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Until Friday Night – Maggie und WestUntil Friday Night – Maggie und West

Until Friday Night – Maggie und West

Roman

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Until Friday Night – Maggie und West — Inhalt

Nach außen hin ist West Ashby der gut aussehende Football-Held, der die Lawton Highschool zur Meisterschaft führen wird. Innerlich wird er jedoch von Ängsten um seinen krebskranken Dad zerfressen, und er kann mit niemandem darüber sprechen, da niemand davon erfahren soll. Als West eines Abends aber nicht mehr weiterweiß, vertraut er sich bei einer Party dem Mädchen an, das ihn bestimmt nicht verraten wird: Maggie, die seit einem schrecklichen Ereignis in ihrer Familie nicht mehr spricht. Umso mehr überrascht es West, als sie ihm plötzlich doch antwortet und dass er fortan an nichts anderes mehr denken kann, als an ihre sanfte Stimme und ihre weichen Lippen.


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€ 8,99 [D], € 9,30 [A]
Erschienen am 01.06.2016
Übersetzt von: Heidi Lichtblau
304 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30919-6
€ 3,99 [D], € 3,99 [A]
Erschienen am 02.05.2016
Übersetzt von: Heidi Lichtblau
384 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97316-8

Leseprobe zu »Until Friday Night – Maggie und West«

Maggie

Ist sie nicht süß?

Ein Zuhause war das hier nicht. Doch ich wollte auch gar keines mehr – der Begriff weckte viel zu schmerzliche Erinnerungen.

Während der Hausführung spürte ich die Blicke meiner Tante und meines Onkels auf mir ruhen. Eine gewisse Hoffnung lag darin. Sie wünschten sich, es würde mir bei ihnen gefallen. Ich dagegen erhoffte mir schon lange nichts mehr und erinnerte mich auch gar nicht mehr daran, was für ein Gefühl das war.

»Wir haben oben ein Zimmer für dich hergerichtet«, meinte Tante Coralee vorsichtig. »Ich habe es in einem [...]

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Maggie

Ist sie nicht süß?

Ein Zuhause war das hier nicht. Doch ich wollte auch gar keines mehr – der Begriff weckte viel zu schmerzliche Erinnerungen.

Während der Hausführung spürte ich die Blicke meiner Tante und meines Onkels auf mir ruhen. Eine gewisse Hoffnung lag darin. Sie wünschten sich, es würde mir bei ihnen gefallen. Ich dagegen erhoffte mir schon lange nichts mehr und erinnerte mich auch gar nicht mehr daran, was für ein Gefühl das war.

»Wir haben oben ein Zimmer für dich hergerichtet«, meinte Tante Coralee vorsichtig. »Ich habe es in einem hübschen Himmelblau gestrichen. Soviel ich weiß, magst du die Farbe Blau.«

Richtig, einige Weihnachtsfeste zuvor hatte ich ein Faible für die Farbe Blau entwickelt. Und sogar das ganze Jahr über nichts als blaue Klamotten getragen. Allerdings gefiel mir die Farbe deshalb nicht zwangsläufig immer noch …

Ich folgte den beiden hinauf. Familienfotos hingen an den Wänden, und ich wandte den Blick schnell ab und starrte stur nach vorn. Auch bei uns im Haus hatte es solche Fotos gegeben, die meine Mutter stolz aufgehängt hatte. Doch diese Fotos täuschten nur etwas vor. Das Lächeln auf den Gesichtern war nur gestellt.

»So, da wären wir.« Auf der Mitte des Flurs blieb Tante Coralee stehen und öffnete die Tür zu einem großen Zimmer. Bis auf die blauen Wände war darin alles in Weiß gehalten.

Es gefiel mir. Hätte ich mich nicht vor meiner eigenen Stimme gefürchtet, hätte ich mich bei Tante Coralee bedankt. Stattdessen streifte ich meinen Rucksack von den Schultern, drehte mich zu ihr um und umarmte sie. Das musste reichen.

»Tja, ich hoffe es doch schwer, dass dir mein Zimmer gefällt«, ertönte eine tiefe Stimme an der Tür.

»Brady, lass den Unsinn«, mahnte Onkel Boone mit strenger Stimme.

»Hä? Ich wollte doch bloß nett sein«, erwiderte Brady. »Also irgendwie …«

An meinen Cousin Brady erinnerte ich mich nur vage. Bei Familientreffen hatte er sich nie mit mir abgegeben, sondern sich immer zügig mit dem Freund verdrückt, den er dabeihatte.

Nun lehnte er mit einem großspurigen Grinsen im Türrahmen, und das braune Haar fiel ihm über die Augen. Ach du Schreck, sie hatten mir sein Zimmer gegeben? Mist. Das wollte ich ihm nun wirklich nicht wegnehmen!

»Brady benimmt sich nur gerade etwas daneben«, erklärte Tante Coralee rasch. »In Wirklichkeit ist er mit seinem neuen Mansardenzimmer vollauf zufrieden. Schließlich hat er zwei Jahre an uns hingebettelt, dass wir das Dach für ihn ausbauen, damit er ein bisschen mehr Privatsphäre hat.«

Onkel Boone trat neben mich und legte seine große Hand auf meine Schulter. »Mein Sohn, du erinnerst dich an Maggie?« Seine Stimme ließ keinen Einwand zu.

Brady sah mich an. Zunächst genervt, dann etwas freundlicher und schließlich fast schon sorgenvoll. »Yeah, ich erinnere mich an sie.«

»Am Montag wirst du sie in der Schule herumführen müssen«, fuhr Onkel Boone fort. »Nachdem ihr beide in derselben Jahrgangsstufe seid, haben wir dafür gesorgt, dass ihr mehrere Kurse gemeinsam besucht, damit du ihr zur Not unter die Arme greifen kannst.« Mir schwante, dass Brady das schon alles wusste und die Information eher für mich gedacht war.

Seufzend schüttelte Brady den Kopf. »Ihr habt doch keine Ahnung«, murmelte er und verzog sich.

»Bitte, entschuldige Bradys Verhalten«, sagte Tante Coralee. »In letzter Zeit ist er so launenhaft, dass wir die halbe Zeit nicht wissen, was wir mit ihm anstellen sollen.«

Darauf hätte ich keine Antwort gehabt, selbst wenn ich geredet hätte.

Sie drückte meinen Arm. »Jetzt komm aber erst mal hier an. Pack deine Sachen aus und ruh dich aus. Falls du Gesellschaft brauchst: Ich bin in der Küche und bereite schon mal das Abendessen vor. Ach, und sieh dich ruhig überall um, wenn du magst. Fühl dich wie zu Hause.«

Da, wieder dieses Wort: zu Hause.

Nachdem Coralee und Boone gegangen waren, schaute ich mich in dem hübschen blauen Zimmer um und merkte zu meiner Überraschung, dass ich mich bereits geborgen fühlte. Wer hätte gedacht, dass sich dieses Gefühl je wieder bei mir einstellen würde?

»Du redest also wirklich nicht?« Ich wirbelte herum und sah, dass sich mein Cousin wieder in der Tür aufgebaut hatte.

Ich wollte nicht, dass er einen Brass auf mich hatte oder sich durch mich genervt fühlte. Wie aber konnte ich ihm beibringen, dass ich sein Leben nicht auf den Kopf stellen wollte und schon allein zurechtkam?

»Scheiße, das wird nicht einfach. Du bist …« Er lachte unsicher auf. »Das Ganze ist ja krasser als gedacht. Du hättest mir zumindest den Gefallen tun und hässlich sein können!«

Hallo?

Brad runzelte die Stirn. »Schau bloß, dass du keine Aufmerksamkeit erregst. Endlich hat meine Mom die Tochter, die sie schon immer wollte, aber für mich wird’s deshalb auch nicht leichter. Ich hab ein Leben, weißt du?«

Ich nickte nur. Logisch, dass er ein Leben hatte. Er war groß, mit dunklen Haaren und haselnussbraunen Augen, und seine breiten Schultern ließen erahnen, was für Muskeln sich unter seinem T-Shirt versteckten. Die Mädchen fuhren bestimmt alle auf ihn ab.

Ich hatte nicht vor, ihm in die Quere zu kommen, doch dass es so aussehen musste, nachdem ich sein Zimmer übernommen hatte, war klar. Und nun hatten mich seine Eltern auch noch in seine Kurse gesteckt!

Aber ich würde ihm beweisen, dass er sich keine Gedanken zu machen brauchte. Ich griff nach meinem Rucksack und holte den Block und den Stift heraus, den ich immer bei mir führte.

»Was tust du?«, fragte er verwirrt.

Schnell schrieb ich:

Ich komme dir nicht in die Quere, versprochen!
Und du brauchst mir auch nicht in der Schule zu helfen.
Aber lass deine Eltern einfach in dem Glauben.
Ich komme auch so zurecht. Sorry, dass sie mir
dein Zimmer gegeben haben. Wenn du willst,
können wir das rückgängig machen.

Ich reichte Brady den Block. Als er meine Nachricht überflogen hatte, gab er ihn mir mit einem tiefen Seufzer zurück.

»Du kannst das Zimmer behalten. Mom hat recht, mir gefällt’s unterm Dach. Hab vorhin nur einen auf herzlosen Vollidioten gemacht. Und was die Schule angeht, da wirst du mich brauchen, ob du’s glaubst oder nicht.« Mit diesen Worten zog er ab.

Ich stand an der Tür und sah ihm auf seinem Weg runter zur Küche nach. Gerade wollte ich die Tür schließen, als Bradys Stimme heraufdrang.

»Was gibt’s zum Abendessen?«, rief er seiner Mutter zu.

»Spaghetti mit Hähnchengeschnetzeltem. Ich dachte mir, nachdem das dein Lieblingsessen ist, mag Maggie es vielleicht ja auch«, erwiderte Tante Coralee. »Ich wünschte, du würdest dir die Zeit nehmen, sie ein bisschen besser kennenzulernen«, setzte sie dann mit gesenkter Stimme hinzu.

»Hab gerade mit ihr geredet. Also, äh, sie hat mir geschrieben«, erwiderte er.

»Und? Sie ist doch eine ganz Liebe, findest du nicht?«

»Klar, Mom. Echt.«

So richtig überzeugt klang Brady allerdings nicht.

 

2. Kapitel

West

Ich hab dir doch gesagt, renn weg

Heute Abend würde ich mir die Kante geben. Das war mein fester Vorsatz.

