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Love is Wild – Uns gehört die Welt (Love-is-Reihe 3)Love is Wild – Uns gehört die Welt (Love-is-Reihe 3)

Love is Wild – Uns gehört die Welt (Love-is-Reihe 3)

Roman

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Love is Wild – Uns gehört die Welt (Love-is-Reihe 3) — Inhalt

Sie ist alles, was er will. Doch um sie für sich zu gewinnen, muss er sich selbst unter Kontrolle bekommen.

Curtis hat seit dem Tod seiner Eltern Probleme, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Erst als seine Mitbewohnerin Amory ihre lockere Sex-Beziehung beendet, merkt er, dass er mehr von ihr will. Doch dafür muss er seine Aggressionen in den Griff bekommen …

Eine bunte, ungewöhnliche Stadt, eine junge Band und die große Liebe: Der dritte Band der neuen Reihe der Spiegel-Bestsellerautorin Kathinka Engel, in der sie uns ins bunte und lebensfrohe New Orleans entführt – und mitten hinein in das turbulente Leben einer Band. Zwischen berauschenden Auftritten und dem harten Alltag als Berufsmusiker suchen sie alle nach ihrem persönlichen Happy End.

Als leidenschaftliche Leserin studierte Kathinka Engel allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Magazin sowie als Übersetzerin und Lektorin. Mit ihrem Debüt „Finde mich. Jetzt“ schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die Bestsellerliste. Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 30.11.2020
416 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06226-8
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€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 30.11.2020
416 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99691-4
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Leseprobe zu „Love is Wild – Uns gehört die Welt (Love-is-Reihe 3)“

1

Amory

Meiner Meinung nach ist das Konzept des richtigen Moments, des perfekten Zeitpunkts, nichts als eine Illusion. Es gibt das Gestern, das Heute und das Morgen. Irgendwann dazwischen bringen wir die Dinge unter, die untergebracht werden müssen. Meistens sind gestern, heute und morgen ziemlich okay. Ich für meinen Teil mag sie alle drei. Das Gestern vielleicht am wenigsten, weil es schon vorbei ist. Das Heute vielleicht am meisten, weil ich mittendrin bin. Und das Mittendrin liebe ich. Das ist genau mein Ding.

Gerade bin ich mittendrin, Blueberry [...]

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1

Amory

Meiner Meinung nach ist das Konzept des richtigen Moments, des perfekten Zeitpunkts, nichts als eine Illusion. Es gibt das Gestern, das Heute und das Morgen. Irgendwann dazwischen bringen wir die Dinge unter, die untergebracht werden müssen. Meistens sind gestern, heute und morgen ziemlich okay. Ich für meinen Teil mag sie alle drei. Das Gestern vielleicht am wenigsten, weil es schon vorbei ist. Das Heute vielleicht am meisten, weil ich mittendrin bin. Und das Mittendrin liebe ich. Das ist genau mein Ding.

Gerade bin ich mittendrin, Blueberry Pancakes zu backen. Ich stehe in unserer Küche, die ich mit meiner ehemaligen besten Freundin Esmé damals rot gestrichen habe. Wir dachten, das wäre eine gute Idee, um die bräunlichen Flecken an der Wand zu überdecken. Doch die Flecken sieht man bis heute. Denn die Wand hat die Farbe an diesen Stellen nicht so recht annehmen wollen. Aus meiner kleinen Bluetooth-Box singt Skeeter Davis, meine liebste Country-Sängerin und Heldin meiner Jugend, He called me Baby. Den Refrain schmettere ich lautstark mit.

Blueberry Pancakes, das habe ich von meiner Mutter gelernt, sind ein guter Begleiter von schlechten Nachrichten. Bei uns zu Hause gab es Blueberry Pancakes, als meine Kaninchen allesamt von einem Fuchs gefressen wurden, als mein liebster Farmmitarbeiter uns verließ, und seltsamerweise auch, als meine Eltern mir verkündeten, dass meine Mom mit meinem kleinen Bruder schwanger war. Am Tag seiner Geburt – ich war gerade zwölf Jahre alt – machte ich Blueberry Pancakes, weil ich mir sicher war, Nicky würde absolut hässlich werden. So hässlich wie all die anderen Babys, die ich bislang gesehen hatte. Ich sah die Enttäuschung meiner Eltern schon vor mir. Wie sie versuchten, dieses knallrote, verknautschte Ding zu lieben. Aber es stellte sich heraus, die Pancakes waren völlig unbegründet, denn Nicky sah überhaupt nicht aus wie die anderen hässlichen Babys. Er war wunderschön. Wenn ich mir heute Fotos vom Tag seiner Geburt ansehe, weiß ich, dass er genauso rot und verknautscht war wie jeder andere auch, der sich gerade mit dem Kopf voraus stundenlang durch einen extrem engen Gang gequetscht hat. Da sieht man mal, was Liebe mit der Wahrnehmung macht.

