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Zeit der EismondeZeit der Eismonde

Zeit der Eismonde

Roman

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Zeit der Eismonde — Inhalt

Wispernde Stimmen in der Dunkelheit, Albträume in der Nacht und grausame Visionen am Tag: Der siebzehnjährige Ouwen glaubt, den Verstand zu verlieren. Als ihn eines Nachts ein mysteriöser Fremder aus dem Schlaf reißt und ihn auffordert, unverzüglich mit ihm aus seiner Heimat zu fliehen, fürchtet er, in einem seiner Albträume gefangen zu sein. Doch der Schattenläufer Hayden ist real - genau wie die dunklen Jäger, die Ouwens Spur aufgenommen haben. Und Ouwen weiß, wer ihnen in die Hände fällt, ist für immer verloren …

Auftakt der Reihe „Zeit der Eismonde”

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 02.05.2019
384 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-28193-5
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 02.05.2019
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99390-6

Leseprobe zu „Zeit der Eismonde“

Prolog
Nordinger Wälder. In der Nähe des Grauen Gebirges

Das Rudel lief schnell. Ihre Körper glitten fast lautlos durch die kalte Morgendämmerung. Der Winterfrost hatte die Nordinger Wälder und die grauen Bergkämme in eisiges Schweigen gehüllt, doch die Wölfe spürten die Kälte nicht und auch keine Müdigkeit. Ihr dichtes Fell schützte sie vor dem Schnee, der wie ein weißes Tuch den Boden und alles Leben bedeckte.

Einen Tag und eine Nacht waren sie gelaufen, ohne zu rasten. Sie wussten, dass sie ihrem Ziel näher kamen. Das Knurren des Leittieres trieb [...]

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Prolog
Nordinger Wälder. In der Nähe des Grauen Gebirges

Das Rudel lief schnell. Ihre Körper glitten fast lautlos durch die kalte Morgendämmerung. Der Winterfrost hatte die Nordinger Wälder und die grauen Bergkämme in eisiges Schweigen gehüllt, doch die Wölfe spürten die Kälte nicht und auch keine Müdigkeit. Ihr dichtes Fell schützte sie vor dem Schnee, der wie ein weißes Tuch den Boden und alles Leben bedeckte.

Einen Tag und eine Nacht waren sie gelaufen, ohne zu rasten. Sie wussten, dass sie ihrem Ziel näher kamen. Das Knurren des Leittieres trieb das Rudel zu größerer Schnelligkeit an. Die Spur war noch frisch und sie verfolgten sie unerbittlich.

Der alte Leitwolf lief voran. Sein helles Fell verschmolz mit dem kalten Weiß der im Winter erstarrten Landschaft, die unbeachtet an ihnen vorüberzog. Es war die perfekte Tarnung für einen Jäger, in einer Welt, die viele Monde lang nur aus Eis und Kälte bestand.

Arkans Bewegungen waren geschmeidig und hatten in all den Jahren nichts von ihrer Kraft verloren. Das Rudel würde ihm folgen, selbst wenn es den Tod bedeutete. Doch seine Autorität beruhte nicht nur auf seiner Größe oder seiner Stärke. Er war als Anführer geboren worden.

Als sie sich einer kleinen Lichtung am Rande des Gebirgspasses näherten, wurde Arkan langsamer. Der weiße Wolf blieb zwischen den Bäumen stehen und senkte den Kopf. Die Kälte ließ den Atem aus seinem Maul als grauen Dunst entweichen. Ein warnendes Knurren rollte aus seiner Kehle, als er aus dem Schatten der Bäume auf die Lichtung trat. Der Tag war angebrochen und auf dem Boden der Lichtung zeigte sich eine deutliche Spur.

Kein Geräusch war zu hören, bis auf das leise Knirschen des Schnees, als der Jäger seine Pfoten zwischen die am Boden liegenden, abgebrochenen Äste einer Tanne setzte. Der Sturm, der vor zwei Nächten durch den Norden von Aehdland getobt war, hatte den alten Baum aus dem Boden gerissen. Seine Wurzeln ragten anklagend in den Himmel, wie schwarze, knochige Finger.

