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War was?

War was? - eBook-Ausgabe

Paul Erickson
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Das geheime Krieg-der-Sterne-Tagebuch

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War was? — Inhalt

Auf einer Convention in Chicago findet der „Star Wars“-Fan Paul Erickson im Mülleimer ein altes, aber gut erhaltenes Notizbuch. Als er hineinblättert, traut er seinen Augen nicht: Ein geheimnisvoller „G.L.“ erzählt dort von dem Top-Secret-Filmprojekt „Star Wars“, das er im Jahr 1973 entwickeln will. Das Buch liest sich wie ein Krimi: Welchen Plot hätte „Star Wars“ um ein Haar gehabt? Woher stammte die Idee für Darth Vaders Helm? Warum tragen alle Sturmtruppen Weiß? Und weshalb gibt es sie doch, die Geräusche im Weltall? In diesem erstmals öffentlich gemachten Tagebuch erfährt man endlich alles über die wahre Entstehungsgeschichte von „Star Wars“. Und wir alle können froh sein, dass nur aufgrund winziger Zufälle nicht alles ganz anders gekommen ist ...  

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 02.11.2017
Übersetzt von: Simon Weinert
288 Seiten
EAN 978-3-492-97835-4
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Leseprobe zu „War was?“

Einleitung


Auf der Chicago Comic and Entertainment Exposition 2015 habe ich ein seltsames Tagebuch gefunden, das auf einer Mülltonne lag. Normalerweise fasse ich anderer Leute Abfall nicht an, aber dieses Notizbuch machte mir einen sauberen Eindruck. Sauber und sehr zerfleddert. Dem Anschein nach hatte es schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, ungefähr so viele wie ich seit meiner Highschool-Zeit.
Ich nahm das Buch mit zu meinem Verkaufsstand, und wenn mir die Leute nicht gerade die von mir feilgebotenen Nerd-Parodie-Klassiker aus eigener Feder wie »Der [...]

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Einleitung


Auf der Chicago Comic and Entertainment Exposition 2015 habe ich ein seltsames Tagebuch gefunden, das auf einer Mülltonne lag. Normalerweise fasse ich anderer Leute Abfall nicht an, aber dieses Notizbuch machte mir einen sauberen Eindruck. Sauber und sehr zerfleddert. Dem Anschein nach hatte es schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel, ungefähr so viele wie ich seit meiner Highschool-Zeit.
Ich nahm das Buch mit zu meinem Verkaufsstand, und wenn mir die Leute nicht gerade die von mir feilgebotenen Nerd-Parodie-Klassiker aus eigener Feder wie „Der Wobbit“ und „Der Herr der Ringel“ aus der Hand rissen, blätterte ich darin herum. Bald begriff ich, dass ich ein Tagebuch gefunden hatte, das erste Skizzen und Ideen zu dem Film Star Wars – Krieg der Sterne enthielt. Ich konnte es kaum glauben, doch es war tatsächlich so.

Was folgt, sind die Worte des Autors dieses verschollenen Tagebuchs aus dem Jahr 1973, die Worte des geheimnisvollen „GL“. Viel Spaß damit!

 

 