Ich knallte die Tür meines Pick-ups zu und näherte mich dem Feld, auf dem das große Lagerfeuer die Dunkelheit erhellte und die Musik schon wummerte. Dieser Freitagabend war der letzte, bevor Football die nächsten drei Monate über wieder unser Leben beherrschte. Alle würden feiern. Pärchen würden auf den Ladeflächen ihrer Pick-ups rummachen, alle hätten ein Bier in der Hand, und bevor der Abend vorbei war, würde es mindestens einmal Zoff um ein Mädchen geben. Der Sommer endete, und unser Senior-Schuljahr begann.

Aber bevor ich nicht mindestens sechs Biere gezischt hätte, käme ich garantiert nicht in Partystimmung. Verdammt, der Anblick meines Dads, der Blut spuckte, während meine Mutter ihm mit angstvollem Blick den Schweiß von der Stirn tupfte, war einfach zu viel gewesen. Eigentlich hätte ich zu Hause bleiben sollen, aber dazu konnte ich mich einfach nicht überwinden. Denn leider kam jedes Mal, wenn es Dad übel wurde, der kleine Junge in mir zum Vorschein.

Ich liebte meinen Dad. Mein ganzes Leben lang war er mein Held gewesen. Wie konnte ich ihn da verlieren, Herrgott noch mal?

Ich schüttelte den Kopf, fuhr mir mit der Hand durchs Haar und riss fest daran. Am kommenden Freitagabend würde ich mit Schutzpolstern und Helm endlich wieder auf dem Footballfeld einlaufen. Aber ich wollte jetzt schon Schmerzen spüren. Mir war alles recht, was mich gegenüber der Realität betäubte.

Mein Handy vibrierte, und ich fischte es aus der Hosentasche. Jedes Mal, wenn es klingelte und ich nicht zu Hause war, bekam ich so einen Schreck, dass mir ganz schlecht wurde. Als ich auf dem Display den Namen meiner Freundin Raleigh entdeckte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Gott sei Dank war es nicht Mom. Mit Dad war also alles gut so weit.

»Hey, Raleigh!« Warum sie wohl anrief? Sie wusste doch, dass ich auf dem Weg zur Feldparty war.

»Holst du mich denn nun ab?« Sie klang verärgert.

»Na, du hast mich nicht drum gebeten. Und nun bin ich schon fast da.«

»Das ist nicht dein Ernst, oder? Wenn du mich nicht abholst, dann komme ich auch nicht, West!« Sie war sauer auf mich. Andererseits: Wann war Raleigh das eigentlich mal nicht?

»Na, dann sehen wir uns wohl später. Hab heute Abend keinen Bock auf solche Spielchen.«

Raleigh hatte von der Krankheit meines Dad keinen Schimmer. Er wollte nicht, dass es sich herumsprach, also hielten wir den Mund. Trotzdem ließ sich so etwas in einer Kleinstadt nicht so leicht geheim halten, aber da das hiesige Krankenhaus für die Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs nicht ausreichend ausgestattet war und wir ihn in das eine einstündige Fahrt von hier entfernte Krankenhaus von Nashville bringen mussten, ließ sich das machen. Zudem hatte meine Mom in Lawton kaum Freundinnen – und auch nie gehabt.

Als Kind hatte ich das nie kapiert, inzwischen aber schon. Meinen Dad hatte man auf der Highschool als den Hoffnungsträger des Ortes schlechthin gehandelt. Nachdem er auf der University of Alabama Football gespielt hatte und von dort in die Mannschaft der New Orleans Saints gewechselt war, erhoffte sich Lawton, durch ihn zu Ruhm und Ehre zu kommen. Unterdessen hatten sich meine Mutter – deren Vater quasi einen Großteil Louisianas besaß und die entsprechend wie eine Prinzessin aufgewachsen war – und mein Vater ineinander verliebt.

Doch die Karriere meines Dads bei den Saints fand durch eine Knieverletzung ein frühes Ende, und kurz darauf erfuhr er, dass seine Freundin von ihm schwanger war. Gegen den Wunsch ihrer Eltern heirateten die beiden, und er zog mit ihr nach Alabama zurück. Für unsere Stadt stellte sich das so dar: Dad war ihr Held gewesen, und meine Mom hatte ihn gestohlen. Selbst siebzehn Jahre darauf blieb man meiner Mom gegenüber noch immer auf Distanz. Mom schien das allerdings nichts auszumachen. Sie liebte meinen Dad, er und ich – wir waren ihre Welt. Mehr brauchte sie nicht.

»Hörst du mir eigentlich zu?« Raleighs schrille Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

Raleigh und ich waren ein Paar der besonderen Art: Sie hing gern an meinem Arm, und ich fand ihren Körper heiß. Was Liebe oder Vertrauen anging: Fehlanzeige. Auf die Art dateten wir uns jetzt schon über ein Jahr, was unter anderem daran lag, dass sie sich prima auf Abstand halten ließ. Mehr Zeit konnte ich im Moment auch gar nicht erübrigen.

»Hör mal, Ray, allmählich kriege ich Kopfschmerzen. Ich brauch mal eine Auszeit. Legen wir doch eine Pause ein und reden nächste Woche darüber, ja?« Ohne eine Antwort abzuwarten, legte ich auf. Ich wusste eh schon, dass Raleigh herumkreischen und drohen würde, dann eben mit einem meiner Freunde in die Kiste zu springen. Die Leier kannte ich in- und auswendig.

Es juckte mich nicht.

Ich beschleunigte meinen Schritt und marschierte zwischen den Bäumen und auf der Wiese zu dem offenen Feld, auf dem die Partys immer stattfanden. Es gehörte dem Großvater von Ryker und Nash Lee, zwei Cousins, die auch im Footballteam mitspielten. Schon seit den Highschool-Zeiten seiner Söhne stellte ihr Großvater dieses Feld für Partys zur Verfügung. Es lag abseits am Ortsrand, und weit und breit stand kein Haus in der Nähe außer seinem, doch selbst das lag noch gut eine Meile entfernt. Wir konnten also so laut sein, wie wir wollten, und brauchten keine neugierigen Blicke zu fürchten.

Ich sah mich am Feuer um und entdeckte Brady Higgens, meinen besten Freund. Schon seitdem wir als Knirpse erste Football-Erfahrungen gesammelt hatten, spielte er mir den Ball zu. Er war der beste Quarterback im ganzen Bundesstaat, und das wusste er auch.

Als er mich nun kommen sah, hielt Brady zur Begrüßung sein Bier hoch. Er hockte auf der Heckklappe seines Pick-ups, den er hergefahren hatte, damit wir zum Musikhören hinten den Generator nutzen konnten. Ivy Hollys saß zwischen seinen Beinen. Das überraschte mich gar nicht, die beiden hatten diesen Sommer viel zusammengesteckt. Ivy war eine Senior-Schülerin und die leitende Cheerleaderin. Seit Bradys Ex die Highschool beendet hatte und woandershin gezogen war, rechnete sie sich bei Brady Chancen aus.

»Wurde auch Zeit, dass du kommst.« Grinsend warf Brady mir eine Bierdose zu. Er trank nur selten. Nicht, dass er dagegen war, aber er wollte unbedingt im nächsten Jahr an der University of Alabama spielen. Den Wunsch hatte ich auch – früher mal. Nun lebte ich einfach von einem Tag auf den anderen und betete zu Gott, dass ich meinen Dad nicht verlor.

Inzwischen hielt ich es auf diesen Feldpartys überhaupt nur noch mit einem gewissen Alkoholpegel aus. Wenn ich meine Gedanken nicht betäubte, ließen sie mich nicht los.

Ich war mir ziemlich sicher, dass Brady inzwischen ahnte, dass mir etwas zu schaffen machte, und wollte, dass ich es ihm erzählte. Von allen Frauen in der Stadt war seine Mom die einzige, die sich meiner Mom gegenüber je nett verhielt. Im Laufe der Jahre hatte sie uns viele Male zu sich zum Essen eingeladen. An Feiertagen brachte sie Red-Velvet-Cake vorbei, und während der Spiele blieb sie bei meiner Mutter stehen und unterhielt sich mit ihr. Ich fragte mich, ob sich meine Mom Coralee anvertraut hatte.

»Wo steckt Raleigh?«, fragte Ivy.

Die Antwort schenkte ich mir. Nur weil sie mit Brady zusammen war, hieß das noch lange nicht, dass ich auf ihre neugierigen Fragen eingehen musste. Stattdessen wandte ich mich Gunner Lawton zu. Ja, der hieß tatsächlich wie die Stadt! Sein Ururururgroßvater hatte sie nämlich gegründet, und den Lawtons gehörte hier alles. Trotzdem war Gunner ein spitzenmäßiger Wide Receiver, und das zählte hier am meisten.

»Alleine da heute Abend?« Ich sank auf den Heuballen neben dem Pick-up.

Gunner lachte in sich hinein. »Nein, bin nur gerade noch am Überlegen, welche es heute denn werden soll.« Gunner brauchte nur den kleinen Finger zu krümmen, schon kamen die Mädchen angerannt. So war das nun mal, wenn man in einer Kleinstadt im Geld nur so schwamm, einer der Stars des Highschool-Teams war und obendrein auch noch gut aussah. Gunner nutzte das schamlos aus.

»Reden wir doch über Football«, schlug Ryker Lee vor, der sich inzwischen zu uns gesellt hatte und sich nun neben Brady und Ivy auf die Ladeklappe schwang.

»Eigentlich würde ich mich erst mal gern darüber unterhalten, wieso du dir die Haare kurz geschoren hast«, erwiderte Brady grinsend.

Im vergangenen Jahr war Ryker ganz versessen auf Dreadlocks gewesen und hatte sich die Haare wachsen lassen. Umso mehr hatte es mich gewundert, als er kurz vor dem ersten Trainingstag mit raspelkurzen Haaren aufgetaucht war, nachdem er in den letzten Sommerwochen mit seiner Familie zu seiner Großmutter nach Georgia verschwunden war.

»Ich hatte die langen Haare einfach satt. Die Dreads mach ich mir, wenn ich erst mal Pro bin. Augenblicklich kann ich damit nichts anfangen«, sagte Ryker und strich sich mit der Hand über den Kopf. Er schien noch etwas hinzusetzen zu wollen, doch dann stand er auf, ließ den Blick über das Feld schweifen und grinste einfach nur dämlich. »Ach, scheiß doch auf Football. Viel interessanter fände ich eigentlich, wer das dahinten ist!«

Ich folgte seinem Blick und entdeckte ein fremdes Gesicht. Es gehörte einem Mädchen mit perfekten rosigen Lippen, das abseits des Partygeschehens bei den Bäumen stand und mit den hübschesten grünen Augen, die ich je gesehen hatte, zu uns herüberschaute. Das lange, dunkle Haar fiel ihr in sanften Wellen über die Schultern.