Heute habe ich schlechte Nachrichten für meinen Mitbewohner Curtis. Wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob es wirklich schlechte Nachrichten sind. Vielleicht sind es einfach nur Nachrichten. Trotzdem will ich mit den Pancakes auf Nummer sicher gehen.

„Morgen“, sagt eine vom Schlaf noch ganz kratzige Stimme in meinem Rücken. „Kannst du das ausmachen?“

Ich drehe mich um. Da steht er, meinen rot getigerten Kater Hilbert auf dem Arm. Er runzelt die Stirn und zeigt auf die Bluetooth-Box. Niemand in meiner näheren Umgebung teilt meine Begeisterung für Skeeter Davis, aber das ist okay. So habe ich sie ganz für mich allein.

Curtis trägt ein schlabbriges weißes T-Shirt über seinen Boxershorts. Seine hellbraunen Haare stehen in alle Richtungen ab. Er sieht ganz und gar bezaubernd aus, finde ich. Morgens ist er immer am schönsten, wenn die Last seiner Gedanken noch keine Zeit hatte, seine Laune zu drücken. Wenn der Tag noch frisch und alles voller Verheißung ist.

Er räuspert sich, und Hilbert macht sich lang, legt seine Pfoten auf Curtis’ Schultern und reibt den Kopf an seinem Kinn.

„Morgen“, erwidere ich und wünsche mir im Stillen, Hilbert möge mit seinen Liebesbekundungen aufhören. Denn es gibt kaum etwas Heißeres als einen Mann mit Katze. In meinen Augen schlägt es sogar einen Mann mit Baby um Längen.

„Was machst du da?“, fragt Curtis und lässt Hilbert auf den Boden plumpsen. Er tritt zu mir an die Anrichte und linst in die Pfanne.

„Blueberry Pancakes.“

„Ist jemand gestorben?“ Er runzelt die Stirn.

„Nein“, sage ich lachend, merke aber, dass ich ein bisschen nervös werde. „Kaffee?“

Curtis setzt sich an den Tisch und gießt sich Kaffee aus unserer French Press ein. Ich gebe den letzten Rest Teig in die Pfanne und stelle einen Teller mit Pancakes vor Curtis. Dann nehme ich ihm gegenüber Platz.

„Ich muss mit dir reden“, sage ich, nachdem ich ebenfalls einen Happen gegessen habe. Hilbert streicht um meine Beine und maunzt leise. Er will auf meinen Schoß, aber meine Konzentration gilt dem kommenden Gespräch.

„Okay?“ Curtis legt seine Gabel auf den Teller und verschränkt die Arme vor der Brust. „Was habe ich angestellt?“

„Nichts. Du hast nichts angestellt“, beeile ich mich zu sagen. »Es ist vielmehr …«

Der von mir abgewiesene Hilbert versucht es jetzt bei Curtis. Natürlich hat er dort mehr Erfolg. Er springt auf Curtis’ Schoß und beginnt gleich zu schnurren. Auf einmal habe ich das Gefühl, in der Unterzahl zu sein.

„Es geht um Richard“, beginne ich, während ich beobachte, wie Curtis’ Finger Hilberts Kopf massieren. Das ist nicht fair.

„Um diesen Langweiler?“, fragt Curtis desinteressiert.

Ich könnte Richard verteidigen. Könnte sagen, dass er alles andere als ein Langweiler ist, sondern ein fähiger Mathematiker mit vielen Hobbys. Dass er leidenschaftlich gerne bouldert, sich für gesunde Ernährung interessiert. Dass er im Gegensatz zu anderen in der Lage ist, eine normale Beziehung zu führen. Aber ich schlucke es als meinen persönlichen metaphorischen Blueberry Pancake hinunter.

„Das mit Richard und mir könnte was Ernstes werden“, sage ich stattdessen. Die nüchterne Wahrheit. „Er hat mich letzte Woche gefragt, ob wir offiziell zusammen sein wollen.“ Jetzt ist es raus. Ich sehe Curtis erwartungsvoll an. Ist er enttäuscht? Eifersüchtig? Gleichgültig?

„Offiziell zusammen, hm?“, fragt er, und sein Gesicht bleibt vollkommen ausdruckslos. „Das klingt so richtig nach Romantik und Leidenschaft.“

Okay, anscheinend ist es ihm doch nicht gleichgültig. „Sei kein Arsch“, erwidere ich. „Ich mag ihn eben. Und ich will es mit ihm versuchen.“

»Ja, klar, versteh schon. Er ist Heiratsmaterial. Wird bestimmt ein ganz wundervoller Daddy. Und wenn er dann seinen schlaffen Schwanz einmal im Monat in dich steckt und du deinen Fake-Orgasmus herausstöhnst …«

»Curtis! Er hat keinen –« Doch er lässt mich nicht ausreden.

»Und so ganz allgemein, nur damit ich das richtig verstehe, ist das meine Angelegenheit, weil …?« Curtis kaut demonstrativ gelangweilt auf seinen Pancakes herum.