Montag, 1. Januar 1973


Liebes Tagebuch,

gestern Abend habe ich beschlossen, an einer neuen Geschichte zu schreiben. Es ist Zeit, etwas Neues anzufangen. Aber worüber soll ich schreiben? Ich will mal wieder Science Fiction machen, vielleicht eine Fortsetzung von THX 1138. Die Fortsetzung sollte aber genau das sein, was mir mit THX 1138 vorgeschwebt ist, bevor sich das Studio eingemischt und alles verhunzt hat. THX 1139 (bloß ein Arbeitstitel, aber ein guter) soll spaßig, aufregend, rührend, nostalgisch und witzig sein.
Auch diesmal soll es Roboter geben, einen Haufen Roboter, aber sie sollen liebenswert sein. Wahrscheinlich werden sie nicht so viel Zeit damit zubringen, die Hauptfiguren mit Knüppeln zu verprügeln. Und die Figuren sollen schöne Kostüme haben, viele Westen, und diesmal keine kahl rasierten Schädel. Sicher waren die Frisuren für keinen Film so günstig wie die für THX 1138, aber das war ein bisschen deprimierend. Auch soll es keinen Drogenmissbrauch mehr geben. Vielleicht ein bisschen Alkohol und Zigaretten, eventuell Wasserpfeifen, aber keine Pillen. Stattdessen will ich lieber ein paar vage Andeutungen von Drogen. Eine der Figuren könnte ein Drogenschmuggler sein! Ein Drogenschmuggler mit einem guten Herzen! Darauf stehen die Leute! Es wäre toll, wenn jemand aus American Graffiti diese Figur spielen würde. Richard Dreyfuss vielleicht?
THX 1139 soll alles bieten, was man im Kino sehen möchte. Schwertkämpfe, eine schöne Prinzessin und Leute, die sich verwegen an Seilen herumschwingen. Ein alter Westernsaloon mit einer Schießerei. Scheiß drauf, einfach alle werden mit einer Knarre rumlaufen, sogar die Prinzessin! Fliegerkämpfe und Bomberangriffe wie im Zweiten Weltkrieg könnte es geben, nur halt mit Raumschiffen. Die Bösen tragen alle Masken, damit man nicht heulen muss, wenn sie sterben. Es wird gute alte Abenteuerfilmmomente geben, zum Beispiel könnte der Held in einem Raum gefangen sein, dessen Wände allmählich zusammenrücken. Und ein Highschool-Junge hockt auf der langweiligen Farm seiner Tante und seines Onkels fest wie im Zauberer von Oz. Es könnte sogar Samurai geben!
Und die ganze Geschichte wird sich um eine Figur drehen, die die jungen Leute anhimmeln werden. Er soll ein untypischer Held sein, von bescheidener Herkunft. Mit der Hilfe eines meisterlichen Zauberers und Schwertkämpfers wird er am Ende die Rebellen gegen ein grausames und mächtiges Imperium anführen. Er wird all meine Merchandise-Produkte zieren. Seine alberne Visage pappe ich auf Brotbüchsen und Schulmäppchen. Er könnte genauso albern wie Goofy aussehen, wenn Disney mich dafür nicht umbringen würde. Wie nenne ich ihn? Etwas Dümmliches, was auch noch das kleinste Kind leicht aussprechen kann. Binky vielleicht. Oder Ba-Ba oder Goo-Goo. Oder Jar Jar! Das ist es! Binky Jar Jar!
Und in der Geschichte soll nahezu pausenlos gekämpft werden, viel mehr Gewalt als in THX 1138. Jar Jar führt seine Rebellion von Stern zu Stern. Ganze Planeten werden durch den Krieg in seiner Extremform ausgelöscht werden. Nicht THX 1139 werde ich den Film nennen, sondern War Was? Harrison Ford, der harte Typ aus American Graffiti, könnte Jar Jar spielen. Heißer Scheiß! Dieses Drehbuch wird sich wie von selbst schreiben!

GL

 

 