Ein paar kahle Zweige streiften den Rücken des Wolfs und zerrten an seinem Fell, als wollten sie ihn hindern, weiterzulaufen, doch Arkans Blick war unbeirrt auf die Lichtung gerichtet. Langsam, ohne Eile, lief er auf seine Beute zu. Seine Gefährten blieben zurück. Er brauchte sie nicht, noch nicht. Als er den Jungen vor sich im Schnee liegen sah, blieb Arkan stehen. Der alte Wolf musterte den Menschen, den sie bis hierher verfolgt hatten. Erde und Schnee bedeckten seine Kleidung, das Gesicht und die blonden Haare waren verdreckt. Ein schlaksiger Knabe, kaum mehr als ein Kind. Auf der Stirn hatte er einige frische Kratzer. Aber das war es nicht, was sie auf seine Spur geführt hatte.

Der Junge wandte den Kopf. „Ich habe auf euch gewartet“, flüsterte er kaum hörbar und sah den weißen Wolf an. Seine Lippen waren von der Kälte bläulich verfärbt.

Der Schattenjäger konnte die Furcht und den Schmerz des Menschen spüren. Es bedeutete ihm nichts. Er fletschte warnend die Zähne.

Der Junge hörte die Antwort des Wolfs deutlich in seinem Kopf. Es war ein klarer Befehl. Lauf!

Er stützte sich auf dem eisigen Boden ab und versuchte aufzustehen, schaffte es aber nicht, das Gleichgewicht lange zu halten. Erschöpft sank er zurück in den Schnee. Der zerrissene Stoff seiner Hose entblößte eine tiefe Wunde. Dünne Streifen aus seinem Leinenhemd waren um den Oberschenkel gewickelt, der Verband hatte jedoch nicht verhindern können, dass die Wunde wieder aufgerissen war. Warmes Blut rann an seinem Bein herab und färbte den Schnee unter seinem Körper.

Arkans Augen glühten in einem dunklen Rot. Er konnte die Unruhe seines Rudels spüren, das am Waldrand zurückgeblieben war. Der Blutgeruch war stark, doch er rührte sich nicht. Er würde den Menschen nicht hier auf der Lichtung töten, sondern zog den Schutz des Waldes vor.

Der Junge biss die Zähne zusammen und versuchte es erneut. Er ignorierte den Schmerz, der das Taubheitsgefühl der Kälte längst verdrängt hatte und verlagerte sein Gewicht mühsam auf das unverletzte Bein.

Verzweifelt schleppte er sich durch den Schnee und blieb nach ein paar Schritten entkräftet stehen.

Seine Augen wanderten hinauf in den grauen Himmel, zu den Wolken, die keinen einzigen Sonnenstrahl hindurchließen. Doch seine Gedanken waren auf etwas anderes gerichtet. Er sandte eine stumme Botschaft an den Wächter, welcher auf dem Ast einer großen Eiche am Rand der Lichtung saß und sie beobachtete.

Der Leitwolf ließ den Jungen nicht aus den Augen, verfolgte ihn aber nicht. Er hatte keine Eile.

Kein Laut war zu hören, als die dunklen Jäger langsam aus dem Unterholz traten. Das Rudel hatte lange genug gewartet. Es gab kein Entkommen und der Junge wusste es. Die Jagd war zu Ende.

 

Die langen Krallen des Wächters lösten sich von dem Ast, auf dem er gesessen hatte. Der Vogel breitete seine schwarzen, glänzenden Schwingen aus, bei denen die Flügelknochen deutlich hervortraten, und flog mit einem heiseren Schrei davon. Die Schattenwölfe hatten ihre Beute erreicht. Der Wächter würde die Nachricht überbringen, die er erhalten hatte.




Kapitel 1
Siedlung Askaleth. Acht Monate später

Der Wind peitschte die Äste der alten Weide immer wieder wütend gegeneinander. Das Unwetter tobte bereits die ganze Nacht über dem kleinen Tal. Wie riesige Maulwurfshügel ragten die Häuser der Siedlung aus der Dunkelheit und nur das Prasseln des lang anhaltenden Regens, unterbrochen von fernem Donner, durchbrach die Stille.