Und erst dieser Körper. Heilige Scheiße, was der mit ihrem Sommerkleid anstellte!

»Vergiss es«, warnte mich Brady. Ich hätte ja gern zu ihm gesehen, um herauszufinden, was er von der Neuen dahinten wollte, wenn er schon ein Mädel bei sich sitzen hatte. Aber ich konnte den Blick einfach nicht von ihr abwenden. Sie wirkte so verloren. Gern hätte ich sie wieder in die Spur gebracht.

»Warum denn, Mann? Sie ist höllisch heiß und sieht aus, als bräuchte sie mich«, erwiderte Ryker.

»Das ist meine Cousine, du Vollhorst«, schnauzte Brady.

Seine Cousine? Seit wann hatte Brady eine Cousine?

Mit Mühe riss ich meinen Blick von dem Mädchen los. »Wo hast du plötzlich eine Cousine her?«

Er verdrehte die Augen. »Mensch, du hast sie doch selbst schon kennengelernt! Bei irgendeinem meiner Familien-Weihnachtstreffen in Tennessee, was allerdings schon ein paar Jährchen her sein dürfte. Sie wohnt jetzt bei uns. Lass einfach die Finger von ihr, okay? Sie ist nicht … Sie hat ein paar Probleme. Mit dir käme sie nicht klar«, sagte er und wandte sich dann an Ryker, »und mit dir genauso wenig.«

»Bei Problemen kann ich helfen! Da laufe ich zu Höchstform auf.« Ryker grinste breit.

So einen Spruch würde ich mir sparen. Ich hatte meine eigenen Probleme und wollte mir nicht noch mehr aufhalsen. Genau davon brauchte ich ja Ablenkung. Außerdem konnten die Probleme von Bradys Cousine längst nicht so schlimm sein wie meine. Meine toppten alles.

»Sie redet nicht«, fuhr Brady fort. »Sie kann nicht. Ich habe sie nur mitgenommen, weil meine Mom sie mir aufs Auge gedrückt hat. Sie tickt nicht ganz richtig, glaube ich.«

Ich warf einen Blick zu dem Mädchen zurück, aber es war verschwunden. Brady hatte also eine schöne, aber durchgeknallte Cousine, die nicht sprach. Abgefahren.

»So eine Schande! Da bekommen wir in diesem Jahr ein einziges neues Mädchen, das nach was ausschaut, und dann ist sie deine Cousine und stumm.« Verdrossen leerte Gunner seine Bierdose.

Ich merkte, dass Brady diese Bemerkung mächtig stank.

Doch Gunner hatte recht. Seit der Grundschule hatten wir in unserer Stadt dieselben Mädchen. Sie waren langweilig und oberflächlich, und mit allen Gutaussehenden war ich schon durch. Keine davon bot Ablenkung. Alle nervten tierisch.

Gunner stand auf. »Ich hol mir noch ein Bier«, verkündete er und stapfte davon. Gunner war unser Sicherheitsgarant. Wenn wir beim Trinken erwischt wurden, konnte uns sein Daddy mit seinem Einfluss bei der Polizei aus der Patsche helfen. Ehrlich gesagt fragte ich mich, ob die das nicht eh schon wussten und daher nie hier aufkreuzten.

Wieder fing mein Handy zu klingeln an, und mein Magen zog sich automatisch zusammen. Ich angelte es rasch aus der Tasche und entdeckte den Namen meiner Mom auf dem Display. Shit!

Wortlos stellte ich mein Bier ab, nahm das Gespräch aber erst an, nachdem ich mich ein Stück von den anderen wegbewegt hatte.

»Mom? Alles okay?«

»Aber ja. Ich wollte nur Bescheid geben, dass ich dir Reste des Brathähnchens im Ofen warm halte. Und wollte fragen, ob du auf dem Heimweg im Supermarkt noch eine Milch mitnehmen könntest. Das wäre nett.«

Ich stieß die angehaltene Luft aus. Dad ging es gut. »Na klar, Mom.«

»Wird’s denn spät?« Sie klang angespannt. Irgendetwas hielt sie zurück. Entweder war es Dad übel oder ihm tat etwas weh.

»Ich, äh, nein, ich komme bald«, versicherte ich ihr.

Sie atmete erleichtert auf. »Gut. Dann fahr vorsichtig. Und schnall dich an. Ich liebe dich.«

»Ich liebe dich auch, Mom.«

Ich beendete das Gespräch genau in dem Moment, als ich bei meinem geparkten Pick-up ankam. Ich hatte nämlich schon heimfahren wollen, bevor sie mich überhaupt gefragt hatte, ob es spät werde. Es wurde immer schlimmer. Inzwischen schaffte es Dad kaum noch aus dem Bett. Und die verdammten Ärzte konnten nichts für ihn tun.

Meine Brust zog sich zusammen, und ich bekam kaum noch Luft. In letzter Zeit geschah das immer öfter. Es war, als würden sich meine Ängste um meine Kehle schlingen und zudrücken, bis ich keine Luft mehr bekam.

Wut stieg in mir hoch. Verdammt noch mal, das war nicht fair! Mein Dad war so ein guter Mensch – er verdiente das nicht. Und doch ließ Gott da oben so etwas einfach zu. Dabei brauchte meine süße Mom meinen Dad doch. Sie verdiente das auch nicht.

»Fuck!«, brüllte ich und schlug mit beiden Händen auf die Motorhaube meines Wagens. Dads Krankheit zerstörte uns alle, und doch konnte ich niemandem davon erzählen. Mitleid von Leuten, die keine Ahnung hatten, wie sich das anfühlte, war das Letzte, was ich brauchte.

Neben mir nahm ich eine Bewegung wahr und riss den Kopf herum, um zu sehen, wer meinen Ausraster mitbekommen hatte.

Das Sommerkleid erkannte ich als Erstes. Mit ihrer kurvigen Figur füllte Bradys Cousine es einfach perfekt aus.

Was hatte dieses Mädchen für ein Glück, dass es nicht sprechen konnte. Auf die Art musste es niemandem etwas vorspielen und konnte sich auch nicht verplappern. Sie neigte den Kopf zur Seite, als würde sie entscheiden wollen, ob ich gefährlich sei oder Hilfe bräuchte. Mit ihren sensationellen Haaren und vollen Lippen konnte sie mir bestimmt helfen. Mich einen Augenblick lang alles vergessen lassen. Die Hölle vergessen lassen, zu der mein Leben sich entwickelt hatte.

Ich ging auf sie zu. Eigentlich rechnete ich fast damit, dass sie wegrennen würde. Aber nix da.

Ich atmete scharf ein. Die Enge in meiner Kehle hatte sich etwas gemildert. »Gefällt dir, was du siehst?«, neckte ich sie in der Hoffnung, spätestens jetzt würde sie vor mir weglaufen. Es war unmöglich von mir, auf die Art gegen meinen Kummer anzugehen. Das verdiente sie nicht. Noch dazu war ich wütend und hatte – wie jetzt eigentlich fast immer – meine Gefühle nicht mehr im Griff. Wie alle anderen um mich herum, stieß ich sie zu ihrer eigenen Sicherheit von mir weg.

Sie reagierte nicht, doch ihr Blick war völlig klar. Entgegen Bradys Behauptung tickte sie sehr wohl richtig – das sah man. Ihr Blick war ja fast schon zu intensiv. Zu wissend.

»Willst du mich einfach so anstarren, als hättest du gern eine Kostprobe? Das wäre irgendwie unhöflich.«

Innerlich zuckte ich angesichts meiner fiesen Art zusammen. Meine Mom hätte sich für mich in Grund und Boden geschämt. Doch dieses Mädchen zwinkerte lediglich. Wich nicht vor mir zurück und gab auch keinen Mucks von sich. Brady hatte uns nicht verschaukelt: Sie redete wirklich nicht.

Doch auch so war klar, dass sie offensichtlich nicht an mir interessiert war. Komisch. Normalerweise waren die Mädchen doch ganz wild darauf, von mir geküsst zu werden!

Ich blieb vor ihr stehen und legte eine Hand auf ihre Wange. Gott, dieses Gesicht! Ich musste sie einfach berühren, um zu sehen, ob sie echt war. So vollkommen konnte man doch nicht sein. Irgendwelche Makel hatte doch jeder. Ich wollte ihre entdecken.

Ich fuhr mit der Daumenkuppe über ihre Unterlippe und merkte, dass sie keinen Lippenstift aufgetragen hatte, was sie bei ihren süßen rosigen Lippen wahrlich auch nicht nötig hatte.

»Es wird Zeit, dass du davonläufst«, warnte ich sie, obwohl eigentlich ich den Rückzug antreten sollte.

Sie blieb, wo sie war, und starrte zu mir auf. Mutig. Ohne mit der Wimper zu zucken. Nur der Pulsschlag an ihrem Hals verriet sie. Sie war nervös, aber entweder war sie zu verängstigt oder aber zu neugierig, um abzuhauen.

Ich machte einen weiteren Schritt und drängte sie an den Baum hinter ihr. »Ich hab dir doch gesagt, renn weg, Süße«, erinnerte ich sie, kurz bevor ich mit dem Mund ihre Lippen suchte.

 

3. Kapitel

Maggie

Denk dir nichts, Süße

Auf keinen Fall wollte ich Brady ein Klotz am Bein sein. Am Freitagabend hatte Tante Coralee ihn gezwungen, mich auf diese Party mitzunehmen, und ich zeigte ihm gleich mal, dass ich ihn nicht nerven wollte. Die meiste Zeit saß ich abseits von den anderen allein im Dunkeln. Alle halbe Stunde schaute ich, ob Brady noch da war oder nach mir suchte, und verzog mich dann wieder in mein Versteck.

Ich konnte nur hoffen, dass so etwas jetzt nicht jedes Wochenende stattfand. Ich wollte so was nicht bei jeder Feldparty durchmachen müssen, auf die Brady ging. Viel lieber blieb ich auf meinem Zimmer und las. Allein auf einem dunklen Feld herumzuhängen war nicht mein Ding. Auch wenn etwas geschah, wodurch es nicht mehr ganz so … langweilig war.

Bei dem Gedanken an den Baum, unter den ich mich verzogen hatte, lief ich rot an. Dort hatte ich meinen ersten richtigen Kuss bekommen, und das von einem Jungen, den ich nicht mal kannte.