Mittwoch, 3. Januar 1973


Liebes Tagebuch,

gestern Abend hatte ich einen Haufen Ideen. Soll es in der Filmversion meiner Geschichte Geräusche im Weltraum geben? Und wenn ja, wie soll ich das den Leuten verklickern, die für so einen Film Geld ausgeben, den Nerds also?
Klar behaupten alle, dass es im Weltraum keine Geräusche gibt. Aber wegen der Stille des Vakuums im All war es fast unmöglich, 2001 – Odyssee im Weltraum anzuschauen. Da war nichts anderes zu hören als Atmen, ein gruseliger Computer und noch viel gruseligere klassische Musik. In War Was? werden keine sprechenden Computer vorkommen.
Ich darf mich nicht darauf verlassen, dass die Filmmusik die Leere im All füllen wird, deshalb müssen Geräusche her. All die vorbeirauschenden Raumschiffe, Bomben und Explosionen sehen ohne Geräusche doof aus. Aber die ganzen Hardcore-SF-Fans, die ich mit THX 1138 gewonnen habe, werden es hassen. Eine Erklärung, weshalb es Geräusche im Weltraum gibt, und selbst eine bescheuerte Erklärung, würde schon helfen. Wie bringe ich SF-Fans dazu, ihre Ungläubigkeit auszusetzen?
Vielleicht könnte ich mich aus der Affäre mogeln. Darauf beharren, dass niemand wirklich weiß, ob es im All Geräusche gibt oder nicht. Wie viele Leute, die tatsächlich schon einmal im All waren, werden War Was? anschauen? Insgesamt gibt es bloß ein paar Dutzend Astronauten, und ich wette, dass die meisten von ihnen nicht oft ins Kino gehen. Und was die Kosmonauten betrifft: Die werden War Was? noch viele Jahre lang nicht zu Gesicht bekommen. In der Sowjetunion haben sie ja noch nicht einmal die letzte Staffel von Verschollen zwischen fremden Welten gezeigt. Wer also kann schon aus persönlicher Erfahrung sagen, ob es im Weltraum Geräusche gibt? Das ist alles bloß Theorie.
Und selbst wenn es in unserer Galaxis keine Geräusche gibt, wer kann sagen, ob das auch in anderen Galaxien so ist? Wenn ich den Leuten gleich zu Beginn des Films sage, dass die Geschichte vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis spielt, kann ich dort so viele Geräusche haben, wie ich will! Jawohl! Ich nehme einen Erzähler, der das alles erklärt, vielleicht Lorne Greene oder William Conrad.
So wird’s gemacht. Jede Galaxis ist anders, und außerdem war noch fast niemand im Weltraum, also wen kümmert’s? Sollte Buzz Aldrin sich aufregen und sein Geld zurückhaben wollen, dann gebe ich es ihm.

GL

 

 


Freitag, 5. Januar 1973


Liebes Tagebuch,

in War Was? wird es eine Menge Raumschiffe geben, aber wie sollen sie aussehen? Fliegende Untertassen? Die kann man sehr leicht entwerfen. Aber das gab es schon. Vielleicht sollte ich Fliegende Untertassen nehmen und etwas ranbauen so wie die Außentriebwerke der U.S.S Enterprise in Star Trek.
Nein, eher nicht. Ich will es besser machen als Gene Roddenberry. Seine Serie lief nur drei Staffeln lang und ging dann unter. Was die Fans auch immer sagen, Star Trek wird nicht zurückkommen. Dieses Raumschiff hat lächerlich ausgesehen, die Untertassensektion hat sich nicht einmal gedreht. Die Aliens haben alle wie Menschen ausgesehen bis auf diejenigen, die nichts anderes als Lichtkugeln waren und ein halliges Englisch sprachen. Extrem langweilig. Die Fans wollen verrückte Aliensprachen wie in Herr der Ringe. Wie gerne würde ich aus diesem Buch einen Film machen. Zu schade, dass man daraus überhaupt keinen Film machen kann.
Die Raumschiffe. Sie sollten weiß angestrichen sein. Die Leute können etwas mit weißen Raumschiffen anfangen, das wirkt realistisch. Und sie sollten riesig sein. Ich könnte War Was? mit einer Einstellung beginnen lassen, in der ein Raumschiff vorbeifliegt, absolut gigantisch. Doch dann erkennt man, dass es nur auf der Flucht vor einem anderen Raumschiff ist, das noch viel größer ist! Eineinhalb Minuten lang würde man nur das Raumschiff sehen, das die Leinwand ausfüllt, während es vorbeifliegt. Es ist so riesig, dass es einem vorkommt wie ein Trauerzug, der einem den Weg versperrt, wenn man die Straße überqueren will. Das wird großartig!
Und es soll viel geschossen werden! Sie schießen mit futuristischen Laserblitzen aufeinander. Granaten und Kugeln sind so altmodisch. Aber meine Laser funktionieren nicht wie echte Laser. Auf dem Set von American Graffiti habe ich mich zwischen zwei Aufnahmen mit Richard Dreyfuss über Laser unterhalten. Er hat gemeint, sie wären leise und unbeweglich, ungefähr so aufregend wie eine Taschenlampe, die man ein- und ausschaltet. Doch meine Laser müssen voller Drama sein. Sie werden von riesigen Geschütztürmen wie denen auf Schlachtschiffen abgefeuert, und die Kanonen haben einen Rückstoß, obwohl sie bloß Licht abfeuern oder wie auch immer. Und sie sind nicht leise, sondern machen Lärm. Sie geben ein Knallen von sich. Wer weiß, vielleicht würde ein Laser tatsächlich ein solches Geräusch machen. Ich wusste doch, dass es gut wäre, Geräusche im Weltraum zu haben!
Wenn Raumschiffe getroffen werden, kommt es zu keinem schlagartigen Druckabfall. Auch wenn es ziemlich cool aussah, als Gert Fröbe in Goldfinger aus dem Flugzeugfenster gesaugt wurde. Wie übrigens auch der vollkommen unrealistische Laser, der Bond beinahe zweigeteilt hätte. Aber wenn ich Druckabfall habe, dann ist meine Geschichte viel zu schnell zu Ende. Dann wären alle tot, bevor sich eine Handlung entwickeln kann! Mein Raumschiffzweikampf wird wie die coolste, rasanteste Seeschlacht aller Zeiten aussehen. Die Nerds wird es nicht stören, dass es keinen Sinn ergibt. Sie werden es nicht einmal merken!