Niemand war in der Kälte unterwegs. Niemand bis auf Hayden. Die Kapuze hing ihm tief ins Gesicht, aber sie schützte nicht vor dem Wind, der hart und unnachgiebig durch das Tal jagte. Sein schwerer Mantel roch nach feuchter Erde. Er konnte die eisige Kälte bis unter die Haut spüren, wo sie langsam jedes andere Gefühl seines Körpers betäubte. Hayden war in den vergangenen Wochen oft nachts durch die Wälder gewandert, aber diese Nacht unterschied sich von den anderen. Er konnte es fühlen. Bald würde der erste Schnee fallen und er musste weiterziehen.

Doch seine Aufgabe war noch nicht beendet.

Seine Augen starrten in die Dunkelheit. Der Ory-Gar-Wald am Rand der Siedlung war nur ein düsterer Vorhang am Horizont und auch der Mond hatte sich hinter Wolkenschleiern verborgen. Es brannte kein einziges Licht am Rand der Siedlung. Wahrscheinlich hatte der Henkelmann, wie er den Nachtwächter wegen seines langen Stabs, an dem eine Öllampe befestigt war, nannte, wieder vergessen, die Laterne auf dem Pfad anzuzünden. Der seltsame Alte schlief mit Sicherheit längst, den löchrigen Hut tief in die Stirn gezogen. Es wäre nicht das erste Mal.

Die flackernden, kleinen Lichter in den Fenstern wiesen Hayden den Weg. Er überquerte den großen Platz, auf dem die Menschen begonnen hatten, einen Scheiterhaufen für das Winterfest zu errichten. Das Holz war vom Regen völlig durchnässt. Die Hüter würden ihre Mühe haben, das Feuer zu entzünden, aber die Ältesten kannten die heiligen Worte, um die Flammen zu entfachen. Er schob den Gedanken beiseite. Er war nicht wegen des Festes gekommen.

Es knarrte leise, als ganz in seiner Nähe eine Tür geöffnet wurde. Hayden blieb unter den ausladenden Ästen einer großen Tanne stehen und griff nach dem Beutel, der um seinen Hals hing.

„Halbschatten“, flüsterte er tonlos und verzog seinen Mund zu einem schiefen Lächeln. Der Name, den man ihm vor langer Zeit gegeben hatte, passte zu seinem Talent, mit der Dunkelheit zu verschmelzen.

Es war nur ein Hund, der in die Kälte entlassen wurde. Das Tier witterte ihn nicht und verschwand hinter dem Haus. Hayden lief weiter. Die Menschen verbrachten diese stürmische Nacht lieber in ihren geschützten Häusern und würden ihn nicht bemerken.

Seine Schritte wurden langsamer, als er das Haus auf dem Hügel erreichte. Nichts hatte sich verändert. Die alte Holztür, von wuchernden Sträuchern eingerahmt, war verschlossen. Er lauschte in die Stille. Kein Geräusch drang aus dem halb eingefallenen Haus, nur das Rauschen des Regens war zu hören. Die schweren Tropfen prasselten auf das schiefe Dach, durchweichten seine Kleidung und verwandelten den Boden unter seinen Füßen in zähen Schlamm. Sein Blick wanderte über den Hügel. Ihm blieb nur wenig Zeit. Schon bald würde die Morgendämmerung anbrechen und die Nachtschwärze ablösen.

Entschlossen wandte er sich der Südseite des Hauses zu. Zwischen fahlem Moos und Stroh fand er an der Wand die Vertiefung, nach der er gesucht hatte. Ein Fremder hätte die kleine Fensterluke vielleicht übersehen, doch Halbschatten hatte schon oft in der Nacht an diesem Platz gestanden, still und schweigend, auf das Ende der Dunkelheit wartend.

Er zog den ledernen Beutel hervor, nahm einen kleinen, nur fingernagelgroßen blauen Sandklumpen heraus und zerrieb ihn zwischen seinen Fingern.

„Avalou-ez!“, flüsterte er. Der Sand trieb davon und wirbelte durch die Ritzen des Fensterladens, an dessen verwitterten Rahmen Gras spross.

Hayden wartete einen Moment, dann wandte er sich ab und verschwand in der Dunkelheit. Lautlos, wie die vielen anderen Schatten, die durch die Nacht streiften.