Er war so groß gewesen, und seine dunklen Haare hatten sich an den Enden so schön gewellt. Und erst sein Gesicht …! Es war, als hätte Gott alle perfekten männlichen Gesichtszüge ausgesucht und sie genau für diesen Typen zusammengesetzt.

Deswegen war ich allerdings nicht dort stehen geblieben, obwohl er mich zum Wegrennen aufgefordert hatte. Nein, seine Augen hatten den Ausschlag gegeben. Selbst in der Dunkelheit hatte ich darin Schwermut entdeckt, wie ich sie bislang nur in meinen eigenen gesehen hatte.

Er hatte seiner Mutter am Telefon gesagt, er würde sie lieben. Dann hatte er das Gespräch beendet und fluchend die Fäuste auf die Motorhaube seines Pick-ups gedonnert. Jemand, der so mit seiner Mutter redete, konnte kein schlechter Mensch sein. Er machte mir keine Angst.

Aber ich machte mir Sorgen um ihn, also blieb ich. Und dann hatte er mich geküsst. Erst war er grob gewesen, als wolle er mir wehtun, doch dann wurde er sanfter, und ich klammerte mich unwillkürlich an sein T-Shirt. Meine Knie gaben nach, und ich war mir nicht sicher, ob mir nicht ein leises Wimmern entfahren war oder mir nur danach gewesen war. Ich hoffte Letzteres. Im Hinblick darauf, wie abrupt er mich verließ, wäre mir das lieber gewesen. Außerdem wünschte ich, ich hätte mich nicht an ihn geklammert.

Es endete nämlich so plötzlich, wie es begonnen hatte. Auf einmal löste er sich wortlos von mir und sah mich dabei nicht mal an. Stattdessen wandte er sich ab, stapfte zu seinem Pick-up und brauste davon. Ich hatte keine Ahnung, wer er war. Ich wusste nur, dass er toll aussah, ihm irgendetwas schwer zusetzte und er mir einen ersten Kuss verpasst hatte, den ich niemals vergessen würde.

Als Brady sich zwei Stunden darauf schließlich zum Aufbruch entschloss, entdeckte er mich schlafend unter dem Baum. Er war genervt und sagte die ganze Heimfahrt über kein Wort. Ich zerbrach mir den Kopf, wie ich vermeiden konnte, dass mein Cousin mich hasste, und der Kuss trat darüber in den Hintergrund.

Als Brady am Sonntag zum Baden zu einem Freund gehen wollte, versuchte Tante Coralee mich zu überreden mitzugehen. Aber ich schrieb ihr auf einen Zettel, ich hätte meine Tage bekommen und mir sei nicht danach, und ich durfte zu Hause bleiben.

Brady war schließlich den ganzen Tag weg. Bestimmt, weil er befürchtete, dass mich seine Mom ihm sofort wieder aufdrängen würde, sobald er die Tür aufmachte.

Heute besuchte ich zum ersten Mal die neue Schule, weshalb sie Brady gleich eine ganze To-do-Liste überreichte, die nur mich betraf. Man konnte ihm seinen Frust ansehen, und er tat mir leid. Daher drückte ich ihm am Schuleingang eine Nachricht in die Hand.

Ich krieg das schon hin. Mach einfach, was du immer tust, und ich komm dann in den Unterricht. Nur weil ich nicht
rede, heißt das nicht, dass ich nicht zurechtkomme. Ich erzähle deiner Mom, dass du alles getan hast, was sie dir aufgetragen hat. Aber ich möchte nicht, dass du mich überallhin mitnimmst. Ich möchte das allein schaffen.

 

Sonderlich überzeugt schien Brady zwar nicht zu sein, aber er nickte und trottete davon.

Zum Glück hatte Tante Coralee die im Sekretariat schon vorgewarnt, dass ich nicht sprechen würde. Sie hatten kein Problem damit, dass ich ihnen meine Antworten niederschrieb, gaben mir meinen Stundenplan und fragten, wo Brady stecke. Anscheinend hatte ihnen Tante Coralee auch gesagt, dass er mich herumführen würde. Ich schwindelte und schrieb, er sei aufs Klo gegangen und wir würden uns gleich wieder im Gang treffen.

Ein klein wenig hoffte ich ja – okay, ich hoffte es sogar sehr –, dass ich dem Typen von der Feldparty begegnen würde, denn ich wollte ihn so gern mal bei Licht sehen und außerdem herauskriegen, ob es ihm gut ging. Na, ein bisschen gab ich mich auch der Hoffnung hin, er würde mich vielleicht auch sehen wollen.

Stolz darüber, die Lage meines Spinds herausbekommen zu haben, machte ich mich auf die Suche nach ihm. Da die Gänge sich immer mehr mit Schülern füllten, von denen viele in ihren Spinden herumkramten, davorstanden und sich dagegenlehnten und mit jemandem herummachten, konnte ich allerdings die Nummern nicht erkennen. Es war praktisch unmöglich, die Nummer 654 zu finden.

»Alles gut?«, hörte ich Bradys Stimme hinter mir, und ich nickte, da er nicht mitbekommen sollte, dass es mir nicht so toll ging und ich vermutlich zu spät in den Unterricht käme.

»Wo ist dein Spind?«

Ich dachte darüber nach, wie ich darauf antworten sollte, und drückte ihm einfach den Zettel mit meiner Spindnummer in die Hand.

»Daran bist du schon vorbeigelaufen«, erwiderte er nach einem Blick darauf und wies mit dem Kopf den Gang zurück. »Komm, ich zeig ihn dir.«

Mir fehlte die Zeit, einen Einwand niederzuschreiben, und ich wäre ohne Hilfe ja tatsächlich aufgeschmissen gewesen. Also folgte ich ihm.

Wo ich mir mühsam einen Weg durch die Meute auf dem Gang hatte bahnen müssen, machte jeder Brady Platz, als wäre er Moses und würde den Gang übers Rote Meer antreten.

»Verdammt, knutscht mal ein Stück weiter rechts. Maggie kommt sonst nicht an ihren Spind ran«, erklärte Brady einem Pärchen, das sich mitten in einer Fummel-Session befand.

»Wer ist Maggie?« Das Mädchen drehte sich zu mir um. Sie hatte große braune Augen und einen olivfarbenen Teint, dazu tolles langes, schwarzes Haar.

»Meine Cousine.« Brady klang genervt.

»Du hast eine Cousine?«, fragte das Mädchen überrascht. Ihr Typ schob seine Hände von ihrem Po zu ihren Hüften hoch und zog sie an sich. Noch bevor ich sein Gesicht sehen konnte, trat Brady zurück und hielt die Tür meines Spinds für mich auf. »Bitte schön. Sag Bescheid, falls du mich noch mal brauchen solltest.« Damit marschierte er davon.

Ich stellte keinen Blickkontakt zu dem Pärchen neben mir her oder sah auch nur zu ihnen. Das Mädchen kicherte, dann hörte ich, dass der Junge ihr etwas zuflüsterte – ich hörte dabei deutlich das Wort stumm heraus. Anscheinend hatte Brady geplaudert. Na, auf die Art versuchte zumindest niemand, mich anzuquatschen.

»Sie spricht nicht?«, flüsterte das Mädchen laut genug zurück, dass ich es hören konnte.

Schnell verstaute ich alles bis auf mein Heft und das Buch für die erste Unterrichtsstunde in meinem Schließfach und schloss es wieder. Als ich mich umwandte, landete mein Blick auf den Händen des Typen, der damit inzwischen wieder den Po des Mädchens begrapschte. An solche Anblicke würde ich mich wohl gewöhnen müssen.

Als ich mit gesenktem Blick auf den Gang trat, stieß ich voll mit jemandem zusammen und wurde gegen das Fummel-Pärchen zurückgeschleudert.

»Scheiße, sorry«, sagte der Junge, mit dem ich zusammengestoßen war. Na toll. »Alles okay mit dir?«

Ich sah in die blausten Augen auf, die ich je zu Gesicht bekommen hatte. In Kombination mit seinem hübschen mokkafarbenen Teint waren sie einfach der Hammer, doch leider handelte es sich nicht um meinen geheimnisvollen Typen.

»Pass doch auf!«, fauchte das Mädchen hinter mir und stieß mich von sich weg.

Das Buch und das Heft in meinen Händen flogen auf den Boden. Großartig, nun zog ich bestimmt noch mehr Blicke auf mich! Dabei hasste ich das. Doch heute ging es anscheinend nicht anders.

»Mensch, Raleigh, ich bin doch in sie reingelaufen, verdammt. Also chill gefälligst!« Der Junge beugte sich runter, um meine Sachen aufzuheben. Fasziniert betrachtete ich seine kräftigen Muskeln, die sich durch sein eng anliegendes, kurzärmeliges T-Shirt abzeichneten.

Raleigh lachte, aber es klang eher wie ein fieses Gackern. »Die ist stumm, Nash. Und sie ist Bradys Cousine. Du kannst dir deine galante Nummer also sparen. Die ist nicht dein Typ.«

Dann, hinter mir: »Führ dich nicht so auf, Babe.« Diese Stimme! Ich erstarrte. Diese Stimme kannte ich. Nein … das durfte nicht sein.

»Brady hat eine Cousine?« Nash richtete sich wieder auf und reichte mir meine Bücher.

Ich hatte Angst, mich umzudrehen und mich zu vergewissern. Vielleicht irrte ich mich ja. Der Typ, der mit dem Mädchen neben mir rumgemacht hatte, konnte nicht der sein, der mich am Freitagabend geküsst hatte. Der Typ, der mich geküsst hatte, war zu seiner Mutter nett gewesen. Konnte ein netter Typ ein anderes Mädchen küssen, wenn er schon eine Freundin hatte? War er tief in seinem Innersten doch nicht so nett? Während ich mir das Wochenende im Geiste immer wieder den Kuss in Erinnerung rief, hatte ich mir das fest eingeredet.

Mit möglichst unbeteiligter Miene nahm ich Nash die Bücher ab.

»Ja, hat er. Überraschung!« Wieder diese Stimme. Das war er. O Gott! … Das war so dermaßen er!

Stur starrte ich auf meine Bücher. Gerade lief ich rot an, das wusste ich, und hatte nur noch den Wunsch, allein sein zu können, um über diese Überraschung hinwegzukommen.

