Wasser herausspringende Wale oder in Schräglage geratene Hochhäuser erinnerten. Manchmal war das Blau des Meeres komplett verdeckt von riesigen weißen Eispuzzleteilen. Immer wieder hatten wir keine 50 Meter von unserem Boot entfernt Wale ausmachen können. Dann hatte Ben den ruppigen Flug des Bootes über das Eismeer für einige wunderbare stille Momente mit den Riesensäugern unterbrochen. Einmal bildete ich mir ein, dass einer der Wale meinen Blick erwiderte. Bestimmt ein gutes Zeichen, dachte ich, und eine warme Welle wogte durch meinen trotz mehrerer Kleidungsschichten frierenden Körper.

Nach zwei Stunden waren wir in Ikertivag gelandet, am Rand des grönländischen Inlandeises. Sorgfältig hatten wir unter Bens wachsamen Augen unsere von Robert zusammengestellte Ausrüstung für die bevorstehenden Tage zum wiederholten Mal kontrolliert: Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, wetterfester Seesack mit unseren Klamotten, meine Kamera, Lebensmittelkiste mit Gaskocher und Campinggeschirr, zwei Kajaks, zwei Eispickel, Satellitentelefon, Ersatzbatterien, Gewehr, sechs Patronen.

Ben hatte uns geraten, Trinkwasser von den Eisblöcken, die am Ufer anlandeten, zu gewinnen, und sich mit dem Versprechen verabschiedet, uns in fünf Tagen an derselben Stelle um 16 Uhr wieder einzusammeln. Dann hatte er sich umgedreht, war in sein motorisiertes Hightechboot gesprungen und davongebraust.

Und dann war alles still gewesen.

Zwei Tage lang hatten wir uns durch das weiße Gebirge treiben und von ihm berauschen lassen. Wir hatten Urzeitfelsen erklommen, das wellen- und eisschollendurchzogene Meer bestaunt, waren mit unseren Kajaks viel zu nah an die Gletscherabbruchkante herangepaddelt und einmal nur knapp den herunterkrachenden Eismassen entkommen. Einen ganzen Tag hatten wir vor unserem Zelt verbracht, die Schönheit dieser unwirklichen und lebensfreien Landschaft bestaunend. Eine karge, schroffe Form der Schönheit, die mit einer großen Selbstverständlichkeit einhergeht.

Vor fünf Tagen hat uns die Stille vor dieser Kulisse beflügelt. Jetzt wirkt die Landschaft gleichgültig und unheimlich: vor uns das weiße Meer des Inlandeises, hinter uns urzeitlich anmutende steil ansteigende Felsen in allen erdenklichen Braun-, Grau- und Orangetönen. Rechts schiebt sich ein Gletscher zwischen die Eismassen und das türkisblaue Fjordwasser. Geräuschvoll brechen im Zehnminutentakt haushohe Eiswände von der Gletscherkante in den Fjord und zaubern kleine Tsunamis auf den danach wieder entspannt dahindösenden Fjordarm. Sonst nichts. Keine Vögel, keine Tiere. Keine Pflanzen. Kein Boot. Kein Ben. Nichts. Einzig schwarzlila Wolken, ein zunehmend unangenehm kalt wehender Wind und näher rückender Regen. Meine Beine zittern. Nicht aus Angst vor den Eisbären, die irgendwo da draußen unterwegs sind. Und auch nicht wegen der Tatsache, dass wir bis auf zwei Müsliriegel unsere Vorräte komplett aufgegessen haben. Es ist auch nicht die Angst vor dem aufziehenden Sturm oder die Ungewissheit, wann durch Zufall jemand im Kajak vorbeikommt. Es sitzt tiefer.

»Wie würden wir uns wohl fühlen, wenn wir nicht auf dem Satellitentelefon bestanden hätte?«, frage ich Markus und versuche ein Lächeln.

»Das haben wir nur wegen Levi mitgenommen«, antwortet der.

120 Minuten später steigen wir in peitschendem Regen in Bens Zodiak, 95 Minuten und einige gebrochene Geschwindigkeitsrekorde sowie spektakuläre Eisbergausweichmanöver und Sprünge über meterhohe Wellen danach sehen wir die bunten Holzhäuser Tasiilaqs am Horizont auftauchen.