„Es ist nicht deine Angelegenheit“, sage ich, „sondern Richards und meine. Aber du bist mein Freund und Mitbewohner. Du wirst ihn jetzt öfter zu Gesicht bekommen. Ich will, dass du nett zu ihm bist. Und vielleicht musst du ihm nicht gleich auf die Nase binden, dass wir eine Affäre hatten.“

„Eure Beziehung fängt ja toll an. Mit richtig viel Vertrauen und so.“

„Ich werde es ihm erzählen“, sage ich. »Wenn ich weiß, dass … er mich nicht dafür verurteilt.« Es wird Blueberry Pancakes geben, so viel steht fest.

„Dass er dich nicht verurteilt? Wow.“ Curtis schnaubt verächtlich. „Hätte ich gewusst, dass die Sache mit uns etwas ist, das andere verurteilen, hätte ich mich nie auf dich eingelassen.“ Sein Tonfall verändert sich. Er äfft mich nach.

„Gibst du mir dein Wort?“, frage ich und übergehe seine Aussage.

„Dass wir nichts mehr machen, das Saint Richard verurteilen könnte? Oder dass ich ihm nichts sage?“

„Offensichtlich beides.“

„Du hast mein Wort“, antwortet er. „Wurde mir, ehrlich gesagt, eh ein bisschen langweilig mit dir. Ist also eine Win-win-Situation. Und wer weiß, vielleicht würde Saint Richard mich auch dafür verurteilen, dass ich mich von dir habe sexuell ausbeuten lassen. Das ist das Letzte, was ich will. Wie stehe ich dann da! Vor ihm!“ Seine Stimme trieft vor Sarkasmus.

Ich weiß, dass er das sagt, um mich zu verletzen. Aber damit macht er es mir nur leichter.

„Das zwischen uns war von Anfang an nichts weiter als Spaß“, erinnere ich ihn. „Das waren sogar deine Worte, wenn ich mich richtig erinnere.“

„Also ist doch alles gut, oder?“ Er klingt giftig.

Ich hatte absolut erwartet, dass es so läuft. Deshalb die Pancakes. Dennoch geht es mir jetzt auf die Nerven.

„Kannst du bitte ein bisschen weniger Wichser und ein bisschen mehr Freund sein?“, frage ich. „Du bist mir wichtig, Curtis.“ Und das meine ich vollkommen ernst. Curtis ist eigentlich einer der besten Freunde, die ich habe. Er ist ein toller Mensch, wenn er es zulässt. Viel zu oft versteckt er sich hinter seiner Wut.

Er schnaubt. »Dein Freund, hm? Na, klar kann ich das. Und als dein Freund sage ich dir, dass ich deinen festen Freund für einen langweiligen Lackaffen halte. Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg bei diesem …« Er hält inne und tut so, als würde er nachdenken. „… Abenteuer. Halt mich auf dem Laufenden. Erzähl mir alles. Welche Farbe haben seine Augen? Was hatte er heute zum Frühstück? Wie groß ist sein Penis?“ Er fängt an, mit den Fingern abzumessen. Langsam vergrößert er den Abstand zwischen ihnen. „Echt jetzt?“, fragt er, weil ich nichts sage. „Größer?“ Als seine Finger ungefähr sechzig Zentimeter auseinander sind, lässt er sie wieder sinken. „Dann eben nicht“, mault er.

„Ich meine es ernst, Curtis“, sage ich. „Wir wohnen zusammen. Wir sind Freunde. Und du benimmst dich ein bisschen blöd.“

„Hör zu, Amory. Du bist diejenige, die Blueberry Pancakes gemacht hat. Offenbar dachtest du, mich würde diese Sache interessieren oder treffen oder sonst irgend so einen Scheiß. Glaub mir, es könnte mir nicht egaler sein, mit wem du wann vögelst oder Händchen hältst. Also alles gut.“

Es tut mir weh, dass er so mit mir spricht. Denn er hat mir immer etwas bedeutet. Aber seltsamerweise tut es mir noch weher, zu wissen, dass ihn diese Sache eben doch nicht so kaltlässt, wie er behauptet. Curtis’ Seele ist nicht von Natur aus ein schwarzes Loch. Er ist lediglich das Produkt seiner Umwelt. Und nicht einmal die kann wirklich etwas dafür, dass er so verkorkst ist. Wenn eine große Katastrophe das eigene Leben von einem Tag auf den anderen aus den Angeln hebt, wenn man danach nie wieder die Chance bekommt, unbeschwert zu sein, dann ist unterdrückte Wut vielleicht noch das Beste, worauf man hoffen kann.

„Wenn die Pancakes überflüssig waren, wäre es nur fair, du würdest dich um den Abwasch kümmern“, sage ich und gehe einfach über seine Unverschämtheiten hinweg.

„Darf ich vielleicht noch aufessen?“, fragt er etwas pampig, scheucht Hilbert von seinem Schoß und widmet sich den inzwischen kalten Pancakes. Immerhin ist der feindselige Tonfall aus seiner Stimme verschwunden.

„Ich bitte darum“, antworte ich.