Mein Mr Mystery fuhr fort: »Sie ist wirklich ein Hingucker, aber Brady hat klargestellt, dass sie absolut tabu ist. Ray hat also recht. Lass gut sein. Ich tu’s auch.«

Aber er hatte es nicht gut sein lassen. Hatte er bei dem Kuss schon gewusst, dass Brady mich für tabu erklärt hatte? Tat er deshalb jetzt so, als würde er mich nicht kennen? Was für ein Arsch! Und von dem hatte ich mich küssen lassen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Normalerweise wurde ich nicht schwach, nur weil ein Kerl gut aussah. Mein Vater sah auch gut aus, und nicht einmal meine Mutter hatte ihm vertrauen können. So dumm war ich nicht. Noch mal würde mir so etwas nicht passieren.

»Hey, was meinst du mit ›Ich tu’s auch‹?« Raleigh hob die Stimme. Und stieß den Typen weg. Ich machte, dass ich von ihr wegkam.

»Sie ist ein Hingucker. So wie ich’s gesagt habe«, wiederholte er.

Er war ihr gegenüber absichtlich grausam und setzte mich dazu ein. Grausamkeit und herzloses Benehmen hasste ich. Mich packte die Wut, und ich hätte ihm zu gern die Meinung gegeigt. Ach, von wegen, ich hätte ihn gern angebrüllt! Aber daraus würde nichts.

Mein Gesicht glühte vor Beschämung, Wut und Enttäuschung. Ich wünschte, Brady hätte auf mich gewartet. Ich wusste nicht, welchen Weg ich einschlagen musste, und ich konnte doch jetzt unmöglich meine Schultasche herausholen! Ich schaute mich im Gang nach der besten Fluchtroute um.

»Sie ist stumm!«, schnaubte das Mädchen. »Keine Ahnung, wieso ich’s eigentlich mit dir aushalte. Ich könnte jeden haben. Jeden, West. Ist dir das eigentlich klar?«

West. So hieß er also. Ein Mädchen musste wissen, von wem es seinen ersten Kuss bekommen hatte, und doch hätte ich ihn lieber nicht gekannt. Am liebsten hätte ich West und diesen Abend komplett aus meiner Erinnerung gelöscht.

»Mich könntest du nicht haben. Ich steh nicht auf Irre«, erwiderte Nash, und ich sah zu ihm auf. Er zwinkerte mir zu, und in seinen Augen lag ungezwungene Freundlichkeit. Dagegen nichts davon, was ich in Wests Blick entdeckt hatte. Warum konnte er mir nicht meinen ersten Kuss gegeben haben?

West gluckste über Nashs Bemerkung.

»Ha, ich würde dich gar nicht wollen!«, fauchte sie. »Mein Daddy erlaubt mir nur Dates mit Weißen!«

Ich erstarrte. Hatte sie das wirklich gerade gesagt? Nash war weder ganz weiß noch ganz schwarz. Er hatte eine wunderschöne Hautfarbe.

»Och, wie schade!« Nash wirkte belustigt. »Ich schätze, dein Daddy ist noch immer sauer, dass seine weiße Freundin einen Schwarzen geheiratet hat. Das ist Jahre her, Raleigh. So allmählich sollte er darüber hinweggekommen sein. Meine Mom ist es garantiert.«

Okay, wow! Kleinstädte waren wirklich, wirklich klein.

Nash sah zu mir. »Brauchst du Hilfe bei der Suche deines Klassenzimmers?«

Aber Raleigh wollte das nicht auf sich sitzen lassen. »Erlaubst du ihm etwa, so mit mir zu reden?«, fuhr sie West an.

»Na, na, na! Du hast damit angefangen. Er ist nur darauf eingestiegen«, erwiderte West.

»Wir sind fertig miteinander, West!«, rief sie und stürmte davon.

Ich wollte nur noch in mein Klassenzimmer! Ich griff nach der Karte, die ich in meine Hosentasche gesteckt hatte, und faltete sie auf, damit ich schauen konnte, wo ich hinmusste. Zitternde Hände hin oder her. Ich wollte auf der Stelle weg. Weg von West.

»Und, wo hast du nun deine erste Stunde?«, fragte mich Nash.

»Du, Raleigh hat dich nicht verarscht. Sie redet echt nicht«, sagte West hinter mir.

Eigentlich wollte ich zu keinem der beiden aufsehen, andererseits wollte ich doch gucken, ob dieser West auch wirklich derjenige welcher war. Die Stimme war dieselbe, aber ich musste das Gesicht sehen. Insgeheim klammerte ich mich immer noch an den dünnen Strohhalm der Hoffnung, dass der Junge, der mich geküsst hatte, besser war als der, der hinter mir stand. Und so drehte ich mich um.

Leider sah er im Hellen noch perfekter aus als im Dunkeln. Damit er mich nicht dabei erwischte, wie ich ihn anstarrte, sah ich schnell wieder auf meine Karte. Ich hasste ihn. Ich hasste jeden, der über die Gefühle anderer einfach so hinwegging.

»Wurdest du so geboren?«, wollte Nash wissen, und ich wünschte, er würde aufgeben. Was sollte ich nur mit ihm tun? Er war sehr nett, aber reden würde ich nicht mit ihm.

West bewegte sich und stand plötzlich mit absolut gelangweilter Miene vor mir. Dass seine Freundin gerade mit ihm Schluss gemacht hatte und davongestürmt war, schien ihn nicht die Bohne zu interessieren. Man musste schon sehr kaltschnäuzig sein, um so zu reagieren.

Ich linste zu ihm auf und entdeckte, dass er seine dunkelblauen Augen, die von langen, dunklen Wimpern umrahmt wurden, auf mich gerichtet hatte. So außergewöhnlich wie Nashs Augen waren sie zwar nicht – so hübsche Augen wie Nashs gab es bestimmt nicht noch mal –, doch es war darin noch so einiges zu lesen, was ich am Freitagabend übersehen hatte. Kummer, Angst, Reserviertheit. Wieder einmal also genau das, was ich jedes Mal sah, wenn ich in den Spiegel blickte.

»Fuck, von Nahem ist sie noch hübscher.« West legte den Kopf schräg und musterte mich. »Da ist es mir eigentlich egal, wenn sie nicht redet.«

Er sah mich an, als hätte er mein Gesicht am Freitagabend nicht in seinen großen Händen gehalten. Mein Magen verklumpte zu einem kranken Knoten. Mit Grausamkeit und Verrücktheit kannte ich mich aus. Ich hatte damit gelebt. Hatte sie miterlebt. Und mich davor gefürchtet. Hätte ich in seinen Augen nicht den Kummer und die Angst gelesen, dann hätte ich ihm eine runtergehauen. So aber wollte ich einfach nur weg von ihm. Er war kein guter Mensch. Irgendetwas hatte ihn so verkorkst. Während ich mich zum Stummsein entschlossen hatte, um mit meinem Kummer zurechtzukommen, hatte er sich entschieden, damit umzugehen, indem er andere verletzte.

»Sie ist stumm, du Hirni. Nicht taub!«, schimpfte Nash.

Ein schiefes Grinsen, das Wests Augen nicht erreichte, umspielte seine Lippen. Sahen seine Freunde es denn nicht? Wussten sie nicht, dass er mit seiner gemeinen Art irgendeinen Kummer zu verschleiern versuchte, der ihn nicht losließ?

»Denk dir nichts, Süße. Ich bin ein Arschloch«, sagte er, als müsse er sich entschuldigen. Aber wofür? Dass er mich geküsst hatte? Seine Freundin betrogen hatte? Oder dass er mit jedem Wort aus seinem Mund den herzlosen Vollidioten gab?

Beschädigte Menschen konnte man nicht heilen. Das wusste ich nur zu gut. Jeder, der das bei ihm versuchte, würde versagen. Aber die Menschen wurden nicht grausam geboren. Das Leben machte sie dazu. Zumindest hatte mir das eine meiner psychologischen Beraterinnen erklärt, als sie versucht hatte, mit mir über meinen Vater zu reden.

Ich wich abrupt vor West zurück und reckte meinen Kopf. Mein wütender Blick sagte mehr, als jedes Wort es tun konnte. Zum Glück kam die Botschaft an, und er machte kehrt.

Ich sah ihm hinterher und fragte mich, ob es jemanden geben mochte, der den Grund für sein Verhalten kannte. Jemanden, der hinter seine Fassade blickte. Seine Freundin schon mal nicht, sonst hätte sie ihn nicht einfach so abgeschossen. Er hielt sich mit einem Selbstvertrauen, das allen den Kopf vernebelte. Da hinterfragte keiner mehr, wie es in ihm aussah, schätzte ich.

Auch wenn mir völlig klar war, dass er kein guter Umgang war und ich ihn hassen wollte, hatte ich ihn doch andererseits mit seiner Mutter reden hören. Hatte mitbekommen, wie er ihr versichert hatte, dass er sie liebe. Hatte den Schmerz in seiner Stimme vernommen.

»Lass dich auf den nicht ein«, warnte mich Nash neben mir. »West taugt nichts, Sugar. Er ist einer meiner besten Freunde, aber für Mädchen wie dich ist er Gift. Dem liegt nur er selbst am Herzen.«

Da brauchte sich Nash keine Sorgen zu machen. Um West würde ich einen Bogen machen. Einmal waren wir uns ja nahe genug gekommen, und er schien sich nicht mal daran zu erinnern. Im Gegensatz zu mir, die das ganze Wochenende an nichts anderes denken konnte als an unseren Kuss, hatte er keinen Gedanken daran verschwendet.

Trotzdem, West musste gerettet werden. Jemand musste zu ihm durchdringen. Meinen Vater hatte niemand retten können, und sein zerstörerisches Treiben hatte ein grauenhaftes Ende gefunden. West brauchte dringend Hilfe, so viel war mir klar. Auch dass sie von mir nicht kommen konnte, wusste ich. Ich hatte mit meinen eigenen Dämonen zu kämpfen.

Abbi Glines

Über Abbi Glines

Biografie

»Seit ich ein kleines Mädchen war, habe ich immer schon Geschichten geschrieben. In meinem Kopf entsteht eine Idee, und ich schreibe sie auf.«

 

Bevor Abbi Glines mit ihren »New Adult«-Romanen der internationale Durchbruch gelang, schrieb sie bereits zahlreiche Fantasy- und Jugendbücher. Viele...