Bens Gesicht entspannt sich, und ich brülle Markus gegen den Sturm und das aus allen Richtungen auf uns herabprasselnde Meeres- und Regenwasser ins Ohr: »Ob wir jemals wieder so reisen werden?«

Eine halbe Stunde später sitze ich mit einer Tasse Tee in der Hand und den Füßen auf der glühenden Heizung unseres Zimmers im Hotel Angmagssalik und beobachte, wie Blitze den gewitterverhangenen Himmel durchzucken.

»In vier Monaten sind wir zu dritt«, sage ich in die Dunkelheit und streichle über meinen runder werdenden Bauch.

Und in mir macht sich eine Mischung aus Euphorie und Planlosigkeit breit, wie sie nicht ansatzweise mit dem Gefühlsmix der letzten Tage und Stunden vergleichbar ist.

 

1

Das Projekt: Transsibirische Eisenbahn mit Baby – im Zweifel für die größere Veränderung

Die Reisevorbereitungen:
Am besten vergessen Sie das wieder!

»Vergessen Sie das!«, riet der erste deutsche Reiseveranstalter für die Transsibirische Eisenbahn und erklärte mir, dass selbst für das kommende Jahr die Plätze im Zug bereits knapp seien. »Allein für das Besorgen der Visa für Russland, die Mongolei und China benötigen Sie mindestens sechs Wochen«, wollte mich der zweite deutsche Spezialist für Transsibreisen entmutigen.

»Wir besorgen Ihnen nur die Zugtickets, wenn Sie die komplette Reise von uns organisieren lassen und dabei aus unseren vorgefertigten Bausteinen auswählen. Wir haben da für die Mongolei zum Beispiel drei tolle Gruppenbausteine mit deutschsprachiger Reiseleiterin«, versuchte mich der dritte deutsche Transsibanbieter zu erpressen. Keine individuelle Reiseplanung möglich? Zwangskauf? Nicht mit mir!

Irgendwie scheinen Reiseveranstalter, die in stark planwirtschaftlich geprägten Ländern arbeiten, den Gedanken an Kundenorientierung und individuelle Reiseverläufe nur allzu gerne an den Nagel zu hängen. Je höher der Standardisierungsgrad, desto größer die Marge für den Veranstalter. Und desto weniger nervige Kundenextrawünsche. Und desto schneller und einfacher der Reiseverkauf. Desto weniger qualifizierte und somit billigere Mitarbeiter sind notwendig.

Aber ich wollte meine Wünsche nicht möglichst leicht und billig abwickeln lassen. Ich suchte eine Reise nach meinem Geschmack. Aber hatte ich wirklich eine Wahl? Es war Anfang August. Ich wollte mindestens zwei Monate unterwegs sein. Allerspätestens Anfang Oktober, mit weniger Glück schon Mitte September, fallen die Temperaturen in der Mongolei auf 20 bis 40 Grad minus. Planmäßig würden wir in unserer fünften Reisewoche in der Mongolei ankommen. Drei Wochen wollte ich in der Mongolei verbringen – je eine Woche für die meines Wissens beeindruckendsten mongolischen Landschaften: Grassteppe, Sandsteppe und Wüste. Spätestens um den 20. September herum sollten wir in der Mongolei ankommen, um hoffentlich einen verspäteten Wintereinbruch und somit nachts erträgliche Temperaturen zu erleben. Was wiederum hieß, dass wir spätestens um den 18. August unsere Reise antreten sollten: Mir blieben demnach knapp zwei Wochen für die Vorbereitung unserer Reise. Und das auch nur für den Fall, dass ich bis morgen jemanden finden würde, der willens war, diese Herausforderung anzunehmen.

Laut Expertenschätzung benötigte man also allein für die Besorgung der Visa für Russland, die Mongolei und China sechs Wochen. Na toll.

Außerdem wollte ich trotz Zeitnot nicht bei touristischen Massenanbietern buchen. Diese drücken ihre Reisen von der Stange oft viel zu billig in den Markt, um die Auslastung der eigenen Kapazitäten zu gewährleisten. Kleine und mittelständische Unternehmen aus den jeweiligen Regionen, die liebevolle und authentische Leistungen anbieten und wirklich ihr Land zeigen wollen, haben dagegen kaum eine Chance. Auslastung vor Kundenorientierung. Zumindest bei den Reisenden, die zuerst auf den Preis schauen und in fremden Ländern die scheinbare Sicherheit einer größeren Marke genießen wollen. Und das in einem Käufermarkt, in dem die Macht eigentlich bei den Kunden liegt. Unglaublich. Die Reisenden könnten viel intensivere, weil individuellere Erlebnisse haben. Mehr vom Leben. Und selbst die großen Tourismusunternehmen fahren mit dieser Strategie vielfach Verluste ein und gefährden mittelfristig Arbeitsplätze. Für mich ist diese Form der doppelten Wertvernichtung unverständlich. Das wollte ich auf keinen Fall unterstützen.