Als er wenig später den Tisch abräumt, nutze ich die Gelegenheit und ziehe ihn in eine Umarmung. Auch wenn er denkt, er würde es nicht brauchen. Auch wenn er mich vermutlich dafür verachtet, dass ich mehr Gefühle zeige als er, nachdem ich unsere Affäre beendet habe.

„Äh“, macht er, lässt mich aber gewähren.

Ich spüre seinen warmen Körper an meinem dünnen Spaghettiträgertop, seine Brust, die sich hebt und senkt. Seine Arme hängen schlaff an der Seite herunter, als wüsste er nicht, wie so eine Umarmung funktioniert.

„Ich hab dich lieb, Curtis“, sage ich und drücke ihn noch ein bisschen fester.

„Halt die Klappe“, sagt er, aber ich höre das leichte Lächeln in seiner Stimme.

„Ich dich auch, wäre eine passende Antwort“, sage ich grinsend, um ihm auf die Sprünge zu helfen.

„Du mich auch“, sagt er und tätschelt etwas unbeholfen meinen Rücken.

Das Gefühl seines Körpers an meinem ist viel zu vertraut. Bevor Erinnerungen wach werden, löse ich mich von ihm.

„Eine Sache sollten wir vielleicht festhalten“, sagt er und dreht den Wasserhahn auf. »Wenn du dich an mich presst, als würdest du mich gleich bespringen wollen …«

»Ich hab mich nicht –«, setze ich an, doch er hört mir gar nicht zu.

»… wenn du deine Brüste in so einem Oberteil, noch dazu ohne BH, an mir reibst …«

»Ich hab meine Brüste nicht –«

»… mir zuckersüße Versprechungen in mein Ohr raunst …«

»Ich hab dir keine –«

„… werde ich an dich denken, wenn ich mir gleich einen runterholen gehe.“ Er zuckt mit den Schultern. „Und in meiner Vorstellung stöhnst du dann andere Sachen als ›Ich hab dich lieb‹.“

„Du mich auch, Curtis“, sage ich und verlasse die Küche.

„Sag Richard liebe Grüße, wenn du ihn siehst“, ruft Curtis mir nach. »Bin ein großer Fan. Wirklich wahr. Vielleicht sein größter. Denkst du, er würde mal mit mir was trinken gehen? Trinkt er überhaupt? Vielleicht auf einen Smoothie? …«

Den Rest höre ich nicht mehr, weil ich meine Zimmertür schließe. Auf meinem Handy leuchtet eine Nachricht von Richard auf, und ich muss unwillkürlich lächeln. Ich habe es verdient, glücklich zu sein. Mit einem Mann an meiner Seite. Viel zu lange habe ich mich nicht getraut, wieder Nähe zuzulassen. Und mit Curtis wäre diese Art von Beziehung, diese Art von Intimität ohnehin nie möglich gewesen. Er weiß das, ich weiß das. Ich bin nicht so naiv, dass ich glauben würde, die richtige Frau könnte Curtis’ seelische Narben heilen. Entweder er macht es selbst, oder er lebt damit.

Guten Morgen, schöne Frau, lese ich, und mein Lächeln wird breiter. Ich habe von dir geträumt.

Das ist es, was ich will. Ein Mann, der keine Angst hat vor seinen Gefühlen. Jemand, auf den ich mich verlassen kann. Ein Mann, der ehrlich ist, mich nicht hintergeht. Jemand, dem ich vertrauen kann. Ich brauche kein Feuer und keine Atemlosigkeit. Ich möchte Liebe, die über Selbstliebe hinausgeht. Statt wild will ich es wunderbar.

2

Curtis

„… am Schlagzeug: Curtis Sullivan, Ladies and Gentlemen“, ruft Link, unser Gitarrist und Leadsänger, ins Mikrofon.

Die Menge johlt, und zum ersten Mal an diesem Abend muss ich mich nicht zurückhalten. Ich kann fucking alles rauslassen. Dresche auf mein Schlagzeug ein, wirble die Sticks über die Toms und Becken. Eigentlich soll mein Solo nur vier Takte lang sein, doch ich bin gerade so im Flow, dass ich einfach weitermache. Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, wie Bonnie, unsere Bassistin, weiterspielen will, aber noch bin ich nicht fertig. Der ohrenbetäubende Lärm, das ungezügelte Wüten ist genau das, was ich brauche. Deswegen ist das Schlagzeug mein Instrument. Weil es alles vergibt. Weil es mich lässt.

Schweiß rinnt mir die Schläfen hinunter, meine Arme brennen, und so komme ich langsam zum Ende. Nach acht statt vier Takten. Dem Publikum gefällt es trotzdem. Sie klatschen und kreischen. Besoffene Touristen, die uns heute hoffentlich genug Kohle für den ein oder anderen Schnaps in den Hut werfen.

Als Link jedem von uns ein Bündel Scheine hinhält, weiß ich, dass es reicht. Zwei Zehner wandern gleich in die Tasche meiner ausgewaschenen Jeans, der Rest verschwindet in meinem Geldbeutel.