Weitere Titel der Serie »Field Party«

In dieser Reihe von Bestsellerautorin Abbi Glines prickelt und knistert es zwar auch heftig zwischen den Protagonisten, doch sind sie noch Schüler an einer Highschool. Dennoch: Nichts ist so aufregend, dramatisch und episch wie der erste Kuss und die erste große Liebe.
Fragen und Antworten zu Abbi Glines
Sie haben Fragen zum Autor? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Gibt es ähnliche Bücher wie die Romane von Abbi Glines?
Wenn Ihnen die Bücher von Abbi Glines gefallen, dann empfehlen wir Ihnen folgende Autoren: Jamie McGuire, J. Lynn oder Elle Kennedy.
Welche Neuerscheinungen gibt es von Abbi Glines?
2017 ist dieses neue Buch von Abbi Glines erschienen: »Unter the Lights - Gunnar und Willa«. 2018 erscheint der 3. Band in dieser Reihe »Field Party«.
Welche Buchreihen gibt es von Abbi Glines?
Bei Piper erschienen sind: - Sea Breeze - Rosemare Beach - Vincent Boys - Field Party

Kommentare zum Buch

Das Schicksal macht manchmal stumm
Marie's Salon du Livre am 30.12.2016

Maggie hat vor zwei Jahren unter tragischen Umständen ihre Mutter verloren. Das hat sie so mitgenommen, dass sie seither nicht mehr spricht. Jetzt nimmt sie die Familie ihres Onkels auf. Ihr gleichaltriger Cousin Brady wird zu ihrem Schutz abkommandiert. Das schmeckt ihm nicht besonders. Er ist im Football Team und er bemerkt schnell, dass seine Kollegen Maggie sehr hübsch finden. Er ringt allen das Versprechen ab, sie nicht anzubaggern. West befindet sich in einer Ausnahmesituation. Sein Vater liegt im Sterben und keiner seiner Freund weiß davon. Er macht gute Mine zum bösen Spiel. Als er Maggie unter einem Baum trifft, kann er ihr nicht widerstehen und küsst sie stürmisch. Ab diesem Zeitpunkt verbringen die zwei viel Zeit miteinander. Obwohl sie anfangs kein Wort spricht, erkennt West, dass Maggie ihn besser versteht als jeder andere, denn sie hat ein Schicksal überlebt, das ihm noch bevorsteht.   Meine Meinung: Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Da ich schon einiges von Abbi Glines gelesen hatte, wollte ich auch unbedingt diese Geschichte lesen. Maggie hat ein ungewöhnliches Schicksal zu meistern, welches ich so noch nie gelesen habe. Wobei das in den USA nicht gerade selten sein wird. Sie reagiert auf diese Situation einzigartig, in dem sie aufhört zu sprechen. So schützt sie sich instinktiv. West weiß, dass sein Vater bald sterben wird und hat natürlich Probleme damit umzugehen. Als er auf Maggie trifft, weiß er zunächst nichts von ihrer Vergangenheit. Aber er spürt die Verbindung zwischen ihnen. Sie stützen einander auf unterschiedliche Weise und das hat mir gut gefallen. Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, dass man sehr, sehr wenig über das Drama rund um Maggie erfährt, und mehr auf Spekulationen angewiesen ist. Trotzdem ist die Geschichte sehr lesenswert. Die Trauer, die sich natürlich einschleicht, gehört zum Leben dazu und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Maggie und West ergänzen und stützen sich gegenseitig. So stelle ich mir eine Partnerschaft vor.

Super Lektüre
aufgehuebschtes am 21.11.2016

Ich habe schon oft gehört, dass Abbi Glines eine super gute Autorin sein soll. Bisher hatte ich jedoch kein einziges Buch von ihr gelesen. Bis jetzt..   "Until friday night: Maggie & West" erschien am 1.6.2016 erstmalig auf deutsch. Es ist der erste Band der neuen "Field Party"-Reihe von der Autorin Abbi Glines. Die 292 Seiten Jugendroman werden vom Piper Verlag verlegt. Preislich liegt das Werk bei 8,99 Euro.   Inhalt: Protagonisten des Werkes sind unverkennbar Maggie und West. Doch auch Brady hat eine große Rolle in dem Roman. Weitere Charaktere sind u.a. Nash, Coralee, Boone oder Raleigh. Maggie zieht bei Tante, Onkel und Cousin ein. Dem Leser ist nicht klar warum und es ist auch unverständlich, warum Maggie schweigt. Ihr Cousin Brady bekommt die Aufgabe, auf Maggie aufzupassen und sie auch die ersten Tage in der neuen Schule zu unterstützen. Auf einer Feldparty trifft Maggie das erste Mal auf West, welcher sie allein an einem Baum gelehnt findet. Ohne Vorwarnung küsst er sich und verschwindet. Eine Art Seelenverwandtschaft spürt Maggie sofort, denn das sah sie in seinen Augen. Auch West bemerkt, dass Maggie einen Grund haben muss, warum sie schweigt. In einem einseitigen Gespräch offenbart West seine größte Angst. Sein Vater liegt quasi im Sterben und wird dem Darmkrebs erlegen. Seinen Footballfreunden hat er nie etwas davon erzählt. Maggie fängt an mit West zu reden und erklärt ihm, warum sie so ist wie sie ist. Ihr Vater erschoss ihre Mutter von Maggies Augen. Sie verlor beide unerwartet. Dass sich die beiden Jugendlichen gegenseitig eine Stütze sein können, merken sie schnell. Vor allem West braucht Maggie täglich ihn höherer Dosis. Doch da Brady keine Beziehung zwischen beiden zulassen möchte, aus Angst, Maggie könnte wieder einen wichtigen Menschen verlieren, liegt auch West viel daran, es bei einer Freundschaft zu belassen. Ihr zuliebe. Und auch er möchte sie nicht mehr verlieren. Doch auf beiden Seiten entwickeln sich Gefühle. Die Eifersucht auf Maggie in der Schule wächst. Hat sie doch nun den beliebten, gutaussehenden Footballer, auf den alle Mädels stehen. Und dann ist sie auch noch stumm. Niemand versteht, was er von ihr will. Als sich die beiden immer Näher kommen, geht es Wests Vater immer schlechter. Er stellt Maggie seiner Familie vor, welche urplötzlich auch mit seinen Eltern spricht. Es ist das einzige Mal, dass Maggie seinen Dad kennenlernt. Als Wests Dad ins Krankenhaus muss, erzählt Brady, der mittlerweile von Wests Schicksal weiß, allen Freunden davon. Alle versammeln sich im Krankenhaus und stehen West und seiner Mutter bei, als sich sein Vater von der Welt verabschiedet. Nach diesem Schicksalsschlag beginnt Maggie wieder zu sprechen. Unter der Bedingung, nicht über "jenen Tag" reden zu müssen, redet sie mit jedem. West wird unglaublich eifersüchtig, da er befürchtet, dass ihr Schicksal nicht mehr nur ihm bewusst ist, denn sie kann nun mit jedem darüber reden. Er untersagt ihr jegliche Konversation mit anderen Menschen. Während die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe verschwimmt, wird Maggie klar, dass Wests Verhalten davon zeugt, dass er sie nur als Stütze braucht und nicht aus Liebe Zeit mit ihr verbringt. Sie unterbricht den Kontakt und zweifelt schnell an ihrer Entscheidung. Schließlich hat Wests gerade seinen Vater verloren, seine Mutter ist verreist und Maggie lässt ihn nun auch im Stich.   Sie (Tante Coralee) drückte mich an sich. "Wir müssen im Leben oft Entscheidungen treffen, die uns nicht leichtfallen. Deshalb müssen sie aber noch lange nicht falsch sein." "Und was wenn doch?", rutschte es mir (Maggie) heraus. Sie löste sich von mir und schickte sich an, mir einen Teller zurecht zu machen. "Dann schreitet das Schicksal ein und bringt es wieder in Ordnung. Du musst ihm nur vertrauen."   Nachdem West Maggie seine Liebe gestand, da ihm klar würde, dass er sie sonst verliert, wenn er nicht endlich ehrlich ist, fand die Beerdigung seines Vaters statt. Nachdem sie ihm so lange eine Stütze war, war er es nun auch für sie, als er sie bei ihrem ersten Grabbesuch ihrer Mutter begleitete. Maggie konnte mit der Situation ein wenig abschließen, als sie am Abend die nächste Horror-Nachricht erhielt. Ihr Vater hat sich im Gefängnis das Leben genommen. Doch für sie war er schon lange tot. Sie trauerte nicht. Sie war leer.   In der Geborgenheit seiner (West) Arme weinte ich um alles, was ich verloren hatte. Um alles, was ich nie haben würde. Ich weinte um meine Mutter und um ihren tragischen Tod. Ich weinte um West und seinen Dad. Ich weinte um mich.   Aufbau: Der Roman ist in Kapitel von durchschnittlich 6-8 Seiten Länge unterteilt. Das empfinde ich für den Lesefluss fast schon etwas kurz, dennoch ermöglicht es so eine flexible Lesepausengestaltung. Im Wechsel werden die Geschehnisse aus Maggies und Wests Sicht erzählt, was deutlich zu Beginn des Kapitels ersichtlich ist. Außerdem besitzt jedes Kapitel eine Überschrift - Einen Satz, welcher so im jeweiligen Kapitel fällt. Es ist nicht immer gleich auf das folgende Geschehen zu schließen, manchmal gibt es jedoch einen guten Einblick. Auf der allerersten Seite des Buches, gibt es eine etwasausführlichere Inhaltsangabe. Darauf folgt eine Seite, welchen den Titel zeigt und anschließend gibt es eine kleine Übersicht über Abbi Glines Werke und welche Roman-Reihen es von ihr gibt. Ein kurzer Epilog am Ende des Buches zeigt, wie West zu Maggie steht. Ebenso bleibt die Möglichkeit einer Fortsetzung offen.   Sprache/Stil/Schlüssigkeit der Handlung: In dem gesamten Kapitel spricht ein Ich-Erzähler. Je nachdem, welches Kapitel beschrieben wird, erzählt Maggie aus ihrer Sicht, oder West aus seiner. Die Sprache und der Stil ist dem bevorzugten Leseralter angepasst. Dennoch müssen sich ältere Leser nicht fürchten, dass es zu lapidar geschrieben sein könnte. Es gibt keine unnötigen Gesprächssequenzen im Buch, was von einer klaren und deutlichen Schreibweise zeugt. Die Handlung an sich ist in sich sehr schlüssig, auch wenn ich mich frage, wie es niemandem auffallen konnte, dass Maggie mit West redete, wenn er doch immer auf Schweigen zu antworten schien. Zwar versteckte Maggie anfangs ihren Mund, doch die Antworten von West waren für jeden hörbar.   Design: Das Design des Buches ist wunderschön. Haptisch ist das Buch ein Erlebnis, da es eine Art "weichen Umschlag" hat. Es fühlt sich samtig und gleichzeitig sehr glatt an. Gestalterisch spricht mich das Cover ebenfalls sehr an. Der Buchtitel ist sehr präsent auf dem Cover und auch deutlich lesbar. Die bildliche Gestaltung spiegelt den Inhalt des Buches sehr gut wider. Die Buchrückseite ist in einem Rosaton mit schwarzer Schrift gehalten. Kleine, weiße Herzen verzieren diese Seite noch ein wenig. Auf der vorderen Umschlagseite ist ein Zitat aus dem Buch abgedruckt, auf der hinteren Umschlagseite gibt es einen kleinen biografischen Ausschnitt über die Autorin zu lesen. Auch das kleine kreisförmige Element am Beginn eines jeden Kapitels lockert den Inhalt optisch ein wenig auf, sodass nicht nur Buchstaben vor des Lesers Augen aufflimmern.   papego?! Ich war überrascht, dass laut Aufkleber auf dem Buchcover eine App existiert, die es durch einscannen einer Buchseite ermöglicht, das Buch unterwegs z. B. über das Handy weiterzulesen. Ich war sehr gespannt, lud die App auf mein Handy und es funktionierte natürlich nicht. In der Bewertung der App habe ich gelesen, dass es anscheinend bei niemandem zu funktionieren scheint. Das hat natürlich nichts mit meiner Bewertung des Buches zu tun, nur schade, dass ein beworbener Dienst nicht genutzt werden kann. Gern hätte ich dir gezeigt, wie toll diese Möglichkeit doch ist.   Buchempfehlung? Ja. Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich definitiv um einen Jugendroman, doch auch ich mit gut 23,75 Jahren konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Seite 168 rührte mich tatsächlich zu Tränen, was äußerst selten von einem Buch geschafft wird. Auch, wenn es sich alles andere als um eine leichte Lektüre handelt, da es sich so oft um das Thema Tod und Einsamkeit handelt, kommt es dem Leser nicht so vor. Es wird als leichte Lektüre wahrgenommen und ein ernstes Thema "leicht" an den Leser gebracht. Für dieses Buch unterbrach ich sogar ein anderes, welches mich nicht so packte und musste "Until friday night" erst beenden, bevor ich zu dem anderen Buch zurückgriff.   Ein riesiges Dankeschön an den Piper Verlag für das kostenlose zur Verfügung stellen dieses Rezensionsexemplares.