GL

 

 


Sonntag, 7. Januar 1973


Liebes Tagebuch,

ich muss einen Film für alle anvisieren, nicht nur einen für Kinder und Nerds. Vielleicht sollte War Was? deshalb doch mehr sein als eine zwei Stunden lange Ballerei mit Raumschiffen. Ein bisschen Komödie würde wahrscheinlich nicht schaden.
Im Korridor eines der Rebellenschiffe könnten sich drei Roboter aufhalten. Bisschen wie die Three Stooges. Einer von ihnen ist ganz golden und affektiert, der andere klein und süß. Und der dritte? Fett und lächerlich? Oder richtig gemein? Oder mit krausen Haaren?
Oder vielleicht doch nur zwei! Wie Dick und Doof! Der Goldene ist rechthaberisch, und der andere klein und dick. Die können dann so Sketche wie „Who’s on First?“, Niagara Falls oder die Susquehanna Hat Company machen. Erst mal muss ich aber ein paar wichtige Catchphrases etablieren. Wenn die Catchphrases gut sind, geht das Schreiben der Dialoge viel leichter von der Hand. Der Goldene könnte so Sachen sagen wie: „Du Blödmann“ und „Wir sind verloren“.
Der goldene Roboter könnte einen ganz eindeutig nicht menschlichen Namen haben, wie etwa: „@#-$*^&!“. Oder vielleicht etwas, was einfacher auszusprechen ist wie C-3PO. Klar. Egal. Er wird so nervig sein, dass er im Geheimen ein Spion sein könnte. Er könnte einen Verrat begehen, zum Beispiel könnte er dem bösen Imperium helfen, die politische Kontrolle über die Galaxis zu erlangen. Oder er wurde vom Oberschurken persönlich gebaut! Und im Vergleich zu ihm wirkt der kleine Roboter dann noch viel niedlicher.
Was könnte der kleine süße Roboter für Catchphrases haben? Muss er überhaupt etwas sagen? Harpo war der knuffigste von den Marx Brothers. Er könnte einfach nur piepen und pfeifen! Wie ein Faxgerät! Die sind lässig und futuristisch, genau wie Roboter.
Den kleinen süßen nenne ich „… ---… “ oder R2-D2. Die Kinder werden ihn lieben. Aber er ist nicht so dumm wie Costello. Vielmehr ist er clever und tapfer, mehr als bloß eine Witzfigur. Und auf T-Shirts und Brotbüchsen wird er fantastisch aussehen.
Ich frage mich, ob man mit Merchandise ernsthaft Geld verdienen kann? Sollte man mal drüber nachdenken.
(Nicht vergessen: Muss nächste Woche Flanellhemden kaufen.)

GL

Paul Erickson

Über Paul Erickson

Biografie

Paul Erickson wurde in einer weit, weit entfernten Galaxis geboren und wuchs in einem Internat auf dem Todesstern auf. Unter seinem anspruchsvollen Mathelehrer Darth Winkel und der strengen Internatsleiterin, der Imperatorin, hat er stets gelitten. Auch die Klassenschönste, Prinzessin Leider, war...

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