„Okay, wer hat Bock auf ’ne Runde Feiern?“, frage ich. „Jasper, du bist entschuldigt.“

„Ich fühle mich seltsam befreit und gleichzeitig beleidigt“, sagt Jasper grinsend. Er ist unser Pianist und Vater von zwei kleinen Kindern. Aus diesem Grund habe ich ihn schon lange abgeschrieben. Auf freundschaftliche Art.

„Bye, Leute“, sagt unser Trompeter Sal. Auch mit ihm ist nichts anzufangen. Er verschwindet nach jedem Gig und jeder Probe sofort. Sagt, er brauche keine Freunde, sondern eine Band. Also geben wir ihm Letzteres und lassen ihn in Ruhe.

„Link? Bonnie?“

Ich habe keine Lust, allein weiterzuziehen, aber zur Not mache ich auch das. Wäre nicht das erste Mal. Denn in die Wohnung zu gehen, um leise lovey-dovey-Gespräche aus Amorys Zimmer zu hören, ist so ungefähr das Letzte, was ich tun möchte. Nicht, weil Amory nicht mit Richard zusammen sein soll. Sie kann es treiben, mit wem sie will. Ich wünschte nur, der Vollpfosten würde es ihr endlich richtig besorgen. Diese Laber-Nummer macht mich sauer.

„Geh ruhig“, sagt Jasper gerade zu Bonnie. Die beiden sind seit ein paar Wochen zusammen und schauderhaft süß dabei. Fast könnte es einem hochkommen, würde man sich nicht für sie freuen.

„Braucht sie jetzt deine Erlaubnis?“, frage ich, was dumm ist, weil ich meinen Freunden nicht ans Bein pissen sollte, wenn ich Gesellschaft will.

Doch Bonnie grinst nur. „Ein Drink, Curtis. Dann geh ich nach Hause.“

„Lieblingsmensch“, sage ich und nehme sie in einen sanften Schwitzkasten.

Link ist auch am Start, und zu dritt gehen wir Richtung Bourbon Street. Link hat die Gitarre auf dem Rücken und schiebt sein altes, klappriges Fahrrad. Jasper hat netterweise Bonnies Kontrabass mitgenommen. Das Schlagzeug gehört ohnehin dem Cat’s Cradle.

Es ist Montagabend, aber trotzdem ist das French Quarter voller angetrunkener Leute. In die Frenchmen Street, in der wir spielen, kommen sie vor allem wegen der Musik. In der Bourbon Street suchen sie Zerstreuung, Rausch und nackte Brüste. Deswegen machen Menschen wie Link und Bonnie meistens einen Bogen darum. Heute steuern sie mit mir eine der Bars an. Zwischen all den Besoffenen, der lauten Musik, die aus den Läden schallt, und den Neonschildern fällt es leicht, sich selbst zu vergessen. Ich liebe es. Liebe die kaputten Leute, den Lärm, die Zügellosigkeit.

Das Lou’s ist meine Stammkneipe auf der Bourbon Street, eine ehrliche Bar ohne großen Schnickschnack. Hinter der Bar steht Lous Frau, eine dralle Blondine, die hier so etwas wie die gute Seele ist.

„Curtis, Darling“, sagt sie, als sie mich erblickt. Ihre stark geschminkten Augen hellen sich merklich auf.

„Wanda, mein Engel, krieg ich drei Wodka und drei Bier?“, frage ich und klopfe auf den Tresen.

„Für mich keinen Wodka“, ruft Bonnie aus der Sitznische, die sie und Link besetzt haben, doch ich ignoriere sie.

Wir stoßen an, ich kippe den Wodka hinunter und nehme einen tiefen Schluck von meinem Bier. Ich fühle mich großartig und nur ein bisschen beschissen.

„Was für ein geiler Abend, oder?“, sage ich in die Runde.

„Haben wir lange nicht gemacht“, erwidert Link.

„Ja, weil ihr auf einmal langweilig geworden seid.“

„Oder glücklich“, schlägt Bonnie vor.

„Darauf trinke ich“, sagt Link.

Mir entgeht nicht, dass auch er seinen Wodka nicht angerührt hat. Also ziehe ich sowohl Bonnies als auch sein Shotglas zu mir. Umso besser.

„Dann erzählt mal, wie läuft’s in euren monogamen Beziehungen?“, frage ich und kippe Bonnies Wodka hinunter.

„Eigentlich ist alles perfekt“, sagt Link. »Franzis Visum wurde verlängert. Aber eine feste Stelle hat sie immer noch nicht gefunden. Sie hat ein paar kleinere Aufträge für Bekannte von Faye gemacht, sodass sie über die Runden kommt. Nur die Sache mit der Aufenthaltserlaubnis …«

Er spricht nicht zu Ende. Ich weiß, dass die Situation für ihn und seine Freundin Franzi, die aus Deutschland kommt, schwierig ist. Und ich weiß auch, dass es eine Lüge wäre, zu sagen, dass alles gut wird. So funktioniert es nun mal nicht. Für manche wird es gut. Andere bleiben auf der Strecke. Deswegen schweige ich und wünsche den beiden im Stillen alles Gute.