Sehr schönes Buch
Sonia am 01.11.2016

Das Cover ist etwas kitschig, ja, aber es gefällt mir sehr! Die Farben sind toll und ich habe richtig Lust bekommen, mich auch auf so eine Wiese zu setzen... Ich muss zugeben, es ist das erste dieser Art, das in mein Regal ziehen darf XD Mir gefällt die Gestaltung sehr gut, ich mag die Idee, alles Geschriebene in einen Kreis zu packen, der dann an den Rand gesteckt wird, sodass das Bild auch schön zur Geltung kommt! Wenn man das Buch umdreht, gefällt es mir sogar fast noch mehr... aber nur fast.     "Until friday night" ist mein erstes Buch von Abbi Glines, aber ich habe natürlich viel von ihren New-Adult Geschichten gehört, die ja sehr beliebt sind. Überzeugen konnte mich die Autorin von Anfang an! Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt, was ich bei solchen Liebesgeschichten ja immer gut finde. Im ersten Kapitel lernt der Leser Maggie kennen, die gerade bei ihrem Onkel und ihrer Tante einzieht, die einen Sohn haben. Man weiß nicht, was passiert ist, man wird einfach in ein Szenario geworfen, das man jedoch immer mehr versteht. Natürlich war ich sehr neugierig, was da denn eigentlich genau passiert ist.   Da die Kapitel ziemlich kurz sind, wurde auch schnell zu dem zweiten Protagonisten geswitched, zu West. Man merkt sofort, dass West nicht das ist, was er der Öffentlichkeit zeigt. Hier erfährt man ziemlich schnell, was bei ihm los ist und er tat mir sehr leid. West ist ein ziemlich süßer Typ, allerdings hat er auch einige Eigenschaften, die mir nicht ganz so gefallen haben. Maggie ist die Cousine von West und sie ist die Einzige, mit der er über die Last sprechen kann, die er zu tragen hat. Folglich wird sie zu "seiner Therapeutin" sozusagen; immer wenn es ihm schlecht geht, schreibt er ihr eine SMS und sie ist da. Damit schubst er sie quasi die ganze Zeit so rum, wie es ihm passt; dazu stellt er ziemliche Besitzansprüche, wie man am Ende des Buches ziemlich deutlich merken kann. Aber das sind einfach Charakterzüge, die mir persönlich nicht zusagen; im Gegensatz zu Maggie würde ich so etwas nicht akzeptieren können. An sich waren die beiden mir nämlich sehr sympathisch.   Brady mochte ich gleich von Anfang an; er ist ein echt guter Kumpel und ein toller Cousin. Generell sind die meisten Jungs in dem Buch schwer in Ordnung. Die Mädchen jedoch sind der reinste Horror! Ich muss sagen, so stelle ich mir eine amerikanische Highschool vor...   Die Handlung hat mich sehr gut unterhalten und es wurde mir nur bei einer Stelle etwas langweilig, aber das kann auch durchaus daran liegen, dass ich das Buch an einem Tag durchgesuchtet habe. Insgesamt kann ich das Buch wirklich empfehlen und vergebe vier Sterne.

until friday night
mojo tyler am 09.08.2016

Es ist ein wirkluch gutes Buch das ich weiterpfehlen kann

Eine süße Geschichte, allerdings nicht ganz so packend wie andere Werke der Autorin
Kopfkino-Blog am 17.07.2016

 Ich habe bereits zwei Bücher der Autorin gelesen und schätze ihre Geschichten vor allem als Geschichten für Zwischendurch. Sie sind süß, kurzweilig, lassen sich sehr schnell lesen und sind packend geschrieben. Nachdem ich also die ersten beiden Bände der Sea Breeze Reihe gelesen hatte, war ich umso gespannter auf Abbi Glines Geschichte an einem ganz anderen Handlungsort.   Wie gewohnt, ist der Schreibstil von Abbi Glines sehr einfach. Das Buch ist unglaublich schnell gelesen und der Schreibstil ist sehr flüssig. Allerdings sind mir bei der Geschichte um Maggie und West erstmals einige Wortwiederholungen, sogar das Wiederholen ganzer Sätze aufgefallen. Keine Ahnung, ob ich das zuvor nicht bemerkt habe oder es in diesem Buch wirklich häufiger auftaucht. Gestört hat mich das nur minimal.   Die Charaktere Maggie und West, sowie die Nebencharaktere, waren mir gleich sehr sympathisch. Abbi Glines schafft es immer wieder, den Leser emotional an die Charaktere zu binden. Ich fühlte mit den beiden und wünschte ihnen nur das Beste. Dennoch war ich von ihnen nicht ganz so begeistert wie bspw. von Jax & Sadie oder Macus & Low.   "Until Friday Night" unterscheidet sich von den Büchern der "Sea Breeze" Reihe. Die "heißen Szenen" werden übersprungen und es wird deutlich mehr auf die Schicksale der beiden eingegangen. Das Buch soll tiefgründiger und emotionaler sein. An sich finde ich das gut. Doch Maggie und West konnten mich trotz ihrer wirklich heftigen Schicksale nur selten tief berühren.   Man sollte nicht meinen, dass ein so dünnes Buch zu langwierig sein kann und doch ertappte ich mich an so mancher Stelle bei dem Wunsch, das Ganze möge doch mal ein bisschen in die Pötte kommen. Gelangweilt habe ich mich nie, aber ich war auch nie so tief in der Geschichte, wie bei den vorherigen Büchern der Autorin. Zum Schluss gibt es eine "Wendung" die für mich völlig unnötig war. Genauer kann ich leider nicht darauf eingehen um nicht zu spoilern.   Fazit: Eine süße Geschichte, die mich teilweise packen und berühren konnte, jedoch nicht an die ersten beiden Bände der Sea Breeze Reihe heran kommt. 

Ein absolutes Jahreshighlight!
Laura am 13.07.2016

Ich habe schon so viel von Abbi Glines gehört, aber bisher keines ihrer Bücher gelesen, mit diesem Buch sollte sich das nun ändern. Natürlich zog zuerst das Cover meine Aufmerksamkeit auf sich, es ist einfach ein wahrer Traum, doch auch die Geschichte klang echt interessant. Etwas Angst hatte ich anfangs vor der Tatsache, dass Maggie stumm ist, denn ich habe bereits ein Buch gelesen, bei dem dies der Fall war und dort hat es mir gar nicht gefallen. Hier war das Ganze jedoch super gelöst und es mangelte trotz Stummheit nicht an Dialogen. Abbi Glines Schreibstil konnte mich von der ersten Seite an packen. Sie schreibt unglaublich flüssig und locker, sodass ich mich komplett in die Geschichte fallen lassen konnte und das Buch sich zu einem fabelhaften Page-Turner entwickelt hat, welchen ich innerhalb eines Nachmittags verschlungen habe.Zudem ließ die Autorin die Geschichte sehr real wirken, sodass ich das Gefühl hatte, alles würde sich gerade direkt vor meinen Augen abspielen. Weiterhin mochte ich, dass die Geschichte aus Maggie wie auch Wests Sicht erzählt wurde und dies auch in gleichen Anteilen, da man so zu beiden Charakteren eine bessere Bindung aufbauen konnte. Maggie war eine sehr starke Protagonistin. Sie hat viel durchgemacht und versank trotz dessen nicht in Selbstmitleid, vielmehr versuchte sie weiterhin für andere stark zu sein und durch ihre Erfahrungen zu helfen. West war mir dahingegen zu Anfang relativ unsympathisch. Er verkörperte einfach diesen typischen arroganten Schulsportler, dem jeder bestimmt schonmal im echten Leben begegnet ist. Sobald man jedoch mehr über seine Probleme und sein Leben hinter diesem arroganten Schein erfahren hat, wuchs auch er mir ans Herz und ich begann total mitzufühlen, denn hinter seiner arroganten Art steckt einfach so viel mehr. Insgesamt finde ich, dass er eine wahnsinnige Entwicklung hingelegt hat. Was mich sehr gerührt hat, war seine Beziehung zu seinem Vater, diese hat mir einmal die Tränen in die Augen getrieben, was nicht oft vorkommt. Ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir auch Maggies Onkel, ihre Tante und ihr Cousin Brady. Auch wenn Brady zuerst definitiv viel zu überfürsorglich bzw. "beschützermäßig" war, entwickelte er sich während der Geschichte weiter und vor allem sein Sinneswandel, nachdem er von Judes Krankheit erfahren hatte, half ihm unheimlich. Als Maggis und Wests erste Begegnung aus einem Kuss bestand, war ich wirklich skeptisch und hatte Angst, dass sich alles in eine für mich falsche Richtung entwickelte. Aber im Gegenteil spielte der Kuss letztendlich eine lange Zeit gar keine Rolle und die Beziehung zwischen den Beiden ging in eine freundschaftliche Ebene über, durch sie sich gegenseitig Kraft gaben. Hier schaffte es Abbi Glines die Freundschaft keineswegs gestellt oder gewollt wirken zu lasse, es passte einfach zwischen Maggie und West und wirkte echt. Der Übergang von Freundschaft zu Liebe kam schleichend und war unterschwellig immer da, sodass es letztendlich toll umgesetzt war, als es soweit war. Es gab keinen großen Plottwist, was der Geschichte jedoch keinen Abbruch tat, ein großes Drama hätte die Geschichte glaube ich nur zerstört, da sie soviel mehr zu bieten hat und deshalb definitiv keine dramatische Wendung braucht, um zu überzeugen.Am Ende geschahen noch ein zwei Sachen, die meiner Meinung nach nicht unbedingt hätten passieren müssen und auch nicht vollkommen geklärt wurden, sodass das Ende etwas offen blieb, dieser Mini-Kritikpunkt zieht die Geschichte aber im Ganzen nicht runter.