Nun holte sie mich ein, die Realität der deutschen Tourismusindustrie. Nie hatte ich mit einem Reiseveranstalter verreisen wollen – außer vielleicht mit meinem eigenen, den ich ursprünglich aus reiner Notwehr gegründet hatte. Doch nun, da ich kurzfristig mit meinem Sohn in die Transsib hüpfen wollte, schien ich keine Wahl zu haben.

Dabei wollte ich mich nicht ärgern, meinen Job mal vergessen. Und überhaupt: Mein Anliegen, in zwei Wochen mit meinem zehn Monate alten Sohn aufzubrechen und mit der Transsibirischen Eisenbahn auf der transmongolischen Route in zwei Monaten bis nach Peking zu reisen, hatte ich bei jedem Gespräch sehr freundlich vorgetragen.

Ich brauchte einen Experten, um die Hürden der russischen Bürokratie sicher und schnell zu umschiffen. Ich hatte keine Zeit, mich um die auf den ersten Blick kompliziert wirkende Buchung der Zugticketteilstrecken, Unterkünfte, Einladungen und Transfers selbst zu kümmern. Geschweige denn, bei den Botschaften der drei Länder persönlich vorstellig zu werden. Außerdem wollte ich nicht auf Standardrouten reisen – umso mehr brauchte ich einen Reiseplanungspartner, der mich verstand und der, wie ich für die Regionen Himalaja, Südamerika und Afrika, ein besonderes Reiseerlebnis vor den einfach und schnell gemachten Profit stellt.

Eigentlich störte mich schon die Tatsache, dass ich nicht einfach zum Bahnhof gehen und in den Zug einsteigen konnte, aussteigen, wo es mir mein Bauchgefühl riet, so lange bleiben, wie es Levi und mir taugte. Einfach schauen, was passierte. Meine Kurzrecherche im Internet und in diversen Transsibreiseführern hatte ergeben, dass ich für Russland eine festgelegte und durchgebuchte Reiseroute sowie Einladungen von den jeweiligen Hotels vorweisen musste, um ein- und herumreisen zu dürfen. Für die Mongolei war diese feste Reiseroute zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, wurde aber stark empfohlen, wenn man vor Ort nicht viel Zeit mit Organisieren verlieren wolle. Denn: Demokratie und freie Marktwirtschaft waren in der Mongolei noch jung und unerfahren. Touristische Unternehmen, die seit Jahrzehnten stark planwirtschaftlich agierten, so hieß es, täten sich schwer, ihr Verhalten plötzlich um 180 Grad zu verändern und auf den Kunden auszurichten. Außerdem sei die touristische Saison im September so gut wie vorbei. Die Gefahr, vor Ort niemanden mehr anzutreffen, der mich unterstützen wolle, sei nicht zu unterschätzen. Da es in der Mongolei kaum Straßen gebe, sei man auf fremde Hilfe beim Entdecken der Vielfalt des Landes angewiesen. Es sei denn, man wolle sich nicht mehr als einige Kilometer von Ulan-Bator entfernen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Die fuhren aber langsam, hielten wegen technischer Defekte oft außerplanmäßig und waren meist überfüllt. Nur hinsichtlich der Wahl meiner Reiseroute in China war ich frei. Lediglich eine Hoteladresse für meine erste Station müsste ich in den Visumsantragsformularen angeben.

Ich entschied, spielerisch an die Planerei heranzugehen: Ich war bereit, mich für Russland und die Mongolei vorab auf eine Route festzulegen. Wollte aber alternative Routen recherchieren und dann vor Ort entscheiden, ob ich von dem einmal gebuchten Plan abweichen wollte oder nicht. Auch die generelle Möglichkeit der Planabweichung wollte ich vor Ort austesten: Würden mich russische und sibirische Hotels überhaupt aufnehmen ohne vorherige Anmeldung durch einen Reiseveranstalter? Würde ich vor Ort Menschen finden, die unsere spontanen Reisewünsche erfüllen wollten? Oder drohte Levi und mir im Fall der Planabweichung die russische Sicherungsverwahrung aufgrund frevelhaften Verhaltens? War es ratsam, im Rahmen eines dreiwöchigen Mongoleiaufenthaltes spontane Abweichungen der Reiseroute mit den Menschen vor Ort zu besprechen? Könnte ich mich verständlich machen? Oder träfe ich auf taube Ohren, weil so etwas einfach nicht vorkam? Weil die Mehrzahl der Besucher entweder in vorgefertigten Gruppenprogrammen durch das Land brausten oder allein im eigenen Bus im Rahmen monatelanger Auszeiten?