„Ich sage meiner Mom, sie soll sich in der Gemeinde umhören. Vielleicht hat jemand eine Idee“, sagt Bonnie. Sie ist eine echt gute Freundin. So gut, dass es fast albern ist. Wahrscheinlich ist sie der Mensch, dem ich am allermeisten vertraue.

„Genug von uns“, sagt Link. „Wie läuft’s bei dir und Jasper? Honeymoon-Phase und rosarote Brille?“ Er grinst Bonnie an.

„Das haben wir übersprungen, glaube ich“, antwortet sie. »Bei uns ist von Anfang an Alltag gewesen. Aber …« Kurz zögert sie. „Der Alltag fühlt sich an wie Honeymoon.“

Ich stürze Links Wodka in einem Zug hinunter. „Da kriegt man ja fast Lust auf eine Pyjamaparty und gegenseitiges Nägellackieren, wenn man euch so zuhört“, sage ich. „Wanda? Kriegen wir noch drei Kurze?“

„Willst du vielleicht ein bisschen langsam machen?“, fragt Link.

Ich schnaube. „Da haben wir nach Monaten einmal Zeit, zu dritt ein bisschen zu feiern, so wie früher. Und ausgerechnet dann soll ich langsam machen?“

„Ich meine ja nur, du hast vermutlich mehr davon, wenn du dich morgen noch daran erinnerst.“

„Aber darum geht es doch“, sage ich und lege ihm meinen Arm um die Schultern. „Einmal nicht daran denken, was morgen ist.“

Wanda bringt drei neue Shotgläser.

„Trink einen mit, Wanda!“, rufe ich begeistert. Meine Zunge wird schon etwas schwer, mein Kopf ist allerdings vollkommen wach. Das hier ist ein guter Moment!

Wanda quetscht sich zwischen Link und mich. „Worauf trinken wir?“, fragt sie mit ihrer rauchigen Stimme.

„Auf das Leben. Auf uns!“, sage ich überschwänglich. „Darauf, dass wir uns genug sind.“

Bonnie und Link heben ihre Biergläser, doch mir entgeht der Blick nicht, den sie sich zuwerfen. Und auf einmal wünschte ich, ich wäre allein unterwegs. Ohne Leute, die auf mich aufpassen wollen. Die über mich urteilen. Die wollen, dass ich langsam mache, während sie vor ein paar Monaten noch genauso drauf waren wie ich.

Wanda versteht mich. Sie lacht und lebt einfach. Obwohl sie es sicher auch nicht leicht hat. Und in meiner euphorischen Stimmung gebe ich ihr einen Kuss auf ihre klebrige alte Wange.

„Ach, du“, sagt sie und wird unter der dicken Schicht Make-up tatsächlich etwas rot. »Wäre ich ein paar Jahre jünger …«

Der Alkohol macht alles besser. Alles ein bisschen wärmer. Alles ein bisschen lebendiger. Mich eingeschlossen. Ich werde richtig hungrig aufs Leben, hungrig auf Abenteuer. Hungrig auf neue Leute, fremden Sex. Ich spüre, wie etwas aus mir herausbrechen möchte, und bestelle noch eine Runde Bier und einen weiteren Shot.

Eine Horde junger Männer betritt johlend die Bar. Sie tragen einheitliche T-Shirts. Seine letzte Stunde hat geschlagen steht darauf. Der Bräutigam bahnt sich seinen Weg durch die Bar. Sein T-Shirt verrät, dass er heute noch ledig und ab morgen erledigt ist.

„Wir brauchen Bier“, grölt er, und seine Entourage antwortet mit wolfsartigem Geheul.

„Hey, du!“, rufe ich. „Wenn du deine Frau so scheiße findest, warum heiratest du sie dann?“ Ich merke, dass ich etwas lalle.

„Curtis, lass ihn doch!“, sagt Bonnie.

„Würde mich aber echt mal interessieren.“ Ich verschränke die Arme vor der Brust und sehe ihn spöttisch an. „Hat sie auch so ein megacooles T-Shirt?“

„Trink was mit uns“, sagt der Junggeselle und bedeutet Wanda, mir noch ein Bier zu zapfen. „Ist doch alles nur Spaß.“

„Nee, Leute, echt nicht.“ Ich versuche, jede Silbe ganz genau auszusprechen, um nicht so dicht zu wirken, wie ich bin. „Lasst uns woanders hingehen.“

Das Bier, das der zukünftige Bräutigam vor mich stellt, exe ich, während ich aufstehe. Ich merke, dass ich etwas schwanke. Das ist das Problem am Alkohol. Während man im Kopf noch voll da ist, versagen die Muskeln langsam.

„Wollen wir vielleicht nach Hause gehen?“, schlägt Bonnie vor.