Typisch Abbi Glines - Maggie & West
Daniela am 29.06.2016

Nach außen hin ist West Ashby der gut aussehende Football-Held, der die Lawton Highschool zur Meisterschaft führen wird. Innerlich wird er jedoch von Ängsten um seinen krebskranken Dad zerfressen, und er kann mit niemandem darüber sprechen, da niemand davon erfahren soll. Als West eines Abends aber nicht mehr weiterweiß, vertraut er sich bei einer Party dem Mädchen an, das ihn bestimmt nicht verraten wird: Maggie, die seit einem schrecklichen Ereignis in ihrer Familie nicht mehr spricht. Umso mehr überrascht es West, als sie ihm plötzlich doch antwortet und dass er fortan an nichts anderes mehr denken kann, als an ihre sanfte Stimme und ihre weichen Lippen.   Ich war etwas wehmütig als ich gehört habe, das die Rosemary Beach Serie nach Nan endet. Aber natürlich schreibt Abbi Glines eine andere Serie und auf diesen ersten Teil habe ich mich total gefreut. Und wie immer bei Büchern von Abbi Glines wurde ich nicht enttäuscht und habe alles in einem Rutsch durchgelesen.   Und in diesem Buch habe ich alles erlebt. Von Tränen über Herzklopfen über Freundschaft und den Mut an sich selbst zu glauben.   Maggie & West sind ein Pärchen die einfach nur süß sind und einfach total gut zusammenpassen weil sie in jeder Situation füreinander da sind und sich helfen den Mut zu finden um daran zu glauben, dass man mehr Stärke in sich trägt als man denkt.   Fazit: Wieder eine wunderschöne Geschichte von Abbi Glines und ein herausragender erster Teil einer neuen Serie, die dein Herz zum Schmelzen bringt.   Serie: 1. Until Friday Night - Maggie & West 2. Under the lights - Willa & Gunner (erscheint erst im Februar 2017)

Maggie & West - Zwei Menschen und eine neue Perspektive
Blonderschatten's Welt der Bücher am 26.06.2016

Cover:   Eine wunderschöne Landschaft, die durch die Strahlen der untergehenden Sonne in ein harmonisches Licht getränkt wird. Kaum würde man vermuten, dass hinter diesem idyllisch wirkenden Einband zwei bewegende Ereignisse verborgen liegen. Für mich wirkt die Haltung der Frau, als würde sie der untergehenden Sonne entgegen blicken und in Gedanken versinken. Jeder Tag bringt etwas Neues und irgendwann wird einer für sie kommen, indem sie nicht nur auf das Licht blickt, sondern es auch wieder in sich spürt.     Meinung:   Maggie und West, zwei Menschen die von der Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft gequält werden. Während Maggie nach einem traumatischen Erlebnis das Reden eingestellt hat, ist es West, der die Angst um einen geliebten Menschen mit sich allein ausmacht und sich niemandem anvertrauen kann. Sich mitzuteilen ist allerdings ein wichtiger Schritt, welcher einem ein Stück der Last von den Schultern nehmen kann. Zwei Menschen die alleine verloren erscheinen, aber miteinander wieder entdecken, was das Leben lebenswert macht.   Ich würde West zur Seite stehen und gut aufpassen, dass mein Herz nicht mehr dazwischenfunkte. Jawohl!   Als Football-Star der Lawton Highschool nimmt sich West einiges heraus, schert sich nicht um die Gefühle anderer. Er kompensiert seinen Frust und seine Hilflosigkeit durch dieses voreingenommene und rücksichtslose Erscheinungsbild, da niemand darauf aufmerksam werden soll, wie es wirklich in ihm aussieht. Er lässt niemanden nahe genug an sich heran, denn ein Blick auf den wahren West würde bedeuten, ihn mit all seinen Ängsten und Sorgen zu erfassen und sich schlussendlich selber mit diesen auseinanderzusetzen. Um dies zu vermeiden, nutzt er jede sich bietende Gelegenheit, um sich von belastenden Gedanken abzulenken.   >>Jungs treffen nicht immer die richtigen Entscheidungen. Es dauert Jahre, bevor sie zu Männern heranreifen und der Groschen bei ihnen fällt.<<   Von den Erfahrungen geprägt, erkennt Maggie das der Footballspieler nur ein Trugbild nach außen gibt. Sie hat einen vollkommen anderen Blick auf Dinge, als ihre Mitmenschen, ist aufmerksamer und trifft daher auch die richtigen Worte, die umso bedeutsamer sind, da sie sich so lange in Schweigen gehüllt hat. Emotional durchlaufen wir hier viele verschiedene Ebenen. Ängste zu verdrängen oder in andere Gefühle umzuwandeln, wie beispielsweise durch Wests geklärtes und unnahbares Auftreten, schützen einen nicht vor dem Lauf des Lebens, da es sich hier nicht um eine Bewältigungsstrategie oder einen Verarbeitungsprozess handelt.   Was bei Maggie besonders auffällt ist, dass sie zu Beginn kein Mensch großer Worte ist, doch wenn sie etwas hervorbringt dann mit einer besonders einfühlsamen Art, die erkennen lässt, dass diese mit Bedacht gewählt und nicht einfach daher gesagt sind. Allein ihre Gestik drückt oftmals mehr aus, als Worte jemals erfassen könnten. West hat tolle Teamkollegen und Freunde, die ihm eine wichtige Stütze sind, da sie ihm das Gefühl eines gewohnt beständigen Alltags geben, dieses Gefühl währt allerdings nicht allzu lange, anders als in Maggies Nähe.   >>Kein einziger Augenblick, den ich mit dir verbringe, wird mir je leidtun.<<   Auch wenn wir mit West und Maggie zwei besondere Protagonisten haben, so bleibt der Highschool-Alltag davon unbeeindruckt und verläuft in geregelten Bahnen. Die Symbolik die damit einhergeht hat mir sehr gut gefallen, da die Highschool für West eine mentale Grenze darzustellen scheint, in der er seine Mauern errichtet und eine geänderte Version seiner selbst nach außen kehrt. Einerseits können einem Freunde nicht beistehen, wenn sie nicht wissen das man Beistand braucht, andererseits hat er wenigstens in diesem Bereich Abstand und wird nicht mit mitleidigen Blicken bedacht, die ihn durchweg an die unausweichliche Situation erinnern würden.   Zwei Seelen, die einander brauchen, doch werden sie am Ende zueinander finden? Sind sie bereit ihre Mauern einzureißen und dazu in der Lage, neben dem Dunkel auch wieder das Licht zu sehen?     Charaktere:   Maggie hält sich im Hintergrund und versucht jegliche Aufmerksamkeit zu meiden, doch erst einmal ins Visier des Footballspielers West geraten, lässt er nicht so schnell von seinem Ziel ab. Sie ist selbstlos, hat einen großen Verlust erlitten, den sie noch immer bewältigen muss, doch sie weiß, auch West wird wahrscheinlich vor ebenso einem Verlust stehen, wenn auch durch andere Faktoren hervorgerufen. Sie ist bereit ihm eine Stütze zu sein, aus ihrem Kokon zu Blicken und Gefühle zuzulassen, doch immer vor Augen, dass sie sich dadurch verletzbar macht.   West ist ein komplexer Charakter der von seinen Befürchtungen immer wieder eingeholt und sich seiner Machtlosigkeit, einem geliebten Menschen helfen zu können, immer wieder aufs Neue bewusst wird. Maggie offenbart ihm einen Fluchtweg, der sich Stück für Stück zu einem rettenden Pfad entwickelt, doch scheint es am Ende, als wäre er auf diesem Weg selbst, seine größte Hürde.     Schreibstil:   Mit "Until Friday Night" hat uns Abbi Glines wieder eine wundervolle Reihe eröffnet, die neben den Protagonisten Maggie und West, noch zahlreiche weitere spannende Charaktere bereithält.   Liebe braucht ein stabiles Fundament, welches durch verschiedene Basen gestützt wird, sowie beispielsweise Vertrauen und die Fähigkeit, Gefühle zuzulassen, auch wenn die Möglichkeit besteht,, selbst verletzt zu werden. West und Maggie üben sich im verdrängen was Angst und Verlustschmerz betrifft, wodurch sich beide am Leben hindern. Gemeinsam finden sie zueinander, erhalten neue Perspektiven, da sie in der Lage sind, sich in den anderen hineinzuversetzen.   Der Zeitpunkt, indem Maggie wieder anfängt zu sprechen, ist von der Autorin gleich in zweifacher Hinsicht sehr gut gewählt und wohl einer der bedeutsamsten Ereignisse in dieser Geschichte, denn einerseits sagt es eine Menge über Maggie aus, dass sie, um West Trost zu spenden als er sich ihr anvertraut, mir ihrer vor Jahren eigens auferlegten Strafe bricht und gleichsam für West ein wichtiges Zeichen, das mit dem Gefühl von Verbundenheit einhergeht und ihm ein Stück Halt wiedergibt, dass er erstmalig bei ihr findet.   Kesse Charaktere, tolle Persönlichkeiten und die geballte Power von Abbi Glines umwoben von einer emotionalen Achterbahnfahrt der Gefühle, machen auch dieses Werk wieder zu einem atemberaubenden Pageturner.

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