Die winzigen, leuchtenden Sandkörner tauchten den Raum, der hinter der Mauer lag, in ein bläuliches Licht. Das Zimmer war klein, mit nur wenigen, einfachen Möbelstücken. In eine Nische der Wand war ein schmales Bett eingelassen, auf dem jemand schlief. Ein paar schwarze Haarsträhnen schauten wirr unter der Decke hervor. Langsam, wie durchsichtige Spinnenfäden, die der Wind durch die Lüfte trägt, fiel der blaue Sand auf ein Gesicht, das sich bleich von der strohgefüllten Matratze abhob.

 

Es waren zu viele. Er senkte den Kopf und wich langsam zurück. Der Wolf wusste, dass sein Ziel nah war, aber die Wächter hatten ihm den Weg versperrt. Sie flogen dicht über ihm und schlugen wütend mit ihren schwarzen, kräftigen Flügeln. Ein paar schafften es, sich in sein Fell zu krallen und hackten mit ihren Schnäbeln tief in sein Fleisch. Er fletschte die Zähne und schnappte nach ihnen, doch sie waren zu schnell. Immer wieder schlugen sie ihre scharfen Krallen in seinen Rücken, bis dunkles Blut aus seinem Fell sickerte. Als einer der Vögel versuchte, seine Augen herauszureißen, packte er das Tier an seinem Flügel und zerfleischte es. Der Geruch von frischem Blut vermischte sich mit der Fährte und machte ihn rasend.

Der Wolf lief zum Rand des Felsvorsprungs, dessen schmales Ende steil über den Abgrund ragte. Die Wächter verfolgten ihn nicht. Sie hatten nur beschützt, was im Inneren der Höhle verborgen lag. Vor ihm erstreckte sich das Nordgebirge mit den weitläufigen Wäldern und Bergkämmen. Der Winter hatte den Flusslauf gefrieren lassen, aber die Kälte, die alles Leben mit ihrem eisigen Atem durchdrang, machte dem Jäger nichts aus, genauso wenig wie die schmerzenden Wunden seines Körpers. Er zog die blutigen Lefzen hoch und knurrte leise. Er konnte sie riechen. Sie war hier und doch hatte er versagt.

Er hob den Kopf und heulte seine Wut in die Berge hinaus.

 

Ouwens Herz schlug wild gegen seine Rippen, als er aus dem Schlaf hochschreckte. Für einen Moment wusste er nicht, wo er war. Verwirrt strich er sich die zerzausten Haare aus der Stirn. Der Mond schien schwach durch die Ritzen des kleinen Fensterladens und ließ die wenigen Gegenstände, die er besaß, aus den Schatten auftauchen.

Er hatte nur geträumt. Ein weiterer Albtraum.

Die Decke unter seiner Hand kratzte unangenehm, als er sich aufrichtete. Ouwens Blick wanderte zum Fenster, das alte Holz knarrte in seiner Verankerung. Die Erinnerung an den Traum begann bereits zu verblassen, aber er konnte noch immer die seltsamen, roten Augen vor sich sehen … die Augen eines riesigen Wolfs.

Seine Finger fuhren unruhig über die Wolldecke. Es war nur ein Traum. Es bedeutete nichts.

Er sank zurück auf das Bett und schloss die Augen. Doch das ungute Gefühl, das er seit dem Erwachen hatte, ließ ihn nicht los.

Es dauerte lange, bis er wieder einschlief.

Anett E. Schlicht

Über Anett E. Schlicht

Biografie

Anett E. Schlicht wuchs in einem kleinen Küstenort in Mecklenburg-Vorpommern auf und lebt als freie Journalistin und Autorin in Hamburg. Sie ist Fantasy- und Science-Fiction-Fan, Serien-Junkie und reist gern, vor allem nach Skandinavien. Schon als Kind liebte sie Märchen und fantastische...

Medien zu „Zeit der Eismonde“
Pressestimmen
dreams-of-fantasy

Wer geheimnisvolle und zugleich düstere Geschichten mag, die nicht so schnell zu durchschauen sind, wird mit dem Auftakt dieser Reihe sehr zufrieden sein.

Reading Dragonlady

Die Geschichte verspricht was sie hält und schürt definitiv die Erwartungen auf den folgenden Band.

buecherfarben

Anett E. Schlicht erschuf einen Auftakt, der mich vollends begeistert hat und welcher mich in seinen Bann gezogen hat.

NDR1 Radio MV

„ausdrucksvoll und bildlich“

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