„Wollen wir vielleicht deine Schwester besuchen?“, frage ich. Bonnies Zwillingsschwester Lula tanzt in einem Nachtclub ein paar Blocks weiter.

„Da bin ich raus“, sagt Link.

„Bei dir hat das mit dem Erledigtsein schon vor der Ehe angefangen, oder?“, frage ich und fühle mich wie ein komplettes Arschloch dabei. Ich mag Franzi. Und eigentlich ist es wohl nett, dass Link sich keine anderen Brüste anschauen will. Aber es frustriert mich trotzdem.

„Geh nach Hause, Curtis“, sagt er nun, und ich kann es ihm nicht mal verdenken.

„Sorry, Mann, war nicht so gemeint. Ein Drink bei Lula, dann gehen wir nach Hause.“ Ich vermutlich nicht, allerdings muss ich ihm das ja nicht auf die Nase binden.

Bei meinen ersten Schritten Richtung Ausgang schwanke ich noch ein bisschen, doch dann pendelt sich mein Körper wie von selbst wieder ein. Ich klatsche Wanda ein paar Scheine auf den Tresen und werfe ihr eine Kusshand zu.

Draußen fische ich etwas unkoordiniert meine Zigarettenschachtel aus der Hosentasche und schnippe zweimal dagegen, bis eine Kippe herausfällt. Meine Bewegungen sind zu langsam, und im nächsten Moment muss ich mich nach ihr bücken. Das Feuerzeug reagiert erst auf den dritten Versuch.

Inzwischen sind Bonnie und Link neben mir aufgetaucht. „Also, was is’?“, frage ich und inhaliere tief. Ein bisschen zu tief, denn sofort kippt die Welt. „Whoa“, mache ich und suche mein Gleichgewicht. Ich lehne mich an die Wand der Bar und fange an zu lachen. „Was für Trottel, oder?“ Ich zeige durchs Fenster auf den Junggesellenabschied. „Besuchen wir jetzt Lula?“

„Ein Drink, Curtis“, sagt Bonnie. „Und Link lassen wir nach Hause gehen.“

„Abgemacht. Du bist eh mein Lieblingsmensch“, flüstere ich so laut, dass Link es auf jeden Fall hört. Ich fühle mich ziemlich witzig. Beschwingt. Link kann machen, was er will. Ich habe Bonnie.

Der Eingang zu dem Nachtclub, in dem Lula arbeitet, ist mit dem Neonschriftzug „Girls, Girls, Girls“ verziert. Vor der Tür steht ein bulliger Typ und lässt sich Ausweise zeigen.

„Weißt du, ob Lula tanzt?“, fragt Bonnie.

„Sie müsste schon angefangen haben“, sagt der Bullige und winkt Bonnie herein. Ich klatsche mit Link ab und will hinter Bonnie in den Club gehen, doch der Türsteher bremst mich mit seiner Hand.

„Was, Mann?“, frage ich. „Ich gehöre zu Bonnie.“

„Du bist jenseits, Alter“, sagt er.

„Jenseits von was?“

„Jenseits von ›nüchtern genug, um hier reinzukommen‹.“

Bonnie ist inzwischen wieder neben mich getreten. „Er ist cool, er gehört zu mir“, sagt sie.

„Sorry, Bonnie, aber das kann ich nicht machen.“

„Was kannst du nicht machen, du Clown?“, frage ich.

„Besoffene Vollidioten wie dich in den Club lassen.“

„Alter, wie hast du mich gerade genannt?“ Ich hasse diesen Typen. Vielleicht schwanke ich etwas, doch ich bin ein fucking zahlender Kunde.

„Anweisung vom Chef“, sagt er gerade zu Bonnie. „Ich kann da echt nichts machen. Die Sicherheit der Mädels geht vor.“

Ich fange an, laut zu lachen. „Was ist dein verfluchtes Problem, Mann? Glaubst du, ich würde Lula anfassen? Wir wollen einfach nur was trinken.“

„Das habt ihr sehr erfolgreich schon woanders gemacht“, erwidert er und wendet sich den nächsten beiden Kerlen zu, die ihm ihre Ausweise hinhalten.

„Komm, Curtis, das ist ein Zeichen. Wir gehen einfach bald wieder zusammen was trinken.“ Es ist Link, der nach wie vor hinter mir steht, bereit loszufahren.

„Ich scheiß auf den Kerl und seine verfickten Regeln“, sage ich, und während er mit der Taschenlampe auf den einen Ausweis leuchtet, mache ich einen Satz an ihm vorbei und in den Club hinein.

Drinnen ist es dunkel und nicht so voll, wie man erwarten würde. Auf einer Bühne rekeln sich zwei Frauen in aufreizender Unterwäsche zu irgendwelchen Beats. Eine große Blonde und die tätowierte, zierliche Lula. Ich sehe mich hastig um, suche eine Möglichkeit, um mich vor dem Türsteher zu verstecken. Das Adrenalin bewirkt, dass ich mich auf einmal wieder ganz nüchtern fühle.