War es nicht mit dem kleinen Levi ein unverzichtbares Sicherungsnetz, die Route zumindest grob vorab geplant zu haben? Ich hatte keine Ahnung, wie viel Zeit Levi mir unterwegs für organisatorische Kapriolen lassen würde. Und irgendwie fühlte es sich bei unserem abenteuerlichen Vorhaben ganz gut an, dass in den hintersten Ecken dieser Welt jemand auf uns wartete. Und dieser Jemand würde vielleicht einige helfende Hebel in Bewegung setzen, sollten wir zur vereinbarten Zeit nicht am vereinbarten Ort eintreffen? Die Strategie, mich vordergründig und formal zur Abwechslung an die Regeln zu halten und dann vor Ort zu schauen, inwiefern ich daraus ausbrechen möchte und könnte, erschien mir für unsere Mission zweckmäßig.

Hätte ich mit meinem Sohn nach Afrika, in den Himalaja oder nach Südamerika reisen wollen, hätte ich auf mein eigenes Netzwerk an Reisepartnern zurückgreifen können, deren Ziel es ist, selbst die für die meisten Menschen ungewöhnlich klingenden Reisewünsche in die Tat umzusetzen. Noch heute spreche ich mit meinem bhutanischen Partner über die Dame im Rollstuhl, die zum Chomolhari Base Camp trekken wollte. Kurzerhand wurden eine Trage gebaut und ein paar Träger mehr engagiert. Die Dame war so unendlich glücklich und stolz auf dieses Erlebnis, welches ihr die meisten Reiseveranstalter, die sie vorab kontaktiert hatte, hatten ausreden wollen. Viele Reiseunternehmer scheinen nicht zu wissen, dass sie es manchmal mit überlebenswichtigen Kundenwünschen zu tun haben. Mit lebensverändernden Geschichten, die erlebt werden wollen. Müssen.

So. Und nun musste ich ihn also finden, den Planungspartner mit individuellem Anspruch und Interesse am etwas Ungewöhnlichen: Transsib. Mit Baby. Startschuss in zwei Wochen. Ohne Gruppenanschluss.

Warum ich denn unbedingt in zwei Wochen schon los wolle, fragte der nächste Kandidat. »Weil ich mindestens zwei Monate unterwegs sein möchte. Und der Reiseführer behauptet, dass es nach Mitte September in der Mongolei kalt bis bitterkalt wird. Und ich denke, dass es mit Baby in einer Jurte bei zehn bis 20 Grad minus etwas ungemütlich werden könnte«, entgegnete ich mittlerweile routiniert.

»Dann warten Sie doch, bis Ihr Sohn etwas älter ist. Das ist auch bei warmen Temperaturen viel zu gefährlich mit Baby, was Sie da vorhaben!«

Meine Frage nach der genauen Art der Gefahr blieb unbeantwortet, und somit vertagte ich wieder einmal verunsichert und verärgert die Suche nach dem perfekten Reiseplaner für uns auf den kommenden Tag.

Kommentare

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.

Themen
Kategorien
Buchblog
16. November 2018
Die besten Geschenkideen für alle, die gerne unterwegs sind
Geschenkideen für Reisende, Abenteurer und Outdoor-Fans: Mit unseren Sachbüchern zum Thema Reise, Wandern und Berge verschenken Sie neben spannenden Geschichten auch immer ein kleines bißchen Abenteuer.
News
08. November 2018
The Travel Episodes
Schreibwettbewerb bei »The Travel Episodes«: Nach langem Lesen, Staunen und Fernwehleiden steht die Shortlist unseres diesjährigen Autorenwettbewerbs der TRAVEL EPISODES fest.
Themenspecial
15. Oktober 2018
Interview mit Kai Strittmatter
China-Experte Kai Strittmatter spricht über das Leben in China, die Veränderungen, die sich aktuell und in den letzten Jahren vollzogen haben und darüber, was das für den Westen bedeutet.