„Was habe ich dir gerade gesagt, Bürschchen?“, höre ich eine Stimme hinter mir. Der Türsteher hat mich sofort ausgemacht. Bonnie steht hinter ihm, auf dem Gesicht ein müdes Grinsen.

Ich bin stark, aber der bullige Kerl ist stärker als ich. In null Komma nichts hat er mich am Arm gepackt und schleift mich wieder nach draußen. Ein paar Köpfe wenden sich um.

„Ich will dich hier heute Abend nicht mehr sehen“, sagt der Türsteher. „Sonst gibt’s Hausverbot.“ Vor dem Eingang lässt er mich los, jedoch nicht ohne mir einen kräftigen Schubs zu geben, sodass ich beinahe nach hinten umfalle. So behandelt mich keiner. Schon gar nicht so ein dahergelaufener Möchtegern-Hulk. In mir regt sich die Wut. Wut auf ihn, Wut auf seine beschissenen Regeln, die der Grund sind, warum ich nicht noch einen Drink mit Bonnie nehmen kann. Wut auf die ganze verfluchte Welt, in der nie irgendwas so läuft, wie ich es mir vorstelle.

„Finger weg!“, knurre ich und schubse ihn zurück, so fest ich kann. Ich will, dass er sich wehrt. Will, dass er mit seinem fetten Arm ausholt. Doch er hält einfach nur meine Hände fest und lacht. Lacht mich aus.

„Geh nach Hause, Junge“, sagt er und schenkt mir einen mitleidigen Blick.

Ich will sein verficktes Mitleid nicht. Ich will ihm seine hässliche Nase brechen. In dem Moment, als er mich loslässt, bin ich bereit. Ich hole aus, doch wieder fängt er meine Hand ab und hält sie fest.

„Mach dich nicht lächerlich“, sagt er. „Ich bin genau für so was ausgebildet.“

„Curtis?“, fragt Bonnie hinter mir. „Hast du jetzt genug?“

Und ja, ich schätze, das habe ich. Ich spucke auf den Boden und laufe mit großen Schritten die Bourbon Street zurück. Von ferne höre ich noch, wie Bonnie Link versichert, dass sie sich um mich kümmert. Als bräuchte ich einen Babysitter.

„Hey, Curtis“, ruft sie wenig später. „Warte auf mich.“ Sie rennt hinter mir her und hat mich gleich darauf eingeholt. „Das war uncool“, sagt sie. „Ich hasse es, wenn du so bist.“

„Ich hasse es, wenn die Welt so ist.“

„Ich weiß“, sagt sie und legt mir eine Hand auf den Arm. „Aber die anderen können nichts dafür.“

Vielleicht hat sie sogar recht. Ich weiß es nicht. Ich weiß gerade gar nichts so richtig. Außer dass die Welt sich wieder dreht und ich auf einmal sehr müde werde.

„Tut mir leid, Bonnie.“

„Ist schon okay.“

„Nein, das ist es nicht. Ich wollte, dass wir einen geilen Abend haben. Einfach nur noch ein Drink. Deine Brüste an deiner Schwester sehen.“

„Du bist so ein Arsch“, sagt sie und boxt mich fest in die Seite.

„Aua!“

„Du bist ein Arsch, aber es liegt daran, dass Amory mit dir geredet hat, oder?“

Ich gebe einen knurrenden Laut von mir. „Komm mir bloß nicht so.“

„Es ist nicht schlimm, wenn man traurig ist.“

„Traurig? Dass ich nicht lache!“

»Du kannst vor mir du selbst sein, weißt du? Dass sie jetzt mit Richard –«

„Lass den Scheiß, Bonnie“, unterbreche ich sie. Denn den Namen dieses Langweilers kann ich im Moment echt nicht ertragen. „Er hat mich provoziert, und ich habe keinen Bock, mir alles gefallen zu lassen. Mehr ist da nicht.“

„Okay“, sagt sie, aber ich merke ganz genau, dass sie mir nicht glaubt. Das ist der Scheiß mit Freunden. Sie verstehen dich immer besser als du dich selbst.

Kathinka Engel

Über Kathinka Engel

Biografie

Kathinka Engel kennt die Buchwelt aus verschiedensten Perspektiven: Als leidenschaftliche Leserin studierte sie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin und als Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage. Wenn...

Weitere Titel der Serie „Love-is-Reihe“

Eine bunte, ungewöhnliche Stadt, eine junge Band und die große Liebe: In dieser Reihe entführt uns Spiegel-Bestsellerautorin Kathinka Engel ins bunte und lebensfrohe New Orleans – und mitten hinein in das turbulente Leben einer Band. Zwischen berauschenden Auftritten und dem harten Alltag als Berufsmusiker suchen sie alle nach ihrem persönlichen Happy End.
Pressestimmen
@lorelaisparadise

„Mit diesem Buch hat Kathinka Engel alles richtig gemacht. Mich zum Weinen, zum Lachen, zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht. Selten ein Buch gelesen bei dem jedes kleinste Detail gepasst hat, aber bei diesem war dies der Fall.“

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